Englisches Teegebäck – Original und Fälschung

Seit vielen, vielen Jahren besitze ich ein Backbuch: Das legendäre „Backen macht Freude“ von Dr. Oetker, Auflage 1987. Und schon fast genauso lange wollte ich einmal dieses wunderbare Englische Teegebäck backen, dass dort so appetitlich abgebildet war. Fast schon kann man beim Betrachten der Seite einen zarten Buttergeruch spüren, zusammen mit dem verlockenden Aroma von Ostfriesentee. Hier haben wir das Original von Dr. Oetker:

Am Freitag ist es nun endlich soweit: Ich habe alles eingekauft und fülle es wie vorgeschrieben nach und nach in meine Rührschüssel ein. Der Knethaken knetet. Und der Teig klebt. Ihhh bah – was nun? Ah ja, zur Rolle formen und kalt stellen. Das mache ich so. Der Teig wird zum Stein, der sich unverbrüchlich mit dem Teller, auf dem er liegt, verbunden hat. Das schreit nach Werkzeugeinsatz. Ich säbele eine Portion Teig heraus und gehe in die Detailverarbeitung: ausrollen, Stäbchen formen, die auf das Blech legen, mit einer Gabel ein Muster hineindrücken und mit Zucker bestreuen. Ich werkele emsig. Die Stäbchen sollen 6 mal 1,5 Zentimeter haben – ausgemessen wird das nicht, sondern halt mal so frei Schnauze gemacht. Und dieses Muster mit der Gabel – leichter gesagt als getan. Der Keks bleibt gerne in der Gabel hängen – also die Gabel vor dem Reindrücken einmehlen. Was soll das überhaupt mit diesem Muster? In Schönheit gestorben sind schon andere vor mir – habe ich das nötig? Eigentlich ja eher nicht, aber es soll ja hübsch aussehen. Also werden alle Stäbchen bemustert, man gönnt sich ja sonst nichts.

Dann in den Ofen und backen. Als die Stäbchen die Farbe haben, die im Backbuch zu sehen ist, sind sie schlicht nicht gar – also wieder rein. Komisch sehen sie aus, meine Stäbchen: unregelmäßig ist noch freundlich gesprochen. Einige sind aus der Form gegangen, gerne so um die Mitte herum. Andere haben sich mit dem Nachbarn verbündet und bilden eine Art siamesische Zwillinge, die ich vorsichtig operativ trenne. Meine Kekse sind ein wahres Abbild unserer Gesellschaft: Es gibt große und kleine, dicke und dünne, helle und dunkle Kekse. Hier ein Tellerchen meiner bunten Kekswelt:

Geschmacklich sind meine Teekekse wirklich gut, aber optisch lassen sie etwas zu wünschen übrig. Ich glaube, sollte ich sie nochmal backen, forme ich einfach kleine Kugeln und drücke die platt – das ist sicher einfacher und sieht mindestens so schön aus.

Und wieder einmal muss ich an den armen Mann denken, der vor vielen Jahren mit meiner Berufsberatung befasst war: Nach der Auswertung meiner Tests bescheinigte er mir gute Fähigkeiten in allen sprachlichen und logischen Bereichen. Nur die Geschicklichkeit und die soggenannte „Hand-Augen-Koordination“ ließ deutlich zu wünschen übrig. er sagte dazu: „Im Grunde können Sie fast alles werden, was Sie möchten. Aber bitte machen Sie nichts Handwerkliches.“ Wie recht er hatte 🙂

Gegen den Herbstblues: Pudding

Eigentlich mag ich den November ja. Die Dunkelheit, das usselige Wetter, all das läd dazu ein, es sich in der Wohnung gemütlich zu machen. Tee und Kerzen, Hörbücher hören und Strümpfe stricken, dieses Programm ist nicht das Schlechteste. Auch dieses Wochenende ist so geplant.

Trotz aller Geruhsamkeit stehe ich ja gerade am Wochenende gerne früh auf. Und vor acht Uhr habe ich die besten Ideen. Die Morgenidee von heute war besonders gut: Denn ich habe Pudding gekocht. Genau genommen meinen allerliebsten Pudding aus der Kindheit. Das Rezept war eine Weile bei mir in Vergessenheit geraten, doch seit ich regelmäßig Joghurt herstelle, ist eigentlich immer Naturjoghurt im Haus. Und der muss manchmal weg, so wie heute. Also gibt es dieses Wochenende Mandarinenpudding.

Das Rezept ist denkbar einfach: Man koche einen Standard-Vanillepudding, kippe zwei Becher/Gläschen Naturjoghurt dazu und rühre kräftig um. Dazu kommt eine Dose Mandarinen ohne Saft. Wahrscheinlich geht das auch mit anderem Dosenobst, aber nur Mandarinen machen dieses schöne, glitschig-schlüpfrige Gefühl im Mund. Und die ganze Kombination ist auch noch gut für das Gewissen, denn man isst ja nichts Ungesundes, sondern fast nur Joghurt und Obst. Das passt zum November, zum Tee und den Kerzen.

Abenteuer Muckefuck

Ich gebe zu, dass der Begriff „Abenteuer“ vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen ist für meine Erfahrungen mit Getreidekaffee. Aber man kann mit dem Gebräu allerhand erleben, zumindest, wenn man sich dösig genug anstellt.

Ich trinke ja sehr gerne Kaffee, und das eigentlich schon immer. Als Kind durfte ich keinen, stattdessen gab es Caro als Kinderkaffee (der in der Werbung immer wunderbar besungen wurde). Den trinke ich immer noch an jedem Morgen, bevor ich zur Arbeit gehe. Ich mag es, dass er schnell aufzurühren ist und nicht meckert, wenn man ihn mit nur halbwarmem Wasser aus der Leitung aufrührt. Ich habe morgens nämlich immer wenig Zeit und mag weder lange Kaffee kochen noch zu heiße Getränke kaltpusten. Folglich habe ich auch nicht vor, meinem Frühstücksgetränk untreu zu werden.

Trotz meiner Getränketreue faszinierte mich jedoch schon seit Monaten das altmodische Paket von Lindes Kornkaffee mit Zichorie. Ein blau-weißes Design, auf nette Weise altmodisch, dazu ein unschlagbarer Preis von 1 Euro 59 pro Packung – das sollte man doch mal ausprobieren. Hinzu kam, dass meine Schwester mir irgendwann erzählte, dass sie in ihrer kaum vergangenen Jugend immer bei irgendeiner Bekannten diesen Ersatzkaffee getrunken habe, gemischt mit Bohnenkaffee, und das sei ein wunderbares Gesöff gewesen. Ich nahm also ein Päckchen Lindes mit nach Hause und probierte es aus. Das war gar nicht so einfach:

Zubereitung Lindes KornkaffeeIch muss ja gestehen, dass ich zunächst etwas verdattert über die Zubereitungsanleitung bin: Gewöhnt an das einfache Einrühren des Caro-Instantpulvers, erwartet man hier von mir, dass ich einen Filter fülle, mit kochendem Wasser überbrühe und das Ganze ziehen lasse – aha. Wo fülle ich das denn jetzt ein – den empfohlenen Baumwollfilter habe ich nicht im Haus. Aber dafür Papierteefilter, die sollten doch den gleichen Zweck erfüllen? Lange habe ich die nicht benutzt, wo sind nur die metallenen Halter dazu? Ich wühle herum – mein ganzes Leben scheint aus dieser Tätigkeit zu bestehen. Endlich finde ich die kleinen Klammern und es kann losgehen.

Feierlich löffle ich eine Menge von dem faserig-pulverigen Zeug in einen Filter. Wie viel braucht man wohl für mein Kännchen? Ich nehme drei Löffel, gieße Wasser dazu und warte ab. Nach drei Minuten nehme ich den Filter raus und gieße mir feierlich etwas Muckefuck in eine meiner Lieblingstassen. Milch dazu, umrühren. Sieht komisch aus. Heiß ist er, und dünn. Sehr dünn. Viel zu dünn – das war nix. Als sparsamer Mensch trinke ich ihn trotzdem, aber Genuss geht anders.

Das nächste Mal will ich es besser machen: Den kleinen Teefilter löffle ich ganz voll mit Pulver, rein in die Kanne, Wasser drüber, warten, fertig. Beutel rausnehmen – geht nicht. Das Säckchen ist aufgequollen und passt nicht mehr durch die Kannenöffnung. Ich ziehe ein bisschen, aber nicht vorsichtig genug: Die Klammer löst sich vom Filter, der geht leise seufzend in der braunen Brühe unter und verteilt seinen matschigen Inhalt in meinem Getränk. Und ich mache dazu wahrscheinlich ein unglaublich dummes Gesicht.

Ich mache mich also an die Rettung meines Muckefucks, lege eine Filtertüte in einen Kaffeefilter, stelle den auf eine andere Kanne und gieße meinen verunreinigten Muckefuck da durch. Das heißt, ich versuche es. Zuerst geht es ganz gut, aber je mehr Satz im Filter landet, desto schlechter läuft die Flüssigkeit durch. Das Zeug scheint tatsächlich die Konsistenz von Mörtel zu haben. Ich zuppele ein wenig am Filter herum, um das Durchlaufen zu beschleunigen – und das Ding reißt. Dieses Mal aber bin ich schnell, nehme den Filter, der sich gerade anschickt, den Ersatzkaffeesatz erneut in mein Getränk fließen zu lassen, hastig von der Kanne. So nicht, mein Freund! Ich kleckere herum, Arbeitsplatte, Fußboden, aber egal. Ich will meinen Muckefuck trinken, jetzt, und ihn nicht noch durch einen dritten Filter jagen!

Lindes KornkaffeeTrotz der dilettantischen Zubereitung schmeckt mein „Kornkaffee mit Zichorie“ dieses Mal deutlich besser als beim ersten Versuch. Es ist allerdings nicht so, dass ich diesen Ersatzkaffee lieber mögen würde als den Kinderkaffee, den ich gewohnt bin. Ich fürchte also, dass dieses eine Paket Lindes das einzige sein wird, das ich je kaufen werde, denn dieses Gefummel bei der Zubereitung ist mir doch gar zu lästig. Ich bleibe meinem Caro treu – Deckel auf, heiß Wasser drauf. Aber gut, für 1 Euro 59 kann man wohl nicht auch noch Bequemlichkeit erwarten.

Nachtrag: Für alle die, die sich für das Gewächs „Zichorie“ interessieren, hier eine kurze Übersetzung: Die Zichorie heißt auf Deutsch „Gemeine Wegwarte“. Laut Wikipedia war sie 2005 „Gemüse des Jahres“ und 2009 sogar „Blume des Jahres“, sie ist also ein wirklich erfolgreiches Kraut. Es gibt sie in verschiedenen Unterarten, unter anderem als Salatzichorie und Wurzelzichorie. Letztere wird für den Ersatzkaffee benutzt. Mehr über diese vielseitige Pflanze gibt es hier zu lesen. Und so sieht sie aus:

Zichorienblüte, zur Verfügung gestellt von Alvesgaspar in den Wikipedia Commons. Das Bild wird als außergewöhnlich schön bezeichnet („one of the finest“), zurecht, wie ich finde.

Rote Beete-Suppe: fremd-vertraut

Rote Beete Suppe, Rezept

Drei Rüben und vier Kartoffeln in Rinderbrühe

Ich habe mal wieder gekocht. Wie fast immer ohne Rezept, einfach aus dem Bauch heraus und mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes (jaaaa, doch, das habe ich, auch wenn böse Zungen was Anderes behaupten!).

Aus einer Laune heraus kaufte ich am Samstag drei rote Beeten. Die gab es früher zuhause oft: Meine Mutter bekam sie in großem Stil von gärtnernden Bekannten vermacht, kochte sie und legte sie süß-sauer ein. Ich mochte dieses Gemüse immer und half auch gerne bei der Zubereitung: Zum einen, weil ich frisch gekochte rote Beete „ohne alles“ gerne esse, zum anderen, weil das Schälen von gekochten roten Beeten wirklich Spaß macht: Wenn man Glück hat, lässt sich die Schale einfach so abstreifen und wenn man doch mit dem Messer helfen muss, ist das sehr schnell gemacht.

Ich wollte eine Suppe kochen. Das habe ich noch nie gemacht und auch noch nie gegessen, aber so schwer konnte das nicht sein. Im Internet guckte ich nach der Kochzeit der Rüben – zwar weiß ich, wie die sich in etwa anfühlen müssen, wenn sie fertig sind, aber alle fünf Minuten mit dem Messer reinpieken war mir dann doch zu lästig. Das kluge Internet meinte, ich solle die doppelte Kochzeit von Kartoffeln einplanen – das erste Mal piekte ich also nach rund einer dreiviertel Stunde in meine Rüben und fand sie noch zu hart. Nach einer guten Stunde goss ich sie ab. Der Geruch war so vertraut, dass ich unwillkürlich an unsere hellbraune Küche zuhause denken musste. Den Topf verwendete ich gleich weiter, um vier sehr dicke Kartoffeln zu kochen – nur rote Beete schien mir zu wenig als Grundlage für meine Suppe.

Erstaunt hat mich wie so oft die unglaubliche Farbe der roten Beeten: Dieses tiefdunkle Burgunderrot, dass sich auch durch das Zufügen von Kartoffeln nicht beirren lässt, ist schon toll. Es macht richtig Spaß, die pürierten Kartoffeln und die Sahne zuzugeben und langsam einzurühren, denn zuerst strudelt es schön bunt und dann kann man die endgültige Farbe bewundern. Allerdings bestand im Internet bezüglich der Färbekraft der Rüben eine gewisse Hysterie, es wurde einem nahegelegt, auf jeden Fall mit Gummihandschuhen zu arbeiten, weil die Farbe sonst niiiiie wieder abgehen würde. Das ist Quatsch, allerdings sollte man mit der Kleidung aufpassen – in einer weißen Bluse hätte ich diese Suppe nicht gekocht.

Wie üblich brutzelte ich auch eine Art Einlage für meine Suppe zusammen – ich mag es nicht, wenn ich nur eine Cremesuppe ohne etwas zum Kauen auf meinem Teller habe. Noch habe ich Zähne 😊

Insgesamt ist meine Suppe wunderbar lecker geworden. Die Zutaten waren:

  • 3 rote Beeten, püriert
  • 4 dicke Kartoffeln, püriert
  • Etwa 1 Liter Rinderbrühe für Faule (aus dem Glas)
  • 250 ml Kochsahne mit 15% Fett

Für die Einlage:

  • 1 dicke Zwiebel
  • 200 g gegrillte Hähnchenbrust (Aufschnitt, musste weg)
  • 1 Glas Pilze

Und natürlich Pfeffer und Salz.

Wir müssen reden!

Himmel, gehst du mir auf die Nerven! Bsss, Bssss, Bssss … Tock, Tock, Tock – kannst du das bitte mal lassen? Das geht jetzt seit Stunden so. Jeden Tag kommt jemand von euch und belästigt mich – was soll das? Ja, ich weiß, man hat euch gestört, aber dafür kann ich nichts. Jetzt hör‘ auf damit, ich muss mich konzentrieren. Es ist nicht höflich, jemandem ständig ans Fenster zu klopfen. Schon gar nicht von innen.

Ich muss nachdenken. Ich muss diese Geschichte zum Schnittlauch schreiben, 7-Kräuter-Lesung*, weiß’te Bescheid? Das kann ich nicht, wenn ständig jemand klopft. Ich kann beim Schreiben fernsehen, laute Musik hören oder in einer Kneipe Bier saufen, aber dieses Bssss, Bssss, Bsss, Tock, Tock, Tock macht mich verrückt. Gleich kloppe ich da mit ‘nem Schuh drauf, Ökologie hin oder her. Ich verstehe es auch nicht – ich habe dir alle Ausgänge aufgemacht, und du doofes Tier fliegst trotzdem immer wieder gegen die Scheibe. Tock, Tock – nein, nicht da, zehn Zentimeter weiter links! Links – das andere links! Oh Himmel, du blödes Vieh, du bist da doch auch reingekommen, warum kommst du da nicht wieder raus?

Eigentlich sagt man diesem Himmelsvolk doch eine gewisse Intelligenz nach – ich kann das nicht feststellen. Allerdings nehme ich an, dass irgendwelche Völker beim Abriss unseres Nachbarhauses gestört wurden, denn sonst sind die doch um diese Jahreszeit noch nicht so verwirrt. Komm, kleiner Flieger, raus mit dir, geh‘ Bäume bestäuben. Mach‘ endlich deinen Job und lass‘ mich schreiben.

Es hat keinen Sinn, ich gehe erst mal kochen. Sonst habe ich nicht nur keinen Text, sondern verhungere auch noch – und das wäre doch schade. Ich will Tomatenbohnen machen, nach dem Rezept meiner Mutter. Ich glaube, das Ur-Rezept war von Tante Rita. Ich habe das noch nie gemacht, aber so schwer kann das nicht sein. Zwiebeln, Hackfleisch, geschälte Tomaten, Bohnen, dazu Reis. Zuhause gab es dazu Kartoffeln, es gab immer Kartoffeln, wir waren ja in Norddeutschland. Es kocht sich flott, schmeckt aber sehr „nature“, da fehlt eindeutig Gewürz. Pfeffer und Salz, sonst noch was? Und wie viel davon? Ach, Muttchen, auch wir müssten mal wieder reden. Dabei weiß ich ganz genau, was du mir auf die Frage nach den Mengen antworten würdest, und höre deine Stimme: „Ja, da muss ordentlich was rein. So nach Gefühl.“ Ich würze also fünf Mal nach, dann sagt mein Gefühl, dass es passt. Gut, das wir gesprochen haben.

Tomatenbohnen

Ich nehme mir eine Portion aus dem großen Topf, der Rest wird später eingefroren für schlechte Zeiten. Wie viel will ich denn essen? Ich höre die Stimme meines Vaters: „Meistens nehme ich vierschleifig, aber heute reicht dreischleifig.“ Ein Schleif wird eigentlich „Schleef“ gesprochen und ist eine plattdeutsche Suppenkelle, das Wort „schleifig“ gibt es nicht. Eine dreischleifige Portion Eintopf umfasst drei Kellen, und die reichen mir heute. Danke für den Tipp, Papa.

Ich schlendere ins Wohnzimmer und esse eine Portion pure Nostalgie. Das dumme Tier fliegt immer noch an mein Fenster, inzwischen allerdings in der Küche. Das soll mir recht sein, solange es den neugierigen Rüssel aus dem Topf lässt und nicht den Rest meiner Tomatenbohnen klaut. Hast du gehört, du Vieh? Weg da! Geh‘ Bäume bestäuben, ich will Kirschen!

 

*Nachtrag: Die 7-Kräuter-Lesung findet am 29. April um 19:30 in der Kneipe „Grüne Soße und mehr“ in Oberrad statt.

Mein erster Joghurt

Wie versprochen, hier ein erster Erfahrungsbericht über die Joghurtherstellung mit meiner neuen Joghurtmaschine: Gestern befüllte ich die Gläschen vorschriftsmäßig und wartete dann ganz brav achteinhalb Stunden ab. Um ehrlich zu sein, ist mir das Warten recht schwer gefallen – gerne hätte ich zwischendurch mal ein Gläschen herausgenommen und geguckt, ob sich schon was tut. Aber das ist streng verboten. Also wartete ich ab und setzte die fertigen Gläser abends nur in den Kühlschrank um. Zum Nachreifen, wie es so schön in der Gebrauchsanleitung heißt.

Heute morgen war es dann soweit: Ich konnte probieren. Zunächst schraubte ich ein Gläschen auf und prüfte, ob aus der Milch etwas Festeres geworden war. Und in der Tat, der Joghurt war einigermaßen fest geworden. Er entsprach von der Konsistenz her in etwa dem Bio-Joghurt, den ich in die Milch gerührt hatte – der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm. Wenn man ihn auf die Seite legt, läuft ein wenig helle Flüssigkeit heraus, der eigentliche Joghurt bleibt aber im Glas.

Ich probierte die Sache, zunächst natürlich pur: Der Joghurt ist mild, sogar milder als der Ur-Joghurt. Etwas mehr Säure fände ich ganz gut, aber schlecht ist es nicht.

Zum Frühstück wollte ich den Joghurt aber nicht pur essen, sondern ein wenig Frucht dazugeben. Ich hatte die Wahl zwischen einigen Marmeladensorten und Preiselbeeren – die machten wie so oft das Rennen.

Die Kombination schmeckt sehr lecker, die Beeren kommen durch den sehr milden Joghurt gut zur Geltung. Allerdings wird der Joghurt durch die Fruchtzugabe erstaunlich flüssig – flüssiger als ein gekaufter Joghurt, wenn man Obst unterrührt. Ob das generell so ist oder von irgendwelchen Faktoren abhängt, muss ich durch Experimentieren herausfinden – vielleicht ergibt ein festerer Ur-Joghurt (oder sollte man ihn „Mutter-Joghurt“ nennen?) oder eine längere Brüt- oder Kühldauer ein anderes Ergebnis. Ideal wäre dieser Joghurt sicherlich zum Backen, ich verwende für Muffins immer lieber Naturjoghurt als Milch.

Auf jeden Fall gibt die Joghurtherstellung noch viel Raum zum Ausprobieren und Lernen – darauf freue ich mich schon.

Meine neue Joghurtmaschine

Timer

Ein bisschen Geduld braucht es schon.

Heute ist es bei mir eingezogen: Das Gerät, dass mir helfen soll, meinen Naturjoghurt künftig selber zu machen.

Seit meiner Kindheit esse ich gerne Joghurt – im Winter etwas weniger, im Sommer fast täglich. Bis vor einer Weile war das zumeist Fruchtjoghurt, doch dessen hoher Verarbeitungsgrad, der fast alles Gesunde in ihm absterben lässt, sowie der zumeist extrem hohe Zuckeranteil haben mich zu Naturjoghurt wechseln lassen. Mit einem Löffelchen Marmelade oder – noch besser – meinen geliebten Preiselbeeren darin schmeckt der wirklich gut und gibt mir zudem das schöne Gefühl, mir etwas Gutes zu tun.

Zusätzlich versuche ich seit einer Weile, meinen Plastikverbrauch ein wenig zu reduzieren. Ich bin da nicht verbissen, aber was sich einfach umsetzen lässt, probiere ich gerne aus. Dazu gehörte bis jetzt der Verzicht auf die vielen kleinen Joghurtbecher – ich kaufe lieber die größeren und fülle immer ein Portiönchen in ein Schälchen um und rühre dort meine Marmelade rein. Die Idee, auch noch auf diesen einen Becher zu verzichten, kam mir schon vor einer Weile, und ich liebäugelte mit einem Joghurt-Bereiter. Diese Idee war für mich allerdings nichts Neues, wir hatten früher zuhause auch ein paar Jahre lang so ein Ding und ich erinnerte mich, dass das Joghurtmachen ganz einfach war.

Gestern also bestellte ich meinen „schnellen Brüter“ am Amazonas, heute wurde er geliefert. Es ist ein einfaches rundes Ding, in dem man sieben Gläser Joghurt machen kann, bei dem aber insgesamt 14 Gläschen dabei sind. Das erschien mir beim Auswählen praktisch, denn dann muss man nicht immer nach den Gläsern suchen, wenn vielleicht noch welche in der Spülette sind, und man muss nicht gleich improvisieren, wenn mal ein Gläschen zu harten Bodenkontakt hatte. Außerdem hat man ja oft noch Joghurt im letzten Gläschen, den man für den neuen Ansatz verwenden will.

Für die, die es noch nie ausprobiert haben, hier eine kurze Anleitung zum Joghurtmachen: Man nehme einen frischen Naturjoghurt (ich habe einen Bio-Joghurt genommen, ob das einen Unterschied macht zu „normalem“ Joghurt weiß ich allerdings nicht). Den verteilt man auf die sieben Gläschen und gibt H-Milch darauf (es geht auch frische Milch, aber die sollte zuvor erhitzt werden. Dazu habe ich zum einen keine Lust, zum anderen habe ich ohnehin immer haltbare Milch im Haus). Umrühren, Gläschen verschließen und in den Brüter stellen. Laut Anleitung braucht es bei nicht erhitzter Milch acht bis neun Stunden, dann ist der Joghurt fertig und kann in den Kühlschrank. Zu beachten ist, dass man den Joghurtbereiter während der Arbeit stillstehen lassen soll – das erklärt wohl, warum meine Mutter das Gerät immer im Schlafzimmer oder im Keller stehen hatte, wo keine Kinder herumwuselten. Platz wäre in der Küche durchaus gewesen.

Bei meinen Einkaufsrecherchen habe ich übrigens auch verschiedene andere Ansatzmittel für Joghurt gefunden: Mal als Pulver, dann in winzigen Fläschchen oder in Pillenform gepresst. Anscheinend gibt es sogar verschiedene Lactobazillen, die man je nach Bedarf, Vorliebe oder persönlichem Glauben auswählen kann. Diese Mittelchen habe ich noch nie ausprobiert, sondern bin dem von Muttern früher verwendeten Joghurtbecherchen zu 35 Cent treu geblieben – schließlich kosten diese anderen Substanzen ein Vielfaches davon. Eventuell schaue ich mir sowas irgendwann nochmal genauer an, vielleicht gibt es bei diesen Mitteln Vorteile, die mir bislang entgangen sind.

In einigen Stunden kann ich meinen ersten selbstgemachten Joghurt in den Kühlschrank stellen und morgen früh einen probieren. Ich bin gespannt und werde berichten.

Herbstlicher Eintopf

Schon immer sind Wochenmärkte für mich eine Falle, aus der ich nur ungeschoren entkomme, wenn ich kein Bargeld dabeihabe. Am letzten Freitag war das nicht der Fall, und da ich nach dem Schwimmen Gelüste auf ein Fischbrötchen hatte, stieg ich am Südbahnhof aus und stürzte mich ins Marktgetümmel. Zu spät bemerkte ich, dass meine gute Fischfrau mit ihrem Wagen gar nicht da war – so ein Pech aber auch. Ich musste also meinen Appetit anderswo befriedigen und fand den Stand mit den leckeren Käsecremes und den Oliven sowie einen mit Geflügelallerlei und Zwiebelkuchen. Soweit, so gut. Aber auch Gemüse musste sein – und zwar mehr, als eine Person an einem Wochenende essen kann. Sowas passiert mir öfter: denn dann guckt der Blumenkohl so freundlich rüber, der Brokkoli auch, und eigentlich ist ja auch Pilzzeit … Beladen wie ein Packesel kam ich also heim.

Ob das alles in diesen einen Topf passt?

Heute hieß es nun also kochen, wenn ich den ganzen Segen nicht wegschmeißen wollte, und da ich ein Suppenkasper bin, wurde aus dem Gemüseallerlei eine herbstliche Gemüsecremesuppe. Meine Küche ist nicht besonders erlesen ausgestattet, aber meine Mutter schenkte mir kurz nach meinem Auszug einen Pürierstab, weil sie meinte, sowas bräuchte man unbedingt. Ich war ja zunächst etwas skeptisch, aber ein paar Mal im Jahr benutze ich ihn tatsächlich. Selber kaufte ich vor Jahren für meine kleine Singleküche einen eimergroßen Suppentopf – das war eine sehr sinnvolle Investition. Kartoffeln, Blumenkohl, Brokkoli und eine dicke rote Zwiebel flogen in trauter Gemeinsamkeit in den Topf und köchelten lustig vor sich hin.

Damit hatte die Schnippelei aber noch kein Ende: Als Suppeneinlage wurden weitere Zwiebeln, ein paar Champignons und ein paar Scheiben Hähnchenkassler gewürfelt und angebraten. Schließlich will ich – Pürierstab hin oder her – auch was zum Kauen haben. So schnippelte ich insgesamt fast eine Stunde lang herum: Genug Zeit für einen Hand-Augen-Koordinations-Tölpel wie mich, mir bei zwei benutzten Händen in drei Finger zu pieken. Zum Glück hatte ich die Juister Brötchensäge dieses Mal beiseitegelassen, sonst wäre ich mit Sicherheit verblutet. So reichte es gerade mal zum hochdramatischen Einferkeln eines Blumenkohlröschens.

rote Zwiebeln, Hähnchenkassler und braune Champignons geben meinen Zähnen ihre Daseinsberechtigung

Als das Gemüse einigermaßen bissfest war, ging es ans Pürieren. Es entstand ein recht fester, hellgrüner Schlampampel, mit dem man wahrscheinlich Babys glücklich hätte machen können – auch, da ich mal wieder sehr sparsam mit dem Salz gewesen war. Zusammen mit dem Kochwasser und 250 Gramm Schnittlauch-Frischkäse sah das Ganze dann zumindest schon mal nach einer Cremesuppe aus, auch wenn sie ein wenig nach Spülwasser schmeckte. Also tüchtig nachsalzen und dann die kräftig gewürzte Einlage versenken – jaaaa, das war besser. Endlich schmeckte mein Süppchen nach dem kräftigen Eintopf, den ich mir gewünscht hatte.

Alles in allem war mein Kochabenteuer heute also mal wieder erfolgreich. Geschmeckt hat es, und satt bin ich auch geworden. Etliche Portionen sind zum Einfrieren übrig und alle Finger sind noch dran. Passt.

Gemüsecremesuppe – keine Fernsehschönheit, aber lecker

Nachbemerkung: Wieder einmal bin ich überrascht, wie viele Worte man über eine ganz triviale Betätigung verlieren kann. Wie viel muss ich wohl erst schreiben, wenn ich mal wirklich was erlebt habe?

Thunfischpizza einmal anders

Derzeit habe ich – wie fast immer – jede Menge gute Vorsätze: Ich will nicht mehr so viel Geld rausschleudern, weniger Fertigfutter essen, mehr kochen. Man kann ja was einfrieren, dann lohnt sich das auch für einen Single. Letzte Woche habe ich das schon gemacht, habe meine Küche in Rhabarber getaucht und einen bunten Hühnereintopf gekocht – richtig aus Huhn, nicht aus irgendeiner Brühe. Gestern kam mir nun in den Sinn, dass es heute ein Blech Pizza sein sollte – Thunfischpizza, um genau zu sein. Die esse ich nämlich am liebsten.

Ich bin kein besonders strukturiert zu Werke gehender Einkäufer, eine Liste mache ich mir eigentlich nie. Und wenn ich mal eine habe, lasse ich die zuhause liegen. In der Regel weiß ich dann noch, das ich sieben Teile aufgeschrieben habe, und suche mir die aus dem Gedächtnis zusammen. Habe ich dann meine sieben Teile – oder vielmehr neun bis zehn, ich bin ja ein Freund von Impulskäufen – stolz nach Hause getragen, stelle ich meistens fest, dass vier von meinen sieben Dingen, die auf dem Einkaufszettel standen, nicht dabei sind. Da aber der andere Kram zumeist auch irgendwie zu gebrauchen ist, denke ich da eher kurz drüber nach.

Gestern aber war ich guter Dinge, dass alles klappen würde. Ich wusste, dass ich noch Grundmasse für Pizzateig zuhause hatte – Wasser dran, kneten, fertig. Und Thunfisch wäre sicherlich auch im Vorratsschrank. Der gehört nämlich zu den Produkten, die sich in meinem Vorrat immer irgendwie anreichern, genau wie Kochmettwurst und Puderzucker. Also kaufte ich Käse, passierte Tomaten und Pilze, natürlich neben einigen anderen Dingen, die mir gerade lecker erschienen. Ganz zum Schluss rannte ich noch einmal in die Gemüseabteilung, um ein Beutelchen Zwiebeln zu holen – viele Zwiebeln sind mir auf Thunfischpizza wichtig.

Gerade habe ich nun meine Pizza in den Ofen geschoben – nachdem ich eine kurze Phase des Selbstzweifels, der Frustration und der fruchtlosen Überlegung überwunden hatte. Diese Überlegungen beinhalteten unter anderem die Frage, wer denn wohl den ganzen Thunfisch, der immer in diesem Vorratsschrank war, herausgenommen haben mochte, und wie ich denn nun eine Thunfischpizza ohne Thunfisch backen sollte. Vielleicht mit Kochmettwurst? Besser nicht. Man könnte ja auch eine Pizza bestellen. Gestern kam auch so ein Flyer von einem neuen Sushi-Lieferdienst, den könnte ich ja auch mal ausprobieren. Aber das würde meinen guten Vorsätzen entgegenstehen.

Pfannkuchen fielen mir ein. Die gibt es bei mir immer, wenn mir gar nichts anderes einfällt. Die könnte ich auch schön mit dem Rhabarberkompott von letzter Woche essen. Aber der Kühlschrank enthielt zu meiner Verblüffung kein einziges Ei – ohweiohwei.

Ich spähte also nochmal in den Schrank – aus irgendwas sollte man da doch Pizza herstellen können. Also, die Pilze, dazu Mais und Ananas. Und ein Glas Würstchen – das stellte ich wieder zurück. Ebenso die Dose Mockturtle. Kurz durchzog mein Gehirn der Gedanke „vegetarisch“ – aber das verwarf ich gleich wieder. Und dann fielen mir die Geflügelfrikadellen ein – mein Spontankauf von gestern. Kann man Frikadellen auf Pizza legen? Bestimmt – und man kann sich beim Essen ja vorstellen, dass es feinstes Filet wäre. Also werkelte ich drauflos.

Meine Thunfischpizza wandelte sich also im Laufe des Kochprozesses in eine Pizza Shredded Chicken Hawaii, mit Mais und Ananas. Übrig blieben die Zwiebeln und die Pilze – die kommen irgendwann dieser Tage mal dran, vielleicht anstatt grüner Götterspeise oder so.

Meine Pizza – der besseren Übersicht halber noch ohne Käse

 

Nachtrag: Ich habe ein Stückchen gegessen. Keine Sterne-Küche, aber lecker 🙂

Der gemeine Rhabarber

Es ist Rhabarberzeit. Wie ich erst in diesem Jahr gelernt habe, ist Rhabarber eigentlich ein Gemüse, kein Obst, wie ich immer dachte. Das erzählte mir jemand und ich überprüfte das nochmal über Wikipedia, genauer gesagt mithilfe des Artikels „Gemeiner Rhabarber“. Und tatsächlich ist Rhabarber gemein – zumindest zu mir.

Der extrem saure Rhabarber wurde früher bei uns zuhause roh geknabbert, als Kinder bekamen wir eine Stange in die Hand und ein Näpfchen Zucker dazu. Davor wird inzwischen wegen der schädlichen Oxalsäure immer gewarnt, aber da ich mich ohnehin darüber wundere, wieso ich meine Kindheit überlebt habe, lässt mich das recht ungerührt.

Heute mag ich rohen Rhabarber aber nicht mehr, ich mache gerne Kompott daraus, am liebsten mit Erdbeeren durcheinander.

Erdbeeren mit Rhabarber

Dieses Kompott braucht nicht mehr als eine ordentliche Portion Zucker, wenn man jedoch gerade Vanille da hat, macht sich das auch sehr gut. Tückisch ist die Schaumentwicklung, die mich jedes Jahr auf’s Neue überrascht: Im letzten Jahr schleuderte der Topf seinenn Deckel von sich, derweil ich im Wohnzimmer eingeschlummert war, und die Küche war eine einzige klebrige Schweinerei. Dieses Mal schlummerte ich nicht, war aber trotzdem zu langsam und hatte den schaumigen Schlampampel auf dem Herd. Zum Glück hielt sich die Malaise in Grenzen – aber eigentlich könnte der gemeine Rhabarber doch auch einfach mal im Topf bleiben, finde ich.

Acht Portionen Erdbeer-Rhabarber-Kompott kamen zusammen, eine habe ich heute gleich weggenascht. Und da ich natürlich nicht der einzige Mensch auf dieser Welt bin, der sich jemals Gedanken um Rhabarber gemacht hat, möchte ich euch hier noch gerne auf die Rhabarberbarbara aufmerksam machen.