Pflaumenkuchenzeit

Es herbstelt heute sehr energisch. Zeit, mal wieder eine gemütliche Teestunde mit Kuchen zu machen. Und da ich ja weniger fertig kaufen und mehr selber machen möchte, war Backzeit.

Schon gestern habe ich mich inspirieren lassen. Pflaumenkuchen sollte es werden – was sonst. Und ich wollte mal keinen Blechkuchen machen. Kurz dachte ich darüber nach, den „Apfelkuchen sehr fein“ aus meinem alten Schulkochkuch einfach mit Pflaumen zu machen, aber dann fand ich im Internet einen Pflaumenkuchen, der in einer Kastenform gemacht werden sollte. Mit Vanillesoßenpulver – wie interessant! Etwas Schokolade sollte auch rein – lecker. Aber nur 100 Gramm Mehl – kann das was geben?

Ich machte also das, was ich immer mache, wenn ich ein neues Rezept ausprobiere: Ich zweifelte erst mal alles an. Dann wandelte ich ab, verrechnete mich und kaufte nicht ordentlich ein. Und dann buk ich drauflos. Und das ging so:

Zuerst mal die Menge grob verdoppeln. 200 Gramm Mehl – hatte ich gar nicht mehr. Wo ist das denn hin? In die Pfannkuchen von gestern! Zum Glück war noch Dinkelmehl im Schrank, damit wurde aufgefüllt. Alles andere auch rein. Ich hatte nicht genug Schokolade und warf stattdessen ein Tütchen Mandeln dazu, denn das knuspert immer so schön.  Alles mixen. Natürlich auch die doppelte Menge Pflaumen rein – Schüssel zu klein. Aber bevor ich eine größere Schüssel einsaute, griff ich lieber zum Kochlöffel und hob das Obst liebevoll unter – das ist ja auch die viel sanftere Methode.

Die Schüssel war knallevoll. Das passte gar nicht in meine Kastenform – vielleicht hätten 100 Gramm Mehl doch gereicht. Also musste ich Mutterns gute alte Napfkuchen aus dem Schrank wühlen, die backt sowieso am besten. Liebevoll fettete ich sie ein und nahm ganz viel Butter – dann klebt das Paniermehl auch besser. Dachte ich zumindest. Dumm nur, dass ich das Ausbröseln total vergessen habe. Sorgfältig schlichtete ich meinen Teighaufen in die Form und strich alles schön glatt. Ab in den Ofen – warten.

Während der Kuchen im Ofen war, überlegte ich, was ich machen würde, wenn das Gebäck sich nicht aus der ungebröselten Form nehmen ließe. Auslöffeln schien mir eine Alternative zu sein. Andererseits hatte ich mich beim Verdoppeln der Buttermenge um 40 Gramm verrechnet, das sollte die Sache doch flutschen lassen. Tatsächlich sprang mir der Kuchen später beim Stürzen fast entgegen.

Erbstücke: Kuchen in der geerbten Napfkuchenform und auf dem geerbten Kuchengitter

Und – was soll ich sagen? Er schmeckt sogar! Genau genommen ist er unheimlich lecker, meine grob hingeschusterten Mengen scheinen genau richtig zu sein. Da deutet sich für mich eine neue Karriereoption am Horizont ab: Ich werde Frei-Schnauze-Rezepteverrechnerin. Wenn das mal nicht ein Plan ist.

Für morgen habe ich mir ein ordentliches Stück zur Seite gelegt und natürlich auch noch etwas eingefroren. Ich bin zufrieden – selber Backen ist doch was Feines 🙂

Komische Gewohnheiten – sich vom Fernsehen inspirieren lassen

Cakepops

Ein Fremdbild von Pixabay – das habe nicht ICH gebacken!

Inzwischen kann man ja alles Mögliche im Fernsehen verfolgen – und alles ist Wettkampf: Es wird nicht mehr nur gesportelt und getanzt, sondern auch um die Wette eingekauft, abgenommen, ausgewandert, geliebt und renoviert. Sogar das Entrümpeln des eigenen Dachbodens kann etwas Sportliches bekommen, wenn eine Fernsehkamera dabei ist. Das eine oder andere dieser Formate gucke ich auch mal ganz gerne, wenn auch nicht regelmäßig. Eines aber fasziniert mich über alle Maßen: Wettbacken.

Meine konditorischen Fähigkeiten sind ja außerordentlich begrenzt: Ich kann ganz gut Napfkuchen backen. Und Muffins, wobei das in etwa auf das Gleiche hinausläuft. Meine Mutter und meine Schwester waren schon immer Tortenmeisterinnen, an mir schlich dieses Talent jedoch stillschweigend vorbei. Nachdem ich aber etliche Folgen „Das große Backen“ geguckt hatte, erwachte auch in mir eine Art von mehliger Kreativität und ich beschloss, mal etwas anderes zu machen als die üblichen Rührteigtörtchen. Stattdessen wollte ich Rührteigkringel machen und bunt dekorieren. Mit Zuckerguss und bunten Bröseln, oder mit lila eingefärbter weißer Schokolade. Lebe wild und gefährlich, Meike!

Ich besuchte also einen Online-Shop und suchte nach einer Kringel-Form. Stattdessen fand ich … einen Automaten! Einen, mit dem man dreierlei Gebäck herstellen kann: Kringel, Bällchen und kleine Muffins, und das im Waffeleisenprinzip. Gar nicht teuer – den musste ich haben! Dazu erwarb ich noch eine Spritze, mit der man dekorieren und füllen kann sowie einen Spritzbeutel. Ein Spritzbeutel ist nämlich elementar wichtig zum Backen, das habe ich beim Fernsehen gelernt. Wie konnte ich nur fast 50 Jahre alt werden ohne Spritzbeutel?

Am Sonntag war es nun also soweit, ich weihte das Gerät ein. Für dieses Mal hatte Cakepopsich mich für Bällchen entschieden, wollte ich das Gebäck doch den Kollegen mitbringen und mundgerechte Häppchen schienen mir da sehr praktisch. Außerdem können dies Bällchen grandios dekoriert werden, wenn man denn Zeit, Muße und Geschick dazu hat. Ich hatte allerdings nicht vor, richtige Cakepops zu backen, also Teigwunderwerke auf einem Stiel, denn zum einen finde ich das ein bisschen albern, zum nächsten braucht so einen Stiel kein Mensch und zum dritten schätze ich meine Fähigkeiten durchaus realistisch ein. Und doch hatte ich große Ziele: Dreierlei Sorten wollte ich backen – mit Schoko-, Vanille und Zitronenteig und entsprechender Dekoration.

Ich legte also zeitig los: Rührteig machen – klar, das kann ich. Ich habe ja auch eine Rührmaschine. Im Internet hatte ich mich eingelesen und auch ein Büchlein mit Rezepten und Dekorationsvorschlägen gekauft. Wie sollte man jetzt den Teig in das Gerät füllen, und wie viel davon? Ach ja, klar, wie bei Muffins auch, mit zwei Löffelchen. Überall jedoch fand ich den gleichen wichtigen Hinweis: NOCH SAUBERER funktioniert es mit einem Spritzbeutel! Aha, soso, da war er also wieder, der Spritzbeutel. Ich begann also damit, die erste Ladung Teig in meinen nagelneuen Beutel einzufüllen. Das war aber gar nicht so einfach – ich musste etwas rumfummeln, bis ich begriff, wie ich die Tüte festhalten und die Tülle dabei umknicken musste, damit mir der Teig nicht gleich unten wieder rausplemperte. Auch fand ich es schwierig, den Teig nur in und nicht auch auf den Beutel zu schmieren. Als genug drin war, füllte ich die kleinen Teigmulden im Gerät. Und das ging tatsächlich gut. Hier und da entglitt mir eine kleine Teigwurst, aber das meiste landete da, wo es hinsollte. Deckel zu, warten. Und zwischendurch nochmal den Spritzbeutel füllen.

Himmel, wie sollte das denn nun wieder gehen? Wie füllt man mit klebrigen Händen einen noch klebrigeren, verbappten Spritzbeutel? Ich spielte das alte Kinderspiel „Der Boden ist Lava – du darfst ihn nicht berühren“ in der Version „Der Boden ist Teig – latsch da nicht rein!“ Und ehe ich mich versah, meldete das Backgerät Vollzug und ich durfte die ersten Kügelchen ernten. Die sahen allerdings gut aus. Also Bällchen auf Teller, mit einem Ölpinsel Teigmulden fetten, Spritzbeutel greifen, Teigwurst mit dem Jogginghosenbein auffangen, Mulden füllen, Deckel zu, backen. Und nochmal das Ganze – der Rest Teig sollte auch noch in den Sack. Was für eine Schweinerei.

CakepopsAuf diese Art und Weise ferkelte ich tatsächlich drei Mal 36 Kuchenbällchen zusammen. Hübsch sahen sie aus, aber noch gänzlich nackt und bloß. Also ging es ans Dekorieren. Die Zitronenbällchem verlangten nach Zitronenzuckerguss nebst einer dekorativ aufgeklebten Pistazie. Und weil ich ja schon immer mal was mit Lebensmittelfarbe einfärben wollte, wurde die klebrige Paste mit einem Pülverchen zartgelb angehaucht. Bälle einpinseln, Pistazie ankleben, trocknen lassen – das Wenige, was in meiner Küche noch nicht klebte, tat es danach. Zum Glück – denn dann kam es auf die anschließende Schokoladenschlacht auch nicht mehr an.

Weiße Schokolade schmelzen, rosa anhauchen, Vanillebällchen eintunken, Kokosflocken drüber. Wenn ich den Anleitungen im Internet glauben darf, werden die Küchlein komplett eingetaucht. Wie man sie dann davon abhält, danach minutenlang klebrig vor sich hin zu tröpfeln, erschloss sich mir nicht und ich beschloss, dass meine Cakepops mit halber Glasur auskommen mussten. Dann konnte man sie nämlich hinlegen, was recht praktisch war. Trotzdem war es eine ziemliche Sauerei.

Die braunen Schokoküchlein waren ein wenig trocken geraten – ich hatte meinem Backwunder nämlich nicht geglaubt, dass die Cakepos tatsächlich schon fertig waren, wenn es Vollzug meldete, und sie deshalb zu lange gebacken. Zum Ausgleich füllte ich meine wunderbare Kuchenspritze mit Johannisbeermarmelade und drückte den Bällchen jeweils etwas davon in den Hintern. Dafür brauchte man erstaunlich viel Kraft – das Gebäck war doch recht kompakt geworden. Ein paar Mal übertrieb ich es auch und schoss übers Ziel hinaus. Diese explodierten Bällchen bestimmte ich für den Sofortverzehr, soll heißen, ich fraß sie kurzerhand auf. Dann musste ich mir das Elend auch nicht weiter angucken. Dann noch mit bitterer Schokoladenkuvertüre das Einspritzloch der gefüllten Küchlein wieder zukleben und Brösel aufstreuen – fertig.

So von weitem wirkten meine Stiellosen Cakepops durchaus gelungen, wenngleich auch nicht künstlerisch wertvoll. Sie schmeckten auch gut. Zu einem Backwettbewerb sollte ich mich damit besser nicht anmelden, aber das war auch nie mein Ziel. Die Ostertage werde ich damit verbringen, die Küche zu kärchern und die ganzen übriggebliebenen Backutensilien irgendwo zu verstauen. Ich schätze, ich habe noch für 50 Jahre Lebensmittelfarbe am Lager.

Cakepops

Und ich glaube, beim nächsten Mal mache ich doch lieber Kringel. Die rollen beim Anpinseln zumindest nicht weg.

 

Frage: Was hat euch schon mal derartig inspiriert, dass es von der Glotze aus direkt in euer Leben wanderte?

Englisches Teegebäck – Original und Fälschung

Seit vielen, vielen Jahren besitze ich ein Backbuch: Das legendäre „Backen macht Freude“ von Dr. Oetker, Auflage 1987. Und schon fast genauso lange wollte ich einmal dieses wunderbare Englische Teegebäck backen, dass dort so appetitlich abgebildet war. Fast schon kann man beim Betrachten der Seite einen zarten Buttergeruch spüren, zusammen mit dem verlockenden Aroma von Ostfriesentee. Hier haben wir das Original von Dr. Oetker:

Am Freitag ist es nun endlich soweit: Ich habe alles eingekauft und fülle es wie vorgeschrieben nach und nach in meine Rührschüssel ein. Der Knethaken knetet. Und der Teig klebt. Ihhh bah – was nun? Ah ja, zur Rolle formen und kalt stellen. Das mache ich so. Der Teig wird zum Stein, der sich unverbrüchlich mit dem Teller, auf dem er liegt, verbunden hat. Das schreit nach Werkzeugeinsatz. Ich säbele eine Portion Teig heraus und gehe in die Detailverarbeitung: ausrollen, Stäbchen formen, die auf das Blech legen, mit einer Gabel ein Muster hineindrücken und mit Zucker bestreuen. Ich werkele emsig. Die Stäbchen sollen 6 mal 1,5 Zentimeter haben – ausgemessen wird das nicht, sondern halt mal so frei Schnauze gemacht. Und dieses Muster mit der Gabel – leichter gesagt als getan. Der Keks bleibt gerne in der Gabel hängen – also die Gabel vor dem Reindrücken einmehlen. Was soll das überhaupt mit diesem Muster? In Schönheit gestorben sind schon andere vor mir – habe ich das nötig? Eigentlich ja eher nicht, aber es soll ja hübsch aussehen. Also werden alle Stäbchen bemustert, man gönnt sich ja sonst nichts.

Dann in den Ofen und backen. Als die Stäbchen die Farbe haben, die im Backbuch zu sehen ist, sind sie schlicht nicht gar – also wieder rein. Komisch sehen sie aus, meine Stäbchen: unregelmäßig ist noch freundlich gesprochen. Einige sind aus der Form gegangen, gerne so um die Mitte herum. Andere haben sich mit dem Nachbarn verbündet und bilden eine Art siamesische Zwillinge, die ich vorsichtig operativ trenne. Meine Kekse sind ein wahres Abbild unserer Gesellschaft: Es gibt große und kleine, dicke und dünne, helle und dunkle Kekse. Hier ein Tellerchen meiner bunten Kekswelt:

Geschmacklich sind meine Teekekse wirklich gut, aber optisch lassen sie etwas zu wünschen übrig. Ich glaube, sollte ich sie nochmal backen, forme ich einfach kleine Kugeln und drücke die platt – das ist sicher einfacher und sieht mindestens so schön aus.

Und wieder einmal muss ich an den armen Mann denken, der vor vielen Jahren mit meiner Berufsberatung befasst war: Nach der Auswertung meiner Tests bescheinigte er mir gute Fähigkeiten in allen sprachlichen und logischen Bereichen. Nur die Geschicklichkeit und die soggenannte „Hand-Augen-Koordination“ ließ deutlich zu wünschen übrig. er sagte dazu: „Im Grunde können Sie fast alles werden, was Sie möchten. Aber bitte machen Sie nichts Handwerkliches.“ Wie recht er hatte 🙂

Gegen den Herbstblues: Pudding

Eigentlich mag ich den November ja. Die Dunkelheit, das usselige Wetter, all das läd dazu ein, es sich in der Wohnung gemütlich zu machen. Tee und Kerzen, Hörbücher hören und Strümpfe stricken, dieses Programm ist nicht das Schlechteste. Auch dieses Wochenende ist so geplant.

Trotz aller Geruhsamkeit stehe ich ja gerade am Wochenende gerne früh auf. Und vor acht Uhr habe ich die besten Ideen. Die Morgenidee von heute war besonders gut: Denn ich habe Pudding gekocht. Genau genommen meinen allerliebsten Pudding aus der Kindheit. Das Rezept war eine Weile bei mir in Vergessenheit geraten, doch seit ich regelmäßig Joghurt herstelle, ist eigentlich immer Naturjoghurt im Haus. Und der muss manchmal weg, so wie heute. Also gibt es dieses Wochenende Mandarinenpudding.

Das Rezept ist denkbar einfach: Man koche einen Standard-Vanillepudding, kippe zwei Becher/Gläschen Naturjoghurt dazu und rühre kräftig um. Dazu kommt eine Dose Mandarinen ohne Saft. Wahrscheinlich geht das auch mit anderem Dosenobst, aber nur Mandarinen machen dieses schöne, glitschig-schlüpfrige Gefühl im Mund. Und die ganze Kombination ist auch noch gut für das Gewissen, denn man isst ja nichts Ungesundes, sondern fast nur Joghurt und Obst. Das passt zum November, zum Tee und den Kerzen.

Abenteuer Muckefuck

Ich gebe zu, dass der Begriff „Abenteuer“ vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen ist für meine Erfahrungen mit Getreidekaffee. Aber man kann mit dem Gebräu allerhand erleben, zumindest, wenn man sich dösig genug anstellt.

Ich trinke ja sehr gerne Kaffee, und das eigentlich schon immer. Als Kind durfte ich keinen, stattdessen gab es Caro als Kinderkaffee (der in der Werbung immer wunderbar besungen wurde). Den trinke ich immer noch an jedem Morgen, bevor ich zur Arbeit gehe. Ich mag es, dass er schnell aufzurühren ist und nicht meckert, wenn man ihn mit nur halbwarmem Wasser aus der Leitung aufrührt. Ich habe morgens nämlich immer wenig Zeit und mag weder lange Kaffee kochen noch zu heiße Getränke kaltpusten. Folglich habe ich auch nicht vor, meinem Frühstücksgetränk untreu zu werden.

Trotz meiner Getränketreue faszinierte mich jedoch schon seit Monaten das altmodische Paket von Lindes Kornkaffee mit Zichorie. Ein blau-weißes Design, auf nette Weise altmodisch, dazu ein unschlagbarer Preis von 1 Euro 59 pro Packung – das sollte man doch mal ausprobieren. Hinzu kam, dass meine Schwester mir irgendwann erzählte, dass sie in ihrer kaum vergangenen Jugend immer bei irgendeiner Bekannten diesen Ersatzkaffee getrunken habe, gemischt mit Bohnenkaffee, und das sei ein wunderbares Gesöff gewesen. Ich nahm also ein Päckchen Lindes mit nach Hause und probierte es aus. Das war gar nicht so einfach:

Zubereitung Lindes KornkaffeeIch muss ja gestehen, dass ich zunächst etwas verdattert über die Zubereitungsanleitung bin: Gewöhnt an das einfache Einrühren des Caro-Instantpulvers, erwartet man hier von mir, dass ich einen Filter fülle, mit kochendem Wasser überbrühe und das Ganze ziehen lasse – aha. Wo fülle ich das denn jetzt ein – den empfohlenen Baumwollfilter habe ich nicht im Haus. Aber dafür Papierteefilter, die sollten doch den gleichen Zweck erfüllen? Lange habe ich die nicht benutzt, wo sind nur die metallenen Halter dazu? Ich wühle herum – mein ganzes Leben scheint aus dieser Tätigkeit zu bestehen. Endlich finde ich die kleinen Klammern und es kann losgehen.

Feierlich löffle ich eine Menge von dem faserig-pulverigen Zeug in einen Filter. Wie viel braucht man wohl für mein Kännchen? Ich nehme drei Löffel, gieße Wasser dazu und warte ab. Nach drei Minuten nehme ich den Filter raus und gieße mir feierlich etwas Muckefuck in eine meiner Lieblingstassen. Milch dazu, umrühren. Sieht komisch aus. Heiß ist er, und dünn. Sehr dünn. Viel zu dünn – das war nix. Als sparsamer Mensch trinke ich ihn trotzdem, aber Genuss geht anders.

Das nächste Mal will ich es besser machen: Den kleinen Teefilter löffle ich ganz voll mit Pulver, rein in die Kanne, Wasser drüber, warten, fertig. Beutel rausnehmen – geht nicht. Das Säckchen ist aufgequollen und passt nicht mehr durch die Kannenöffnung. Ich ziehe ein bisschen, aber nicht vorsichtig genug: Die Klammer löst sich vom Filter, der geht leise seufzend in der braunen Brühe unter und verteilt seinen matschigen Inhalt in meinem Getränk. Und ich mache dazu wahrscheinlich ein unglaublich dummes Gesicht.

Ich mache mich also an die Rettung meines Muckefucks, lege eine Filtertüte in einen Kaffeefilter, stelle den auf eine andere Kanne und gieße meinen verunreinigten Muckefuck da durch. Das heißt, ich versuche es. Zuerst geht es ganz gut, aber je mehr Satz im Filter landet, desto schlechter läuft die Flüssigkeit durch. Das Zeug scheint tatsächlich die Konsistenz von Mörtel zu haben. Ich zuppele ein wenig am Filter herum, um das Durchlaufen zu beschleunigen – und das Ding reißt. Dieses Mal aber bin ich schnell, nehme den Filter, der sich gerade anschickt, den Ersatzkaffeesatz erneut in mein Getränk fließen zu lassen, hastig von der Kanne. So nicht, mein Freund! Ich kleckere herum, Arbeitsplatte, Fußboden, aber egal. Ich will meinen Muckefuck trinken, jetzt, und ihn nicht noch durch einen dritten Filter jagen!

Lindes KornkaffeeTrotz der dilettantischen Zubereitung schmeckt mein „Kornkaffee mit Zichorie“ dieses Mal deutlich besser als beim ersten Versuch. Es ist allerdings nicht so, dass ich diesen Ersatzkaffee lieber mögen würde als den Kinderkaffee, den ich gewohnt bin. Ich fürchte also, dass dieses eine Paket Lindes das einzige sein wird, das ich je kaufen werde, denn dieses Gefummel bei der Zubereitung ist mir doch gar zu lästig. Ich bleibe meinem Caro treu – Deckel auf, heiß Wasser drauf. Aber gut, für 1 Euro 59 kann man wohl nicht auch noch Bequemlichkeit erwarten.

Nachtrag: Für alle die, die sich für das Gewächs „Zichorie“ interessieren, hier eine kurze Übersetzung: Die Zichorie heißt auf Deutsch „Gemeine Wegwarte“. Laut Wikipedia war sie 2005 „Gemüse des Jahres“ und 2009 sogar „Blume des Jahres“, sie ist also ein wirklich erfolgreiches Kraut. Es gibt sie in verschiedenen Unterarten, unter anderem als Salatzichorie und Wurzelzichorie. Letztere wird für den Ersatzkaffee benutzt. Mehr über diese vielseitige Pflanze gibt es hier zu lesen. Und so sieht sie aus:

Zichorienblüte, zur Verfügung gestellt von Alvesgaspar in den Wikipedia Commons. Das Bild wird als außergewöhnlich schön bezeichnet („one of the finest“), zurecht, wie ich finde.

Rote Beete-Suppe: fremd-vertraut

Rote Beete Suppe, Rezept

Drei Rüben und vier Kartoffeln in Rinderbrühe

Ich habe mal wieder gekocht. Wie fast immer ohne Rezept, einfach aus dem Bauch heraus und mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes (jaaaa, doch, das habe ich, auch wenn böse Zungen was Anderes behaupten!).

Aus einer Laune heraus kaufte ich am Samstag drei rote Beeten. Die gab es früher zuhause oft: Meine Mutter bekam sie in großem Stil von gärtnernden Bekannten vermacht, kochte sie und legte sie süß-sauer ein. Ich mochte dieses Gemüse immer und half auch gerne bei der Zubereitung: Zum einen, weil ich frisch gekochte rote Beete „ohne alles“ gerne esse, zum anderen, weil das Schälen von gekochten roten Beeten wirklich Spaß macht: Wenn man Glück hat, lässt sich die Schale einfach so abstreifen und wenn man doch mit dem Messer helfen muss, ist das sehr schnell gemacht.

Ich wollte eine Suppe kochen. Das habe ich noch nie gemacht und auch noch nie gegessen, aber so schwer konnte das nicht sein. Im Internet guckte ich nach der Kochzeit der Rüben – zwar weiß ich, wie die sich in etwa anfühlen müssen, wenn sie fertig sind, aber alle fünf Minuten mit dem Messer reinpieken war mir dann doch zu lästig. Das kluge Internet meinte, ich solle die doppelte Kochzeit von Kartoffeln einplanen – das erste Mal piekte ich also nach rund einer dreiviertel Stunde in meine Rüben und fand sie noch zu hart. Nach einer guten Stunde goss ich sie ab. Der Geruch war so vertraut, dass ich unwillkürlich an unsere hellbraune Küche zuhause denken musste. Den Topf verwendete ich gleich weiter, um vier sehr dicke Kartoffeln zu kochen – nur rote Beete schien mir zu wenig als Grundlage für meine Suppe.

Erstaunt hat mich wie so oft die unglaubliche Farbe der roten Beeten: Dieses tiefdunkle Burgunderrot, dass sich auch durch das Zufügen von Kartoffeln nicht beirren lässt, ist schon toll. Es macht richtig Spaß, die pürierten Kartoffeln und die Sahne zuzugeben und langsam einzurühren, denn zuerst strudelt es schön bunt und dann kann man die endgültige Farbe bewundern. Allerdings bestand im Internet bezüglich der Färbekraft der Rüben eine gewisse Hysterie, es wurde einem nahegelegt, auf jeden Fall mit Gummihandschuhen zu arbeiten, weil die Farbe sonst niiiiie wieder abgehen würde. Das ist Quatsch, allerdings sollte man mit der Kleidung aufpassen – in einer weißen Bluse hätte ich diese Suppe nicht gekocht.

Wie üblich brutzelte ich auch eine Art Einlage für meine Suppe zusammen – ich mag es nicht, wenn ich nur eine Cremesuppe ohne etwas zum Kauen auf meinem Teller habe. Noch habe ich Zähne 😊

Insgesamt ist meine Suppe wunderbar lecker geworden. Die Zutaten waren:

  • 3 rote Beeten, püriert
  • 4 dicke Kartoffeln, püriert
  • Etwa 1 Liter Rinderbrühe für Faule (aus dem Glas)
  • 250 ml Kochsahne mit 15% Fett

Für die Einlage:

  • 1 dicke Zwiebel
  • 200 g gegrillte Hähnchenbrust (Aufschnitt, musste weg)
  • 1 Glas Pilze

Und natürlich Pfeffer und Salz.

Wir müssen reden!

Himmel, gehst du mir auf die Nerven! Bsss, Bssss, Bssss … Tock, Tock, Tock – kannst du das bitte mal lassen? Das geht jetzt seit Stunden so. Jeden Tag kommt jemand von euch und belästigt mich – was soll das? Ja, ich weiß, man hat euch gestört, aber dafür kann ich nichts. Jetzt hör‘ auf damit, ich muss mich konzentrieren. Es ist nicht höflich, jemandem ständig ans Fenster zu klopfen. Schon gar nicht von innen.

Ich muss nachdenken. Ich muss diese Geschichte zum Schnittlauch schreiben, 7-Kräuter-Lesung*, weiß’te Bescheid? Das kann ich nicht, wenn ständig jemand klopft. Ich kann beim Schreiben fernsehen, laute Musik hören oder in einer Kneipe Bier saufen, aber dieses Bssss, Bssss, Bsss, Tock, Tock, Tock macht mich verrückt. Gleich kloppe ich da mit ‘nem Schuh drauf, Ökologie hin oder her. Ich verstehe es auch nicht – ich habe dir alle Ausgänge aufgemacht, und du doofes Tier fliegst trotzdem immer wieder gegen die Scheibe. Tock, Tock – nein, nicht da, zehn Zentimeter weiter links! Links – das andere links! Oh Himmel, du blödes Vieh, du bist da doch auch reingekommen, warum kommst du da nicht wieder raus?

Eigentlich sagt man diesem Himmelsvolk doch eine gewisse Intelligenz nach – ich kann das nicht feststellen. Allerdings nehme ich an, dass irgendwelche Völker beim Abriss unseres Nachbarhauses gestört wurden, denn sonst sind die doch um diese Jahreszeit noch nicht so verwirrt. Komm, kleiner Flieger, raus mit dir, geh‘ Bäume bestäuben. Mach‘ endlich deinen Job und lass‘ mich schreiben.

Es hat keinen Sinn, ich gehe erst mal kochen. Sonst habe ich nicht nur keinen Text, sondern verhungere auch noch – und das wäre doch schade. Ich will Tomatenbohnen machen, nach dem Rezept meiner Mutter. Ich glaube, das Ur-Rezept war von Tante Rita. Ich habe das noch nie gemacht, aber so schwer kann das nicht sein. Zwiebeln, Hackfleisch, geschälte Tomaten, Bohnen, dazu Reis. Zuhause gab es dazu Kartoffeln, es gab immer Kartoffeln, wir waren ja in Norddeutschland. Es kocht sich flott, schmeckt aber sehr „nature“, da fehlt eindeutig Gewürz. Pfeffer und Salz, sonst noch was? Und wie viel davon? Ach, Muttchen, auch wir müssten mal wieder reden. Dabei weiß ich ganz genau, was du mir auf die Frage nach den Mengen antworten würdest, und höre deine Stimme: „Ja, da muss ordentlich was rein. So nach Gefühl.“ Ich würze also fünf Mal nach, dann sagt mein Gefühl, dass es passt. Gut, das wir gesprochen haben.

Tomatenbohnen

Ich nehme mir eine Portion aus dem großen Topf, der Rest wird später eingefroren für schlechte Zeiten. Wie viel will ich denn essen? Ich höre die Stimme meines Vaters: „Meistens nehme ich vierschleifig, aber heute reicht dreischleifig.“ Ein Schleif wird eigentlich „Schleef“ gesprochen und ist eine plattdeutsche Suppenkelle, das Wort „schleifig“ gibt es nicht. Eine dreischleifige Portion Eintopf umfasst drei Kellen, und die reichen mir heute. Danke für den Tipp, Papa.

Ich schlendere ins Wohnzimmer und esse eine Portion pure Nostalgie. Das dumme Tier fliegt immer noch an mein Fenster, inzwischen allerdings in der Küche. Das soll mir recht sein, solange es den neugierigen Rüssel aus dem Topf lässt und nicht den Rest meiner Tomatenbohnen klaut. Hast du gehört, du Vieh? Weg da! Geh‘ Bäume bestäuben, ich will Kirschen!

 

*Nachtrag: Die 7-Kräuter-Lesung findet am 29. April um 19:30 in der Kneipe „Grüne Soße und mehr“ in Oberrad statt.

Mein erster Joghurt

Wie versprochen, hier ein erster Erfahrungsbericht über die Joghurtherstellung mit meiner neuen Joghurtmaschine: Gestern befüllte ich die Gläschen vorschriftsmäßig und wartete dann ganz brav achteinhalb Stunden ab. Um ehrlich zu sein, ist mir das Warten recht schwer gefallen – gerne hätte ich zwischendurch mal ein Gläschen herausgenommen und geguckt, ob sich schon was tut. Aber das ist streng verboten. Also wartete ich ab und setzte die fertigen Gläser abends nur in den Kühlschrank um. Zum Nachreifen, wie es so schön in der Gebrauchsanleitung heißt.

Heute morgen war es dann soweit: Ich konnte probieren. Zunächst schraubte ich ein Gläschen auf und prüfte, ob aus der Milch etwas Festeres geworden war. Und in der Tat, der Joghurt war einigermaßen fest geworden. Er entsprach von der Konsistenz her in etwa dem Bio-Joghurt, den ich in die Milch gerührt hatte – der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm. Wenn man ihn auf die Seite legt, läuft ein wenig helle Flüssigkeit heraus, der eigentliche Joghurt bleibt aber im Glas.

Ich probierte die Sache, zunächst natürlich pur: Der Joghurt ist mild, sogar milder als der Ur-Joghurt. Etwas mehr Säure fände ich ganz gut, aber schlecht ist es nicht.

Zum Frühstück wollte ich den Joghurt aber nicht pur essen, sondern ein wenig Frucht dazugeben. Ich hatte die Wahl zwischen einigen Marmeladensorten und Preiselbeeren – die machten wie so oft das Rennen.

Die Kombination schmeckt sehr lecker, die Beeren kommen durch den sehr milden Joghurt gut zur Geltung. Allerdings wird der Joghurt durch die Fruchtzugabe erstaunlich flüssig – flüssiger als ein gekaufter Joghurt, wenn man Obst unterrührt. Ob das generell so ist oder von irgendwelchen Faktoren abhängt, muss ich durch Experimentieren herausfinden – vielleicht ergibt ein festerer Ur-Joghurt (oder sollte man ihn „Mutter-Joghurt“ nennen?) oder eine längere Brüt- oder Kühldauer ein anderes Ergebnis. Ideal wäre dieser Joghurt sicherlich zum Backen, ich verwende für Muffins immer lieber Naturjoghurt als Milch.

Auf jeden Fall gibt die Joghurtherstellung noch viel Raum zum Ausprobieren und Lernen – darauf freue ich mich schon.

Meine neue Joghurtmaschine

Timer

Ein bisschen Geduld braucht es schon.

Heute ist es bei mir eingezogen: Das Gerät, dass mir helfen soll, meinen Naturjoghurt künftig selber zu machen.

Seit meiner Kindheit esse ich gerne Joghurt – im Winter etwas weniger, im Sommer fast täglich. Bis vor einer Weile war das zumeist Fruchtjoghurt, doch dessen hoher Verarbeitungsgrad, der fast alles Gesunde in ihm absterben lässt, sowie der zumeist extrem hohe Zuckeranteil haben mich zu Naturjoghurt wechseln lassen. Mit einem Löffelchen Marmelade oder – noch besser – meinen geliebten Preiselbeeren darin schmeckt der wirklich gut und gibt mir zudem das schöne Gefühl, mir etwas Gutes zu tun.

Zusätzlich versuche ich seit einer Weile, meinen Plastikverbrauch ein wenig zu reduzieren. Ich bin da nicht verbissen, aber was sich einfach umsetzen lässt, probiere ich gerne aus. Dazu gehörte bis jetzt der Verzicht auf die vielen kleinen Joghurtbecher – ich kaufe lieber die größeren und fülle immer ein Portiönchen in ein Schälchen um und rühre dort meine Marmelade rein. Die Idee, auch noch auf diesen einen Becher zu verzichten, kam mir schon vor einer Weile, und ich liebäugelte mit einem Joghurt-Bereiter. Diese Idee war für mich allerdings nichts Neues, wir hatten früher zuhause auch ein paar Jahre lang so ein Ding und ich erinnerte mich, dass das Joghurtmachen ganz einfach war.

Gestern also bestellte ich meinen „schnellen Brüter“ am Amazonas, heute wurde er geliefert. Es ist ein einfaches rundes Ding, in dem man sieben Gläser Joghurt machen kann, bei dem aber insgesamt 14 Gläschen dabei sind. Das erschien mir beim Auswählen praktisch, denn dann muss man nicht immer nach den Gläsern suchen, wenn vielleicht noch welche in der Spülette sind, und man muss nicht gleich improvisieren, wenn mal ein Gläschen zu harten Bodenkontakt hatte. Außerdem hat man ja oft noch Joghurt im letzten Gläschen, den man für den neuen Ansatz verwenden will.

Für die, die es noch nie ausprobiert haben, hier eine kurze Anleitung zum Joghurtmachen: Man nehme einen frischen Naturjoghurt (ich habe einen Bio-Joghurt genommen, ob das einen Unterschied macht zu „normalem“ Joghurt weiß ich allerdings nicht). Den verteilt man auf die sieben Gläschen und gibt H-Milch darauf (es geht auch frische Milch, aber die sollte zuvor erhitzt werden. Dazu habe ich zum einen keine Lust, zum anderen habe ich ohnehin immer haltbare Milch im Haus). Umrühren, Gläschen verschließen und in den Brüter stellen. Laut Anleitung braucht es bei nicht erhitzter Milch acht bis neun Stunden, dann ist der Joghurt fertig und kann in den Kühlschrank. Zu beachten ist, dass man den Joghurtbereiter während der Arbeit stillstehen lassen soll – das erklärt wohl, warum meine Mutter das Gerät immer im Schlafzimmer oder im Keller stehen hatte, wo keine Kinder herumwuselten. Platz wäre in der Küche durchaus gewesen.

Bei meinen Einkaufsrecherchen habe ich übrigens auch verschiedene andere Ansatzmittel für Joghurt gefunden: Mal als Pulver, dann in winzigen Fläschchen oder in Pillenform gepresst. Anscheinend gibt es sogar verschiedene Lactobazillen, die man je nach Bedarf, Vorliebe oder persönlichem Glauben auswählen kann. Diese Mittelchen habe ich noch nie ausprobiert, sondern bin dem von Muttern früher verwendeten Joghurtbecherchen zu 35 Cent treu geblieben – schließlich kosten diese anderen Substanzen ein Vielfaches davon. Eventuell schaue ich mir sowas irgendwann nochmal genauer an, vielleicht gibt es bei diesen Mitteln Vorteile, die mir bislang entgangen sind.

In einigen Stunden kann ich meinen ersten selbstgemachten Joghurt in den Kühlschrank stellen und morgen früh einen probieren. Ich bin gespannt und werde berichten.

Herbstlicher Eintopf

Schon immer sind Wochenmärkte für mich eine Falle, aus der ich nur ungeschoren entkomme, wenn ich kein Bargeld dabeihabe. Am letzten Freitag war das nicht der Fall, und da ich nach dem Schwimmen Gelüste auf ein Fischbrötchen hatte, stieg ich am Südbahnhof aus und stürzte mich ins Marktgetümmel. Zu spät bemerkte ich, dass meine gute Fischfrau mit ihrem Wagen gar nicht da war – so ein Pech aber auch. Ich musste also meinen Appetit anderswo befriedigen und fand den Stand mit den leckeren Käsecremes und den Oliven sowie einen mit Geflügelallerlei und Zwiebelkuchen. Soweit, so gut. Aber auch Gemüse musste sein – und zwar mehr, als eine Person an einem Wochenende essen kann. Sowas passiert mir öfter: denn dann guckt der Blumenkohl so freundlich rüber, der Brokkoli auch, und eigentlich ist ja auch Pilzzeit … Beladen wie ein Packesel kam ich also heim.

Ob das alles in diesen einen Topf passt?

Heute hieß es nun also kochen, wenn ich den ganzen Segen nicht wegschmeißen wollte, und da ich ein Suppenkasper bin, wurde aus dem Gemüseallerlei eine herbstliche Gemüsecremesuppe. Meine Küche ist nicht besonders erlesen ausgestattet, aber meine Mutter schenkte mir kurz nach meinem Auszug einen Pürierstab, weil sie meinte, sowas bräuchte man unbedingt. Ich war ja zunächst etwas skeptisch, aber ein paar Mal im Jahr benutze ich ihn tatsächlich. Selber kaufte ich vor Jahren für meine kleine Singleküche einen eimergroßen Suppentopf – das war eine sehr sinnvolle Investition. Kartoffeln, Blumenkohl, Brokkoli und eine dicke rote Zwiebel flogen in trauter Gemeinsamkeit in den Topf und köchelten lustig vor sich hin.

Damit hatte die Schnippelei aber noch kein Ende: Als Suppeneinlage wurden weitere Zwiebeln, ein paar Champignons und ein paar Scheiben Hähnchenkassler gewürfelt und angebraten. Schließlich will ich – Pürierstab hin oder her – auch was zum Kauen haben. So schnippelte ich insgesamt fast eine Stunde lang herum: Genug Zeit für einen Hand-Augen-Koordinations-Tölpel wie mich, mir bei zwei benutzten Händen in drei Finger zu pieken. Zum Glück hatte ich die Juister Brötchensäge dieses Mal beiseitegelassen, sonst wäre ich mit Sicherheit verblutet. So reichte es gerade mal zum hochdramatischen Einferkeln eines Blumenkohlröschens.

rote Zwiebeln, Hähnchenkassler und braune Champignons geben meinen Zähnen ihre Daseinsberechtigung

Als das Gemüse einigermaßen bissfest war, ging es ans Pürieren. Es entstand ein recht fester, hellgrüner Schlampampel, mit dem man wahrscheinlich Babys glücklich hätte machen können – auch, da ich mal wieder sehr sparsam mit dem Salz gewesen war. Zusammen mit dem Kochwasser und 250 Gramm Schnittlauch-Frischkäse sah das Ganze dann zumindest schon mal nach einer Cremesuppe aus, auch wenn sie ein wenig nach Spülwasser schmeckte. Also tüchtig nachsalzen und dann die kräftig gewürzte Einlage versenken – jaaaa, das war besser. Endlich schmeckte mein Süppchen nach dem kräftigen Eintopf, den ich mir gewünscht hatte.

Alles in allem war mein Kochabenteuer heute also mal wieder erfolgreich. Geschmeckt hat es, und satt bin ich auch geworden. Etliche Portionen sind zum Einfrieren übrig und alle Finger sind noch dran. Passt.

Gemüsecremesuppe – keine Fernsehschönheit, aber lecker

Nachbemerkung: Wieder einmal bin ich überrascht, wie viele Worte man über eine ganz triviale Betätigung verlieren kann. Wie viel muss ich wohl erst schreiben, wenn ich mal wirklich was erlebt habe?