Komische Gewohnheiten: Sich etepetete, aber schlecht benehmen

Manchmal sieht man sich ja wirklich verstohlen um und sucht die versteckte Kamera. So erging es meiner Freundin Kerstin und mir kürzlich, als wir gemütlich kaffeesieren waren: Wir saßen auf der Fressgass, in einer der teuersten Lokalitäten am Platze, denn dort gibt es grandiosen Kuchen und man gönnt sich ja sonst nichts. Es war friedlich dort, ruhig und beschaulich – bis die beiden Damen kamen. „Damen“, so nenne ich sie mal, aus Höflichkeit und weil es mich nichts kostet, aber wäre ich nicht so wohlerzogen, würde ich sie wohl Tussen nennen, Schrullen oder vielleicht noch Schnepfen.

Beide wirkten sie irgendwie aufgeplustert, obwohl sie so taten, als seien sie hochvornehm. Das Getöse, mit dem sie direkt neben uns Platz nahmen, hätte gut in ein Bierzelt gepasst, direkt neben die Blaskapelle, und ihre Gespräche schienen geradewegs der Gala entsprungen, natürlich mit ihnen in der Hauptrolle. Der Kellner wurde behandelt wie die lästigste Nebensache der Welt, aber man musste ja mit ihm reden, schließlich sollte er Torte und Sekt bringen. Was er auch tat.

Sektgläser

Die Sektgläser waren gut gefüllt, sicherlich kamen die Damen nicht zu kurz. Und doch meinte die Lautere der beiden, ihr Glas in die Höhe halten und mit einem Auge hineinspähen zu müssen – zu tief ins Glas zu schauen bekam so eine ganz neue Bedeutung. Der Kellner war besorgt und fragte nach: „Ist alles in Ordnung?“ Die Dame verneinte. Nein, nicht alles in Ordnung, ganz und gar nicht. Denn sie frage sich, ob das „genügend“ sei in ihrem Glas. Bei zu wenig gefüllten Gläsern sei sie empfindlich, verkündete sie. Der Kellner wirkte verblüfft, war doch eher zu viel als zu wenig im Glas. „Ja, vielleicht“, stimmte Madame zu, „aber sie da“, sie wies lässig mit einem Finger auf die Freundin, „hat mehr. Gießen Sie hier doch auch noch einmal nach!“ Der Kellner war Profi und bewahrte die Contenance. Gut hätte ich ja gefunden, wenn er aus dem volleren Glas einfach einen Schluck abgetrunken hätte, aber er kam tatsächlich mit der Flasche, richtete beide Gläser nebeneinander aus, nahm Maß und goss in eines noch eine Fingerhutmenge nach. „Ist es recht so?“ Es war recht – na so ein Glück!

Die Damen aßen und tranken – natürlich mit abgespreiztem kleinen Fingerchen – und unterhielten ihr Umfeld mit hochintellektuellen Gesprächen. Richtig hoch her ging es, als die zu wenig Gefüllte eine Nachricht auf ihr Smartphone bekam – offensichtlich von einem Sponsor. Sie kreischte aufgeregt und ruderte mit den Armen. Der ebenfalls aufgeregten Freundin erklärte sie, er (der Sponsor) habe seine Abrechnung bekommen, und jetzt dürfe sie sich eine Handtasche mehr kaufen. Großes Hallo und viel Gelächter. Und ich dachte, wie gut, dass ich mich selber für oder gegen den Handtaschenkauf entscheiden darf, auch wenn ich sie selber bezahlen muss. Aber jedem Tierchen sein Plaisierchen.

Die Damen brachen auf, schließlich hatten sie nun neue Pläne, sie brauchten dringend eine Handtasche. Sie rumpelten also von der Terrasse, nicht ohne vorher pflichtschuldigst ihre Zeche zu zahlen und sich beim Kellner lautstark über die unmöglichen, wirklich viel zu hohen Preise zu beklagen. Ist ja klar, der legt die ja auch fest. Und das, so fand ich, war dann wirklich der Gipfel des schlechten Benehmens.

Komische Gewohnheiten: Nach dem Googlen zum Sterben hinlegen

Diese Gewohnheit beobachte ich immer mal wieder bei mir. Ich weiß aber, dass ich mit der Marotte nicht allein bin, und nehme sie deshalb hier mit auf.

Komische Gewohnheiten: Schon mal zum Sterben hinlegen

Wie schon hin und wieder einmal erwähnt, leide ich des Öfteren unter lebensbedrohlicher Hypochondrie. Nicht nur, dass ich weiß, dass meine Lebenserwartung aufgrund meines Lebenswandels gemindert ist. Nein, ich suche auch aktiv nach weiteren Risikofaktoren in meinem Leben, um deren Folgen dann intensiv auszuleben. So lese ich zum Beispiel die Packungsbeilagen aller Medikamente sehr aufmerksam, damit ich sämtliche Nebenwirkungen richtig zuordnen kann, sobald sie beginnen. Selbstverständlich bekomme ich die auch immer fast alle. Sogar das Zucken der Oberlippe, das irgendwo einmal als äußerst selten angegeben wurde, beschäftigte mich tagelang. Da ich eine grundsätzlich robuste Konstitution besitze, überlebe ich zumeist, fühle mich aber in meinem Wohlbefinden manchmal eingeschränkt.

Aufgrund der Überzeugung, dass Ärzte etwas Schlimmes finden, sobald man um die Ecke kommt, meide ich den Besuch bei einem Mediziner, so gut es geht. Unglücklicherweise brauche ich hin und wieder ein Rezept, sodass ich mich doch in eine Praxis hineinschleichen muss, aber wann immer es geht, schnappe ich nur das wichtige Zettelchen und eile wieder hinaus. Im Falle von tatsächlich auftretenden Beschwerden bevorzuge ich Doktor Google.

Und so passierte es mir kürzlich, dass ich mich nicht wohl fühlte. Eigentlich ging es mir schon länger nicht ganz richtig gut, aber die Symptome waren diffus. Irgendwann raffte ich mich auf und tippte meine Malaisen bei Google ein, um festzustellen, was ich alles Schlimmes habe. Das erste, was auftauchte, war „Herzinsuffizienz“. Heiliges Kanonenrohr!

Ich fühlte nach meinem Puls und betastete meinen Brustkorb: Alles noch da. Und doch war da die Gewissheit, dass ich wohl in Kürze verbleichen würde. In einer Mischung aus Resignation und würdevollem Trotz legte ich mich auf mein Sofa und wartete auf den Tod. Er würde kommen, in Kürze schon, und ich wollte dem alten Schnitter seinen Job nicht unnötig erschweren. Der macht schließlich auch nur seine Arbeit. Und da ich nie im Bett sterben wollte, wurde halt das Sofa der Ort meiner Wahl.

TodesengelDa lag ich also, und wartete ab.

Die Sache zog sich hin.

Irgendwann machte ich den Fernseher an. Es steht ja nirgends, dass man sich beim Sterben langweilen muss. Ich guckte ein wenig. Dann machte ich ein Nickerchen.

Schließlich bremste eine ganz gewöhnliche körperliche Regung meinen Willen zur Mitarbeit beim problemlosen Hinscheiden: Ich musste mal auf’s Klo. Leicht genervt rappelte ich mich wieder hoch. Also ehrlich, eine gewisse Pünktlichkeit kann man doch auch von Gevatter Tod erwarten, oder etwa nicht?

Ich erledigte zügig meine Geschäfte, denn auf keinen Fall wollte ich mit runtergelassenen Hosen im Bad niedergestreckt werden. Und dann kam ich zurück zum Sofa. Der Laptop war noch an. Ich aktivierte ihn wieder, um mein Todesurteil nochmal zu betrachten, und las ein wenig weiter. Vielleicht stand ich ja gar nicht kurz vor dem Herztod, sondern würde wegen etwas anderem mein kleines Leben aushauchen. Und tatsächlich, es gab noch ein paar Dinge zur Auswahl. Und wieder dachte ich sowas wie ‚Ach du grüne Neune!‘, als ich etwas las, das mir bekannt vorkam. Ich schluckte und beschloss, dass sich ein Arztbesuch vielleicht doch noch lohnen könnte. Denn es gibt Sachen, die will man nicht haben, an denen stirbt man aber nicht. Nicht mal ich …

Und so war ich tatsächlich innerhalb von einer Woche bei zwei Medizinern, die mir eine im Grunde recht gute Gesundheit bestätigten. Pillen gab es trotzdem, und zwar welche ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Der Sensenmann wird sich noch eine Weile gedulden müssen, es sei denn, ich renne vor einen Bus oder so. Das hat er nun davon, dass er die Gelegenheit, als ich bereit zum Abflug auf meinem Sofa lag, nicht beim Schopf ergriffen hat.

 

Nachbemerkung: Ich muss übrigens gestehen, dass es mich erleichterte, über dieses Thema mit einer Freundin sprechen zu können, die bei sich an manchen Tagen ein ähnliches Verhalten beobachtet. So stand sie einmal des Nachts auf, überzeugt davon, in den nächsten Stunden dahinzuscheiden, und zog sich ein „ordentliches“ Nachthemd an. Denn in einem alten verwaschenen Ding wollte sie nicht tot aufgefunden werden. Verständlich, oder?

Komische Gewohnheiten: Klodeckel-Präferenzen

KinderkloIch weiß, dass es kaum etwas Profaneres gibt als die Klappe, die dafür gedacht ist, eine Toilette abzudecken. Ein absolut unspektakulärer Gegenstand – nicht der Rede wert. Und doch gibt es dazu Allerhand zu sagen.

Man stelle sich dieses Szenario einmal vor: Eine Frau, nennen wir sie „M.“, geht mit einer Freundin ins Kino. Soweit, so gewöhnlich. Die Frauen gehen zuerst etwas essen, dann soll in aller Ruhe ein Film geguckt werden. Und bevor die Vorstellung losgeht, möchte M. auf die Toilette gehen. Der Weg zum Klo ist einfach: Gleich hinten im Kinosaal ist die Tür „für Mädchen“. Doch es ist dringend, und der Einlass verzögert sich. Dann, endlich – rein! M. drückt der Freundin die Handtasche in den Arm, „Hier, halt mal fest, ich muss schnell ums Eck!“, und stürzt durch das Kino. Da, die rettende Tür, rein ins erste Kabinchen. Da ist es irgendwie eklig, hier lieber nicht, da war doch noch eines frei. Wieder raus, nächste Tür rein, mit Schwung die Jacke vom Leib reißen und an den Haken damit. Hose runter – hoffentlich klemmt der Reißverschluss nicht! Nein, er geht auf, alles gut, Hintern in Position schieben, niedersinken, losslassen – aaahhh … äääähhh? Oh?! AAAAHHH!!!

Der Deckel ist zu.

In wilder Panik wieder aufspringen, nach hinten greifen, den Deckel aufreißen, sich derweil ganz gepflegt ans eigene Hosenbein pieseln – der Ablauf ist in diesem Moment vorprogrammiert und nicht mehr aufzuhalten. So ein Siff! Aber wer zur Hölle macht im Kino den Lokusdeckel zu?

Es ist nämlich so: In öffentlichen Toiletten erwarte ich immer, dass der Deckel offen ist. Ob diese Erwartung allgemeingültig ist, kann ich nicht sagen, ich habe dazu keine Studien durchgeführt. Aber die Beobachtung und langjährige Erfahrung zeigen, dass öffentliche Kloschüsseln eigentlich immer mit offenem Deckel herumstehen, also scheint dieses Vorgehen gesellschaftlich anerkannt zu sein.

Bei mir zuhause ist es allerdings anders: Da ist die Toilette immer zu, es sei denn, ich sitze drauf, putze es gerade oder habe Besuch, der das anders handhabt. „Dann kann man dem Haus bis in die Gedärme gucken“, pflegte mein Vater immer zu sagen, wenn wir als Kinder vergessen hatten, die Klappe herunterzulassen. Das war bei uns zuhause streng verpönt. Der Deckel musste zu, da gab es keine Diskussion. Und das ist ja auch viel praktischer: In meinem kleinen Badezimmer nutze ich den Toilettendeckel immer mal wieder, um Kram darauf abzulegen, Handtücher zum Beispiel, oder Unterwäsche. Oder ich stelle meinen Fuß darauf ab, wenn ich mich eincreme – das wäre mit offenem Deckel auch eher doof.

Ich fasse also zusammen: Öffentliche Bedürfnisanstalt – Deckel bitte auf. Privates Klöchen – Deckel bitte zu. Kann sein, dass das pingelig ist, aber so habe ich es am liebsten. 🙂

Komische Gewohnheiten: Und noch ein bisschen Rucola…

Ich weiß nicht, wann es passiert ist, dass irgendein Mensch beschlossen hat, dass Rucola zum wichtigsten Gemüse in Deutschland werden soll. Es muss irgendwann zum Ende meines Studiums gewesen sein, also Ende der 90er Jahre. Zuerst zögerlich und oft noch unter dem Namen „Rauke“, begegnete einem die Salatpflanze plötzlich überall und in den aberwitzigsten Kombinationen.

Rucola, Rauke

Bild zur Verfügung gestellt von Bettina Kopps, http://www.pixelio.de

Ich mag Rucola durchaus, wenn er nur leicht bitter und mit anderen Salatsorten vermischt ist – dann kann er dem Essen richtig Pfiff verleihen. Aber diese überalterten, gallebitteren Riesenblätter, die einem oft ohne jedes Dressing auf ein warmes Essen geschmissen werden, brauche ich für nix. Ich glaube, sowas wollten nicht mal die Meerschweinchen meines Neffen noch essen.

Unsere Kantine ist grandios darin, einem zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit das Bitterkraut unterzuschieben. Manchmal sogar frittiert, als fettiges, bröseliges Häufchen, dass noch schlimmer stört als das bloße Geblätter. Pizza, Burger, asiatische Reispfanne oder Fisch mit Kartoffelsalat – auf jedem Teller ist noch Platz für etwas trockenes Grünzeug. Lediglich auf Milchreis und Germknödel wurde bislang noch kein Rucola gesichtet, wobei ich das hier nicht so laut sagen mag – sonst quetscht demnächst noch ein findiger Koch Rucolapesto in den Hefeklops hinein.

Eine ähnliche Karriere scheint derzeit übrigens zu lange gegartes Schweinefleisch – auch bekannt unter dem Namen „pulled porc“ – hinzulegen. Diese Seniorennahrung hat ihren Weg in unsere Kantine ebenfalls schon gefunden, so dass ich vor einer Weile statt einem soliden Hackklops eine faserige Masse in meinem Burger vorfand. Natürlich mit einigen Blättern Rucola obendrauf, ist klar, oder?

Komische Gewohnheiten: Ich esse meins, iss du einfach deins!

Es gibt Dinge, die mag man einfach nicht so gerne, ohne dass man genau wüsste, warum. Manchmal traut man sich kaum, das zu sagen, weil man dann angeguckt wird, als wäre man komisch. Oder man erzählt es nur Leuten, die man wirklich gut kennt, weil die einen dann zwar angucken, als wäre man komisch, einen aber trotzdem noch mögen.

Mein Thunfisch – meiner ganz alleine! Finger weg!

Trotz dieser Vorbehalte habe ich kürzlich einer Gruppe von Kollegen und Geschäftspartnern etwas erklärt, weil ein Vorschlag schon zum zweiten Mal kam und ich das nicht wollte. Ich habe mich geoutet und – bekam Zustimmung. Zwar nur von einer aus der Runde, aber diese Zustimmung war vollständig. Ich fühlte mich angenommen und bestätigt. Denn: Ich teile nicht gerne mein Essen mit fremden Leuten.

Diese Aussage soll nun bitte nicht missverstanden werden – ich habe nichts dagegen, mit jemandem den Inhalt meines Kühlschranks zu teilen, wenn sich jeder eine eigene Stulle macht und diese dann aufisst. Was ich aber ganz schrecklich finde, ist diese Teilerei im Restaurant: „Wollen wir uns nicht noch ein Dessert mit vier Löffeln bestellen?“ Nein! Schreck und Graus! Ich esse nicht mit drei anderen aus einem Schüsselchen, ich mag das nicht. Ich will mein eigenes Schüsselchen. Ich esse ein Dessert auf und wenn ich denke, dass ich das nicht schaffe, bestelle ich mir keins.

Gerne genommen wird ja auch gegenseitiges Probieren. Nun habe ich gar nichts dagegen, wenn die ewige Antje gerne mal mein Essen kosten möchte, ordentlich fragt und dann ein Stück aufpiekt. Oder wenn sie mir Gurken rüberschiebt, die sie nicht mag, die ich aber gerne esse. Wir beiden kennen uns, sind vertraut miteinander. Aber ein gegenseitiges auf dem Teller stochern mit Leuten, die man nicht schon ewig kennt, finde ich echt fies.

Wenn ich mir mein Essen aussuche, mache ich das auch immer sehr bewusst, und ich freue mich auf das, was da kommt. Wenn dann der Vorschlag kommt: „Wir können die Pizza ja teilen und jeder kriegt von jeder ein Stück“, dann werde ich bockig. Nein, das da ist meine Pizza, ich will genau diese Sorte heute essen. Ich will nicht ein Stück meiner Lieblingssorte und dann noch ein paar Stücke von irgendeinem Essen, das ich mir nicht ausgesucht hätte. Teile, wer will, ich esse meins. Da spiele ich durchaus mal den Partypupser, der einfach nicht mitmacht. Wahrscheinlich bin ich da wirklich komisch, aber das macht mir nichts aus. Lieber ehrlich merkwürdig als mit zu vielen Leuten im Napf gerührt – diese Erste-Welt-Marotte nehme ich für mich in Anspruch.

Komische Gewohnheiten – eine Serviette unterlegen

Serviette unter dem Essen

Bild zur Verfügung gestellt von manwalk / Manfred Walker / http://www.pixelio.de

Seit einer Weile fällt mir auf (und nicht nur mir, auch meine liebe Freundin Antje beklagte schon dieses Problem), dass in der Gastronomie die korrekte Verwendung einer Serviette nicht mehr bekannt zu sein scheint. Hier aus der von mir geschätzten Wikipedia einmal eine einfache, aber sehr zutreffende Definition der Serviette:

Eine Serviette (veraltet Mundtuch oder Tellertuch) ist ein bis zu 50 cm × 50 cm großes Tuch, das während und nach einer Mahlzeit dazu dient, den Mund abzutupfen.

Es steht da auch ansonsten noch allerhand, das in diesem Zusammenhang nicht wichtig ist, denn alles Wesentliche ist gesagt: Eine Serviette dient dazu, DEN MUND ABZUTUPFEN. Oder auch die Finger, wenn nötig. Sie ist jedoch nicht dazu gedacht, dem Essen eine weiche Unterlage zu sein.

Es greift inzwischen die Unsitte um sich, Servietten unterzulegen. Es begann mit Cocktailgläsern, unter denen die lästigen Dinger ständig klebten. Ich finde einen soliden Bierfilz ja praktischer als diese herumwabernden Mini-Servietten, die am Glas hängen bleiben und sich dann auf den Boden verabschieden. Doch ein netter Kellner erklärte mir mal glaubwürdig, dass Bierdeckel gerade bei Cocktailgläsern keine Alternative seien: Schließlich sei das Cocktailglas aufgrund der Kälte seines Inhalts stets von außen mit Kondenswasser benetzt und ein Bierdeckel würde es nicht trocken genug halten. Nun, das tut eine heruntergefallene Serviette auch nicht, aber ich nahm diese Erklärung als zumindest einigermaßen logisch hin.

Inzwischen bekommt man immer häufiger auch unter seiner Kaffeetasse eine Serviette, mit genau dem gleichen Effekt. Zwar ist die Kaffeetasse nicht fürchterlich kalt von außen (es sei denn, der Kellner hat einen gravierenden Fehler gemacht), trotzdem scheint sie in vielen Cafés wohl dazuzugehören, die Kaffeetassenserviette. Früher gab es zum Auftunken eines eventuellen „Fußbades“ so kleine Blättchen, die im Allgemeinen reichten – anscheinend wird inzwischen mehr geschlappert und die Fußbäder drohen zu Vollbädern zu werden. Anders kann ich mir nicht erklären, warum man inzwischen die sicher viel teureren Servietten benutzt. Aber gut, auch das ist ein Erste-Welt-Problem und stört gewiss nicht jeden.

Was mich aber wirklich und enorm stört, sind die Servietten, die seit kurzer Zeit UNTER dem Essen auftauchen: Unter dem Kirschkuchen, schön durchgeweicht und eng mit Teller und Kuchenboden verbunden, so dass man die pappige Masse aus Kuchen und Serviette erst einmal auseinandersortieren muss, bevor man den Kuchen serviettenfrei genießen kann. Natürlich muss man den Kuchen dazu umkippen, sonst kommt man ja nicht an den lästigen Zellstoff heran. Danach sieht der Teller aus, als hätte man darauf einen Schafbock kastriert, und die Hände kleben von der komplizierten Operation. Man würde sie gerne abwischen, aber man hat ja keine Serviette, denn die lag ja UNTER dem Kirschkuchen und ist der Grund für die ganze Malaise.

Auch andere Speisen werden auf Servietten gebettet: Pommes zum Beispiel. Dann saugen sie den ohnehin schon knapp bemessenen Ketchup auf und lassen sich kaum unfallfrei vom Teller ziehen – hinterher liegen überall Pommes und man wird von den Begleitern mal wieder mitleidig angeguckt. Meike, die olle Grobmotorikerin, wer auch sonst. Ja, ne, ist klar.

Zuletzt war es ein Fischbrötchen, dass mir mit Serviette serviert wurde. Und mit Messer und Gabel, wie auch immer man das essen sollte. Der servierende Kellner hatte bestimmt noch niemals selber versucht, ein Matjesbrötchen AUF EINER SERVIETTE mit einer Gabel anzupieken und dann mit einem Tischmesser zu zerteilen. Ich zuppelte also den leuchtend roten, vor Remoulade tropfenden Lappen hervor und versuchte krampfhaft, die darauf verteilten Zwiebeln vor dem Absturz zu retten. Da ich mich entschied, das Brötchen nicht mit Besteck, sondern ganz ordinär mit der Hand zu essen, musste ich den irritiert wirkenden Kellner um eine neue Serviette bitten. Er brachte mir gleich einen ganzen Stapel – was auch immer er gedacht haben mag, was ich damit vorhabe.

 

Nachtrag: Leider habe ich es versäumt, ein Foto von der Fischbrötchenschlacht zu machen. Glücklicherweise hat sich die Serviettenunsitte bereits bis zu Pixelio herumgesprochen, so dass ich dort mal wieder ein Foto schnorren konnte.

Komische Gewohnheiten – in fremden Küchen herumreißen

Schon als ich noch ein Kind war, hat mich eine Gewohnheit zutiefst befremdet: das ungebetene Herumrackeln in anderer Leut’s Küche. Damit meine ich nicht Freunde wie die ewige Antje, die sich gerne jederzeit ohne zu fragen ein Glas aus meinem Küchenschrank nehmen dürfen. Ich meine diese Art von Gästen, die, kaum dass sie die Wohnung betreten haben, in der Küche stehen, um zu helfen oder zumindest im Weg zu sein. Oder die, die nach einem gemütlichen Essen sofort den Tisch abdecken und wie die Wilden anfangen zu spülen, um bloß das letzte bisschen Gemütlichkeit im Seifenschaum zu ersäufen. Ich benutze jetzt mal einen ganz altmodischen Ausdruck: Ich finde, sowas gehört sich nicht!

alter Herd im Museumsdorf Clopppenburg

Meine Eltern hatten solche Freunde: eigentlich nette Leute. Doch zu jeder Einladung kamen sie rund eine Stunde zu früh. Die Frau stürmte mit großem Hallo die Küche (und zwang meine Mutter damit, mit dem Kochen immer früher und früher anzufangen, damit sie bloß möglichst fertig wäre, wenn die Invasion begann) und der Mann musste von meinem Vater bespaßt werden, bevorzugt durch ausgedehnte Gartenbegehungen.

Natürlich ist das nett gemeint. Man will den Gastgebern helfen, will nicht, dass sie am nächsten Tag mit Bergen von Geschirr dahersitzen. Alles gut und schön, und wenn es gewünscht wird und die Küche es hergibt, kann man ja gerne nach dem Essen mal eine Runde spülen – in aller Ruhe und ohne „den Tisch umzukippen“, wie mein Vater das immer nannte. Dieses den Teller wegziehen, sobald jemand die Gabel weglegt, ist einfach unangenehm. Bis vor einer Weile dachte ich auch, dass dieses Verhalten eher in der Generation meiner Eltern vorkommt – bis ich so energische Spüler in MEINER Küche vorfand. Nun muss man dazusagen, dass

  1. meine Küche winzig und für mehrere Personen kaum geeignet ist und
  2. ich eine Spülmaschine besitze.

Es bestand also keine Gefahr, dass ich den ganzen Sonntag würde schuften müssen, um die paar Teller und Pfannen sauber zu bekommen. Trotzdem wurde herumgerissen, als gäbe es kein Morgen. Und ich benutzte den Morgen, um die ganzen Dinge, die irgendwer irgendwohin wegsortiert hatte, wieder aufzuspüren und an ihren angestammten Platz zu stellen. Nicht, dass ich pingelig bin, aber ich weiß einfach gerne, wo die alngen, scharfen Messer liegen – wer weiß, wann man mal eines braucht.

Komische Gewohnheiten – unzweckmäßige Badebekleidung tragen

Warnung: Dieser Text ist besonders im letzten Teil nicht unbedingt etwas für Feingeister. Wer Problem mit schwer zu stoppendem Kopfkino hat, sollte nach dem Schwimmer mit der Brille nicht mehr weiterlesen!

Komische Gewohnheiten – unzweckmäßige Badebekleidung tragen

Wie schon diverse Male erwähnt, gehe ich gerne schwimmen – in den letzten zwei Wochen war ich vier Mal in einem Bad. Ich finde diese Paddelei nicht nur entspannend, sondern auch interessant – es gibt immer so viel zu gucken! Und die letzten Badbesuche waren besonders spannend, denn es waren so viele unzweckmäßige Badegewänder unterwegs wie sonst selten.

Wenn ich von unpraktischer oder merkwürdiger Badekleidung schreibe, meine ich nicht das Geschmäcklerische, das es natürlich auch gibt. Ich finde zum Beispiel einen pinkfarbenen Einteiler bei einem Klops wie mir nicht hübsch, aber man wird zumindest nicht übersehen darin, und wenn der Anzug gut passt, soll es mir recht sein. Mir geht es wirklich in erster Linie darum, dass viele Leute im Schwimmbad Sachen tragen, die ihren Zweck nicht erfüllen.

Da sind zum Beispiel die ganzen Jungs, die sonderbare Shorts zum Baden tragen, die an den Beinen kleben und sich außerhalb des Wassers ununterbrochen nach unten bewegen. Rennen diese Jungen herum, müssen sie alle fünf Meter stehen bleiben und an der Hose zerren, um der Welt nicht den nackten Bobbes zu zeigen. Das macht doch keinen Spaß so!

Dann gibt es diese vielen Bikinis, die sicherlich dazu geeignet sind, sich damit in der Sonne herumzuräkeln, deren Ober- und Unterteile sich aber sofort in unterschiedliche Richtungen verabschieden, wenn die Trägerin sich im Wasser schneller als in Zeitlupe bewegt. Ein echtes Highlight war heute die Dame, die statt eines im Nacken festgebundenen Oberteils so eine Art Doppel-Kunststoffschüsselchen trug, in das die Brüste eingefüllt wurden. Ich muss gestehen, dass ich ihr auf den Busen geguckt habe, denn ich versuchte zu verstehen, was es mit diesem Bikini auf sich hat: Dieses Ding hatte keinerlei Träger, stand etwa einen Zentimeter von der Brust ab und klappte dauernd nach unten, was die Trägerin zwang, zur Stabilisierung der rosa Näpfchen stets eine Hand davor zu halten. Sie schwamm einarmig, was sie mit erstaunlicher Eleganz erledigte. Anscheinend trug sie dieses Schüsselgewand nicht zum ersten Mal.

Interessant war auch der junge Mann – rein optisch übrigens ein Prachtkerl! – der beim Schwimmen krampfhaft den Kopf nach oben reckte und schwamm wie meine Oma. Nun muss nicht jeder gut schwimmen können, ich vermute jedoch, dass dieser wenig sportliche Schwimmstil zum einen mit der kunstvollen Flechtfrisur, zum anderen aber mit der teuer aussehenden Sonnenbrille zu tun hatte, die der Beau auf der Nase trug. Nun mag er natürlich ein Augenproblem haben (Sänger Heino schwimmt wahrscheinlich auch mit Brille), aber komisch sah das trotzdem aus.

Das absolut Gruseligste, was mir in Sachen Badebekleidung jedoch in letzter Zeit unterkam, sah ich am Montag im Freibad Hausen: Es war eine ganz normale Badehose. Allerdings passte sie dem Träger, einem älteren Herrn, nicht so richtig, so dass dauernd irgendwo sein Gemächt heraushing. Mal rechts, mal links, dann irgendwie hinten (ich weiß, das kann man kaum glauben und ich will es auch nicht näher beschreiben). Schon beim Aussteigen aus dem Wasser sah man Einiges blitzen und ich musste grinsen. Erschwerend hinzu kam, dass der Mann sich außerhalb des Beckens nicht etwa still auf ein Bänkchen setzte, sondern die Bank in der Nähe des Beckenrandes nutzte, um urige Leibesübungen zu verrichten. Beine hoch, Beine runter, vor und zurück, Rumpfbeugen, recken und strecken. Immer, wenn ich in diese Richtung schwamm, fühlte ich mich gezwungen, da hinzugucken – mein Blick richtete sich wie durch Magie gelenkt immer wieder auf die bekleidungsmäßige Schwachstelle des Herrn. Ich halte mich nicht für prüde, aber so ein turnendes Altherrengenital, dass aus einer zu großen Badehose schlackert, ist schon ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Leider bin ich auch ohne Brille noch nicht so schwachsichtig, dass mir so etwas nicht auffiele. Zwischendurch fragte ich mich auch, ob er das wohl absichtlich machte – sowas muss man doch merken?! Es wird ja auch exhibitionistisch veranlagte Opis geben. Vielleicht hatte er auch Interesse an einer der badenden älteren Dame – etwa an der mit der Leopardenbadehaube mit dem roten Rüschenrand. Die guckte allerdings genauso verstört wie ich.

Irgendwann ging ein Bademeister zu dem Mann. Aber anstatt ihn richtig anzuziehen oder wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zusammenzustauchen, hielt der nur einen Schwatz mit dem Herrn. Anscheinend kannte man sich. Und ich verließ irgendwann das Bad in einem Zustand zwischen Traumatisierung und infantilem Kichern.

Komische Gewohnheiten – dem Fußballgott huldigen

Fußballfan

Ein angenehmer Fußballfan! Bild zur Verfügung gestellt von Rike / http://www.pixelio.de

Mal wieder ist es Samstag – Heimspielsamstag. Der Tag also, an denen die Jünger des Fußballgottes Einzug halten, gewandet in rituelle Kleidung und behängt mit Kulttextilien. Ich aber trabe nichtsahnend durch die Stadt, erledige dies und das, will irgendwann nach Hause. Am Bahnhof steige ich um, und in der B-Ebene treffe ich sie: die sogenannten Fußballfans. Nicht, dass die dreckige, verpinkelte B-Ebene des Frankfurter Hauptbahnhofs nicht auch ohne diese Grüppchen, die immer wieder wie eine lästige Krankheit bei uns einfallen, schon grauslich genug wäre.

Ich habe gar nichts gegen Fußball und schon gar nicht gegen Leute, die gerne ins Stadion gehen und ihren Verein dort live und engagiert anfeuern. Aber diese Trüppchen, die auf Bahnhöfen herumgrölen, mystische Wechselgesänge anstimmen und zwecks möglichst schneller Bewusstseinstrübung literweise Bier in sich hineinschütten, finde ich einfach sonderbar. Mir fehlt irgendwie das rechte Verständnis für das, was diese Leute tun: Es scheint sehr wichtig zu sein, mit möglichst tiefer Stimme herumzubölken – nie hört man einen Vorsänger mit hellem Tenor bei diesen Chören. Natürlich sind es zumeist reine Männerchöre, die sich dort musikalisch versuchen, doch mir scheint, dass die Sänger zusätzlich versuchen, ihre Stimmlage künstlich noch um ein paar Oktaven nach unten zu drücken. Brumm, brumm … ja, zweifellos, die einzig wahre Stimmlage beim Fußball ist der Bass.

Befremdlich finde ich auch die Bier-Rituale, die ich immer wieder beobachten muss. Anscheinend werden dem Fußballgott immer wieder flüssig-klebrige Opfer gebracht, bei denen das Flaschenbier nur in Teilen getrunken, es ansonsten aber verspritzt wird, auf dass andere Leute es mit gebeugtem Rücken wegputzen mögen. Mir ist eine Männergruppe in lebhafter Erinnerung geblieben, etwa sechs gestandene Kerle, alle bestimmt um die 50 Jahre alt, die im Kreis standen, einen sonderbaren Spruch rezitierten (natürlich im Bass und im Chor) und sich dann gegenseitig die Flaschen aufeinanderschlugen – sodass die unteren überschäumten und das Bier zu Boden pitscherte. Die genaue Beschwörungsformel weiß ich nicht mehr, aber es war etwas so Geheimnisvolles wie „Flitsch, Flatsch, Platsch“ oder so. Das taten sie in recht kurzer Zeit mehrmals, aber ansonsten sprachen sie nicht miteinander. Es scheint also unter den Fanclubs auch Schweigeorden zu geben.

Und auch die schlagenden Verbindungen gibt es, das sind die, die ihrem Fußballgott an Samstagen Blutopfer bringen und den Rest der Woche oft wie ganz normale Leute erscheinen. Dies ist die geheimnisvollste Gruppe unter den Fußballjüngern, und bei weitem die, auf die am allerbesten verzichtet werden könnte.

Mir ist noch immer nicht klar, was mit diesen Leuten passiert, die an Samstagen so plötzlich zu etwas Geheimnisvollem mit animalischer Anmutung mutieren. Ich verstehe das nicht. Und ich finde es schade, dass die größte Gruppe der Fußballjünger, nämlich die, die dem Fußballgott aus ehrlicher Freude am Sport Woche für Woche huldigen, durch die Schreier, Schmutzer und Schläger immer wieder in Verruf geraten. Ich würde mir wünschen, an einem Heimspielsamstag im Frankfurter Hauptbahnhof nur auf gut gelaunte Fußballjünger mit klarem Blick und normalem Benehmen zu treffen. Ist das denn wirklich zu viel verlangt?

Komische Gewohnheiten – Mutwillig im Weg herumstehen

Mauer

Ein echtes Hindernis, zur Verfügung gestellt von Kunstart.net / http://www.pixelio.de

Jeder steht mal im Weg herum – das ist völlig normal und ich nehme mich da nicht aus. Sei es, dass man mal völlig in Gedanken ist, abgelenkt durch ein Gespräch oder einfach ungeschickt. Auch hat man ja hinten keine Augen und kommt manchmal gar nicht auf den Gedanken, dass von da jemand kommen könnte. Da meistens nichts Schlimmes passiert, ist sowas nicht der Rede wert und führt oft sogar zu einem amüsierten Lächeln.

Es gibt jedoch auch Im-Weg-Steher, die das Im-Weg-Stehen beinahe mutwillig tun. Zum Beispiel diejenigen, die in der Straßenbahn unbedingt in der Tür stehen müssen, auch wenn woanders noch reichlich Platz ist. Wohl, weil man da so schön rausgucken kann und an jeder Haltestelle eine Nase voll frischer Luft nehmen kann. Für die, die rein- oder rauswollen, ist das natürlich nicht so praktisch, gerade dann nicht, wenn die Betreffenden auch noch auf ihrem Smartphone tippen müssen und verärgert grunzen, wenn sie angedotzt werden und sich ob des Gedränges verschreiben.

Besonders gern aber habe ich Reisegruppen, die direkt vereinbaren, im Weg herumstehen zu wollen: „Wir treffen uns in zwanzig Minuten direkt vor dem Wagenstandsanzeiger!“ Diese oder ähnliche Ansagen hört man sehr oft auf Bahnhöfen. Oftmals übrigens von Lehrern, die es offenbar praktisch finden, eine Klasse von rund 25 Schülern gerade da auflaufen zu lassen, wo alle anderen Reisenden auch mal was sehen möchten. Weist man darauf hin, dass das nicht so günstig ist – z. B. durch ein leicht genervtes „Darf ich auch mal an den Plan gucken, bitte?“ – ist man automatisch ein Kinderfeind oder zumindest ein Drängler. Verständnisvoller sind da Kegelklubs oder Landfrauenvereine – die sehen die Notwendigkeit, etwas Platz zu machen, zumeist ein. Das klingt dann so: „Gisela, komm da mal wech, du bist doch nicht durchsichtig!“ oder auch: „Komm ma bei mich bei, Heinz, dat die Leute wat sehen können!“ Wenn Heinz und Gisela sich dann da aufräumen, lächle ich freundlich, nicke zustimmend und bin zufrieden.

Und dann gibt es natürlich noch die Buffetblockierer, auch genannt Salatsortierer und Mittagspausenruinierer. Das sind diejenigen Kollegen, die sich in ihrer ganzen Pracht vor dem Kantinensalat aufbauen, um sich dort einen schönen gemischten Vitaminteller zusammenzustellen. Da sie dabei jede einzelne Gurkenscheibe einer genauen Qualitätskontrolle unterziehen und zudem die ganze Breite des Salatbuffets für ihre Prüfarbeiten benötigen – man braucht ja ausreichend Licht – können sie einer Mittagspauslerin, die gerne in 30 Minuten fertig werden und gemeinsam mit den Kollegen essen möchte, den letzten Nerv rauben. Die rennt dann auf die andere Seite des Salatstandes, um ein Näpfchen Bohnensalat zu ergattern, und drängt sich dort mit fünf anderen Leuten, die der Salatsortierer auf der anderen Seite vielleicht auch schon zum Seitenwechsel gezwungen hat. Und wenn auf der Seite dann der Bohnensalat alle ist, gibt man auf, verzichtet auf die wertvollen Bohnenvitamine und wird unweigerlich krank. Und daran sind sie schuld, die Im-Weg-Steher, Salatsortierer und Pausenruinierer.