Fundstücke 58: Keine Trennung erforderlich

Toleranz beweist die Firma Berentzen in Haselünne: Wenn man bei denen zum Klo muss, darf man dort auch Getränke anderer Marken lassen, nicht nur die hochprozentigen Spirituosen, die dort verkauft werden. Das fand ich sehr beruhigend, auch wenn ich diesen Service dort nicht in Anspruch nehmen musste.

Fundstücke 57: Déjà-vu

Da mich ein grauslicher Infekt komplett von den Füßen gerissen hat, gibt es heute nur ein kleines Fundstück aus Wien: Über diesen Laden grübelten die ewige Antje und ich eine Weile nach. Was mochte hier verkauft werden?

Ein kurzer Check des Schaufensters brachte Gewissheit: Dies war ein simpler Second-Hand-Shop, im Volksmund auch „Gebrauchtwarenladen“ genannt. Nun, wichtig ist, was man draus macht …

Fundstücke 56: vorher oder nachher?

Manchmal weiß man bei Werbung einfach nicht, was einem die dargestellten Bilder sagen sollen: Dieses Schild eines Frisörs brachte mich wirklich ins Grübeln. Sind die dargestellten Personen Beispiele für vorher oder nachher, soll heißen, waren die schon beim Frisör oder wollen die noch hin? Ist dieser Frisörladen vielleicht spezialisiert auf Retro-Schnitte und Maskenbildnerei? Oder sind diese beiden Herrschaften gar die Ladeninhaber, die dort die Schere schwingen? Man weiß es nicht, und ausprobieren möchte ich das auch nicht. Freiwillige vor, bitte!

Schild Frisör

Fundstücke 54: Jedem seine Straße

Straßennamen sind oft nicht besonders spannend: Goethe, Bach, Wagner oder Schiller – verdiente Menschen bekommen eine Straße. Rosen, Tulpen, Nelken auch, ebenso wie Lerchen, Amseln und Meisen. Ich wuchs im Pantinenweg auf, das ist nicht so häufig. Richtig schöne Straßennamen begegneten mir aber in Wismar: Hier bekommt scheinbar jedes Mitglied der Gesellschaft seine Straße, auch wenn es sich nicht so besonderer Beliebtheit erfreut. Los ging es mit der

Das kann man verstehen, schließlich kann so einen Sarg früher oder später jeder gebrauchen und dieses Handwerk ist gewiss genau so ehrenwert wie der Maurer, der Schmied oder der Melker. In sofern haben die Sargmacher ihre Straße ganz bestimmt verdient.

Deutlich fraglicher finde ich diese Straßenbenamung:

Nun gibt es in einer handelsüblichen Stadt wahrscheinlich mehr Diebe als Sargmacher oder gar Herzchirurgen oder Heilerziehungspfleger, trotzdem finde ich es grenzwertig, diese Berufsgruppe mit einer eigenen Straße zu ehren. Eigentlich sollte das nicht mal eine Gasse geben.

Und dieses hier hielt ich schlicht für einen Scherz, aber es ist wohl ernst gemeint:

Zugegeben, diese kleine Straße ist kein Pracht-Boulevard und auch keine belebte Hauptstraße, aber es gibt oder gab sie wirklich. Über ihre ursprüngliche Bedeutung gibt es diverse Theorien. Sicher ist nur, dass hiermit keine perversen Lüstlinge geehrt werden sollten. Und heutzutage scheint sich der eine oder andere Wismarer mit dem Namen ein wenig schwer zu tun.

 

Nachbemerkung: Eine „Krachmacherstraße“ habe ich leider noch nicht gefunden.

Fundstücke 53: Chef sein

Bild „Starker Trinker“ zur Verfügung gestellt von Rike, http://www.pixelio.de

Dieses Fundstück war mal wieder ein eher Akustisches: Ich saß in einem Restaurant, am Nachbartisch saßen ein Vater und sein etwa vierjähriger Sohn. Der Kleine langweilte sich, hampelte herum und nörgelte.

Vater: „Sohn, nun setz dich mal ordentlich hin. Unser Essen kommt gleich.“

Sohn: hampelt und nörgelt weiter.

Vater: „Nun benimm dich mal. Wer ist hier der Chef?“

Sohn: „Mama!“

Vater: „Wenn Mama nicht da ist, bin ich der Chef.“

Sohn: ist nicht überzeugt. „Ich will auch mal Chef sein.“

Vater: „Um Chef zu sein, muss man ein bisschen größer sein. Irgendwann wirst du auch mal der Chef.“

Sohn: guckt unglücklich, ist sichtbar unzufrieden.

Vater, versöhnlich: „Sag doch mal, wenn du mal Chef bist: Was willst du dann denn machen?“

Sohn, entschlossen: „DANN TRINKE ICH DEINE COLA!“

Fundstück 52: das Wertstoffgemisch

Mülltonne, WertstofftonneDa begegnete uns doch kürzlich auf einem Straßenfest diese wunderbare Tonne: „Wertstoffgemisch“ stand darauf zu lesen. Hinein kam allerhand Abfall, von der ketchupverschmierten Pommespappe über den Kaffeebecher bis hin zum vollgeschnaubten Papiertaschentuch war alles dabei. Es war also wirklich eine wilde Mischung, über deren Werthaltigkeit ich ehrlich gesagt nicht gerne nachdenken möchte.

Früher stand auf diesen Tonnen doch etwas anderes, nämlich „Müll“. Und ganz früher noch der Zusatz „Keine heiße Asche einfüllen“ – so auch auf dem kleinen mülltonnenförmigen Bleistiftanspitzer, den ich als Grundschulkind besaß. Das war nicht zu Kaisers Zeiten, sondern in den 70er Jahren – aber ich schweife ab.

Wann aus dem guten alten Müll das Wertstoffgemisch wurde, kann ich gar nicht genau sagen, aber dieser Ausdruck kam mir in der letzten Zeit des Öfteren unter. So auch in irgendeinem Druckerzeugnis, aus dem ich damals den schönen Satz „Die Wertstoffe werden der thermischen Verwertung zugeführt“ abgeschrieben habe. Das klingt natürlich deutlich schöner, wissenschaftlicher und vor allem umweltfreundlicher als der simple Satz“ „Der Müll wird verbrannt“. Ich habe ja immer die Sorge, dass auch meine schönen, liebevoll sortierten Tüten mit grüner-Punkt-Müll, die ich wöchentlich in die gelbe Tonne trage, nicht receycelt, sondern thermisch verwertet werden. Wahrscheinlich liege ich damit gar nicht so falsch, denn die Wiederverwertungsquote ist dem Vernehmen nach eher gering. Da hilft wohl doch nur die Wertstoffgemischvermeidung – egal, um was es sich dabei handelt. Wenn das nur nicht so schwierig wäre …

Fundstücke 51: Sie sind gelandet!

Aliens im Anflug

Aliens im Anflug

Ich habe es gewusst! In diesem Sommer habe ich sie gesehen, als ich müßig bei einem Glas Wein auf dem Balkon saß und vor mich hin sinnierte. Ich sah ihr Flugobjekt und war mir sicher, dass ich sie bald in Frankfurt vorfinden würde, die Aliens mit dem unheimlichen Blick. Man kennt sie ja, diese komischen Gesellen mit den ovalen Augen.

Zu meinem großen Erstaunen dauerte es jedoch eine ganze Weile, bis ich sie traf. Offenbar sind Aliens Leckermäuler, die es vorziehen, sich statt mit grüner Soße mit Apfel- und Topfenstrudel zu verwöhnen. Also zog es sie nach Wien, wo man sie in wirklich jeder U-Bahn antrifft und sogar dazu genötigt wird, ihnen den Platz freizumachen:

Gebt acht, ihr Lieben, und fallt nicht auf sie rein. Sie sehen harmlos aus, doch was sie wirklich planen, verraten sie euch nicht. Es schadet nicht, aufzustehen und sie sitzen zu lassen – doch alles andere, was sie tun, sollte man scharf beobachten!

Fundstück 50: die Variable

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erleben. Ich erlebte kürzlich vier Tage Wien – schön war’s! Ich weiß jetzt, dass man einen „Großen Braunen“ bestellen muss, wenn man einen ganz kleinen Kaffee möchte, und dass ein überstürzter Neumann kein hingeknallter Mitbürger, sondern ebenfalls ein Kaffee ist – mit viel Sahne, die unten in der Tasse ist.  Ich habe einen Zirbenschnaps probiert (sehr medizinisch) und habe auf einer Schiffchenfahrt das „grüne Wien“ kennengelernt (sehr grün). Und ich habe endlich jemanden gefunden, der für alle meine Ideen und unvollendeten Projekte zuständig ist. Keine schnöde Firma, auch keine viel zu teure Werbeagentur, sondern ein Institut. Institut, das klingt auch gleich viel besser – so wie Badeanstalt statt Schwimmbad. Agil war gestern, ich arbeite künftig variabel. Und dieses Institut hilft mir dabei:

Fundstück: Ganz toller Kaffee!

Da, wo ich arbeite, gibt es manchmal Verkostungen – mal im Haus, mal draußen. Dann kann man etwas Neues probieren oder auch etwas Altes, das man schon immer mal versuchen wollte oder auch nie, was einem dann aber aufgeschwätzt wird. Naja, warum auch nicht, man kann es ja mal versuchen.

Was ich aber nie versuche, sind Kaffees mit süßenden Bestandteilen – irgendwelche Sirupe oder so. Gesüßten Kaffee finde ich ganz fies, da steige ich aus. Trotzdem ging ich nach dem Mittagessen mit Kollegin Sabine zu einem Kaffeeverkostungsstand, in dem mehrere Menschen Nespresso-Kaffee ausschenkten. Zwei waren ganz normale Menschen, die Kaffeemaschinen bedienten. Der dritte aber war ein echter Barista, also ein Kaffeekünstler, der zwar für jeden Kaffee eine halbe Ewigkeit brauchte, aber dafür – aus mehreren Gründen – schön zu beobachten war: Diese Leidenschaft, die Kreativität, dieses sich Hineinversetzen in jeden einzelnen Kunden – was will der, was braucht der, was kann ich da noch alles reinrühren, um das optimale Kaffeeerlebnis zu erzeugen? Hübsch war er auch noch, der Barista, was die Sache noch angenehmer machte.

Wir sahen eine Weile zu. Sabine wollte auch so ein Kunstwerk haben, so ein Gebilde aus Schichten, Schaum, Bröseln und allerlei Geheimnisvollem. Und mit einem Blatt – das war ihr wichtig. Denn jedes Becherchen Kaffee bekam seine Zierde, mal einen Amarettino, dann einen Keks, mal ganz, mal halbiert, je nach künstlerischer Komposition. Für die Scholadenliebhaber wurde der Becher auch schon mal halb mit Nutella ausgeschmiert, ganz liebevoll, da wurde nicht einfach mit einem Kaffeelöffel ein Klecks reingehauen, nein, das wurde dekoriert. Sah auch hübsch aus hinterher, machte mich beim Warten aber etwas närrisch. Ich wollte einen Pott Kaffee, sonst nix.

Irgendwann verließ ich also Sabine, um mich bei einer der anderen Schlangen anzustellen – bei den bodenständigen Maschinenbedienern. Ich orderte einen starken Kaffee mit normaler Milch, ohne süßende Bestandteile und vor allem ohne Blatt. Grinsend füllte mir ein junger Mann genau so etwas ab und traf damit voll meinen Geschmack. Ich kehrte zu Sabine zurück, die es inzwischen schon ziemlich weit in der Schlange der Begehrlichkeiten geschafft hatte, und sah nochmal dem Kaffeespezialisten zu. Irgendwann war ich jedoch erschöpft, setzte ich weiter hinten auf einem Bänkchen in den Schatten und nippte an meinem Kaffee. Irgendwann hörte ich Sabines Stimme eine Bestellung aufgeben: „Ich möchte einen ganz Tollen, bitte. Und ein Blatt.“ Es begannen leise Verhandlungen – ob sie Vanille mag, oder Nuss, oder beides? Dann wurde gewerkelt, und heraus kam eine Komposition aus Vanille-Kaffee mit ganz viel Milchschaum, Haselnusssirup, Krokantkrümeln, Schokolade und Pfefferminzblatt – ich war wirklich beeindruckt. Ohne Zweifel, dieser Becher sah deutlich hübscher aus als mein Pott Kaffee mit H-Milch – aber tauschen hätte ich nicht wollen.