Fundstücke 51: Sie sind gelandet!

Aliens im Anflug

Aliens im Anflug

Ich habe es gewusst! In diesem Sommer habe ich sie gesehen, als ich müßig bei einem Glas Wein auf dem Balkon saß und vor mich hin sinnierte. Ich sah ihr Flugobjekt und war mir sicher, dass ich sie bald in Frankfurt vorfinden würde, die Aliens mit dem unheimlichen Blick. Man kennt sie ja, diese komischen Gesellen mit den ovalen Augen.

Zu meinem großen Erstaunen dauerte es jedoch eine ganze Weile, bis ich sie traf. Offenbar sind Aliens Leckermäuler, die es vorziehen, sich statt mit grüner Soße mit Apfel- und Topfenstrudel zu verwöhnen. Also zog es sie nach Wien, wo man sie in wirklich jeder U-Bahn antrifft und sogar dazu genötigt wird, ihnen den Platz freizumachen:

Gebt acht, ihr Lieben, und fallt nicht auf sie rein. Sie sehen harmlos aus, doch was sie wirklich planen, verraten sie euch nicht. Es schadet nicht, aufzustehen und sie sitzen zu lassen – doch alles andere, was sie tun, sollte man scharf beobachten!

Fundstück 50: die Variable

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erleben. Ich erlebte kürzlich vier Tage Wien – schön war’s! Ich weiß jetzt, dass man einen „Großen Braunen“ bestellen muss, wenn man einen ganz kleinen Kaffee möchte, und dass ein überstürzter Neumann kein hingeknallter Mitbürger, sondern ebenfalls ein Kaffee ist – mit viel Sahne, die unten in der Tasse ist.  Ich habe einen Zirbenschnaps probiert (sehr medizinisch) und habe auf einer Schiffchenfahrt das „grüne Wien“ kennengelernt (sehr grün). Und ich habe endlich jemanden gefunden, der für alle meine Ideen und unvollendeten Projekte zuständig ist. Keine schnöde Firma, auch keine viel zu teure Werbeagentur, sondern ein Institut. Institut, das klingt auch gleich viel besser – so wie Badeanstalt statt Schwimmbad. Agil war gestern, ich arbeite künftig variabel. Und dieses Institut hilft mir dabei:

Fundstück: Ganz toller Kaffee!

Da, wo ich arbeite, gibt es manchmal Verkostungen – mal im Haus, mal draußen. Dann kann man etwas Neues probieren oder auch etwas Altes, das man schon immer mal versuchen wollte oder auch nie, was einem dann aber aufgeschwätzt wird. Naja, warum auch nicht, man kann es ja mal versuchen.

Was ich aber nie versuche, sind Kaffees mit süßenden Bestandteilen – irgendwelche Sirupe oder so. Gesüßten Kaffee finde ich ganz fies, da steige ich aus. Trotzdem ging ich nach dem Mittagessen mit Kollegin Sabine zu einem Kaffeeverkostungsstand, in dem mehrere Menschen Nespresso-Kaffee ausschenkten. Zwei waren ganz normale Menschen, die Kaffeemaschinen bedienten. Der dritte aber war ein echter Barista, also ein Kaffeekünstler, der zwar für jeden Kaffee eine halbe Ewigkeit brauchte, aber dafür – aus mehreren Gründen – schön zu beobachten war: Diese Leidenschaft, die Kreativität, dieses sich Hineinversetzen in jeden einzelnen Kunden – was will der, was braucht der, was kann ich da noch alles reinrühren, um das optimale Kaffeeerlebnis zu erzeugen? Hübsch war er auch noch, der Barista, was die Sache noch angenehmer machte.

Wir sahen eine Weile zu. Sabine wollte auch so ein Kunstwerk haben, so ein Gebilde aus Schichten, Schaum, Bröseln und allerlei Geheimnisvollem. Und mit einem Blatt – das war ihr wichtig. Denn jedes Becherchen Kaffee bekam seine Zierde, mal einen Amarettino, dann einen Keks, mal ganz, mal halbiert, je nach künstlerischer Komposition. Für die Scholadenliebhaber wurde der Becher auch schon mal halb mit Nutella ausgeschmiert, ganz liebevoll, da wurde nicht einfach mit einem Kaffeelöffel ein Klecks reingehauen, nein, das wurde dekoriert. Sah auch hübsch aus hinterher, machte mich beim Warten aber etwas närrisch. Ich wollte einen Pott Kaffee, sonst nix.

Irgendwann verließ ich also Sabine, um mich bei einer der anderen Schlangen anzustellen – bei den bodenständigen Maschinenbedienern. Ich orderte einen starken Kaffee mit normaler Milch, ohne süßende Bestandteile und vor allem ohne Blatt. Grinsend füllte mir ein junger Mann genau so etwas ab und traf damit voll meinen Geschmack. Ich kehrte zu Sabine zurück, die es inzwischen schon ziemlich weit in der Schlange der Begehrlichkeiten geschafft hatte, und sah nochmal dem Kaffeespezialisten zu. Irgendwann war ich jedoch erschöpft, setzte ich weiter hinten auf einem Bänkchen in den Schatten und nippte an meinem Kaffee. Irgendwann hörte ich Sabines Stimme eine Bestellung aufgeben: „Ich möchte einen ganz Tollen, bitte. Und ein Blatt.“ Es begannen leise Verhandlungen – ob sie Vanille mag, oder Nuss, oder beides? Dann wurde gewerkelt, und heraus kam eine Komposition aus Vanille-Kaffee mit ganz viel Milchschaum, Haselnusssirup, Krokantkrümeln, Schokolade und Pfefferminzblatt – ich war wirklich beeindruckt. Ohne Zweifel, dieser Becher sah deutlich hübscher aus als mein Pott Kaffee mit H-Milch – aber tauschen hätte ich nicht wollen.

Fundstücke 48: Alles für den Hund

Odin, Irish WolfEs gibt Leute, die nutzen Facebook ganz sachlich dazu, um andere zu informieren. Und so schrieb da einer in einer Gruppe, dass ein Antrag gestellt worden sei, und zwar auf die Aufstellung einen Hundekottütenautomats mit Abfalleimer irgendwo da, wo Leute mit Hunden gerne herumlaufen.

Der Antrag wurde bearbeitet und bewilligt, allerdings formulierten die offiziellen Antragsbeantworter ein wenig anders: Man wolle einen Hundekotbeutelspender anbringen, einen Abfallbehälter mit Deckel installieren sowie die Leerungsintervalle anpassen.

Puh, ich bin beeindruckt – so schöne Worte allein für den Hund. Damit wäre man beim Galgenraten der King und würde beim Glücksrad reich werden. Und in meinem inneren Radio hörte ich schon die pragmatisch-kurze Bitte von Herrchen an Frauchen, wenn der Hund geschissen hat: „Gib‘ mir mal ’nen Kacksack!“

P.S.: Danke an Christian für diese wohlduftende wohlformulierte Inspiration.

Fundstücke 47 – Wetterbericht

Ich dachte, ich sei ihm entronnen – meinem altem norddeutschen Feind, dem Sprühregen. Doch nun sprüht es schon seit Tagen, nur ab und an unterbrochen durch Platschregen, was objektiv betrachtet nicht besser ist. Und doch hatte ich vorhin an der Bushaltestelle das Bedürfnis, meinen Schirm kurz abzulegen und ein Foto zu machen: Denn besser als dieses aufgeweichte Stück Salzgebäck* kann man die Großwetterlage derzeit nicht beschreiben.

Doch wie immer, wenn man genau hinsieht, kann man der desolaten Lage auch etwas Schönes abgewinnen. Ich bin ja immer ein Freund von vollgeregneten Pflanzen und heute gab es für mich nicht nur Blättchen, sondern auch Beeren.

Und wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch Ostfriesentee (hab ich), Pflaumenkuchen (hatte ich), eine Kerze (Check!) und dazu gemütlich Musik hören – dann herbstelt es zwar schon ein bisschen, aber immerhin regnet es nur draußen.

 

*Anmerkung: Das Salzgebäck oben ist so eine Art PomBär – ein aufgeplusterter Chip. Seine Struktur hat er dank des vielen Wassers inzwischen verloren, was als Beweis dafür zu werten ist, dass viel Trinken gegen Falten hilft.

Fundstücke 46: Kryptisches im Nordwesten

Das heutige Titelbild der Nordwest-Zeitung ließ allerhand Fragen offen:

Titel Nordwest-Zeitung 31.07.2017

Der Kutter „Christine“ hat die Fedderwardersieler Kutterregatta gewonnen – zumindest das konnte man der Titelgeschichte der Nordwest-Zeitung, die im Raum Oldenburg aufgelegt wird, entnehmen. Aber wie so oft in letzter Zeit habe ich mich gefragt, ob nicht doch mal jemand hätte Korrektur lesen können, bevor eine Zeitung in Druck geht. Denn die Zeile oben im Bild gab allen Familienmitgliedern schon beim Frühstück Rätsel auf. Mein armer Schwager zweifelte gar an seiner Sehfähigkeit und buchstabierte lange an den fünf Worten herum. Er war regelrecht erleichtert, als wir diese Headline ebenfalls für sinnlos befanden.

Zusätzlich habe ich mich gefragt, ob in der Welt am letzten Wochenende tatsächlich nichts Wichtigeres passiert ist als die Fedderwardersieler Kutterregatta, doch das ist sicher Ansichtssache. Und so eine Zeitungs-Titelseite muss ja auch nicht immer nur von Katastrophen berichten. Von hier also einen herzlichen Glückwunsch an Söhnke Thaden, dem man in der Zeitung zwar die Ö-Punkte geklaut hat, der seine „Christine“ aber offensichtich gut in Schuss hat. Weiter so!

Fundstücke 45: Analoge Fahrkarte

Mein Handy-Ticket

Am Donnerstag fuhr ich aus der norddeutschen Tiefebene zurück nach Frankfurt. Ich nahm einen ganz frühen Zug, denn zum einen wollte ich zuhause noch ein bisschen werkeln, zum anderen musste meine fleißige Schwester an diesem Morgen arbeiten. Das tut sie in einer Bäckerei, und so passte es gut, dass sie mich morgens einfach mitnahm und mich am Bahnhof absetzte. Ich stieg also frohen Mutes um 5:30 in meinen Zug.

Allerdings hatte mich mein Norddeutschland in diesen letzten Urlaubstagen mit einem typischen Sturmtief verabschiedet, es hatte gewindet und geschüttet. Der Verkehrsfunk hatte die vertrauten Nachrichten parat: Sturmflutwarnung, bitte räumen Sie die folgenden Parkplätze, keine leeren LKW oder Wohnwagengespanne auf Brücken … Alles vertraute Durchsagen, die ich mit einem Lächeln vernahm, obwohl ich sowas in Frankfurt nicht unbedingt vermisse. Zumal solche Warnungen ja einen ernsten Hintergrund haben: Sturm macht nämlich gerne mal was kaputt.

Und so war es auch an diesem Donnerstag: Schon in Oldenburg teilte die Bahn uns mit, dass unser Zug nicht würde nach Hannover durchfahren können, wegen eines Sturmschadens zwischen Verden und Nienburg. Wir würden über Hamburg-Harburg umgeleitet werden. Hamburg-Harburg? Oha … das ist aber nicht der nächste Weg. Geschäftsleute wurden unruhig – wie viel Verspätung würde es denn geben? Etwa 75 Minuten, lautete die Antwort. Für mich als Bummeltouristin nicht tragisch, ich würde halt etwas länger an meinem Strumpf stricken. Andere hatten da sicherlich mehr Probleme.

Lässig buchte ich mir über mein Smartphone eine Platzreservierung für einen späteren Zug ab Hannover. Und ich grübelte darüber nach, wie das jetzt mit der Zugbindung laufen würde – schließlich musste diese in so einem Fall aufgehoben werden. Aber auf ein Handy-Ticket kann die Schaffnerin das natürlich nicht draufschreiben. Ob es für so einen Fall ein Formular gibt? Anscheinend nicht – doch zu meinem großen Vergnügen wusste die patente Bahn-Mitarbeiterin sich zu helfen und bastelte mir einen Ersatz-Fahrschein. Dieser analoge Zusatz zu meinem digitalen Ticket brachte nicht nur mich, sondern auch den Schaffner im nächsten Zug zum Grinsen:

Ersatzfahrkarte, sehr analog

Kurze Zeit später brachte die Schaffnerin uns Reisenden übrigens auch noch ein „Fahrgast-Rechte-Formular“, mit dem wir einen Teil des Fahrpreises zurückfordern können. Das fand ich sehr vorausschauend und kundenfreundlich. Einreichen werde ich es aber nicht. Denn dieser Sturmschaden an der Oberleitung kann einfach mal passieren, dafür ist erst mal niemand verantwortlich. Ich finde nicht, dass man immer eine Entschädigung verlangen sollte, wenn man einfach mal Pech hat. Und das Krisenmanagement in diesem Fall fand ich ziemlich gut.

Fundstücke 44 – Keine Fische ausnehmen!

Wieder einmal ist es eine Toilettetür, die mich fasziniert, und wieder einmal steht ein merkwürdiges Verbot angeschlagen: Man möchte doch bitte in dieser öffentlichen Damentoilette keine Fische ausnehmen und auch keine Abfälle entsorgen – ach was?

Da es in diesem Hafenklo im Kappeln auch ohne Fischinnereien nicht nach Parfüm roch, wunderte ich mich mal wieder über meine Mitmenschen – denn irgendeinen Vorfall dieser Art muss es ja gegeben haben, der „die Offiziellen“ dazu gebracht hat, ein derartiges Schild aufzuhängen. Was für eine fischig-stinkige Schweinerei mag das gewesen sein?

Klotür in Kappeln

Fundstücke 43 – Füße von der Brille!

Nach längerer Zeit habe ich mal wieder ein Fundstück zu bieten. Ich gestehe, dass dieses zu meiner Lieblingskategorie zählt: zu den Toilettenerlebnissen. Es ist wirklich drollig, was man alles in öffentlichen Toiletten oder Waschräumen sehen oder erleben kann. Besonders die Verhaltensregeln finde ich immer sehr lehrreich. Oftmals frage ich mich, wie es kam, dass man für nötig befand, diesen Hinweis aufzuhängen. Dieses Mal war es ein allgemeines Verbotsschild, das meine Aufmerksamkeit erregte: Nicht rauchen – klar. Nix ins Klo schmeißen, das da nicht reingehört  -auch klar. Aber was ist damit?

Bitte nicht auf die Toilettenbrille stellen

Man könnte überlegen, ob vielleicht pubertierende Jugendliche auf die Brille gestiegen sind, um ins Nachbarkabinchen zu linsen. Aber zum einen würde man dieser Ungehörigkeit durch ein Schild nicht beikommen, zum anderen sieht das Männeken auf dem Bild irgendwie nicht so aus. Es sieht eher so aus, als würde es sich derartig hockend … erleichtern. Nun, diese Erleichterung kann man auch leichter haben, und vor allem auch ohne Angst, die eigenen Hosenbeine zu treffen. Sich auf die Hacken kacken – das braucht man doch wirklich nicht.

Wahrscheinlich ist sowas mal vorgekommen – sonst würden die das Schild ja nicht aufhängen. Vielleicht andere Länder, andere Sitten? Gab es nicht irgendwo diese Klöchen, wo man sich einfach über ein Loch im Boden stellt und versucht, das zu treffen? Probiert habe ich das noch nicht und ich kann ehrlich gesagt auch darauf verzichten – ich habe es lieber gemütlich.

Nachgedanke: Ist schon seltsam, was man manchmal so ins Internet schreibt. Schön, dass wir mal darüber gesprochen haben, und danke für’s Zuhören. 🙂

Fundstücke 42 – Das Bild hängt schief

Dieses kleine, liebevoll arrangierte Fundstück begegnete mir im Theater Alte Brücke in Sachsenhausen – einem winzigen Spielort mit nur rund 50 Plätzen, aber abwechlungsreichem Programm. Dachte ich beim ersten Mal noch, das schief hängende Bild sei Zufall, scheint es doch gewollt zu sein. Und wer würde ein schief hängendes Bild mehr verdienen als der Meister des Sketches „Das Bild hängt schief“?

Loriot, Bild hängt schiefIch habe übrigens ganz kurz überlegt, ob ich das Bild ein wenig gerade rücken sollte – nur um zu gucken, was dann passiert. Aber ich habe mich nicht getraut 🙂