Fundstücke 62: Selbstverständlichkeiten

Kürzlich musste ich feststellen, dass die Leute, die für den Frankfurter Dom zuständig sind, es auch nicht leicht haben. Anscheinend werden Gesangbücher geklaut – und zwar von Menschen aller Kulturkreise:

Das nächste Schild fand ich noch frustrierender: Gibt es denn wirklich Barbaren, die das Weihwasser im Dom aussaufen oder sich darin waschen? Diese Welt ist ein Jammertal …

Fundstück 60: Meine Gehgewohnheiten

Kennt ihr das auch, dass euch Dinge, die ihr ganz routiniert erledigt, plötzlich schwer fallen, weil ihr anfangt, darüber nachzudenken? Beim Essen: Nur nicht kleckern – und schon macht es platsch. Oder beim Schreiben – kaum denkt man über den Rhythmus nach, wird er zum Rüttmuss. Mir zumindest geht es oft so, dass ich im Modus „Autopilot“ deutlich besser unterwegs bin als bei vollem Bewusstsein.

Seit einigen Tagen kann ich nun nicht mehr richtig laufen. Das System ist gestört. Schuld daran ist mein Arbeitgeber: Der kümmert sich nämlich stets besorgt und pflichtbewusst darum, dass mir die Gefahren des Alltags nicht entfallen. „Sicherheitsschulungen“ nennt sich das und kommt jedes Jahr auf’s Neue dran. Da lernt man dann, wie man den Schreibtischstuhl richtig einzustellen hat, dass man nicht zu schnell Auto fahren soll (isch abe noch immer kein Auto, muss das aber trotzdem immer machen), dass man nicht auf Stühle klettern soll und dass man bei Gefahr im Verzug sofort seinem Vorgesetzen Bescheid sagen soll. Ich finde ja, dass ich eine herumliegende Bananenschale auch gut selber aufheben könnte, aber ich bitte auch gerne meine Chefin darum. Soweit, so gut.

Jahr für Jahr aber bringt mich die Schulung „sicheres Gehen“ völlig aus dem Konzept. Gut, ich verstehe noch, dass man nicht mit den Händen in den Taschen auf Stöckelschuhen die Treppe herunterrennen soll – das wäre ja wirklich grob fahrlässig. Aber das eigene Gehen zu analysieren nimmt mir die Sicherheit. Denn eigentlich latsche ich da immer einfach so lang – so wie man das halt so macht. Ich denke da ungern drüber nach. Aber gerade das soll ich tun:

GehgewohnheitenDas mit der Ablenkung, das kann schon mal sein. Man schwätzt ja mal, guckt dumm in der Gegend herum oder macht sonst irgendetwas Ablenkendes. Aber diese erste Frage – ich weiß nicht. Hebe ich meine Füße wirklich vom Boden ab? Ich nehme es an, denn wie soll man das denn sonst machen? Es beschleunigt das Vorankommen doch ungemein, wenn man das tut. Natürlich habe ich das Laufen – nur aufgrund dieser Frage – auch mal ohne das Abheben der Füße probiert, aber das ging nicht gut und sah auch komisch aus. Zumindest haben mich die Umstehenden so angesehen, als sähe es komisch aus. Ich habe den Test dann etwas abgemildert und bin geschlurft wie ein Kind in zu großen Gummistiefeln, aber das war auch nichts.

Nachdem ich mir nun also tagelang auf die Füße geguckt habe und dabei vor acht Laternen, drei alte Omas (eine davon mit Rollator) und eine Litfasssäule gelaufen bin, denke ich, ich kann die erste Frage mit „Ja“ bestätigen. Ja, wenn ich einfach so gehe, wie man es eben tut, hebe ich meine Füße vom Boden ab. Auch meine anderen Gehgewohnheiten habe ich hinterfragt, kam hier aber zu keinem Ergebnis. Vielleicht kann man ja bei dieser Frage im nächsten Jahr etwas konketer werden.

Fundstück 59: Liebe(s) Grüße aus Göttingen

Briefkasten in Göttingen

Wie schon erwähnt war ich im Frühjahr mit meiner Schwester in Göttingen. Dort sah ich einen Briefkasten mit einer sehr netten Aufschrift, den ich fotografierte. Der Hintergrund war schäbbig – fiese graue Wand, fieser Zaun. ‚Da kannst’e trotzdem nochmal was draus machen‘, dachte ich. Ich legte das Bld auf meine Festplatte und vergaß es.

Dann sah ich heute diesen Blogbeitrag auf dem Blog „Glück der kleinen Dinge“: Da steht doch genau so ein Briefkasten auch in Münster, beschriftet in genau der gleichen Schrift! Das finde ich ja wirklich besonders schön: Da läuft eine gute Fee durch Deutschland und erinnert die Menschen daran, mehr Liebesbriefe zu schreiben. Sowas Nettes …

Nachtrag: Inzwischen habe ich gelernt, dass es Aufkleber mit dieser Aufschrift gibt. Das ist einesteils ernüchternd, auf der anderen Seite aber auch beruhigend. Denn stellt euch vor, die Liebenden dieser Welt hätten nur eine gute Fee, die sie zum Briefeschreiben ermutigt – das wäre doch viel zu wenig!

Fundstücke 58: Keine Trennung erforderlich

Toleranz beweist die Firma Berentzen in Haselünne: Wenn man bei denen zum Klo muss, darf man dort auch Getränke anderer Marken lassen, nicht nur die hochprozentigen Spirituosen, die dort verkauft werden. Das fand ich sehr beruhigend, auch wenn ich diesen Service dort nicht in Anspruch nehmen musste.

Fundstücke 57: Déjà-vu

Da mich ein grauslicher Infekt komplett von den Füßen gerissen hat, gibt es heute nur ein kleines Fundstück aus Wien: Über diesen Laden grübelten die ewige Antje und ich eine Weile nach. Was mochte hier verkauft werden?

Ein kurzer Check des Schaufensters brachte Gewissheit: Dies war ein simpler Second-Hand-Shop, im Volksmund auch „Gebrauchtwarenladen“ genannt. Nun, wichtig ist, was man draus macht …

Fundstücke 56: vorher oder nachher?

Manchmal weiß man bei Werbung einfach nicht, was einem die dargestellten Bilder sagen sollen: Dieses Schild eines Frisörs brachte mich wirklich ins Grübeln. Sind die dargestellten Personen Beispiele für vorher oder nachher, soll heißen, waren die schon beim Frisör oder wollen die noch hin? Ist dieser Frisörladen vielleicht spezialisiert auf Retro-Schnitte und Maskenbildnerei? Oder sind diese beiden Herrschaften gar die Ladeninhaber, die dort die Schere schwingen? Man weiß es nicht, und ausprobieren möchte ich das auch nicht. Freiwillige vor, bitte!

Schild Frisör

Fundstücke 54: Jedem seine Straße

Straßennamen sind oft nicht besonders spannend: Goethe, Bach, Wagner oder Schiller – verdiente Menschen bekommen eine Straße. Rosen, Tulpen, Nelken auch, ebenso wie Lerchen, Amseln und Meisen. Ich wuchs im Pantinenweg auf, das ist nicht so häufig. Richtig schöne Straßennamen begegneten mir aber in Wismar: Hier bekommt scheinbar jedes Mitglied der Gesellschaft seine Straße, auch wenn es sich nicht so besonderer Beliebtheit erfreut. Los ging es mit der

Das kann man verstehen, schließlich kann so einen Sarg früher oder später jeder gebrauchen und dieses Handwerk ist gewiss genau so ehrenwert wie der Maurer, der Schmied oder der Melker. In sofern haben die Sargmacher ihre Straße ganz bestimmt verdient.

Deutlich fraglicher finde ich diese Straßenbenamung:

Nun gibt es in einer handelsüblichen Stadt wahrscheinlich mehr Diebe als Sargmacher oder gar Herzchirurgen oder Heilerziehungspfleger, trotzdem finde ich es grenzwertig, diese Berufsgruppe mit einer eigenen Straße zu ehren. Eigentlich sollte das nicht mal eine Gasse geben.

Und dieses hier hielt ich schlicht für einen Scherz, aber es ist wohl ernst gemeint:

Zugegeben, diese kleine Straße ist kein Pracht-Boulevard und auch keine belebte Hauptstraße, aber es gibt oder gab sie wirklich. Über ihre ursprüngliche Bedeutung gibt es diverse Theorien. Sicher ist nur, dass hiermit keine perversen Lüstlinge geehrt werden sollten. Und heutzutage scheint sich der eine oder andere Wismarer mit dem Namen ein wenig schwer zu tun.

 

Nachbemerkung: Eine „Krachmacherstraße“ habe ich leider noch nicht gefunden.

Fundstücke 53: Chef sein

Bild „Starker Trinker“ zur Verfügung gestellt von Rike, http://www.pixelio.de

Dieses Fundstück war mal wieder ein eher Akustisches: Ich saß in einem Restaurant, am Nachbartisch saßen ein Vater und sein etwa vierjähriger Sohn. Der Kleine langweilte sich, hampelte herum und nörgelte.

Vater: „Sohn, nun setz dich mal ordentlich hin. Unser Essen kommt gleich.“

Sohn: hampelt und nörgelt weiter.

Vater: „Nun benimm dich mal. Wer ist hier der Chef?“

Sohn: „Mama!“

Vater: „Wenn Mama nicht da ist, bin ich der Chef.“

Sohn: ist nicht überzeugt. „Ich will auch mal Chef sein.“

Vater: „Um Chef zu sein, muss man ein bisschen größer sein. Irgendwann wirst du auch mal der Chef.“

Sohn: guckt unglücklich, ist sichtbar unzufrieden.

Vater, versöhnlich: „Sag doch mal, wenn du mal Chef bist: Was willst du dann denn machen?“

Sohn, entschlossen: „DANN TRINKE ICH DEINE COLA!“