Fundstücke 45: Analoge Fahrkarte

Mein Handy-Ticket

Am Donnerstag fuhr ich aus der norddeutschen Tiefebene zurück nach Frankfurt. Ich nahm einen ganz frühen Zug, denn zum einen wollte ich zuhause noch ein bisschen werkeln, zum anderen musste meine fleißige Schwester an diesem Morgen arbeiten. Das tut sie in einer Bäckerei, und so passte es gut, dass sie mich morgens einfach mitnahm und mich am Bahnhof absetzte. Ich stieg also frohen Mutes um 5:30 in meinen Zug.

Allerdings hatte mich mein Norddeutschland in diesen letzten Urlaubstagen mit einem typischen Sturmtief verabschiedet, es hatte gewindet und geschüttet. Der Verkehrsfunk hatte die vertrauten Nachrichten parat: Sturmflutwarnung, bitte räumen Sie die folgenden Parkplätze, keine leeren LKW oder Wohnwagengespanne auf Brücken … Alles vertraute Durchsagen, die ich mit einem Lächeln vernahm, obwohl ich sowas in Frankfurt nicht unbedingt vermisse. Zumal solche Warnungen ja einen ernsten Hintergrund haben: Sturm macht nämlich gerne mal was kaputt.

Und so war es auch an diesem Donnerstag: Schon in Oldenburg teilte die Bahn uns mit, dass unser Zug nicht würde nach Hannover durchfahren können, wegen eines Sturmschadens zwischen Verden und Nienburg. Wir würden über Hamburg-Harburg umgeleitet werden. Hamburg-Harburg? Oha … das ist aber nicht der nächste Weg. Geschäftsleute wurden unruhig – wie viel Verspätung würde es denn geben? Etwa 75 Minuten, lautete die Antwort. Für mich als Bummeltouristin nicht tragisch, ich würde halt etwas länger an meinem Strumpf stricken. Andere hatten da sicherlich mehr Probleme.

Lässig buchte ich mir über mein Smartphone eine Platzreservierung für einen späteren Zug ab Hannover. Und ich grübelte darüber nach, wie das jetzt mit der Zugbindung laufen würde – schließlich musste diese in so einem Fall aufgehoben werden. Aber auf ein Handy-Ticket kann die Schaffnerin das natürlich nicht draufschreiben. Ob es für so einen Fall ein Formular gibt? Anscheinend nicht – doch zu meinem großen Vergnügen wusste die patente Bahn-Mitarbeiterin sich zu helfen und bastelte mir einen Ersatz-Fahrschein. Dieser analoge Zusatz zu meinem digitalen Ticket brachte nicht nur mich, sondern auch den Schaffner im nächsten Zug zum Grinsen:

Ersatzfahrkarte, sehr analog

Kurze Zeit später brachte die Schaffnerin uns Reisenden übrigens auch noch ein „Fahrgast-Rechte-Formular“, mit dem wir einen Teil des Fahrpreises zurückfordern können. Das fand ich sehr vorausschauend und kundenfreundlich. Einreichen werde ich es aber nicht. Denn dieser Sturmschaden an der Oberleitung kann einfach mal passieren, dafür ist erst mal niemand verantwortlich. Ich finde nicht, dass man immer eine Entschädigung verlangen sollte, wenn man einfach mal Pech hat. Und das Krisenmanagement in diesem Fall fand ich ziemlich gut.

Fundstücke 44 – Keine Fische ausnehmen!

Wieder einmal ist es eine Toilettetür, die mich fasziniert, und wieder einmal steht ein merkwürdiges Verbot angeschlagen: Man möchte doch bitte in dieser öffentlichen Damentoilette keine Fische ausnehmen und auch keine Abfälle entsorgen – ach was?

Da es in diesem Hafenklo im Kappeln auch ohne Fischinnereien nicht nach Parfüm roch, wunderte ich mich mal wieder über meine Mitmenschen – denn irgendeinen Vorfall dieser Art muss es ja gegeben haben, der „die Offiziellen“ dazu gebracht hat, ein derartiges Schild aufzuhängen. Was für eine fischig-stinkige Schweinerei mag das gewesen sein?

Klotür in Kappeln

Fundstücke 43 – Füße von der Brille!

Nach längerer Zeit habe ich mal wieder ein Fundstück zu bieten. Ich gestehe, dass dieses zu meiner Lieblingskategorie zählt: zu den Toilettenerlebnissen. Es ist wirklich drollig, was man alles in öffentlichen Toiletten oder Waschräumen sehen oder erleben kann. Besonders die Verhaltensregeln finde ich immer sehr lehrreich. Oftmals frage ich mich, wie es kam, dass man für nötig befand, diesen Hinweis aufzuhängen. Dieses Mal war es ein allgemeines Verbotsschild, das meine Aufmerksamkeit erregte: Nicht rauchen – klar. Nix ins Klo schmeißen, das da nicht reingehört  -auch klar. Aber was ist damit?

Bitte nicht auf die Toilettenbrille stellen

Man könnte überlegen, ob vielleicht pubertierende Jugendliche auf die Brille gestiegen sind, um ins Nachbarkabinchen zu linsen. Aber zum einen würde man dieser Ungehörigkeit durch ein Schild nicht beikommen, zum anderen sieht das Männeken auf dem Bild irgendwie nicht so aus. Es sieht eher so aus, als würde es sich derartig hockend … erleichtern. Nun, diese Erleichterung kann man auch leichter haben, und vor allem auch ohne Angst, die eigenen Hosenbeine zu treffen. Sich auf die Hacken kacken – das braucht man doch wirklich nicht.

Wahrscheinlich ist sowas mal vorgekommen – sonst würden die das Schild ja nicht aufhängen. Vielleicht andere Länder, andere Sitten? Gab es nicht irgendwo diese Klöchen, wo man sich einfach über ein Loch im Boden stellt und versucht, das zu treffen? Probiert habe ich das noch nicht und ich kann ehrlich gesagt auch darauf verzichten – ich habe es lieber gemütlich.

Nachgedanke: Ist schon seltsam, was man manchmal so ins Internet schreibt. Schön, dass wir mal darüber gesprochen haben, und danke für’s Zuhören. 🙂

Fundstücke 42 – Das Bild hängt schief

Dieses kleine, liebevoll arrangierte Fundstück begegnete mir im Theater Alte Brücke in Sachsenhausen – einem winzigen Spielort mit nur rund 50 Plätzen, aber abwechlungsreichem Programm. Dachte ich beim ersten Mal noch, das schief hängende Bild sei Zufall, scheint es doch gewollt zu sein. Und wer würde ein schief hängendes Bild mehr verdienen als der Meister des Sketches „Das Bild hängt schief“?

Loriot, Bild hängt schiefIch habe übrigens ganz kurz überlegt, ob ich das Bild ein wenig gerade rücken sollte – nur um zu gucken, was dann passiert. Aber ich habe mich nicht getraut 🙂

Fundstücke 41 – Tuffels

Dieses kleine Fundstück sah ich auf Borkum, und es ließ mich lächeln und an meine Kindheit denken. Denn das schöne plattdeutsche Wort „Tuffels“ begegnete mir dort jeden Tag. Nicht jeder Tourist wird es wissen, kann aber wahrscheinlich erschließen, dass die hier im Set mit Grünkohl und allerlei Fleischwaren angebotenen „Tuffels“ auf Hochdeutsch „Kartoffeln“ heißen. So wie hier auf einem Schild habe ich den dialektalen Ausdruck aber noch nie gesehen.

Das beste Essen überhaupt!

Ich bin in Nordwestdeutschand aufgewachsen, und Nordwestdeutschland ist Kartoffel-Land. Ich glaube, wir hatten zuhause mindestens 5 Mal die Woche Kartoffeln – es kann auch öfter gewesen sein. Nudeln oder Reis gab es selten, denn meine Mutter vertrat wie so viele Nordlicher die Ansicht, diese Speisen seien ungesund. Man könne von Reis nicht leben, sagte sie, der enthalte keinerlei Nährstoffe. Nun, das erzähle man einmal den Milliarden von Asiaten auf dieser Welt …

Auch später in der Kantine und in der Mensa wurden wir mit Kartoffeln fast zu Tode gefüttert. Und erst vor wenigen Jahren erlebte ich in einem Hotel auf Sylt, das viel von Norddeutschen besucht wurde, beim Abendessen beinahe einen Aufstand: „Sie müssen doch zu jedem Essen Salzkartoffeln anbieten!“, wurde dort ein verdatterter Koch zusammengeschimpft. Der arme Mann war völlig verwirrt, wahrscheinlich war er ein Zugereister. Nun, das wird ihm nicht wieder passieren, dass er einen Speiseplan ohne Tuffels erstellt.

Bei mir gibt es inzwischen eher selten Kartoffeln zu essen. Ab und zu mal in der Kantine, oder zuhause im Eintopf – ansonsten bevorzuge ich Reis oder Nudeln. Und ich lebe noch!

Fundstücke 40: Voooorsicht!

Mit der ewigen Antje war ich gestern im „English Theatre“. Gegeben wurde das Stück „Das Bildnis des Dorian Gray“, das ich vor vielen Jahren (in der Schule? Ich weiß es nicht mehr) gelesen habe. Die sehr moderne Inszenierung war ganz in Ordnung, wenngleich sie mich nicht vom Hocker gerissen hat.

Amüsiert hat uns jedoch schon vor Beginn der Vorstellung dieses Warnschild:

Warnschild im English Theatre

Ohne Zweifel, hier passt man auf uns auf.  Wir fassten uns und bereiteten uns innerlich vor. Jedes dieser unglaublichen Vorkommnisse haben wir abgehakt und immer wieder wissend genickt, wenn etwas Schlimmes passierte. Also als es auf die Bühne räucherte, jemand sich eine Rauchware anzündete und jemand, mehr oder weniger versehentlich, erschossen wurde. Gestorben wurde dramatisch, langsam und überzeugend. Wir haben das überlebt. Und wir wurden auch nicht blind von der Frontansicht des nackeligen jungen Mannes. Die fand ich eigentlich sogar ganz inspirierend.

Fundstücke 39: gebraten oder gekocht

Komm, wir essen, Oma!

Komm, wir essen Oma!

Ein Komma kann so wichtig sein!

Genauso wichtig scheint mir aber das Gespür dafür zu sein, was gut klingt oder nicht. Gut klingt für mich Omas Pflaumenkuchen. Oder auch Omas Kartoffelsalat, oder Omas Rotkohl. Bei solchen Beschreibungen weiß man nämlich genau, was einen erwartet: Hausmannskost nach traditionellem Rezept. Anderes klingt unfreiwillig komisch:

Omas Rippchen

Fundstück in einer Speisekarte. Ich habe lieber ein Schnitzel genommen, das war so schön anonym.

Hier weiß ich nicht so recht, was mich erwartet: Rippchen nach altem Rezept? Rippchen, zäh wie der alte Hausdrache der Lokalität? Oder gar Rippchen, geschnitten aus Omas sterblichen Überresten? Man weiß es nicht – oder will es nicht wissen.

Fundstücke 38: Mein Renteneintritt

Heute bei der Arbeit musste ich ein Ticket eröffnen – das klingt ja moderner als ein Formular ausfüllen. Dabei wollte man meine Kostenstelle wissen. Jaaaa, die Kostenstelle – natürlich wusste ich die nicht. Aber irgendwo musste die ja zu finden sein – schließlich haben wir allerhand ausgeklügelte Computersysteme. SAP und so. Ich suchte also herum und fand so allerhand. Irgenwo auch die Kostenstelle. Aber spannender fand ich dieses hier:

Renteneintritt 9999Nun weiß ich ja, dass meine Generation nicht mehr viel aus dem Rententopf zu erwarten hat, aber ganz so dramatisch hatte ich mir das doch nicht vorgestellt. So mit 75 Jahren hätte ich schon gedacht, mich endlich zurückziehen zu können – das wäre so in 2045. Oder Frührente mit 70?

Die Pessimistin in mir dachte: ‚Ich glaube, das schaffe ich nicht – am besten, ich lege mich gleich zum Sterben hin!‘

Die Optimistin in mir dachte: ‚Die halten mich echt für unersetzlich, ich pack’s jetzt so richtig an!‘

Für was die Realistin in mir sich entscheiden wird, weiß ich noch nicht. Aber nicht für 9999. Und auch nicht für 2045 – das könnt ihr vergessen!

Fundstücke 37: der versteckte Hund

Diesen charmanten kleinen Hund trafen wir gestern beim Markt im Hof: Obwohl es nicht über die Maßen warm war, versteckte er sich im Schatten und kuschelte sich immer wieder tief ins kühle Efeu. Das war so niedlich, dass alle Besucher sein Herrchen auf den kleinen Kerl ansprachen – der wirkte schon ein wenig irritiert und vielleicht auch etwas eifersüchtig. Hätte er sich mal auch so in die Büsche geschlagen – dann hätten wir ihn vielleicht auch niedlich gefunden …

Fundstücke 36: Ganzkörperwaschungen

Ich war ein paar Tage mit der ewigen Antje an der Mosel unterwegs – es war wie immer prima. Fotos gibt es auch, aber nicht mehr heute – nur eines möchte ich euch nicht vorenthalten. Bei diesem Fundstück ist es wie so oft, eigentlich möchte man die Geschichte hinter diesem Zettel wissen. Was ist passiert, das den Gastwirt im „Dorfcafé“ im Örtchen Neumagen-Drohn (wo wir übrigens jeder ein Stück vorzüglichen Käsekuchen mit Heidelbeeren verspachtelten) veranlasste, dieses Schild in der winzigen Damentoilette aufzuhängen? Man weiß es nicht …