Der Göttinger Karzer

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Kunst im Karzer

Bei unserem Göttingen-Besuch im April nahmen wir auch an einer sehr interessanten Stadtführung teil. Unter anderem durften wir auch den Karzer der Göttinger Universität besichtigen. Laut Aushang wurden schon im Jahr 1736 Karzerstrafen verhängt, und zwar unter anderem wegen Duellierens, mangender Nüchternheit, Keuschheit oder Bescheidenheit gegenüber Soldaten. Auch „grober Unfug“ wurde geahndet. Kleinere Delikte hatten Karzerstrafen bis zu drei Tagen zur Folge, bei größeren Vergehen konnten es auch mal zwei Wochen werden. Es gab auch andere Strafen und wenn alles nichts half, flog der Student hinaus, diese Sanktion ist ja auch heute noch üblich.

Nicht alle Zellen waren eingerichtet, aber diese zeigte wohl in etwa die Raumgestaltung der späteren Karzerjahre.

Sehr interessant fand ich die vielen Gemälde und Inschriften auf den Zellenwänden. Wir erfuhren, dass es verboten war, an den Wänden zu malen oder zu schreiben – aber nur, wenn man erwischt wurde. Was fertig war, galt quasi als Kunst am Bau und wurde geduldet. Wenn man sich ansieht, wie fein ausgearbeitet manche der Bilder sind, scheinen die Insassen nicht besonders stark kontrolliert worden zu sein.

Bei anderen hingegen saß der Stift deutlich weniger locker, da reichte es gerade mal, um den eigenen Namen an die Wand zu krakeln, oft ergänzt um ein Datum.

Lächeln musste ich bei einem der Aushänge, denn hier erfuhr man die Liste der Vergehen, die um 1837 geahndet wurden. Auch ich wäre hier gefährdet gewesen, in den Karzer einzufahren. Zwar neige ich nicht dazu, in der Gegend herumzuballern, auch habe ich keine großen Hunde und bade selten in der Leine. Aber ständiger Unfleiß – im Volksmund auch Faulheit genannt – habe ich mir während meiner Schulzeit und des Studiums durchaus zuschulden kommen lassen.

Karzer, Göttingen

Unglaubliches Wachstum

Vor kurzem schrieb ich schon einen Beitrag über die Webcams, die es ermöglichen, Vögel bei der Aufzucht ihrer Jungen zu beobachten. Seitdem gucke ich immer mal wieder nach, was „meine Küken“ so machen. Und mir fällt auf, wie unglaublich schnell sie wachsen. Mein besonderer Liebling ist der kleine Seeadler. Der schlüpfte am 24. April und sechs Tage später sah er so aus:

Küken, Seeadler. Fütterzeit

Das GIF habe ich mit einem Online-Generator gebastelt. Nicht perfekt, aber man sieht doch, mit welchem Appetit der Winzling futtert. Ansonsten ist aber noch ziemlich Ruhe im Nest: Wenn das Kleine nicht gefüttert wird, kuschelt es sich zumeist unter die Federn des Elternteils, das gerade den Kinderdienst macht. Die Adlereltern – Suvi und Sulev, wie ich inzwischen weiß – wechseln sich mit dem Babysitting ziemlich gleichberechtigt ab. Es war die Zeit des schlechten Wetters, in der es in Estland genauso unangenehm stürmte wie bei uns – dass dem Adlerbaby nicht schlecht gewordenen ist im schwankenden Horst, finde ich fast erstaunlich.

Zehn Tage später hat das Küken schon einen enormen Sprung gemacht: Es ist gewachsen und wirkt viel beweglicher, kann richtig aufstehen und neugierig einen langen Hals machen. Insgesamt ist es viel lebhafter als zuvor.

Adlerküken, Adlerhorst, Seeadler

Schon da fällt auf, wie schnell das Küken wächst. Im Vergleich zum Menschenjungen ist dieser Zuwachs wirklich enorm. Aber gut, dieses Küken soll irgendwann Ende Juli flügge sein und das Nest verlassen – beim durchschnittlichen Menschenkind dauert das wohl etwa 20 Jahre.

In den letzten Tagen war ich viel unterwegs und konnte deshalb nicht nach dem Kleinen gucken. Daher war ich heute Morgen völlig überrascht, als ich die Veränderung an dem Küken gesehen habe: Es sitzt inzwischen auch mal alleine im Horst und wartet geduldig auf seine Eltern. Derweil putzt es sich und hält ab und zu Ausschau, ob schon neues Futter angeflogen kommt.

Adlerküken, Seeadler, Adlerhorst

Wer selber nochmal gucken möchte: Hier ist der Link zu dieser wunderbaren Seite. Es ist auch ein winzigkleines Schwarzstorchküken geschlüpft – ich bin gespant, ob es Geschwister bekommen wird und wie es sich entwickelt.

Wochenendtrip nach Göttingen

Dieses Wochenende war es endlich soweit: Meine liebe Schwester und ich trafen uns in Göttingen zu einem Mädelswochenende. Diesen Kurztrip hatte ich meiner Schwester zum 50. Geburtstag geschenkt und schlug so gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Ich hatte ein schönes Geschenk, kam mal nach Göttingen und konnte viel Zeit mit meiner Schwester verbringen. Was will man mehr?

Fachwerk, altes Rathaus, Göttingen Pünktlich um 14 Uhr trudelten wir beide am Bahnhof ein und fanden auch gleich das zentral gelegene Hotel. Es zog uns ins Freie – das Wetter war bombastisch. Und so ging unser super-entspanntest Wochenende los: Mit einem ersten Stadtbummel, Kaffeetrinken in der Sonne und vielen angeregten Gesprächen. Das Geschnatter ging sogar soweit, dass meine Stimme, noch immer etwas „spröde“, irgendwann fast völlig versagte. Eine Krähe klang wahrscheinlich melodisch gegen mich!

Am Samstag gigen wir erst mal shoppen. Dabei hatten wir allerdinge ein Problem: Das Wetter war so schön, dass wir gar keine Lust hatten, in irgendwelche Läden zu gehen. Außerdem brauchten wir nichts. Also suchten und fanden wir den alten botanischen Garten.

Hier bummelten wir eine Weile herum, lauschten einem Froschkonzert am Teich und landeten irgendwann – richtig – im Kaffee.

Das Schöne an Göttingen ist, dass die Stadt klein und „zentriert“ ist, so dass Vieles ganz gemütlich zu Fuß zu erreichen ist. Immer wieder landeten wir am alten Rathaus und dem berühmten Gänseliesel-Brunnen. Hier kraxeln fertige Doktoranden hinauf, küssen die Figur und stecken ein Blumensträußchen daran. Wir wurden Zeuge von zwei derartigen Aktionen – merkwürdig, aber irgendwie ganz niedlich.

Gut gefallen hat mir außerdem die ungewöhnliche Gastronomiedichte – die Stadt mit ihren rund 130.000 Einwohnern hat etwa 33.000 Studenten, die natürlich alle ausgehen wollen. Dementsprechend fiel es uns nie schwer, etwas nach unserem Geschmack zu finden – und es gibt in Göttingen auch etwas für jeden Geldbeutel. Wir aßen im Nudelhaus und ließen den Abend später im Hotel mit einigen Gläsern „Rödelseer Schwanleite“ ausklingen. Das erinnerte mich massiv an Loriot …

Die vielen Studenten in Göttingen können inzwischen natürlich jede Menge unterschiedliche Fächer studieren. Bei der Stadtführung am Sonntag lernten wir, dass es früher anders war: Es gab nur vier Fächer (dargestellt im Relief oben), in denen alles enthalten war, was es damals zu lernen gab. Es gab Medizin, Philosophie, Theologie und Jura, wobei z. B. die Naturwissenschaften mit im Bereich Medizin gelehrt wurden, Sprachen hingegen bei der Philosophie. Das klingt mir nach einem ganz schön vielseitigen Studium, dazu hätte ich Lust – aber ich hätte nicht gedurft. Bin ja nur eine Frau … 😦

Außerdem lernten wir während der Führung noch allerhand über Fachwerk. Wann ist ein Stockwerk ein richtiges Stockwerk und wann nur ein Geschoss? Und warum heißt das überhaupt „Geschoss“? Ich konnte mir die Ausführungen unseres Stadtführers nicht ganz genau merken, aber es hatte etwas mit den Querbalken des Fachwerks zu tun – aufgestockt und durchgeschossen, oder so ähnlich.

Und wir erfuhren, dass Göttingen früher schon bekannt war für seine Wurst. Hm … hätten wir das vorher gewusst, hätten wir mal eine gegessen. Das Wurstplakat oben wurde bei Restaurierungsarbeiten gefunden und in einem Innenhof wieder aufgehängt, zusammen mit einigen Fliesen aus der alten Metzgerei.

Göttingen hat mir wirklich gut gefallen: Klein und niedlich, alt, aber nicht verflossen. Natürlich tat das Wetter das Seine dabei – so ein Glück muss man erst mal haben.

Kohlfahrt 2018 – so schön kann Winter sein

Es war mal wieder Kohlfahrtszeit – gestern wanderten wir los. Es war eisig kalt, aber trotzdem unglaublich schön. Denn gegen Kälte kann man sich anziehen.

Und das taten wir auch: Tatsächlich trat keiner den Weg ohne Mütze an, und von Anfang an wurde eifrig verglichen, was man sich alles angezogen hatte, um warm zu bleiben. Mütze, Schal und Handschuhe natürlich, warme, winddichte Jacken und lange Unterbuxen, von denen mindestens eine sogar zwei trug.

Wir liefen los in Tungeln, direkt an der Hunte. Hier konnte man wirklich schön laufen, allerdings sorgte der Weg auf dem Deich dafür, dass wir so richtig viel Wind abbekamen. Trotz Mütze vermeldete mein linkes Ohr irgendwann Kältealarm, so dass die Kaputze noch oben drüber kam. Erst, als wir den Deich verließen, wurden wir nicht mehr so stark verblasen.

Hunte bei Tungeln

Doch die leicht erhobene Position oben auf dem Deich hatte auch etwas Gutes: Der Blick war wirklich sehr schön. Das lag natürlich auch daran, dass keinerlei Häuser oder Straßen dort im Weg sind. Es gibt dort einfach viel „Gegend“. Geboßelt haben wir allerdings dieses Mal nicht: Die Kugeln wären doch gar zu leicht in der Hunte verschwunden, zumal wir den Kraber zum Herausangeln der Sportgeräte vergessen hatten.

Hunte bei Tungeln

Statt dessen wurde auf einer kugelabsturzsicheren Brücke gekegelt und es gab eine neue, abgefahrene Schnapsleiste mit blinkenden Bechern. Auch unsere mobile Ecke, die es uns ermöglicht, auf völlig gerader Strecke eine der sonst traditionell nur an Ecken oder Kuven stattfindende Schnapspause einzulegen, fehlte nicht. So modern waren wir wahrscheinlich noch nie unterwegs.

Trotzdem wirkte unser Bollerwagen, wenngleich üppig bestückt wie immer, fast bescheiden gegen einige der Profigefährte mit Musik und Zapfanlage, die uns dieses Mal begegneten. Denn es waren unzählige Kohlfahrtsgruppen unterwegs an diesem eisigen Wochenende und die Ausstattung war sehr unterschiedlich.

Profi-Bollerwagen, Kohlfahrt

Bei uns wird der Schnappes nach wie vor von Hand eingeschenkt, was dieses Mal bei dem Wind gar nicht so einfach war: Manchmal machte der Schnaps sich selbständig und schlackerte statt ins Glas über die Klamotten des durstigen Kohlfahrers. Selbst die Schnapsausgießer verweigerten bei der Kälte teilweise den Dienst und fielen einfach von der Flasche, was allgemein für Heiterkeit sorgte – wie gut, dass unsere Leute nicht pingelig sind. Auch Musik brauchen wir für unsere Touren nicht, denn wir machen schon so genug Krach.

Kohlfahrt, Bollerwagen

Wir hatten eine tolle Zeit und nutzten die letzten Sonnenstrahlen noch aus, bevor wir an unserem Lokal ankamen. Auch das war gut ausgesucht. Ich sprach wieder sehr der heißen Suppe zu, die konnte man nach viereinhalb Stunden draußen wirklich gut gebrauchen.

Und ich genoss es, noch einige Zeit mit meinen alten Freunden zusammenzusitzen. Diese jährliche Kohlpartie ist immer eines der Highlights meines Jahres – und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Mal.

Wismar – schön ist zu wenig

Aus einer Laune heraus entschloss ich mich nach meinem verkränkelten Ostsee-Urlaub im Herbst, einige Wochen später nochmal loszujuckeln, und zwar nach Wismar. Natürlich ist der Januar nicht der ideale Reisemonat, aber ich wollte einfach ein paar Tage meine Ruhe haben und entspannen – ohne Rotznase und Husten.

Das Wetter war während der ganzen Woche winterlich grau, doch gerade am Sonntag spendierte der Januar einige kurze Sonnenstunden. Die nutzte ich zu einem Ausflug an den alten Hafen.

Ich gönnte mir eine Hafenrundfahrt, bei der man mit dem Ticket gleich einen Glühwein miterwarb, und schlürfte sogar noch einen zweiten. Denn kalt war es an diesem klaren Sonntag – wie gut, dass ich meine Pudelmütze dabei hatte.

Auch am nächsten Tag war noch Mützenwetter und ich nutzte die leidlich hellen Stunden dafür, die kleine Stadt zu erkunden. Wismar ist Unesco Weltkulturerbe – warum, sieht man sofort, wenn man sich der Innenstadt nähert. Altes Gemäuer an jeder Ecke, größtenteils sehr gut erhalten.

Die vielen alten Häuschen ließen mich immer wieder von meinem Fahrrad steigen, damit ich in Ruhe gucken konnte – den nächsten Tag bin ich gleich zu Fuß gegangen. Der alte Markt und die vielen kleinen Seitenstraßen, all das ist wirklich schön.

Auch in einige Kirchen hat es mich verschlagen. In einer gibt es ein interessantes Konzept: Hinten gibt es eine Sitzecke, in der man Tee trinken kann – gegen eine moderate Spende. Auch einen Platz, an dem kleine Kinder spielen können, gibt es hier. Dem Anschein nach kommen hier Menschen ganz informell zu einem Schwatz zusammen, trinken einen Tee und gehen wieder. Für mich ist das eine gute Idee, um Menschen an die Kirche zu binden – zumindest besser, als manch andere Idee, von der man schon hörte.Wismar, am Markt

Auch das kleine Museum sah ich mir an. Es befindet sich ebenfalls in einem dieser alten Häuser und es wird gut erklärt, wie diese kleinen Häuschen früher bewohnt wurden. Denn hier wurde nicht nur gelebt, sondern auch gearbeitet und gelagert – schließlich wurden über die Hanse große Mengen an Waren umgeschlagen.

Und immer wieder kam man zurück an den Marktplatz – ob man wollte oder nicht. Denn interessanterweise war Google Maps mit dem Wismarer Markt irgendwie überfordert – selbst, wenn man mitten aus dem Platz stand, sagte die Navigationshelferin noch: „Gehen Sie Richtung Markt“. Mein kleiner Faltplan, den man mir im Hotel ausgehändigt hatte, wurde also durchaus benutzt.

Und auch zu tun gibt es noch allerhand in Wismar: Zwar ist ein großer Teil der Innenstadt super in Schuss, doch hier und da findet man auch renovierungsbedürftige Fassaden. Fast schon beruhigend – Perfektion schadet in meinen Augen eher, als das es etwas nützt.

Gegen Abend konnte ich über einen kleinen Schleichweg zu meinem Hotel zurückgehen. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Altstadt, und zwar über die „Kultweide“, wenn ich den Stadtplan richtig verstanden habe.

Fazit: Da auch mein Wellness-Hotel an der Therme mir ausgesprochen gut gefallen hat, war dies nicht mein letzter Aufenthalt in Wismar. Es ist einfach schön da – sogar im Winter.

Ein Sturm kommt

Manchmal muss man auch Glück haben: Ich bin von meinem Usedom-Urlaub schon am Samstag zurückgekehrt, konnte also noch problemlos mit der Bahn fahren. Nur einen Tag später wäre ich spätestens in Berlin gestrandet. So aber konnte ich das Heraufziehen des Unwetters beobachten, und zwar schon am Freitag. Dieser Tag war vom Wetter her nur was für echte Küsten-Fans – ungemütlich ist noch freundlich formuliert.

Ich wagte mich tatsächlich für ein Weilchen an den Strand. Dort wurde man regelrecht verblasen, die Kaputze flog vom Kopf, das Zopfband hinterher. Richtig viel Spaß hatte dort unten wohl nur noch dieser Hund, der die für Ostseeverhältnisse hohen Wellen sichtlich genoss. Ich hoffe nur, er hat sich keinen Schnupfen geholt, so nass wie er irgendwann war.

Ich verzog mich nach einer Weile auf die etwas windgeschütztere Promenade und spazierte von Heringsdorf nach Ahlbeck. Keine große Wanderung, das gebe ich zu, aber an diesem Tag reichte es mir. Es schauerte immer mal wieder gar schauerlich, und ich wollte gerne in der Nähe der zahlreich vorhandenen Gastronomie bleiben, um notfalls unterschlüpfen zu können.

Viele Leute waren wahrlich nicht unterwegs bei diesem Schietwetter, aber die, die man traf, waren alle gut gelaunt. Es waren die Wetter-Enthusiasten, die genau wissen, was sie bekommen können, wenn sie zu dieser Jahreszeit an die Küste fahren. Und da die Tage zuvor beinahe windstill gewesen waren, war dies der gerechte Ausgleich dafür. Sogar einige wenige Kite-Surfer sah man, die den heraufziehenden Sturm nutzten. Ich fror schon, wenn ich ihnen nur zusah.

Reichlich durchgepustet und mit echter Trümmerlotten-Frisur kam ich ein paar Stunden später wieder in meinem Hotel an und belohnte mich mit heißer Suppe. Zum ersten Mal in meinem Leben aß ich diese merkwürdige Reste-Komposition namens „Soljanka“. Hat gut geschmeckt, ist aber ein bisschen merkwürdig. Besonders zu loben war aber das wunderbare Brot, dass es in diesem Hotel gab. Das schmeckte deutlich besser als das olle Baguette, das Suppen ansonsten gerne komplettieren soll.

Am Freitag blies es also schon kräftig und am Samstag war es so unfreundlich, dass ich darauf verzichtete, vor meiner Abreise gegen Mittag noch einmal an den Strand zu gehen. Das Wetter machte mir die Abfahrt dieses Mal recht leicht.

Herbstfarben

Ja, ohne Zweifel, der Herbst ist da, und mit ihm kam – zumindest zu mir – eine fette Erkältung. Die ist nun auf dem Rückzug und ich kann wieder gucken. Und so konnte ich die Fotos sichten, die ich in den letzten Tagen geschossen habe, wenn ich, dick eingemummelt und mitleiderregend hustend, herumspazierte, um zu genesen. Es sind erstaunlich bunte Bilder dabei, und damit meine ich nicht nur die typischen Herbstblätter.

Herbstblüte

Ich muss gestehen, gleich das erste Bild ist geschummelt, das stammt nämlich noch aus dem September und wurde in Wien geschossen. Alle anderen Bilder stammen aus dieser Woche.

Diese bunten Blätter gefielen mir besonders, weil sich die drei vorlauten Hagebutten dazwischen gemogelt hatten. Dunkelrot, glänzend und irgendwie allein auf weiter Flur, hatten sie sich tapfer ans Licht gekämpft.

Große „Haufen“ Pilze zieren die Grünflächen der Usedomer Strandpromenade. Viele sind vor lauter Feuchtigkeit schon „überreif“ und sehen irgendwie geplatzt aus. Zumindest kommt es mir so vor. Ich verstehe allerdings überhaupt nichts von Pilzen, die einzige Sorte, die mir bekannt ist, ist der Fliegenpilz.

Auch einige Dahlien trauen sich noch ans Licht. Ich mag diese Blumen sehr, auch wenn sie dazu neigen, in der Vase bei zu seltenem Wasserwechsel wie ein sehr aktiver Komposthaufen zu riechen.

Was dieses für eine blaue Blüte ist, weiß ich gar nicht. Sie hat was von einer Anemone, doch die sind meines Wissens nach deutlich früher dran. Egal – sie fiel mir auf und war mir spontan sympathisch.

Und ja, doch, natürlich gibt es auch hier an der Ostsee die klassischen bunten Blätter. Dieses hier guckte mir so nett entgegen …

Diese kleine rosa Blütendolde wirkte irgendwie „schaumig“, weil sie winzige weiße Fortsätze hat. Auch dieses Gewächs ist mir leider unbekannt, kommt hier auf Usedom aber öfter mal vor.

Alles in allem macht mir die Flora hier noch viel Freude, auch wenn das Wetter schon recht herbstlich ist. Ich mag das goldene Oktoberlicht – und meine Wetterapp hat sich hier in den letzten Tagen als deutlich zu pessimistisch herausgestellt. So eine Miesmacherin …

Kleine Flieger und zwei Krabbelviecher

Der Sommer verschwindet allmählich und die kleinen Flieger, die manchmal so lästig und doch so nützlich sind, werden langsamer und irgendwie müde. Ich gestehe ja ehrlich, dass ich gerade im Spätsommer gut auf die kleinen Kerlchen verzichten könnte – besonders, wenn sie penetrant um mich herumsurren und sich unbedingt in meinem Glas ertränken wollen.

Biene, Blüte

Ich verstehe das gar nicht – Blüten sind doch viel attraktiver. Und ungefährlicher auch, nicht zuletzt, weil man als Fluginsekt da deutlich weniger Gefahr läuft, einen Schuh auf den Kopf zu kriegen. Kaffeetische sollten für nicht eingeladene Gäste generell tabu sein.

Die beiden Wespen oben fand ich auf meinem Weg von der Arbeit zum Bus. Der ganze lila Strauch scheint ein Wespenparadies zu sein, es wimmelt direkt von ihnen. Die Blüten waren so interessant, dass ich ziemlich in Ruhe knipsen konnte. Das war bei dieser Biene, beheimatet im norddeutschen Greetsiel, schon schwieriger.

Und zu guter Letzt noch etwas anderes: Aus irgendeinem Grund erinnert mich diese Hibiscusblüte an ein Karussell – ein Ameisenkarussell. Ich hoffe, die Mädels hatten Spaß – man kann ja nicht immer nur arbeiten.

Glatze wär‘ schlimmer

Vor kurzem saß ich mal wieder beim Frisör meines Vertrauens und mopste mich ein wenig. Diese Einwirkzeit der Strähnchenfarbe ist immer ein wenig zäh, denn da ich meine Brille dann nicht aufhabe, kann ich nicht gut in diesen hochinteressanten Magazinen lesen. Gut, ich könnte darin herumblättern und die Überschriften studieren, aber wer genau mit wem oder wem nicht und warum und weshalb, das würde mir dann entgehen. Da liefe ich glatt Gefahr, die falschen Schlüsse zu ziehen! Auch wüsste ich nicht, wer diese entzückenden Kleider alle designt hat und was die must-not-haves dieser Saison so kosten würden, wenn man sich doch zum Kauf entschlösse.  Mir entginge schlicht das ganze Kleingedruckte, und nur Bilder finde ich öde. Also machte ich aus purer Langeweile ein Foto von mir im Spiegel und postete dieses auf Facebook. Die Resonanz war überwältigend …

Gleich drei Bekannte posteten ähnliche Fotos. Scheinbar bin ich nicht die Einzige, der beim Frisör nichts Besseres einfällt. „Es wird halt aufwendiger“, kommentierte meine frühere Sandkastenfreundin Anne, und sie hat recht: Vorbei sind die Zeiten, in denen die lange Mähne ohne besonderes Zutun bei jeder Bewegung wild in der Gegend herumwallte und güldene Kringel bildete.

Kringel bildet meine Frisur noch immer, allerdings hat sich der metallische Glanz verändert: Statt Gold hat sich nun Silber hineingeschmuggelt. Das ist schon Alchemie der besonderen Art: Statt aus Stroh Gold zu machen, wird hier aus Gold Silber oder, wenn man ehrlich ist, eher Alteisen. „Wenn man auf Aschblond mit Grau einfach Aschblond drüber tönt, sieht das ziemlich nach Asche aus“, kommentierte eine der netten Frisörinnen die Malaise irgendwann ungeschönt, weshalb ich mich für die zweifarbigen Strähnchen mit „Highlights“ entschied. Nun habe ich also Aschblond mit Grau, Mittelblond und Gold auf dem Kopf – wahrscheinlich sehe ich irgendwann aus wie ein Meerschweinchen.

Meerschweinchen, Bild zur Verfügung gestellt von nero, http://www.pixelio.de

Worüber ich mich hingegen nicht beklagen kann, ist das früher so oft in der Werbung besungene Volumen – Masse ist vorhanden. Es gab Zeiten, da war das anders – da war mein Köpfchen deutlich weniger behaart. Zwar kringelte es sich damals schon, aber dünn und wenig vorteilhaft. „Schweineschwänze“ nannte meine Schwester diese Frisur einmal – nur gut, dass mich sowas damals noch nicht gestört hat.

Ehrlich gesagt stört mich eine nicht sitzende Frisur auch heute noch nicht. Es wächst halt reichlich fröhliches Kraut auf meinem Kopf, schwer zu bändigen und an feuchten Tagen immer kurz vor der Explosion. Irgendwas ist wohl immer – und mein Wildwuchs ist wohl eher ein Luxusproblem.