Flieger und Brummer

Es gab Pflaumenkuchen! Wieder mal bei meiner Freundin Maike, wieder mal auf ihrer wunderschön begrünten Dachterrasse. Maike gärtnert leidenschaftlich gerne und bemüht sich jedes Jahr, ein dauerblühendes Bienenparadies zu gestalten. Und ich ging auch dieses Jahr wieder auf Fotosafari. Wie immer mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ich knipse ja ausschließlich mit dem Handy und nutze die „einfach draufhalten-Technik“, was dazu führt, das ich pro einigermaßen gelungenem Foto mindestens 10 mache, die unscharf, verwackelt oder am Ziel vorbei getroffen sind.

Das Problem beim Knipsen dieser possierlichen kleinen Viecher ist ja nicht nur meine generelle Langsamkeit. Und nein, auch nicht die kleine Verzögerung, die zwischen meinem hektischen Fingertippen und dem Auslösen der Kamera entsteht. Nein, das Problem liegt häufig in der mangelnden Kooperation meiner Models. Die halten einfach nicht still, und viele gucken mich freiwillig nicht mal mit dem Hintern an. Oftmals verlassen sie einfach die Location, wenn ich abdrücke, und kümmern sich einen Scheiß darum, dass ich sie gerade ganz groß rausbringen will. Dann sieht man auf der Aufnahme bestenfalls noch ein unscharfes Flugobjekt an scharfer Blüte. Oft aber auch nur eine nackte Blüte ohne Insekt – was manchmal natürlich auch ganz schön ist.

Trotz der Widrigkeiten macht mir diese laienhafte Fotojagd immer viel Spaß, wenngleich es manchmal desillusionierend ist, aus der Masse an Fotos hinterher all die vermurksten Bilder auszusortieren. Auch waren mir die vielen Wespen beim Kuchen essen teilweise etwas lästig, besonders das verwirrte Wesen, dass sich im Sturzflug in meine Sahne stürzte. Aber gut, wer das eine will, muss das andere mögen – und wir brauchen diese eifrigen kleinen Tierchen deutlich dringender als sie uns.

Sommerlicher Farbenrausch

So ganz allmählich erwachen meine Lebensgeister wieder – das hat eine ganze Weile gedauert nach der coronabedingten Rückzugs-Starre. Deshalb hatte ich auch viel Freude an den tollen Außenanlagen im Museumsdorf in Cloppenburg. Gemüse- und Bauerngärten, riesige Hortensien und Blumen, Blumen, Blumen. Trotz der Hitze hatte ich Spaß daran, die eine oder andere Blüte zu knipsen.

Es gibt nicht nur Kulturpflanzen im Museumsdorf, auch allerhand Wildkraut gibt es anzugucken. Auf Wiesen und in Pferchen wohnen alte Haustierrassen und ich verliebe mich jedes Mal wieder neu in die Heidschnucken, die mir dieses Mal leider nur den Hintern zudrehten. Dafür hatte ich einige nette Unterhaltungen mit gescheckten Pferden.

Zu meinem großen Erstaunen fand sich heute Morgen gar keine Aufnahme von Phlox. Dabei kam der in fast jedem Garten überreichlich vor. Wir wunderten uns darüber und haben mehrfach darüber gesprochen – aber geknipst habe ich keinen. Schade. Aber gut, dafür gab es allerhand anderes …

Immer, wenn ich derartige Blumen sehe, denke ich, dass Gärtnern ja auch wirklich ein schönes Hobby ist. Wenn ich dann jedoch daran denke, wie ungern ich früher zuhause im Garten gewerkelt habe, verwerfe ich diesen Gedanken wieder. Meine Freundin Maike jedoch, der ich das Bild von der Rosenblüte mit Knospen und blauem Nebengeblümel schickte, fühlte sich davon inspiriert und will diese Farbkombination im nächsten Jahr auf ihrer Dachterrasse umsetzen. Das soll sie mal machen, ich knipse das dann 🙂

Borkum – meine Seeleninsel

Schon oft habe ich mich gefragt, welche der von mir so gerne besuchten Inseln eigentlich meine Lieblingsinsel ist. Ich denke, es ist Borkum. Und deshalb war ich besonders glücklich über die Woche, die ich kürzlich mit meiner lieben Schwester dort verbringen konnte. Für mich war es eine Wiederholung und für sie auch – aber nur bedingt. Sie war zwei Mal dort, das letzte Mal allerdings schon vor 45 Jahren. Ja, da hat sich einiges geändert.

Dünen-Gif

Wir reisten mitten in der Woche an und konnten uns gleich über ein bisschen Sonne freuen. Überhaupt war das Wetter die ganze Zeit über gut: morgens oft noch bedeckt, aber dann immer sonniger. Da die Wetter-App unserer Handys total versagte und das an keinem Tag so vorhersagte, holten wir uns gleich am ersten Tag einen krassen Sonnenbrand in unseren schönen Gesichtern. Die Sonnencreme lag derweil sicher aufgehoben im Hotel.

Türme auf Borkum, Panorama

Meine Schwester und ich wohnten wieder einmal in einem Hotel direkt am neuen Leuchtturm. Dort hatten wir zuletzt 1977 zusammen mit unseren Eltern gewohnt. Es gab viele Erinnerungen, die sich bei mir natürlich mit den Erinnerungen an Urlaube aus neuerer Zeit mischten. Meine Schwester dachte oft zurück an die vielen Kinder, mit denen wir dort gespielt hatten. Ich erinnerte mich an Mini Milk und Berry – unser damaliges Nachtisch-Eis.

Anfang des Urlaubs hatten wir viele Pläne: Inselrundfahrt, Heimatmuseum, vielleicht Aquarium. Doch dann machte das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung, denn wir waren an jedem Tag einfach nur draußen. Mal liefen wir durch die Dünen, dann wieder schlenderten wir auf der Promenade von Bank zu Bank. Beide sind wir so veranlagt, dass wir keine große Action brauchen für einen schönen Urlaub. Es reicht uns, auf’s Meer zu gucken. Und die Sonnenuntergänge lassen bei gutem Wetter ja bekanntlich keine Wünsche offen. 

Sonnenuntergang auf Borkum

Bei Blick von der Promenade auf die Nordsee offenbarte sich, wie schnell sich die Insellandschaft manchmal verändert: Die Sandbank, auf der bei niedrigem Wasser immer ein paar Seehunde chillen, ist in den letzten Jahren sichtbar näher gekommen. Früher fuhr man mit dem Boot dahin, Anfang der 2000er Jahre war es eine längere Wanderung und inzwischen ist es ganz nah, so dass man vom Strand aus sehen kann, wie die Tiere hin- und herrobben. Manchmal schwimmt auch einer ganz nah ran und guckt rüber. Ob wir für die Tiere wohl genauso interessant sind wie sie für uns? Ob sie sowas denken wie „Oh, wie niedlich“, wenn ein kleines Kind am Strand herumspielt?

Das Borkumer Wildlife war dieses Mal friedlich: Da es nur wenige Möwen gab, hat mich ausnahmsweise mal keine ankekackt. Das ziehe ich ja sonst magisch an. Der einzige Fasan, den wir sahen, zeigte sich kamerascheu, aber die unzähligen Karnickel hoppelten fröhlich überall herum. Ich kann verstehen, dass die Borkumer sie nicht lieben, sind sie doch aufgrund ihrer reinen Anzahl inzwischen zur Plage geworden und unterhöhlen alles munter mit ihren Gängen und Kinderstuben. Doch ich habe mich immer gefreut, sie zu sehen. Selbst aus unserem Frühstücksraum heraus sah mal es fröhlich hoppeln. Leider habe ich vor lauter Niedlichkeit vergessen, welche zu fotografieren. Stattdessen knipste ich wieder einmal Blüten.

Auch kulinarisch kamen wir übrigens voll auf unsere Kosten: Wir hatten Halbpension gebucht, die in diesem Famiulienhotel solide, aber nicht aufregend ist. Wir gönnten uns aber jeden Tag eine Zwischenmahlzeit. Zumeist war die süß, denn es gibt auf der Insel unzählige Möglichkeiten, gut zu kaffeesieren und sich fest-flüssig zu versorgen. Der gelbe Schnaps namens Fasanenbrause schmeckte mir, meine Schwester fand ihn allerdings grauslich. Am allermeisten haben uns jedoch die Fischbrötchen von Hinnis Milchbar beeindruckt. Wir probierten Matjes (ich) sowie Bismarck und Krabbe (meine Schwester). Wir kamen bei allen drei Varianten zu dem Schluss: Besser geht’s nicht! (muss ich jetzt wohl „Werbung“ über diesen Post schreiben? 😉 )

Heute vor 80 Jahren

… wurde meine Mutter Ursel geboren. Sie war die Tochter von Gerhard Friedrich und Erna sowie die große Schwester von Claus und Rita.

Familie am Weihnachtsbaum

Weihnachten mit der Familie, etwa 1956

Als Kriegskind verbrachte sie die ersten Jahre nur mit ihrer Mutter. Die Zeiten waren schwierig,  aber meine Oma Erna war eine echte Löwin und brachte ihr Kind allen Widrigkeiten zum Trotz durch.

Die Mädchenjahre verbrachte Ursel zum großen Teil in der Schloßstraße in Rastede, und zwar in der Wohnung, in der ich später so oft meine Großeltern besucht habe. Anfangs wohnte die Familie beengt in zwei kleinen Zimmern in der unteren Etage, konnte später aber oben zwei Zimmer und einen großen Dachboden dazu mieten. Um in die oberen Zimmer zu gelangen, musste man lange über eine Außentreppe gehen – das hat mich als Kind total fasziniert.

In der Teenagerzeit engagierte meine Mutter sich sehr in der neuapostolischen Kirche. Dort hatte sie auch Gelegenheit, Geige spielen zu lernen. Mit 14 musste sie von der Schule abgehen, obwohl ihr aufgrund von Krankheit – sie hatte eine angeborene Hüftfehlstellung – zwei Jahre fehlten. Sie begann zunächst als Kindermädchen und Haushaltshilfe zu arbeiten und besuchte nebenher eine Haushaltsschule. Später arbeitete sie in einer Fabrik, die Einlagesohlen für Schuhe herstellte.

Mädchenchor mit Geigerin

Und dann ging meine Mutter in einem roten Kleid auf eine Hochzeit, wo sie meinen Vater kennenlernten. Es funkte nicht sofort, aber durch Zufall trafen sie sich wieder, mochten sich und wollten zusammen in den Urlaub fahren. „Das gehört sich nicht!“, fand meine Oma Erna, und so wurde zuerst geheiratet. Viele Jahre später fragte ich meine Mutter, wie sie es denn gefunden hätte, wenn ich mit 22 einen 12 Jahre älteren Witwer hätte heiraten wollen, den ich erst ein paar Wochen kenne. „Verrückt“, antwortete sie.

Auf Hochzeitsreise reisten meine Eltern nach Freilassing, wo sie Boot und Bergbahn fuhren, wanderten und mein Vater meiner Mutter das Schwimmen beibrachte.

Ursel wurde Mutter zweier Töchter: 1966 wurde meine wunderbare Schwester Ilka geboren, 1970 folgte ich. Man beachte: Das Bild mit der Familie im Wasser entstand im August 1970 auf Borkum. Da war ich schon da, aber ich durfte nicht mit! Die haben mich einfach bei Oma und Tante Rita gelassen! Da hatte ich es bestimmt gut, aber eifersüchtig bin ich doch! 😉

Immer, wenn ich darüber nachdenke, fällt mir auf, was für eine gute Ehe meine Eltern führten. Die haben sich auch mal gestritten, wegen irgendwelchem Kleinkram wie „Sollte man wirklich ein Gerüst basierend auf einer 40 Jahre alten Schranktür bauen und da noch eine Trittleiter draufstellen?“ oder „Isst man Bohnensuppe mit dem Löffel oder einer Gabel?“, aber sie waren doch immer rücksichtsvoll und einander zugewand.

Mein Vater starb 2002 an Krebs. Da war meine Mutter ebenfalls schon sehr hinfällig, ihre Multiple Sklerose machte sie zunehmend unbeweglich. Ihre letzten Jahre verbrachte sie in einer kleinen Einliegerwohnung bei meiner Schwester, wo sie von Ilka und ihrer Familie liebevoll umsorgt wurde. Ich fuhr hin, so oft ich konnte. In Frankfurt besuchte sie mich mit meiner Schwester tatsächlich auch zwei Mal, bereits im Rollstuhl sitzend. Das war immer etwas abenteuerlich, denn meine kleine Wohnung war dafür nicht wirklich geeignet.  Dort, wo ich jetzt wohne, ginge das besser, aber diese Wohnung konnte sie leider nur noch auf Bildern ansehen.

Über den Dächern von Frankfurt

Im Oktober 2014 war Uschis Weg zuende. Was bleibt, sind viele schöne Erinnerungen. Die Leidenschaft für’s Handarbeiten wurde mir von ihr und Oma Erna vererbt, und ich habe die beste Schwester der Welt (hier zu sehen 1976).

Driving home for Christmas

Frisch getestet, geboostert und maskiert habe ich mich gestern in einen Zug getraut und bin zu meiner Familie nach Norddeutschland gefahren. Im Zug war es warm, draußen eisig und wunderschön. Selten kann man so hübsche Bilder durch ein Zugfenster machen.

Winterlandschaft zwischen Göttingen und Hannover

Heute sieht es hier leider schon etwas anders aus – leichter Regen auf eisigen Boden lässt mich hoffen, dass meine noch arbeitende Schwester heil nach Hause kommt. Ansonsten ist die Stimmung prima: Die Küche ist geputzt, die Salatkartoffeln für morgen kochen, die Auswahl der richtigen Würstchen wird justamente am Telefon diskutiert. Der Neffe schückt den Baum, die Tante (ich!) hat heißen Tee und fummelt auf dem Smartphone einen Blogbeitrag zusammen.

Winterlandschaft bei Hude

Vielleich wäre es angesichts der Corona-Zahlen vernünftiger gewesen, zuhause zu bleiben. Das hätte ich sicher überlebt. Aber nach einem unendlich anstrengenden Jahr im Homeoffice, mit wenigen Anregungen und wenigen persönlichen Kontakten hat es diese Fahrt jetzt einfach gebraucht.

Schwesterchens verblühte Rose mit Rauhreif

Allen Lesern meiner bunten Welt wünsche ich schöne, erholsame Feiertage – macht es euch so nett wie möglich!

Zoo Rostock – beachtet die Quallen!

Derzeit bin ich ein bisschen müde und allgemein unlustig, etwas am Computer zu machen – deshalb ist es derzeit recht ruhig im Blog. Das heißt aber nicht, dass ich gar nichts erlebt oder geschrieben hätte. Ich war sogar im Urlaub: Warnemünde an der Ostsee war mein Ziel. Und da ich allgemein sehr gerne in Zoos gehe, stattete ich dem Zoo in Rostock einen Besuch ab. Der hat ein schönes Konzept, ich hatte Glück mit dem Wetter und es war ein rundum gelungener Tag. Eines muss ich aber anmerken: Die machen die falsche Werbung. Sie werben nämlich mit fröhlich badenden Eisbären und lassen das, was mich viel mehr gefesselt hat, völlig außer Acht. Hinzu kommt, dass die Eisbären an dem Tag, an dem ich da war, gar nicht daran dachten, vor den Sichtfenstern zu baden, sondern sich eine Auszeit genommen hatten. Nun, es sei ihnen gegönnt. Einer von ihnen saß behäbig-schmuddelig in der Sonne und guckte bräsig, die anderen ließen sich gar nicht blicken.

Eisbär im Zoo Rostock

Inzwischen habe ich gehört, dass eine Eisbärin Junge bekommen hat – das freut mich natürlich sehr. Aber kommen wir zu dem, was mich wirklich begeistert hat: Die Quallenbecken.

Im Zoo Rostock gibt es u. a. zwei große, schöne Häuser, die jeweils ein eigenes Konzept verfolgen: das Darwineum und das Polarium. Im Darwineum kann man die Entwicklung allen Lebens schön verfolgen und, wenn man Lust hat, sehr, sehr viele Informationen erhalten. Wenn man keine Lust hat, so wie ich, kann man einfach herumbummeln und sich an der schönen Aufmachung freuen. Und an den ersten Quallen, die mir begegneten:

Ich mochte Quallenbecken schon immer ausgesprochen gerne, die ruhigen Bewegungen haben eine sehr entspannende Wirkung auf mich. Kein Vergleich ist es übrigens mit dem usseligen Gefühl, dass sich einstellt, wenn einem die dicken Nord- oder Ostseequallen beim Baden begegnen – dann bin ich deutlich weniger begeistert.

Nachdem ich mir im Darwineum auch noch die Menschenaffen angeguckt und auf einem schönen Spazierweg an allerlei Hufgetier und großen Laufvögeln vorbeikam, fand ich den Weg in den alten Teil des Zoos und zum Polarium. Und das hat deutlich mehr zu bieten als Eisbären: Ich begeisterte mich für die Meereswelten.

Und auch hier gab es diverse wunderschöne Quallenbecken. Unter anderem fand ich dort meine Lieblinge, die auch noch einen ganz entzückenden Namen tragen: Spiegeleiquallen. Sowas Hübsches!

Irgendwie haben diese kleinen, ruhig dahinschwebenden Dinger etwas Galaktisches. Eigentlich könnte man eine entsprechende Star Trek-Folge dazu schreiben: Die Quallen der Galaxis. Die Exemplare mit den längeren Nesseln schienen manchmal regelrecht im Becken zu turnen und waren dabei ausgesprochen elegant. Und mit den Bildern dieser Schönheiten schließe ich diesen quallenlastigen Post.

Spätsommergrüße aus dem Dahliengarten

Der Herbst ist da. Pflaumenzeit, Kürbiszeit, Dahlienzeit. Die heutigen Exemplare habe ich größtenteils im Klostergarten in Seligenstadt geknipst.

Diese schönen Blumen erinnern mich immer daran, dass ich vor rund 20 Jahren in der Nähe von München wohnte. Direkt gegenüber von meinem Haus war ein Feld mit Blumen zum Selber schneiden: Gladiolen, Sonnenblumen und zuletzt Dahlien. Das habe ich oft genutzt und mir ein paar Stengel dort abgeschnitten (und natürlich bezahlt!). Seit ich 2003 dort weggezogen bin, habe ich kein derartiges Feld mehr besucht.

Rein aus Neugier habe ich kürzlich gegoogelt und festgestellt, dass da, wo das Feld war, jetzt ein Supermarkt mit Parkplatz ist. Nun ja, wäre ich die Besitzerin dieses Ackers gewesen, hätte ich das wohl auch gemacht – einen Blumenacker nahe München zu haben ist nett, ein Baugrundstück aber netter.

Ein Tag im Opel-Zoo

In der Zeit, in der meine Schwester mich besucht hat, konnten wir dank Prachtwetter auch einmal in den Opel-Zoo in Kronberg fahren. Das ging früher mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so gut, sodass es auch für mich das erste Mal war. Es hat sich aber in jeder Hinsicht gelohnt – der Zoo ist wunderschön angelegt und die Tiere haben viel Platz.

Im Gegensatz zum kleinen Frankfurter Stadtzoo sind die Gehege hier sehr großzügig geschnitten und schön in die Natur eingebettet. Man trabt, dem Rundweg folgend, hügelauf, hügelab, ist mal in der Sonne, mal im Schatten. An vielen Stellen kann man von oben in die Gehege hineinsehen, was wirklich schön ist.

Die Häuser im Zoo hatten coronabedingt noch geschlossen, was nicht schlimm war: Die meisten großen Tiere waren wohl draußen, und das, was uns an Kleingetier oder nachtaktiven Geschöpfen entging, können wir das nächste Mal angucken. Uns war viel mehr danach, das schöne Wetter zu genießen. Da es recht warm war, mussten wir ab und zu was trinken und das geht gut dort: Überall im Zoo gibt es Kioske oder kleine gastronomische Angebote. Wir wählten die mit der schönsten Aussicht und dem meisten Schatten. Trotzdem verbrannte ich mir die Nase.

Die Erdmännchen hatten ein Baby und wieder musste ich feststellen, dass es fast nichts so Niedliches gibt wie Tierkinder. Auch kleine Ziegen und junge Hirsche gab es zu sehen. Ich bin da immer komisch gerührt, obwohl mir die Mutterinstinkte ansonsten ja völlig abgehen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis fand ich alles in allem angemessen, man bekommt schöne Stunden für das Eintrittsgeld von 15,50 € (Kinder zahlen 8,50 €) und auch die Gastronomie fand ich nicht zu teuer. Behinderte ab 80% GdB sind ganz frei (eine evtl. benötigte Begleitperson ebenfalls).  Das finde ich grundsätzlich gut, bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich mit Rollstuhl oder Rollator wirklich gerne durch diesen Zoo laufen möchte: An einigen Stellen geht es schon recht steil rauf und runter. Ich habe beim Runterlaufen manchmal die Stimme meiner Mutter im Ohr gehabt: „Ne! Da könnt ihr machen, was ihr wollt – da fahre ich nicht runter!“

Schippertour nach Seligenstadt

Alle paar Jahre mache ich mit Freunden oder Verwandten gerne mal eine Tagestour mit der Primus-Linie. Man kann in zwei Richtungen fahren: Nach Rüdesheim und von da weiter zur Loreley, oder an Offenbach und Hanau vorbei nach Seligenstadt und dann Aschaffenburg. Dieses Mal sollte es eigentlich Aschaffenburg werden, die Rückfahrt war mit dem Zug geplant. Doch weil die Lokführer streikten, entschlossen wir uns, noch einmal nach Seligenstadt zu fahren. Los ging es am Eisernen Steg in Frankfurt.

Dieses Mal war ich ganz entspannt mit meiner lieben Schwester unterwegs. Beide mussten wir daran denken, dass wir vor etwa 15 Jahren die gleiche Tour einmal mit unserer Mutter gemacht hatten. Das war schön, aber auch sehr mühsam, denn unsere Mutter saß damals schon im Rollstuhl und die Tour ist nicht barrierefrei. Daran ändert auch die super-steile Rampe nichts, die es inzwischen in Frankfurt gibt: Das wäre mit etwas Mühe und Überlegung deutlich besser gegangen (ich denke, unsere Mutter hätte sich schlicht geweigert, sich diesem Mordgerät auch nur zu nähern, und auch meine rollifahrende Freundin hatte dafür kürzlich nur ein befremdetes Kopfschütteln übrig). Am Anleger hatten wir damals also jeweils eine Menge Mühe mit dem Ein- bzw. Aussteigen. Auch im altertümlichen Seligenstadt tut man sich eher schwer, wenn man nicht mehr beweglich ist. Das alles war dieses Mal natürlich kein Thema.

Wir hatten einen Tag mit wunderbarem Spätsommerwetter erwischt, sodass wir uns die ganze Fahrt über draußen aufhalten konnten und hinterher nach einem Spaziergang durch die Altstadt recht froh über ein bisschen Schatten und kalte Getränke waren. Sonnencreme hatten wir natürlich zuhause vergessen, da habe ich ja auch nur drei Flaschen davon. Sagen wir mal so – wir haben kräftig Farbe bekommen, und inzwischen pellt sich meine Nase.

Nach dem Kaffee liefen wir ausgiebig im Klostergarten herum. Zuerst kam der Kräutergarten. Überall roch es besonders. Wir schnüffelten an allerlei Kraut herum, ich nieste trotz eingenommener Allergiepille viel und beide genossen wir die Vielfalt. Wir kannten lange nicht alles von dem, was da wuchs. Putzig fand ich die Kennzeichnung der Giftpflanzen, die jeweils einen kleinen Totenkopf ☠ auf dem Schild hatten. Viele sind auch als Heilpflanzen bekannt, aber man sollte sowas wohl nur zu sich nehmen, wenn man sich wirklich gut damit auskennt.

Es gab neben diversen Blühpflanzen auch Zierkohlarten, Obstbäume (die fast immer beschriftet waren – bis auf das Ding, was uns wirklich unbekannt war) und – tatsächlich – blühende Artischocken. Die fand ich recht dekorativ, solange sie kräftig blühten, aber eher gruselig, wenn diese Phase vorbei war.

Und gegen Abend schipperten wir sonnenverbrannt zurück. Wir gönnten uns gespritzen Apfelwein und, weil man ja den Salzverlust durch das Schwitzen ausgleichen muss, eine Currywurst mit Pommes. Und dann kam das, worauf ich mich schon den ganzen Tag heimlich ein bisschen gefreut hatte: Wir tuckerten der Frankfurter Skyline entgegen.

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Nach all den Jahren habe ich mich noch immer nicht an dieser Aussichet über den Main sattgesehen. Es ist fast egal, bei welchem Wetter ich die Skyline sehe – ich finde sie einfach schön.

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Schietwetter im Kurort

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Trübe Aussichten

Wie immer habe ich mich auch dieses Jahr dazu entschlossen, meinen zweiwöchigen Sommerurlaub erst nach Ende der hessischen Sommerferien anzutreten. „Richtig groß“ wegfahren wollte ich nicht, denn zu Corona-Zeiten habe ich auf das Gedöns nicht recht Lust, im Herbst wartet die Ostsee auf mich und meine liebe Schwester wollte für ein paar Tage kommen. Also entschloss ich mich, nur ein langes „Wellness-Wochenende“ zu machen. Ich googelte also nach Wellness-Hotels in Hessen und fand den Badehof – ein wunderschönes altes Hotel mit Schwimmbad und schöner Hotelbar. Mehr brauche ich im Allgemeinen nicht zum Glücklichsein. Der Ort meiner Wahl war also das überaus verschlafene Bad Salzschlirf.

Schon bei der ersten Information über den Ort dachte ich mir, dass man da wohl nicht recht viel machen kann. Ein Nachbarort versprach altes Gemäuer und eine Destillerie zum Besichtigen, und da der Aufenhalt nur für wenige Tage geplant war, schien mir das ausreichend zu sein. Im Endeffekt erwies es sich sogar als zu viel, denn ich hatte allerscheußlichstes Wetter. Es goss die meiste Zeit wie aus dem Eimer, sodass ich nicht das Gefühl haben musste, etwas zu verpassen, während ich im Bademantel auf der Liege lag und Hörbücher hörte.

Allerdings war es jeden Tag für eine kurze Zeit trocken, sodass ich mir den zerzaust wirkenden Kurgarten angucken und kaffeesieren gehen konnte. Es gab Eiskaffees und nette ältere Damen, deren Lebensgeschichte ich erfuhr und mich dabei durchaus gut unterhalten fühlte. Allzu lange dauerten diese kleinen Plaudereien allerdings nicht, denn ich nutzte die Regenpausen, um von einem Unterstand zum nächsten zu huschen. Auf diese Weise unmrundete ich das Örtchen so ziemlich.

Alles in allem habe ich mich gut erholt in meinen drei Tagen in Bad Salzschlirf. Das Wetter hätte besser sein können, aber das hat man ja nicht in der Hand. Für einen längeren Aufenthalt taugt der Ort aber nicht so recht – es sei denn, man ich so kurbedürftig, dass einem reicht, den Regen fallen und die Blätter rascheln zu hören. Das habe ich dort nämlich auch für eine Weile getan. Das ist für ein halbes Stündchen wirklich mal zu empfehlen.