Samstagsflohmarkt: Objekte des Tages

Wieder einmal gönnten die ewige Antje und ich uns einen Flohmarktbummel am Main. Ich wollte Bastelmaterial kaufen, was mir auch gelang. Antje hingegen schlug bei einem Buchanbieter zu und ergatterte ein Büchlein über Apfelwein – Kulturgut also.

Wie immer betrachtete ich sehnsüchtig die schönen Sammeltassen, die es gestern in einer riesigen Auswahl gab. Es gibt ja solche und solche Flohmärkte – dieses Mal schienen sämtliche Besitzer alter Tassen ihre hervorgekrankt zu haben, um sie mir unter die Nase zu halten. Ich war aber vernünftig und kaufte keine: Denn ich brauche keine Sammeltassen, und schon gar keine, die nicht in die Spülette mögen.

Sammeltassen-Paradies: mein Favorit ist die mit den farbigen Vierecken und dem breiten Golddrand – hach!

Es gab aber auch wieder sonderbare Objekte zu bewundern. Ein fröhliches Wiedersehen feierte ich mit einigen schrägen Vasen, die ich schon einmal hier vorgestellt habe. Dieses Mal ergatterte eine Art mongolischer Buddha meinen Platz zwei im Wettbewerb zum Objekt des Tages – der Herr saß würdevoll zwischen einer geblümten Ente, alten Luftpostbriefen und allerhand Porzellanzeug auf einem übervollen Flohmarkttisch.

Statue auf dem Flohmarkt

Der Favorit in dieser Woche war jedoch eine Handarbeit, liebevoll hergestellt in mühevoller Kleinarbeit – ein Pompombaum, auch bekannt als Pudelstrauch oder Troddel-Eiche. Endlich weiß ich, wass ich mit all meinen Wollresten anstellen kann – ich muss nur noch jemanden finden, dem ich das dann schenken kann 🙂

Pompombaum

Lehrer, die begeistern …

Es gibt solche und solche Lehrer: Einige ziehen lustlos ihren Stiefel durch, leiern Jahr um Jahr den gleichen öden Stoff in immer derselben lieblosen Aufbereitung herunter. Und es gibt Lehrer, die sich ernsthaft darum bemühen, dass ihre Schüler aus dem Unterricht etwas mehr mitnehmen als nur sinnlos auswendig gelernte Details, die ohnehin gleich wieder vergessen werden: Das sind die Lehrer, die sich mehr Mühe geben oder vielleicht auch einfach talentierter sind. Und dann gibt es noch diejenigen Wundertiere unter den Lehrenden, die es verstehen, selbst unter den pubertierenden Schülern der Mittelstufe so etwas wie Begeisterung zu wecken. So eine Kollegin begegnete uns in Eckernförde an der Ostsee, und es weckte in mir dankbare Erinnerungen an Lehrer, die sich Mühe gaben und begeistern konnten.

Fleißige Schüler in Eckernförde – mit Filter „Ölgemälde“

In Eckernförde trafen wir auf eine Schulklasse, die durch das Ostseeinformationshaus (oder wie das genau heißt) gescheucht wurden. Soweit, so üblich – da müssen Schüler halt durch. Ich war da auch schon mal drin und fand es semi-spannend – ganz interessant, aber nichts, was mich direkt vom Hocker gerissen hätte. Auf die Schüler wartete im Anschluss aber noch ein besonderes Vergnügen – das sie zunächst gar nicht so empfanden: Es lagen große Kescher, verschließbare Wasserpötte und eine Art Küchensiebe bereit, in so ausreichender Anzahl, dass jeder Schüler mindestens ein Gerät „bedienen“ konnte. Und dann ging es ins Wasser: Dort am Rand bei den Steinen, wo es besonders viel Matsch und Glibber gab. Natürlich gab es spitze Schreie und Protest: „Das ist so kalt!“ oder „Da ist so viel Kacke im Wasser!“ hörten wir besonders oft. Aber die junge Lehrerin verstand es, ihre Schüler zu ermutigen, es einfach mal auszuprobieren. Und so standen nach wenigen Minuten alle Jungen und Mädchen im Wasser und stocherten herum – verhalten zunächst, dann aber mit immer größerem Eifer. Jacken wurden ausgezogen und auf Steinen zwischengeparkt, das eine oder andere Kleidungsstück musste vor dem Ertrinken gerettet werden. „Ich hab‘ was, bring mal einer einen Eimer, schnell!“, war zu hören, und jemand rannte nach einem Bottich. Ein besonders großer Kescher, viel zu schwer für ein dünnes Teenager-Mädchen, wurde von zwei poppig angezogenen Mädels kurzerhand gemeinsam bedient. Mit langen, bunt lackierten Fingernägeln wühlten sie im Dreck herum und sortierten irgendwas aus. Die Lehrerin war überall, guckte, zeigte, beriet und lachte. Es machte wirklich Spaß, der Gruppe zuzugucken, und eigentlich hätte ich ganz gerne mitgewühlt.

Mit Eifer bei der Sache – und durch Filter „Ölgemälde“ unkenntlich gemacht

Irgendwann gingen wir weiter, meine Freundin und ich, sahen uns aber immer mal wieder nach den Jugendlichen da im flachen Wasser um. Die Kälte hatten sie anscheinend ganz vergessen und nach und nach füllten sich die durchsichtigen Bottiche mit irgendwelchen Fundstücken. Ich gehe davon aus, dass größtenteils Dreck eingetuppert wurde, aber auch Dreck ist interessant, wenn man ihn unter einem Binokular betrachtet. Und hier komme ich zu meinen eigenen schönen Erinnerungen.

Auch ich hatte früher Lehrer, die mit uns mehr gemacht haben als das, was im Lehrplan stand. Wir haben Dinge ausprobiert, Versuche gemacht, im Dreck gewühlt und Sachen angefasst. Eines meiner ersten eigenen naturwissenschaftlichen Experimente war in der dritten Klasse das Sezieren eines Herings, der am gleichen Morgen im Fischgeschäft unseres Dorfes gekauft worden war. Die Fischfrau kannte das schon: Kam ein Drittklässler frühmorgens mit einer länglichen Dose und wollte einen Hering, legte sie einen ganzen hinein. Einige wenige Schüler hatten im Nachbarort gekauft und ein Filet bekommen, was sich beim Sezieren als unpraktisch erwies. Mein Hering aber war ganz, schillerte schön und hatte frische rote Kiemen, die wir herausnahmen – genau wie die Innereien. Alles lag auf Papier, stank im Klassenzimmer herum und wurde eingehend betrachtet. Nicht alle Klassen in unserer Schule haben das gemacht – es brauchte schon eine bestimmte Lehrerin, die den Fisch nicht nur auf Bildern zeigte, sondern Gestank und Geschmiere auf sich nahm und uns ein unvergessliches Erlebnis ermöglichte.

Auch andere Dinge prägten sich mir ein: Wie wir mit einem Kassettenrecorder durch den regnerischen Park rannten und Geräusche aufnahmen: Vögel, Wasser, Schritte auf Kies und Matsch. Dazu sammelten wir, was uns des Sammelns wert erschien – Kunstunterricht war das. Wir kochten Seife im Chemieunterricht, was gar nicht so leicht war – meine war leider so ätzend, dass sie die Oberfläche des Tisches beschädigte. Dafür gelang mein Alkohol, und die von mir im Bio-Unterricht gezüchteten Drosophila-Fliegen (aus zwei zusammengesperrten Männchen mit einem Weibchen, weil die Männchen oft nichts taugen, wie der Lehrer erklärte) gelangen vorbildlich und entkamen auch nicht, bevor ich sie gezählt und genau beschrieben hatte. Selbst das sezierte Kuhauge, eine freiwillige Übung, vor der ich mich eigentlich geekelt hatte, geriet zu einem Highlight meines Schullebens, weil das Auge eben gar nicht glibberig war und meine herausgefummelte Linse so besonders schön klar und prächtig war. Und auch wir nahmen einmal Wasserproben mit allem was drin war – nicht aus der Ostsee, sondern dem Zwischenahner Meer. Das war der Nachmittag, an dem fast alle freiwillig länger blieben, weil wir noch gar nicht fertig waren und noch gucken wollten, was da alles so drin war.

Lange Rede, kurzer Sinn: Es kann tolle Schulerlebnisse geben, die einem lange im Gedächtnis bleiben und einem wirklich etwas mitgeben. Viele Lehrer gehen diesen Weg, der für sich sicher etwas anstrengender, für die Schüler aber so viel wertvoller ist als sinnloses Auswendiglernen. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, hatte auch ich solche und solche Lehrer – die müde Leiernden und auch die engagiert Motivierenden. Letzteren möchte ich gerne einmal danken: für ihren Schwung, ihr Engagement und all das, was sie mir ermöglicht haben.

Eine Akelei – auch aus Eckernförde, und auch als Ölgemälde getarnt.

Fundstücke 45: Analoge Fahrkarte

Mein Handy-Ticket

Am Donnerstag fuhr ich aus der norddeutschen Tiefebene zurück nach Frankfurt. Ich nahm einen ganz frühen Zug, denn zum einen wollte ich zuhause noch ein bisschen werkeln, zum anderen musste meine fleißige Schwester an diesem Morgen arbeiten. Das tut sie in einer Bäckerei, und so passte es gut, dass sie mich morgens einfach mitnahm und mich am Bahnhof absetzte. Ich stieg also frohen Mutes um 5:30 in meinen Zug.

Allerdings hatte mich mein Norddeutschland in diesen letzten Urlaubstagen mit einem typischen Sturmtief verabschiedet, es hatte gewindet und geschüttet. Der Verkehrsfunk hatte die vertrauten Nachrichten parat: Sturmflutwarnung, bitte räumen Sie die folgenden Parkplätze, keine leeren LKW oder Wohnwagengespanne auf Brücken … Alles vertraute Durchsagen, die ich mit einem Lächeln vernahm, obwohl ich sowas in Frankfurt nicht unbedingt vermisse. Zumal solche Warnungen ja einen ernsten Hintergrund haben: Sturm macht nämlich gerne mal was kaputt.

Und so war es auch an diesem Donnerstag: Schon in Oldenburg teilte die Bahn uns mit, dass unser Zug nicht würde nach Hannover durchfahren können, wegen eines Sturmschadens zwischen Verden und Nienburg. Wir würden über Hamburg-Harburg umgeleitet werden. Hamburg-Harburg? Oha … das ist aber nicht der nächste Weg. Geschäftsleute wurden unruhig – wie viel Verspätung würde es denn geben? Etwa 75 Minuten, lautete die Antwort. Für mich als Bummeltouristin nicht tragisch, ich würde halt etwas länger an meinem Strumpf stricken. Andere hatten da sicherlich mehr Probleme.

Lässig buchte ich mir über mein Smartphone eine Platzreservierung für einen späteren Zug ab Hannover. Und ich grübelte darüber nach, wie das jetzt mit der Zugbindung laufen würde – schließlich musste diese in so einem Fall aufgehoben werden. Aber auf ein Handy-Ticket kann die Schaffnerin das natürlich nicht draufschreiben. Ob es für so einen Fall ein Formular gibt? Anscheinend nicht – doch zu meinem großen Vergnügen wusste die patente Bahn-Mitarbeiterin sich zu helfen und bastelte mir einen Ersatz-Fahrschein. Dieser analoge Zusatz zu meinem digitalen Ticket brachte nicht nur mich, sondern auch den Schaffner im nächsten Zug zum Grinsen:

Ersatzfahrkarte, sehr analog

Kurze Zeit später brachte die Schaffnerin uns Reisenden übrigens auch noch ein „Fahrgast-Rechte-Formular“, mit dem wir einen Teil des Fahrpreises zurückfordern können. Das fand ich sehr vorausschauend und kundenfreundlich. Einreichen werde ich es aber nicht. Denn dieser Sturmschaden an der Oberleitung kann einfach mal passieren, dafür ist erst mal niemand verantwortlich. Ich finde nicht, dass man immer eine Entschädigung verlangen sollte, wenn man einfach mal Pech hat. Und das Krisenmanagement in diesem Fall fand ich ziemlich gut.

Ostseekugeleien

Wie man aufgrund der ungewohnten Ruhe hier im Blog erahnen konnte, war ich im Urlaub. Mal wieder ging es ans Wasser, genauer an die Ostseeküste. Mit meiner Freundin Kerstin besuchte ich eine der größten Bausünden Deutschlands, das „Ostseeressort Damp“. Häßlich hingeklotzt, aber toll gelegen, mit 70er-Jahre-Charme und tollen Wellnesseinrichtungen. Und absolut behindertengerecht – das mögen wir als Fußgängerin und Rollifahrerin hier besonders. Natürlich hatten wir auch wieder Seeblick gebucht: mit Blick auf die Ostsee und den Yachthafen.

Damp Yachthafen, Kugelfoto

Damp – Blick auf den Yachthafen

Auch auf die Gefahr hin, meine Leser und Bildergucker allmählich zu langweilen, habe ich mal wieder mit meiner Fotokugel herumgespielt. Das Wetter hat aber auch geradezu dazu eingeladen: Himmel und Ostsee waren so unglaublich blau, dass es fast schon künstlich aussieht.

Wieder einmal kann ich mich kaum entscheiden, ob ich die Bilder richtig- oder falschherum am liebsten mag – oder sollte das innere Bild gedreht werden? Ist falsch richtig, oder richtig falsch? Kompliziert – wie immer probiere ich gerne etwas aus und mache es mal so, mal anders.

Natürlich liefen wir nicht nur direkt am Wasser herum, sondern wanderten auch ein wenig ins Landesinnere hinein. Hier gab es viel Grün, einen locker bewölkten Himmel, bannig Wind und … Pferde. Jede Menge Pferde – ihnen werde ich wohl noch einen Extrabeitrag widmen. Einige aber passten in meine Kugel – sehr zur Verwunderung ihres Besitzers, der mit seinem Auto gaaaaanz langsam an uns vorbeizog, um zu gucken, was die dicke Dame da wohl an seinem Zaun macht.

Ostseepferde

Ich versuchte übrigens auch, Kerstin in der Kugel richtig in Szene zu setzen. Sie stand diesem Experiment eher skeptisch gegenüber, sodass das Lächeln etwas verklemmt wirkte. Und da die Kugel die Figur nicht unbedingt zum Positiven verändert, verbot sie mir sehr energisch eine Veröffentlichung dieser Bilder. Daran halte ich mich natürlich – mit einem Lächeln. 😀

Fundstücke 44 – Keine Fische ausnehmen!

Wieder einmal ist es eine Toilettetür, die mich fasziniert, und wieder einmal steht ein merkwürdiges Verbot angeschlagen: Man möchte doch bitte in dieser öffentlichen Damentoilette keine Fische ausnehmen und auch keine Abfälle entsorgen – ach was?

Da es in diesem Hafenklo im Kappeln auch ohne Fischinnereien nicht nach Parfüm roch, wunderte ich mich mal wieder über meine Mitmenschen – denn irgendeinen Vorfall dieser Art muss es ja gegeben haben, der „die Offiziellen“ dazu gebracht hat, ein derartiges Schild aufzuhängen. Was für eine fischig-stinkige Schweinerei mag das gewesen sein?

Klotür in Kappeln

Der Hammer-Mann

Mit bildender Kunst kann ich zugegebenermaßen zumeist nichts anfangen. Ein schön hingepinseltes Bild gefällt mir je nach Motiv mal mehr, mal weniger gut, über die Aussage, so denn vorhanden, denke ich nach traumatischen Erlebnissen im Gymnasium ungern nach. Auch weitere Analysen stelle ich nicht an – was interessiert mich ein „Fluchtpunkt“ drei Meter außerhalb des Bildes?

Auch Skulpturen befremden mich zumeist eher, als dass sie mich erfreuen. Oft muss ich bei derartigen Machwerken an meinen Schwager denken, der bei Kunst oder Schmuck gerne von „gedengeltem Altmetall“ spricht. Und für Installationen bin ich zu tumb. Bestenfalls amüsieren sie mich (wie die „Tiere im Hotel“), zumeist aber lassen sie mich verständnislos gucken. Das kann ich überhaupt besonders gut.

Etwas anders verhält es sich für mich jedoch mit dem „Hammer-Mann“, einer riesigen Metallfigur, die nahe der Frankfurter Messe im Zeitlupentempo einen Hammer schwingt. Aus irgendeinem Grund finde ich den schön, ästhetisch und gut gelungen. Ich schaue ihn gerne an. Ich gucke, wie der Mann sich gegen den Himmel abhebt und wie der Hammer laaaangsam rauf und runter geht, ohne jemals wirklich auf ein Werkstück zu treffen. Ich mag das Ding. Gestern Abend, als ich mal wieder daran vorbeilief, hatte ich Gelegenheit, ihm eine Weile beim Hämmern zuzugucken.

Der „Hammering Man“ in Frankfurt ist eine von mehreren weltweit verteilten Hammer-Männern des Künstlers Jonathan Borofsky. Die Statue in Frankfurt ist mit 21,5 Metern Höhe eine der größten. Und eine Aussage haben die Hammermänner laut Wikipedia auch:

„Das Kunstwerk gilt als Symbol für die Arbeit, die Tat und auch als Symbol für die Solidarität mit allen Menschen, die arbeiten.“

Ja, gut, damit kann ich etwas anfangen. Zumindest mehr, als mit den meisten anderen künstlerischen Bedeutungen, die mir schon begegneten. Bei einer flüchtigen Netzrecherche durfte ich allerdings feststellen, dass es durchaus auch andere Einstellungen meinem geliebten Hammer-Mann gegenüber gibt:

Weiße Wunder

Ich gebe zu, dass ich das derzeitige Wetter als Frechheit empfinde – quasi als persönliche Beleidigung. Immer, wenn ich wirklich lange arbeiten muss, scheint die Sonne. Und kaum schaut das Wochenende schüchtern um die Ecke, plästert es derartig los, dass selbst unser überaltertes Kabelfernsehen nicht mehr funktioniert – was soll das? Zur Aufhellung der allgemeinen Stimmungslage habe ich also ein wenig in meinen Fotos herumsortiert und festgestellt, dass die Farbe der Saison anscheinend mal wieder weiß ist …

In trauter Zweisamkeit im Palmengarten

Ich knipse ja nach wie vor gerne Pflanzen und Blüten, und sehr oft landen diese Fotos dann irgendwo im Nirgendwo. Aber an einigen hängen auch Erinnerungen, wie an diesen kleinen weißen Blüten von einem Strauch, dessen Namen ich nicht kenne. Sowas hatten wir früher auch zuhause und ich habe die Blütendolden oft zum Spielen verwendet – das war mein „Blumenkohl“ und kam in den Spielzeugtopf. Mein Vater war natürlich nicht begeistert davon, dass ich die Blüten abgezupft habe – ich habe es aber trotzdem manchmal gemacht 🙂

Mein Blumenkohl

Leider haben viele dieser „feinblütigen“ Sträucher bei den unwetterartigen Regengüssen der letzten Tage ihre Blütenpracht verloren, so wie der Flieder in der Bruchstraße, der morgens noch betörend roch und abends all seine kleinen lila Blättchen von sich geworfen hatte. Die lagen als trauriger Matsch am Boden – das hat mich deprimiert. 😦 Zum Glück habe ich noch ein Bild aus dem Palmengarten übrig – in weiß natürlich.

Osterflieder im Palmengarten – bei Prachtwetter

Und dann fand ich mitten in der Stadt die mir bislang nur aus Norddeutschland bekannten Kartoffelrosen – in Weiß. Zwar wusste ich, dass es sie nicht nur in Pink gibt, aber die weiße Version sieht man nicht besonders oft. Und ich kann mir nicht helfen, die Blüten erinnern mich an gut gebratenene Spiegeleier – genau so sollten die aussehen.

Sonst beliebt an der Küste – eine Kartoffelrose

Diese Kartoffelrose fand ich am frühen Abend, und als ich später nochmal vorbeikam, habe ich sie ein weiteres Mal fotografiert und dabei eine Blüte „angeblitzt“. Da wird einem einmal so richtig bewusst, was „blütenweiß“ eigentlich bedeutet …

angeblitzte Kartoffelrosenblüte

Soweit, so gut – bislang war die Saison nicht sooo schlecht, was die Fotoausbeute angeht. Aber ab jetzt hätte ich trotzdem gerne ein einigermaßen stabiles Frühsommerwetter – und zwar nicht nur dann, wenn ich arbeiten muss. Ich hoffe, das ist angekommen!

Ein anderer sein

Mal wieder eine Miniatur aus dem Schreibworkshop: „Ich stelle mir vor“ lautete das Thema und es gab die üblichen rund zwanzig Minuten Zeit. Hui, da flogen aber die Gedanken – was man sich alles so vorstellen kann! Ich wollte einfach aus Spaß mal

Ein anderer sein

Holzfiguren, Puppen, Fragen Spiegelbild

Bild zur Verfügung gestellt von Clara Diercks, http://www.pixelio.de

Manchmal stelle ich mir vor, einfach jemand anderes zu sein. Niemand Bestimmtes, also nicht Britney Spears oder Fürstin Gloria oder so, sondern einfach irgendein anderer Mensch. Nicht, dass ich mit dem Menschen, der ich bin, nicht zufrieden wäre, aber es ist spannend, in Gedanken mal Heidelinde von Opitzburg zu sein.

Ich stelle mir dann vor, ich wäre eine Blondine, oder eine Brünette, eigentlich ist die Farbe ganz egal, mit glatten Haaren bis auf den Hintern und Beinen bis fast an den Hals. Ein bisschen wie Barbie, nur ohne die großen Möpse, und ohne Ken natürlich. Single zu sein ist wichtig, was nützen einem sonst die langen Beine?

Oder ich stelle mir vor, ich wäre furchtbar klug, noch klüger als jetzt schon, also gefährlich klug, und säße in Talkshows herum, um meine von den Umsitzenden sehnsüchtig erwartete Meinung über die Probleme dieser Welt kundzutun. Man hängt an meinen Lippen, selbst wenn ich mich nur bedeutungsschwanger räuspere oder um ein Glas Wasser bitte. Wenn ich das Wasser dann habe, in meiner Vorstellung natürlich, schwenken meine Gedanken wieder um, mal zurück zur Blondine, die plötzlich eine Koryphäe in Astrophysik und mit George Clooney liiert ist, mal in eine ganz andere Richtung. Ganz andere Richtungen sind ganz anders spannend.

Ich stelle mir vor, ich wäre ein Mann. Männer sind anders, sie reden anders, denken anders, laufen anders. Sie tragen andere Schuhe als Frauen, in den Schuhen eines Mannes zu gehen, fühlt sich anders an als in denen einer Frau. Haben Sie schon einmal darauf geachtet, wie Männer laufen? Manche gehen nach hinten geneigt und schwingen die Füße nach vorn, andere laufen steif und breitbeinig, da scheint was zu scheuern. Mir das vorzustellen fällt mir schwer und meine Gedanken gehen andere Wege. Zurück zu Vertrautem: Der breitbeinige Mann kriegt Beine bis fast an den Hals und lange glatte Haare bis fast auf den Hintern. Komischerweise sind die Haare dann immer schwarz, ich mag keine männlichen Blondinen. Und schon gar nicht, wenn ich das bin.

 

Ich bin neugierig: Was stellt ihr euch denn so vor, wenn die Gedanken frei fließen dürfen und dummes Zeug erlaubt ist?

Kugeleien im Hessenpark

Zum ersten Mal besuchte ich am letzten Tag im April den Hessenpark. Es war Kaiserwetter und die ewige Antje und ich hatten etwas Befürchtungen, dass wir im Park von Menschenmassen niedergetrampelt werden würden. Doch zu unserer Überraschung war es bei Weitem nicht so voll wie befürchtet – wir konnten überall gut gucken. Und in dem großen Park verläuft sich die Menge ja auch.

Kirche, Hessenpark, Kugelfoto

Ich hatte wieder die kleine Fotokugel dabei, schließlich wollte ich noch üben. Hier gab es etliche reizvolle Motive und vor allem auch feste Untergründe für meine Kugel. Jeder gerade Zaunpfahl wurde mein Freund. So entstanden zwei verschiedene Ansichten dieses kleinen Kirchleins – mal mit, mal ohne Weg. Und mal mit dem Himmel oben, mal unten.

Auch allerhand Getier gibt es im Hessenpark, man bemüht sich hier um die Erhaltungszucht alter Haustierrassen, was ich sehr gut finde. Allerdings drehten mir die ollen Ziegen gerne ihr Hinterteil zu und die Esel hatten keinen geraden Zaunpfahl. So mussten also die Schafe herhalten …

Das wunderbare Wetter ließ die Wiesen richtig schön strahlen – ein dankbares Motiv für jeden, der gerne fotografiert. Und wenn die Ziegen vor mir weglaufen und beharrlich in die andere Richtung gucken, dann hängt der Himmel halt mal unten.

Schön fand ich am Hessenpark, dass er unterschiedliche „Zonen“ hat: Es gibt Ecken, wo nur ab und zu mal ein Haus steht und man gemütlich zwischen Wiesen oder Weihern herumspaziert, und es gibt ein richtiges Dorf und einen belebten Marktplatz.Das letzte Foto war eines für Faule: Gemütlich bei Kaffee und Rhabarberkuchen sitzend, konnte ich über einen Platz hinweg ein Haus knipsen.

Abenteuer Muckefuck

Ich gebe zu, dass der Begriff „Abenteuer“ vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen ist für meine Erfahrungen mit Getreidekaffee. Aber man kann mit dem Gebräu allerhand erleben, zumindest, wenn man sich dösig genug anstellt.

Ich trinke ja sehr gerne Kaffee, und das eigentlich schon immer. Als Kind durfte ich keinen, stattdessen gab es Caro als Kinderkaffee (der in der Werbung immer wunderbar besungen wurde). Den trinke ich immer noch an jedem Morgen, bevor ich zur Arbeit gehe. Ich mag es, dass er schnell aufzurühren ist und nicht meckert, wenn man ihn mit nur halbwarmem Wasser aus der Leitung aufrührt. Ich habe morgens nämlich immer wenig Zeit und mag weder lange Kaffee kochen noch zu heiße Getränke kaltpusten. Folglich habe ich auch nicht vor, meinem Frühstücksgetränk untreu zu werden.

Trotz meiner Getränketreue faszinierte mich jedoch schon seit Monaten das altmodische Paket von Lindes Kornkaffee mit Zichorie. Ein blau-weißes Design, auf nette Weise altmodisch, dazu ein unschlagbarer Preis von 1 Euro 59 pro Packung – das sollte man doch mal ausprobieren. Hinzu kam, dass meine Schwester mir irgendwann erzählte, dass sie in ihrer kaum vergangenen Jugend immer bei irgendeiner Bekannten diesen Ersatzkaffee getrunken habe, gemischt mit Bohnenkaffee, und das sei ein wunderbares Gesöff gewesen. Ich nahm also ein Päckchen Lindes mit nach Hause und probierte es aus. Das war gar nicht so einfach:

Zubereitung Lindes KornkaffeeIch muss ja gestehen, dass ich zunächst etwas verdattert über die Zubereitungsanleitung bin: Gewöhnt an das einfache Einrühren des Caro-Instantpulvers, erwartet man hier von mir, dass ich einen Filter fülle, mit kochendem Wasser überbrühe und das Ganze ziehen lasse – aha. Wo fülle ich das denn jetzt ein – den empfohlenen Baumwollfilter habe ich nicht im Haus. Aber dafür Papierteefilter, die sollten doch den gleichen Zweck erfüllen? Lange habe ich die nicht benutzt, wo sind nur die metallenen Halter dazu? Ich wühle herum – mein ganzes Leben scheint aus dieser Tätigkeit zu bestehen. Endlich finde ich die kleinen Klammern und es kann losgehen.

Feierlich löffle ich eine Menge von dem faserig-pulverigen Zeug in einen Filter. Wie viel braucht man wohl für mein Kännchen? Ich nehme drei Löffel, gieße Wasser dazu und warte ab. Nach drei Minuten nehme ich den Filter raus und gieße mir feierlich etwas Muckefuck in eine meiner Lieblingstassen. Milch dazu, umrühren. Sieht komisch aus. Heiß ist er, und dünn. Sehr dünn. Viel zu dünn – das war nix. Als sparsamer Mensch trinke ich ihn trotzdem, aber Genuss geht anders.

Das nächste Mal will ich es besser machen: Den kleinen Teefilter löffle ich ganz voll mit Pulver, rein in die Kanne, Wasser drüber, warten, fertig. Beutel rausnehmen – geht nicht. Das Säckchen ist aufgequollen und passt nicht mehr durch die Kannenöffnung. Ich ziehe ein bisschen, aber nicht vorsichtig genug: Die Klammer löst sich vom Filter, der geht leise seufzend in der braunen Brühe unter und verteilt seinen matschigen Inhalt in meinem Getränk. Und ich mache dazu wahrscheinlich ein unglaublich dummes Gesicht.

Ich mache mich also an die Rettung meines Muckefucks, lege eine Filtertüte in einen Kaffeefilter, stelle den auf eine andere Kanne und gieße meinen verunreinigten Muckefuck da durch. Das heißt, ich versuche es. Zuerst geht es ganz gut, aber je mehr Satz im Filter landet, desto schlechter läuft die Flüssigkeit durch. Das Zeug scheint tatsächlich die Konsistenz von Mörtel zu haben. Ich zuppele ein wenig am Filter herum, um das Durchlaufen zu beschleunigen – und das Ding reißt. Dieses Mal aber bin ich schnell, nehme den Filter, der sich gerade anschickt, den Ersatzkaffeesatz erneut in mein Getränk fließen zu lassen, hastig von der Kanne. So nicht, mein Freund! Ich kleckere herum, Arbeitsplatte, Fußboden, aber egal. Ich will meinen Muckefuck trinken, jetzt, und ihn nicht noch durch einen dritten Filter jagen!

Lindes KornkaffeeTrotz der dilettantischen Zubereitung schmeckt mein „Kornkaffee mit Zichorie“ dieses Mal deutlich besser als beim ersten Versuch. Es ist allerdings nicht so, dass ich diesen Ersatzkaffee lieber mögen würde als den Kinderkaffee, den ich gewohnt bin. Ich fürchte also, dass dieses eine Paket Lindes das einzige sein wird, das ich je kaufen werde, denn dieses Gefummel bei der Zubereitung ist mir doch gar zu lästig. Ich bleibe meinem Caro treu – Deckel auf, heiß Wasser drauf. Aber gut, für 1 Euro 59 kann man wohl nicht auch noch Bequemlichkeit erwarten.

Nachtrag: Für alle die, die sich für das Gewächs „Zichorie“ interessieren, hier eine kurze Übersetzung: Die Zichorie heißt auf Deutsch „Gemeine Wegwarte“. Laut Wikipedia war sie 2005 „Gemüse des Jahres“ und 2009 sogar „Blume des Jahres“, sie ist also ein wirklich erfolgreiches Kraut. Es gibt sie in verschiedenen Unterarten, unter anderem als Salatzichorie und Wurzelzichorie. Letztere wird für den Ersatzkaffee benutzt. Mehr über diese vielseitige Pflanze gibt es hier zu lesen. Und so sieht sie aus:

Zichorienblüte, zur Verfügung gestellt von Alvesgaspar in den Wikipedia Commons. Das Bild wird als außergewöhnlich schön bezeichnet („one of the finest“), zurecht, wie ich finde.