Kugelexperimente in klein

Wie berichtet, habe ich mir eine kleinere Fotokugel angeschafft. Die 10 cm-Kugel bringt wirklich schöne Ergebnisse, wiegt aber mehr als ein Kilo und ist somit für längere Ausflüge schwer zu tragen. Deshalb habe ich mir eine kleinere Kugel mit nur 6 cm Durchmesser gekauft. Die wiegt nur 400 Gramm und passt in die Jackentasche. Bei unserem Ausflug in den Palmengarten habe ich sie zu ersten Mal ausprobiert.

Ich hatte nicht so viel Gelegenheit, die Kugel auszuprobieren, konnte aber feststellen, dass es mit der kleineren Kugel deutlich schwieriger ist, einen Focus zu finden. Mehr Fotos wurden unscharf. Teilweise schienen die Motive sogar wie in einem wilden Wirbel dargestellt zu sein. Da kann natürlich auch an den Motiven gelegen haben – ein Blütenmeer sieht in der Kugel vielleicht wirklich wie ein Strudel aus.

Einige Fotos entstanden am Schiffchenteich, an den Antje viele Kindheitserinnerungen hatte. Wir haben dieses Mal auf das Schiffchenfahren verzichtet. Aber auch mir ist allerhand zum Thema Tretboot eingefallen – auch wenn es lange her ist, war es doch immer ganz schön. Leider habe ich die Böötchen hier nicht ganz scharf hingekriegt.

Die Lesung

Seit vielen Jahren schon gehe ich gerne auf Lesungen – oft mit meiner Freundin Antje. So auch gestern. Ich verrate jetzt einfach mal nicht, bei wem wir waren, denn ich will nicht, dass man mir üble Nachrede unterstellt. Denn es war … irgendwie … merkwürdig. Sehr, sehr merkwürdig. Ich will versuchen, das mal zu beschreiben.

Die Lesung – ein Bericht

Als wir um viertel vor acht den Lesungsort betreten, ist da noch nicht recht viel los – außer uns sind zwei Leute anwesend, außerdem stehen zwei auf dem „Raucherbalkon“. Aber gut, da kann ja noch was kommen. Wir kaufen uns Getränke, Antje ein Bier, ich ein Glas Wein, und gucken mal auf den Balkon. Antje raucht, ich bemühe mich schon mal um den intelligenten Blick – den werden wir gleich ja brauchen.

Währenddessen füllt sich der Raum auf angenehme Weise: Es ist gut besucht, aber nicht so, dass die Gäste sich zusammenquetschen müssten. Ein junger Mann fummelt schon an zwei Mikrofonen rum, anscheinend geht es gleich los. Zwei Mikros – ach ja, das war ja mit Moderation. Das mag ich meistens gerne, denn dann erfährt man ja noch was über den Autor, und das ist eine gute Sache.

Zwei nach acht – es geht los. Wir klatschen, auch wenn noch keiner was Besonderes geleistet hat, aber das macht man ja so. Schließlich sollen die Künstler sich willkommen fühlen. Der Autor ist ein flotter Mittdreißiger, der Moderator hat ein ähnliches Alter und sieht irgendwie so aus, als hätte er „vergleichende Literaturwissenschaft“ studiert. Der hat bestimmt Ahnung!

Das Event beginnt, langsam, verhalten. Der Moderator formuliert vorsichtig, zögernd und bedächtig, wählt die Worte sorgsam, unterbrochen von vielen „ämmm, ähhh“ und mimisch untermalten Denkpausen. Der Autor spricht flüssiger und sagt tolle Sachen: Wir erfahren etwas über die maximalnarzisstische Erfahrung und nicken einander bedeutungsvoll zu. Oh ja, hier kann man was lernen! Der Autor spricht über das Schreiben im Allgemeinen und schlechthin, über seine Charaktere und was noch so dazugehört. „Es muss sich einander beatmen“, sagt er, und ich denke, aha, Baywatch auf literarisch, immer schön beatmen. Ich finde dieses Interview absurd bis albern, sowohl die Fragen als auch die Antworten, aber das mag an mir liegen – ich tue mich immer schwer, wenn eine Frage fünf Minuten dauert und die Antwort dann länger als „42“ ist. Ich schaue etwas ungeduldig auf die Uhr – schon halb neun, wann liest der denn endlich mal was?

Da, er blättert – es geht los! Das Buch ist eine dicke Schwarte, da muss ja allerhand drinstehen, was man lesen kann. Und so ist es dann auch. Wir hören etwas über die beiden verliebten Liebenden sowie das kostbare Erz der Ängste. Ich schiele zu Antje – ihr Gesichtsausdruck wechselt immer wieder von fassungslos-amüsiert zu glasig-glotzend und zurück. Wahrscheinlich sehe ich genauso aus, nur auch noch in blond.

Zettel, Brief

Es gibt eine Lesepause, wieder mit Gespräch. Der kleine Moderator scheint inzwischen richtig zu leiden, er vergräbt die Hände in den wolligen Locken, windet sich auf dem Stuhl, erklärt dem interessiert lauschenden Autor seinen Roman, ringt um die richtigen Worte. Wir ringen auch, aber nur um Contenance, und wir schreiben Zettelchen – wer hat diese Veranstaltung nochmal ausgesucht? Ich war’s nicht, aber ich war einverstanden. „Der Horror ist auf der Leserseite“, sagt der Autor, und DAS glaube ich ihm gerne. Auch die urbane Degeneriertheit kommt zur Sprache, gut, dass das einmal erwähnt wird, schließlich leben auch wir in der Stadt.

Es wird noch ein Stück gelesen. Sprachlich ist das Werk sicherlich ein feines Stück Arbeit, immer möglichst kompliziert formuliert, bestimmt gibt es dafür irgendwann einen Preis. Ich habe es ja lieber schlicht, das liegt natürlich an mir und ist kein Problem des Autors. Aber diese komischen, verklausulierten Sätze lassen mich zunehmend grinsen: Warum schreibt man denn von einem „weiherverheißenden Geräusch“, wenn man das Quaken von Fröschen meint? Mir ist das schleierhaft, aber da fehlt es mir wahrscheinlich an literarischem Verständnis.

Verstehen konnte ich allerdings die Reaktion des Publikums, das zum großen Teil auf das Gesprächsangebot nach der Lesung verzichtete und eher zügigen Schrittes den Saal räumte. Man muss sowas ja nicht über Gebühr ausdehnen.

 

Nachtrag: In den allermeisten Fällen sind Lesungen eine feine Sache, wir haben schon viele schöne Veranstaltungen genossen. Und diese hier war auch nicht die Allerschrägste, die ich jemals mit Antje besucht habe. Das war vor einigen Jahren die Lesung, bei der man uns unter der Moderation Michel Friedmanns und der dekorativen Anwesenheit eines auf der Bühne eifrig Wasser trinkenden Jürgen Trittins einen ganzen Abend lang was auf Chinesisch erzählte. Da half selbst das zur Schau stellen des Bildungsbürgergesichts nichts mehr.

Fundstücke 43 – Füße von der Brille!

Nach längerer Zeit habe ich mal wieder ein Fundstück zu bieten. Ich gestehe, dass dieses zu meiner Lieblingskategorie zählt: zu den Toilettenerlebnissen. Es ist wirklich drollig, was man alles in öffentlichen Toiletten oder Waschräumen sehen oder erleben kann. Besonders die Verhaltensregeln finde ich immer sehr lehrreich. Oftmals frage ich mich, wie es kam, dass man für nötig befand, diesen Hinweis aufzuhängen. Dieses Mal war es ein allgemeines Verbotsschild, das meine Aufmerksamkeit erregte: Nicht rauchen – klar. Nix ins Klo schmeißen, das da nicht reingehört  -auch klar. Aber was ist damit?

Bitte nicht auf die Toilettenbrille stellen

Man könnte überlegen, ob vielleicht pubertierende Jugendliche auf die Brille gestiegen sind, um ins Nachbarkabinchen zu linsen. Aber zum einen würde man dieser Ungehörigkeit durch ein Schild nicht beikommen, zum anderen sieht das Männeken auf dem Bild irgendwie nicht so aus. Es sieht eher so aus, als würde es sich derartig hockend … erleichtern. Nun, diese Erleichterung kann man auch leichter haben, und vor allem auch ohne Angst, die eigenen Hosenbeine zu treffen. Sich auf die Hacken kacken – das braucht man doch wirklich nicht.

Wahrscheinlich ist sowas mal vorgekommen – sonst würden die das Schild ja nicht aufhängen. Vielleicht andere Länder, andere Sitten? Gab es nicht irgendwo diese Klöchen, wo man sich einfach über ein Loch im Boden stellt und versucht, das zu treffen? Probiert habe ich das noch nicht und ich kann ehrlich gesagt auch darauf verzichten – ich habe es lieber gemütlich.

Nachgedanke: Ist schon seltsam, was man manchmal so ins Internet schreibt. Schön, dass wir mal darüber gesprochen haben, und danke für’s Zuhören. 🙂

Frohe Ostern, buntes Blütenfest!

Dieses Jahr hatte ich am Karfreitag Geburtstag und war aus diesem Anlass mal wieder mit meiner lieben Freundin Antje unterwegs. Und, was soll ich sagen, das Wetter, wenngleich als eher grauslich für das Osterwochenende prognostiziert, spielte wunderbar mit. Wir nutzten die Sonne und gingen in den Palmengarten – was für ein Frühlingsblütenmeer!

Der Frankfurter Palmengarten liegt mitten in der Stadt im Stadtteil Bockenheim. Es ist nur eine kurze Strecke zu laufen von der Haltestelle Bockenheimer Warte – und der Weg lohnt sich über alle Maßen für diese grüne, bunt-blühende Oase.

Frankfurter Palmengarten

Dieses Mal waren es natürlich die Frühlingsblumen und die blühenden Bäume. die das Bild bestimmten. Zwar waren die Krokusse dieses Jahr sehr früh dran und dementsprechend schon verblüht, doch Tulpen und Vergissmeinnicht waren in ihrem Element. Außerdem natürlich Vieles, was mir vom Namen her gar nicht bekannt ist.

Wie so oft interessierten mich auch die Innenansichten der Blüten – ich finde es manchmal fast hübscher als die Blüte als großes Ganzes. Wobei „groß“ bei Blüten natürlich relativ ist …

Frankfurter Palmengarten, Tulpenblüte

In einem Teil des Parks, der sich wie so vieles in Frankfurt auf Goethe bezog, gab es allerhand blühende Obstbäume zu sehen. Angeblich soll Goethes Frau Mama auf irgendeiner Scholle auf dem Gebiet des Palmengartens Obst geerntet haben. Nun, es wäre auch erstaunlich, wenn der gute Mann ausgerechnet hier nichts zu schaffen gehabt hätte 🙂

Leider habe ich meine Lieblingsbaumblüte in diesem Jahr fast verpasst: Zwar blühten die Magnolien sehr kräftig dieses Jahr, doch in der Hektik des Alltages bin ich irgendwie nicht zum Knipsen gekommen. Diese hartnäckige Mandelentzündung hat natürlich auch nicht unbedingt geholfen. Dieses Exemplar ist leider schon fast „rum“.

Frankfurter Palmengarten, Magnolienblüte

Zum ersten Mal so richtig aufgefallen ist mir ein Gewächs namens „Storchenschnabel“ (zumindest stand das auf dem Schildchen). Die Blüten sind ausgesprochen attraktiv und die Pflanze scheint auch an unwirtlichen Plätzen sehr gut zurecht zu kommen.

Frankfurter Palmengarten,Storchenschnabel

Interessant ist auch immer wieder der Blick aus dem Garten in die Stadt. Mal sieht man den wie einen Bleistift geformten Messeturm, dann wieder den Fernsehturm, den sogenannten „Spargel“.

Frankfurter Palmengarten,Spargel

Noch viele wirklich schöne Fotos entstanden gestern, doch für heute soll es genug sein. In einigen Tagen werde ich noch ein paar Bilder zusammensuchen, denn ich habe mal wieder experimentiert. Jetzt bleibt mir jedoch erst mal nur, euch allen schöne Ostern zu wünschen – mit oder ohne Hasen.

Frohe Ostern

Verloren im Eierlei

Ostern wirft seine Schatten voraus – genau genommen sind wir ja schon mittendrin. Ich feiere dieses Fest nicht, auch habe ich in diesem Jahr nicht vor, Eier zu färben. Und doch wurde mir in dieser Woche irgendwie österlich zumute, als ich durch meinen Supermarkt schlenderte und die ganzen Hasen und Schokoeier dort sah. Ein Tütchen Eier wollte ich mir auch gönnen, dachte ich, auch wenn man Schokolade genauso gut essen kann, wenn sie nicht in Eiform gegossen und glänzend verpackt ist. Ich machte mich also an den Auswahlprozess – und scheiterte. Denn auch irgendeinem sortimentspolitschen Grund schien in meinem Supermarkt der schokoeirige Mittelbau zu fehlen. Das heißt, es gab entweder nur diese ganz billigen Schokoeier, die genauso schmecken, wie sie kosten, oder diese ganz teuren Eier, die zwar lecker sind, für die ich aber doch zu knauserig bin. Ich schlich also um sämtliche Eierangebote herum und kaufte schließlich … nichts.

Das erzählte ich am Gründonnerstag im Büro und erntete nur teilweises Verständnis. Daniel, der Kollege, immer rational, nickte verstehend. Er ist allerdings auch ein ziemlicher Asket in Sachen Schokolade. Heidrun hingegen, bei uns die Chefin von’s Ganze, sah das anders: „Wenn schon Hüftgold, dann richtig!“ Sie redete mir gut zu, ich solle mir doch, wenn ich am Nachmittag noch in die Stadt ginge, ein Tütchen des teuren Naschwerks kaufen. Na gut, wenn sie das quasi anordnet, muss ich das ja machen. Ich fand mich also am späten Nachmittag in der Süßwarenabteilung beim Karstadt ein und war dort völlig überfordert.

SchokoladeDenn diese Abteilung war das wahre Eierparadies. Oder, bei näherer Betrachtung, wohl eher die Eierhölle. Es gab Eier, Eier, Eier – mal als Set, mal einzeln, mal klein und niedlich, dann wieder in Straußeneigröße. Mehrfach wählte ich ein Päckchen aus und legte es ratlos zurück. Immer wieder traf ich dabei auf den gleichen Mann, der genauso verwirrt schien wie ich. Irgendwann grinsten wir uns kumpelhaft an und zuckten die Schultern – wir waren überfordert von all dem Geeier.  Auch die handgechöpfte Chocoladen-Creation mit dem Rechtchreibfehler vermochte mich nicht zu locken, so dass ich beinahe schon aufgab.

Nach einer Weile beschloss ich, auf ein Osterset zu verzichten und näherte mich stattdessen den Pralinenschachteln – da gab es sogar einige im Sonderangebot! Hossa! Ich habe ja seit frühester Kindheit eine tiefe Liebe zu Schnapspralinen und kreiste meine Beute somit deutlich gezielter ein als auf der erfolglosen Eier-Jagd zuvor. Schließlich entschied ich mich für ein Kistchen mit Likörpralinen, dem österlichen Anlass angemessen natürlich mit Eierlikör gefüllt. Wennschon, dennschon, sagte Heidrun, und sie hat Recht. Morgen gibt es Eierlikör, zusammen mit nostalgischen Gedanken an früher, als ich Omas Mon Cherie heimlich unter dem Tisch verzehrte (das war allerdings an Weihnachten und haute mich tatsächlich aus meinen kleinen Socken).

Der arme Mann aus der Ostereierabteilung begegnete mir übrigens an der Kasse nochmal: Er hatte sich für ein riesiges Pralien-Ei entschieden. Auch sowas gab es früher bei Oma und ich musste lächeln – dieses Jahr scheint Ostern was für Retro-Fans zu werden.

Paradiesdrops

Manchmal passieren ganz unvermittelt Dinge, die einen lächeln lassen und die man nicht gleich wieder vergisst. In meinem Leben geschah sowas vor etwa einer Woche:

Wie immer, wenn ich erkältet war, habe ich derzeit einen kräftigen „Resthusten“ – für Menschen, die diese Geräusche nicht gewöhnt sind, klingt es wohl tatsächlich so, als ginge es dem Ende entgegen. Und als ich kürzlich meine Freundin Antje zuhause abholte, klingelte ich und wartete dann unten auf sie. Dabei hustete ich gemütlich vor mich hin. Plötzlich sprach mich ein alter Mann an und überreichte mir mit feierlichem Gesicht ein Eukalyptusbonbon, „für meinen bösen Husten“, wie er sagte. Ich bedankte mich natürlich artig und wiegelte ab, kein Grund zur Sorge, es geht schon wieder. Der Mann lächelte fein und erklärte mir, dass er derzeit an seinem Platz im Paradies arbeiten würde, und er hoffe sich die Fahrkarte durch ein paar Drops erkaufen zu können. Also wenn es nach mir geht hat er sich dort sicher schon lange einen guten Platz verdient, so nett wie er gelächelt hat. Ich denke aber, das Paradies kann gut noch etwas auf ihn warten – denn solche Leute brauchen wir hier.

Immer, wenn ich an den alten Herrn zurückdenke, freue ich mich nun ein bisschen. Und ich bin mal wieder auf den Geschmack gekommen: Eukalyptusbonbons esse ich schon immer gerne und habe jetzt auch ein Tütchen für’s Büro gekauft. Den Husten haben sie noch nicht bezwungen, aber den habe ich ja auch erst vier Wochen lang – das ist ja fast nix 😊

Eigentlich sind sie ja doch ganz nett …

Ja, wirklich, eigentlich sind sie nett, diese kleinen Flieger, die mich am Wochenende so genervt haben. Und hübsch sind sie auch, keine Frage.

Besonders schön finde ich, dass ich für diese Bienen-Fotos gar keinen Aufwand betreiben musste – weder musste ich in den Palmengarten fahren noch mich in irgendwelche verbotenen Schrebergartenanlagen stehlen. Diese gelben Blüten gibt es einfach so bei uns in der Bürostadt, auf dem Weg von meinem Arbeitsplatz zum Bus.

Biene im Anflug

Das letzte kleine Flugobjekt zeigte mir allerdings ganz arrogant das Hinterteil – und das, obwohl ich alles dransetzte, um eine Portaitaufnahme zu machen. Es sollte nicht sein, aber ein schöner Rücken kann ja bekanntlich auch entzücken. Ich glaube übrigens, dass dieses Tierchen keine Biene, sondern eine Pummel-Hummel ist.

Biene

 

Nachtrag: Was mich übrigens auch immer wieder entzückt sind die tollen Fotos, die mein Smartphone macht. Es ist ein Samsung S7, dessen Kamera mich richtig glücklich macht.

Wir müssen reden!

Himmel, gehst du mir auf die Nerven! Bsss, Bssss, Bssss … Tock, Tock, Tock – kannst du das bitte mal lassen? Das geht jetzt seit Stunden so. Jeden Tag kommt jemand von euch und belästigt mich – was soll das? Ja, ich weiß, man hat euch gestört, aber dafür kann ich nichts. Jetzt hör‘ auf damit, ich muss mich konzentrieren. Es ist nicht höflich, jemandem ständig ans Fenster zu klopfen. Schon gar nicht von innen.

Ich muss nachdenken. Ich muss diese Geschichte zum Schnittlauch schreiben, 7-Kräuter-Lesung*, weiß’te Bescheid? Das kann ich nicht, wenn ständig jemand klopft. Ich kann beim Schreiben fernsehen, laute Musik hören oder in einer Kneipe Bier saufen, aber dieses Bssss, Bssss, Bsss, Tock, Tock, Tock macht mich verrückt. Gleich kloppe ich da mit ‘nem Schuh drauf, Ökologie hin oder her. Ich verstehe es auch nicht – ich habe dir alle Ausgänge aufgemacht, und du doofes Tier fliegst trotzdem immer wieder gegen die Scheibe. Tock, Tock – nein, nicht da, zehn Zentimeter weiter links! Links – das andere links! Oh Himmel, du blödes Vieh, du bist da doch auch reingekommen, warum kommst du da nicht wieder raus?

Eigentlich sagt man diesem Himmelsvolk doch eine gewisse Intelligenz nach – ich kann das nicht feststellen. Allerdings nehme ich an, dass irgendwelche Völker beim Abriss unseres Nachbarhauses gestört wurden, denn sonst sind die doch um diese Jahreszeit noch nicht so verwirrt. Komm, kleiner Flieger, raus mit dir, geh‘ Bäume bestäuben. Mach‘ endlich deinen Job und lass‘ mich schreiben.

Es hat keinen Sinn, ich gehe erst mal kochen. Sonst habe ich nicht nur keinen Text, sondern verhungere auch noch – und das wäre doch schade. Ich will Tomatenbohnen machen, nach dem Rezept meiner Mutter. Ich glaube, das Ur-Rezept war von Tante Rita. Ich habe das noch nie gemacht, aber so schwer kann das nicht sein. Zwiebeln, Hackfleisch, geschälte Tomaten, Bohnen, dazu Reis. Zuhause gab es dazu Kartoffeln, es gab immer Kartoffeln, wir waren ja in Norddeutschland. Es kocht sich flott, schmeckt aber sehr „nature“, da fehlt eindeutig Gewürz. Pfeffer und Salz, sonst noch was? Und wie viel davon? Ach, Muttchen, auch wir müssten mal wieder reden. Dabei weiß ich ganz genau, was du mir auf die Frage nach den Mengen antworten würdest, und höre deine Stimme: „Ja, da muss ordentlich was rein. So nach Gefühl.“ Ich würze also fünf Mal nach, dann sagt mein Gefühl, dass es passt. Gut, das wir gesprochen haben.

Tomatenbohnen

Ich nehme mir eine Portion aus dem großen Topf, der Rest wird später eingefroren für schlechte Zeiten. Wie viel will ich denn essen? Ich höre die Stimme meines Vaters: „Meistens nehme ich vierschleifig, aber heute reicht dreischleifig.“ Ein Schleif wird eigentlich „Schleef“ gesprochen und ist eine plattdeutsche Suppenkelle, das Wort „schleifig“ gibt es nicht. Eine dreischleifige Portion Eintopf umfasst drei Kellen, und die reichen mir heute. Danke für den Tipp, Papa.

Ich schlendere ins Wohnzimmer und esse eine Portion pure Nostalgie. Das dumme Tier fliegt immer noch an mein Fenster, inzwischen allerdings in der Küche. Das soll mir recht sein, solange es den neugierigen Rüssel aus dem Topf lässt und nicht den Rest meiner Tomatenbohnen klaut. Hast du gehört, du Vieh? Weg da! Geh‘ Bäume bestäuben, ich will Kirschen!

 

*Nachtrag: Die 7-Kräuter-Lesung findet am 29. April um 19:30 in der Kneipe „Grüne Soße und mehr“ in Oberrad statt.

Good Vibrations

Das Chorkonzert gestern stand unter dem Oberthema „Liebe“. Es war thematisch unterteilt in Lieder, die von Freundschaft, erfüllter oder unerfüllter Liebe oder humorvoller Liebe handelten.

Kirche Harheim

Unser Veranstaltungsort – Bild von Meddi Müller

Wir Autoren waren gebeten worden, Texte zu lesen, die zum jeweiligen Thema passten. Ich hatte das Glück, dass in meinem „Liederblock“ das Lied „Good Vibrations“ von den Beachboys dabei war, auf das ich einmal durch den biografischen Film „Love and Mercy“ aufmerksam wurde – für was so eine Sneak Preview doch alles gut ist. Ich nahm mir also diesen Titel als Grundlage für meinen kleinen Text.

Wie um mir einen Gefallen zu tun, war dieses Lied das Einzige, bei denen der Chor sich versang und es zu einem kleinen Durcheinander kam, so dass kurzerhand noch einmal von vorne angefangen wurde. Das passte wunderbar zu meiner Einleitung, denn dieses war mein Text:

Good Vibrations – Phasen der Liebe

„Good Vibrations“ ist einer der komplexesten Pop-Songs, die jemals geschrieben wurden. Jede Menge Instrumente, Stimmen und Harmonien. Es hat ewig gedauert, diesen Titel aufzunehmen. Kein Wunder, bei diesem schwierigen Thema.

Erinnern Sie sich daran, wie das war mit der Verliebtheit? „Good Vibrations“ nennen das die Beachboys, positive Schwingungen. Man bringt einander in Schwung – das ist ja schon mal gut. Man hat Schmetterlinge im Bauch. Naja, wahrscheinlich eher Motten – ist ja dunkel da drin.

Ob das gesund ist?

Schmetterlinge im Bauch zu haben ist anstrengend schön. Aufregung, Luftnot, ein roter Kopf. Appetitlosigkeit und widersprüchliche Gedanken: Hoffentlich falle ich ihm auf, wie sehe ich eigentlich aus, ach du liebe Güte, hoffentlich bemerkt er mich nicht. Ich will ihn sehen, heute, jetzt gleich – oh mein Gott, da kommt er, ich muss weg! Er liebt mich, er liebt mich nicht – himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

Glückselige Verzweiflung.

Die Zeit der schwingenden Schmetterlinge ist die Zeit des Kennenlernens. Wer bist du, wie bin ich? Die Zeit der Überraschungen – oha, wie wohnt der denn? Dieses Sofa – ist das sein Ernst? Der ist aber unordentlich! Aber kochen kann er! Ich könnte ihn stundenlang ansehen. Wie der wohl nackig aussieht? Und was denkt er, wenn er mich ohne alles sieht? Lieber schnell das Licht ausmachen – aber wo ist hier der Schalter? Alles neu, alles spannend – Good Vibrations bis kurz vor’m Herzinfarkt.

Dieses ewige Geflatter im Leib hält auf Dauer niemand aus. Es beruhigt sich, weicht einer wohligen Wärme und Zuversicht. Es folgt die Zeit der Kompromisse – meckerst du nicht an meiner Figur herum, sage ich nichts zu deiner Aufräumtechnik. Und auch nichts zu deiner Leidenschaft für das Sammeln von Streichholzbriefchen. Ich gehe mit dir wandern, auch wenn es viel rationaler wäre, den Bus zu nehmen. Kommst du mit ins Theater? Ach, da warst du noch nie? Komm, ich zeig’s dir. Ich nehme dich mit in mein Leben.

Mein Leben, dein Leben – unser Leben?

Buntglasfenster

Wie ist das mit den Schwingungen, wenn aus der Verliebtheit Liebe wird? Viele schwingen dann im Takt, gleichmäßig aufeinander eingespielt. Einige schwingen auch gegeneinander, so nach dem Motto „Reibung erzeugt Wärme“.

Es gibt auch diese Paare, bei denen man sich fragt, was die eigentlich zusammenhält – die schwingen in so gegensätzliche Richtungen, dass das „auf jeden Topf passt ein Deckel-Prinzip“ zu einem lauten Geklapper führt. Manchmal führen diese gegensätzlichen Schwingungen auch zu einem Unfall, dann kracht es richtig. Die emotionale Frontalkollision. Aber davon wollen wir heute nicht sprechen – wir reden hier ja über die Liebe, nicht über den Krieg.

Wenn man lange zusammen ist, weichen die heftigen Schwingungen einem leiseren, konstanten Summen. Gewohnheit, Vertrauen, ein gemütliches Sich-miteinander-gehen-lassen. Er treibt nur noch Fernsehsport, ich schlafe dabei an seiner Seite. Er hatte mal Haare, ich eine Taille. Unsere Freunde sehen plötzlich so aus wie die Freunde unserer Eltern – damals. Auf einmal trägt er Cordhosen – und ich entdecke ihn ganz neu, meinen alten Mann. Immer wieder entdecken wir uns, finden neue Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Immer wieder geben wir einander neuen Schwung.

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Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Sänger und Vorlesende, die mit viel Engagement bei der Sache waren, über 150 hochzufriedene Gäste. Das Konzept mit den Liedern und den Texten ging auf, alles fügte sich wunderbar zusammen. Es hat Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich mich von meinen ARS-Kollegen zu diesem Experiment habe überreden lassen.

Nachtrag:

Ach ja, eine drollige Sache passierte mir noch: Ich bekam die Rückmeldung, dass ich den Verlauf einer langjährigen Beziehung sehr gut beschrieben hätte und dass sich viele in dem Text wiedererkannt hätten. Nun bin ich ja in Beziehungsdingen nicht so geübt – aber es freut mich, dass ich durch reines Beobachten wohl einigermaßen das Thema getroffen habe

Liebe, Lyrik, Lampenfieber

Unser Lesepult – Meddi Müller ist schon da, zumindest in Teilen.

Heute Abend darf ich mal wieder bei einer Lesung dabei sein. Um ehrlich zu sein, habe ich mich dazu ein wenig überreden lassen, denn das Thema lautet „Liebe“. Und da bin ich ja so gar keine Expertin, diese Zweierbeziehungen erschrecken mich eher. Aber wie immer waren die Kollegen und Kolleginnen von der Autoren Rhein-Main Szene (ARS) sehr überzeugend und so zimmerte ich mir einen Text zurecht und war gestern bei der Probe anwesend.

Ja, die Anwesenheit – das ist übrigens so eine Sache. Mit ARS lernt man Frankfurt ja so richtig kennen. Nachdem ich inzwischen etliche Male durch Alt-Fechenheim geirrt bin, war es dieses Mal Harheim, wohin es mich verschlug. Harheim im Frankfurter Norden – war da schon mal jemand? Nicht? Nun, das ist irgendwo hinter Bonames. Es gibt dort eine Kirche, und dort singen zwei Chöre unter der Leitung von Elisabeth. Man kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwar nicht besonders gut dorthin, aber wenn man seiner Umwelt offen gegenübersteht, gibt es zumindest ein bisschen was zu sehen auf der langen Reise.

Die Kirche ist ein interessantes, etwas ungewöhnliches Bauwerk, soetwas habe ich so noch nicht oft gesehen: Man muss nach der Eingangstür erst mal eine Treppe hinauf, und im Inneren gibt es statt der üblichen, fest angebrachten Kirchenbänke recht bequeme Stühle, die aus Anlass des Konzertes im Halbrund angeordnet wurden. Das sieht erst mal gut aus und ermöglicht den meisten Zuschauern wohl auch einen recht guten Blick auf Chor und Lesende.

Die Generalprobe war spannend. Wir bekamen einen Eindruck des schönen Programms, das Elisabeth zusammengestellt hat, und durften feststellen, dass unsere Texte sich jeweils gut einfügen. Wie dem hoffentlich zahlreich erscheinenden Publikum diese Kombination gefällt, erfahren wir heute Abend – ich bin gespannt.

Chorkonzert in Harheim, Plakat

Meinen Liebestext werde ich übrigens morgen erst mit euch teilen – nicht, dass ich jemanden vom Konzertbesuch abschrecke 🙂