Der Göttinger Karzer

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Kunst im Karzer

Bei unserem Göttingen-Besuch im April nahmen wir auch an einer sehr interessanten Stadtführung teil. Unter anderem durften wir auch den Karzer der Göttinger Universität besichtigen. Laut Aushang wurden schon im Jahr 1736 Karzerstrafen verhängt, und zwar unter anderem wegen Duellierens, mangender Nüchternheit, Keuschheit oder Bescheidenheit gegenüber Soldaten. Auch „grober Unfug“ wurde geahndet. Kleinere Delikte hatten Karzerstrafen bis zu drei Tagen zur Folge, bei größeren Vergehen konnten es auch mal zwei Wochen werden. Es gab auch andere Strafen und wenn alles nichts half, flog der Student hinaus, diese Sanktion ist ja auch heute noch üblich.

Nicht alle Zellen waren eingerichtet, aber diese zeigte wohl in etwa die Raumgestaltung der späteren Karzerjahre.

Sehr interessant fand ich die vielen Gemälde und Inschriften auf den Zellenwänden. Wir erfuhren, dass es verboten war, an den Wänden zu malen oder zu schreiben – aber nur, wenn man erwischt wurde. Was fertig war, galt quasi als Kunst am Bau und wurde geduldet. Wenn man sich ansieht, wie fein ausgearbeitet manche der Bilder sind, scheinen die Insassen nicht besonders stark kontrolliert worden zu sein.

Bei anderen hingegen saß der Stift deutlich weniger locker, da reichte es gerade mal, um den eigenen Namen an die Wand zu krakeln, oft ergänzt um ein Datum.

Lächeln musste ich bei einem der Aushänge, denn hier erfuhr man die Liste der Vergehen, die um 1837 geahndet wurden. Auch ich wäre hier gefährdet gewesen, in den Karzer einzufahren. Zwar neige ich nicht dazu, in der Gegend herumzuballern, auch habe ich keine großen Hunde und bade selten in der Leine. Aber ständiger Unfleiß – im Volksmund auch Faulheit genannt – habe ich mir während meiner Schulzeit und des Studiums durchaus zuschulden kommen lassen.

Karzer, Göttingen

Unglaubliches Wachstum

Vor kurzem schrieb ich schon einen Beitrag über die Webcams, die es ermöglichen, Vögel bei der Aufzucht ihrer Jungen zu beobachten. Seitdem gucke ich immer mal wieder nach, was „meine Küken“ so machen. Und mir fällt auf, wie unglaublich schnell sie wachsen. Mein besonderer Liebling ist der kleine Seeadler. Der schlüpfte am 24. April und sechs Tage später sah er so aus:

Küken, Seeadler. Fütterzeit

Das GIF habe ich mit einem Online-Generator gebastelt. Nicht perfekt, aber man sieht doch, mit welchem Appetit der Winzling futtert. Ansonsten ist aber noch ziemlich Ruhe im Nest: Wenn das Kleine nicht gefüttert wird, kuschelt es sich zumeist unter die Federn des Elternteils, das gerade den Kinderdienst macht. Die Adlereltern – Suvi und Sulev, wie ich inzwischen weiß – wechseln sich mit dem Babysitting ziemlich gleichberechtigt ab. Es war die Zeit des schlechten Wetters, in der es in Estland genauso unangenehm stürmte wie bei uns – dass dem Adlerbaby nicht schlecht gewordenen ist im schwankenden Horst, finde ich fast erstaunlich.

Zehn Tage später hat das Küken schon einen enormen Sprung gemacht: Es ist gewachsen und wirkt viel beweglicher, kann richtig aufstehen und neugierig einen langen Hals machen. Insgesamt ist es viel lebhafter als zuvor.

Adlerküken, Adlerhorst, Seeadler

Schon da fällt auf, wie schnell das Küken wächst. Im Vergleich zum Menschenjungen ist dieser Zuwachs wirklich enorm. Aber gut, dieses Küken soll irgendwann Ende Juli flügge sein und das Nest verlassen – beim durchschnittlichen Menschenkind dauert das wohl etwa 20 Jahre.

In den letzten Tagen war ich viel unterwegs und konnte deshalb nicht nach dem Kleinen gucken. Daher war ich heute Morgen völlig überrascht, als ich die Veränderung an dem Küken gesehen habe: Es sitzt inzwischen auch mal alleine im Horst und wartet geduldig auf seine Eltern. Derweil putzt es sich und hält ab und zu Ausschau, ob schon neues Futter angeflogen kommt.

Adlerküken, Seeadler, Adlerhorst

Wer selber nochmal gucken möchte: Hier ist der Link zu dieser wunderbaren Seite. Es ist auch ein winzigkleines Schwarzstorchküken geschlüpft – ich bin gespant, ob es Geschwister bekommen wird und wie es sich entwickelt.

Das Topflappen-Mysterium

Topflappen, verbranntManchmal gehen Dinge im Haushalt kaputt. Mal ist es Verschleiß, mal Ungeschick, so wie kürzlich, als ich einen meiner ältesten Kaffeebecher mit Schwung auf den Küchenboden pfefferte, anstatt ihn wie angedacht sorgfältig in der Spülette zu platzieren. Normalerweise ist sowas keinen Blogbericht wert.

Dann wieder passieren Dinge, die irgendwie auffällig sind. Weil sie gehäuft vorkommen oder unerklärlich sind. Oder weil sie mich an meinem geistigen Zustand zweifeln lassen. Sowas geschah kürzlich mit meinen Topflappen.

Topflappen sind unscheinbare Gebrauchsgegenstände, sie sind immer da und ich denke nicht weiter darüber nach. Anders war es, als ich vor drei Wochen im Bad herumwerkelte und dachte, dass es komisch riecht in der Wohnung. Ich trabte also in die Küche und kam gerade noch rechtzeitig, um einen Topflappen zu löschen, der sich auf meinen Herd geschlichen und dort ein Feuer verursacht hatte. Bei näherem Hinsehen hatte ich wohl die falsche Herdplatte angedreht – das Wasser im Kartoffeltopf war noch immer kalt. Erstaunlich fand ich, wie gut der Topflappen brannte: Sollte sowas nicht einigermaßen feuerfest sein? Egal, passiert ist passiert.

Zwei Wochen später passierte es wieder. Dieses Mal fackelte ich meinen braven Küchenhelfer ab, indem ich ihn versehentlich auf die heiße Herdplatte legte. Dieser wurde nur schwarz, brannte aber nicht. Auf jeden Fall war er hin. Das schwarz-weiße Paar, dass ich rund 20 Jahre in Benutzung hatte, gab also innerhalb weniger Tage den Geist auf.

Nun herrscht bei mir an Topflappen kein Mangel, hat doch Oma Erna für Töchter und Enkelinnen einen stattlichen Haufen davon gehäkelt. Benutzt habe ich diese Oma-Lappen noch nie, aber das kann man ja ändern. Das heißt, man könnte es, wenn man sie denn fände. Ich weiß, dass sie irgendwo sein müssen, aber wo? Wo legt ein vernunftbegabter Mensch beim Umzug einen Stapel Häkellappen hin? Ich glaubte mir über ihren Aufenthaltsort völlig im Klaren zu sein, ging an den Schrank und öffnete das entsprechende Fach – nichts. Nur eine Weihnachtstischedecke, eine Osterdecke und der Taschentuchbehälter mit den ebenfalls von Oma behäkelten Spitzentaschentüchern. Alles nie benutzt. Und mein Taufkleid – das passt mir auch nicht mehr. Aber kein einziger Topflappen. Wo mögen die sein?

Die ewige Antje schlug den Keller vor – damit könnte sie Recht haben. Aber habe ich Lust, da zu suchen? Eher nicht. Da stricke ich lieber ein Paar Läppchen für die Küche, entsprechende Wollreste sind ja reichlich da.

Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl: Erst ein abgebrannter Besitz, dann ein verschwundener Vorrat. Ich wittere eine Verschwörung im eigenen Heim – die Topflappen-Verschwörung. Ich werde diese Vorgänge weiter beobachten und darüber berichten.

Schön ausgedrückt – schlüpfrig

Kürzlich saßen wir in lustiger – manch einer mag auch sagen alberner – Runde beisammen und Barbara äußerte das schöne Wort „schlüpfrig“. Das führte zu einer Reihe weiterer Ausgelassenheiten und viel Gelächter. Natürlich dachten wir dabei nur an die eine Bedeutung dieses Wortes. Und dabei hat es doch zwei, von denen eine völlig harmlos ist.

Bild zur Verfügung gestellt von Ibefisch, http://www.pixelio.de

Mein Freund, der gelbe Duden, beschreibt das Wort als eher selten im Gebrauch und es stammt aus dem Mittelhochdeutschen. Das ist erst mal wenig überraschend.

Die erste Bedeutung ist feucht und glatt, ich habe spontan den Rand eines Sees oder einen alten Steg im Sinn. Auch so manches Schwimmbad hat eine schlüpfrige Umrandung, genau wie der kleine Anleger, an dem ich einmal aus einem Kanu stieg und aufstehen wollte, um einer Kollegin auch aus dem Boot zu helfen. Der Untergrund war schlüpfrig und so fiel ich gleich mit Schwung wieder in die Lahn hinein. Gut, dass es von dieser Aktion auf feuchtem Grund keine Fotos gibt.

„Schlüpfrig wie Schneckenschleim“, auch diese Bemerkung über einen unangenehmen Zeitgenossen kommt mir in den Sinn. Hier verbindet sich die Bedeutung von „aalglatt“ mit der Abwertung, die der Duden als zweites anführt, wenngleich diese eindeutig sexueller Natur ist. „Anstößig, zweideutig, unanständig“, heißt es da im Duden, und das war es natürlich, woran wir damals in der Kneipe alle dachten.

Auch die anderen bekannten Wörterbücher geben nicht viel mehr her, doch eine Unterhaltung mit Kollegen, bei denen ich ebenfalls dieses schöne Wort erwähnte, brachte die Assoziation zum „Schlüpfer“ mit sich. Über den wurde auf Meikes bunter Welt bereits berichtet, allerdings auch da nur in einem Nebenstrang. Es scheint das Schicksal des Schlüpfers zu sein, dass er immer nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Bild zur Verfügung gestellt von Radka Schöne , http://www.pixelio.de

Etwas anderes passierte mir aber, während ich über diesen Beitrag nachdachte: Ich suchte eine Illustration und weil ich hier im Blog nicht schlüpfrig (2), also anzüglich sein will, brauchte ich ein Foto für schlüpfrig (1): der Glätte. Und dabei fiel mir auf, wie viele wunderschöne Fotos von Schnecken es doch gibt. Diese Tierchen habe ich bislang viel zu wenig beachtet. Ich glaube, ich muss mich demnächst einmal in aller Frühe auf Schneckenjagd machen.

Fünf Gründe, den Mai zu mögen

Listen sind in. Überall im Internet findet man Listen: 10 Gründe, warum du nicht abnimmst. 8 Möglichkeiten, sich einen schönen Mann zu angeln. 11 Arten, mit Würde eine Dauerwelle zu tragen. 6 Gründe, warum du immer noch nicht reich bist. Und so weiter und so fort. Nun, ich will auch mal eine Liste machen, und zwar über den Mai. Denn der ist wirklich ein ziemlich guter Monat.

5 Gründe, den Mai zu mögen

1. Das Wetter wird besser

Ja, ich gebe es zu, heute ist es noch nicht so dolle. Es ist kalt und windet wie verrückt. Doch die Tendenz stimmt: Zum einen war es gestern, also am 30. April, noch viel schlechter. Und zum anderen soll es in ein paar Tagen richtig gut werden. Da will ich also heute nicht klagen, sondern optimistisch in die Zukunft gucken. Der Sommer kommt. Mein Schwimmbad in Hausen hat geöffnet, der jährliche Husten ist rum, die Haut nimmt einen gesunden Braunton an.

Im Zusammenhang mit Punkt 1 ist dann auch Punkt 2 auf meiner Liste zu sehen:

2. Die Zeit der Weinfeste beginnt

Weißwein, WeingläserIch liebe es, draußen zu sitzen und einen kühlen Weißwein zu schlürfen. Oder eine Fruchtbowle, einen Apfelwein, zur Not sogar ein Bier. Der Sommer ist Festsaison in Frankfurt, es wird gefeiert, was das Zeug hergibt. Das Wochenende um den ersten Mai herum ist bei mir und der ewigen Antje traditionell dem Bornheimer Weinfest vorbehalten, wo wir uns dieses Mal nach einem kurzen Umweg über einen etwas wässrigen Rivaner für einen wunderbar leichten Chardonnay entschieden. Das einzige, das komisch war an diesem Getränk, war seine Wirkung: Obwohl klar und flüssig, machte es ganz schön Durst – zumindest am nächsten Morgen.

3. Der Flieder blüht

FliederDerzeit erfreue ich mich jeden Morgen, wenn ich am Südbahnhof umsteigen muss, am wunderbaren Geruch des Flieders, der dort blüht. Leider ist das immer nur ein kurzes Vergnügen (besonders im letzten Jahr, als ein dickes Gewitter die feinen Blüten allesamt zu Brei verarbeitet hatte), doch die paar Tage, in denen die Büsche in voller Blüte stehen, finde ich wirklich schön.

4. Spargelzeit

Ja, ich weiß, es ist nur ein Gemüse. Noch dazu eines ohne kräftigen Eigengeschmack, das in den meisten anderen Ländern kaum beachtet wird. Spargel ist eine deutsche Marotte – aber eine, die ich sehr schätze. Spargel gehört für mich in eine gute Hühnersuppe à la Mama Uschi. Außerdem muss ich jedes Jahr ein paar mal so einen dekadenten, teuren Spargelteller mit Hollandaise und Schnitzel haben. So einen wie diesen hier, den man mir im „Wirtshaus am Ostend“ servierte:

5. Feier- und Brückentage

Last but not least: Für einen faulen Menschen wie mich sind Feiertage etwas Tolles. In diesem Mai haben wir hier in Frankfurt gleich vier davon (ja, ich weiß, es gibt Regionen, die keinen Fronleichnam haben – die haben dafür bestimmt irgendwas anderes Schönes. Nordsee oder so.). Den 30. April habe ich mir als Brückentag gegönnt und um Fronleichnam herum besuche ich immer gerne meine Schwester. Das wird hoffentlich auch dieses Jjahr wieder klappen. Und um Pfingsten blühen dann die besonders schönen Pfingstrosen, mit denen ich diese meine erste Liste beschließen möchte.

Und plötzlich ist der Zimt alle!

Zimt, ZimtdoseKürzlich habe ich mal wieder Milchreis gekocht. Das ist seit meiner Kindheit mein Lieblingsessen, und das nicht nur, weil das jeder Doofi kochen kann, sondern weil es mir einfach gut schmeckt. Ich nehme kaum Zucker und etwas Zimt hinein und leckeres weiches Dosenobst obendrüber. Und gestern passierte es tatsächlich, dass der Zimt alle war.

Ich konnte es gar nicht fassen: Die Zimtdose leer? Wie konnte das passieren? Zimt ist so ein Produkt, dass man immer zuhause hat und das sich nie verbraucht – zumindest war das bislang mein Eindruck. Gut, die Dose war schon lange ziemlich leicht, aber das war sie doch von Anfang an – oder etwa nicht? Zimt ist so ein Produkt wie Alufolie, man kauft es einmal und hat ewig was davon. Allerdings musste ich auch Alufolie kürzlich einmal nachkaufen, unglaublich. Meine alte Rolle hatte ich wahrscheinlich noch in D-Mark bezahlt. Und mein Zimt war tatsächlich schon etwas in die Jahre gekommen, genau genommen war er abgelaufen, und das nicht erst gestern, sondern seit vier Jahren.

Es gibt für mich ja Haushaltsprodukte in unterschiedlichen Kategorien: Einige muss man nur alle paar Jahre mal kaufen, wie oben beschrieben. Andere sind durchlaufende Posten, man muss sie immer wieder kaufen, weil man sie regelmäßig verbraucht. Dazu gehören Tomaten, Frischkäse, Shampoo und Klopapier – wobei letzteres bei mir die Angewohnheit hat, sich unangemessen zu vermehren. Ich denke, das liegt daran, dass ich alle paar Monate mal eine große Bestellung bei Rewe online aufgebe und immer Toilettenpapier mitbestelle, damit ich es nicht schleppen muss. Irgendwie übersteigt meine Kalkulation aber wohl meinen Verbrauch. Sobald man feststellt, dass man etwa einen halben Lastwagen Klopapier im Haus hat, kann man eine Weile mit dem Nachkaufen aussetzen. Schließlich will ich meinem Erben nicht irgendwann eine Wagenladung Hygienepapier hinterlassen, der wird auch so schon genug Schaff damit haben, meinen Plunder aufzuräumen.

Auch andere, weniger platzfressende Produkte neigen zur karnickelartigen Vermehrung: Backpulver zum Beispiel. Immer, wenn ich was backen will, frage ich mich beim Einkaufen, ob wohl noch genug Backpulver im Haus ist, und nehme vorsichtshalber ein Päckchen mit. In einem Päckchen sind 10 Tütchen. Kürzlich machte ich Inventur und fand rund 40 Tütchen Backpulver, verbraucht habe ich am gleichen Tag immerhin zwei davon. Folglich habe ich für mindestens die nächsten zwei Jahre Backpulverkaufverbot. Auch Müllbeutel sammeln sich gerne an, Pizzagewürz, Puderzucker und Kochmettwurst in Gläsern. Thunfisch zeigte eine Weile ebenfalls diese Tendenz, so dass ich keinen mehr kaufte und irgendwann, als ich eine Thunfischpizza backen wollte, keinen hatte (Meikes bunte Welt berichtete).

Ich habe also Zimt auf meine Einkaufsliste geschrieben, es hilft ja nichts. Vielleicht bekomme ich ein Tütchen zum Nachfüllen der alten Dose. An die bin ich jetzt schon so lange gewöhnt, ich weiß gar nicht, ob ich mich da noch umstellen kann.

Wochenendtrip nach Göttingen

Dieses Wochenende war es endlich soweit: Meine liebe Schwester und ich trafen uns in Göttingen zu einem Mädelswochenende. Diesen Kurztrip hatte ich meiner Schwester zum 50. Geburtstag geschenkt und schlug so gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Ich hatte ein schönes Geschenk, kam mal nach Göttingen und konnte viel Zeit mit meiner Schwester verbringen. Was will man mehr?

Fachwerk, altes Rathaus, Göttingen Pünktlich um 14 Uhr trudelten wir beide am Bahnhof ein und fanden auch gleich das zentral gelegene Hotel. Es zog uns ins Freie – das Wetter war bombastisch. Und so ging unser super-entspanntest Wochenende los: Mit einem ersten Stadtbummel, Kaffeetrinken in der Sonne und vielen angeregten Gesprächen. Das Geschnatter ging sogar soweit, dass meine Stimme, noch immer etwas „spröde“, irgendwann fast völlig versagte. Eine Krähe klang wahrscheinlich melodisch gegen mich!

Am Samstag gigen wir erst mal shoppen. Dabei hatten wir allerdinge ein Problem: Das Wetter war so schön, dass wir gar keine Lust hatten, in irgendwelche Läden zu gehen. Außerdem brauchten wir nichts. Also suchten und fanden wir den alten botanischen Garten.

Hier bummelten wir eine Weile herum, lauschten einem Froschkonzert am Teich und landeten irgendwann – richtig – im Kaffee.

Das Schöne an Göttingen ist, dass die Stadt klein und „zentriert“ ist, so dass Vieles ganz gemütlich zu Fuß zu erreichen ist. Immer wieder landeten wir am alten Rathaus und dem berühmten Gänseliesel-Brunnen. Hier kraxeln fertige Doktoranden hinauf, küssen die Figur und stecken ein Blumensträußchen daran. Wir wurden Zeuge von zwei derartigen Aktionen – merkwürdig, aber irgendwie ganz niedlich.

Gut gefallen hat mir außerdem die ungewöhnliche Gastronomiedichte – die Stadt mit ihren rund 130.000 Einwohnern hat etwa 33.000 Studenten, die natürlich alle ausgehen wollen. Dementsprechend fiel es uns nie schwer, etwas nach unserem Geschmack zu finden – und es gibt in Göttingen auch etwas für jeden Geldbeutel. Wir aßen im Nudelhaus und ließen den Abend später im Hotel mit einigen Gläsern „Rödelseer Schwanleite“ ausklingen. Das erinnerte mich massiv an Loriot …

Die vielen Studenten in Göttingen können inzwischen natürlich jede Menge unterschiedliche Fächer studieren. Bei der Stadtführung am Sonntag lernten wir, dass es früher anders war: Es gab nur vier Fächer (dargestellt im Relief oben), in denen alles enthalten war, was es damals zu lernen gab. Es gab Medizin, Philosophie, Theologie und Jura, wobei z. B. die Naturwissenschaften mit im Bereich Medizin gelehrt wurden, Sprachen hingegen bei der Philosophie. Das klingt mir nach einem ganz schön vielseitigen Studium, dazu hätte ich Lust – aber ich hätte nicht gedurft. Bin ja nur eine Frau … 😦

Außerdem lernten wir während der Führung noch allerhand über Fachwerk. Wann ist ein Stockwerk ein richtiges Stockwerk und wann nur ein Geschoss? Und warum heißt das überhaupt „Geschoss“? Ich konnte mir die Ausführungen unseres Stadtführers nicht ganz genau merken, aber es hatte etwas mit den Querbalken des Fachwerks zu tun – aufgestockt und durchgeschossen, oder so ähnlich.

Und wir erfuhren, dass Göttingen früher schon bekannt war für seine Wurst. Hm … hätten wir das vorher gewusst, hätten wir mal eine gegessen. Das Wurstplakat oben wurde bei Restaurierungsarbeiten gefunden und in einem Innenhof wieder aufgehängt, zusammen mit einigen Fliesen aus der alten Metzgerei.

Göttingen hat mir wirklich gut gefallen: Klein und niedlich, alt, aber nicht verflossen. Natürlich tat das Wetter das Seine dabei – so ein Glück muss man erst mal haben.

Müde sein

Dieser Frühling hat mir etwas Feines mitgebracht: Grippe, entzündete Mandeln, bellenden Husten und Heiserkeit. Fieber und bleischwere Müdigkeit. Zwei Wochen wie ein nasser Lappen mal im Bett, mal auf dem Sofa. Ab und zu auch mal im Bad, aber das ist eigentlich zu anstrengend. Einfach nur hinüber. Der verbliebene Intellekt reicht gerade so für RTL 2: Da renovieren die immer Häuser, und wenn sie fertig sind, weinen alle. Immerhin, das kann ich auch.

Komisch eigentlich – warum dauert das denn so lange? Wieso habe ich keine Lust, den Lesestapel abzuarbeiten oder Strümpfe zu stricken? Ich habe den Verdacht, dass ich mich gehen lasse, und fühle mich unwohl dabei. Noch unwohler als ohnehin schon. Schließlich warten die bei der Arbeit auf mich, die können doch gar nicht ohne mich. Hoffentlich geht die Firma nicht bankrott in dieser Zeit. Was bloggen sollte ich auch mal wieder, und ein paar Geschichten schreiben. Wenn nicht jetzt, wann dann – ich habe doch Zeit. Warum verschwende ich die denn mit schlafen?

Dann irgendwann soll es wieder gehen, beschließe ich. Aber so richtig geht es nicht – es schleppt sich nur. Müde, matt und schlapp – das kann doch nicht sein? So alt bin ich doch noch nicht? Kann mal jemand den Husten wegmachen und meine Stimme ölen? Ich versuche den alten Trick mit dem Apfelwein: hilft nix. Tee aber auch nicht. Und Honig, der mir immer wieder angepriesen wird, kann ich einfach nicht leiden – damit fangen wir gar nicht erst an! Soweit unten bin ich noch nicht!

Treu und brav latsche ich jeden Tag zur Arbeit, krächze mich durch den Tag und versuche, möglichst unauffällig zu husten. Abends bin ich müde und wenn ich einen halben Kilometer gegangen bin, schwitze ich theatralisch vor mich hin. Ich muss den Dingen wohl einfach mal ihren Lauf lassen: Abwarten, ausruhen, liegen lernen. Soll ja ganz heilsam sein.

 

Fazit dieser Litanei: Es ist in meiner bunten Welt derzeit etwas ruhiger. Keine Sorge, ich lebe noch – nur derzeit etwas langsamer.

Brusthaar

Kürzlich erzählte ich einigen Freunden aus meiner „Bildungsfernsehen“-Gruppe, dass ich mich am Vormittag mal wieder den Jugenderinnerungen hingegeben und im Fernsehen zwei Folgen „Baywatch“ geguckt hatte. Das wird derzeit auf Nitro wiederholt und war mir in meiner weit entfernten Jugend sehr wichtig – und das nicht wegen der Brüste von Pamela Anderson. Die Reaktion aus der Bildungsfernsehen-Gruppe war ungläubig: Sie reichte von einem wilden Johlen bis hin zu Roberts Frage: „Hast du denn gar keinen Stolz?“ Bemerkenswert, diese Reaktionen, ist es doch gerade diese Runde, mit der ich mir schon den Super-Shark und ähnliche Kunstwerke zu Gemüte führte. Jemand führte auch an, dass diese Serie doch veraltet sei, schließlich gäbe es inzwischen einen neuen Spielfilm, der sich irgendwie an die Serie anlehnt. Doch dieses Argument zog bei mir nicht.

Bild „Liegender“ zur Verfügung gestellt von Telemarco, http://www.pixelio.de

Ja, es gibt einen neuen Spielfilm, und ja, die Leute dort tragen rote Badekleidung und es sind hübsche Jungs dabei. Aaaaaber: Das ist alles ganz anders, die haben nämlich alle kein Brusthaar. Einer hat nicht mal Haupthaar, aber da will ich nicht kleinlich sein, sowas kommt im Alter ja vor. Aber dieses fehlende Brusthaar zeigt mir deutlich, wie sie die Mode und das Schönheitsempfinden in den vergangenen 20 … ääähhh … ne, huch, fast 30 Jahren verändert haben. Der Oberbademeister damals trug eine üppige Lockenpracht auf dem Kopf und fast genauso ein Lockenfell auch auf der Brust, und genauso muss das für mich sein.

Um es ganz klar zu sagen: Ich bin keine Körperbehaarungsfetischistin. Ich finde nicht, dass der menschliche Körper völlig haarlos sein muss (Menschen, die „iiiihhhh“ schreien, wenn eine Frau mit unrasierten Beinen gesichtet wird, haben meines Erachtens einen an der Waffel!), ich bin aber auch kein Fan von gorillaähnlicher Rückenbehaarung. Im Grunde ist es mir egal, ob da Haar ist oder nicht. Mir fällt aber auf – schließlich gehe ich oft schwimmen – dass die früher oft üppige Brustbehaarung bei Männern inzwischen besonders bei den jüngeren Jahrgängen deutlich nachlässt. Offenbar hat auch sie das Enthaarungsdiktat, mit dem sich Frauen seit vielen Jahren gemäß Modezeitschrift, Beautyblogs und Kosmetikindustrie herumschlagen sollten, inzwischen erreicht.

Dementsprechend fällt es einem inzwischen auf, wenn sich irgendwo eine Locke hervorkringelt, wo man nicht damit gerechnet hätte. Gut, eigentlich denke ich nicht darüber nach, ob es irgendwo Brusthaar gibt oder nicht, aber als kürzlich ein leger gekleideter Kollege die üppige braune Pacht aus dem V-Ausschnitt hervorwallen ließ, war ich schon etwas verblüfft. Und ich dachte während der Besprechung etwas off topic darüber nach, wie ich mir die Brust dieses Kollegen eigentlich vorgestellt hätte. Und ja, tatsächlich, mein Gehirn hat die modischen Veränderungen der letzten 30 Jahre mitgemacht und signalisierte mir, dass in meiner Vorstellung diese Brust hätte nackt sein müssen – keine Locken, kein Wallewalle.

Und so diskutierte ich den neuen Baywatch-Film nochmal mit Bildungsfernsehen-Mitglied Maike: Wir kamen überein, den neuen Film irgendwann in unser Bildungsfernsehen-Programm aufzunehmen – man muss ja Neuerungen gegenüber offen sein.