Gefangen sein

Ich mache mal wieder einen neuen Schreibworkshop mit. Neue Themen, neue Übungen – sowas macht mir immer viel Spaß. Als es in der letzten Woche losging, hatte ich aber gar keine Lust – zu sehr hatte mich noch immer die gewaltige Erkältung im Griff. Da kam mir die erste Übung zum Thema „Gefangen“ gerade recht …

Gefangen sein …

Stofftier, schielen

Der sieht aus, wie ich mich fühle

Ich bin gefangen in meiner Nase. Wie frei könnte ich sein, wäre sie frei. Aber sie ist verstopft. Schnarchen ohne zu schlafen. Seit Wochen treibt mich das jetzt um. Es nervt.

Gefangen sein – das ist kein triviales Thema. Zu schade für einen ordinären Rotz. Zu intellektuell. Der Intellekt geht, wenn die Viren kommen. Die haben eine Wechselbeziehung, Viren und Verstand. Ja, genau, eine Wechselbeziehung, keine Symbiose. Denn das wäre ja was Gutes.

Die Augen tränen auch – ich werde alt. Bin gefangen in meinem Körper. Wer mit 50 morgens ohne Schmerzen aufwacht, ist angeblich tot. Ich bin noch keine 50, aber ich übe schon mal. Was ich mache, mache ich schließlich ordentlich.

Inmitten dieser trüben Gedanken ertönt draußen lauter Glockenschlag – wie ein Abgesang. Alle Gefangenen antreten zur Hinrichtung. Schnipp, Schnapp, Rüssel ab – man kann auch ohne Nase leben. Aber es sieht furchtbar aus, und das will ich auch nicht.

 

Nachtrag: Diesen deprimierten Text schrieb ich vor acht Tagen. Inzwischen ist die Malaise von der Nase in die Bronchien gesackt – auch nicht besser. Ich fürchte, ich bin Sondermüll …

Blog-Geflüster in Meddis Nähkästchen

Radio, Mikrophon, MikrofonAm Montag kam ich mir mal wieder unglaublich wichtig vor: Denn ich war im Radio! Meddi Müller, der Frankfurter Krimiautor und Moderator von Meddis Nähkästchen, hatte mich eingeladen, bei ihm in seiner Sendung zu Gast zu sein. Sehr spannend – im Radio war ich noch nie!

Radio X ist ein kleiner Frankfurter Lokalsender, der seinen Sitz in Bockenheim hat. Werbefrei, unabhängig, eigenständig, leidenschaftlich – so lautet das Credo dieses kleinen Senders. Ich fuhr also in der Mittagspause dorthin, zutiefst neugierig und gespannt.

Das Studio ist klein, aber fein. Ich wurde eingewiesen und merkte mir, dass ich gehört werde, wenn mein Mikro rot leuchtet – dann also besster kein dummes Zeug mehr babbeln. Die Sendung wurde angesagt, es kam ein bisschen Musik und dann ging es los.

Der Beitrag wurde aufgezeichnet, wer gerne einmal reinhören möchte, kann das auf der Seite von Meddis Nähkästchen tun. Ich habe das natürlich auch schon getan und finde es wie immer komisch, mich zu hören – irgendwie spreche ich durch die Nase. Ich denke aber, dass man beim Hören auch merkt, wie viel Spaß mir diese Stunde im Radio gemacht hat (danke für die Einladung, Meddi ❤ ).

 

Fundstücke 63: Werbung aus der Hölle

Franken WC, BonnAuf diese Perle des Marketings machte mich mein guter Freund Harry aufmerksam: Es gibt ja Werbung, die ist wirklich schauderhaft. Ob das jemand lustig findet oder ob genau die schauerliche Wirkung beabsichtigt ist, kann ich mir manchmal nicht erklären.

Mobiltoiletten sind ja eine sehr nützliche Erfindung. Ich denke, niemand benutzt sie wirklich gerne, aber besser, als sich in die Büsche zu schlagen, sind sie allemal. Allerdings …

Die Werbung dieses Toilettenanbieters bringt es sicherlich fertig, das jeder Mensch, der ein solches Häusel nutzt, sich dabei unwohl fühlt. Denn was geschieht nun mit seinem Geschäft? Fragen Sie Franken WC:

Wintertiere

Lange hatte ich nicht mehr auf die estnische Seite mit den Webcams geguckt – ich dachte, da gibt es im Winter ohnehin nichts zu sehen. Doch weit gefehlt – auch im Schnee hat Estland einiges an Getier zu bieten. Am besten gefällt mir die Kamera an der Vogelfutterstelle – da ist immer was los. Das heißt, fast immer. Manchmal verlassen alle Flatterviecher schlagartig den Platz und kommen minutenlang nicht wieder – vielleicht ist dann ein Raubvogel oder eine Katze in der Nähe?

Webcam, Vögel, Meisen, Elster, Specht, Spatzen, Tauben

Mein Liebling ist übrigens der kleine Specht. Und die Tauben sind Krawallschachteln – die können nicht abwarten und drängeln furchtbar herum. Naja, was kann man auch von jemandem erwarten, der sich mitten ins Essen setzt?

Abends ist es dunkel an der Futterstelle. Dann kann man allerdings gucken, ob bei den HIrschen was los st. Oft tut sich stundenlang nichts. Dann hört man plötzlich ein leises Klappern, weil die Herren mit ihrem Kopfschmuck nicht klarkommen und einander anstoßen. Dann wird gefressen, und manchmal auch gerangelt.

Webcam, Hirsche, Futterstelle

Wer es ganz geruhsam mag oder sich schon immer ein Aquarium gewünscht hat, kann auch bei der Forellenkamera vorbeigucken. Da passiert wirklich wenig, aber irgendwie ist es entspannend, sich das wenige anzugucken, während man Socken strickt.

Forellen, Webcam

Auf Schakale oder Luchse habe ich bislang vergeblich gewartet, die sind wohl eher nachtaktiv. Vielleicht bin ich auch zu ungeduldig. Allerdings scheint bei den Luchsen des Öfteren die Sonne – und das ist bei der derzeit tristen Wetterlage ja auch etwas Schönes.

Webcam, Wald, Sonne

 

Komische Gewohnheiten – sich völlig grundlos verwegen fühlen

Erst einmal möchte ich natürlich allen Lesern meiner bunten Welt ein schönes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2019 wünschen – was auch immer Erfolg für euch bedeuten mag. Für mich bedeutet erfolgreich sein ein schönes Leben zu haben, in dem ich genießen kann, Arbeit habe und vor allem tolle Leute um mich.

Eine ganz tolle Runde hatte ich Silvester zu Gast, wir feierten fast bis um vier. Deshalb war ich an Neujahr angemessen müde und philosophierte müßig vor mich hin. Und dabei kam mir mal wieder eine komische Gewohnheit in den Sinn, die ich an mir selbst beobachte:

Komische Gewohnheiten – sich völlig grundlos verwegen fühlen

gestrickte Socke, Fuß

Ein Teil meiner Sofa-Uniform – ein Bild von mir im Schlafanzug möchte ich euch nicht zumuten

Ich bin inzwischen 48 Jahre alt – klingt komisch, ist aber so. Noch immer merke ich manchmal, dass meine gute Erziehung in mir nachwirkt. Nicht nur, wenn ich Bitte und Danke sage, sondern auch, wenn ich Sachen mache, die bei uns zuhause verpönt waren.

Natürlich ist es normal, dass die Erziehung in einem nachwirkt – dafür ist sie ja da. Gerade Dinge, die ich mir früher fest vorgenommen hatte – z. B. nur noch von Nutellabrot und Pizza zu leben, sobald ich die Sache mit der Ernährung selbst in der Hand habe – führe ich gar nicht durch. Im Gegenteil, ich werde von einigen Kollegen immer wieder gehänselt, weil ich in der Kantine jeden Tag Gemüse esse. Wenn man nämlich nicht genug Gemüse isst, wird man krank – das habe ich mir gemerkt und dieses Argument schlägt Nutella und Pizza um Längen.

Es gibt aber zahlreiche andere Dinge, die zuhause nicht gerne gesehen wurden, die ich heutzutage aber mit Freuden zelebriere. Und manchmal, wenn mir das bewusst wird, fühle ich mich wild und verwegen. Gestern auch.

Bei uns zuhause war es verpönt, vor dem Fernseher zu essen. Also richtig zu essen, nicht nur ein abendliches Stück Obst oder ab und zu mal den Kuchen zum Sonntagskaffee. Das wurde wirklich nur in Ausnahmefällen gemacht, etwa wenn man krank war oder wenn etwas ganz Besonderes im Fernsehen kam. WM-Fußball vielleicht, oder etwas ähnlich Wichtiges. Dann wurde ein großer Teller mit Schnittchen fertig gemacht und die ganze Familie aß zusammen vor der Glotze. Das sind schöne Erinnerungen, gewiss auch, weil es so selten vorkam. Denn grundsätzlich wurde bei uns in der Küche gegessen, und meinen Eltern wäre es nie eingefallen, dort einen Fernseher aufzustellen. Über Familien, die so etwas hatten, wurde ein gnadenloses Urteil gefällt. Und so fand auch ich es immer seltsam, dass mein Onkel und meine Tante einen Fernseher in der Küche hatten – sowas aber auch. Hingeguckt habe ich natürlich trotzdem.

Fernsehen war ohnehin etwas, das restriktiv gehandhabt wurde. Das war für Eltern in den 70er Jahren natürlich einfacher als heute – für Kinder kam ja kaum etwas. Vormittags gab es manchmal die Sesamstraße oder Rappelkiste, nachmittags Wickie, die Biene Maja oder Pinocchio. Aber ganz viel war es nicht, was mich da reizte. Als irgendwann das „Frühstücksfernsehen“ aufkam, war mein Vater völlig verwirrt: Wer sollte sich das denn wohl angucken? Vormittags fernsehen, das machten doch nur ganz alte Leute, die sonst nichts mehr konnten. Oder Leute, die ansonsten gar nichts mit sich anzufangen wussten. Morgens fernsehen, das war für meinen Vater das, was für Karl Lagerfeld das Tragen von Jogginghosen ist: Wer sowas macht, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.

Und deshalb fühle ich mich an manchen Tagen geradezu wie ein Outlaw, wie die Revoluzzerin unter den Spätpubertierenden: Nämlich dann, wenn ich am Wochenende in der Jogginghose vor dem Fernseher sitze, frühstücke und dabei Kinderprogramm gucke. Oder noch besser im Schlafanzug. Natürlich habe ich dann keineswegs die Kontrolle über irgendwas verloren, sondern verlasse die Grenzen meiner Erziehung ganz bewusst. Weil es schön ist, Zeit zu haben und so herumlumpen zu können. Weil ich gerne Märchen gucke, gerne in Ruhe meinen Kaffee schlürfe und das Sofa ohnehin der beste Essplatz ist. Und weil es Spaß macht, sich auf diese Weise verwegen zu fühlen.

Darauf ein Nutellabrot …

 

Sollte es hier noch jemanden geben, der oder die sich aus nichtigem Grunde wie ein Outlaw fühlt: Ich freue mich auf entsprechende Kommentare.

4800!

Kürzlich wurde ich auf eine Aktion des Frankfurter Kinderbüros aufmerksam: Seit vielen Jahren werden über diese Organisation Kinder mit Weihnachtsgeschenken bedacht, die ansonsten nichts bekommen würden. Letztes Jahr kamen rund 4.800 Pakete zusammen, die von Spendern besorgt oder zumindest bezahlt wurden. 4.800 Päckchen – das ist eine beeindruckende Zahl.

4.800 Päckchen, das bedeutet nicht nur viele hilfsbereite Spender, sondern eben auch 4.800 Kinder, die in verschiedenen Einrichtungen leben oder betreut werden und in einer Situation sind, in der sie keine Weihnachtsgeschenke zu erwarten haben. Natürlich feiern viele dieser Kinder keine christlichen Feste, aber jedes Kind freut sich über eine Aufmerksamkeit zum Jahresende – und sei es nur, um in der Schule mitreden zu können, wenn es um das schönste Weihnachtsgeschenk geht. Oft sind es kleine Herzenswünsche, die es zu erfüllen gilt. 20 bis 25 Euro sollen die Geschenke kosten. Bescheiden, wenn man bedenkt, in wie vielen Familien hunderte von Euro in die weihnachtliche Geschenkeschlacht inverstiert werden.

Letztes Wochenende habe ich mir drei Kärtchen mitgenommen. Zwei kleine Jungen und ein Mädchen bekommen dieses Jahr ein Geschenk von mir, ohne das je zu erfahren. Ich werde nicht sehen, ob sie sich freuen, aber ich nehme es an und stelle mir das einfach vor. Schließlich habe ich mir viel Mühe damit gegeben, die kleinen Wünsche zu erfüllen und für jeden noch eine unerwartete Kleinigkeit dazuzulegen. Es hat richtig Spaß gemacht, mal wieder Spielzeug auszusuchen.

In diesem Jahr wurden über 5.000 Kärtchen mit Weihnachtswünschen an die Frankfurter Wunschbäume gehängt oder in kleinen Körbchen ausgestellt. Gewiss gibt es noch einige Karten, die auf jemanden warten, der sich ihrer annimmt. Es sind auch noch ein paar Tage Zeit. Auch in anderen Städten gibt es derartige Aktionen, und das finde ich richtig gut. Vielleicht hat ja noch jemand Lust, mitzumachen.

Fundstücke 62: Selbstverständlichkeiten

Kürzlich musste ich feststellen, dass die Leute, die für den Frankfurter Dom zuständig sind, es auch nicht leicht haben. Anscheinend werden Gesangbücher geklaut – und zwar von Menschen aller Kulturkreise:

Das nächste Schild fand ich noch frustrierender: Gibt es denn wirklich Barbaren, die das Weihwasser im Dom aussaufen oder sich darin waschen? Diese Welt ist ein Jammertal …

Komische Gewohnheiten – jede unpassende Gelegenheit nutzen

Toilettentür DamenEines vorab, damit meine Leser die Situation richtig einschätzen können: Im wahren Leben bin ich Arbeitnehmerin, zwar in Vollzeit, aber ohne besondere gehobene Stellung. Ich bin ein ganz normaler, durchschnittlicher Mensch mit einem Bürojob. Ob ich arbeite oder nicht, hat keine Auswirkungen darauf, ob Menschen leben oder sterben. Jeder Brotverkäufer tut mehr für das Wohl der Menschen, mit denen er zu tun hat, denn die müssen, wenn sie bei ihm waren, zumindest nicht hungrig zu Bett gehen. Soweit der Status.

Trotz meiner somit offiziell festgestellten Unwichtigkeit erlebe ich es immer wieder, dass Menschen die Lage falsch einschätzen. So wie die Kollegin, die mich nach meinem Urlaub in der Kantine traf – morgens, bevor ich überhaupt richtig angekommen war. Ich war gerade dabei, ein Käsebrötchen in eine Papiertüte zu verfrachten, trug noch meine Jacke und den Rucksack auf dem Buckel. „Noch nicht auskunftsfähig“ schrie meine gesamte Erscheinung, doch die Kollegin überhörte diesen Ruf. Sie schnatterte auf mich ein, hektisch, denn sie hatte es eilig, und ich konnte zu ihrem Problem nichts, aber wirklich gar nichts Intelligentes antworten. Ich bat um Aufschub, darum, zuerst an meinen Arbeitsplatz gehen zu dürfen, um mir die Sache zumindest einmal anzugucken, bevor ich meine Meinung dazu kundtat. Ich kann es nicht leiden, wenn andere ihre Ansichten zu irgendwelchen Dingen total unreflektiert rausrufen, ohne das Thema zu kennen – folglich darf und möchte ich das auch nicht tun.

Sie gab mir fünf Minuten. Der Laptop war noch nicht mal hochgefahren, da war sie wieder da. Ich ließ mir erklären, um was es überhaupt geht, ordnete den Vorgang als „wichtig, aber nicht dramatisch ein“ und bemühte mich um Glättung der Wogen. Öl reingießen nennt man das, glaube ich. Eigentlich hätte ich danach nach Hause gehen können, denn mein gutes Werk für diesen Tag hatte ich getan.

Toilettentür HerrenWeniger duldsam war ich mit der Kollegin, die mir bis auf die Toilette hinterherlief und irgendwelche Informationen über die Trennwand bölkte. Ja, ich weiß, wenn ich im Büro bin, sollte ich ununterbrochen arbeiten, aber ab und zu muss ich mal. Und wenn ich diese Arten von Geschäften erledige, kann und will ich mich nicht auf technische Informationen in Relation zur aktuellen Rechtslage konzentrieren, geschweige denn irgendwelche Entscheidungen treffen. So wichtig bin ich einfach nicht, dass das nicht mal fünf Minuten – und länger brauche ich normalerweise nicht – warten könnte. Ich reagierte also ungehalten und scheuchte die Kollegin aus dem Waschraum. Himmel nochmal, kann man denn nicht mal in Ruhe pieseln? Ich muss mich konzentrieren!

Insgesamt beobachte ich eine Verschiebung der Wahrnehmung, was die Wichtigkeit von Dingen angeht. „Das muss aber heute unbedingt raus!“, höre ich oft, auch wenn das, was raus soll, noch gar nicht fertig ist und, wenn wir mal ehrlich sind, auch niemand begierig darauf wartet. Gerne stelle ich dann eine ganz einfache Frage: „Warum? Was passiert denn, wenn das heute nicht rausgeht?“ Zumeist ist der Rest dann Schweigen. Es muss raus, weil irgendjemand das vor drei Monaten in Unkenntnis der Sachlage in irgendeinen Projektplan geschrieben hat, und nun muss der arme Junior-Projektmanager das auf Teufel komm raus umsetzen, auch wenn das Projekt insgesamt eh schon um drei Wochen verzögert ist. Ob das wirklich vernünftig ist, wird dann, wenn die Panik schon Wellen schlägt, oft zum ersten Mal durchdacht.

Insofern bin ich vielleicht doch nicht ganz so unwichtig: Wenn mich mal wieder jemand im unpassendsten Moment ganz hektisch mit Projektdetails bombardiert, frage ich gerne nach dem „Warum“ oder sage so etwas Pomadiges wie „Das ist doch gerade überhaupt nicht wichtig“. Wahrscheinlich braucht es sowas manchmal. Aber bitte, liebe Kolleginnen, bitte nicht auf der Toilette.

Undankbares Gesindel!

Im Urlaub lernte ich so ein paar Typen kennen, die machten anfangs einen wirklich netten Eindruck. Es war eine Kneipenbekanntschaft: Immer, wenn ich in dieser Strandbar einkehrte, waren sie auch da. Zwar lebten sie ein bisschen im Verborgenen, doch sie waren durchaus interessiert an ihren Mitmenschen und nahmen vorsichtig Kontakt zu mir auf. Sie zeigten mir, wo sie wohnen, und ließen sich von mir fotografieren.

Und so kam es, dass ich irgendwann einen Keks mit einem von ihnen teilte. Es war mein Kaffeekeks, den dazuzgehörigen Baileys-Kaffee trank ich alleine aus. Trotzdem erschufen wir so eine Art Vertrauensverhältnis, das dazu führte, dass die kleinen Kerlchen mich öfter besuchten.

Doch leider führte diese freundschaftliche Annäherung dazu, dass meine neuen Freunde nicht mehr auf sich achteten und – nun ja – beim Fliegen nicht mehr an sich hielten. Gleich zwei Mal wurde ich angekackt – auf die Jacke und den Rucksack. Dieses undankbare Gesindel hielt es anscheinend nicht mehr für nötig, auch nur ein Mindestmaß an Contenance zu zeigen. Pack!

 

Nachbemerkung: Die Mitarbeiter dieser Kneipe führten einen endlosen Kampf gegen die ungebetenen Gäste, die jedoch immer wieder hineinschlüpften, wenn die Tür sich öffnete. Natürlich sind solche Gäste wie ich, die auch noch Kekskrümel spendieren, bei diesem Kampf kontraproduktiv. Aber, hach … sie sind doch so niedlich, diese kleinen Vögelchen!

Novemberwunderwetter

Allmählich wird mir das Wetter ein wenig unheimlich: Neun Tage war ich auf Borkum, und das im November. Fünf Tage lang hatte ich ein wahres Prachtwetter – so, dass die Leute in die Strandcafés kamen und schnauften: „Boah, is dat warm!“

Es war zwar nicht unbedingt Bikiniwetter (die dicke Dame übertreibt mal wieder), aber es war für die Jahreszeit viel zu warm. Mehrmals saß ich ohne Jacke in der Sonne – das ist schon komisch im November.

Die Cocktails waren deutlich verlockender als der Glühwein. Da ich mir aber mal wieder den üblichen Urlaubs-Infekt zuzog, blieb ich trotzdem zumeist bei den Heißgetränken. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die Sonnenuntergänge waren wirklich spektakulär, das habe ich mir mehrmals angeguckt und auch mal wieder ein bisschen herumexperimentiert – sowohl mit der Dame, die ganz unanständig ihr Maurerdekolltee zeigte, als auch mit der Fotokugel.

Trotz der vielen schönen Sonnenuntergangsbilder war ich eigentlich wegen etwas anderem im Herbst nach Borkum gefahren: Mir stand der Sinn nach Wolken, Wind und feuchter Luft. Ein bisschen was davon gab es auch, insofern habe ich keinen Grund zum Meckern:

Und heute Morgen verabschiedete die Insel sich mit Nebel von mir. Da ich direkt am Leuchtturm wohnte, machte ich mal wieder ein Foto davon. Sicher technisch lausig, aber trotzdem schön 🙂

Borkum im Herbst ist immer wieder toll – super entspannend und erholsam. Es war sicher nicht das letzte Mal.