Komische Gewohnheiten – reflexartig auf Politiker einschlagen

Nicht erst seit Krisenzeiten fällt mir auf, wie unglaublich viele begnadete, fleißige und absolut unfehlbare Politiker wir in Deutschland haben. Leider tummeln diese sich nicht in den Parlamenten, auch nicht in den Rathäusern oder sonstigen Gremien, sondern ausschließlich auf Social Media Kanälen, bevorzugt auf Facebook. Auf Twitter auch, aber da müssen sie sich ja zum Glück kürzer fassen.

Man möge mich jetzt nicht falsch verstehen – oder nur, wenn man das unbedingt will – ich bin auch nicht immer mit allem einverstanden, was in diesem Land passiert, und ich würde dieses oder jenes wahrscheinlich anders entscheiden. So manchem Politiker möchte ich auch manchmal die Ohren langziehen – ja, isso. Und doch möchte ich mit keinem der ewig Gescholteten tauschen, denn ich möchte den Job nicht machen. Und die, die ewig nörgeln, möchten das auch nicht. Dann hätten sie nämlich keine Zeit mehr, im Internet herumzulungern und sich durch eifriges Posten von Statements wie „Das habe ich doch gleich gewusst!!!“ oder „Warum fällt denen das erst jetzt ein?!“ hervorzutun. Gerne wird derartigen Plattitüden dann noch ein Link zu irgendeinem Zeitungsbericht beigefügt, in dem geschrieben steht, dass das Erwähnte gerade jetzt erledigt wurde – viel zu spät natürlich, nach Ansicht von Hotte, Lotte und Elli. Oder zu dilettantisch, weil der beteiligte Politiker nämlich gar nicht die geforderte Qualifikation besitzt und in seinem Leben noch nie was gearbeitet hat – das konnte ja nichts werden. Ja, ne, is klar.

Gerade derzeit in der Krise schießen sie wie Pilze aus dem Boden, die selbst ernannten Manager, die sofort an alles gedacht, alles im Blick und erst recht im Griff gehabt hätten und natürlich niemalsnienicht irgendetwas übersehen hätten. Sie sitzen bequem auf ihren Sofas, ohne jegliche Verantwortung, erst recht nicht für Millionen von Menschen, und wissen es besser. Während der Pudding gelöffelt und der Milchkaffee geschlürft wird, schwadroniert es sich so unglaublich herrlich über die Unzulänglichkeiten anderer Menschen. Und immer finden sich Gleichgesinnte, die es fast noch genauso gut könnten, man diskutiert, wie viele bessere Lösungen es gegeben hätte und suhlt sich in der Gewissheit, den Durchblick zu haben, wo doch andere, hochbezahlte Leute wieder nichts auf die Reihe gekriegt haben.

Wirklich Konstruktives kommt von solchen Leuten übrigens selten. Und fragt man sie, warum sie sich denn nicht einbringen und ihr geballtes Fachwissen in wirklich jedem Gebiet der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, kommt auch nichts. Nun ja, verstehe ich schon – sie wissen ja auch, was sie erwarten würde. Und sie könnten selber nicht mehr mitmachen beim Bashing, beim Klagen, beim Posten der immer gleichen Gifs und beim virtuellen Abklatschen mit den Gleichgesinnten in ihrer Blase. Und das wäre ja langweilig.

Ich muss übrigens noch anmerken, dass ich im Moment eigentlich recht zufrieden bin, was das Spitzenpersonal in unserem Land angeht. Entscheidungen, die derzeit getroffen werden, erscheinen mir fundiert, auch wenn es vielleicht andere Wege gäbe. Ich würde im Moment auch keine Experimente machen wollen und ich bin froh, dass ich so ein unbedeutendes kleines Würstchen bin, dass nur entscheiden muss, ob es morgens für’s Homeoffice einen BH anzieht oder nicht. Im Vergleich zu anderen Ländern haben wir außerdem eine unglaublich bodenständige Regierung, bei deren Auftritten ich mich weder schämen noch an ihrem Verstand zweifeln muss. Das allein wäre zwar nicht genug, entspannt aber ungemein.

Fundstück 70: So einfach ausgedrückt …

Heute morgen war ich auf dem Oberräder Wochenmarkt. Sechs Stände hat es da normalerweise, doch der Bratwurst- und Äpplerstand war heute schon nicht mehr da. Ich habe also alle fünf verbleibenden Stände besucht: Obst und Gemüse, Backwaren, Fleischwaren, Feinkost und Blumen. Der Blumenstand hatte ein neues Schild:

So einfach kann man es also ausdrücken. Es haben sich heute auch alle gut an das Abstandsgebot gehalten, was bei den wenigen Ständen nicht so schwierig ist. Lediglich ein älterer Mann irrlichterte herum und kapierte anscheinend nie, wo er sich für welchen Stand anstellen musste, aber der Knabe ist mir schon öfter aufgefallen – der wartet einfach nicht gerne und stellt sich lieber dumm. Heute wurde er immer wieder eingefangen und ans Ende der Schlange geschickt 🙂

Wahrscheinlich wird es den Blumenstand demnächst erst mal nicht mehr geben. Die Blumengroßmärkte schließen und, wenn man ehrlich ist, sind Blumen auch nicht das Allerwichtigste derzeit. Heute habe ich mir aber noch ein kleines Töpfchen mit Vergissmeinnicht gegönnt, und letzte Woche gab es einen bunten Ranunkelstrauß, der sich sehr schön entwickelt hat. Gestern hatte ich die weiß-grüne Blüte im Beitrag, heute gibt es die orangefarbene:

Kampf dem Lotterleben!

Ranunkel vom Wochenmarkt – man muss es sich schön machen!

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich schreiben sollte – denn ich weiß, dass viele vom Thema „Corona“ inzwischen übersättigt sind und einfach mal was anderes lesen möchten. Aber es gibt etwas, das mich im Moment schwer beschäftigt, und daran möchte ich euch teilhaben lassen: Die Isolation in der Wohnung als Single. Ich arbeite seit dieser Woche im Homeoffice und habe alle Freizeitaktivitäten außer Haus, alle Workshops etc. eingestellt.

Eigentlich trifft diese Abschottung durchaus meine Neigungen. Ich bin eine, die es braucht, immer mal wieder ein paar Tage alleine zu sein. Ich genieße es, an Wochenenden ohne Termine am Freitag meine Tür zu schließen in dem Wissen, dass ich nicht mehr raus muss bis Montag – wenn ich das so möchte. Und kürzlich war ich krank, insgesamt drei Wochen – da gehörte es für mich dazu, im Schlafanzug oder oller Jogginghose mit Labbershirt herumzustapfen und mit meinem Gesamtauftritt den Paketboten zu erschrecken. Auch wenn ich mal einen einzelnen Tag Homeoffice mache, laufe ich so rum – sieht ja keiner.

Genau dieses „sieht ja keiner“ ist aber im Moment die Herausforderung. Ich fürchte ein wenig, dass ich in der Zeit des Zuhausebleibens völlig verkomme – zu einer wunderlichen, körperlich runtergewirtschafteten Trulla mit eckigen Augen vom Fernsehen und ungepflegtem Äußeren. Das geht so nicht!

Was also tun? Nun, zunächst mal braucht es etwas Struktur. Und Kontakte. Wasser und Seife natürlich, aber auch einigermaßen ordentliche Klamotten. Gesunde Ernährung und Bewegung. Und andere Freizeitbeschäftigungen als nur die Glotze. Folgendes habe ich mir vorgenommen:

  • Ich besitze ein Trimmrad, dass in Zeiten, wenn mir mein Knie wehtut, eifrig benutzt wird, zu anderen Zeiten aber zum Kleiderständer degradiert wird. Ich habe mir heroisch beschlossen, mir meine Mahlzeiten künftig zu verdienen und vorher immer ein bisschen zu strampeln. Muss ja nicht lange sein – jeder „Kilometer“ hilft. Schließlich fehlt mir derzeit die Grundbewegung, die ich sonst schon allein dadurch bekomme, dass ich kein Auto besitze und oft zu Fuß unterwegs bin.
  • Keine Schlafanzugstage. Bequem ja, aber so, dass man ohne Bedenken die Tür öffnen kann, sollte es klingeln.
  • Regelmäßige Arbeitszeiten. Die letzte Woche habe ich zwischen halb acht und acht angefangen zu arbeiten, das passt gut. Allerdings muss man auch auf regelmäßige Pausen achten und sich zwischendurch mal vom Stuhl erheben. Im Büro läuft man ja auch mal rum, zum Klo, der Kaffeemaschine oder dem nächsten Meetingraum. Unser Gebäude ist über 100 Meter lang, da kommen schon ein paar Schritte zusammen. Oder man geht zu einem Kollegen rüber, um bei dem auf den Bildschirm zu gucken, steht dann da ein bisschen und beredet was.
  • In der letzten Woche haben einige Kolleginnen und ich angefangen, per Skype gemeinsam Mittagspause zu machen. Jede saß für sich vor der Kamera, wir haben uns angeguckt, gegessen und geschwatzt – gerade so, wie wir es sonst in der Kantine auch tun würden. Das ist gut, lockert es doch den Arbeitstag auf. Mich bringt es außerdem dazu, nicht ganz so sehr wie eine Trümmerlotte aussehen zu wollen und ein bisschen mehr aufzuräumen – schließlich gucken die mir in die Wohnung!
  • Und ja, die Wohnung, das ist auch so ein Thema. Ich bin ja ein furchtbar unordentlicher Mensch – oft starte ich Aufräum-Panikaktionen, wenn Besuch angekündigt ist. Nur … im Moment kommt kein Besuch, und ich bin den ganzen Tag zuhause und mülle vor mich hin. Das muss ich mir für die nächsten Wochen abgewöhnen, denn sonst wird beides ungemütlich: der Arbeitstag und die Freizeit. (Der Kollege, der als Letzter bei uns im Büro war und alle Telefone umgestellt hat, erzählte mir, dass er bei mir etwas aufgeräumt habe. Ich mache das sonst immer vor dem Urlaub und hatte das dieses Mal völlig vergessen – ist ja kein Urlaub. Das war mir schon ein bisschen peinlich. Danke, Sebastian, du Guter!)
  • Noch ein Thema: Arbeitszeit und Freizeit. Ich arbeite derzeit im Wohnzimmer am Esstisch. Das geht gut, ich sitze bequem, habe ausreichend Platz und Licht. Aber zumindest zum Wochenende muss ich den ganzen Arbeitskram wegräumen – sonst guckt mich das das Wochenende über immer an. Gestern habe ich also alles weggepackt und ins Regal verräumt.
  • Und in der Freizeit? Was mache ich da? Mir ist in den letzten Tagen aufgefallen, dass ich keine Lust habe, mich da auch noch an den Esstisch zu setzen und am PC zu werkeln – auch nicht privat. Immer nur fernsehen kommt auch nicht in Frage – das ist toll, wenn man krank ist, aber wenn man gesund ist, wird man davon auf die Dauer rammdösig. Also werde ich wohl mehr lesen, stricken oder Hörbücher hören. Und mal wieder was Größeres schreiben – wie immer bei Entwürfen erst mal im Notizbuch.
  • Und ich will etwas Neues probieren. Ich wollt schon immer mal häkeln lernen, oder ein altes Hobby auffrischen und eine Figur bauen. Ich habe so viel Bastelkram zuhause, damit sollte sich doch die Zeit füllen lassen. Was ich mit dem gebastelten Kram dann später tue, werden wir sehen …
  • Und natürlich will ich mit meinen Lieben in Kontakt bleiben. Wir haben inzwischen so viele Möglichkeiten neben dem Telefon – seien es die kleinen, hingeworfenen Kommentare per Social Media oder WhatsApp oder längere Skype-Sessions mit Kamera. Noch vor wenigen Jahren hätte das alles ganz anders ausgesehen.

Mir ist übrigens klar, dass ich zu denen gehöre, die sehr weich fallen in dieser Krise: Ich habe keinen Beruf, in dem ich mich unmittelbar der Ansteckungsgefahr aussetze, muss mich nicht von Klopapiersüchtigen beschimpfen lassen. Ich muss als Mitarbeiterin in der Lebensmittelindustrie erst mal keine Angst haben um meinen Arbeitsplatz, kann von zuhause arbeiten. Ich habe zwar keinen Garten, aber eine geräumige Wohnung mit komfortabler Ausstattung. Ich muss während der Arbeit keine kleinen Kinder bespaßen und muss mich nicht um alte Eltern ängstigen, die vielleicht zu versorgen wären. Diese paar Wochen Hausarrest, so surreal die Situation auch erst mal ist, sollte gut zu überstehen sein.

Und ihr, die ihr das jetzt gelesen habt: Passt auf euch auf und bleibt zuhause, soweit es geht.

Zweite Siegerin

Gestern wurde er nun also verkündet, der „Ungewöhnlichste Buchtitel des Jahres 2019“. Da die Leipziger Buchmesse aus gegebenem Anlass entfallen musste, wurde der Preis quasi online verliehen – und ich wurde Zweite 🙂 Dazu wurde Folgendes gesagt:

Zum 2. Platz gratulieren wir herzlich der Autorin Meike Möhle, die es mit ihrem Buchtitel „Die Glorifizierung des Bandsalats“ auf den Punkt bringt: Die Schönheit der Dinge liegt im Alltäglichen, man muss nur genauer hinschauen. Und das macht Meike Möhle in ihrem Buch auf kurzweilige, selbstironische und sehr unterhaltsame Weise.

Sieger wurde der wunderbare Torsten Sträter mit seinem Titel „Es ist nie zu spät, um unpünktlich zu sein“. Ein würdiger Sieger, finde ich, auch wenn ich natürlich unglaublich gerne mit solch einer Trophäe über die Messe gestapft wäre! Nun, wenn ich das möchte, muss ich wohl nochmal angreifen. Ich hätte da auch schon eine Idee …

Schön ausgedrückt – gnadenlose Alterungsbeschreibungen

Diese Kategorie hatten wir schon lange nicht mehr. Dabei liegt der Beitrag schon eine Weile fertig bei mir herum. Nun, vielleicht hatte ich einfach eine gewisse Scheu, sowas zu veröffentlichen. Doch da ich das eine oder andere auch an mir beobachte, bin ich Betroffene und kann somit hemmungslos darüber reden, über das Thema …

Gnadenlose Alterungsbeschreibungen

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt in die Kategorie „Schön ausgedrückt“ einsortieren sollte, denn wirklich schön sind die Ausdrücke, mit denen oft die sichtbaren Alterungsprozesse bei Mann und Frau bezeichnet werden, nicht. Viele sind umgangssprachlich und eher garstig ausgedrückt, aber sehr deskriptiv und daher oft recht lustig. Und das eine oder andere mag auch durchaus in die Kategorie passen, also belasse ich es dabei.

„Was hast du gesagt?“
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Beginnen wir mit dem, was eine zurückweichende Haartracht besonders bei Männern beschreibt: die Geheimratsecken. Das klingt würdevoll und ist sicherlich auch so gemeint, denn Geheimrat (oder Hofrat in Österreich bzw. Ratsherr in der Schweiz) wurden nur kluge ältere Herren. Laut Wikipedia weisen diese Ecken nicht selten auf eine beginnende Glatzenbildung hin, was noch neutral formuliert ist. Auch der Paterkranz bei Männern, denen die Glatze nach Art einer Tonsur entsteht, klingt noch recht freundlich. Spöttischer klingt da schon „dem kommt das Knie durch“ oder „er lässt sich eine Badekappe wachsen“. Und optimistisch klingt „bei dem kommt die Weisheit durch“.

Besonders viele Veränderungen gibt es natürlich im Bereich des Gesichts: die kleinen Lachfalten um die Augen, die ich bei Männern so attraktiv finde, werden als Krähenfüße bezeichnet, was sie meiner Ansicht nach unnötig abwertet. Denn es gibt doch nichts Schlimmeres, als so ein unbewegliches Botox-Gesicht, dem man auch in Kummer oder Freude nicht ansieht, dass darin etwas lebt. Daher bevorzuge ich gerade bei Lachfalten den Ausdruck Lebenslinien, denn das trifft es viel besser.

Weniger hübsch finde ich die tiefhängenden Schlupflider oder diese stark verschwollen wirkenden Augenpartien, die gemeinhin als Tränensäcke bekannt sind. Dass man auch damit international berühmt werden kann, hat uns Kommissar Derrick eindrucksvoll bewiesen.

Rutscht im Alter die Figur ein wenig durcheinander, wird man also ein wenig mehr um die Mitte herum, wird gerne von einer Wampe, einem Bierbauch oder einem Knödelfriedhof gesprochen. Das trifft so allerdings eher Männer, Frauen sind einfach nur dick. Manchmal werden sie um die Mitte dicker und obenrum dünner, das wird dann mit dem unschönen Ausdruck Hängebrüste beschrieben. Und wenn die Haut an den Oberarmen erschlafft, empfiehlt so mancher selbst ernannte Modeberater den Damen (und nur ihnen!), dass sie keine ärmelfreie Kleidung mehr tragen sollen, damit man das „Schwiegermutterwinken“ nicht so sieht. Herren im Feinripp-Unterhemd sind davon anscheinend nicht betroffen.

Meine Lieblingszone bei den unfreundlichen Alterungsbezeichnungen ist jedoch der Hals: Ein früher einmal schlanker, glatter Schwanenhals mutiert im Alter gerne zum Putenhals – eine zoologische Sensation. Und den schönsten, wenngleich garstigsten Ausdruck benutzten meine ansonsten seriösen Eltern und ihre Bekannten für eine Dame, deren Doppel- oder Dreifachkinn im Alter erschlaffte und sich nach unten bewegte: Da fiel tatsächlich der Ausdruck „Bammelfresse“. Und diesen Ausdruck finde ich schon ganz schön unerhört. Das hätte ich als Kind mal zu jemandem sagen sollen!

Nominiert!

Ach, ihr Lieben, es ist so aufregend! Ich wurde für einen Preis nominiert! Und zwar für einen, von dem ich noch nie zuvor gehört habe. Soeben erreichte mich nämlich das hier:

Liebe Meike,
der Titel deines Buches „Die Glorifizierung des Bandsalats“ hat es auf die Longlist für den „Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres 2019“ geschafft! 😀
Vielleicht möchte deine Fangemeinde sich gerne an der Abstimmung zu diesem Preis beteiligen:
Der Gewinner/Die Gewinnerin wird eine Trophäe sowie einen Überraschungs-Sachpreis erhalten. Die feierliche Auszeichnung soll im Rahmen der Leipziger Buchmesse am 14.03.20 um 17h in Halle 4, Forum Literatur, Stand F100 erfolgen.
Ich drücke die Daumen!
Wer mich also gerne unterstützen oder einfach nur die komischen Buchtitel angucken möchte – bitte, gerne, nur zu 🙂
Und dass ich mich nun den Rest des Tages angemessen wichtig fühlen werde, ist klar, oder?

Die Bücher und ich

Da ich im Moment weniger Zeit im Internet verbringe, habe ich wieder mehr Muße zum Lesen. Und so habe ich mich einer Sache hingegeben, die ich schon jahrelang nicht mehr gemacht habe: Ich habe alte Kinder- und Jugendbücher gelesen. Dem werde ich sicherlich nochmal ein oder mehrere eigene Beiträge widmen. Auf jeden Fall kam mir jedoch eine Schreibworkshops-Aufgabe gerade recht, bei der es sich um Dinge drehte, die irgendwie mit meinem Leben zu tun haben. Ich wählte für diese „Warmschreibe-Übung“ das Thema Lesen.

Die Bücher und ich

Irgendwie war es nie genug: Schon als Kind war ich eine begeisterte Leseratte, fraß mich durch ganze Bücherberge. Ich war zunächst nicht besonders wählerisch, meine Interessen waren wenig speziell. Ob Kinderkrimi, Märchen oder Pferdebuch, ich las sie alle und fieberte mit.

Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Ich war einer der fünf Freunde, ging mit Dolly ins Internat, rettete mit Britta ein Pferd und lernte Krankenschwester mit Susanne. Die Bücher erweiterten meinen Horizont.

Alle paar Wochen ging ich Mittwoch nachmittags in unsere kleine Gemeindebücherei. Das waren immer Festtage, denn wenn ich den Stapel an ausgelesenen Büchern zurückgegeben hatte, durfte ich mir so viele Bände aussuchen, wie ich haben wollte. Was für ein ungeheurer Luxus, was für eine große, bunte Welt tat sich mir hier auf!

Wenn ich meinen Leseschatz im Rucksack oder Fahrradkorb nach Hause geschleppt hatte, verschwand ich damit in mein kleines Kinderzimmer, kuschelte mich auf’s Bett und begann zu lesen. Oft etwas ganz Neues, genauso oft aber auch etwas schon Bekanntes, dass mich beim ersten Lesen so begeistert hatte, dass ich es unbedingt nochmal erleben wollte. Die Abenteuer der roten Zora, von Kalle Blomquist oder Grischka mit seinem Bären verloren niemals ihren Reiz, und das haben sie bis heute nicht.

Einige der alten Freunde aus der Bücherei habe ich mir als Erwachsene selber gekauft. Ebay sei Dank muss man ja auch auf Bücher, die heutzutage nicht mehr aufgelegt werden, nur solange verzichten, bis man sie dort findet. Und wenn man sie dann noch einmal liest, diese wunderbaren Schätze, dann ist alles wieder da: die Gemütlichkeit des kleinen Zimmers, die Geborgenheit, die Freude darüber, Zeit zu haben, und diese schönen, bunten Welten , in die ich eintauchen und etwas erleben kann.

In der Weihnachtsbäckerei

Seit ein paar Jahren kenne ich einige sehr nette Leute, mit denen ich mich regelmäßig treffe, um zu spielen oder Filme zu gucken – Bildungsfernsehen nennen wir das. Wichtiger Bestandteil unserer Treffen ist der Kaffeeklatsch: Dazu gibt es in der Regel Heißgetränke und Selbstgebackenes. Auch ich habe mich auf meine alten Tage zu einer einigermaßen emsigen Bäckerin entwickelt, und nachdem ich vor einer Weile eine wunderbare Blaubeer-Quarktorte gebacken habe, fühle ich mich auch fast zu allem befähigt. Daher wollte ich, ganz gegen meine Gewohnheit, zum Adventskaffee in der letzten Woche gleich zwei neue Rezepte ausprobieren. Nun ja – gut, dass meine Gäste nicht heikel sind.

Ich wollte eine Amerikanische Zitronentorte backen. Die hat schon meine Mutter immer gemacht und meine Schwester meinte, die sei einfach und gelinge immer. Na, dann kann ja nichts schiefgehen, schließlich bin ich die Queen der Blaubeer-Quarktorte. Und dazu etwas Weihnachtliches, einen norddeutschen Kranzkuchen mit Nüssen und Rosinen. Den kenne ich schon seit meiner Kindheit, zwar nur vom Bäcker, aber was man essen kann, kann man auch backen. Dachte ich zumindest.

Ich kaufte also ein – ordentlich dieses Mal, mit Liste – und machte einen Schlachtplan. Die Zitronentorte verlangt nach zwei Böden, da ich nur eine Form habe, musste ich die nacheinander backen. Das ging auch recht gut – ein Rührteig unten in die Form, Eischnee und Mandeln obendrauf, backen. In der Zwischenzeit bereitete ich schon mal meine Rosinen für den Kranzkuchen vor: In Rum baden, mit Nüssen, Mandeln und Honig mischen. Honig nach Geschmack, stand da – ich nahm viel. Ha, perfekt.

Die Zitronencreme soll zwischen die kalten Böden, die musste also bis zum nächsten Morgen warten. Aber während Boden zwei im Ofen war, konnte ich schon mal den Kranzkuchen angehen.

Ich mixte also genau nach Rezept einen Quark-Ölteig zusammen. Ganz schön ölig, das Zeug. Klebte alles rund um den Knethaken fest. Ich wusch mir die Pfötchen und versuchte, Mixer und Teig voneinander zu trennen. Doch die beiden hingen sehr aneinander, und also ich sie endlich auseinanderbrachte, hing der Teig an meinen Händen. Das sollte man ausrollen – das schien mir schwierig. Doch nicht umsonst habe ich in den letzten zwei Jahren immer „Das große Backen“ geguckt und dabei ein bisschen was gelernt: Ich legte den glitschigen Brocken also zwischen zwei Blätter Backpapier und begann damit, ein Rechteck auszurollen. Das ging recht gut, das Rechteck. Ich konnte auch das obere Backpapier wieder abziehen, als ich fertig war. Schick!

Nun kamen die Honig-Nuss-Rumrosinen zum Einsatz. Schön gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Dann aufrollen. Klingt einfach, war es aber nicht. Es klebte und bappte. Das Backpapier wollte den Teig nicht mehr loslassen. Ich rollte ein bisschen und versuchte, das Papier abzuziehen. Einige Honigrosinen wurden fahnenflüchtig und schwärmten in der Küche aus. Ich kämpfte mit der Rolle, die keine werden wollte. Irgendwann hatte ich eine leidlich runde Wurst, die aber noch immer liebevoll von Backpapier umschlungen wurde. Um sie auszupellen, musste ich sie hochheben – dabei fielen schon wieder Rosinen auf den Boden. Die, die nicht abstürzten, klebten an meinen Armen. Endlich war die Teigwurst aus dem Papier gewickelt – nun musste ich sie nur noch auf das Blech bugsieren. Doch durch den Kampf mit der Teigpython war diese immer länger geworden und passte nicht mehr auf das Blech. Ich legte sie also wieder ab und stauchte sie erst einmal richtig zusammen. Endlich hatte sie eine ofengerechte Form.

Nun sollte man die Teigwurst noch längs einschneiden, damit der Kranzkuchen seine typische Form bekommen sollte. Nun, was soll ich sagen – ging nicht. Die klebrige Teig wollte sich nicht schneiden lassen. Egal – ich ritzte ein wenig und dann ab in den Ofen. Es sollte ja noch Zuckerguss darüber kommen – mit Zuckerguss kann man vieles verdecken. In der Tat sah mein Kranzkuchen nach dem Backen aus wie ein überdimensioniertes Graubrot, doch der am nächsten Morgen großzügig aufgetragene Zuckerguss verschaffte dem unbedarften Betrachter den Eindruck, dass das so sein muss.

Blieb noch die Zitronencreme. Dazu sollte man Wasser, Zucker und Zitronensaft aufkochen, Stärke rein, abkühlen lassen, Sahne rein, fertig. Dumm nur, dass ich so dumm war: Natürlich weiß ich, dass man Stärke eigentlich immer erst mit etwas kaltem Wasser anrührt oder im Schüttelbecher aufschüttelt. Aber in Mutterns altem Backbuch stand das nicht. Da steht vieles nicht, weil man das ja eigentlich weiß. Und so donnerte ich meine Stärke fröhlich singend in die kochende Flüssigkeit und produzierte so einen glibberigen Zitronen-Stärke-Brocken. Kräftig rühren – die Brocken wurden kleiner, sie waren nur noch haselnussgroß. Noch mehr rühren – der Schneebesen qualmte. Brocken in Erdnussgröße. So ging das nicht. Ich hielt also kurzerhand den Pürierstab in meine brockige Zitronencreme. Das Ergebnis wurde so „naja“. Leider hatte ich keine Zeit, neue Zitronen zu kaufen, also musste es so gehen. Ich pürierte noch ein wenig und rührte später auch lange und ausgiebig die Sahne hinein. Die Creme schmeckte, war aber eindeutig nicht ganz cremig. Zum Glück waren die vielen Mandeln auf den Tortenböden – wahrscheinlich würden die Gäste gar nicht merken, worauf sie da herumkauen. Ich baute also meine Torte zusammen und lebte das Prinzip Hoffnung.

Und, was soll ich sagen? Beide Gebäcke wurden gegessen – klaglos. Und ein Gutes hatte dieses Back-Desaster auch noch: Ich habe endlich mal wieder meine Küche gefeudelt. Rosinen in Honig sind nämlich nichts, was man einfach so aufsaugen kann. Und liegenlassen kann man die auch nicht!

Lobrede auf ein Gemüse

Heute habe ich einen ruhigen Sonntag – und zwar ganz ruhig. Da ich gestern Besuch hatte, ist alles noch schön aufgeräumt und ich musste nicht mal kochen. Es hat nämlich noch allerhand Reste im Kühlschrank. Und während ich gerade Diverses davon verzehrte, fiel mir ein, dass dieses eine, besondere Gemüse irgendwie unterschätzt und literarisch viel zu wenig beachtet ist: die Zwiebel.

Es ist doch so: Wenn man eine Zwiebel da hat, ist am Essen schon mal Geschmack. Egal, ob Eintopf, Soße oder Dip – eine Zwiebel ist eine prima Grundlage für alles Mögliche. Brät man eine Zwiebel an, riecht es in der Küche so wunderbar, als hätte man beim Kochen schon wahre Meisterwerke vollbracht. Der Salat bekommt eine leichte Schärfe, der Eintopf wird würziger und sogar gegen Husten und Ohrenschmerzen hilft dieses vegetabile Wunder. Als Kinder ließen wir Zwiebeln wachsen, das war eine Unterrichtseinheit im Sachkundeunterricht. Mein Neffe hat das auch noch gemacht – die Zwiebel ist also auch für pädagogische Zwecke vortrefflichst geeignet.

Trotz all dieser offensichtlichen Vorteile gibt es natürlich Leute, die Zwiebeln aus dem einen oder anderen Grunde ablehnen: Weil man beim Schneiden weinen muss (was tatsächlich lästig sein kann), weil der Geruch gerne hängen bleibt oder weil man glaubt, den Geschmack nicht zu mögen. Nun, das sei jedem unbenommen, interessant sind aber die Fälle von Leuten, die Zwiebeln lieben, solange sie nicht wissen, dass sie da sind. So wie eine meiner liebsten Urlaubsbegleiterinnen, mit der ich vor Jahren unterwegs war. Wir hatten eine Ferienwohnung und da die Küche nicht rollstuhlgerecht war, übernahm ich das Kochen. Kerstin mampfte jeden Abend mit Genuss, sie lobte und hudelte meine einfachen Gerichte. Am letzten Abend jedoch sah sie mich eine Zwiebel schneiden: „Nein, bloß keine Zwiebel – Zwiebeln ess‘ ich nicht.“ Mir blieb nur, ein verblüfftes „Ach was?“ abzusetzen und weiterzuschnippeln. Sie hatte die ganze Woche Zwiebel gegessen und tat es auch an diesem Abend wieder.

Gestern und heute gab es also auch bei mir Zwiebeln – verarbeitet in einigen Dips. Wir essen nämlich bei unseren Spiel- und Filmtreffen immer total vielseitig und gesund, es gibt Gemüsesticks, Laugengebäck, manchmal Würstchen und immer Dips zum Eintunken. Ja, gut, Kuchen und Chips gibt’s auch, aber das läuft nicht unter Essen, sondern unter Knabberkram. Zum Essen gehörte bei mir dieses Mal ein Dip der Marke Eigenkreation, und dieser schmeckte, freundlich ausgedrückt, nach sehr wenig, bevor ich eine Zwiebel hineingab. Danach hatte die Paste tatsächlich Star-Qualitäten. Hier also, um diesem kleinen verzwiebelten Text noch ein wenig Mehrwert mitzugeben, das Rezept, frisch aus der Experimentierküche:

Schafskäse-Dip

  • ein Päckchen Schafskäse pürieren
  • ein Becher Créme fraîche reinmixen
  • eine dicke (rote) Zwiebel schnippeln und reinpürieren
  • ein winziger Rest Quark einrühren, wenn man hat (der musste weg)
  • einen Esslöffel Tomatenmark reinmixen
  • gehackte Walnüsse für den Crunch 😊

Zum Nachmachen empfohlen!

Musik von damals – Locomotive Breath

Es ist mal wieder Schreibworkshop-Zeit. Im Moment mache ich sogar gleich zwei Kurse, einen am Montag, einen am Dienstag. Und im Dienstags-Kurs hatten wir dieses Mal das Thema Musik und Rhythmus. Gleich die erste Aufgabe, die eigentlich „zum Warmschreiben“ gedacht ist, fand ich dieses Mal total gut. Denn wir sollten irgendetwas über ein Musikstück schreiben, das unser Leben irgendwie begleitet oder eine besondere Bedeutung hat.

Ich musste gar nicht lange nachdenken. Natürlich gab es in meiner Jugend Lieder von Künstlern, die ich teeniemäßig angeschwärmt und deren Bilder ich an meine Wand gepinnt habe. Es gibt auch eine Menge Musik, die mich jetzt begeistert. Aber es gibt wenige Lieder, die mich schon rund 40 Jahre lang begleiten. Also nahm ich den

Locomotive Breath

Das Klavier – leise zuerst, sanft. Die Gitarre – fast ein wenig hoch für meinen Geschmack. Klavier und Gitarre, zuerst melodisch, dann laut. Ich bin 15 und warte darauf, dass es endlich richtig losgeht. Ich warte auf die Stimme des Mannes, den ich nie schön fand, dessen Gesicht ich nie an meiner Wand haben wollte. Nicht mit 10, nicht mit 15. An meiner Wand hängen andere. Doch ich liebe diese Musik.

Die Stimme passt zu Klavier und Gitarre, zu Schlagzeug und Bass. Ich bin 29 und warte auf die Flöte, die die Stimme gleich ablösen wird – laut und energisch. Erst Stimme, dass Flöte – gleichzeitig singen und blasen kann nicht mal er.

Die Lokomotive nimmt Fahrt auf und rast durch mein Leben. Stimme, Flöte, Klavier und Gitarre, dazu Schlagzeug und Bass – sie machen, dass ich micch wohl fühle. Ich bin 42 und entdecke täglich alles neu. Auch dieses ewige Lieblingslied.

Inzwischen ist es ständig dabei, eine Datei auf meinem Handy. Handlich, praktisch und doch ken Stück kleiner. Stimme, Flöte und all die anderen packen mich immer wieder. Die Lokomotive ist immer noch kraftvoll unterwegs, mit ewigen Gewinnern und Verlierern. Ich lasse mich mitreißen und fühle die Kraft. Ich bin 49.

 

Nachtrag: Als vor einigen Jahren meine Freundin Birgit anrief und fragte, ob ich mit ihr und ihrem Holden zu einem Jethro Tull-Konzert gehen wolle, fragte ich erst mal ganz irritiert nach: „Leben die noch?“ Ja, es gab sie noch. Die Stimmen waren etwas dünner, das Haar ebenfalls – wobei ich letzteres jedoch ausgesprochen positiv fand.