Und bist du nicht willig…

…so brauch‘ ich Gewalt! Ja, liebe Leserinnen und Leser, ich bin tatsächlich gewalttätig geworden. Und ich habe geschrieen dabei – auf ihn mit Gebrüll. Ein Gewaltexzess, nach dem das Opfer zerstückelt in meinem Wohnzimmer lag – wobei eigentlich erst mal zu klären wäre, wer eigentlich das Opfer war, er oder ich.

Schweizer Taschenmesser

Er, das war mein alter DVD-Player. Der war schon länger etwas hakelig, aber mehr als ab und zu mal eine DVD abspielen sollte er ja auch nicht. Ja, ich weiß, heutzutage wird gestreamt, das mache ich auch ab und zu, aber ich habe eine Menge DVDs und wollte kürzlich eine gucken. Ging nicht. Das Gerät sagte nichts mehr und auch der Fernseher gab vor, den silberfarbenen Kasten im Regal unter ihm nicht zu kennen. Nun gut, der Player war in etwa 15 Jahre alt und zeitweise viel genutzt worden, nun also hatte er den Geist aufgegeben. Ich erwarb für kleines Geld ein neues Gerät, schloss das an und baute das Altgerät ab. Soweit, so gut. Doof war nur, dass in dem alten Kasten noch eine DVD drin war, und die wollte ich natürlich retten. Nur – ich bekam sie nicht heraus. Es war nix besonderes, ein alter Krimi. Ich hätte den mit wegschmeißen können. Aber das habe ich gar nicht eingesehen. Wo kommen wir denn da hin, wenn jedes Elektrogerät selbst entscheiden darf, was es alles mit in den Abgrund reißen darf?

Genau genommen war die Ausgabefunktion ja schon seit Jahren ein Schwachpunkt des alten DVD-Players. Man musste ihn schon sehr darum bitten, das kleine Schubfach zu öffnen. Nun öffnete sich nichts mehr. Ich dachte also, ich mache das mal eben manuell, kann ja nicht so schwierig sein bei so einem Plastikteil. Oh, oh, da hatte ich meine Rechnung aber ohne den Hersteller dieser Wertarbeit gemacht!

Ich nahm meinen alten DVD-Player vom Strom und hakte mit einem Messer in das kleine Fach für die DVD ein. Ich war vorsichtig und respektvoll, schließlich hatte das Gerät mir lange Jahre gute Dienste geleistet. Er zeigte sich von dieser meiner Rücksichtnahme unbeeindruckt und hielt die Klappe. Ich hebelte etwas fester, das Messer bog sich. Komisch eigentlich, McGyver hat mit genau so einem Instrument mehrmals die Welt gerettet, und ich kriege damit nicht einmal ein DVD-Fach auf. Ich beschloss, die Kiste aufzuschrauben. Schraubenzieher suchen, finden, losdrehen – so dachte ich mir das. Doch leider waren die Schrauben ÜBERHAUPT nicht zu lösen. Eine bekam ich ab, sieben nicht. Also gar nicht.

Allmählich wurde ich sauer. Ich nahm einen dickeren Schraubenzieher zur Hand und rammte den energisch unter das DVD-Fach, hebelte und frampte. Endlich, ein Knacken. In der Hand hatte ich ein silbernes Plastikteil, doch mein konsternierter Blick fiel nun auf ein zweites Plastikteil, in schwarz dieses Mal. Dahinter irgendwo klemmte meine DVD. Das schwarze Teil bewegte sich überhaupt nicht. Mit Wucht und Gewalt riss ich die ganze Plastikfront des DVD-Players ab. Dabei fielen mir seine Eingeweide in Form von Kabeln entgegen, die ich kurzerhand kappte – die Zeit der Rücksichtnahme war endgültig vorbei. Ich guckte hinein – innen verbaut war ein solider Metallkasten. Kein Wunder, dass das Ding so widerstandsfähig war. Ich hebelte herum, inzwischen begleitet von angestrengtem Grunzen sowie lauten Unmutsbekundungen. „Du Scheißteil! Nun geh auf! Ich werd‘ echt sauer!“ Stückchenweise gab der Kasten nach. Inzwischen setzte ich mein ganzes Lebendgewicht ein, und das ist bekanntlich nicht wenig. Irgendwann, endlich, gab das vordere Plastikteil ein wenig nach: zwei Zentimeter vielleicht. Immerhin konnte ich meine DVD jetzt sehen. Ich ackerte weiter, noch ein Zentimeter. Himmelherrgottnochmal, warum reicht mir keiner eine Axt? Zum Glück besitze ich keine. Weitermachen, kämpfen – da, noch ein Stückchen. Ich hob die zerstückelte Leiche meines DVD-Players hoch und schüttelte ihn kräftig. Und tatsächlich, er gab auf und spie mir seinen Schatz auf’s Parkett. Da lag sie, meine DVD. Ob sie noch zu gebrauchen ist, probierte ich nicht – ich musste mich erst mal ausruhen.

Kleine Flieger

Im Zuge meiner großen Fotowut in den letzten Tagen habe ich auch zwei kleine Flieger erwischt. Ich habe sie ja wirklich nicht gerne in der Wohnung, aber auf irgendwelchen Blättern finde ich sie ausgesprochen fotogen.

Wespen gab es kaum noch, als ich Anfang September mit meiner Schwester unterwegs war. Ich habe sie auch in diesem Sommer nicht so als Plage empfunden wie in den letzten Jahren. Das mag natürlich auch daran liegen, dass ich nicht so viel draußen war.

12 Quadratmeter

Im Schreibworkshop ging es um Erinnerungen. An irgendein Zimmer oder eine Örtlichkeit sollten wir zurückdenken. Nun ja – kein Problem:

12 Quadratmeter

12 Quadratmeter mitten im Haus. Wenn ich ins Bett musste, stand die Tür einen Spalt breit offen, ließ Licht und Geräusche hinein. Das Licht fiel auf Spielzeug auf dem braungemusterten Teppich, auf den kleinen Spieltisch und die winzigen, von den Cousinen geerbten Stühle. Die Geräusche kamen von meinen Eltern, meiner großen Schwester oder dem Fernseher. So wusste ich, dass sie da sind und brauchte mich nicht zu fürchten in meinem gelben 70er-Jahre-Bett.

Ach ja, das alte Bett. Es gehörte zu einem weiß-gelben Set an Möbeln: Kleiderschrank, Utensilienschrank mit Schreibklappe, Bett mit Bettkasten. Es war ein sogenanntes Jugendzimmer, nur dass es von so minderer Qualität war, dass es mein Jugendalter gar nicht erreichte. Die irrwitzige Mischung aus Sperrholz mit Plastikauflage hing bald schon an allen Ecken und Enden durch, brach und wackelte. Dabei war ich doch damals noch ein Fliegengewicht.

Im Kinderzimmer – sogar noch vor der Zeit der gelben Möbel. Der Puppenkoffer lud dazu ein, sich einfach platzsparend hineinzusetzen.

Als die dicken Schrauben, die mein Vater hineindrehte, nichts mehr halfen, wurde zuerst das Bett gegen eine grüngestreifte Liege ausgetauscht, die bei irgendjemandem übrig war. Dann wurden die Möbel ersetzt, die Liege bekam irgendjemand anderes, ich ein neues Jugendzimmer. 13 war ich da, und dieses Mal wurde ich sogar gefragt, was ich haben wollte. Es wurde rundum aussortiert: Lego und Kuscheltiere verschwanden auf dem Dachboden und das winzige Zimmer wurde mit Kiefernmöbeln vollgestellt. Größer wurde es dadurch nicht, und noch immer lag es mitten im Haus, im Erdgeschoss, in unmittelbarer Nähe zu meinen Eltern.

Selten blieb die Tür jetzt noch geöffnet, ich hatte sie lieber zu, sodass niemanden die Musik aus meinem Radiorecorder störte. Zwei Korbsessel hatte ich ebenfalls, nicht bequem, aber unheimlich erwachsen, mit Blick aus dem Fenster. Hier saß ich beim Lesen oder Stricken, sah ab und zu hinaus, wenn einer der Nachbarssöhne den großen Rasen gegenüber mähte oder wenn dort Fußball gespielt wurde. Irgendwann wurde auf diesem Grundstück ein Haus gebaut. Aber da war ich schon älter, meine ältere Schwester war ausgezogen und ich bekam ihr großes Zimmer im ersten Stock.

Mein kleines Zimmer, die 12 Quadratmeter mitten im Haus, wurden zum Büro und Gästezimmer. Damit war es eigentlich auch völlig ausgelastet.

Nachbemerkung: Ich habe tatsächlich – auch im Album meiner Schwester – kein Foto dieses weiß-gelben Kinderzimmer-Ungetüms finden können. Schade …

Septemberblumen

Es ist September und ich habe noch gar keinen Blumenpost für diesen Sommer – fast schon ein Skandal. Nur gut, dass ich so viel draußen war in den letzten Tagen – hier kommen sie also:

Zuerst eine Leeraner Regenrose:

Alle anderen Fotos entstanden im Vogelpark Walsrode, wo die gepflegten Anlagen mir als Blumenfreundin auch allerhand zu bieten hatten. Hier eine Strauch- oder Rispenhortensie, von denen es noch erstaunlich viele gab, die gerade erst anfingen zu blühen:

Rispenhortensie, Strauchhortensie

Als nächstes kommen die Lieblinge meiner Schwester, die im Vogelpark in großen, kunterbunten Beeten wuchsen. Es sieht für mich nach einer Rudbeckien-Mischung aus – zumindest fällt mir nichts anderes dazu ein.

Und wo wir schon gerade bei Lieblingsblumen sind, kommt als nächstes eine gelbe Rose. Das waren die Lieblingsblumen unserer Eltern. Schon der erste Strauß, den unser Vater unserer Mutter mitbrachte, bestand aus gelben Rosen, und das hat er später noch sehr oft wiederholt.

Die Gegend, in der ich geboren wurde, ist bekannt für ihre Vielfalt an Rhododendren und Azaleen. Die Rhodozeit war im September doch vorbei, aber hier und da fanden sich noch einige Azaleen, die mehr zu bieten hatten als verblühte Reste. Hier ein Modell in Flieder:

Die nächste Rose reckte sich aus einer als Bauerngarten angelegten Anlage frech durch die Hecke. Sie schien mich geradezu anzuschreien, ich möge sie fotografieren, soll heißen, sie schlug mir vor den Bauch. Manche sind wirklich nicht zu bremsen …

Und zuletzt noch etwas, von dem ich gar nicht weiß, was es eigentlich ist. Wahrscheinlich nix Besonderes und auch schon halb verblüht. Dafür aber noch mit Morgentau bedeckt und irgendwie freundlich. In der Bildbeschreibung steht jetzt einfach „Blume“.

Ich wünsche euch allen einen schönen letzten Septembertag – macht es euch nett!

Besuch in Leer

„In Aurich ist’s schaurig, und in Leer noch viel mehr!“ Jeder, der in meiner Ecke aufgewachsen ist, kennt diesen dummen Spruch. Zumindest, was Leer angeht, kann ich das allerdings nicht bestätigen. Ich fahre mit meiner Schwester immer gerne in eine der kleinen ostfriesischen Städtchen und dieses Mal stand das an Ems und Leda gelegene Leer auf unserer Route. Und eines war tatsächlich so wie fast immer: Ostfriesland erwartete uns mit echtem norddeutschem Schietwetter. Darauf gab es erst mal einen Tee – schließlich ist Leer eine Teestadt (im Hintergrund der freundlichen Statue sieht man das Stammhaus der Firma Bünting). Dazu verschnabulierte ich einen der besten Apfelkuchen, die ich je hatte: mit Schmand und Walnüssen.

Teestadt Leer

Es war schwül und nieselte eine ganze Weile etwas unmotiviert vor sich hin – zu wenig, um reinzugehen, aber zu viel, um ganz entspannt draußen herumzulaufen. Wir machten also erst mal einen Stadtbummel, gingen in wenige Geschäfte und liefen durch die niedliche kleine Altstadt – unter anderem vorbei an dem Restaurant, in dem meinem ewig hungrigen Neffen einmal ganze 14 Pommes zu seiner Currywurst serviert wurden. Er war so empört darüber, dass uns diese Episode wohl ewig im Gedächtnis bleiben wird.

Altstadt in Leer

Gerade rechtzeitig entschlossen wir uns zu einer weiteren Einkehr und wählten einen Platz unter einem großen Schirm. Kaum saßen wir, beschloss der Wettergott, dass das sachte Gefiesel uns, was Wasser angeht, nicht so recht weiterbringt, und der Himmel öffnete alle Schleusen. Es regnete, dass es nur so spritzte. Danach war es dann aber auch gut, der Himmel riss auf und wir zogen weiter in Richtung Hafen. Leer hat eine sehr schöne Uferpromenade entlang des Museumshafens, an der man spazieren gehen, auf Bänkchen sitzen, eine Rundfahrt machen und Boote beobachten kann. Besonders gefiel uns das winzige Böötchen mit dem Namen „Kerlke“: ganz klein, aber doch alles dran.

Hafen in Leer

Es war ein entspannter Tag im hübschen Leer, der uns ganz zum Schluss sogar noch ein wenig Sonne gönnte. Ich habe an meiner Lust am Fotografieren gemerkt, dass ich dieses Jahr noch viel zu wenig unterwegs war – Corona sei Dank. Ich habe deshalb auch noch eine rosa Rose für euch, denn auf Regen folgt Sonne.

Rose

Besuch im Vogelpark Walsrode

Nach langen Corona-Monaten habe ich es gewagt, wenig frequentierte Züge ausgesucht und mal wieder meine wunderbare Schwester nebst Familie besucht. Aus einer plötzlichen Idee heraus beschlossen wir, wieder einmal den Vogelpark in Walsrode zu besuchen. Da waren wir zuletzt 1982 – da war ich süße 12. Ich hatte gute Erinnerungen an den Park, und gut war es auch dieses Mal. Da es sehr leer war – man musste die Karten vorbestellen und es sind auch keine Ferien mehr – konnte ich viele schöne Fotos machen, die ich in GIFs verpackt habe, um ein paar mehr zeigen zu können.

Vögel: Störche, nchuhschnabel, Pelikan, Eule

Charakterköpfe: Störche, Schuhschnabel, Pelikan, Eule

Wir kamen vormittags am Park an und genossen zunächst einmal die frische, feuchte Luft. Die Anlage ist eingebettet in einen Wald und wirklich schön gelegen. Um sie zu erreichen, muss man vom Parkplatz aus über eine Brücle laufen – das hatte ich gar nicht mehr gewusst. Am Eingang bekamen wir einen Parkplan, der wirklich sehr übersichtlich war, was ja leider nicht überall der Fall ist. Wir hielten uns brav an den Rundgang und wackelten los. Relativ weit vorne gibt es eine kleine Pinguinanlage.

Pinguine

Überall im Park verteilt traf man auf verschiedene Arten von Pelikanen. Ich mag ja diese großen, würdevollen Vögel, und einige von ihnen schienen tatsächlich die Parkbewohner zu mögen: Sie drehten sich geradezu in Position, um fotografiert zu werden. Schnabel auf, Schnabel zu, rechts, links, Bein strecken, mit den Flügeln schlagen, bisschen schwimmen. Ich tat ihnen den Gefallen und knipste viel.

Pelikane

Ebenfalls verteilt auf mehrere großzügige Anlagen fanden sich diverse Flamingos. Ihr Federkleid war unterschiedlich gefärbt, von zartrosé oder fast weiß bis hin zu einem kräftigen Orange. Das ist wohl auch stark davon abhängig, was die Vögel hauptsächlich fressen – zumindest wurde es auf einer der Tafeln so erklärt. Wahrscheinlich vertragen sie keine Rote Beete, ansonsten könnte das ein interessantes Bild geben.

Flamingos

Wir schlenderten gemächlich durch den Park. Es gibt überall genügend Bänke, Kioske, Sanitäranlagen und was auch immer man sich wünscht. Auffällig ist, dass die Gebäude alle sehr liebevoll gestaltet sind und sich schön ins Gesamtbild einfügen. Freianlagen für große Vögel wechseln sich mit kleineren Käfigen für teilweise winzige Vögelchen ab, es gibt große Freiflughallen und verschiedene Häuser für Exoten. In einer der Hallen machte ich die Bekanntschaft einer Henne – nach Google-Recherche wohl eine Straußwachtel. Diese suchte eindeutig Kontakt, und das auch noch, nachdem sie begriffen hatte, dass von mir außer guten Worten nichts zu erwarten war. Kein Futter, kein nix. Sie latschte gemütlich mit mir mit, wartete, wenn ich stehen blieb und zeigte mir ihr Reich. Wir mochten einander.

Hühnervögel, Straußwachtel, roter Sichler, rosa Löffler

verschiedene Hühnervögel, Straußwachtel, roter Sichler, rosa Löffler

Auch allerhand Exoten gab es natürlich zu bestaunen. Die flinken, winzigen Kolibris haben ein eigenes Haus, ließen sich aber nicht von mir knipsen. Die Aras und Papageien machten ein Mordsgetöse, die Keas hüpften neugierig ans Gitter und wollten Freundschaft schließen. Allerdings wurde an einigen Gehegen ausdrücklich davor gewarnt, zu nah ranzugehen, weil einige der freundlich wirkenden Gesellen wohl auf das Brechen von Fingerknochen und das Anhacken von neugierigen Nasen spezialisiert sind. Auch hier hielten wir also brav Abstand. Trotzdem knipste ich eine bunte Mischung von bunten Südländern, habe mir aber nicht genau notiert, wie die jeweils hießen.

Tukan, Hornvogel, Kuckuck

Exoten: Auf jeden Fall dabei ein Tukan, Hornvogel und Kuckuck

Es war ein wunderschöner, entspannter Tag im Vogelpark. Ein bisschen habe ich bedauert, dass ich kein Kind mehr bin, denn genauso liebevoll wie die ganze Anlage sind auch die Spielplätze gestaltet. Es gibt unter anderem einen Wasserspielplatz, eine „Baumhauswelt“ und einen wirklich tollen Abenteuerspielplatz mit Türmen, Rutschen und Seilbahnen – toll. Da hätte ich früher bestimmt gerne gespielt.

Auch noch wichtig: Der Park scheint weitestgehend barrierefrei zu sein. Zwar hatten wir dieses Mal niemanden im Rollstuhl dabei, sodass man es nicht Schritt für Schritt selber nachvollziehen konnte, aber es waren allerhand Rollifahrer selbständig unterwegs. Bei einigen Brücken – unter anderem der zum Eingang – ist es sicher gut, wenn jemand anschiebt, aber mir fielen keine Stellen auf, an denen der Zugang nicht möglich erschien.

Ach ja, eines noch: Mit 24 Euro ist der Eintritt nicht unbedingt ein Schnäppchen. Ich finde aber, dass es sich lohnt, diesen Eintritt für den weltgrößten Vogelpark zu bezahlen.

Im Schwimmbad

Eine Übung aus dem Schreibworkshop: Wir sollten über ein kleines Erlebnis aus den letzten Tagen schreiben, aber nicht aus der Ich-Perspektive. 12 Minuten waren Zeit. Huch – was nehmen? Nun ja – ich war mal wieder schwimmen. Und wäre fast ersoffen …

Im Schwimmbad

Sie hatte eine Karte für das Schwimmbad ergattert. Freitagnachmittag ab 15 Uhr durfte sie in das Bad, nicht selbstverständlich in diesen Pandemie-Zeiten. Also hatte sie zugeschlagen, einen Termin am späteren Nachmittag kurzerhand verschoben und ganz früh Feierabend gemacht. Ihr reichte es, die Woche war lang gewesen und ihr Rücken krachte. Überhaupt fühlte sie sich zur Zeit des Öfteren so, als sei sie 30 Jahre älter als die 50, die sie auf dem Buckel hatte. Sie bewegte sich zu wenig – 5 Monate Homeoffice hinterließen allmählich ihre Spuren.

Schwimmbad meiner Kindheit – hier war ich im Schwimmverein

Im Schwimmbad war es nur mäßig gefüllt, die Tickets waren streng limitiert. Das war ihr gerade recht, sie liebte es, einfach nur gemächlich im tiefen Wasser herumzupaddeln und die Gedanken ziehen zu lassen. „Aushängen“ nannte sie das immer. Es tat ihr gut und in ihrem ganz eigenen, gemächlichen Tempo schwamm sie dabei stets ein ordentliches Stück.

Als der Ball vor ihrer Nase ins Wasser platschte, erschrak sie ein wenig. Sie war gerade ganz weit weg gewesen, allein mit sich und ihren Gedanken, Zwei, drei schnelle Armzüge brachten sie zu dem bunten Kinderball mit den Elefanten drauf. Lässig ergriff sie den Ball, um ihn zurück zu den beiden Kindern zu werfen, die am Rand standen. Noch in der Bewegung schoss ihr ein Schmerz in den Rücken, der ihr den Atem raubte. Der Ball flog, sie sank. Eine kurze Panik, Luft anhalten, ruhig bleiben. Ausatmen, den Schmerz verbeißen. Björns Stimme in ihrem Kopf – wenn mal was ist beim Schwimmen, auf den Rücken legen, atmen, ausruhen. Guter Björn, wo magst du heute wohl sein? Er war ihr Schwimmtrainer gewesen, einige Jahre bevor der unglückliche Sturz ihre Wirbelsäule verletzte und jetzt, mehr als 30 Jahre später, manchmal diesen Schmerz in ihren Körper schießen ließ.

Auf dem Rücken liegend schwamm sie an den Rand, griff nach oben, dehnte sich. Es knirschte. Alles wieder gut.

Fundstück 71: gesegnete Modesünde

Dieses kleine Fundstück begegnete mir in meinem eigenen Fotoalbum. Es ist schon komisch: 36 Jahre lang ist mir das nicht aufgefallen. Und jetzt könnte ich mich darüber kaputtlachen – über diese Modesünde aus dem Jahr 1984.

Natürlich wissen wir alle, dass die Mode der 80er Jahre sehr speziell war. Über weiße Tennissocken wurde viel gespottet, kürzlich hörte ich, dass sie wieder auf dem Vormarsch sind. Was mir bislang jedoch noch nicht wieder unterkam, sind weiße Söckchen zu schwarzen Schuhen und Röcken oder Hosen – so wie es mindestens die Hälfte der Mädchen auf meiner Konfirmation trug. Einige hatten sogar Socken mit einem kleinen Umklapprand mit Spitze daran, das war wahrscheinlich der neueste (oder zumindest der lauteste) Schrei.

Ich gehe davon aus, dass die Sockensituation bei den Jungs nicht besser war, allerdings fiel es bei ihnen wohl erst im Sitzen auf, wenn sich die Hosenbeine hochzogen. Natürlich machten auch nicht alle diesen unseligen Trend mit – ich wurde von meiner Mutter zum Glück anders beraten. Allerdings trug ich Sandalen …

Der Himmel auf Erden – Haikus

Als Aufwärm-Übung sollten wir im Schreibkurs ein Haiku schreiben zum Thema „Der Himmel auf Erden“. Da ich mal wieder nicht an mich halten konnte, schrieb ich gleich drei, die alle irgendwie in die gleiche Richtung gehen: Sie haben jeweils etwas mit Zeit und kulinarischem Genuss zu tun.

Heute ist ein solcher Tag, der der totalen Zufriedenheit schon sehr nahe kommt, deshalb poste ich sie gleich alle drei.

Und zur Erinnerung – Haikus sind japanische Kurzgedichte, die einem bestimmten Schema folgen müssen: Insgesamt drei Zeilen, die erste mit fünf, die zweite mit sieben, die dritte wieder mit fünf Silben.

Der Himmel auf Erden

1. Nach dem Aufwachen

Ein Tag ohne Plan,
Milchkaffee ohne Limit
und viel Zeit für mich.

2. Nach dem Frühstück

Einfach unverplant
in den Tag hinein träumen
und abends Sushi.

3. Abends

Ein kühles Glas Wein,
Schokolade halbbitter
und leise Musik

 

Nachbemerkung: Keine Sorge, ich gebe mich heute nicht der sinnlosen Völlerei hin. Zu essen gibt es ganz bodenständig Nudeln mit selbst gekochter Tomatensoße und es ist auch nur noch ein Glas Wein in der Flasche. Schöne Musik läuft bereits (Schiller), ich habe schon ein ganzes Stück an meinem Jackenärmel gestrickt und habe jetzt Zeit zum Schreiben. Das reicht für einen perfekten Tag.

Nachbemerkung 2: Nein, ich habe keinen Plattenspieler mehr. Aber CDs oder Streaming machen sich auf Fotos einfach nicht gut.

Nachbemerkung 3: Jaja, ich weiß, ich bin ein Stubenhocker. Aber wer weiß … in einem nächsten Leben schreibe ich vielleicht auch mal was über Sport …

Hommage auf ein Suppenhuhn

Ich esse gerne Huhn – mal als Suppe, mal als Frikassee. Zuhause bei Muttern gab es das regelmäßig. Wir wohnten auf dem Land und Hühner erhielten wir oft von Bekannten. Das waren dann „echte freilaufende Hühner“, die in Gärten herumgelaufen waren, mit Garten- und Küchenresten gefüttert wurden, Eier gelegt hatten und irgendwann, nach einem langen Leben als Legehenne, im Topf landeten. Diese Hühner waren prima, an ihnen war ordentlich was dran und meine Mutter verstand es, sie wunderbar zuzubereiten.

Bild zur Verfügung gestellt von Ute Zimmermann, http://www.pixelio.de

In Sachen Zubereitung gehöre ich inzwischen auch zu den Fortgeschrittenen, doch leider ist das mit den guten Hühnern nicht mehr so einfach. Die komischen, kleinen Tierchen vom Rewe sind zwar spottbillig (ich konnte es kaum glauben, als ich einmal eines kaufte), doch es ist kaum was dran. Das Wenige, was dran ist, schmeckt nach nichts und ich glaube nicht, dass die mal irgendwo herumlaufen durften. Die nächste Idee, die ich hatte, war der Wochenmarkt am Südbahnhof. Dort gibt es einen Geflügelwagen und der hat auch Suppenhühner. Für ein Hühnchen von einem knappen Kilo Gewicht gab ich dort legendäre 18 Euro aus und das Tier schmeckte nicht besser als eines vom Rewe. Das war also auch nichts.

Als letzte Idee fragte ich bei meinem Lieblings-Fleischwagen auf dem winzigen Oberräder Wochenmarkt an: „Habt ihr auch Suppenhühner?“ Ich könne eines bestellen, bekam ich zur Antwort, dann würde man bei einem Bekannten fragen, ob der gerade welche hat. Das fand ich ja schon mal gut, denn wenn alles sofort verfügbar ist, bin ich bei Frischware immer etwas im Zweifel ob der tatsächlichen Frische. Ich bestellte also mein Hühnchen.

Und tatsächlich, ich bekam eines: 1.500 Gramm für – wie ich fand – moderate 13 Euro. Das sei aber jetzt das Letzte, erfuhr ich, die nächsten kämen erst im Herbst. Gut, so oft muss es ja auch kein Huhn geben. Froh trug ich meine Beute heim und machte mich dran, das wirklich schöne Huhn zu verkochen. Es war zwar kein Riesenhuhn wie seinerzeit die legendären Hennen von Leni von Loy, auch keines wie die liebevoll gehüteten Hühnchen von Papas hochbetagtem Kumpel Emil, aber es war ein sehr gutes Huhn.

Einige Tage später erzählte ich einer Freundin von meinem Kauf. Sie fand diese 13 Euro viel zu teuer, es blieb ihr fast die Luft weg. So viel Geld für ein kleines Geflügel, das könne sich ja gar nicht jeder leisten. Gut, ja, das mag stimmen, Einkäufe auf dem Wochenmarkt, egal ob Fleisch oder Gemüse, sind deutlich teurer als beim Discounter. Wenn ich aber mal rechne, was aus meinem Hühnchen geworden ist, sieht die Sache für mich deutlich anders aus: Ich kochte mein Huhn mit einem Bund Suppengemüse in einem großen Pott Wasser. Daraus entstand ein großer Pott Brühe. Einen Teil davon verarbeitete ich mit einem Großteil des Fleisches zu vier Portionen Frikassee, aus der restlichen Brühe wurde – unter Beigabe von diversem Gemüse und einem Becher Reis und ein ganz wenig vom Hühnerfleisch – ein leckerer Eintopf, der mich ebenfalls vier Mal satt machte. Ganz grob und sehr großzügig gerechnet kamen zu meinem Huhn von 13 Euro noch Zutaten für maximal 17 Euro dazu (Suppengrün, Kohlrabi, drei dicke Möhren, ein halber Blumenkohl, ein paar Tiefkühlerbsen, Reis und zwei kleine Gläser Spargel, außerdem natürlich Pfeffer und Salz). Ich hatte also acht Mal ein gutes und leckeres Essen für maximal 30 Euro – das finde ich wahrlich nicht viel. Wenn ich in Nicht-Corona-Zeiten mittags in die Kantine gehe, gebe ich im Schnitt das Doppelte aus.

Für mich hat sich mein Hühnchen bezahlt gemacht. Ich gebe lieber ein bisschen mehr aus und habe dafür etwas Gutes, als dass ich mich hinterher ärgere, weil das, was ich günstig gekauft habe, keine gute Qualität hat. Dazu kaufe ich auf unserem Wochenmarkt auch noch sehr regional ein, was mir gut gefällt. Ja, einiges ist teurer als im Supermarkt – deutlich teurer sogar. Aber ich weiß bei Vielem, was es dort gibt, wo es herkommt und auch, dass die Leute, die es angebaut haben, vernünftig bezahlt wurden.

Und ja, ich weiß, dass diese Art, einzukaufen, vielen Menschen nicht möglich ist. Gerade Leute, die im Bezug von Grundsicherung sind, erhalten viel zu wenig Geld fürs Essen, da die Sätze künstlich klein gerechnet werden. Das ist aber leider nichts, worauf ich – im Gegensatz zu meinem eigenen Einkaufsverhalten – Einfluss habe.