Kugelexperimente in klein

Wie berichtet, habe ich mir eine kleinere Fotokugel angeschafft. Die 10 cm-Kugel bringt wirklich schöne Ergebnisse, wiegt aber mehr als ein Kilo und ist somit für längere Ausflüge schwer zu tragen. Deshalb habe ich mir eine kleinere Kugel mit nur 6 cm Durchmesser gekauft. Die wiegt nur 400 Gramm und passt in die Jackentasche. Bei unserem Ausflug in den Palmengarten habe ich sie zu ersten Mal ausprobiert.

Ich hatte nicht so viel Gelegenheit, die Kugel auszuprobieren, konnte aber feststellen, dass es mit der kleineren Kugel deutlich schwieriger ist, einen Focus zu finden. Mehr Fotos wurden unscharf. Teilweise schienen die Motive sogar wie in einem wilden Wirbel dargestellt zu sein. Da kann natürlich auch an den Motiven gelegen haben – ein Blütenmeer sieht in der Kugel vielleicht wirklich wie ein Strudel aus.

Einige Fotos entstanden am Schiffchenteich, an den Antje viele Kindheitserinnerungen hatte. Wir haben dieses Mal auf das Schiffchenfahren verzichtet. Aber auch mir ist allerhand zum Thema Tretboot eingefallen – auch wenn es lange her ist, war es doch immer ganz schön. Leider habe ich die Böötchen hier nicht ganz scharf hingekriegt.

Coming soon – die 7-Kräuter-Lesung

Heute: Schnittlauch Meike Möhle liest bei der „7-Kräuter-Lesung“ der Autorengruppe ARS am 29. April 2017 eine Geschichte über den Schnittlauch. Das Kraut ist in der Küche vielseitig verwendbar: fein geschnitten in Salaten, Suppen, Eiergerichten oder Majonäse. Schnittlauchbutter auf Brot ist ist unglaublich lecker. Früher nahm man an, dass Schnittlauch der Schlaf störe und das Sehvermögen […]

über Frankfurter Grüne Soße — Autorengruppe ARS

Rote Beete-Suppe: fremd-vertraut

Rote Beete Suppe, Rezept

Drei Rüben und vier Kartoffeln in Rinderbrühe

Ich habe mal wieder gekocht. Wie fast immer ohne Rezept, einfach aus dem Bauch heraus und mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes (jaaaa, doch, das habe ich, auch wenn böse Zungen was Anderes behaupten!).

Aus einer Laune heraus kaufte ich am Samstag drei rote Beeten. Die gab es früher zuhause oft: Meine Mutter bekam sie in großem Stil von gärtnernden Bekannten vermacht, kochte sie und legte sie süß-sauer ein. Ich mochte dieses Gemüse immer und half auch gerne bei der Zubereitung: Zum einen, weil ich frisch gekochte rote Beete „ohne alles“ gerne esse, zum anderen, weil das Schälen von gekochten roten Beeten wirklich Spaß macht: Wenn man Glück hat, lässt sich die Schale einfach so abstreifen und wenn man doch mit dem Messer helfen muss, ist das sehr schnell gemacht.

Ich wollte eine Suppe kochen. Das habe ich noch nie gemacht und auch noch nie gegessen, aber so schwer konnte das nicht sein. Im Internet guckte ich nach der Kochzeit der Rüben – zwar weiß ich, wie die sich in etwa anfühlen müssen, wenn sie fertig sind, aber alle fünf Minuten mit dem Messer reinpieken war mir dann doch zu lästig. Das kluge Internet meinte, ich solle die doppelte Kochzeit von Kartoffeln einplanen – das erste Mal piekte ich also nach rund einer dreiviertel Stunde in meine Rüben und fand sie noch zu hart. Nach einer guten Stunde goss ich sie ab. Der Geruch war so vertraut, dass ich unwillkürlich an unsere hellbraune Küche zuhause denken musste. Den Topf verwendete ich gleich weiter, um vier sehr dicke Kartoffeln zu kochen – nur rote Beete schien mir zu wenig als Grundlage für meine Suppe.

Erstaunt hat mich wie so oft die unglaubliche Farbe der roten Beeten: Dieses tiefdunkle Burgunderrot, dass sich auch durch das Zufügen von Kartoffeln nicht beirren lässt, ist schon toll. Es macht richtig Spaß, die pürierten Kartoffeln und die Sahne zuzugeben und langsam einzurühren, denn zuerst strudelt es schön bunt und dann kann man die endgültige Farbe bewundern. Allerdings bestand im Internet bezüglich der Färbekraft der Rüben eine gewisse Hysterie, es wurde einem nahegelegt, auf jeden Fall mit Gummihandschuhen zu arbeiten, weil die Farbe sonst niiiiie wieder abgehen würde. Das ist Quatsch, allerdings sollte man mit der Kleidung aufpassen – in einer weißen Bluse hätte ich diese Suppe nicht gekocht.

Wie üblich brutzelte ich auch eine Art Einlage für meine Suppe zusammen – ich mag es nicht, wenn ich nur eine Cremesuppe ohne etwas zum Kauen auf meinem Teller habe. Noch habe ich Zähne 😊

Insgesamt ist meine Suppe wunderbar lecker geworden. Die Zutaten waren:

  • 3 rote Beeten, püriert
  • 4 dicke Kartoffeln, püriert
  • Etwa 1 Liter Rinderbrühe für Faule (aus dem Glas)
  • 250 ml Kochsahne mit 15% Fett

Für die Einlage:

  • 1 dicke Zwiebel
  • 200 g gegrillte Hähnchenbrust (Aufschnitt, musste weg)
  • 1 Glas Pilze

Und natürlich Pfeffer und Salz.

Frohe Ostern, buntes Blütenfest!

Dieses Jahr hatte ich am Karfreitag Geburtstag und war aus diesem Anlass mal wieder mit meiner lieben Freundin Antje unterwegs. Und, was soll ich sagen, das Wetter, wenngleich als eher grauslich für das Osterwochenende prognostiziert, spielte wunderbar mit. Wir nutzten die Sonne und gingen in den Palmengarten – was für ein Frühlingsblütenmeer!

Der Frankfurter Palmengarten liegt mitten in der Stadt im Stadtteil Bockenheim. Es ist nur eine kurze Strecke zu laufen von der Haltestelle Bockenheimer Warte – und der Weg lohnt sich über alle Maßen für diese grüne, bunt-blühende Oase.

Frankfurter Palmengarten

Dieses Mal waren es natürlich die Frühlingsblumen und die blühenden Bäume. die das Bild bestimmten. Zwar waren die Krokusse dieses Jahr sehr früh dran und dementsprechend schon verblüht, doch Tulpen und Vergissmeinnicht waren in ihrem Element. Außerdem natürlich Vieles, was mir vom Namen her gar nicht bekannt ist.

Wie so oft interessierten mich auch die Innenansichten der Blüten – ich finde es manchmal fast hübscher als die Blüte als großes Ganzes. Wobei „groß“ bei Blüten natürlich relativ ist …

Frankfurter Palmengarten, Tulpenblüte

In einem Teil des Parks, der sich wie so vieles in Frankfurt auf Goethe bezog, gab es allerhand blühende Obstbäume zu sehen. Angeblich soll Goethes Frau Mama auf irgendeiner Scholle auf dem Gebiet des Palmengartens Obst geerntet haben. Nun, es wäre auch erstaunlich, wenn der gute Mann ausgerechnet hier nichts zu schaffen gehabt hätte 🙂

Leider habe ich meine Lieblingsbaumblüte in diesem Jahr fast verpasst: Zwar blühten die Magnolien sehr kräftig dieses Jahr, doch in der Hektik des Alltages bin ich irgendwie nicht zum Knipsen gekommen. Diese hartnäckige Mandelentzündung hat natürlich auch nicht unbedingt geholfen. Dieses Exemplar ist leider schon fast „rum“.

Frankfurter Palmengarten, Magnolienblüte

Zum ersten Mal so richtig aufgefallen ist mir ein Gewächs namens „Storchenschnabel“ (zumindest stand das auf dem Schildchen). Die Blüten sind ausgesprochen attraktiv und die Pflanze scheint auch an unwirtlichen Plätzen sehr gut zurecht zu kommen.

Frankfurter Palmengarten,Storchenschnabel

Interessant ist auch immer wieder der Blick aus dem Garten in die Stadt. Mal sieht man den wie einen Bleistift geformten Messeturm, dann wieder den Fernsehturm, den sogenannten „Spargel“.

Frankfurter Palmengarten,Spargel

Noch viele wirklich schöne Fotos entstanden gestern, doch für heute soll es genug sein. In einigen Tagen werde ich noch ein paar Bilder zusammensuchen, denn ich habe mal wieder experimentiert. Jetzt bleibt mir jedoch erst mal nur, euch allen schöne Ostern zu wünschen – mit oder ohne Hasen.

Frohe Ostern

Verloren im Eierlei

Ostern wirft seine Schatten voraus – genau genommen sind wir ja schon mittendrin. Ich feiere dieses Fest nicht, auch habe ich in diesem Jahr nicht vor, Eier zu färben. Und doch wurde mir in dieser Woche irgendwie österlich zumute, als ich durch meinen Supermarkt schlenderte und die ganzen Hasen und Schokoeier dort sah. Ein Tütchen Eier wollte ich mir auch gönnen, dachte ich, auch wenn man Schokolade genauso gut essen kann, wenn sie nicht in Eiform gegossen und glänzend verpackt ist. Ich machte mich also an den Auswahlprozess – und scheiterte. Denn auch irgendeinem sortimentspolitschen Grund schien in meinem Supermarkt der schokoeirige Mittelbau zu fehlen. Das heißt, es gab entweder nur diese ganz billigen Schokoeier, die genauso schmecken, wie sie kosten, oder diese ganz teuren Eier, die zwar lecker sind, für die ich aber doch zu knauserig bin. Ich schlich also um sämtliche Eierangebote herum und kaufte schließlich … nichts.

Das erzählte ich am Gründonnerstag im Büro und erntete nur teilweises Verständnis. Daniel, der Kollege, immer rational, nickte verstehend. Er ist allerdings auch ein ziemlicher Asket in Sachen Schokolade. Heidrun hingegen, bei uns die Chefin von’s Ganze, sah das anders: „Wenn schon Hüftgold, dann richtig!“ Sie redete mir gut zu, ich solle mir doch, wenn ich am Nachmittag noch in die Stadt ginge, ein Tütchen des teuren Naschwerks kaufen. Na gut, wenn sie das quasi anordnet, muss ich das ja machen. Ich fand mich also am späten Nachmittag in der Süßwarenabteilung beim Karstadt ein und war dort völlig überfordert.

SchokoladeDenn diese Abteilung war das wahre Eierparadies. Oder, bei näherer Betrachtung, wohl eher die Eierhölle. Es gab Eier, Eier, Eier – mal als Set, mal einzeln, mal klein und niedlich, dann wieder in Straußeneigröße. Mehrfach wählte ich ein Päckchen aus und legte es ratlos zurück. Immer wieder traf ich dabei auf den gleichen Mann, der genauso verwirrt schien wie ich. Irgendwann grinsten wir uns kumpelhaft an und zuckten die Schultern – wir waren überfordert von all dem Geeier.  Auch die handgechöpfte Chocoladen-Creation mit dem Rechtchreibfehler vermochte mich nicht zu locken, so dass ich beinahe schon aufgab.

Nach einer Weile beschloss ich, auf ein Osterset zu verzichten und näherte mich stattdessen den Pralinenschachteln – da gab es sogar einige im Sonderangebot! Hossa! Ich habe ja seit frühester Kindheit eine tiefe Liebe zu Schnapspralinen und kreiste meine Beute somit deutlich gezielter ein als auf der erfolglosen Eier-Jagd zuvor. Schließlich entschied ich mich für ein Kistchen mit Likörpralinen, dem österlichen Anlass angemessen natürlich mit Eierlikör gefüllt. Wennschon, dennschon, sagte Heidrun, und sie hat Recht. Morgen gibt es Eierlikör, zusammen mit nostalgischen Gedanken an früher, als ich Omas Mon Cherie heimlich unter dem Tisch verzehrte (das war allerdings an Weihnachten und haute mich tatsächlich aus meinen kleinen Socken).

Der arme Mann aus der Ostereierabteilung begegnete mir übrigens an der Kasse nochmal: Er hatte sich für ein riesiges Pralien-Ei entschieden. Auch sowas gab es früher bei Oma und ich musste lächeln – dieses Jahr scheint Ostern was für Retro-Fans zu werden.

Good Vibrations

Das Chorkonzert gestern stand unter dem Oberthema „Liebe“. Es war thematisch unterteilt in Lieder, die von Freundschaft, erfüllter oder unerfüllter Liebe oder humorvoller Liebe handelten.

Kirche Harheim

Unser Veranstaltungsort – Bild von Meddi Müller

Wir Autoren waren gebeten worden, Texte zu lesen, die zum jeweiligen Thema passten. Ich hatte das Glück, dass in meinem „Liederblock“ das Lied „Good Vibrations“ von den Beachboys dabei war, auf das ich einmal durch den biografischen Film „Love and Mercy“ aufmerksam wurde – für was so eine Sneak Preview doch alles gut ist. Ich nahm mir also diesen Titel als Grundlage für meinen kleinen Text.

Wie um mir einen Gefallen zu tun, war dieses Lied das Einzige, bei denen der Chor sich versang und es zu einem kleinen Durcheinander kam, so dass kurzerhand noch einmal von vorne angefangen wurde. Das passte wunderbar zu meiner Einleitung, denn dieses war mein Text:

Good Vibrations – Phasen der Liebe

„Good Vibrations“ ist einer der komplexesten Pop-Songs, die jemals geschrieben wurden. Jede Menge Instrumente, Stimmen und Harmonien. Es hat ewig gedauert, diesen Titel aufzunehmen. Kein Wunder, bei diesem schwierigen Thema.

Erinnern Sie sich daran, wie das war mit der Verliebtheit? „Good Vibrations“ nennen das die Beachboys, positive Schwingungen. Man bringt einander in Schwung – das ist ja schon mal gut. Man hat Schmetterlinge im Bauch. Naja, wahrscheinlich eher Motten – ist ja dunkel da drin.

Ob das gesund ist?

Schmetterlinge im Bauch zu haben ist anstrengend schön. Aufregung, Luftnot, ein roter Kopf. Appetitlosigkeit und widersprüchliche Gedanken: Hoffentlich falle ich ihm auf, wie sehe ich eigentlich aus, ach du liebe Güte, hoffentlich bemerkt er mich nicht. Ich will ihn sehen, heute, jetzt gleich – oh mein Gott, da kommt er, ich muss weg! Er liebt mich, er liebt mich nicht – himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.

Glückselige Verzweiflung.

Die Zeit der schwingenden Schmetterlinge ist die Zeit des Kennenlernens. Wer bist du, wie bin ich? Die Zeit der Überraschungen – oha, wie wohnt der denn? Dieses Sofa – ist das sein Ernst? Der ist aber unordentlich! Aber kochen kann er! Ich könnte ihn stundenlang ansehen. Wie der wohl nackig aussieht? Und was denkt er, wenn er mich ohne alles sieht? Lieber schnell das Licht ausmachen – aber wo ist hier der Schalter? Alles neu, alles spannend – Good Vibrations bis kurz vor’m Herzinfarkt.

Dieses ewige Geflatter im Leib hält auf Dauer niemand aus. Es beruhigt sich, weicht einer wohligen Wärme und Zuversicht. Es folgt die Zeit der Kompromisse – meckerst du nicht an meiner Figur herum, sage ich nichts zu deiner Aufräumtechnik. Und auch nichts zu deiner Leidenschaft für das Sammeln von Streichholzbriefchen. Ich gehe mit dir wandern, auch wenn es viel rationaler wäre, den Bus zu nehmen. Kommst du mit ins Theater? Ach, da warst du noch nie? Komm, ich zeig’s dir. Ich nehme dich mit in mein Leben.

Mein Leben, dein Leben – unser Leben?

Buntglasfenster

Wie ist das mit den Schwingungen, wenn aus der Verliebtheit Liebe wird? Viele schwingen dann im Takt, gleichmäßig aufeinander eingespielt. Einige schwingen auch gegeneinander, so nach dem Motto „Reibung erzeugt Wärme“.

Es gibt auch diese Paare, bei denen man sich fragt, was die eigentlich zusammenhält – die schwingen in so gegensätzliche Richtungen, dass das „auf jeden Topf passt ein Deckel-Prinzip“ zu einem lauten Geklapper führt. Manchmal führen diese gegensätzlichen Schwingungen auch zu einem Unfall, dann kracht es richtig. Die emotionale Frontalkollision. Aber davon wollen wir heute nicht sprechen – wir reden hier ja über die Liebe, nicht über den Krieg.

Wenn man lange zusammen ist, weichen die heftigen Schwingungen einem leiseren, konstanten Summen. Gewohnheit, Vertrauen, ein gemütliches Sich-miteinander-gehen-lassen. Er treibt nur noch Fernsehsport, ich schlafe dabei an seiner Seite. Er hatte mal Haare, ich eine Taille. Unsere Freunde sehen plötzlich so aus wie die Freunde unserer Eltern – damals. Auf einmal trägt er Cordhosen – und ich entdecke ihn ganz neu, meinen alten Mann. Immer wieder entdecken wir uns, finden neue Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Immer wieder geben wir einander neuen Schwung.

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Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Sänger und Vorlesende, die mit viel Engagement bei der Sache waren, über 150 hochzufriedene Gäste. Das Konzept mit den Liedern und den Texten ging auf, alles fügte sich wunderbar zusammen. Es hat Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich mich von meinen ARS-Kollegen zu diesem Experiment habe überreden lassen.

Nachtrag:

Ach ja, eine drollige Sache passierte mir noch: Ich bekam die Rückmeldung, dass ich den Verlauf einer langjährigen Beziehung sehr gut beschrieben hätte und dass sich viele in dem Text wiedererkannt hätten. Nun bin ich ja in Beziehungsdingen nicht so geübt – aber es freut mich, dass ich durch reines Beobachten wohl einigermaßen das Thema getroffen habe

Liebe, Lyrik, Lampenfieber

Unser Lesepult – Meddi Müller ist schon da, zumindest in Teilen.

Heute Abend darf ich mal wieder bei einer Lesung dabei sein. Um ehrlich zu sein, habe ich mich dazu ein wenig überreden lassen, denn das Thema lautet „Liebe“. Und da bin ich ja so gar keine Expertin, diese Zweierbeziehungen erschrecken mich eher. Aber wie immer waren die Kollegen und Kolleginnen von der Autoren Rhein-Main Szene (ARS) sehr überzeugend und so zimmerte ich mir einen Text zurecht und war gestern bei der Probe anwesend.

Ja, die Anwesenheit – das ist übrigens so eine Sache. Mit ARS lernt man Frankfurt ja so richtig kennen. Nachdem ich inzwischen etliche Male durch Alt-Fechenheim geirrt bin, war es dieses Mal Harheim, wohin es mich verschlug. Harheim im Frankfurter Norden – war da schon mal jemand? Nicht? Nun, das ist irgendwo hinter Bonames. Es gibt dort eine Kirche, und dort singen zwei Chöre unter der Leitung von Elisabeth. Man kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwar nicht besonders gut dorthin, aber wenn man seiner Umwelt offen gegenübersteht, gibt es zumindest ein bisschen was zu sehen auf der langen Reise.

Die Kirche ist ein interessantes, etwas ungewöhnliches Bauwerk, soetwas habe ich so noch nicht oft gesehen: Man muss nach der Eingangstür erst mal eine Treppe hinauf, und im Inneren gibt es statt der üblichen, fest angebrachten Kirchenbänke recht bequeme Stühle, die aus Anlass des Konzertes im Halbrund angeordnet wurden. Das sieht erst mal gut aus und ermöglicht den meisten Zuschauern wohl auch einen recht guten Blick auf Chor und Lesende.

Die Generalprobe war spannend. Wir bekamen einen Eindruck des schönen Programms, das Elisabeth zusammengestellt hat, und durften feststellen, dass unsere Texte sich jeweils gut einfügen. Wie dem hoffentlich zahlreich erscheinenden Publikum diese Kombination gefällt, erfahren wir heute Abend – ich bin gespannt.

Chorkonzert in Harheim, Plakat

Meinen Liebestext werde ich übrigens morgen erst mit euch teilen – nicht, dass ich jemanden vom Konzertbesuch abschrecke 🙂

Suchet, so werdet ihr finden …

Wie schon ab und zu mal erwähnt, bin ich kein besonders ordentlicher Mensch. Man könnte sogar behaupten, ich sei unordentlich – aber nur, wenn man die eigentliche Ordnung in meiner Häufchenwirtschaft nicht durchschaut. Denn eigentlich weiß ich immer ziemlich genau, was in welchem Stapel schlummert, und kann etwas einigermaßen zielgerichtet ans Licht befördert, wenn ich es brauche.

Natürlich gibt es Ausnahmen, wie kürzlich die verschollenen Theaterkarten. Die suchte ich zuerst im Stapel auf dem Tisch, denn da gehören sie hin. Als sie da nicht waren, wühlte ich im Körbchen auf dem Regal. Auch nicht. Folglich suchte ich überall, auch an den absurdesten Stellen. Ich fragte auch meine Freundin Antje, wo man sowas wohl hinlegen könnte – sie meinte, sie würde zuerst in dem Stapel auf dem Tisch suchen. Ach was … hmmm, ja, ich auch. Also nochmal wühlen – nichts. Nochmal überall wühlen – auch nichts. Plan B überlegen – ob man die Karten bei Nachweis der Bezahlung nochmal bekommen könnte? Wahrscheinlich schon, man hätte es zumindest versuchen können. Nach Einschaltung des gesunden Menschenverstandes beschloss ich, nochmal den Tisch-Stapel zu untersuchen – die Dinger MUSSTEN da sein. Und so nahm ich mir Blatt für Blatt nochmal vor, guckte alles von vorne und hinten an, schüttelte Hefte aus. Und ich fand meine Theaterkarten: festgeklebt an der gummierten Kante eines großen Briefumschlages, den mir die SOS-Kinderdörfer geschickt hatten. DIE WAREN SCHULD! Immer, wenn ich den Umschlag hochgenommen hatte, kamen die Karten mit – da muss man erst mal drauf kommen.

Gestern suchte ich wieder, aber andere Dinge. Zum Beispiel die Fernbedienung meines DVD-Players. Die liegt eigentlich immer auf dem Tisch oder auf dem DVD-Gerät. Dieses Mal war sie nicht da. Ich suchte und suchte – und hatte irgendwann keine Lust mehr. Wieder war es der gesunde Menschenverstand, der mir half, indem er mir einflüsterte, dass man dieses Gerät doch sicher auch ohne dieses dumme Ding bedienen können müsste. Und siehe, es ging. Als ich mich niedersetzte, um den Film anzugucken, sag ich auch die Fernbedienung. Sie lag auf dem Tisch, wo sie hingehörte und wo ich ungefähr 12 Mal hingeguckt hatte. Wieso ich die da nicht gesehen hatte, weiß ich auch nicht – ich brauche wohl doch mal eine neue Brille.

Dramatischer war hingegen der Verlust meines Weck-Phones. Ich benutze als Wecker seit vielen Jahren mein altes IPhone. Das ist noch aus der 3er-Serie und kann nichts mehr außer Wecken, aber das macht es besonders gut. Es liegt immer neben meinem Kissen, da kann ich es gut finden und es ausmachen, wenn es morgens brummt. Und nun war es weg – mehrere Tage lang. Neben meinem Kissen gab es nur noch nacktes gelbes Laken – kein uraltes IPhone. Nachdem ich den Verlust realisiert hatte, flüsterte er – mein gesunder Menschenverstand – mir zu, dass gewiss niemand in meine Wohnung eingestiegen war, um dieses IPhone zu stehlen. Zumindest nicht nur dieses IPhone – ohne also den Laptop, den Fernseher oder die nagelneue Joghurtmaschine auch mitzunehmen. Ich war verwirrt – wo legt man denn seinen Wecker hin? Nachdem ich auf dem Boden, unter dem Kissen und unter der Decke gesucht hatte, war ich ratlos. Mein gesunder Menschenverstand schwieg – leider nicht. Er sagte, wenn dieses Weckgerät woanders als in meinem Schlafzimmer sei, sei das bedenklich. Ich befahl ihm, einfach mal die Kappe zu halten, und stellte meine Suchbemühungen ein. Es würde schon wieder auftauchen, irgendwo in meinem Schlafzimmer. Nun, das tat es nicht.

Ich versuchte, meinen kleinen Weckhelfer zu vergessen. Dieses Gerät hatte es nie gegeben. Als mich mein modernes Samsung-Handy am nächsten Morgen aus dem Schlaf plärrte, vermisste ich dieses nie dagewesene Gerät. Bei der Arbeit kam ich nicht zur Ruhe, meine Gedanken kreisten. IPhone, wo bist du? Ich war verwirrt.

Gestern Morgen jedoch meldete er sich wieder, diese lästige, manchmal aber nützliche gesunde Menschenverstand. Er ließ mich noch einmal durchgehen, was vielleicht passiert sein könnte. Und er sagte mir, dass ich doch mein neues Smartphone, das für den täglichen Gebrauch, jede Nacht im Schlafzimmer auflade. Was, wenn ich statt des Samsungs irgendwann das IPhone in die Arbeitstasche geschmissen hätte? Oder beide? Ich durchwühlte sowohl eine Handtasche als auch den Rucksack – nichts. Aus einem Instinkt heraus kramte ich in den Jackentaschen herum, und da war es. Klein, niedlich und leer. Tagelang hatte ich es mit mir herumgetragen – wieso hatte ich das nicht gemerkt? Es ist verdächtig, höchst verdächtig – der Schusselfaktor scheint im Alter tatsächlich mächtig anzusteigen. Ich werde das weiter beobachten – und berichten.

Danke, lieber Wettergott!

Es war mal wieder soweit: Die jährliche Kohlfahrt stand an. Natürlich wie immer in der norddeutschen Tiefebene, und wie immer in dieser eigentlich ungeeigneten, unwirtlichen Jahreszeit.

Die Insignien der Macht – aller Ruhm dem Königspaar

Wie im letzten Jahr schon berichtet, trug ich dieses Mal schwer an der Königinnenwürde. Man hatte mir die Insignien der Macht verliehen, ebenso wie meinem König Martin, und nun mussten wir liefern. Eigentlich ist sowas ja auch gar nicht so schwierig: Ein Kohlkönigspaar hat die Aufgabe, für die Organisation der Tour zu sorgen. Für alle die, die noch niemals einer Kohlregierung angehörten, schreibe ich hier mal auf, was alles dazu gehört (schließlich hat Meikes bunte Welt ja auch einen Bildungsauftrag!):

  • Termin finden
  • Teilnehmer anschreiben und einladen
  • Geld eintreiben
  • Lokal aussuchen und buchen
  • Treffpunkt ausgucken
  • Strecke vom Treffpunkt zum Lokal ausgucken
  • Wenn gewünscht, Pausenstand organisieren (damit keiner unterwegs verhungert)
  • Bollerwagen ausleihen (ist bei uns einfach, den bringt Harry mit)
  • Boßelkugeln ausleihen (wie oben, bringt Michael mit)
  • Einkauf organisieren:
    • Alkoholbedarf kalkulieren
    • Futter für Pausenstand kalkulieren
    • Sonstiges Gedöns auf die Einkaufsliste setzen: Knabberkram, Küchenrolle, Pappbecher …
    • alles einkaufen und ranschleppen (hat dieses Jahr der gute Martin gemacht!)
  • weitere Spiele überlegen
  • Überlegungen für die nachfolgende Legislaturperiode treffen: Wer könnte oder sollte das Amt übernehmen?
  • Initiationsriten festlegen

Royales Boßelengagement

Und dann, wenn es soweit ist, natürlich die Meute anführen, dafür sorgen, dass alle immer zu trinken haben und keiner verloren geht. Zum Glück helfen bei diesen Aufgaben immer alle mit.

Eines aber wird gerne mal vergessen, und dabei ist das fast das Wichtigste: Die Organisation des passenden Wetters. Wir sind nicht anspruchsvoll, gerne darf es winterlich sein, aber es sollte zumindest nicht schütten. In diesem Jahr ließ es sich schwierig an: Als ich am Freitag mit der ewigen Antje in Oldenburg ankam und mit ihr ein wenig shoppen ging, pinkelte es – mal wieder. Oldenburg im Regen ist der tristeste Ort der Welt – grau ist gar kein Ausdruck. Doch unsere Verbindungen zu einer höheren Macht erwiesen sich als krisenfest, am Samstag bekamen wir das:

Fast war es ein wenig zu warm, doch ich will nicht klagen. Wir hatten es nicht nur trocken, sondern so sonnig, dass von den gartenverrückten Norddeutschen schon die ersten im Vorgarten herumwühlten – unter anderem eine Dame von 86 Jahren, die so lange mit unseren Jungs herumflirtete, bis sie ihr Schnäpschen bekam. Bei so viel Fleiß ist es ihr zu wünschen, dass noch weitere Kohlfahrer vorbeigekommen sein mögen.

Das Wetter hielt, die Stimmung auch, und so kann ich wieder nur sagen: „Schön war’s!“ Die royale Macht ging auf Anja und Nils über, wo sie sicherlich in guten Händen ist und ich freue mich schon auf’s nächste Jahr.

Abendstimmung

Lesezeit

Zum ersten Mal habe ich eine Lesung im Zweierteam mit Robert Maier bestritten, dem Autor des nostalgisch-vergnüglichen Romans „Pankfurt“. Eingeladen hatte uns die AWO in Frankfurt-Bornheim. Wir kombinierten unsere Texte, die erstaunlich gut zusammenpassten, und erlebten schöne anderthalb Stunden mit unseren freundlichen und diskussionsfreudigen Zuhörern. Die Lesung hat wirklich Spaß gemacht, zumal die Atmosphäre total nett war, man weder verhungern noch verdursten konnte und das „Event“ sehr gut vorbereitet war. Ich habe mich dort sehr willkommen gefühlt.

Die ewige Antje bewährte sich übrigens sehr als Eventfotografin, doch da ich beim Lesen immer irgendwie doof gucke, habe ich ein Bild gewählt, auf dem Robert liest und ich konzentriert zuhöre. Das hat sich auch gelohnt, denn eine seiner Geschichten – Geblasenes Laub – war mir bislang unbekannt. Bei mir gab es eine bunte Mischung an Geschichten, teils autobiografisch und teils frei erfunden. Ich konnte es auch nicht lassen, meinen heimlichen Liebling einmal vorzutragen, die „Nackten Tatsachen“. Diese wilde Geschichte hat offensichtlich noch nichts von ihrem Charme verloren 🙂