Wasser für die Kleinsten

Wie schon ein paar Mal erwähnt, bin ich unter die Vogelfütterer gegangen. Natürlich gehört zu meinem Vogel-Wellnesscenter inzwischen auch eine Vogeltränke. Diese hängt in Form einer Flasche mit Landestange mit am Ständer und heute sah ich zum ersten Mal eine „meiner“ Meisen am Wasser nippen.

Für die Insekten hatte ich in den vergangenen heißen Sommern immer kleine flache Schälchen aufgestellt. Das war nicht so praktisch, weil die zumeist schon ausgetrocknet waren, wenn ich von der Arbeit kam. Auch jetzt im coronabedingten Homeoffice habe ich weder Zeit noch Muße, die dauernd aufzufüllen. Also musste was anderes her: Die neue Lösung besteht in einem großen Blumenuntersetzer und gereinigten „Bastelmuscheln“. In die Schale kommen unten die Muscheln und darauf Wasser. Die umgedrehten Muscheln bilden kleine Trinknäpfe für die Kleinsten. Ich bin gespannt, ob das so funktioniert, denn die Insekten müssen ihre neue Bar natürlich im 6. Stock erst mal finden.

Wer die Wasserschale bereits gefunden hat, sind die Spatzen. Sie haben in den letzten Nächten (!) darin gebadet. Wieso sie dies nur im Dunklen tun, ist mir noch nicht so recht klar und eigentlich setzt man sich auch nicht mit dem Hintern da rein, wo andere trinken sollen, aber gut. Für Sauberkeit und Kultur sind Spatzen eher nicht bekannt. Wird halt morgens das Wasser einmal ausgetauscht – das geht ja fix.

Und jetzt warte ich auf weitere Gäste an meiner kleinen Bar. Gerne darf es auch ein Taubenschwänzchen sein – diesem ungewöhnlichen Tierchen begegnete ich kürzlich bei meiner Freundin Maike. Sie hat eine große Dachterrasse und bietet dort ganz bewusst insektenfreundliche Pflanzen an – und erfreut sich entsprechend an regem Insektenbesuch.

Taubenschwänzchen

Nachtrag: Kürzlich las ich, dass Taubenschwänzchen in Deutschland des öfteren für Kolibris gehalten werden. Ich gebe zu, mir war das Insekt auch unbekannt, aber dass es in Deutschland keine freilebenden Kolibris gibt, so viel zoologisches Wissen habe ich dann doch 🙂

Sibylle Teil 1

Es gibt mal etwas Neues hier im Blog: eine Art Mehrteiler. Entstanden ist das Ganze mal wieder in einem Schreibworkshop, der sich schwerpunktmäßig mit der Figurenentwicklung beschäftigt hat. Um unsere Figur kennenzulernen, bekamen wir verschiedenen Aufgaben, die wir erfüllen sollten, ohne dabei „unsere“ Figur aus dem Blick zu verlieren. Das war unerwartet spannend.

Meine Figur heißt, wie man unschwer erkennen kann, Sibylle. Ich gestehe ehrlich, dass ich diesen Namen gar nicht leiden mag, und genauso ging es mir am Anfang mit meiner Figur. Doch sobald ich verstanden hatte, was eigentlich mit ihr los ist, änderte sich das ein wenig. Sympathisch ist sie mir nicht geworden, aber ich kann jetzt ein bisschen Verständnis für sie aufbringen.

Die erste Aufgabe hieß: Schreibe einen Dialog, in dem deine Figur sich mit der/dem Geliebten des Partners trifft.

Du kannst ihn haben!

Wirklich, Frau Petersen, ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich habe das so nicht gewollt. Ich wollte Sie nicht verletzen!

Das hättest du dir vorher überlegen müssen. Bevor du dich mit einem verheirateten Mann eingelassen hast.

Aber ich wusste doch gar nicht, dass er verheiratet ist.

Das hättest du dir doch denken können. Ein Mann um die 50, in seiner Position und mit seinem guten Aussehen – der bleibt doch nicht alleine sitzen.

Aber ich wusste es wirklich nicht, zumindest nicht am Anfang. Er hätte doch auch geschieden sein können. Oder einfach Junggeselle.

Papperlapapp. Männer wie er sind keine Junggesellen – niemals! Und das ist auch ganz egal. Du hättest die Sache beenden müssen, als es dir klar wurde. Ein Familienvater – wie skrupellos kann man nur sein!

Wie gesagt, ich habe es mit nicht ausgesucht. Es ist einfach passiert.

Eine lahme Entschuldigung! Du solltest dich schämen! Sowas Niveauloses!

Naja, so wie sie mich jetzt schon wieder beschimpfen, ist das aber auch nicht sehr niveauvoll.

Werd‘ nicht frech. Ich habe mich nicht wie ein Flittchen aufgeführt. Aber es ist auch egal – du kannst ihn gerne haben.

Wie meinen Sie das?

Was, das Flittchen oder dass du ihn haben kannst?

Letzteres.

Ganz einfach: Ich will ihn nicht mehr. Du kannst ihn haben. Mit allem, was dazugehört – mit seinen Macken, dem Geschnarche, den schmutzigen Socken und zu bügelnden Hemden.

Was habe ich denn mit Roberts Socken zu tun?

Ja, denkst du, ich wasche weiterhin für ihn, wenn er mit dir ins Bett geht?

Ich habe nicht vor, für ihn zu waschen – wie kommen Sie denn auf die Idee? Ich habe auch nicht vor, Hausfrau zu werden. Sollten wir jemals zusammenziehen, muss jeder seinen Teil vom Haushalt machen. Sonst funktioniert das nicht.

Ha, da kennst du Robert schlecht! Der rührt keinen Finger im Haushalt. Du glaubst nicht ernsthaft, dass der sich ändern wird, nur weil er eine junge Geliebte um sich herum hat.

Das wird er müssen. Anders wird das nichts.

Ach, bist du naiv.

Kann sein. Aber lieber naiv als resigniert.

Wart’s nur ab. Warte, bis du zuhause sitzt, während dein Süßer mit Geschäftspartnern essen geht. Warte, bis du die ganze Woche allein sitzt, während er auf Reisen geht. Du wirst schon sehen, wie schnell man da resigniert.

Sie hätten ihn ja mal begleiten können. Ich habe gehört, dass Sie von Anfang an nie dabei waren.

Ha, ihn begleiten. Und wer wäre bei den Kindern geblieben?

Die Kinder sind 19 und 22 – oder bin ich da falsch informiert?

Ja. Das waren sie aber nicht immer. Und überhaupt, willst du mir dumm kommen?

Das ist nicht meine Absicht. Ich denke nur, dass es nicht allein meine Schuld ist, wenn Ihre Ehe am Boden ist.

Was soll das heißen?

Naja, das, was ich sage. Es ist nie einer alleine schuld. In diesem Fall haben wir wohl drei Beteiligte, und ihr Teil ist keineswegs kleiner als meiner. Ein bisschen mehr Frau und weniger Hausfrau hätte sicherlich geholfen.

Du hast ja keine Ahnung!

Kann sein. Aber dafür habe ich jetzt Ihren Mann.

Filzen und der irre Blick

Noch immer übe ich fleißig das Filzen, es entstand daher in den letzten Wochen noch ein wenig Meeresgetier. Ich stelle allerdings immer wieder fest, dass meine Viecher nicht besonders lebensecht aussehen, außerdem habe ich noch ein arges Problem mit Gesichtern. Soll heißen, sie gucken alle irgendwie komisch 🙂 Besonders Kraken geraten mir merkwürdig, was daran liegen mag, dass Kraken auch ohne mein Zutun schon sehr merkwürdig aussehen. Ich habe meine Exemplare erst mal ins Regal gestellt und werde die Köpfchen nochmal etwas nacharbeiten, wenn mir eine Idee kommt, was da helfen könnte.

Da ist es auch ganz egal, ob ich sie mit Frisur ausstatte oder ihnen eine Knollennase verpasse – sie gucken nicht seriöser. Und dann filze und filze ich fröhlich vor mich hin und mache es manchmal immer schlimmer. So wie in diesem Fall, in dem es mir einfach nicht gelang, zwei gleich große Augen zu sticheln – also habe ich sie irgendwann ganz ungleich gemacht.

Besser gelang mir da die Qualle, was wahrscheinlich daran liegt, dass Quallen eigentlich gar keine richtigen Augen haben und man da kein Schönheitsideal im Kopf hat. Meine guckt unschuldig bis dümmlich und ich glaube, dass das dem Charakter einer handelsüblichen Qualle durchaus entspricht.

Am liebsten filze ich aber Fische. Die haben nicht unanständig viele Beine, es gibt sie in unzähligen Ausformungen und Farben und auch die Gesichter sind in der Regel nicht besonders filigran. Hier haben wir einen vierzipfeligen Grünschwanzflosser:

Ich bin also von Perfektion noch sehr weit entfernt. Spaß macht es aber immer noch. Daher werde ich emsig weiter üben, noch ein paar Fischlein basteln und mich dann, wenn die Filznadel eher dass tut, was ich mir vorstelle, mal zu den etwas realistischeren Darstellungen übergehen. Noch genieße ich mein heiteres Kunterbunt, und ich habe mich auch erst sechs Mal gestochen.

Heute vor 90 Jahren …

… wurde mein Papa geboren. Er war der Sohn von Hedwig Margarethe und Carl Anton.

Er war der große Bruder der Zwillinge Magda Anna und Hans Dietrich.

Er lernte Schmied, war mit Leib und Seele Lokführer und betrieb im Nebenberuf einen Feuerlöscher-Kundendienst. Wenn er bastelte, wurde es sehr, sehr laut.

Er heiratete, wurde einige Jahre später Witwer, fand die Frau im roten Kleid und wagte es noch einmal.

Er wurde Vater zweier Töchter (links meine wunderbare Schwester).

Er hat für sein Leben gerne Quatsch gemacht und viel gelacht …

…sogar, wenn es gar nicht so viel zu lachen gab. Doch als Großvater gab er nochmal alles.

Und das war seine Lebenseinstellung:

Vor 18 Jahren war sein Weg zuende. Doch er hat uns viel mitgegeben. Unter anderem wunderbare Erinnerungen.

Neue Filzexperimente

Nachdem ich hier schon ein paar Mal Taschen aus Strickfilz gepostet habe, wird es Zeit für ein paar neue Filzexperimente: Mir ist nämlich in diesem doofen Internet kürzlich das Nadelfilzen untergekommen. Da nimmt man ein paar Klumpen Wolle, piekst mit einer Nadel darin herum, bis sie in Form kommt, bezieht das ganze schön bunt und – fump – hat man eine lebensgroße naturgetreue Schleiereule auf der Schulter sitzen. Oder einen entzückenden Hundewelpen nebst Hütte in Streichholzschachtelgröße. Oder einen fantasievollen Drachen, der einem jedem, der ihn sieht, ein ehrfurchtsvolles „Oooohhhh“ entlockt. Das sollte angeblich ganz einfach sein, sodass ich beschloss, mal wieder mein Können zu erweitern, etwas Neues zu lernen und irgendwelche Männeken zu basteln. Ich machte mich also ans Einkaufen (WOLLE!!!) und überlegte, was ich denn alles wunderbares Filzen wollte. Phönix, ja, klar, inclusive Feuer und Ei, außerdem einmal das ganze Tierleben von Brehm.

Nun sind ja meine handwerklichen Fähigkeiten eher begrenzt, weshalb ich dachte: „Erst mal vorsichtig anfangen“. Ist ja auch ’ne Nadel dabei, soll heißen, man kann sich pieken. Also lieber nichts ganz Kleines. Aber auch nichts ganz Großes – das überfordert mich. Ich beschloss also, ein Mobilé für ein Babyzimmer herzustellen – heitere Unterwasserwelt. Letzten Sonntag ging es frisch ans Werk. Ich stocherte also optimistisch in meiner naturfarbenen Wolle herum und formte einen Fisch, den ich mit filigranem Schuppenwerk überzog:

Nun ja – eine Sardine ist zweifellos eleganter gestaltet. Aber ich wollte ja auch keinen keinen Dosenfisch erschaffen, sondern einen exotischen Schleierschwanz. Denn schon bei diesem ersten Stichelwerk fiel mir auf, dass schöne Gesichter wohl nicht zu meinen Stärken gehören, das Tier musste also mit dem anderen Ende punkten.

Na gut, das geht ja schon mal. Aber das Mobilé soll mindestens sechs Seebewohner haben, außerdem eine stolze Nixe in der Mitte. Also musste der verregnete Feiertag ebenfalls zum Werkeln herhalten. Eine Schildkröte sollte es werden – schließlich besaß ich als Grundschulkind ebenfalls Wasserschildkröten und weiß genau, wie die aussehen. Sie haben innen ein Skelett und obendrauf eine struppige Frisur (die von dem merkwürdigen Blick ablenken soll):

Der Panzer bekam einen schönen grünen Überzug mit einem mosaikartigen Schildpattmuster. Das Tier guckt nicht klug, aber freundlich, und wird sich inmitten eines heiteren Schwarms von Fischen sicherlich gut machen.

Ich bin erst mal ganz zufrieden mit meinen ersten Filzversuchen, auch wenn „naturgetreu“ natürlich was anderes ist. Ich habe mich nicht erstochen (nur zwei Mal fast), man kann die Sachen erkennen und es macht wirklich viel Spaß. Die Kunst kommt vielleicht später noch, und wenn nicht, belasse ich es beim Spaß.

Heute wurde ich allerdings in einer Filzgruppe auf Facebook von einer mir unbekannten Dame darauf hingewiesen, dass man an ein Mobilé nichts hängen dürfe, das nicht wirklich fliegen kann. Denn, so meinte sie, sonst würde man die Kinder unterbewusst zur Unwahrheit erziehen. Ich nahme das zur Kenntnis, beschloss, dass die Gute einen Kleinen an der Zwiebel hat und diskutierte das nicht weiter 😉

Nachtrag: Ich habe den Schildkröterich übrigens „Sascha“ getauft.

Klein-Meikes Leseschätze – Zöpfe unterm Cowboyhut

Dieses wunderbare Buch gehörte eigentlich meiner Schwester, ich habe es aber unzählige Male ausgeliehen und gelesen. Vor einigen Jahren fand ich es bei ebay und habe seitdem endlich ein eigenes Exemplar – was für ein Glück!

Zöpfe unterm Cowboyhut, von Marjorie Filley Stover

Darum geht es: In der Geschichte geht es um Emma-Jane Burke, die im 19 Jahrhundert gemeinsam mit ihrer Familie von Texas nach Illinois zieht. Auf die Reise gehen neben Emma-Jane ihre Mutter, der schwer kranke Vater, etliche jüngere Geschwister und 81 Longhorns. Diese Rinder sind in Texas nicht viel wert, könnten aber in Illinois deutlich gewinnbringender verkauft werden, weshalb es für die Familie so wichtig ist, sie mitzunehmen.

Emma-Jane ist bis zum Aufbruch ein ganz normales 13-jähriges Mädchen, das es kaum erwarten kann, endlich lange Röcke und das Haar aufgesteckt tragen zu dürfen. Als sie von der Krankheit des Vaters erfährt, beschließt sie, alles zu tun, um die Familie zu unterstützen. Durch den Tod des Vaters muss sie über sich hinauswachsen und die Führung des Trecks übernehmen – eine Aufgabe, die ihr außer ihr selbst wohl niemand zutraut.

Doch Emma-Jane ist zäh und gewitzt. Sie findet Hilfe, und wo man sie ihr nicht freiwillig gewährt, setzt sie sich durch wilde Entschlossenheit durch. Und so schafft sie es, Rinder und Familie glücklich ans Ziel zu bringen.

Was ist das Besondere? Du kannst alles schaffen, auch wenn du ein Mädchen bist – diese Botschaft vermittelt das Buch sehr klar. Emma-Jane glaubt an sich und hat ein Ziel. Im Epilog erfährt man, dass sie den Rest ihres Lebens genauso weitergemacht hat – entschlossen voran, sich nicht einschränken lassen. So haben sie und ihr späterer Mann es zu einem gewissen Wohlstand gebracht – und das gönnt man diesem tapferen Mädchen nach dem Lesen dieses Buches aus ganzem Herzen.

Was gibt es noch: Die Autorin Marjorie Filley Stover ist eine direkte Nachfahrin Emma-Janes. Sie hat etliche Bücher geschrieben. Trotzdem ist im Netz im Grunde nichts über sie zu finden. Ihre Nachforschungen über Emma-Jane Burke erledigte sie gemeinsam mit ihrem Mann, einem Historiker – zumindest soviel sagt der Klappentext des Buches über sie.

Ich bin Patentante!

Patenurkunde Kobelt-ZooZu Corona-Zeiten werden Großkonzerne mit allen Mitteln vor dem Konkurs bewahrt – eine Maßnahme, die ich in gewissen Grenzen durchaus befürworte. Was leider ziemlich hinten runter fällt, sind „die Kleinen“ – besonders die Kulturtreibenden oder die Vereine. Ich habe hier und da ein wenig gespendet. Besonders angetan hat es mir derzeit der kleine, ehrenamtlich geführte Kobelt-Zoo in Frankfurt. Da gibt es keine Elefanten oder große Exoten, sondern Haustiere, Vögel und allerlei Kleingetier. Dieser Zoo wird oft von Kindergartengruppen besucht, oder auch von Leuten, die es nicht so dicke haben, denn der Eintritt ist kostenfrei und der Zoo finanziert sich nur durch Spenden. Ich habe auch dorthin einen kleinen Betrag überwiesen.

Zusätzlich habe ich zwei Patenschaften übernommen: Eine für ein Schaf, eine weitere für einen Ara. Nun bin ich also Patentrante und freue mich ganz kindlich über die beiden Patenurkunden, die mir zugeschickt wurden. Meine Freundin Maike wurde ebenfalls Patin, sie unterstützt den Lebensweg einer Anakonda sowie eines Karpaten-Uhu. Sollte noch jemand Lust auf eine Tierpatenschaft haben: Es gibt sicherlich weiterhin Finanzbedarf, und es sind auch noch Tiere „im Topf“. Für recht kleines Geld kann man hier schon mithelfen – das ist sicher auch für Kinder ganz schön.

Ausgeflogen!

Corona sei Dank haben sich die Meisen auf meinem Balkon nicht nur an meine Anwesenheit gewöhnt. Ich hatte auch das Glück, dass ich den Ausflug der Meisenküken beobachten konnte. Eines am Donnerstag Abend, zwei am Freitag. Ob es noch mehr waren, weiß ich leider nicht. Eventuell habe ich welche verpasst.

Das Donnerstags-Vögelchen fiel mir auf, weil es sich eine ganze Weile an meinem Insektenschutz festklammerte, bevor es sich todesmutig vom Balkon stürzte. Immerhin vom sechsten Stock aus – hoffentlich hat es sich nicht weh getan.

Vöglein Nummer zwei purzelte aus dem Kasten, segelte besoffen direkt an meinem Fenster vorbei, flatterte auf meine Fensterbank und guckte mich durch die Scheibe hindurch neugierig an. Ich glotzte natürlich zurück. Die Fotos sind leider unscharf, ich mochte nicht so nah rangehen. Außerdem sind die Scheiben dreckig.

Gerade, als ich mich von meiner Verblüffung erholt und die Handykamera vernünftig im Anschlag hatte, drehte es sich um und guckte woanders hin – so wird das nichts mit der Topmodelkarriere. Dann flatterte es davon, ditschte ein, zwei Mal an die Balkonbrüstung, überwand diese schließlich und verschwand.

Vögelchen dreht sich um

Nummer drei schließlich schielte nur kurz aus dem Kasten, schwang sich über die Balkonbrüstung und taumelte dem Leben entgegen – hoffentlich. Nachbars Katze schlich ebenfalls umher, ich hoffe, sie war ordentlich satt.

Seitdem die Fütterungszeit vorbei ist, ist es deutlich ruhiger auf dem Balkon. Meisen und Spatzen leben wieder in freidlicher Ko-Existenz, nachdem der Meiserich in den zwei Tagen vor dem Ausflug wie ein Berserker auf jeden Spatz losging, der sich an den Futterständer wagte. So entschlossen, wie Papa Meise zu Werke ging, hätte er es wohl auch mit einer Krähe aufgenommen.

Jetzt wird wieder friedlich gepickt und emsig gebalzt, so dass ich auf eine zweite Brut hoffe. Und das letzte Foto, unscharf und durch die fleckige Scheibe geknipst wie die anderen auch, zeigt einmal, wie groß so ein ausgeklappter Meisenflügel werden kann. Das war ein Zufallstreffer.

Startende Meise

Musik von Damals – The River

Heute habe ich mich in einer Playlist verloren – in einer schnöden Playlist von Amazon Music. Sowas höre ich gerne, wenn ich in der Küche herumwerkle, denn da habe ich kein Radio und lasse stattdessen das Handy dudeln. „Retro Frühling“ hieß die Zusammenstellung heute, und genau das war enthalten. Bob Dylan, Gordon Lightfood, die Beatles und die Beachboys – alles alte Bekannte, die mich dazu brachten, beim Obst schnippeln fröhlich mitzujodeln. Doch dann kam der Boss.

Ich höre Bruce Springsteen schon immer recht gerne, habe es aber nie soweit gebracht, mir etwas von ihm zu kaufen oder ein Konzert zu besuchen. Ich erinnere mich aber daran, dass wir früher bei unseren Spiele- oder Grillabenden auch oft das Radio anhatten – zum Beispiel die Sendung „Nightrock“ auf Radio ffn. Und irgendwann kam dann immer „The River“., diese alte Balade aus dem Jahr 1980. Das war damals das Lieblingslied eines Freundes, der dann ganz rührselig wurde. Und das wurde ich heute auch. Denn heute – ausgerechnet heute – hätten wir uns eigentlich in der Nähe von Hannover treffen wollen, um den 10. Hochzeitstag eines Paares aus der Kohlfahrtsrunde zu feiern. Gewiss wären auch viele Leute gekommen, die ich nicht kenne, doch ich habe mich auf meine alten Freunde gefreut. Corona sei Dank ist das verschoben worden.

Vernünftig, ja sicher. Aber heute in meiner Küche war mir gar nicht nach vernünftig zumute. Ich sah uns wieder dort sitzen, jung und unbefangen, an manchen Abenden deutlich jenseits von angetrunken. Darauf hätte ich heute auch Lust gehabt – schon am Nachmittag anfangen zu saufen, den Abend gemütlich passieren lassen, irgendwann ein „Croque“ vom Baguetteladen, denn Sushi war damals noch nicht drin. Bier oder Wein, auch hier eher billige Ware, Chips und Schokorosinen. Heute gibt es andere zu schnabulieren. Doch der Ablauf hätte mir heute gefallen. Ich wurde wehmütig. Der Rest der Playlist löste derartige Emotionen nicht aus und das das Kompott köchelte, war ich bereits wieder heiter. Aber es ist schon seltsam, was für starke Emotionen so ein altes Lied auslösen kann.

Ob „The River“ für den alten Freund noch immer solche Bedeutung hat, weiß ich gar nicht. Aber ich weiß, dass ich ihn und die anderen heute gerne gesehen hätte. Eine Feier, bei der es so richtig kracht, das hätte ich gerne mal wieder. Naja – aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wird schon werden.  Heute schickere ich mir alleine einen an. Das tue ich selten, aber ich glaube, heute geht was. Hergen und Kathrin, danke für die Einladung – ich komme, wann immer ihr wieder ruft. Und dieser Wein ist für euch!

Bei mir piept’s: Ich hab‘ ’ne Meise!

Nachdem ich in den letzten zwei Jahren immer begeistert die brütenden Vögel im Looduskalender beobachtet habe, bin ich endlich live dabei: In den vor über einem Jahr aufgehängten Brutkasten ist ein Meisenpärchen eingezogen

Das liegt sicher auch daran, dass ich meinen Winterfutterständer einfach habe stehen lassen. Der wird nun nicht nur zum emsigen Picken genutzt, sondern auch zum Balzen, Flügelschlagen und Herumturnen. Besonders interessant finde ich die Wurm-Übergabeaktionen, bei denen wohl der Meiserich mit Wurm im Schnabel auf dem Ständer landet, wild herumhampelt und der herbeieilenden Frau Meise den Wurm übergibt. Die flattert dann zurück in den Nistkasten. Und ich, die ich direkt nebenan am Fenster in meinem einsamen Homeoffice sitze, hoffe nun auf kleine Ästlinge, die meinen Futterständer als Startrampe für ihre Flugversuche benutzen. Wenn sich was tut, sage ich Bescheid 🙂