Fundstück 52: das Wertstoffgemisch

Mülltonne, WertstofftonneDa begegnete uns doch kürzlich auf einem Straßenfest diese wunderbare Tonne: „Wertstoffgemisch“ stand darauf zu lesen. Hinein kam allerhand Abfall, von der ketchupverschmierten Pommespappe über den Kaffeebecher bis hin zum vollgeschnaubten Papiertaschentuch war alles dabei. Es war also wirklich eine wilde Mischung, über deren Werthaltigkeit ich ehrlich gesagt nicht gerne nachdenken möchte.

Früher stand auf diesen Tonnen doch etwas anderes, nämlich „Müll“. Und ganz früher noch der Zusatz „Keine heiße Asche einfüllen“ – so auch auf dem kleinen mülltonnenförmigen Bleistiftanspitzer, den ich als Grundschulkind besaß. Das war nicht zu Kaisers Zeiten, sondern in den 70er Jahren – aber ich schweife ab.

Wann aus dem guten alten Müll das Wertstoffgemisch wurde, kann ich gar nicht genau sagen, aber dieser Ausdruck kam mir in der letzten Zeit des Öfteren unter. So auch in irgendeinem Druckerzeugnis, aus dem ich damals den schönen Satz „Die Wertstoffe werden der thermischen Verwertung zugeführt“ abgeschrieben habe. Das klingt natürlich deutlich schöner, wissenschaftlicher und vor allem umweltfreundlicher als der simple Satz“ „Der Müll wird verbrannt“. Ich habe ja immer die Sorge, dass auch meine schönen, liebevoll sortierten Tüten mit grüner-Punkt-Müll, die ich wöchentlich in die gelbe Tonne trage, nicht receycelt, sondern thermisch verwertet werden. Wahrscheinlich liege ich damit gar nicht so falsch, denn die Wiederverwertungsquote ist dem Vernehmen nach eher gering. Da hilft wohl doch nur die Wertstoffgemischvermeidung – egal, um was es sich dabei handelt. Wenn das nur nicht so schwierig wäre …

Lesung in Wiesbaden

Erstmals in meinem Autorenleben habe ich eine Lesung außerhalb von Frankfurt: In Wiesbaden lese ich zusammen mit meinem Autorenkollegen Robert Maier ein buntes Programm aus Kurzgeschichten und Erinnerungen. Zusätzlich gibt es noch einen Auszug aus Roberts Roman „Pankfurt“. Ich bin sehr gespannt auf den Abend!

Lesung Wiesbaden, Robert Maier, Meike Möhle

Fundstücke 51: Sie sind gelandet!

Aliens im Anflug

Aliens im Anflug

Ich habe es gewusst! In diesem Sommer habe ich sie gesehen, als ich müßig bei einem Glas Wein auf dem Balkon saß und vor mich hin sinnierte. Ich sah ihr Flugobjekt und war mir sicher, dass ich sie bald in Frankfurt vorfinden würde, die Aliens mit dem unheimlichen Blick. Man kennt sie ja, diese komischen Gesellen mit den ovalen Augen.

Zu meinem großen Erstaunen dauerte es jedoch eine ganze Weile, bis ich sie traf. Offenbar sind Aliens Leckermäuler, die es vorziehen, sich statt mit grüner Soße mit Apfel- und Topfenstrudel zu verwöhnen. Also zog es sie nach Wien, wo man sie in wirklich jeder U-Bahn antrifft und sogar dazu genötigt wird, ihnen den Platz freizumachen:

Gebt acht, ihr Lieben, und fallt nicht auf sie rein. Sie sehen harmlos aus, doch was sie wirklich planen, verraten sie euch nicht. Es schadet nicht, aufzustehen und sie sitzen zu lassen – doch alles andere, was sie tun, sollte man scharf beobachten!

Wir haben die Wahl

Bloggerkollegin Kathi von Folgedemstern.com hat sich den gleichen Titel für ihren Blogartikel ausgesucht wie ich. Sie hat einen etwas anderen Ansatz zum Thema Wahlen, kommt aber zu dem gleichen Ergebnis wie ich: hingehen!

folgedemstern.com

Mein politischer Ehrgeiz geht gegen Null. Ich bin kein Mensch, der sich gern lange Debatten anhört oder ansieht. Ich möchte lieber konstruktiv mitwirken. Aber alles in allem ist Politik ein Thema, welches mich zwar stark tangiert aber nicht unbedingt zu Höhenflügen motiviert.

Doch nun steht die Bundestagswahl vor der Tür und jeder von uns sollte sich so seine Gedanken machen oder besser schon gemacht haben. Wen wähle ich und warum und überhaupt, sollte ich wählen gehen?

Ein klares JAzur Wahl!

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Ich erlebe und lese täglich Dinge, die mich an den Rand des Wahnsinns treiben: da werden Menschen, die steuertechnisch nicht bewandert sind, härter bestraft, als Menschen die Leib und Leben anderer in Gefahr bringen. Ich möchte mich nicht in Beispielen ergehen, ihr wisst selbst, wie es läuft. Ich möchte hier auch keine Straftaten verniedlichen. Gewiss nicht!

ABER: ich möchte euch alle aufrufen: Geht am 24.09.2017 wählen! Denn meckern bringt…

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Ringelwolle – wie geht das eigentlich?

Vor kurzem saß ich im Zug nach Oldenburg und strickte an einem Strumpf. Ich fing ganz neu an damit: Also Maschen anschlagen, Bündchen stricken. Schon als ich Wolle und Nadeln hervorkramte, fühlte ich mich von dem jungen Mann mir gegenüber beobachtet: Ohne Zweifel, der sah mir ganz genau auf die Finger. Ich grinste ihm zu und er erntschuldigte sich – er fände das gerade so spannend, aber wenn es mich stören würde, könne er gerne woanders hingucken. Es störte mich nicht, schließlich ist ein einfach geradeaus gestrickter Strumpf keine Raketenwissenschaft. Ich fummelte also weiter, der Mann guckte. Und kurze Zeit später guckte noch ein Mann. Ich strickte nämlich eine selbstmusternde Wolle – sowas hier, aber noch viel bunter:

Socke aus der Wolle „Opal Cremige Beere“. Unspektakulär im Knäuel, aber schön im Verlauf

Die Wolle, die ich im Zug verarbeitete, hatte mir schon zuvor viel zu denken gegeben. Ich strickte nämlich schon am zweiten Strumpf und der erste wies einen Fehler auf: In der Ferse hatte der Farbverlauf einen Fehler, es fehlten zwei Farben (Pink und Orange). Es gab auch einen Knoten in der Wolle, irgendwas war beim Färben oder, wahrscheinlicher, beim Aufwickeln, schief gegangen. Ich hätte die schadhaften Stellen abwickeln können, da ich aber nicht wusste, ob das noch öfter vorkommen würde und ich nicht am Ende mit zu wenig Wolle dastehen wollte, ließ ich es so. Tatsächlich sieht man es in dem fertigen Sockenpaar kaum.

Socken mit Macke in der Ferse (unten)

Die beiden Herren ahnten nichts von meinen Gedanken, wollten aber von mir wissen, wie denn diese interessante Wolle eigentlich hergestellt wird. Tja, und ich konnte das leider nicht beantworten – genau darüber hatte ich auch nachgedacht, als ich mit der Macke im Garn kämpfte. Natürlich hat man gewisse Vorstellungen: irgendwie computergesteuert, und bestimmt nicht nur ein Faden zur Zeit, sondern mehrere, damit das Färben nicht ewig dauert. Es ist ja keine handgefärbte, handgewickelte und gefachte Wolle mit langem Verlauf, sondern etwas industriell Hergestelltes, das ganz kleine Farbabschnitte aufweist – manchmal nur zwei Zentimeter pro Farbe. Wie mag das gehen?

Die Herren grübelten, ich trug mein weniges Wissen dazu bei. Irgendwann gaben wir auf und beschlossen, einmal einen Hersteller anzuschreiben. Oder die Redaktion von Löwenzahn, oder die der Sendung mit der Maus. Oder sollte es dort schon einma einen Bericht darüber gegeben haben? Ich recherchierte und fand: meinen fernen Sonntags-Freund Christoph 🙂

Wie genau der Fehler in meiner Wolle entstanden ist, wird hier zwar auch nicht erklärt, aber dafür weiß ich jetzt so in etwa, wie Ringelwolle entsteht. Vielen Dank an Christoph und die Maus, und vielen Dank an die beiden Herren im Zug für das Interesse und das anregende Gespräch.

Kleine Flieger und zwei Krabbelviecher

Der Sommer verschwindet allmählich und die kleinen Flieger, die manchmal so lästig und doch so nützlich sind, werden langsamer und irgendwie müde. Ich gestehe ja ehrlich, dass ich gerade im Spätsommer gut auf die kleinen Kerlchen verzichten könnte – besonders, wenn sie penetrant um mich herumsurren und sich unbedingt in meinem Glas ertränken wollen.

Biene, Blüte

Ich verstehe das gar nicht – Blüten sind doch viel attraktiver. Und ungefährlicher auch, nicht zuletzt, weil man als Fluginsekt da deutlich weniger Gefahr läuft, einen Schuh auf den Kopf zu kriegen. Kaffeetische sollten für nicht eingeladene Gäste generell tabu sein.

Die beiden Wespen oben fand ich auf meinem Weg von der Arbeit zum Bus. Der ganze lila Strauch scheint ein Wespenparadies zu sein, es wimmelt direkt von ihnen. Die Blüten waren so interessant, dass ich ziemlich in Ruhe knipsen konnte. Das war bei dieser Biene, beheimatet im norddeutschen Greetsiel, schon schwieriger.

Und zu guter Letzt noch etwas anderes: Aus irgendeinem Grund erinnert mich diese Hibiscusblüte an ein Karussell – ein Ameisenkarussell. Ich hoffe, die Mädels hatten Spaß – man kann ja nicht immer nur arbeiten.

Inbetriebnahme meiner neuen Soft-Ware

Vor einigen Wochen langweilte ich euch mit einem Beitrag über meine abgenutzte Frottierware. Ich schlug mich mit dem Problem des „Haben wollens“ und der Nachhaltigkeit herum, dem ewigen „das ist doch noch gut“, das mein Gewissen plagte. Und doch habe ich es jetzt getan: Ich habe meine olle Hart-Ware aussortiert und gegen neue, farblich zusammenpassende Weich-Ware ausgetauscht.

Am Wochenende war es soweit: Die neuen Handtücher – 15 an der Zahl – sowie drei Duschvorleger wurden gefaltet und farblich sortiert in den Schrank gelegt. Eines nicht, das kam auf den Handtuchhalter. Und ein Duschvorleger auf den Boden. Außerdem wurden testweise die schon vorhandenen lila Saunatücher vor die Neuware gehalten – passt! Und dann habe ich geduscht. Das tue ich öfter, doch dieses Mal war mir besonders feierlich zumute. Ein neues etwas längeres Handtuch um den Kopf, einen weichen Duschvorleger unter den Füßen – nee, wat schön!

Natürlich wird diese Soft-Ware nicht immer so schön soft bleiben, verwende ich doch weder Weichspüler noch einen Wäschetrockner. Doch noch genieße ich den kuscheligen Stoff und die schönen Farben, die so gewählt wurden, dass die Tücher auch im Schwimmbad nicht gleich ominöse Flecken bekommen werden.

Und mein Nachhaltigkeitsproblem habe ich auch gelöst: Die alten Handtücher wurden nicht etwa weggeworfen, sondern werden – dem Rat meines Bloggerkollegen Philipp Elphs (Krimilese) folgend – zum Hunderubbeln weiterverwendet. Der erste Preis in Form eines umfangreichen Handtuchpaketes ging also an Lennox „the Erdferkel“ Reichert, der in seinem jugendlichen Ungestüm derzeit noch an allem Freude hat, was matschig ist und stinkt.

australien Shepherd

Vor und nach dem Duschen – man beachte die porentiefe Reinheit des Fells und die Aprilfrische im Blick.

Feste feiern

Mein Frankfurt ist die Stadt der Feste. „Dass hier mal kein Fest ist, gibt es nicht!“, befand meine Freundin Kerstin schon vor einigen Jahren, als wir uns Bowle trinkend am Liebfrauenberg wiederfanden. Und sie hat recht, es gibt fast an jedem Wochenende irgendein Fest. Manchmal auch zwei.

Frankfurt Panorama

Ein aus mehreren Handybildern zusammengebasteltes Panoramabild – Ausbeute meines Freitags-Workshops. Beim Anklicken wird es größer.

Und so gaben die ewige Antje und ich uns auch an diesem Samstag wieder der fröhlichen Feierei hin und genossen den Luxus, mit dem Weinfest in Bockenheim anfangen und dann, als es dort zu anstrengend (weil viel zu voll) wurde, zum Brunnenfest in Sachsenhausen umschwenken zu können. Ich gebe ja zu, dass Alt-Sachsenhausen nicht mein Stadtteil ist – um ehrlich zu sein, könnte man das von mir aus gerne zuschütten, inklusive der Pieselecken und der zahlreichen dort herummarodierenden Junggesellenabschiede. Doch das Brunnenfest war schon wirklich lustig – trotz der Lage, des zwischenzeitlichen Regens und der Schlagermusik. Oder vielleicht auch gerade wegen der Schlagermusik.

Natürlich kommt es ein wenig darauf an, wie man Schlagermusik definiert und auch interpretiert. Gestern Abend erfreute man uns mit einer wilden Mischung aus 70er-Jahre Schlager, 80er-Jahre „Neue Deutsche Welle“-Musik (und diese Leute hätten es sich ja früher verbeten, als Schlager bezeichnet zu werden) und allerhand Partykrachern à la „Viva Colonia“. Das „Medley“, sonst zumeist breiförmige Geißel aller Zuhörer, wurde völlig neu erfunden und auf Helene Fischer und Andrea Berg dankenswerterweise verzichtet. Das war gut, denn ansonsten hätte ich am Ende noch Ireen Sheer gebraucht: „Und heut‘ Abend hab ich Kopfweh …“.

Es gab also Gesang auf und vor der Bühne und ich wunderte mich wieder einmal über meine eigene Textsicherheit. Sogar so ein Geöle wie Bernd Clüvers „Junge mit der Mundharmonika“ fiel mir wieder ein und weckte Erinnerungen, denn mein Vater sang früher immer „Der Junge mit dem Hund von Monika“, was ich als Kind unheimlich lustig fand. Bei „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, im Original von Jürgen Marcus, schmetterte ich fröhlich mit und klatschte an den richtigen Stellen, nur leider nicht an der richtigen Position, was bewirkte, dass ich mein Weinglas erwischte und der kurz zuvor mühsam ergatterte „Eintracht-Riesling“ sich über die tapfere Antje sowie in meinen Ärmel ergoss. Beide, Ärmel und Freundin, sind Kummer gewohnt und trugen es mit Fassung – Opfer müssen gebracht werden.

Interessant fand ich es wie immer, mir die verschiedenen Leute auf so einer Veranstaltung anzusehen. Da waren die eigenartig aussehenden Möchtegern-Rocker, die scheinbar furchtbar wild und gefährlich wirken wollten und doch als erstes losrannten, um ruhig und sachkundig die Bergung eines umgefallenen älteren Herrn durch Sanitäter zu veranlassen. Und da war die große, kräftig gebaute Dame in geblümter Oma-Bluse, die für mich eher nach Sofa-Kartoffel aussah, sich jedoch als echtes Feierbiest erwies und den ganzen Paradiesplatz gesanglich niederschmetterte. Mit den Leuten vom Baguettestand hielt ich überraschend philosophische Gespräche und mit einer Frau im bunten Sommerkleid lachte ich immer wieder über die gleichen Sachen. Sympathische und vielfältige Menschen gibt es halt überall, und in Frankfurt ist die Mischung besonders bunt.

Es war ein wirklich schöner Abend – sogar in Alt-Sachsenhausen.

Nachhaltige Handtuchwirtschaft

Eigentlich bin ich ein ziemlich ausgeglichener Mensch. Mein Glas ist immer mindestens halb voll, sowas nennt man wohl Optimismus. Doch ab und zu trübt ein Wermutstropfen mein ansonsten heiteres Ich, und zwar immer dann, wenn ich mein Badezimmer betrete: Denn ich bin mit meiner Handtuchsituation unzufrieden.

Ich bin in meiner Jugend noch mit einer Aussteuerkiste gesegnet worden, ein Umstand, den ich nach wie vor nur halbgut finde. Ja, man musste nicht alles kaufen, als man auszog, man wurde ausgestattet. Mit Besteck, Geschirr und Handtüchern. Noch immer bin ich mit Aussteuerhandtüchern eingedeckt, in dekorativem 80er-Jahre-Pastell, das mir noch nie gefiel. Meine Handtücher sind größtenteils über 30 Jahre alt und sehen auch so aus. Aber sie sind noch gut. Sie erfüllen ihren Zweck: Man kann sich damit abtrocknen. Handtücher müssen keinen Schönheitspreis gewinnen.

Sie sehen grauslich aus. Schön waren sie nie, nun sind sie alt und verwaschen.

Haben will die sicher niemand mehr. Sie einfach wegzuwerfen wäre Verschwendung und nicht nachhaltig. Es gibt auch keinen rationalen Grund dafür. Ja, gut, irgendwann wird auch der beste Stoff mal alt, aber soweit sind sie noch lange nicht. Mein ältestes Handtuch ist älter als ich, es gehörte Paula. P. Möhle ist eingestickt, alt und verblichen, aber noch lesbar. Paula starb 10 Jahre vor meiner Geburt, bislang habe ich ihr großes Saunatuch in Ehren gehalten. Sollte ich das nun ändern, nur aus geschmäcklerischen Befindlichkeiten heraus? Ist das nicht entsetzlich oberflächlich? Doch, das ist es, ganz bestimmt. Ich habe schon die Handtücher von Großtante Martha heimlich weggeschmissen, die bei all ihrer furchterregenden Scheußlichkeit eine ausgezeichnete Qualität hatten. Mit denen hätte man sicher noch meinen Sarg muckelig auspolstern können.

Aber ist es denn unziemlich, Handtücher haben zu wollen, die einem gefallen, bevor man 50 ist? Ich bin 47, bis dahin ist natürlich noch viel Zeit. Ich kann es ruhig angehen lassen mit der Entscheidung. Niemand drängt mich dazu.

Der Zoo nimmt gebrauchte Handtücher, hat man mir erzählt. Für die Affen zum Spielen, und zum Einmummeln von Tierbabys. Das wäre doch schön für meine alten Walkfrottiertücher, da könnte auch Paula nichts dagegen haben. Und auch Tante Hilde nicht, die mir zur Konfirmation das beigefarbene Frotteewunder mit dem aufgedruckten Biedermeierstrauß zukommen ließ. Das wäre doch ein Kompromiss. Und fast nachhaltig. Vernünftiger, als diese völlig intakten Haushaltstextilien einfach in einen Sack zu stopfen und zu entsorgen, auch wenn das schneller ginge und viel praktischer wäre.

Vielleicht sollte ich den Scheiß einfach wegschmeißen. Ich will neue Handtücher!

Hafertee

Vor einer Weile war ich mal wieder unterwegs ins Schwimmbad – dieses Mal ins Frankfurter Rebstockbad. Das ist eigentlich nichts Besonderes und auch dieser Tag war nicht spektakulär. Es war ein Freitagnachmittag, ich hatte recht früh Feierabend gemacht, das Wetter war schön und ich fühlte mich gut. Flotten Schrittes – so schätzte ich das ein – ging ich die wenigen Meter von der Straßenbahn zum Bad. Vor mir lief eine ältere Dame, die eher schlecht zu Fuß war und zudem noch einen Hackenporsche hinter sich herschleppte. Ich überholte sie beschwingt – so fand ich. Sie rief hinter mir her: „Entschuldigen Sie mal …“ Ich hielt an und wartete auf sie. Vielleicht wollte sie nach dem Weg fragen, oder wissen, wo ich meine schicke Bluse gekauft habe – dachte ich. Sie aber hatte ein anderes Anliegen: Sie wollte mich beraten, wegen meiner schmerzenden Füße. Ich war etwas verdattert, denn meine Füße taten gar nicht weh und auch das olle Knie, das mir manchmal Probleme bereitet, gab sich an diesem Tag ausgesprochen manierlich. Ich fragte also nach: „Wegen meiner Füße?“ „Ja, das merke ich doch. Ihnen tun die Füße weh, das sehe ich an Ihrem Gang!“ Ich sah auf meine großen Füße hinunter, sagte etwas wie „Ach was?“ und wunderte mich. Die Dame aber war nicht zu bremsen: Hafertee solle ich trinken, jeden Tag Hafertee. Der entwässert und entgiftet und macht einen besseren Gang. Ich dachte an das mühsame Gehumpel der Dame, fragte aber nicht, ob sie auch welchen trank. Stattdessen bedankte ich mich artig und ging – flott und beschwingt, wie ich noch immer fand – meiner Wege.

Bild zur Verfügung gestellt von Marc Wolf / http://www.pixelio.de

Natürlich beschäftigte mich das Gespräch noch eine Weile. Am nächsten Tag erzählte ich meinem Kollegen Daniel von dem Vorfall, und ich googelte, was Hafertee so kann: Alles, was die Dame gesagt hatte, stand da zu lesen, und sogar noch mehr. Entgiften, entwässern, Harn treiben – aha. Altes Hausmittel der Volksheilkunde – na gut. Wer möchte, der soll.

Ein paar Tage später war ich in der Apotheke und wie das Schicksal es will, kam ich direkt neben dem Teeregal zu stehen. Da war er, der Hafertee. Es gab große und kleine Päckchen. Ich nahm eines mit 40 Beuteln, schließlich soll man an der Gesundheit nicht sparen. Und ich wollte auch nicht knausern und Daniel was abgeben. So brühten wir uns also am nächsten Tag jeder ein Beutelchen auf, warteten die vorgeschriebenen sechs Minuten ab und probierten. Es schmeckte … wenig. Ein bisschen wie heißes Wasser, nur nicht ganz so kräftig. Aber gut, es ging hier ja nicht um den Geschmack, sondern um die Wirkung. „Merkst du schon was?“ Nö, auch nach einer Stunde oder so merkte ich nichts. Daniel auch nicht. Wir lasen nochmal, was alles so auf der Schachtel stand: Sechs Tassen täglich. Heiliger Bimbam! Ja, wenn ich sechs Tassen heißes Wasser täglich trinke, dann wirkt das in der Tat harntreibend, das will ich wohl glauben.

Bild zur Verfügung gestellt von Eva Kaliwoda / http://www.pixelio.de

Wir blieben dem Hafertee ein paar Tage lang treu – zwei vielleicht, oder auch drei. Gemerkt haben wir immer noch nichts, was daran liegen kann, dass die Dosis zu gering und die Behandlungsdauer insgesamt zu kurz war. Alles in allem fand ich, dass mir der Hafertee bislang nichts geschadet hat, aber wohl auch nichts genützt. Es sind noch ein paar Beutelchen übrig. Die trinke ich noch aus, irgendwann, und gucke, ob sich mein Gang verbessert. Catwalk, ich komme!

 

Nachtrag und Anekdote am Rande: Bei meiner Bildersuche auf Pixelio.de suchte ich natürlich nach dem Keyword „Hafer“. Sofort kamen jede Menge tolle Ähren und Felder. Dank meiner ländlich geprögten Kindheit erkannte ich jedoch: Nichts von dem, was auf Seite 1 in Großaufnahme zu sehen war, war tatsächlich Hafer. Es gab Weizen, Roggen und einiges, was ich in Panoramaaufnahme nicht sicher identifizieren konnte. Da kann man sich ja wirklich leicht blamieren, wenn man nicht ganz genau weiß, was man eigentlich sucht …