Ich bin Patentante!

Patenurkunde Kobelt-ZooZu Corona-Zeiten werden Großkonzerne mit allen Mitteln vor dem Konkurs bewahrt – eine Maßnahme, die ich in gewissen Grenzen durchaus befürworte. Was leider ziemlich hinten runter fällt, sind „die Kleinen“ – besonders die Kulturtreibenden oder die Vereine. Ich habe hier und da ein wenig gespendet. Besonders angetan hat es mir derzeit der kleine, ehrenamtlich geführte Kobelt-Zoo in Frankfurt. Da gibt es keine Elefanten oder große Exoten, sondern Haustiere, Vögel und allerlei Kleingetier. Dieser Zoo wird oft von Kindergartengruppen besucht, oder auch von Leuten, die es nicht so dicke haben, denn der Eintritt ist kostenfrei und der Zoo finanziert sich nur durch Spenden. Ich habe auch dorthin einen kleinen Betrag überwiesen.

Zusätzlich habe ich zwei Patenschaften übernommen: Eine für ein Schaf, eine weitere für einen Ara. Nun bin ich also Patentrante und freue mich ganz kindlich über die beiden Patenurkunden, die mir zugeschickt wurden. Meine Freundin Maike wurde ebenfalls Patin, sie unterstützt den Lebensweg einer Anakonda sowie eines Karpaten-Uhu. Sollte noch jemand Lust auf eine Tierpatenschaft haben: Es gibt sicherlich weiterhin Finanzbedarf, und es sind auch noch Tiere „im Topf“. Für recht kleines Geld kann man hier schon mithelfen – das ist sicher auch für Kinder ganz schön.

Ausgeflogen!

Corona sei Dank haben sich die Meisen auf meinem Balkon nicht nur an meine Anwesenheit gewöhnt. Ich hatte auch das Glück, dass ich den Ausflug der Meisenküken beobachten konnte. Eines am Donnerstag Abend, zwei am Freitag. Ob es noch mehr waren, weiß ich leider nicht. Eventuell habe ich welche verpasst.

Das Donnerstags-Vögelchen fiel mir auf, weil es sich eine ganze Weile an meinem Insektenschutz festklammerte, bevor es sich todesmutig vom Balkon stürzte. Immerhin vom sechsten Stock aus – hoffentlich hat es sich nicht weh getan.

Vöglein Nummer zwei purzelte aus dem Kasten, segelte besoffen direkt an meinem Fenster vorbei, flatterte auf meine Fensterbank und guckte mich durch die Scheibe hindurch neugierig an. Ich glotzte natürlich zurück. Die Fotos sind leider unscharf, ich mochte nicht so nah rangehen. Außerdem sind die Scheiben dreckig.

Gerade, als ich mich von meiner Verblüffung erholt und die Handykamera vernünftig im Anschlag hatte, drehte es sich um und guckte woanders hin – so wird das nichts mit der Topmodelkarriere. Dann flatterte es davon, ditschte ein, zwei Mal an die Balkonbrüstung, überwand diese schließlich und verschwand.

Vögelchen dreht sich um

Nummer drei schließlich schielte nur kurz aus dem Kasten, schwang sich über die Balkonbrüstung und taumelte dem Leben entgegen – hoffentlich. Nachbars Katze schlich ebenfalls umher, ich hoffe, sie war ordentlich satt.

Seitdem die Fütterungszeit vorbei ist, ist es deutlich ruhiger auf dem Balkon. Meisen und Spatzen leben wieder in freidlicher Ko-Existenz, nachdem der Meiserich in den zwei Tagen vor dem Ausflug wie ein Berserker auf jeden Spatz losging, der sich an den Futterständer wagte. So entschlossen, wie Papa Meise zu Werke ging, hätte er es wohl auch mit einer Krähe aufgenommen.

Jetzt wird wieder friedlich gepickt und emsig gebalzt, so dass ich auf eine zweite Brut hoffe. Und das letzte Foto, unscharf und durch die fleckige Scheibe geknipst wie die anderen auch, zeigt einmal, wie groß so ein ausgeklappter Meisenflügel werden kann. Das war ein Zufallstreffer.

Startende Meise

Musik von Damals – The River

Heute habe ich mich in einer Playlist verloren – in einer schnöden Playlist von Amazon Music. Sowas höre ich gerne, wenn ich in der Küche herumwerkle, denn da habe ich kein Radio und lasse stattdessen das Handy dudeln. „Retro Frühling“ hieß die Zusammenstellung heute, und genau das war enthalten. Bob Dylan, Gordon Lightfood, die Beatles und die Beachboys – alles alte Bekannte, die mich dazu brachten, beim Obst schnippeln fröhlich mitzujodeln. Doch dann kam der Boss.

Ich höre Bruce Springsteen schon immer recht gerne, habe es aber nie soweit gebracht, mir etwas von ihm zu kaufen oder ein Konzert zu besuchen. Ich erinnere mich aber daran, dass wir früher bei unseren Spiele- oder Grillabenden auch oft das Radio anhatten – zum Beispiel die Sendung „Nightrock“ auf Radio ffn. Und irgendwann kam dann immer „The River“., diese alte Balade aus dem Jahr 1980. Das war damals das Lieblingslied eines Freundes, der dann ganz rührselig wurde. Und das wurde ich heute auch. Denn heute – ausgerechnet heute – hätten wir uns eigentlich in der Nähe von Hannover treffen wollen, um den 10. Hochzeitstag eines Paares aus der Kohlfahrtsrunde zu feiern. Gewiss wären auch viele Leute gekommen, die ich nicht kenne, doch ich habe mich auf meine alten Freunde gefreut. Corona sei Dank ist das verschoben worden.

Vernünftig, ja sicher. Aber heute in meiner Küche war mir gar nicht nach vernünftig zumute. Ich sah uns wieder dort sitzen, jung und unbefangen, an manchen Abenden deutlich jenseits von angetrunken. Darauf hätte ich heute auch Lust gehabt – schon am Nachmittag anfangen zu saufen, den Abend gemütlich passieren lassen, irgendwann ein „Croque“ vom Baguetteladen, denn Sushi war damals noch nicht drin. Bier oder Wein, auch hier eher billige Ware, Chips und Schokorosinen. Heute gibt es andere zu schnabulieren. Doch der Ablauf hätte mir heute gefallen. Ich wurde wehmütig. Der Rest der Playlist löste derartige Emotionen nicht aus und das das Kompott köchelte, war ich bereits wieder heiter. Aber es ist schon seltsam, was für starke Emotionen so ein altes Lied auslösen kann.

Ob „The River“ für den alten Freund noch immer solche Bedeutung hat, weiß ich gar nicht. Aber ich weiß, dass ich ihn und die anderen heute gerne gesehen hätte. Eine Feier, bei der es so richtig kracht, das hätte ich gerne mal wieder. Naja – aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wird schon werden.  Heute schickere ich mir alleine einen an. Das tue ich selten, aber ich glaube, heute geht was. Hergen und Kathrin, danke für die Einladung – ich komme, wann immer ihr wieder ruft. Und dieser Wein ist für euch!

Bei mir piept’s: Ich hab‘ ’ne Meise!

Nachdem ich in den letzten zwei Jahren immer begeistert die brütenden Vögel im Looduskalender beobachtet habe, bin ich endlich live dabei: In den vor über einem Jahr aufgehängten Brutkasten ist ein Meisenpärchen eingezogen

Das liegt sicher auch daran, dass ich meinen Winterfutterständer einfach habe stehen lassen. Der wird nun nicht nur zum emsigen Picken genutzt, sondern auch zum Balzen, Flügelschlagen und Herumturnen. Besonders interessant finde ich die Wurm-Übergabeaktionen, bei denen wohl der Meiserich mit Wurm im Schnabel auf dem Ständer landet, wild herumhampelt und der herbeieilenden Frau Meise den Wurm übergibt. Die flattert dann zurück in den Nistkasten. Und ich, die ich direkt nebenan am Fenster in meinem einsamen Homeoffice sitze, hoffe nun auf kleine Ästlinge, die meinen Futterständer als Startrampe für ihre Flugversuche benutzen. Wenn sich was tut, sage ich Bescheid 🙂

Corona und ich

Meike mit grüner MaskeAuch wenn es wahrscheinlich alle nicht mehr hören oder lesen mögen, gibt es auch bei mir noch einen Beitrag zu Corona, genau genommen über Corona und mich. Ich wurde nämlich in der letzten Zeit ein paar Mal gefragt, was der Virus und die verordnete Abschottung mit mir macht. Schließlich lebe ich allein und viele in meiner Lage sind durch Homeoffice und Kontaktsperren einsam und fühlen sich schlecht.

So geht es mir nicht. Ich bin in einer privilegierten Lage, muss mich um keine alten, schwachen Angehörigen sorgen und habe bislang keine Krankheitsfälle im Freundes- und Verwandtenkreis. Auch hüpfen keine energiegeladenen Kinder um mich herum, wenn ich tagsüber hier zuhause am Esstisch sitze und arbeite.

Das Alleinsein macht mir gar nichts aus. Ich scheine für das Eremitentum geboren zu sein und vermisse vordergründig erst mal nichts. Natürlich würde ich gerne einmal wieder meine Freunde sehen, es gelüstet mich nach einem schönen Spieleabend, nach Kino, Flohmarkt, Weinfest und Jägerschnitzel im „Grüne Soße und mehr“. Aber gut, das geht jetzt halt nicht – also mache ich etwas anderes. Wenn ich nicht arbeite, habe ich immer etwas anderes zu tun: lesen, schreiben, internetten oder fernsehen, dabei Strümpfe stricken – die Zeit geht schnell rum, wenn man sich gut zu beschäftigen weiß. Außerdem wird viel mit Freunden oder Verwandten telefoniert. Das ist eine Wiederentdeckung, denn das private Telefonieren hatte ich mir beinahe abgewöhnt. So bin ich also gut beschäftigt und fühle mich auch nicht alleine.

Und doch merke ich, dass sich auch in meinem Kopf etwas verändert, ich ein wenig komisch werde. Zumindest finde ich das jetzt noch komisch, vielleicht ist es in ein paar Monaten ja mein Normalzustand. So beobachte ich derzeit bei mir eine neue Art der Sparsamkeit, so als befürchte ich tief in mir drin einen materiellen Notstand. Das deckt sich vielleicht ein wenig mit diesem Impuls zu hamstern, den viele Leute plötzlich hatten, oder mit der schwindenden Kauflaune, die der Handel beklagt. Auch ich habe mir seit Wochen nichts außer Alltäglichem gekauft und finde, dass ich nichts Neues brauche. Was soll ich mit neuen Sommersachen, wenn ich genauso gut im alten, vom vielen Waschen kuschelweichen Shirt hier alleine im Homeoffice sitzen kann? Soweit ist die Sparsamkeit also noch logisch.

Ich ertappe mich aber auch bei absolut merkwürdigen Gedanken, etwa wenn ich feststelle, dass die Spülmaschine schon wieder voll ist. Dann schleicht sich ein „Nein, die kann doch nicht schon wieder laufen, was das kostet – schon wieder ein Spültab!“ durch mein Gehirn und ich überlege, ob ich vielleicht zwischendurch von Hand spülen sollte. Ja, genau, von Hand spülen – deshalb habe ich mir beim Einzug in diese Wohnung die kleine Spülmaschine gekauft. Bevor ich damit anfange, benutze ich lieber zwei Tage lang den gleichen Teller!

Moment. Halt, stopp! Nein, das tue ich nicht – Order, Order! Ich kaufe einfach neue Spültabs, wenn die alten alle sind.

Ähnliches passierte mir kürzlich beim Wäsche falten. Da kam mir so eine olle Socke mit unmöglicher Passform in die Hände. Das Paar hatte ich schon vor Monaten wegschmeißen wollen, doch immer wieder geriet es in die Wäsche statt in die Tonne. Jetzt hatte ich es eingefangen, doch statt es zu entsorgen, ertappte ich mich dabei, dass ich es mir vor die Nase hielt – könnte man da keine Alltagsmaske draus basteln? Zu diesem Zweck habe ich auch schon ein altes, schiefes T-Shirt sowie ein 90er-Jahre-Nickituch geschlachtet, warum nicht einen schwarzen Strumpf dazu nehmen? Ein Blick in den Spiegel reichte jedoch, um mich zur Ordnung zu rufen. Ich werde mir keine verwaschenen Socken vor das Gesicht schnüren – soweit kommt es noch.

Meike mit gestreifter MaskeIrgendwie scheinen die Notlagen, in die andere durch Corona geraten und über die immer wieder in den Medien berichtet werden, auf mich überzuschwappen. Das ist irrational, denn ich arbeite ganz normal weiter und bekomme nach wie vor mein volles Gehalt. Ich spare sogar Geld dadurch, dass ich nicht dauernd essen gehe und keine Veranstaltungen besuche. Auch ist meine Heimkantine deutlich billiger als die, in der ich sonst esse. Es gibt also keinen Grund für mich, an Putzmitteln zu knausern oder angezogen wie der letzte Mensch durch die Gegend zu laufen.

Andererseits entdecke ich aber auch eine neue Großzügigkeit. Ich spende seit Jahren regelmäßig einen bestimmten Teil meines Einkommens, habe zwei Patenkinder in Laos und bin nicht zurückhaltend, wenn ich finde, dass bestimmte Katastrophen meiner Unterstützung bedürfen. Jetzt aber mache ich mir nicht nur um Menschenleben. sondern auch um die kleinen Kulturangebote in meiner Umgebung Gedanken. Die sind es ja, die mein Leben zu dem machen, was es ist – bunt und heiter. Und so habe ich nicht nur einen ordentlichen Betrag an das rote Kreuz gespendet (den mein Arbeitgeber nochmal verdoppelt), sondern auch an kleinere Einrichtungen hier in Frankfurt. Und ich werde Patentante von zwei Tieren im ehrenamtlich geführten Kobelt-Zoo. Es gibt einfach so viele derzeit, denen diese Krise schwer zu schaffen macht. Ich kann sie nicht alle unterstützen, mache mir aber doch Sorgen, dass es die bunte Welt, in der ich so gerne lebe, nach der Corona-Krise vielleicht erst mal nicht mehr geben wird. Zum Glück weiß ich, dass Gesellschaften sich von Krisen erholen können und oft gestärkt daraus hervorgehen, aber wie schnell wird das gehen? Ich hoffe, es dauert nicht allzu lange.

Improvisationskuchen Ex-Banana

In letzter Zeit backe ich ja auch öfter mal für mich alleine – kommt ja kein Besuch. Und manchmal muss einfach was weg. So wie in dieser Woche meine restlichen Bananen. Ich mag Bananen am liebsten, wenn sie noch etwas grün sind – zumindest oben am Zipfel, gerne aber auch ein bisschen an der Schale. Manchmal aber kauft man Bananen, die schon zwei Tage später „die fliegende Bananenbräune“ kriegen und zu Tigerbananen werden. So geschah es auch diese Woche und ich hatte drei braun-gelb gestreifte Krummlinge in meiner Küche liegen. Wäre es nur eine gewesen, hätte ich sie gematscht und mit Joghurt gegessen, aber drei verlangten nach einer anderen Idee. Und so kam mir der Gedanke an Bananenmuffins – ob das wohl schmeckt? Und sind drei Bananen nicht zu viel für zwölf Muffins?

Ich entschied mich also, einen Napfkuchen aus anderthalb Muffinrezepten zu machen. Dafür war alles im Haus und dieses Grundrezept gelingt eigentlich immer. Kurzzeitig verfolgte ich den Plan, zartbittere Schokostreusel dazuzugeben. Das scheiterte aber daran, dass niemand Schokostreusel eingekauft hatte. Stattdessen fand ich eine von Silvester übrig gebliebene Packung bittere Choko Crossies, die bedenklich nahe am Mindesthaltbarkeitsdatum war und deshalb der Zutatenliste zugeschlagen wurde. Dann wäre da auch gleich was drin für den Crunch, dachte ich mir, und das ist ja wichtig, wenn man meiner liebsten Backshow Glauben schenkt.

Los ging es also mit diesem Rezept:

  • 110 ml Öl
  • 3 Eier
  • 325 g Naturjoghurt
  • 120 g Zucker
  • –>miteinander verrühren
  • 3 Tigerbananen in kleine Stücke schnippeln
  • –> einrühren

In einer trockenen Schüssel (ich nehme immer gleich die meiner Waage dazu):

  • 375 g Mehl
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 150 g alte bittere Choko Crossies –> in einem Gefrierbeutel zerkleinern
  • –> miteinander mischen und
  • –> unterrühren

Die gute, von Muttern geerbte Alu-Napfkuchenform fetten und mit Paniermehl ausbröseln. Teig einfüllen und etwa 40 Minuten backen.

Nicht jedes meiner Backexperimente geht uneingeschränkt gut aus, nicht jeder „Muss-weg-Kuchen“ landet hier im Blog. Einiges wird auch schamhaft verschwiegen. Doch der Bananenkuchen ist wirklich rundum gut gelungen – locker, saftig und nicht zu süß. Nur das mit dem Crunch hat nicht so gut geklappt wie gedacht, die Choco Crossies haben sich dem bananigen Umfeld von der Konsistenz her eher angeglichen. Das macht aber nichts, der Kuchen ist auch ohne Crunch wirklich lecker. Das hätte ich den ollen Bananen gar nicht zugetraut 🙂

Schön ausgedrückt – gnadenlose Alterungsbeschreibungen

Diese Kategorie hatten wir schon lange nicht mehr. Dabei liegt der Beitrag schon eine Weile fertig bei mir herum. Nun, vielleicht hatte ich einfach eine gewisse Scheu, sowas zu veröffentlichen. Doch da ich das eine oder andere auch an mir beobachte, bin ich Betroffene und kann somit hemmungslos darüber reden, über das Thema …

Gnadenlose Alterungsbeschreibungen

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt in die Kategorie „Schön ausgedrückt“ einsortieren sollte, denn wirklich schön sind die Ausdrücke, mit denen oft die sichtbaren Alterungsprozesse bei Mann und Frau bezeichnet werden, nicht. Viele sind umgangssprachlich und eher garstig ausgedrückt, aber sehr deskriptiv und daher oft recht lustig. Und das eine oder andere mag auch durchaus in die Kategorie passen, also belasse ich es dabei.

„Was hast du gesagt?“
Bild von Pixabay

Beginnen wir mit dem, was eine zurückweichende Haartracht besonders bei Männern beschreibt: die Geheimratsecken. Das klingt würdevoll und ist sicherlich auch so gemeint, denn Geheimrat (oder Hofrat in Österreich bzw. Ratsherr in der Schweiz) wurden nur kluge ältere Herren. Laut Wikipedia weisen diese Ecken nicht selten auf eine beginnende Glatzenbildung hin, was noch neutral formuliert ist. Auch der Paterkranz bei Männern, denen die Glatze nach Art einer Tonsur entsteht, klingt noch recht freundlich. Spöttischer klingt da schon „dem kommt das Knie durch“ oder „er lässt sich eine Badekappe wachsen“. Und optimistisch klingt „bei dem kommt die Weisheit durch“.

Besonders viele Veränderungen gibt es natürlich im Bereich des Gesichts: die kleinen Lachfalten um die Augen, die ich bei Männern so attraktiv finde, werden als Krähenfüße bezeichnet, was sie meiner Ansicht nach unnötig abwertet. Denn es gibt doch nichts Schlimmeres, als so ein unbewegliches Botox-Gesicht, dem man auch in Kummer oder Freude nicht ansieht, dass darin etwas lebt. Daher bevorzuge ich gerade bei Lachfalten den Ausdruck Lebenslinien, denn das trifft es viel besser.

Weniger hübsch finde ich die tiefhängenden Schlupflider oder diese stark verschwollen wirkenden Augenpartien, die gemeinhin als Tränensäcke bekannt sind. Dass man auch damit international berühmt werden kann, hat uns Kommissar Derrick eindrucksvoll bewiesen.

Rutscht im Alter die Figur ein wenig durcheinander, wird man also ein wenig mehr um die Mitte herum, wird gerne von einer Wampe, einem Bierbauch oder einem Knödelfriedhof gesprochen. Das trifft so allerdings eher Männer, Frauen sind einfach nur dick. Manchmal werden sie um die Mitte dicker und obenrum dünner, das wird dann mit dem unschönen Ausdruck Hängebrüste beschrieben. Und wenn die Haut an den Oberarmen erschlafft, empfiehlt so mancher selbst ernannte Modeberater den Damen (und nur ihnen!), dass sie keine ärmelfreie Kleidung mehr tragen sollen, damit man das „Schwiegermutterwinken“ nicht so sieht. Herren im Feinripp-Unterhemd sind davon anscheinend nicht betroffen.

Meine Lieblingszone bei den unfreundlichen Alterungsbezeichnungen ist jedoch der Hals: Ein früher einmal schlanker, glatter Schwanenhals mutiert im Alter gerne zum Putenhals – eine zoologische Sensation. Und den schönsten, wenngleich garstigsten Ausdruck benutzten meine ansonsten seriösen Eltern und ihre Bekannten für eine Dame, deren Doppel- oder Dreifachkinn im Alter erschlaffte und sich nach unten bewegte: Da fiel tatsächlich der Ausdruck „Bammelfresse“. Und diesen Ausdruck finde ich schon ganz schön unerhört. Das hätte ich als Kind mal zu jemandem sagen sollen!

Kohlfahrtszeit ist Regenzeit

Es ist ja schon verrückt, dass man solch eine norddeutsche Kulturveranstaltung wie die traditionelle Kohlfahrt immer gerade in der kalten Jahreszeit machen muss. Allerdings hatten wir bislang – und das sind über 30 Jahre – erst selten richtige Regenkohlfahrten. Nun, der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht …

Angekündigt waren ein paar Schauer. Gut, damit kann man leben. Ausgerüstet mit guten Jacken, Schirmen und festem Schuhwerk macht einem echten Kohlfahrer so ein kleiner Schauer nichts aus. Aber was tut man, wenn aus den vereinzelten Schauern ein stundenlanges Gepladder wird? Nun, man macht … das Gleiche wie sonst auch. Laufen, trinken und komische Spiele spielen. Außerdem haben wir in diesem Jahr die Schirmkröte erfunden, eine Mensch- und Materialformation, bei der man sich zusammendrängelt (die Kleinen in die Mitte) und mithilfe der Schirme so viel Schutz wie möglich aufbaut, damit der Schnaps nicht mehr als nötig verwässert.

Geboßelt wurde natürlich auch, das gehört bei uns ja dazu. Das verlief dieses Mal recht unspektakulär, keiner fiel in den Graben, und auch die Kugel war nie zu matschig, weil man sie immer in einer Pfütze waschen konnte. Wir hatten jedoch das Glück, beim Suchen nach der Kugel mit dem Kraber in einem Graben  einen wohl mal vom Winde verwehten Herrenhut zu finden – ein erstaunlich gut erhaltenes Stück, das von Ute in einer klaren Pfütze gewaschen wurde und dann zum „Trocknen“ auf dem Bollerwagen befestigt wurde. Der Hut würde später am Tag noch richtig zu Ehren kommen.

Ich gehe ja immer gerne mit diesen alten Freunden auf Tour, aber an Tagen wie diesen mag ich meine Leute besonders gerne. Denn trotz des fiesen Wetters war die Laune hervorragend. Keiner mopperte herum, keiner gab den Piesepampel oder musste abgeholt werden. Aus irgendeinem verrückten Grund waren wir sogar länger draußen als sonst, gerade so als könnten wir gar nicht genug bekommen von nassen Füßen und kaputten Schirmen. Der eine oder andere der kleinen Helfer gab nämlich unterwegs den Geist auf – meiner auch. Es ist halt manchmal etwas windig in der norddeutschen Tiefebene …

Und ab und an, ganz selten, hörte es sogar mal auf zu regnen. Immer so für einige Minuten, gerade lange genug, dass wir unsere Schirme zugeklappt und im Bollerwagen verstaut haben. Und dann sah meine klatschnasse Heimat richtig schön aus:

Es war also mal wieder richtig gelungen – allen Wassermassen zum Trotz. Unsere Kohlkönigin hatte die Tour liebevoll organisiert und für den erkrankten Kohlkönig übernahm ein Erstzkönig, der sich den ganzen Nachmittag lautstark immer wieder für irgendwas entschuldigte: „Ich bin hier nur die Aushilfe!“ Ein neues Königspaar wurde auch gefunden und dabei – das muss noch gesagt werden – kam der olle Hut nochmal richtig zur Geltung: Das zweite Strickschwein, früher das Zepter des Königs, ging nämlich verloren, sodass nun der nasse Filzhut als Krönungsutensil herhalten musste. Nun ja – empfindlich darf man bei uns nicht sein, wenn man regieren will 🙂

Zu guter Letzt noch einen großen Dank an Sandra und Harry für die Organisation, Michael für die selbstlose Übernahme des Amten und an Günter und Anita, die uns am Futterstand mit heißen Getränken, Brot, Käse und Wurst versorgten. Was wären wir gewesen ohne euch – nichts weiter als ein Trüppchen begossener Pudel!

Eierkauf 2.0

Endlich geschafft – Feierabend! Und das am Freitag. Die Zeit reicht noch für einen Besuch des Wochenmarktes auf dem Platz am Südbahnhof. Ich will mal wieder was Gutes kochen am Wochenende, also nicht nur Milchreis oder Pfannkuchen, sondern was Richtiges. Essen wie bei Muttern, sozusagen.

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Freudig hüpfe ich aus dem Bus und greife an. Mal gucken, was es so gibt – Fisch vielleicht. Zuerst komme ich aber am Eierstand vorbei, da nehme ich sechs Bio-Eier in der Größe L und versenke die Packung in meinem großen Einkaufsrucksack.

Dann zum Fisch. Das sieht ja immer alles so gut aus, wie es da auf dem weißen, kleingehackten Eis liegt. Alaska-Seelachs – den gab es immer zuhause. Oder Heringe – das war früher ein billiges Essen. Diese Zeiten sind lange vorbei und ich bin unentschlossen. Daher nehme ich nur ein Fischbrötchen für’s Abendessen und schlendere weiter. Am Geflügelstand gibt es Suppenhühner – Huhn im Topf wäre auch mal wieder was. Kurz entschlossen kaufe ich eines. Wahnsinn, was dieses magere kleine Ding kostet. Naja, die Zeiten, in denen Omas Freundin Leni von Loy Suppenhühner in Straußengröße vorbeibrachte, sind halt auch vorbei, in der Stadt gibt es sowas nicht. Dafür passt das Hühnchen auch noch locker in den Rucksack, ebenso wie das Bund Suppengrün, die Möhren und die drei Kohlrabi, die ich noch für meine Suppe kaufe. Jetzt noch eines von den schönen, schweren Bio-Broten und mein Wochenend-Einkauf ist erledigt. Mit etwas Nachdrücken geht sogar der Reißverschluss am Rucksack noch zu.

Ich kaufe noch ein Stück Kuchen. Das geht beim besten Willen nicht mehr in die Tasche, das muss in eines der Einkaufsbeutelchen, die ich immer in der Vordertasche des Rucksacks mit mir herumtrage. Es fühlt sich ein bisschen seifig an, wahrscheinlich muss ich es mal waschen. Jetzt aber schnell in die Bahn und nach Hause, Tee kochen, Kuchen essen.

Die Bahn ist pickepacke voll, ich muss meine Taschen auf den Schoß nehmen, damit neben mir jemand sitzen kann. Irgendwas ist am Bein feucht, wahrscheinlich habe ich meinen Rucksack auf dem Markt irgendwo in eine Pfütze gestellt. Guter Dinge schleppe ich meine Einkäufe heim und mache mich daran, auszupacken. Was dabei komisch ist: Der Rucksack hinterlässt auf der Arbeitsplatte so eine komische, seifige Spur. Am Brot ist nix, aber das Suppengemüse ist auch seifig. Als ich die glibberige Tüte mit dem Suppenhuhn herausziehe, hängt daran eine Eierschale – heiliger Bimbam! Da habe ich doch glatt beim Einschlichten meines Einkaufs und dem gewaltsamen Schließen des Reißverschlusses meine Eier ganz vergessen! Vier Bio-Eier der Größe L haben sich aus der zerstörten Packung geschlichen und ihren gesamten Inhalt in den Bodensatz meines Rucksackes erbrochen. Ich ziehe einen triefenden Regenschirm heraus – wenn ich mir den jetzt versehentlich in den Leib ramme, habe ich wohl einen Eierstich. Taschentücher, Kassenbons, Hustenbonbons, aber zum Glück nicht mein Geldbeutel: Der ist in der Jackentasche.. Unten im Sack glibbert ungerührt eine Eiermasse herum, gewürzt mit Papierfetzchen, Sand und allerlei Unrat.

Ich untersuche meine Jacke – na klar, der Rücken ist , vollgeeiert. Wahrscheinlich habe ich auf dem Weg nach Hause eine Schneckenschleimspur hinter mir hergezogen, die einem Zoologen Rätsel aufgeben würde. Was für eine Schweinerei!

Ich berge die beiden verbliebenen Eichen, tüte mein Huhn sauber um und stopfe den Rucksack, die Jacke und das Einkaufsbeutelchen in die Waschmaschine. Der Schirm darf duschen – eieiei. Trotz dieses Ungemachs muss ich lachen – wie kann man nur so schusselig sein. Kuchen und Tee schmecken trotzdem und aus dem Huhn wird am Samstag eine feine Suppe. Und die beiden letzten Eier – die Überlebenden des großen Schussels – werden am Sonntag besonders feierlich gekocht.

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Nachtrag: Sollte sich jemand über den Titel wundern – Eierkauf 2.0: Es gab vor einigen Jahren schon mal einen Eierkauf. Damals blieb aber alles heil …

Spielsalat zum neuen Jahr

Manchmal machen wir im Schreibworkshop eine Übung, die den schönen Namen „Quickie“ trägt. Dabei gibt es ein Thema und extrem wenig Zeit. Meistens kommt dementsprechend nix dabei heraus. Diese komisch kleine 3-Minuten-Sache aber wurde zumindest fertig. Das Thema lautete: Überall ist anders. Und heraus kam der „Fernsehsalat“.

Natürlich gibt es auch einen Grund, warum ich dieses winzige Stück zum Jahresanfang poste: Wir haben an Silvester mal wieder unser Lieblingsspiel gespielt, „Time’s up“ oder zu Deutsch „Sag’s mir“. Das Spielprinzip ist einfach: Es gibt Zweierteams, die miteinander spielen. In der Originalversion geht es entweder um Filme/Serien oder berühmte Persönlichkeiten – von Alexander dem Großen über Albert Schweizer bis hin zu Helene Fischer. In der ersten Runde werden die gesuchten Begriffe beschrieben – mit so vielen Worten, wie es eben braucht, oder bis die Zeit um ist. In der zweiten Runde wird das gleiche Kartenset verwendet, es darf jedoch nur noch ein Wort benutzt sowie einmal geraten werden. Und in der dritten Runde wird pantomimisch beschrieben – was bei Begriffen wie „Der Doktor und das liebe Vieh“ schon mal schwierig werden kann. Auf jeden Fall ist es eine Riesengaudi und wir frönen der Sache schon einige Jahre.

Da lag aber auch genau unser Problem: Der große Spaß führte zu einem gewissen Frust, weil wir die meisten Karten schon mehrmals gespielt haben. Erweiterungssets gibt es nicht. Wir haben also aus der Not eine Tugend gemacht und uns eigene Karten gebastelt – in fünf Kategorien: Film/Serien, Persönlichkeit, Lieder, Buchtitel und Sehenswürdigkeiten/regionale Spezialitäten. In jugendlichem Übermut haben wir dann alle Karten durcheinandergerührt – man kann sie aber noch an den Farben erkennen. Und, was soll ich sagen – diese Variante ist noch viel besser und beschäftigte uns die ganze Nacht.

Auch hier kam es zu eigenartigen Salaten: aus Juliane Werdings pathetischer „Nacht voll Schatten“ wurde sehr umgangssprachlich „Voll der Nachtschatten“, der pantomimisch mit einer Tomate beschrieben wurde. Der Maler Bob Ross fusionierte mit dem Sänger und Moderator Ross Antony und wurde zu Ross Bob. Und ein Mitspieler las die Karte in der Eile falsch, beschrieb lang und breit Begrenzungsmauern und Parkplätze – und keiner kam auf „Die Mädels vom Immenhof“, die ihre vielen Ponys zum Glück nicht in einem Innenhof gehalten haben. Viele dieser lustigen Missverständnisse führten mal wieder zu einem Feuerwerk an Spaß.

Und ja, natürlich hatten wir auch hier den großen …

Fernsehsalat

„Dalli Dalli!“, rief Wim Thoelke, bevor er schon mal den Wagen holen ging. Im Fahrzeug wartete Kojak, einen Lolli rauchend und ungeduldig mit den Füßen zappelnd. „Los komm, Wim, alter Falter, wir müssen los, die Straßen von San Francisco brauchen uns!“ Wim gab Gas, überfuhr Wum und Wendelin – versehentlich natürlich – und zog den Hebel, der das Fliwatüt zum Abheben brachte. So waren sie bald flott unterwegs, Kojak und Wim, auf dem Weg ins Taka-Tuka-Land, wo alles gut war und das fesche Fräulein Rottenmeier schon auf sie wartete.

Verspätet ein gutes neues Jahr wünscht Meike!