Nachhaltige Handtuchwirtschaft

Eigentlich bin ich ein ziemlich ausgeglichener Mensch. Mein Glas ist immer mindestens halb voll, sowas nennt man wohl Optimismus. Doch ab und zu trübt ein Wermutstropfen mein ansonsten heiteres Ich, und zwar immer dann, wenn ich mein Badezimmer betrete: Denn ich bin mit meiner Handtuchsituation unzufrieden.

Ich bin in meiner Jugend noch mit einer Aussteuerkiste gesegnet worden, ein Umstand, den ich nach wie vor nur halbgut finde. Ja, man musste nicht alles kaufen, als man auszog, man wurde ausgestattet. Mit Besteck, Geschirr und Handtüchern. Noch immer bin ich mit Aussteuerhandtüchern eingedeckt, in dekorativem 80er-Jahre-Pastell, das mir noch nie gefiel. Meine Handtücher sind größtenteils über 30 Jahre alt und sehen auch so aus. Aber sie sind noch gut. Sie erfüllen ihren Zweck: Man kann sich damit abtrocknen. Handtücher müssen keinen Schönheitspreis gewinnen.

Sie sehen grauslich aus. Schön waren sie nie, nun sind sie alt und verwaschen.

Haben will die sicher niemand mehr. Sie einfach wegzuwerfen wäre Verschwendung und nicht nachhaltig. Es gibt auch keinen rationalen Grund dafür. Ja, gut, irgendwann wird auch der beste Stoff mal alt, aber soweit sind sie noch lange nicht. Mein ältestes Handtuch ist älter als ich, es gehörte Paula. P. Möhle ist eingestickt, alt und verblichen, aber noch lesbar. Paula starb 10 Jahre vor meiner Geburt, bislang habe ich ihr großes Saunatuch in Ehren gehalten. Sollte ich das nun ändern, nur aus geschmäcklerischen Befindlichkeiten heraus? Ist das nicht entsetzlich oberflächlich? Doch, das ist es, ganz bestimmt. Ich habe schon die Handtücher von Großtante Martha heimlich weggeschmissen, die bei all ihrer furchterregenden Scheußlichkeit eine ausgezeichnete Qualität hatten. Mit denen hätte man sicher noch meinen Sarg muckelig auspolstern können.

Aber ist es denn unziemlich, Handtücher haben zu wollen, die einem gefallen, bevor man 50 ist? Ich bin 47, bis dahin ist natürlich noch viel Zeit. Ich kann es ruhig angehen lassen mit der Entscheidung. Niemand drängt mich dazu.

Der Zoo nimmt gebrauchte Handtücher, hat man mir erzählt. Für die Affen zum Spielen, und zum Einmummeln von Tierbabys. Das wäre doch schön für meine alten Walkfrottiertücher, da könnte auch Paula nichts dagegen haben. Und auch Tante Hilde nicht, die mir zur Konfirmation das beigefarbene Frotteewunder mit dem aufgedruckten Biedermeierstrauß zukommen ließ. Das wäre doch ein Kompromiss. Und fast nachhaltig. Vernünftiger, als diese völlig intakten Haushaltstextilien einfach in einen Sack zu stopfen und zu entsorgen, auch wenn das schneller ginge und viel praktischer wäre.

Vielleicht sollte ich den Scheiß einfach wegschmeißen. Ich will neue Handtücher!

Hafertee

Vor einer Weile war ich mal wieder unterwegs ins Schwimmbad – dieses Mal ins Frankfurter Rebstockbad. Das ist eigentlich nichts Besonderes und auch dieser Tag war nicht spektakulär. Es war ein Freitagnachmittag, ich hatte recht früh Feierabend gemacht, das Wetter war schön und ich fühlte mich gut. Flotten Schrittes – so schätzte ich das ein – ging ich die wenigen Meter von der Straßenbahn zum Bad. Vor mir lief eine ältere Dame, die eher schlecht zu Fuß war und zudem noch einen Hackenporsche hinter sich herschleppte. Ich überholte sie beschwingt – so fand ich. Sie rief hinter mir her: „Entschuldigen Sie mal …“ Ich hielt an und wartete auf sie. Vielleicht wollte sie nach dem Weg fragen, oder wissen, wo ich meine schicke Bluse gekauft habe – dachte ich. Sie aber hatte ein anderes Anliegen: Sie wollte mich beraten, wegen meiner schmerzenden Füße. Ich war etwas verdattert, denn meine Füße taten gar nicht weh und auch das olle Knie, das mir manchmal Probleme bereitet, gab sich an diesem Tag ausgesprochen manierlich. Ich fragte also nach: „Wegen meiner Füße?“ „Ja, das merke ich doch. Ihnen tun die Füße weh, das sehe ich an Ihrem Gang!“ Ich sah auf meine großen Füße hinunter, sagte etwas wie „Ach was?“ und wunderte mich. Die Dame aber war nicht zu bremsen: Hafertee solle ich trinken, jeden Tag Hafertee. Der entwässert und entgiftet und macht einen besseren Gang. Ich dachte an das mühsame Gehumpel der Dame, fragte aber nicht, ob sie auch welchen trank. Stattdessen bedankte ich mich artig und ging – flott und beschwingt, wie ich noch immer fand – meiner Wege.

Bild zur Verfügung gestellt von Marc Wolf / http://www.pixelio.de

Natürlich beschäftigte mich das Gespräch noch eine Weile. Am nächsten Tag erzählte ich meinem Kollegen Daniel von dem Vorfall, und ich googelte, was Hafertee so kann: Alles, was die Dame gesagt hatte, stand da zu lesen, und sogar noch mehr. Entgiften, entwässern, Harn treiben – aha. Altes Hausmittel der Volksheilkunde – na gut. Wer möchte, der soll.

Ein paar Tage später war ich in der Apotheke und wie das Schicksal es will, kam ich direkt neben dem Teeregal zu stehen. Da war er, der Hafertee. Es gab große und kleine Päckchen. Ich nahm eines mit 40 Beuteln, schließlich soll man an der Gesundheit nicht sparen. Und ich wollte auch nicht knausern und Daniel was abgeben. So brühten wir uns also am nächsten Tag jeder ein Beutelchen auf, warteten die vorgeschriebenen sechs Minuten ab und probierten. Es schmeckte … wenig. Ein bisschen wie heißes Wasser, nur nicht ganz so kräftig. Aber gut, es ging hier ja nicht um den Geschmack, sondern um die Wirkung. „Merkst du schon was?“ Nö, auch nach einer Stunde oder so merkte ich nichts. Daniel auch nicht. Wir lasen nochmal, was alles so auf der Schachtel stand: Sechs Tassen täglich. Heiliger Bimbam! Ja, wenn ich sechs Tassen heißes Wasser täglich trinke, dann wirkt das in der Tat harntreibend, das will ich wohl glauben.

Bild zur Verfügung gestellt von Eva Kaliwoda / http://www.pixelio.de

Wir blieben dem Hafertee ein paar Tage lang treu – zwei vielleicht, oder auch drei. Gemerkt haben wir immer noch nichts, was daran liegen kann, dass die Dosis zu gering und die Behandlungsdauer insgesamt zu kurz war. Alles in allem fand ich, dass mir der Hafertee bislang nichts geschadet hat, aber wohl auch nichts genützt. Es sind noch ein paar Beutelchen übrig. Die trinke ich noch aus, irgendwann, und gucke, ob sich mein Gang verbessert. Catwalk, ich komme!

 

Nachtrag und Anekdote am Rande: Bei meiner Bildersuche auf Pixelio.de suchte ich natürlich nach dem Keyword „Hafer“. Sofort kamen jede Menge tolle Ähren und Felder. Dank meiner ländlich geprögten Kindheit erkannte ich jedoch: Nichts von dem, was auf Seite 1 in Großaufnahme zu sehen war, war tatsächlich Hafer. Es gab Weizen, Roggen und einiges, was ich in Panoramaaufnahme nicht sicher identifizieren konnte. Da kann man sich ja wirklich leicht blamieren, wenn man nicht ganz genau weiß, was man eigentlich sucht …

Jaffa!

Kürzlich sprach ich mit einigen Kollegen über das 10-Finger-System. Und dieser Ausdruck weckte eine Erinnerung in mir – eine, die merkwürdig weit weg war. Und dabei war ich schon 16, als all das passierte …

Jaffa!

Schreibmaschine, Typen

„Makro Letters“ – bild zur Verfügung gestellt von PeterFranz, http://www.pixelio.de

Vor über dreißig Jahren musste ich etwas machen, in dem ich gar keinen Sinn sah: Einen Kurs im Schreibmaschine schreiben. Meine Eltern fanden, dass das ein guter Beitrag zu meiner Ausbildung sei, und auch meine Schwester hatte sich mit dieser Beschäftigung schon abmühen müssen. Gegeben wurde der Kurs von einem Mitglied des „Rasteder Stenografenvereins“. Ob es den heute noch gibt, konnte ich tatsächlich nicht herausfinden.

Nun ist es ja so, dass man als Jugendlicher oft nicht so recht versteht, was die Eltern alles für sinnvoll halten. Manchmal sieht man das als Erwachsene anders. Im Falle dieses Schreibmaschinenkurses verhält es sich so ähnlich – hätte ich dort etwas gelernt, wäre das sicher ganz gut gewesen. Doch damals hatte ich einen derartigen Widerwillen gegen diese Veranstaltung, dass ich dort tatsächlich nichts lernte. Ich absolvierte sowohl den Anfänger- als auch den Fortgeschrittenenkurs, ohne ordentlich Maschineschreiben zu lernen. Das lag mit hoher Wahrscheinlichkeit an mir, nicht am Kurs.

Seltsamerweise erinnere ich mich – trotz meines Elefantengedächtnisses – nicht an den Namen der Kursleiterin. Ich weiß aber noch, was wir am ersten Abend machten: An uralten mechanischen Schreibmaschinen übten wir die Grundstellung der Finger. Es sei leichter, von mechanischer Maschine auf elektrisch umzulernen als umgekehrt, erklärte man uns. Und dann schrieben wir Jaffa. J A FF A, immer wieder. Oder vielleicht auch J a ff a, das weiß ich nicht mehr genau. Ich brauche das Wort nur sehr selten, aber ich kann es schreiben, immerhin. Jaffa. Klack, klack, klackklack, klack.

Im Kurs sollten wir lernen, blind zu schreiben, schließlich müsse man oft Texte von einer Vorlage abschreiben und sich dann auf das Abgucken konzentrieren, nicht auf das Suchen der Buchstaben. Damit wir das lernten, wurde manchmal im Klassenraum das Licht ausgemacht und etwas diktiert. Zum Beispiel Bedeutendes wie: Horst ging abends spät nach Hause. Ich schrieb dann Ominöses wie „Horst fomh avrmfd düöz msch Jaudr“, und die Schreibmaschinen-Lehrerin guckte traurig. Die letzten beiden Kursabende sowie die Abschlussprüfung habe ich geschwänzt.

Erika Schreibmaschine, Bild zur Verfügung gestellt von WeFoCo, http://www.pixelio.de

Inzwischen schreibe ich viel auf Tastaturen, alle elektrisch, aber ich schreibe noch immer nicht richtig „blind“. Ich kann noch immer kein 10-Finger-System, sondern nutze so in etwa sechs Finger, die nicht immer auf ihrer Seite bleiben, sondern da herumsuchen, wo es ihnen gerade passt. Auf diese Weise schreibe ich auch recht flott. Irgendwie wissen meine Finger, wo die Buchstaben sind, bis auf beim B, das bekanntlich immer mal woanders hinhuscht. Deshalb ist es wahrscheinlich auch nicht in „Jaffa“ drin, denn das wäre für Anfänger viel zu schwierig.

Fässer, Flaschen, Gärung und Sekt

Gestern Abend war ich mit Freundin Frauke mal wieder in Sachen „Bildung und Kultur“ unterwegs. Soll heißen, wir hatten über die Frankfurter Stadtevents eine Führung bei der Sektkellerei Henkell mit Kostproben und Häppchen gebucht. Schon die Eingangshalle nebst Kronleuchter beeindruckten mich sehr.

Wir lernten, dass dieses historische Gebäude zwar früher die Produktion und alle anderen Firmenräume beherbergt hatte, es aber nie der Wohnsitz der Familie war. Vielmehr diente es repräsentativen Zwecken – man wollte also beeindrucken. Heute finden in dieser Eingangshalle noch Konzerte und Feste statt, auch kennt man sie aus diversen Werbespots, von denen wir später einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekamen.

Von der Eingangshalle aus ging es sieben Stockwerke nach unten in den Keller. Hier gab es Einiges zu sehen, vor allem aber: Fässer.

Weinfass, Sektkellerei Henkell

Obiges Fass ist nur eines von Vielen, und es ist ein kleines Fass – also ein Fässchen. Weiter hinten kamen welche, die über 200.000 Liter fassen sollten, und auch diese waren nach Aussage unserer Begleiterin klein im Vergleich zu denen, die aktuell in der Produktion benutzt werden. Die Produktion ist inzwischen in ein moderneres Nebengebäude umgezogen, doch noch immer sind die Fässer im alten Keller einsatzbereit, um hin und wieder einen kleinen Schoppen Wein zwischenzulagern. Alles intakt und lebensmittelhygienisch einwandfrei, versicherte man uns, wobei ich zugeben muss, dass ich über diese Frage bis dahin gar nicht nachgedacht hatte.

Gang mit Fässern

Wie bekamen allerhand über die Produktion von Sekt zu hören: Z. B. dass in einem Sekt teilweise 55 verschiedene Weine enthalten sein können, um einen gleichbleibenden Geschmack hinfummeln zu können. Wir hörten von Jahrgangs- und Rebsortensekt, Anbaugebieten und Herstellmethoden. Besonders auf die Unterschiede der Flaschen- und Fassgärung wurden wir immer wieder hingewiesen, außerdem auf die verschiedenen Zuckergehalte der verschiedenen Erzeugnisse.

Modell zur Erläuterung von Flaschengärung

Auch einen kleinen Blick in die Produktin durften wir werfen, hier sahen wir massenweise Flaschen mit melodischem Klirren über Bänder rattern. Dieser Teil war jedoch kurz und weniger interessant, ausßerdem durfte man nicht fotografieren.

Zum Schluss gab es noch einige Sektsorten zu probieren: Wir bekamen einen spanischen Cava, einen Champagner sowie einen Prosecco. Dabei sollten wir jeweils herausfinden, wie viel Zucker dieses Produkt wohl noch hat (darin war ich schlecht) sowie anhand des „Perlenspiels“ beurteilen, ob es sich um eine Flaschen- oder Fassgärung handelt (darin war ich noch schlechter). Ich fand nur heraus, dass mir der verhältnismäßig günstige Prosecco am besten und der teure Champagner am wenigsten schmeckte – auch eine Erkenntnis. Den als „Mitgebsel“ erhaltenen Piccolo mit deutschem Sekt habe ich bislang noch nicht probiert.

Historische Weinkelche

Alles in allem waren es kurzweilige und lehrreiche zwei Stunden, die mit 15 Euro nicht zu teuer bezahlt waren. Ich trinke zwar noch immer lieber Wein als Sekt, aber das Abschlagen eines Flaschenhalses mit einem Schwert würde ich trotzdem gerne mal ausprobieren.

Samstagsflohmarkt: Objekte des Tages

Wieder einmal gönnten die ewige Antje und ich uns einen Flohmarktbummel am Main. Ich wollte Bastelmaterial kaufen, was mir auch gelang. Antje hingegen schlug bei einem Buchanbieter zu und ergatterte ein Büchlein über Apfelwein – Kulturgut also.

Wie immer betrachtete ich sehnsüchtig die schönen Sammeltassen, die es gestern in einer riesigen Auswahl gab. Es gibt ja solche und solche Flohmärkte – dieses Mal schienen sämtliche Besitzer alter Tassen ihre hervorgekrankt zu haben, um sie mir unter die Nase zu halten. Ich war aber vernünftig und kaufte keine: Denn ich brauche keine Sammeltassen, und schon gar keine, die nicht in die Spülette mögen.

Sammeltassen-Paradies: mein Favorit ist die mit den farbigen Vierecken und dem breiten Golddrand – hach!

Es gab aber auch wieder sonderbare Objekte zu bewundern. Ein fröhliches Wiedersehen feierte ich mit einigen schrägen Vasen, die ich schon einmal hier vorgestellt habe. Dieses Mal ergatterte eine Art mongolischer Buddha meinen Platz zwei im Wettbewerb zum Objekt des Tages – der Herr saß würdevoll zwischen einer geblümten Ente, alten Luftpostbriefen und allerhand Porzellanzeug auf einem übervollen Flohmarkttisch.

Statue auf dem Flohmarkt

Der Favorit in dieser Woche war jedoch eine Handarbeit, liebevoll hergestellt in mühevoller Kleinarbeit – ein Pompombaum, auch bekannt als Pudelstrauch oder Troddel-Eiche. Endlich weiß ich, wass ich mit all meinen Wollresten anstellen kann – ich muss nur noch jemanden finden, dem ich das dann schenken kann 🙂

Pompombaum

Grüne Soße Tag

Eine schöne Idee, dieser Tag zu Ehren des Frankfurter Nationalgerichts. Da bin ich gerne wieder mit dabei!

Autorengruppe ARS

Buntes Programm rund um das Frankfurter Kultgericht auf dem Buchrainplatz

Marktstand mit Kräutern – (c) pixabay.com

Das Frankfurter Kultgericht steht am 22. Juni 2017 erneut im Mittelpunkt der Mainmetropole, denn an diesem Tag gilt es, einen Weltrekord im Grüne-Soße-Verzehr aufzustellen. Insgesamt 231.775 Portionen Grüne Soße müssen in Frankfurt verzehrt werden, damit der Weltrekord als gültig angesehen werden kann und für diesen Anlass haben sich zahlreiche Gastronomen, Firmen und soziale Einrichtungen ein buntes Programm einfallen lassen, um die Menschen zum Verzehr zu animieren.

Selbstverständlich ist auch das Restaurant „Grüne Soße und mehr“ in Frankfurt-Oberrad dabei, das mit zahlreichen Aktivitäten schon morgens um 09.00 Uhr seine Pforten öffnet.

Schon im April diesen Jahres hatten die Autoren der ARS Autoren RheinMain Szene e.V. mit ihrer 7-Kräuter-Lesung einen großen Erfolg. Sieben Autoren schrieben je eine Kurzgeschichte zu einem der sieben Kräuter, die in der Frankfurter Grünen Soße enthalten sind, und gaben sie vor einem…

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Altes Handwerk – Bonbonkocherei

In Eckernförde verbrachten Kerstin und ich einen wunderschönen Tag. Das Wetter spielte mit, wir bummelten lange am Hafen und der Promenade herum und schlenderten zum Schluss noch ein wenig durch’s Dorf. Eigentlich waren wir, müde von Sonne, Eis und Fischbrötchen, schon wieder unterwegs zum Auto, als wir beinahe über einen Wegweiser fielen. In einem Hof fanden wir die

Wir zögerten nicht lange und enterten den Laden. Hier fand sich eine Art öffentliche Schauküche sowie viele, viele Sorten Bonbons. Und wir hatten Glück: Es wurden gerade grünliche Kräuterbonbons hergestellt, die nach Anis und irgendwie gesund rochen. Wir drückten unsere Nasen neugierig an die Glaswand und sahen zu: kneten, kneten, was einstreuen, wieder kneten, drücken, ausrollen, noch was einstreuen, kneten, kneten, formen, irgendwann dann portionieren und durch eine Rollmaschine fahren lassen. Heraus kamen lange Bänder mit Bonbons, die zum Abkühlen auf den Stahltisch gelegt wurden.

Das Ganze war übrigens Teamwork, die Herren waren zu zweit, was besonders beim durch die Maschine rollen der Bonbons wichtig zu sein schien: Einer kurbelte, der andere fing den Segen auf und erklärte uns nebenbei, was er tat und warum. Und während ich noch grübelte, wie man aus diesen Bonbonbändern nun leckere Lutschbonbons machen wollte, zeigte man uns, dass die abgekühlten Drops mit einer Metallschaufel in eine Art Rüttelsieb gegeben und dort auseinandergerüttelt werden. Die überstehende Zuckermasse wird dabei abgeschüttelt und weggesiebt – aha! Ich fand übrigens, dass die gerüttelten Bonbons einen enormen Lärm machten – das hätte ich so nicht erwartet.

Interessant fand ich auch die verschiedenen Formen, in die die Bonbons gepresst werden können: Es gab viele unterschiedliche Rollen zu sehen.

In Eckernförde sind natürlich besonders die „Sprotten“ beliebt, schließlich ist man an der Ostsee. Aber auch die anderen Formen konnte man im Laden finden. Und dem Laden widmeten wir uns noch sehr ausgiebig: Es gab jede Menge Frucht- und Kräuterbonbons, außerdem Lakritze, Pfefferminze und Karamell. Natürlich braucht man nicht unbedingt handgemachte Bonbons zu drei Euro das Mini-Tütchen, aber ich habe trotzdem welche ausgesucht – als Mitbringsel für meine Lieben in Norddeutschland. Und eine Mischtüte Karamell gab es auch noch, man war schließlich im Urlaub. Kerstin hingegen schlug bei der Lakritze zu – eine Leidenschaft, die mir immer unverständlich bleiben wird.

Pfefferminzsprotten, Fruchtsprotten und Pflaume-Vanille-Blätter

Wieder zuhause, wollte ich mal gucken, ob jemand anderes schon einmal etwas über diese Bonbonkocherei gepostet hat. Ich hatte nämlich so vage im Gedächtnis, dass ich vor vielen Jahren mal etwas über handgemachte Bonbons im Fernsehen gesehen hatte – vielleicht in der Sendung mit der Maus, oder war es Löwenzahn? Den Bericht von damals fand ich nicht, dafür aber einen kleinen Film, der den Produktionsprozess noch einmal zeigt – und das sogar in zwei Farben!

Und der langen Rede kurzer Sinn ist ein ganz einfacher: Wer mal nach Eckernförde kommt, sollte unbedingt mal in der Bonbonkocherei hereingucken. Es gibt etwas zu sehen, und das ganz für umsonst. Und, nebenbei bemerkt: Barrierefrei ist der Laden auch. 🙂

Ostseekugeleien

Wie man aufgrund der ungewohnten Ruhe hier im Blog erahnen konnte, war ich im Urlaub. Mal wieder ging es ans Wasser, genauer an die Ostseeküste. Mit meiner Freundin Kerstin besuchte ich eine der größten Bausünden Deutschlands, das „Ostseeressort Damp“. Häßlich hingeklotzt, aber toll gelegen, mit 70er-Jahre-Charme und tollen Wellnesseinrichtungen. Und absolut behindertengerecht – das mögen wir als Fußgängerin und Rollifahrerin hier besonders. Natürlich hatten wir auch wieder Seeblick gebucht: mit Blick auf die Ostsee und den Yachthafen.

Damp Yachthafen, Kugelfoto

Damp – Blick auf den Yachthafen

Auch auf die Gefahr hin, meine Leser und Bildergucker allmählich zu langweilen, habe ich mal wieder mit meiner Fotokugel herumgespielt. Das Wetter hat aber auch geradezu dazu eingeladen: Himmel und Ostsee waren so unglaublich blau, dass es fast schon künstlich aussieht.

Wieder einmal kann ich mich kaum entscheiden, ob ich die Bilder richtig- oder falschherum am liebsten mag – oder sollte das innere Bild gedreht werden? Ist falsch richtig, oder richtig falsch? Kompliziert – wie immer probiere ich gerne etwas aus und mache es mal so, mal anders.

Natürlich liefen wir nicht nur direkt am Wasser herum, sondern wanderten auch ein wenig ins Landesinnere hinein. Hier gab es viel Grün, einen locker bewölkten Himmel, bannig Wind und … Pferde. Jede Menge Pferde – ihnen werde ich wohl noch einen Extrabeitrag widmen. Einige aber passten in meine Kugel – sehr zur Verwunderung ihres Besitzers, der mit seinem Auto gaaaaanz langsam an uns vorbeizog, um zu gucken, was die dicke Dame da wohl an seinem Zaun macht.

Ostseepferde

Ich versuchte übrigens auch, Kerstin in der Kugel richtig in Szene zu setzen. Sie stand diesem Experiment eher skeptisch gegenüber, sodass das Lächeln etwas verklemmt wirkte. Und da die Kugel die Figur nicht unbedingt zum Positiven verändert, verbot sie mir sehr energisch eine Veröffentlichung dieser Bilder. Daran halte ich mich natürlich – mit einem Lächeln. 😀

Weiße Wunder

Ich gebe zu, dass ich das derzeitige Wetter als Frechheit empfinde – quasi als persönliche Beleidigung. Immer, wenn ich wirklich lange arbeiten muss, scheint die Sonne. Und kaum schaut das Wochenende schüchtern um die Ecke, plästert es derartig los, dass selbst unser überaltertes Kabelfernsehen nicht mehr funktioniert – was soll das? Zur Aufhellung der allgemeinen Stimmungslage habe ich also ein wenig in meinen Fotos herumsortiert und festgestellt, dass die Farbe der Saison anscheinend mal wieder weiß ist …

In trauter Zweisamkeit im Palmengarten

Ich knipse ja nach wie vor gerne Pflanzen und Blüten, und sehr oft landen diese Fotos dann irgendwo im Nirgendwo. Aber an einigen hängen auch Erinnerungen, wie an diesen kleinen weißen Blüten von einem Strauch, dessen Namen ich nicht kenne. Sowas hatten wir früher auch zuhause und ich habe die Blütendolden oft zum Spielen verwendet – das war mein „Blumenkohl“ und kam in den Spielzeugtopf. Mein Vater war natürlich nicht begeistert davon, dass ich die Blüten abgezupft habe – ich habe es aber trotzdem manchmal gemacht 🙂

Mein Blumenkohl

Leider haben viele dieser „feinblütigen“ Sträucher bei den unwetterartigen Regengüssen der letzten Tage ihre Blütenpracht verloren, so wie der Flieder in der Bruchstraße, der morgens noch betörend roch und abends all seine kleinen lila Blättchen von sich geworfen hatte. Die lagen als trauriger Matsch am Boden – das hat mich deprimiert. 😦 Zum Glück habe ich noch ein Bild aus dem Palmengarten übrig – in weiß natürlich.

Osterflieder im Palmengarten – bei Prachtwetter

Und dann fand ich mitten in der Stadt die mir bislang nur aus Norddeutschland bekannten Kartoffelrosen – in Weiß. Zwar wusste ich, dass es sie nicht nur in Pink gibt, aber die weiße Version sieht man nicht besonders oft. Und ich kann mir nicht helfen, die Blüten erinnern mich an gut gebratenene Spiegeleier – genau so sollten die aussehen.

Sonst beliebt an der Küste – eine Kartoffelrose

Diese Kartoffelrose fand ich am frühen Abend, und als ich später nochmal vorbeikam, habe ich sie ein weiteres Mal fotografiert und dabei eine Blüte „angeblitzt“. Da wird einem einmal so richtig bewusst, was „blütenweiß“ eigentlich bedeutet …

angeblitzte Kartoffelrosenblüte

Soweit, so gut – bislang war die Saison nicht sooo schlecht, was die Fotoausbeute angeht. Aber ab jetzt hätte ich trotzdem gerne ein einigermaßen stabiles Frühsommerwetter – und zwar nicht nur dann, wenn ich arbeiten muss. Ich hoffe, das ist angekommen!

Ein anderer sein

Mal wieder eine Miniatur aus dem Schreibworkshop: „Ich stelle mir vor“ lautete das Thema und es gab die üblichen rund zwanzig Minuten Zeit. Hui, da flogen aber die Gedanken – was man sich alles so vorstellen kann! Ich wollte einfach aus Spaß mal

Ein anderer sein

Holzfiguren, Puppen, Fragen Spiegelbild

Bild zur Verfügung gestellt von Clara Diercks, http://www.pixelio.de

Manchmal stelle ich mir vor, einfach jemand anderes zu sein. Niemand Bestimmtes, also nicht Britney Spears oder Fürstin Gloria oder so, sondern einfach irgendein anderer Mensch. Nicht, dass ich mit dem Menschen, der ich bin, nicht zufrieden wäre, aber es ist spannend, in Gedanken mal Heidelinde von Opitzburg zu sein.

Ich stelle mir dann vor, ich wäre eine Blondine, oder eine Brünette, eigentlich ist die Farbe ganz egal, mit glatten Haaren bis auf den Hintern und Beinen bis fast an den Hals. Ein bisschen wie Barbie, nur ohne die großen Möpse, und ohne Ken natürlich. Single zu sein ist wichtig, was nützen einem sonst die langen Beine?

Oder ich stelle mir vor, ich wäre furchtbar klug, noch klüger als jetzt schon, also gefährlich klug, und säße in Talkshows herum, um meine von den Umsitzenden sehnsüchtig erwartete Meinung über die Probleme dieser Welt kundzutun. Man hängt an meinen Lippen, selbst wenn ich mich nur bedeutungsschwanger räuspere oder um ein Glas Wasser bitte. Wenn ich das Wasser dann habe, in meiner Vorstellung natürlich, schwenken meine Gedanken wieder um, mal zurück zur Blondine, die plötzlich eine Koryphäe in Astrophysik und mit George Clooney liiert ist, mal in eine ganz andere Richtung. Ganz andere Richtungen sind ganz anders spannend.

Ich stelle mir vor, ich wäre ein Mann. Männer sind anders, sie reden anders, denken anders, laufen anders. Sie tragen andere Schuhe als Frauen, in den Schuhen eines Mannes zu gehen, fühlt sich anders an als in denen einer Frau. Haben Sie schon einmal darauf geachtet, wie Männer laufen? Manche gehen nach hinten geneigt und schwingen die Füße nach vorn, andere laufen steif und breitbeinig, da scheint was zu scheuern. Mir das vorzustellen fällt mir schwer und meine Gedanken gehen andere Wege. Zurück zu Vertrautem: Der breitbeinige Mann kriegt Beine bis fast an den Hals und lange glatte Haare bis fast auf den Hintern. Komischerweise sind die Haare dann immer schwarz, ich mag keine männlichen Blondinen. Und schon gar nicht, wenn ich das bin.

 

Ich bin neugierig: Was stellt ihr euch denn so vor, wenn die Gedanken frei fließen dürfen und dummes Zeug erlaubt ist?