Diorama in der Schirn

Schirn, Diorama, Pilze

Durch ein kleines Guckloch in der Wand sah man diese Pilze. Magisch, oder?

Auch wenn ich generell mit bildender Kunst nicht besonders viel anfangen kann, gebe ich ihr immer mal wieder eine Chance. Daher war ich heute mit der ewigen Antje mal wieder in der Schirn in Frankfurt, wo noch bis zum 21. Januar die Ausstellung „Diorama“ läuft. Dioramen sind Schaukästen, in denen Szenen oder Welten dargestellt sind. Ein wichtiger Bestandteil sind detailreiche Malereien, die dem Werk Tiefe geben, und auch verschiedene Beleuchtungen helfen, die Illusion zu perfektionieren. Häufig wurden und werden diese Kästen in Museen genutzt, es gibt jedoch auch etliche andere Einsatzmöglichkeiten für die Gemälde und Modelle.

Schirn, Diorama, Vesuv

Der Ausbruch des Vesuvs 1 – Dämmerung

Dieses Mal hat mich die Ausstellung in der Schirn nicht enttäuscht, ich war im Gegenteil sehr angetan davon. Das mag daran liegen, dass diese Kunst einen Nutzen hat, als pragmatisch veranlagtem Menschen kommt mir soetwas sehr entgegen. Natürlich gab es auch dieses Mal einen Raum, in dem sonderbare Dinge ausgestellt waren, die für mich alle Vorraussetzungen für eine Abholung als Sperrmüll erfüllten, doch das ist sicher Geschmacksache.

Diorama, Widder

Der Widder ist mein Sternzeichen. Deshalb wunderte ich mich gar nciht, dass dieses Exponat besonders klug guckte.

Vieles wirkte enorm vertraut: Die Kästen mit den Tieren in nachgestellten Lebensräumen (zu empfehlen auch ein kleiner „How-To-Film“ aus den 50er Jahren, in dem der Bau eines Schaukastens mit Teich, Kranichen und Schuhschnabel gezeigt wurde) kennt man aus Museen, einige Kästen erinnerten an Puppenstuben und die altmodischen Guckkästen hatte man auch schon einmal gesehen. Uns faszinierte jedoch bei vielen Exponaten der enorme Detailreichtum.

Mein Lieblingsstück war ein gemalter Vulkanausbruch im Tagesverlauf – mal war die Hafenszenerie sonnendurchflutet, dann begann es angsam zu dämmern, irgendwann dominierte der Vulkan das Geschehen. Und irgendwann ging die Sonne wieder auf, ein Wolf heulte und das Ganze begann von vorn. Kitschig, ja, aber sehr gekonnt umgesetzt und schön.

Die Ausstellung ist nicht riesig – das gibt die kleine Schirn ja auch gar nicht her. Wie immer fand ich diese Sonderausstellung mit 9 Euro zu teuer, so bringt man die Leute sicher nicht dazu, öfter ins Museum zu gehen. Wir machten mal wieder die Billigheimer und gingen mit einem Rabattcoupon für die Hälfte rein. Knapp anderthalb Stunden hielten wir uns auf und waren damit sicherlich mit die Langsamsten. Es gab aber auch wirklich etwas zu gucken.

Schirn, Diorama, Vesuv

Der Ausbruch des Vesuvs 2 – jetzt ist es schon dunkel

 

Nachbemerkung: Nach der Ausstellung bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt. Und da bemerkten wir plötzlich überall kleine oder größere Dioramen. Besonders viele waren im Schaufenster einer Konditorei zu sehen, wo es diverse Bäckereiszenen oder Miniatur-Kuchentheken zu sehen gab. Jetzt, da die Dinger einen Namen für mich haben, fallen sie mir scheinbar öfter auf.

Fernsehgedanken 1 – zurück in die Kindheit

Schwarzwaldklinik, Ich heirate eine Familie, Timm Thaler

Carlsbau im Glottertal, bekannt durch die Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“, zur Verfügung gestellt von Matze Trier in den Wikipedia Commons

Wie jedes Jahr liefen auch dieses Mal an Weihnachten und zwischen den Jahren „die üblichen Verdächtigen“ im Fernsehen. Pflichtbewusst absolvierte ich gemeinsam mit meiner Schwester und teilweise meinem Schwager das Standardprogramm: Sissi, Aschenbrödel, Der kleine Lord und die Hoppenstedts. Ne, wat schön. Und da wir dieses Jahr so entspannt wie nie zuvor Weihnachten gefeiert haben und fast nichts vorhatten, außerdem bei allen der Akku leer und das Wetter allgemein usselig war, haben wir uns bemüht, den Fernseher leer zu gucken. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Und so sprangen wir zurück in die Kindheit und besuchten wieder einmal die Serien, mit denen wir aufgewachsen sind. Besonders interessant fand ich Timm Thaler: Denn diese Serie habe ich als Neunjährige zusammen mit meiner großen Schwester geguckt und überhaupt nicht richtig verstanden. Der Teufel als geschäftstüchtiger Baron – das erschloss sich mir nicht. Noch spannender als die Handlung fand ich aber die Kinder, genau deren Aussehen: Die hätte man alle direkt von unseren Klassenfotos gepflückt haben können. Immer wieder gab es Parallelen: „Guck mal, die sieht aus wie Sabine!“ oder „So’ne Frisur hattest du damals auch!“

Ähnlich erging es mir mit der bodenständigen Serie „Ich heirate eine Familie“, die ein paar Jahre später gedreht wurde. Der kleinste Junge hatte genau so einen Pottschnitt wie ich, auf den Schreibtischen stand der gleiche Klebstoff wie der, den wir in der Schule hatten (eine orangefarbene Flasche mit blauem Nuppel obendrauf, mit dem man den Kleber gleich verschmieren konnte) und die Kinder waren genau so angezogen wie wir. Küchengeräte, Schultaschen, Fahrräder: alles ganz ähnlich wie zuhause. Allerdings hätten wir uns niemals so aufführen dürfen wie die älteste Tochter – das hätte vielleicht Gezeter gegeben!

Etwas anders erging es mir jedoch mit der Schwarzwaldklinik: Schon früher empfand ich die gesamte Ausstattung größtenteils als Design-Unfall. Die plüschig-rüschigen Gewänder der Damen, das entsetzliche Geschirr und die Wohnungseinrichtungen, die größtenteils Gelsenkirchener Barock entsprachen, darüber haben wir schon als 15-jährige gelacht – und trotzdem begeistert geguckt. Das ist wohl wie mit einem richtigen Unfall: Man will nicht hingucken, kann es aber auch nicht lassen. Und wenn der schöne Udo mit offenem Hemd und glitzerndem Zuhälterkettchen in sein Cabrio sprang, dann war das ja auch wirklich sehenswert – oder etwa nicht?

Ein paar andere Gedanken kamen mir auch noch beim Dauerfernsehen. Die muss ich aber erst noch sortieren und poste sie in ein paar Tagen.

Weihnachtsmärkte: Die Qual der Wahl

Leider haben wir dieses Jahr eine kurze Adventszeit – wie immer, wenn der vierte Advent auf den Heiligabend fällt. Die verbliebenen drei Adventswochenenden sind übervoll mit Aktivitäten, sodass man sich kaum entscheiden kann, wo man denn nun teilnehmen möchte. So war es auch an diesem Wochenende: Ich wollte gerne auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Nicht unbedingt auf den ganz großen auf dem Frankfuerter Römer, der ist mir meistens zu voll. Der in Oberursel war letztes Jahr besonders schön, aber auch der in Höchst interessierte mich, da es einen Mittelaltermarkt rund ums Schloss geben sollte. Und auch vom schwedischen Weihnachtsmarkt hatte ich schon viel Gutes gehört. Leider, leider finden dieses Jahr alle drei Märkte zur gleichen Zeit statt, nämlich am ersten Adventswochenende. So musste ich eine Entscheidung treffen.

Misteln, Mistelzweige

Misteln, Fackeln und geheimnisvolle Symbole am Eingang des Mittelaltermarktes

Da das Wetter für den Samstag besser sein wollte, entschlossen meine Freundin Maike und ich uns, diesen Tag für einen Ausflug nach Oberursel zu nutzen. In dickem Nebel fuhr ich in Oberrad los, in schönstem Sonnenschein kamen wir in Oberursel an. Das zeigte mir mal wieder, dass das Wetter meistens besser ist als gedacht und dass es sich lohnt, sich einfach mal aufzuraffen, auch wenn es draußen fies aussieht. Angezogen mit allerlei Strickwerk, habe ich nicht mal gefroren – mal wieder hat mein fummeliges Hobby sich gelohnt. Und auch der Besuch des Weihnachtsmarktes in Oberursel lohnt sich: Es gibt dort eine Menge Stände, die mal etwas anderes bieten als das übliche Weihnachtsmarktsortiment.

Dieser Stand gefiel mir schon im letzten Jahr: große Flaschen mit verheißungsvollen Substanzen

Allerdings musste ich mal wieder feststellen, dass ich eigentlich nichts brauche: Schals, Schmuck und Windlicher habe ich im Überfluss, auch an Dekorationsartikeln mangelt es mir nicht. Ich habe keine kleinen Kinder mehr in meinem Umfeld, sodass ich auch an dem Stand mit den entzückenden und ganz besonderen Stofftieren nichts kaufen musste/durfte/konnte. Handgestrickte Strümpfe scheinen in Mode zu kommen, zumindest konnte man sie an diversen Marktständen kaufen – doch die mache ich mir inzwischen selbst. Und so entschied ich mich lediglich für zwei kleine runde Käselaibe sowie ein schönes Stück Schinken für meine Brotzeiten – sowas esse ich für mein Leben gerne, es verbraucht sich und liegt nicht rum.

Käse und Schinken

Meine Ausbeute, festlich illuminiert

Denn auch das ist mir inzwischen wichtig: In meiner Wohnung liegt ohnehin schon bannig viel rum, da brauche ich keine weitere Anreicherung mit Kram. Denn auch davon gab es auf diesem Weihnachtsmarkt wieder etliches. Ich habe ja eine tiefe Hochachtung vor Leuten, die handwerklich was können und schöne Sachen herstellen. Es muss natürlich nicht immer alles meinem Geschmack entsprechen. Aber eine gefilzte Schwarzwälder Kirschtorte oder – noch schlimmer – gefilztes Sushi, das erschließt sich mir wirklich nicht. So gutes Material und dazu die ganze Arbeit – aber wer braucht sowas? Das fusselt doch im Mund!

Ich genieße heute also meinen freien Sonntag, sehe aus dem Fenster auf das unwirtliche Wetter und stricke vor mich hin – nicht für den Verkauf, sondern für den Eigenbedarf. Es mag auch Leute geben, die finden, dass man keine Strickstrümpfe braucht, aber ichtrage die gerne. Euch wünsche ich einen schönen Adventssonntag, lasst es euch gut gehen!

 

Nachtrag: Ein sprachliches Problem konnte ich heute nicht lösen: Heißt es „zwei kleine runde Käse“ oder „zwei kleine runde Käses“? Weiß das jemand?

Weihnachtslesung in Bad Vilbel

Es wird mal wieder festlich bei uns: Am nächsten Montag lese ich gemeinsam mit drei Kollegen weihnachtliche Geschichten im Haus der Begegnung in Bad Vilbel. Ich bin gespannt und freue mich auf unsere Zuhörer.

Weihnachtslesung Bad Vilbel

Englisches Teegebäck – Original und Fälschung

Seit vielen, vielen Jahren besitze ich ein Backbuch: Das legendäre „Backen macht Freude“ von Dr. Oetker, Auflage 1987. Und schon fast genauso lange wollte ich einmal dieses wunderbare Englische Teegebäck backen, dass dort so appetitlich abgebildet war. Fast schon kann man beim Betrachten der Seite einen zarten Buttergeruch spüren, zusammen mit dem verlockenden Aroma von Ostfriesentee. Hier haben wir das Original von Dr. Oetker:

Am Freitag ist es nun endlich soweit: Ich habe alles eingekauft und fülle es wie vorgeschrieben nach und nach in meine Rührschüssel ein. Der Knethaken knetet. Und der Teig klebt. Ihhh bah – was nun? Ah ja, zur Rolle formen und kalt stellen. Das mache ich so. Der Teig wird zum Stein, der sich unverbrüchlich mit dem Teller, auf dem er liegt, verbunden hat. Das schreit nach Werkzeugeinsatz. Ich säbele eine Portion Teig heraus und gehe in die Detailverarbeitung: ausrollen, Stäbchen formen, die auf das Blech legen, mit einer Gabel ein Muster hineindrücken und mit Zucker bestreuen. Ich werkele emsig. Die Stäbchen sollen 6 mal 1,5 Zentimeter haben – ausgemessen wird das nicht, sondern halt mal so frei Schnauze gemacht. Und dieses Muster mit der Gabel – leichter gesagt als getan. Der Keks bleibt gerne in der Gabel hängen – also die Gabel vor dem Reindrücken einmehlen. Was soll das überhaupt mit diesem Muster? In Schönheit gestorben sind schon andere vor mir – habe ich das nötig? Eigentlich ja eher nicht, aber es soll ja hübsch aussehen. Also werden alle Stäbchen bemustert, man gönnt sich ja sonst nichts.

Dann in den Ofen und backen. Als die Stäbchen die Farbe haben, die im Backbuch zu sehen ist, sind sie schlicht nicht gar – also wieder rein. Komisch sehen sie aus, meine Stäbchen: unregelmäßig ist noch freundlich gesprochen. Einige sind aus der Form gegangen, gerne so um die Mitte herum. Andere haben sich mit dem Nachbarn verbündet und bilden eine Art siamesische Zwillinge, die ich vorsichtig operativ trenne. Meine Kekse sind ein wahres Abbild unserer Gesellschaft: Es gibt große und kleine, dicke und dünne, helle und dunkle Kekse. Hier ein Tellerchen meiner bunten Kekswelt:

Geschmacklich sind meine Teekekse wirklich gut, aber optisch lassen sie etwas zu wünschen übrig. Ich glaube, sollte ich sie nochmal backen, forme ich einfach kleine Kugeln und drücke die platt – das ist sicher einfacher und sieht mindestens so schön aus.

Und wieder einmal muss ich an den armen Mann denken, der vor vielen Jahren mit meiner Berufsberatung befasst war: Nach der Auswertung meiner Tests bescheinigte er mir gute Fähigkeiten in allen sprachlichen und logischen Bereichen. Nur die Geschicklichkeit und die soggenannte „Hand-Augen-Koordination“ ließ deutlich zu wünschen übrig. er sagte dazu: „Im Grunde können Sie fast alles werden, was Sie möchten. Aber bitte machen Sie nichts Handwerkliches.“ Wie recht er hatte 🙂

Gegen den Herbstblues: Pudding

Eigentlich mag ich den November ja. Die Dunkelheit, das usselige Wetter, all das läd dazu ein, es sich in der Wohnung gemütlich zu machen. Tee und Kerzen, Hörbücher hören und Strümpfe stricken, dieses Programm ist nicht das Schlechteste. Auch dieses Wochenende ist so geplant.

Trotz aller Geruhsamkeit stehe ich ja gerade am Wochenende gerne früh auf. Und vor acht Uhr habe ich die besten Ideen. Die Morgenidee von heute war besonders gut: Denn ich habe Pudding gekocht. Genau genommen meinen allerliebsten Pudding aus der Kindheit. Das Rezept war eine Weile bei mir in Vergessenheit geraten, doch seit ich regelmäßig Joghurt herstelle, ist eigentlich immer Naturjoghurt im Haus. Und der muss manchmal weg, so wie heute. Also gibt es dieses Wochenende Mandarinenpudding.

Das Rezept ist denkbar einfach: Man koche einen Standard-Vanillepudding, kippe zwei Becher/Gläschen Naturjoghurt dazu und rühre kräftig um. Dazu kommt eine Dose Mandarinen ohne Saft. Wahrscheinlich geht das auch mit anderem Dosenobst, aber nur Mandarinen machen dieses schöne, glitschig-schlüpfrige Gefühl im Mund. Und die ganze Kombination ist auch noch gut für das Gewissen, denn man isst ja nichts Ungesundes, sondern fast nur Joghurt und Obst. Das passt zum November, zum Tee und den Kerzen.

Fundstücke 53: Da fehlt doch was?

Da lief ich doch kürzlich ganz entspannt die Strandpromenade der Usedomer Kaiserbäder entlang, genau genommen zwischen Heringsdorf und Ahlbeck. Ich guckte hier, guckte dort, bestaunte die Bäderarchitektur und las interessiert die Schilder, die viele Fassaden zierten. Viele wichtige Leute waren schon vor Ort. Und das wurde dokumentiert, zum Beispiel hier:

Die Leute vom Ahlbecker Hof hatten sich entschieden, die Schilder irgendwie eigenartig aufzuhängen. Irgendwie schien dort etwas zu fehlen. Hatte man vielleicht ein Schild abgenommen, weil der dort gehudelte Mensch inzwischen peinlich war? Eine Berühmtheit des 3. Reiches vielleicht, Donald Trump oder einer von Deutschland sucht den Superstar? Oder hatte man einfach Platz gelassen, weil man noch auf jemanden wartet? Am Ende gar – auf mich? Fände ich ja gut …

Lesung im Mainzer Vinamarium – es wird spannend!

Wein und Kurzgeschichten, das ist eine Kombination, welche die ARS-Autoren und das „Weingut Kaufmann“ schon mehrfach sehr erfolgreich praktizierten. Am 1. November findet im Vinarmarium Mainz eine Weinverkostung mit Lesungen von Kurzgeschichten statt. Drei ARS-Autoren ließen sich durch je einen Wein des Weinguts zu einer Kurzgeschichte inspirieren. Das Motto der Veranstaltung lautet

über KELLERGEISTER – WEIN UND GESCHICHTEN — Autorengruppe ARS

Ein Sturm kommt

Manchmal muss man auch Glück haben: Ich bin von meinem Usedom-Urlaub schon am Samstag zurückgekehrt, konnte also noch problemlos mit der Bahn fahren. Nur einen Tag später wäre ich spätestens in Berlin gestrandet. So aber konnte ich das Heraufziehen des Unwetters beobachten, und zwar schon am Freitag. Dieser Tag war vom Wetter her nur was für echte Küsten-Fans – ungemütlich ist noch freundlich formuliert.

Ich wagte mich tatsächlich für ein Weilchen an den Strand. Dort wurde man regelrecht verblasen, die Kaputze flog vom Kopf, das Zopfband hinterher. Richtig viel Spaß hatte dort unten wohl nur noch dieser Hund, der die für Ostseeverhältnisse hohen Wellen sichtlich genoss. Ich hoffe nur, er hat sich keinen Schnupfen geholt, so nass wie er irgendwann war.

Ich verzog mich nach einer Weile auf die etwas windgeschütztere Promenade und spazierte von Heringsdorf nach Ahlbeck. Keine große Wanderung, das gebe ich zu, aber an diesem Tag reichte es mir. Es schauerte immer mal wieder gar schauerlich, und ich wollte gerne in der Nähe der zahlreich vorhandenen Gastronomie bleiben, um notfalls unterschlüpfen zu können.

Viele Leute waren wahrlich nicht unterwegs bei diesem Schietwetter, aber die, die man traf, waren alle gut gelaunt. Es waren die Wetter-Enthusiasten, die genau wissen, was sie bekommen können, wenn sie zu dieser Jahreszeit an die Küste fahren. Und da die Tage zuvor beinahe windstill gewesen waren, war dies der gerechte Ausgleich dafür. Sogar einige wenige Kite-Surfer sah man, die den heraufziehenden Sturm nutzten. Ich fror schon, wenn ich ihnen nur zusah.

Reichlich durchgepustet und mit echter Trümmerlotten-Frisur kam ich ein paar Stunden später wieder in meinem Hotel an und belohnte mich mit heißer Suppe. Zum ersten Mal in meinem Leben aß ich diese merkwürdige Reste-Komposition namens „Soljanka“. Hat gut geschmeckt, ist aber ein bisschen merkwürdig. Besonders zu loben war aber das wunderbare Brot, dass es in diesem Hotel gab. Das schmeckte deutlich besser als das olle Baguette, das Suppen ansonsten gerne komplettieren soll.

Am Freitag blies es also schon kräftig und am Samstag war es so unfreundlich, dass ich darauf verzichtete, vor meiner Abreise gegen Mittag noch einmal an den Strand zu gehen. Das Wetter machte mir die Abfahrt dieses Mal recht leicht.

Herbstfarben

Ja, ohne Zweifel, der Herbst ist da, und mit ihm kam – zumindest zu mir – eine fette Erkältung. Die ist nun auf dem Rückzug und ich kann wieder gucken. Und so konnte ich die Fotos sichten, die ich in den letzten Tagen geschossen habe, wenn ich, dick eingemummelt und mitleiderregend hustend, herumspazierte, um zu genesen. Es sind erstaunlich bunte Bilder dabei, und damit meine ich nicht nur die typischen Herbstblätter.

Herbstblüte

Ich muss gestehen, gleich das erste Bild ist geschummelt, das stammt nämlich noch aus dem September und wurde in Wien geschossen. Alle anderen Bilder stammen aus dieser Woche.

Diese bunten Blätter gefielen mir besonders, weil sich die drei vorlauten Hagebutten dazwischen gemogelt hatten. Dunkelrot, glänzend und irgendwie allein auf weiter Flur, hatten sie sich tapfer ans Licht gekämpft.

Große „Haufen“ Pilze zieren die Grünflächen der Usedomer Strandpromenade. Viele sind vor lauter Feuchtigkeit schon „überreif“ und sehen irgendwie geplatzt aus. Zumindest kommt es mir so vor. Ich verstehe allerdings überhaupt nichts von Pilzen, die einzige Sorte, die mir bekannt ist, ist der Fliegenpilz.

Auch einige Dahlien trauen sich noch ans Licht. Ich mag diese Blumen sehr, auch wenn sie dazu neigen, in der Vase bei zu seltenem Wasserwechsel wie ein sehr aktiver Komposthaufen zu riechen.

Was dieses für eine blaue Blüte ist, weiß ich gar nicht. Sie hat was von einer Anemone, doch die sind meines Wissens nach deutlich früher dran. Egal – sie fiel mir auf und war mir spontan sympathisch.

Und ja, doch, natürlich gibt es auch hier an der Ostsee die klassischen bunten Blätter. Dieses hier guckte mir so nett entgegen …

Diese kleine rosa Blütendolde wirkte irgendwie „schaumig“, weil sie winzige weiße Fortsätze hat. Auch dieses Gewächs ist mir leider unbekannt, kommt hier auf Usedom aber öfter mal vor.

Alles in allem macht mir die Flora hier noch viel Freude, auch wenn das Wetter schon recht herbstlich ist. Ich mag das goldene Oktoberlicht – und meine Wetterapp hat sich hier in den letzten Tagen als deutlich zu pessimistisch herausgestellt. So eine Miesmacherin …