Zoo Rostock – beachtet die Quallen!

Derzeit bin ich ein bisschen müde und allgemein unlustig, etwas am Computer zu machen – deshalb ist es derzeit recht ruhig im Blog. Das heißt aber nicht, dass ich gar nichts erlebt oder geschrieben hätte. Ich war sogar im Urlaub: Warnemünde an der Ostsee war mein Ziel. Und da ich allgemein sehr gerne in Zoos gehe, stattete ich dem Zoo in Rostock einen Besuch ab. Der hat ein schönes Konzept, ich hatte Glück mit dem Wetter und es war ein rundum gelungener Tag. Eines muss ich aber anmerken: Die machen die falsche Werbung. Sie werben nämlich mit fröhlich badenden Eisbären und lassen das, was mich viel mehr gefesselt hat, völlig außer Acht. Hinzu kommt, dass die Eisbären an dem Tag, an dem ich da war, gar nicht daran dachten, vor den Sichtfenstern zu baden, sondern sich eine Auszeit genommen hatten. Nun, es sei ihnen gegönnt. Einer von ihnen saß behäbig-schmuddelig in der Sonne und guckte bräsig, die anderen ließen sich gar nicht blicken.

Eisbär im Zoo Rostock

Inzwischen habe ich gehört, dass eine Eisbärin Junge bekommen hat – das freut mich natürlich sehr. Aber kommen wir zu dem, was mich wirklich begeistert hat: Die Quallenbecken.

Im Zoo Rostock gibt es u. a. zwei große, schöne Häuser, die jeweils ein eigenes Konzept verfolgen: das Darwineum und das Polarium. Im Darwineum kann man die Entwicklung allen Lebens schön verfolgen und, wenn man Lust hat, sehr, sehr viele Informationen erhalten. Wenn man keine Lust hat, so wie ich, kann man einfach herumbummeln und sich an der schönen Aufmachung freuen. Und an den ersten Quallen, die mir begegneten:

Ich mochte Quallenbecken schon immer ausgesprochen gerne, die ruhigen Bewegungen haben eine sehr entspannende Wirkung auf mich. Kein Vergleich ist es übrigens mit dem usseligen Gefühl, dass sich einstellt, wenn einem die dicken Nord- oder Ostseequallen beim Baden begegnen – dann bin ich deutlich weniger begeistert.

Nachdem ich mir im Darwineum auch noch die Menschenaffen angeguckt und auf einem schönen Spazierweg an allerlei Hufgetier und großen Laufvögeln vorbeikam, fand ich den Weg in den alten Teil des Zoos und zum Polarium. Und das hat deutlich mehr zu bieten als Eisbären: Ich begeisterte mich für die Meereswelten.

Und auch hier gab es diverse wunderschöne Quallenbecken. Unter anderem fand ich dort meine Lieblinge, die auch noch einen ganz entzückenden Namen tragen: Spiegeleiquallen. Sowas Hübsches!

Irgendwie haben diese kleinen, ruhig dahinschwebenden Dinger etwas Galaktisches. Eigentlich könnte man eine entsprechende Star Trek-Folge dazu schreiben: Die Quallen der Galaxis. Die Exemplare mit den längeren Nesseln schienen manchmal regelrecht im Becken zu turnen und waren dabei ausgesprochen elegant. Und mit den Bildern dieser Schönheiten schließe ich diesen quallenlastigen Post.

Sie hat ihr Leben lang gebacken

An einigen Schreibworkshop-Abenden ging es rund um das Thema Kulinarik, Duft, Geschmack und Textur. Das ist ja teilweise nicht so einfach zu beschreiben. Viele Spaß machen dabei immer die kleinen Übungen, bei denen man sehr schnell etwas zusammenschreiben muss, das günstigstenfalls auch noch zum Thema passt. Bei dieser Übung hier sollten wir uns Gedanken machen um Hingabe und Kreation in der Küche. Dazu wurden in kurzen Abständen Worte in die Runde geworfen, die auch noch mit eingebaut werden mussten. Das waren: Garten, Kostüm, Gewitter, Windspiel, Holzschachtel, Goldfisch, Anwalt, Bucht, Gaslaterne, Brief

Ich muss sagen, der Anwalt und der Goldfisch haben mir gleichermaßen Sorgen bereitet. 🙂

Sie hat ihr Leben lang gebacken

Die alte Frau liebte es, zu backen. Sie benutzte dazu das alte Backbuch, das sie in der Haushaltungsschule bekommen hatte, sowie eine handschriftliche Sammlung von Rezepten, die in einem dicken Notizbuch mit ABC-Register standen. Sie verarbeitet besonders gerne die Früchte aus dem eigenen Garten – Stachelbeeren, Kirschen, Erdbeeren und Rhabarber, aber auch die Johannisbeeren Pflaumen, die sie in guten Obstjahren von den Nachbarn bekam. Zum Backen trug sie stets ihre alte, rotkarierte Latzschürze, die einer ihrer Enkel einmal ihr Kuchenkostüm genannt hatte. Die Kinder wussten: Sobald Oma diese Schürze anzog, gab es bald etwas Leckeres.

Erbstücke: Kuchen in der geerbten Napfkuchenform und auf dem geerbten Kuchengitter

Beim Backen hielt die Frau sich stets an das Rezept. Eher hätte sie sich in einem Gewitter nackt auf eine Wiese gestellt, als auf eigene Faust etwas abzuändern. Beim Backen muss man genau sein, das hatte ihr schon ihre eigene Großmutter immer gepredigt. Wenn man nicht genau ist, wird der Kuchen wackelig wie ein Windspiel im Sturm, das hatte sie auch ihrer Tochter immer gesagt. Umso mehr befremdete es sie jetzt, dass ihre Enkelin sich zu einer hervorragenden Bäckerin entwickelt hatte, obwohl sie die Rezepte abwandelte, neu interpretierte oder manchmal etwas ganz frei Schnauze kreierte. Sogar Pralinen hatte die 17-jährige schon hergestellt und ihrer Oma stolz überreicht, nett hergerichtet in einer mit hellem Baumwollstoff ausgeschlagenen Holzschachtel.

Die alte Frau war eine gute Bäckerin, das wusste sie. Und doch zweifelte sie inzwischen. Hätte sie mehr wagen sollten? Eigene Rezeptideen anwenden, Traditionelles umwandeln? Hätte sie Großes schaffen können? War sie kulinarisch wie ein Goldfisch im Kreis herumgeschwommen, eingeengt durch die engen Grenzen ihrer Backbücher? Sie war 82 Jahre alt und spürte erstaunt, wie viel sie von dem jungen Mädchen schon jetzt lernen konnte. Wenn sie gemeinsam in der Küche arbeiteten, waren sie einander so nah wie sonst nie. Und dass die junge Frau nicht Bäckerin, sondern Anwältin werden wollte, fand sie fast ein bisschen schade. Gleichzeitig freute sie sich darüber – hatte sie doch nach dem Volksschulabschluss die Schule verlassen müssen, obwohl sie für ihr Leben gerne Ärztin geworden wäre.

Während ihre Hände im Brotteig versanken und mechanisch kneteten, dachte die alte Frau lange nach. Was alles möglich war in diesen Zeiten! Eine Frau konnte Kanzlerin werden, junge Leute zelteten in der Karibik in irgendeiner Bucht und die dabei entstandenen Kinder wurden vom Gesetz her nicht benachteiligt. Alte Leute liefen Marathon und mit dem Flugzeug kam man so schnell überall hin, wo sie selbst noch nie hatte sein wollen – es war faszinierend! Sie selber hatte ja noch im Licht einer Gaslaterne lesen lernen müssen, damals in dem winzigen Bergdorf, in dem sie aufgewachsen war. Heute hatte man auch dort Strom, und an guten Tagen sogar Internet.

Wie rasant sich die Welt geändert hatte. Die Hausarbeit und das Backen waren stets ihre Konstanten gewesen, etwas, das ihrem Leben einen Rahmen gegeben hatte. Nur mit diesem Halt war es ihr möglich gewesen, die vielen Wendungen, die ihr Leben genommen hatte, zu ertragen. Vor einigen Jahren war ihr geliebter Mann gestorben. Er war lange krank gewesen und hatte gewusst, dass sein Ende nah war. Er hatte ihr zum Abschied einen Brief geschrieben, in dem er sich bei ihr für alles bedankt hatte: Für die Liebe, die erfüllte Zeit, die fünf gemeinsamen Kinder. Und ganz besonders für ihren Kuchen, denn der hatte auch seinem Leben Halt gegeben.

Fundstück 73 – Das Rührei

20210707_174823Immer mal wieder stoße ich auf Produkte, die in mir pures Unverständnis auslösen. So wie dieses Rührei im Tetra-Pack. Es gibt kaum etwas, das so praktisch naturverpackt ist wie ein Ei, und die schlichten Pappschachteln, in denen sie verkauft sind, sind – im Gegensatz zum Tetra-Pack – wiederverwendbar und receyclingfähig. Ich frage mich, wer diese fünf Portionen Ei wohl kauft.

Als ich meine Zweifel an dem Produkt in einem bekannten sozialen Netzwerk mit Tw… anmerkte, war gleich ein sehr aufgeklärter Mensch zur Stelle, der mir erklärte, dass diese Rühreier für behinderte Menschen quasi unabdingbar seien und ich mal über den Tellerrand gucken solle. Ich konnte da nur müde lächeln, denn natürlich gibt es Produkte, die für alte oder eingeschränkte Personen nützlich sind: Zum Beispiel geschälte Kartoffeln, vielleicht sogar portioniertes Obst, wenngleich mich bei in Plastik verpackten geschälten Orangen immer das kalte Grausen packt. Aber nicht diese Eier – das kann mir keiner erzählen. Denn in der Zeit, in der meine Mutter so unbeweglich wurde, dass sie nicht mal mehr ein Ei aufschlagen konnte, konnte sie erst recht keine heiße Pfanne mehr benutzen. Schon gar nicht für fünf Portionen Rührei. Und da wird sie kein Einzelfall gewesen sein.

Natürlich weiß ich, dass es derartige Dinge nicht gäbe, wenn man nicht einen Markt dafür hätte. Ich wünsche mir also, dass so etwas niemand mehr kauft. Ist natürlich schlecht für die Firma. Aber nun – irgend etwas ist ja immer.

Spätsommergrüße aus dem Dahliengarten

Der Herbst ist da. Pflaumenzeit, Kürbiszeit, Dahlienzeit. Die heutigen Exemplare habe ich größtenteils im Klostergarten in Seligenstadt geknipst.

Diese schönen Blumen erinnern mich immer daran, dass ich vor rund 20 Jahren in der Nähe von München wohnte. Direkt gegenüber von meinem Haus war ein Feld mit Blumen zum Selber schneiden: Gladiolen, Sonnenblumen und zuletzt Dahlien. Das habe ich oft genutzt und mir ein paar Stengel dort abgeschnitten (und natürlich bezahlt!). Seit ich 2003 dort weggezogen bin, habe ich kein derartiges Feld mehr besucht.

Rein aus Neugier habe ich kürzlich gegoogelt und festgestellt, dass da, wo das Feld war, jetzt ein Supermarkt mit Parkplatz ist. Nun ja, wäre ich die Besitzerin dieses Ackers gewesen, hätte ich das wohl auch gemacht – einen Blumenacker nahe München zu haben ist nett, ein Baugrundstück aber netter.

Ein Tag im Opel-Zoo

In der Zeit, in der meine Schwester mich besucht hat, konnten wir dank Prachtwetter auch einmal in den Opel-Zoo in Kronberg fahren. Das ging früher mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so gut, sodass es auch für mich das erste Mal war. Es hat sich aber in jeder Hinsicht gelohnt – der Zoo ist wunderschön angelegt und die Tiere haben viel Platz.

Im Gegensatz zum kleinen Frankfurter Stadtzoo sind die Gehege hier sehr großzügig geschnitten und schön in die Natur eingebettet. Man trabt, dem Rundweg folgend, hügelauf, hügelab, ist mal in der Sonne, mal im Schatten. An vielen Stellen kann man von oben in die Gehege hineinsehen, was wirklich schön ist.

Die Häuser im Zoo hatten coronabedingt noch geschlossen, was nicht schlimm war: Die meisten großen Tiere waren wohl draußen, und das, was uns an Kleingetier oder nachtaktiven Geschöpfen entging, können wir das nächste Mal angucken. Uns war viel mehr danach, das schöne Wetter zu genießen. Da es recht warm war, mussten wir ab und zu was trinken und das geht gut dort: Überall im Zoo gibt es Kioske oder kleine gastronomische Angebote. Wir wählten die mit der schönsten Aussicht und dem meisten Schatten. Trotzdem verbrannte ich mir die Nase.

Die Erdmännchen hatten ein Baby und wieder musste ich feststellen, dass es fast nichts so Niedliches gibt wie Tierkinder. Auch kleine Ziegen und junge Hirsche gab es zu sehen. Ich bin da immer komisch gerührt, obwohl mir die Mutterinstinkte ansonsten ja völlig abgehen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis fand ich alles in allem angemessen, man bekommt schöne Stunden für das Eintrittsgeld von 15,50 € (Kinder zahlen 8,50 €) und auch die Gastronomie fand ich nicht zu teuer. Behinderte ab 80% GdB sind ganz frei (eine evtl. benötigte Begleitperson ebenfalls).  Das finde ich grundsätzlich gut, bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich mit Rollstuhl oder Rollator wirklich gerne durch diesen Zoo laufen möchte: An einigen Stellen geht es schon recht steil rauf und runter. Ich habe beim Runterlaufen manchmal die Stimme meiner Mutter im Ohr gehabt: „Ne! Da könnt ihr machen, was ihr wollt – da fahre ich nicht runter!“

Schippertour nach Seligenstadt

Alle paar Jahre mache ich mit Freunden oder Verwandten gerne mal eine Tagestour mit der Primus-Linie. Man kann in zwei Richtungen fahren: Nach Rüdesheim und von da weiter zur Loreley, oder an Offenbach und Hanau vorbei nach Seligenstadt und dann Aschaffenburg. Dieses Mal sollte es eigentlich Aschaffenburg werden, die Rückfahrt war mit dem Zug geplant. Doch weil die Lokführer streikten, entschlossen wir uns, noch einmal nach Seligenstadt zu fahren. Los ging es am Eisernen Steg in Frankfurt.

Dieses Mal war ich ganz entspannt mit meiner lieben Schwester unterwegs. Beide mussten wir daran denken, dass wir vor etwa 15 Jahren die gleiche Tour einmal mit unserer Mutter gemacht hatten. Das war schön, aber auch sehr mühsam, denn unsere Mutter saß damals schon im Rollstuhl und die Tour ist nicht barrierefrei. Daran ändert auch die super-steile Rampe nichts, die es inzwischen in Frankfurt gibt: Das wäre mit etwas Mühe und Überlegung deutlich besser gegangen (ich denke, unsere Mutter hätte sich schlicht geweigert, sich diesem Mordgerät auch nur zu nähern, und auch meine rollifahrende Freundin hatte dafür kürzlich nur ein befremdetes Kopfschütteln übrig). Am Anleger hatten wir damals also jeweils eine Menge Mühe mit dem Ein- bzw. Aussteigen. Auch im altertümlichen Seligenstadt tut man sich eher schwer, wenn man nicht mehr beweglich ist. Das alles war dieses Mal natürlich kein Thema.

Wir hatten einen Tag mit wunderbarem Spätsommerwetter erwischt, sodass wir uns die ganze Fahrt über draußen aufhalten konnten und hinterher nach einem Spaziergang durch die Altstadt recht froh über ein bisschen Schatten und kalte Getränke waren. Sonnencreme hatten wir natürlich zuhause vergessen, da habe ich ja auch nur drei Flaschen davon. Sagen wir mal so – wir haben kräftig Farbe bekommen, und inzwischen pellt sich meine Nase.

Nach dem Kaffee liefen wir ausgiebig im Klostergarten herum. Zuerst kam der Kräutergarten. Überall roch es besonders. Wir schnüffelten an allerlei Kraut herum, ich nieste trotz eingenommener Allergiepille viel und beide genossen wir die Vielfalt. Wir kannten lange nicht alles von dem, was da wuchs. Putzig fand ich die Kennzeichnung der Giftpflanzen, die jeweils einen kleinen Totenkopf ☠ auf dem Schild hatten. Viele sind auch als Heilpflanzen bekannt, aber man sollte sowas wohl nur zu sich nehmen, wenn man sich wirklich gut damit auskennt.

Es gab neben diversen Blühpflanzen auch Zierkohlarten, Obstbäume (die fast immer beschriftet waren – bis auf das Ding, was uns wirklich unbekannt war) und – tatsächlich – blühende Artischocken. Die fand ich recht dekorativ, solange sie kräftig blühten, aber eher gruselig, wenn diese Phase vorbei war.

Und gegen Abend schipperten wir sonnenverbrannt zurück. Wir gönnten uns gespritzen Apfelwein und, weil man ja den Salzverlust durch das Schwitzen ausgleichen muss, eine Currywurst mit Pommes. Und dann kam das, worauf ich mich schon den ganzen Tag heimlich ein bisschen gefreut hatte: Wir tuckerten der Frankfurter Skyline entgegen.

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Nach all den Jahren habe ich mich noch immer nicht an dieser Aussichet über den Main sattgesehen. Es ist fast egal, bei welchem Wetter ich die Skyline sehe – ich finde sie einfach schön.

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Schietwetter im Kurort

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Trübe Aussichten

Wie immer habe ich mich auch dieses Jahr dazu entschlossen, meinen zweiwöchigen Sommerurlaub erst nach Ende der hessischen Sommerferien anzutreten. „Richtig groß“ wegfahren wollte ich nicht, denn zu Corona-Zeiten habe ich auf das Gedöns nicht recht Lust, im Herbst wartet die Ostsee auf mich und meine liebe Schwester wollte für ein paar Tage kommen. Also entschloss ich mich, nur ein langes „Wellness-Wochenende“ zu machen. Ich googelte also nach Wellness-Hotels in Hessen und fand den Badehof – ein wunderschönes altes Hotel mit Schwimmbad und schöner Hotelbar. Mehr brauche ich im Allgemeinen nicht zum Glücklichsein. Der Ort meiner Wahl war also das überaus verschlafene Bad Salzschlirf.

Schon bei der ersten Information über den Ort dachte ich mir, dass man da wohl nicht recht viel machen kann. Ein Nachbarort versprach altes Gemäuer und eine Destillerie zum Besichtigen, und da der Aufenhalt nur für wenige Tage geplant war, schien mir das ausreichend zu sein. Im Endeffekt erwies es sich sogar als zu viel, denn ich hatte allerscheußlichstes Wetter. Es goss die meiste Zeit wie aus dem Eimer, sodass ich nicht das Gefühl haben musste, etwas zu verpassen, während ich im Bademantel auf der Liege lag und Hörbücher hörte.

Allerdings war es jeden Tag für eine kurze Zeit trocken, sodass ich mir den zerzaust wirkenden Kurgarten angucken und kaffeesieren gehen konnte. Es gab Eiskaffees und nette ältere Damen, deren Lebensgeschichte ich erfuhr und mich dabei durchaus gut unterhalten fühlte. Allzu lange dauerten diese kleinen Plaudereien allerdings nicht, denn ich nutzte die Regenpausen, um von einem Unterstand zum nächsten zu huschen. Auf diese Weise unmrundete ich das Örtchen so ziemlich.

Alles in allem habe ich mich gut erholt in meinen drei Tagen in Bad Salzschlirf. Das Wetter hätte besser sein können, aber das hat man ja nicht in der Hand. Für einen längeren Aufenthalt taugt der Ort aber nicht so recht – es sei denn, man ich so kurbedürftig, dass einem reicht, den Regen fallen und die Blätter rascheln zu hören. Das habe ich dort nämlich auch für eine Weile getan. Das ist für ein halbes Stündchen wirklich mal zu empfehlen.

Eine Rose braucht Wasser

Eine Schreibkursübung: Drei Musikstücke – ein orientalisch anmutendes Gedudel mit viel Tröte, ein kühler, entspannter Barjazz und ein klassisches Stück mit Cello. Wir sollten entweder eines als Grundlage für unseren Text auswählen oder etwas aus allen dreien machen. Ich entschied mich für die „Vollvariante“ und hangelte mich an den Stücken entlang.

Eine Rose braucht Wasser

Rose fühlte sich unwohl auf dem bunten Basar in der orientalischen Stadt. Alles war ihr zu laut und zu hektisch. Außerdem vertrug sie die Hitze nicht gut. Ihr Vater hatte sie immer sein Röslein genannt, weil sie ihn von Geburt an eine englische Rose erinnert hatte – zart und verheißungsvoll. Rosen wachsen leider nicht in der Wüste, dachte sie jetzt deprimiert, und sah sich nach den Mitgliedern ihrer Reisegruppe um. Dort war Mr. Cameron, der Reiseleiter.

„Gefällt es Ihnen, Miss Rose?“, fragte der große, kräftige Mann und lächelte sie dabei so freundlich an, dass sie sich fast ein wenig ihres Unbehagens schämte. Doch sie war ehrlich: „Mir ist nicht recht wohl. Vielleicht könnte einer der Fahrer mich zum Hotel begleiten?“ Eilfertig nickte der Reiseleiter. „Oh ja, gewiss. Sie haben Glück, da vorne ist ein Bekannter von mir. Er ist mit dem Wagen da und wird sie sicher gerne mitnehmen.“ Bevor Rose sich versah, wurde sie von einem äußerst attraktiven Geschäftsmann in einer Limousine zum Hotel gefahren. Wenig später fand sie sich in der Hotelbar wieder.

„Eigentlich wollte ich mich etwas hinlegen“, hatte sie schwach protestiert, als der nette Mittdreißiger, der sich ihr als Paul McMurphy vorgestellt hatte, sie eingeladen hatte. Er hatte gelächelt und ihr den Arm geboten. „Ja, Sie sollten sich hinlegen, später. Zuerst sollten Sie sich abkühlen. Die Bar ist der kühlste Ort hier im Hotel, vielleicht sogar in der ganzen Stadt. Und Sie sollten etwas trinken: Viel Wasser und einen kleinen Mokka, das wird Sie wieder auf die Füße bringen.“ Das alles klang recht vernünftig und so hatte sie nachgegeben.

Kurze Zeit später musste Rose zugeben, dass Pauls Methode gegen Unwohlsein und Schwäche genau das Richtige gewesen war. Bald schon unterhielten sie sich angeregt und als der Kellner fragte: „Champagner für die Dame?“ und Paul ihr auffordernd zunickte, sagte sie nicht nein. Genauso wenig lehnte er es ab, als sie ihn zwei Stunden später, ermutigt durch noch mehr Champagner, fast unverschämt fragte: „Wollen Sie tanzen?“ Er wollte, und sie wollte, und so verbrachten sie die Nacht unter den wachsamen Augen der Kellner in der verlockenden Kühle der Hotelbar.

Acht Monate später genossen sie eher eine klassische Kühle in einer Kirche im englischen Coventry. Aus Rose Miller wurde Rose McMurphy, und Paul an ihrer Seite sah besser aus denn je. Roses Vater führte sie in die Kirche und übergab sie seinem zukünftigen Schwiegersohn, nicht ohne diesen leicht drohend anzusehen. Die Mutter weinte, eine Cousine spielte Cello und es regnete. Alles was genauso, wie es sein musste, wenn eine englische Rose wachsen und gedeihen sollte.

11 Flieger und ein Hüpfer

Hier war eine Weile Ruhe. Ich musste ein bisschen bei meiner Schwester sein, dann ein paar Tage den Sommer genießen, endlich wieder schwimmen gehen. Aber wie es so ist: Wenn man viel draußen herumläuft, drängen sich einem ganz automatisch Dinge auf, die man gerne zeigen möchte – also gibt es mal wieder etwas Kleingetier, und in den nächsten Tagen auch noch ein paar andere Bilder. Jetzt aber wird es erst mal bunt:

Die Sonnenblumenbilder entstanden auf der Dachterrasse meiner Freundin Maike. Sie hat sich dort ein kleines blühendes Paradies eingerichtet und achtet darauf, dass alles, was sie mit großer Begeisterung und viel Sachkenntnis einpflanzt, auch insektenfreundlich ist. Hier traf ich auch diesen kleinen grünen Gesellen:

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Auch diese Hummel auf lila Blühkraut habe ich dort geknipst – vor lauter Jagdeifer hätten mir die anderen fast den Kuchen weggegessen. Aber es hat sich gelohnt:

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Und ganz zum Schluss noch etwas, dass ich so gar nicht auf dem Schirm hatte: Nämlich wie hübsch blühende Ackerdisteln sein können. Sie begegneten mir auf diversen Blühstreifen in Oberursel und scheinen aus Sicht der Hummeln wirklich der Hit zu sein – es summte und brummte, dass es eine wahre Freude war. Ich hoffe, dass diese Blühstreifen künftig an noch viel mehr Stellen mitten in der Stadt oder in irgendwelchen Gewerbegebieten zu finden sind – die werten das Gelände für Mensch und Tier deutlich auf.

Ich als Geschenk – was soll das denn?

Mal wieder eine Aufgabe aus dem Schreibworkshop, für mich war es eine echte Herausforderung. Es ging um ein Gedankenspiel: Du schenkst dich jemandem. Wie kann das aussehen? Oooohhhhgottogott, was soll man da bloß schreiben? Erst mal einen Brief …

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Foto von Evie Shaffer von Pexels

Mein lieber Neffe,

anliegend erhältst du meinen Leichnam zur Aufbewahrung und weiteren Verwendung. Ich habe meine sterblichen Überreste nach der Kremierung in die Schweiz schicken und dort zu einem Diamanten pressen lassen. Selbstverständlich wurde die Asche vor der Verarbeitung sorgfältig gesiebt, sodass das fertige Stück lupenrein sein und keinerlei Einschlüsse enthalten sollte. Eine klare Sache also.

Entsprechend meiner Körpermaße dürfte der Diamant ein ziemlicher Brocken geworden sein. Ich habe um einen geradlinigen Schliff mit scharfen Kanten gebeten, das erschien mir passend. Jetzt funkle ich also endlich in dem Maße, wie ich es mir immer gewünscht habe. Bunt im Licht, hell und leuchtend. Gerne wüsste ich, so rein aus Neugier, wie viel Karat aus mir geworden sind, aber das werde ich wohl nicht mehr erfahren. Du kannst den Stein ja mal in die Sonne halten und mir ein paar Lichtsignale nach oben schicken. Nicht, dass ich daran glaube würde, dort auf einer Wolke zu sitzen und mit den Beinen zu baumeln, aber man weiß ja nie.

Einen Hinweis habe ich aber noch für dich: im spießigen Deutschland ist es bislang verboten, die sterblichen Überreste seiner lieben Verwandten als Schmuckstück mit sich herumzutragen. Behalte es also bitte für dich, dass es deine Tante ist, die du als Halsschmuck oder Schlüsselanhänger trägst. Rede also einfach von Modeschmuck, Strass oder Glas. Solltest du mich zu einem Ring verarbeiten lassen, um ihn deiner Freundin oder deinem Freund zu schenken, solltest du ebenfalls besser den Mund halten, denn wer will schon die Schwiegertante mit im Schlafzimmer haben?

Und nun mach es mal gut, mein lieber Neffe. Ich wünsche dir nur das Beste, und vergiss bitte nie: Ich bin immer bei dir, was auch geschieht.