Wochenendtrip nach Göttingen

Dieses Wochenende war es endlich soweit: Meine liebe Schwester und ich trafen uns in Göttingen zu einem Mädelswochenende. Diesen Kurztrip hatte ich meiner Schwester zum 50. Geburtstag geschenkt und schlug so gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Ich hatte ein schönes Geschenk, kam mal nach Göttingen und konnte viel Zeit mit meiner Schwester verbringen. Was will man mehr?

Fachwerk, altes Rathaus, Göttingen Pünktlich um 14 Uhr trudelten wir beide am Bahnhof ein und fanden auch gleich das zentral gelegene Hotel. Es zog uns ins Freie – das Wetter war bombastisch. Und so ging unser super-entspanntest Wochenende los: Mit einem ersten Stadtbummel, Kaffeetrinken in der Sonne und vielen angeregten Gesprächen. Das Geschnatter ging sogar soweit, dass meine Stimme, noch immer etwas „spröde“, irgendwann fast völlig versagte. Eine Krähe klang wahrscheinlich melodisch gegen mich!

Am Samstag gigen wir erst mal shoppen. Dabei hatten wir allerdinge ein Problem: Das Wetter war so schön, dass wir gar keine Lust hatten, in irgendwelche Läden zu gehen. Außerdem brauchten wir nichts. Also suchten und fanden wir den alten botanischen Garten.

Hier bummelten wir eine Weile herum, lauschten einem Froschkonzert am Teich und landeten irgendwann – richtig – im Kaffee.

Das Schöne an Göttingen ist, dass die Stadt klein und „zentriert“ ist, so dass Vieles ganz gemütlich zu Fuß zu erreichen ist. Immer wieder landeten wir am alten Rathaus und dem berühmten Gänseliesel-Brunnen. Hier kraxeln fertige Doktoranden hinauf, küssen die Figur und stecken ein Blumensträußchen daran. Wir wurden Zeuge von zwei derartigen Aktionen – merkwürdig, aber irgendwie ganz niedlich.

Gut gefallen hat mir außerdem die ungewöhnliche Gastronomiedichte – die Stadt mit ihren rund 130.000 Einwohnern hat etwa 33.000 Studenten, die natürlich alle ausgehen wollen. Dementsprechend fiel es uns nie schwer, etwas nach unserem Geschmack zu finden – und es gibt in Göttingen auch etwas für jeden Geldbeutel. Wir aßen im Nudelhaus und ließen den Abend später im Hotel mit einigen Gläsern „Rödelseer Schwanleite“ ausklingen. Das erinnerte mich massiv an Loriot …

Die vielen Studenten in Göttingen können inzwischen natürlich jede Menge unterschiedliche Fächer studieren. Bei der Stadtführung am Sonntag lernten wir, dass es früher anders war: Es gab nur vier Fächer (dargestellt im Relief oben), in denen alles enthalten war, was es damals zu lernen gab. Es gab Medizin, Philosophie, Theologie und Jura, wobei z. B. die Naturwissenschaften mit im Bereich Medizin gelehrt wurden, Sprachen hingegen bei der Philosophie. Das klingt mir nach einem ganz schön vielseitigen Studium, dazu hätte ich Lust – aber ich hätte nicht gedurft. Bin ja nur eine Frau … 😦

Außerdem lernten wir während der Führung noch allerhand über Fachwerk. Wann ist ein Stockwerk ein richtiges Stockwerk und wann nur ein Geschoss? Und warum heißt das überhaupt „Geschoss“? Ich konnte mir die Ausführungen unseres Stadtführers nicht ganz genau merken, aber es hatte etwas mit den Querbalken des Fachwerks zu tun – aufgestockt und durchgeschossen, oder so ähnlich.

Und wir erfuhren, dass Göttingen früher schon bekannt war für seine Wurst. Hm … hätten wir das vorher gewusst, hätten wir mal eine gegessen. Das Wurstplakat oben wurde bei Restaurierungsarbeiten gefunden und in einem Innenhof wieder aufgehängt, zusammen mit einigen Fliesen aus der alten Metzgerei.

Göttingen hat mir wirklich gut gefallen: Klein und niedlich, alt, aber nicht verflossen. Natürlich tat das Wetter das Seine dabei – so ein Glück muss man erst mal haben.

Brusthaar

Kürzlich erzählte ich einigen Freunden aus meiner „Bildungsfernsehen“-Gruppe, dass ich mich am Vormittag mal wieder den Jugenderinnerungen hingegeben und im Fernsehen zwei Folgen „Baywatch“ geguckt hatte. Das wird derzeit auf Nitro wiederholt und war mir in meiner weit entfernten Jugend sehr wichtig – und das nicht wegen der Brüste von Pamela Anderson. Die Reaktion aus der Bildungsfernsehen-Gruppe war ungläubig: Sie reichte von einem wilden Johlen bis hin zu Roberts Frage: „Hast du denn gar keinen Stolz?“ Bemerkenswert, diese Reaktionen, ist es doch gerade diese Runde, mit der ich mir schon den Super-Shark und ähnliche Kunstwerke zu Gemüte führte. Jemand führte auch an, dass diese Serie doch veraltet sei, schließlich gäbe es inzwischen einen neuen Spielfilm, der sich irgendwie an die Serie anlehnt. Doch dieses Argument zog bei mir nicht.

Bild „Liegender“ zur Verfügung gestellt von Telemarco, http://www.pixelio.de

Ja, es gibt einen neuen Spielfilm, und ja, die Leute dort tragen rote Badekleidung und es sind hübsche Jungs dabei. Aaaaaber: Das ist alles ganz anders, die haben nämlich alle kein Brusthaar. Einer hat nicht mal Haupthaar, aber da will ich nicht kleinlich sein, sowas kommt im Alter ja vor. Aber dieses fehlende Brusthaar zeigt mir deutlich, wie sie die Mode und das Schönheitsempfinden in den vergangenen 20 … ääähhh … ne, huch, fast 30 Jahren verändert haben. Der Oberbademeister damals trug eine üppige Lockenpracht auf dem Kopf und fast genauso ein Lockenfell auch auf der Brust, und genauso muss das für mich sein.

Um es ganz klar zu sagen: Ich bin keine Körperbehaarungsfetischistin. Ich finde nicht, dass der menschliche Körper völlig haarlos sein muss (Menschen, die „iiiihhhh“ schreien, wenn eine Frau mit unrasierten Beinen gesichtet wird, haben meines Erachtens einen an der Waffel!), ich bin aber auch kein Fan von gorillaähnlicher Rückenbehaarung. Im Grunde ist es mir egal, ob da Haar ist oder nicht. Mir fällt aber auf – schließlich gehe ich oft schwimmen – dass die früher oft üppige Brustbehaarung bei Männern inzwischen besonders bei den jüngeren Jahrgängen deutlich nachlässt. Offenbar hat auch sie das Enthaarungsdiktat, mit dem sich Frauen seit vielen Jahren gemäß Modezeitschrift, Beautyblogs und Kosmetikindustrie herumschlagen sollten, inzwischen erreicht.

Dementsprechend fällt es einem inzwischen auf, wenn sich irgendwo eine Locke hervorkringelt, wo man nicht damit gerechnet hätte. Gut, eigentlich denke ich nicht darüber nach, ob es irgendwo Brusthaar gibt oder nicht, aber als kürzlich ein leger gekleideter Kollege die üppige braune Pacht aus dem V-Ausschnitt hervorwallen ließ, war ich schon etwas verblüfft. Und ich dachte während der Besprechung etwas off topic darüber nach, wie ich mir die Brust dieses Kollegen eigentlich vorgestellt hätte. Und ja, tatsächlich, mein Gehirn hat die modischen Veränderungen der letzten 30 Jahre mitgemacht und signalisierte mir, dass in meiner Vorstellung diese Brust hätte nackt sein müssen – keine Locken, kein Wallewalle.

Und so diskutierte ich den neuen Baywatch-Film nochmal mit Bildungsfernsehen-Mitglied Maike: Wir kamen überein, den neuen Film irgendwann in unser Bildungsfernsehen-Programm aufzunehmen – man muss ja Neuerungen gegenüber offen sein.

Was kommt als nächstes?

Ich kenne mich ja im Internet recht gut aus. Unter anderem weiß ich, dass Vermarkter, die Werbung ausspielen, dieses gerne aufgrund der Analyse meiner gespeicherten Daten tun – soweit, so gut. Im Grunde habe ich da gar nichts dagegen, ich gucke mir nämlich deutlich lieber Werbung für Strickwolle an als für Autoreifen (denn isch abe gar kein Auto). Umso verwirrter war ich heute, als immer die gleiche Plattform mir das folgende Werbesortiment präsentierte:

Elektromobil

Ein Elektromobil in Rot, mit Armlehnen und Einkaufskörbchen – nein, soweit bin ich noch nicht, das will ich nicht haben. Ich bin zwar schon mal auf so einem Ding gefahren, aber das war das von meiner Mutter, das frisch geliefert worden war. Noch ist das nicht nötig, vielen Dank.

Elektromobil

Und nein, auch in Silber brauch ich so ein Mobil nicht, im Gegenteil. Das ist ja noch schlimmer! Nicht mal ein Fuchsschwanz könnte das Ding aufwerten, wenngleich ich es gut finde, dass es diese Gefährte für Senioren gibt. Aber halt nicht für mich – hoffentlich noch ganz lange nicht!

Weiter ging es mit Liebe und so …

Ähhh, ja. Was soll man dazu sagen. Irgendwie muss die Verhaltensdaten-Bewertungs-Maschine geschlussfolgert haben, dass ich über 50 bin. Bin ich noch nicht. Nicht, dass ich es schlimm fände, wenn es so wäre, aber ich frage mich die ganze Zeit, was ich im Netz gemacht habe, dass die mich so einschätzen. Vielleicht, weil ich die ganzen Blues-Musiker gegooglet habe? Oder das Rezept für die Eierlikör-Muffins angeguckt habe? Man weiß es nicht … Schade ist halt, dass die mir nicht den passenden Kerl dazu zeigen, sonst könnte ich zumindest darüber nachdenken, mich älter zu machen.

Treppenlift

Na toll, Treppenlifte. Immer noch surfe ich auf der gleichen Seite herum (Twitterperlen). Wirke ich denn wirklich so fußlahm? Ich frage mich mal wieder, was als nächstes kommt – Inkontinenzeinlagen vielleicht? Oder zeigen die mir demnächst Schuhe und Jacken in Beige?  Urnen oder gar das Beerdingungskomplettset „Heute zahlen, morgen sterben“? Mich kann nichts mehr überraschen, denke ich.

Doch dann sehe ich die nächste Anzeige, und die verblüfft mich nun doch:

Ich muss gestehen, ich habe da nicht draufgeklickt – zu sehr unterscheidet sich diese Anzeige von meinen sonstigen Präferenzen und das Angebot sieht ein bisschen so aus, als würde man sich dadurch Hard- und Software mit irgendwelchen Seuchen infizieren. Ich überlege aber, den Balkon zum Wintergarten umzurüsten und einmal ein paar Pflanztöpfchen aufzustellen. Wer möchte schließlich nicht reich werden?

Rockin the Blues!

Rockin the Blues, Batschkapp

Gestern war ein besonderer Abend: Die ewige Antje und ich waren auf einem Bluesfestival in der Batschkapp. Drei Musiker nebst Bands und Gast gaben sich die Ehre und ich muss sagen, ich habe schon lange, vielleicht sogar noch nie, ein Konzert mit derart viel „Bumms“ erlebt.

Den Anfang machte Gary Hoey mit Band. Vom ersten Ton an ging es zur Sache – unglaublich, wie drei kleine Musiker eine doch recht große Halle ausfüllen können. Virtuoses Gitarrenspiel, Gesang und eine gesunde Portion Humor machten Spaß und Lust auf mehr.

Der zweite auf der Bühne war der junge Quinn Sullivan, der ganz gewiss ein Ausnahmetalent ist. Er kam poppiger daher als sein Vorgänger, aber nicht weniger kunstfertig.

Quinn Sullivan

Und als dritter kam Eric Gales an die Reihe, ein echter Gitarrenkünstler, der es leider nicht lassen konnte, die werte Gemeinde über sein schweres Leben und so aufzuklären. Doch die Musik war klasse – wieder ganz anders als bei den beiden zuvor.

Als Gast kam Lance Lopez auf die Bühne, der mit der Band von Eric Gales spielte. Das Finale wurde nahtlos, ohne weitere Umbaupause, eingeläutet und ehe man sich versah, waren alle vier Gitarristen gemeinsam auf der Bühne. So viel Rhythmus, so viel Power – man wurde ganz besoffen davon. So bekam das Konzert seinen würdigen Abschluss. Das unten eingebundene YouTube-Video stammt von einem Auftritt aus Dortmund.

Gary Hoey

Abgesehen von der fantastischen Musik gab es natürlich auch sonst noch allerhand zu beobachten: Eine gute Akustik in einer Halle, die sich nicht sofort überheizte – prima. Trotz der Lautstärke hatte man also nicht das Gefühl, dass einem das Trommelfell platzt. Ausreichend Getränkestände und moderate Apfelweinpreise – auch gut. Und ein begeistertes Publikum mit der überwiegenden Haarfarbe Grau. Mir ist bewusst, dass Blueshörer oftmals schon etwas ältere Semester sind, aber hey, Kinnings, ihr verpasst echt was, wenn ihr da nicht hingeht. Solche Musik kriegt man nicht oft geboten.

Fazit: Normalerweise neige ich ja nicht unbedingt zur Euphorie. Doch dieses Konzert war schon etwas ganz Besonderes. Es hat Spaß gemacht und obwohl es recht lange ging und ich irgendwann Plattfüße und Rücken hatte, war es das wert. Und auch wenn um mich herum alle grau waren, fühlte ich mich jung und dynamisch. War das geil!

Hals über Kopf

Mal wieder eine Übung aus dem Schreibworkshop zum Thema „Abreisen sind immer überstürzt“. Zu diesem Thema muss ich sagen, dass das bei mir nicht der Fall ist – wenn ich irgendwohin abreise, bin ich eher zu früh als zu spät unterwegs. Aber ich kenne auch andere Leute …

Hals über Kopf

„Du verbringst dein halbes Leben mit Warten“, sagte Wolfgang gerne zu mir und bezog sich damit auf meine Angewohnheit, immer etwas zeitlichen Puffer vor Terminen oder Abreisen einzuplanen. „Und du mit Rennen“, konterte ich und war zufrieden damit. Ich warte nämlich lieber als dass ich renne – und ich mache mich nicht gerne zum Affen. Das passiert nämlich unweigerlich, wenn man ständig zu spät dran ist.

Gerne denke ich zurück an den Abend, an dem Wolfgang, mit dem ich damals das Büro teilte, mal wieder besonders gelassen herumwurschtelte, obwohl er an diesem Abend noch nach Wien fliegen wollte. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und machte ihn auf die Uhrzeit aufmerksam. „Ja, Kruzifix!“, entfuhr es dem Österreicher. Hektisch begann er, durch das Büro zu turnen. Zuerst riss er sich das Sakko vom Leib, dann das Hemd und die Hosen. Den Anblick seiner Schlüpfer – zumeist in fröhlich-bunten Farben mit dunklerem Rand – kannte ich schon und auch die magere Brust brachte mich weder zum Erbleichen noch zum Erröten. Er schmiss sich in den Freizeit-Dress (Jeans und T-Shirt), knallte seinen Koffer auf den Tisch und stopfte den armen Anzug hinein. Koffer schließen und losrennen war das nächste. Fünf Minuten später kam er wieder: Laptop vergessen. „Weißt du, wo die Tasche dafür ist?“ Nö, das wusste ich nicht. Ehrlich gesagt interessierte mich das auch nicht. Also wurde das Spiel mit dem Koffer wiederholt: Auf den Tisch knallen, Laptop reinstopfen. Irgendetwas fiel ihm noch ein, er wühlte im Schreibtisch, fand nicht, was er suchte. Egal. Er griff sich seinen Koffer, rannte wieder los, das Gepäckstück schwungvoll durch den Raum schleudernd.

Er hatte vergessen, den Koffer richtig zu schließen.

Der ganze Inhalt ergoss sich auf den Fußboden, einschließlich des Laptops und der schmutzigen Socken vergangener Tage. „So eine damische …“ Wolfgang tauchte unter den Schreibtisch und raffte seine Utensilien zusammen. Ich saß derweil mit angezogenen Beinen auf meinem Stuhl, um bloß nicht zu stören. Um mich irgendwie nützlich zu machen, fragte ich: „Soll ich dir ein Taxi rufen?“, und er grunzte. Er hatte sich gerade hörbar den Schädel an der Tischkannte angeschlagen, das schien Auswirkungen auf sein Sprachzentrum gehabt zu haben. Ich telefonierte, er kämpfte, wühlte, schwitzte. Endlich war der Koffer wieder gefüllt und wurde mühsam verschlossen. Wolfgang raste los, nicht ohne sich in der Tür nochmal umzudrehen: „Danke, dass du nicht gelacht hast!“ Damit verschwand er.

Und er hatte Recht, ich hatte bei dem ganzen Theater nicht eine Mine verzogen. Und auch nicht gelacht. Das tat ich erst, als mein Blick auf das fiel, das er in der Eile nicht wieder in den Koffer gequetscht hatte: Auf seinem Schreibtisch stand einsam und verlassen der Laptop. Ich schloss ihn in den Schrank – nicht, dass das gute Stück noch wegkam.

Fundstücke 56: vorher oder nachher?

Manchmal weiß man bei Werbung einfach nicht, was einem die dargestellten Bilder sagen sollen: Dieses Schild eines Frisörs brachte mich wirklich ins Grübeln. Sind die dargestellten Personen Beispiele für vorher oder nachher, soll heißen, waren die schon beim Frisör oder wollen die noch hin? Ist dieser Frisörladen vielleicht spezialisiert auf Retro-Schnitte und Maskenbildnerei? Oder sind diese beiden Herrschaften gar die Ladeninhaber, die dort die Schere schwingen? Man weiß es nicht, und ausprobieren möchte ich das auch nicht. Freiwillige vor, bitte!

Schild Frisör

Kohlfahrt 2018 – so schön kann Winter sein

Es war mal wieder Kohlfahrtszeit – gestern wanderten wir los. Es war eisig kalt, aber trotzdem unglaublich schön. Denn gegen Kälte kann man sich anziehen.

Und das taten wir auch: Tatsächlich trat keiner den Weg ohne Mütze an, und von Anfang an wurde eifrig verglichen, was man sich alles angezogen hatte, um warm zu bleiben. Mütze, Schal und Handschuhe natürlich, warme, winddichte Jacken und lange Unterbuxen, von denen mindestens eine sogar zwei trug.

Wir liefen los in Tungeln, direkt an der Hunte. Hier konnte man wirklich schön laufen, allerdings sorgte der Weg auf dem Deich dafür, dass wir so richtig viel Wind abbekamen. Trotz Mütze vermeldete mein linkes Ohr irgendwann Kältealarm, so dass die Kaputze noch oben drüber kam. Erst, als wir den Deich verließen, wurden wir nicht mehr so stark verblasen.

Hunte bei Tungeln

Doch die leicht erhobene Position oben auf dem Deich hatte auch etwas Gutes: Der Blick war wirklich sehr schön. Das lag natürlich auch daran, dass keinerlei Häuser oder Straßen dort im Weg sind. Es gibt dort einfach viel „Gegend“. Geboßelt haben wir allerdings dieses Mal nicht: Die Kugeln wären doch gar zu leicht in der Hunte verschwunden, zumal wir den Kraber zum Herausangeln der Sportgeräte vergessen hatten.

Hunte bei Tungeln

Statt dessen wurde auf einer kugelabsturzsicheren Brücke gekegelt und es gab eine neue, abgefahrene Schnapsleiste mit blinkenden Bechern. Auch unsere mobile Ecke, die es uns ermöglicht, auf völlig gerader Strecke eine der sonst traditionell nur an Ecken oder Kuven stattfindende Schnapspause einzulegen, fehlte nicht. So modern waren wir wahrscheinlich noch nie unterwegs.

Trotzdem wirkte unser Bollerwagen, wenngleich üppig bestückt wie immer, fast bescheiden gegen einige der Profigefährte mit Musik und Zapfanlage, die uns dieses Mal begegneten. Denn es waren unzählige Kohlfahrtsgruppen unterwegs an diesem eisigen Wochenende und die Ausstattung war sehr unterschiedlich.

Profi-Bollerwagen, Kohlfahrt

Bei uns wird der Schnappes nach wie vor von Hand eingeschenkt, was dieses Mal bei dem Wind gar nicht so einfach war: Manchmal machte der Schnaps sich selbständig und schlackerte statt ins Glas über die Klamotten des durstigen Kohlfahrers. Selbst die Schnapsausgießer verweigerten bei der Kälte teilweise den Dienst und fielen einfach von der Flasche, was allgemein für Heiterkeit sorgte – wie gut, dass unsere Leute nicht pingelig sind. Auch Musik brauchen wir für unsere Touren nicht, denn wir machen schon so genug Krach.

Kohlfahrt, Bollerwagen

Wir hatten eine tolle Zeit und nutzten die letzten Sonnenstrahlen noch aus, bevor wir an unserem Lokal ankamen. Auch das war gut ausgesucht. Ich sprach wieder sehr der heißen Suppe zu, die konnte man nach viereinhalb Stunden draußen wirklich gut gebrauchen.

Und ich genoss es, noch einige Zeit mit meinen alten Freunden zusammenzusitzen. Diese jährliche Kohlpartie ist immer eines der Highlights meines Jahres – und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Mal.

Wismar – schön ist zu wenig

Aus einer Laune heraus entschloss ich mich nach meinem verkränkelten Ostsee-Urlaub im Herbst, einige Wochen später nochmal loszujuckeln, und zwar nach Wismar. Natürlich ist der Januar nicht der ideale Reisemonat, aber ich wollte einfach ein paar Tage meine Ruhe haben und entspannen – ohne Rotznase und Husten.

Das Wetter war während der ganzen Woche winterlich grau, doch gerade am Sonntag spendierte der Januar einige kurze Sonnenstunden. Die nutzte ich zu einem Ausflug an den alten Hafen.

Ich gönnte mir eine Hafenrundfahrt, bei der man mit dem Ticket gleich einen Glühwein miterwarb, und schlürfte sogar noch einen zweiten. Denn kalt war es an diesem klaren Sonntag – wie gut, dass ich meine Pudelmütze dabei hatte.

Auch am nächsten Tag war noch Mützenwetter und ich nutzte die leidlich hellen Stunden dafür, die kleine Stadt zu erkunden. Wismar ist Unesco Weltkulturerbe – warum, sieht man sofort, wenn man sich der Innenstadt nähert. Altes Gemäuer an jeder Ecke, größtenteils sehr gut erhalten.

Die vielen alten Häuschen ließen mich immer wieder von meinem Fahrrad steigen, damit ich in Ruhe gucken konnte – den nächsten Tag bin ich gleich zu Fuß gegangen. Der alte Markt und die vielen kleinen Seitenstraßen, all das ist wirklich schön.

Auch in einige Kirchen hat es mich verschlagen. In einer gibt es ein interessantes Konzept: Hinten gibt es eine Sitzecke, in der man Tee trinken kann – gegen eine moderate Spende. Auch einen Platz, an dem kleine Kinder spielen können, gibt es hier. Dem Anschein nach kommen hier Menschen ganz informell zu einem Schwatz zusammen, trinken einen Tee und gehen wieder. Für mich ist das eine gute Idee, um Menschen an die Kirche zu binden – zumindest besser, als manch andere Idee, von der man schon hörte.Wismar, am Markt

Auch das kleine Museum sah ich mir an. Es befindet sich ebenfalls in einem dieser alten Häuser und es wird gut erklärt, wie diese kleinen Häuschen früher bewohnt wurden. Denn hier wurde nicht nur gelebt, sondern auch gearbeitet und gelagert – schließlich wurden über die Hanse große Mengen an Waren umgeschlagen.

Und immer wieder kam man zurück an den Marktplatz – ob man wollte oder nicht. Denn interessanterweise war Google Maps mit dem Wismarer Markt irgendwie überfordert – selbst, wenn man mitten aus dem Platz stand, sagte die Navigationshelferin noch: „Gehen Sie Richtung Markt“. Mein kleiner Faltplan, den man mir im Hotel ausgehändigt hatte, wurde also durchaus benutzt.

Und auch zu tun gibt es noch allerhand in Wismar: Zwar ist ein großer Teil der Innenstadt super in Schuss, doch hier und da findet man auch renovierungsbedürftige Fassaden. Fast schon beruhigend – Perfektion schadet in meinen Augen eher, als das es etwas nützt.

Gegen Abend konnte ich über einen kleinen Schleichweg zu meinem Hotel zurückgehen. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Altstadt, und zwar über die „Kultweide“, wenn ich den Stadtplan richtig verstanden habe.

Fazit: Da auch mein Wellness-Hotel an der Therme mir ausgesprochen gut gefallen hat, war dies nicht mein letzter Aufenthalt in Wismar. Es ist einfach schön da – sogar im Winter.

Diorama in der Schirn

Schirn, Diorama, Pilze

Durch ein kleines Guckloch in der Wand sah man diese Pilze. Magisch, oder?

Auch wenn ich generell mit bildender Kunst nicht besonders viel anfangen kann, gebe ich ihr immer mal wieder eine Chance. Daher war ich heute mit der ewigen Antje mal wieder in der Schirn in Frankfurt, wo noch bis zum 21. Januar die Ausstellung „Diorama“ läuft. Dioramen sind Schaukästen, in denen Szenen oder Welten dargestellt sind. Ein wichtiger Bestandteil sind detailreiche Malereien, die dem Werk Tiefe geben, und auch verschiedene Beleuchtungen helfen, die Illusion zu perfektionieren. Häufig wurden und werden diese Kästen in Museen genutzt, es gibt jedoch auch etliche andere Einsatzmöglichkeiten für die Gemälde und Modelle.

Schirn, Diorama, Vesuv

Der Ausbruch des Vesuvs 1 – Dämmerung

Dieses Mal hat mich die Ausstellung in der Schirn nicht enttäuscht, ich war im Gegenteil sehr angetan davon. Das mag daran liegen, dass diese Kunst einen Nutzen hat, als pragmatisch veranlagtem Menschen kommt mir soetwas sehr entgegen. Natürlich gab es auch dieses Mal einen Raum, in dem sonderbare Dinge ausgestellt waren, die für mich alle Vorraussetzungen für eine Abholung als Sperrmüll erfüllten, doch das ist sicher Geschmacksache.

Diorama, Widder

Der Widder ist mein Sternzeichen. Deshalb wunderte ich mich gar nciht, dass dieses Exponat besonders klug guckte.

Vieles wirkte enorm vertraut: Die Kästen mit den Tieren in nachgestellten Lebensräumen (zu empfehlen auch ein kleiner „How-To-Film“ aus den 50er Jahren, in dem der Bau eines Schaukastens mit Teich, Kranichen und Schuhschnabel gezeigt wurde) kennt man aus Museen, einige Kästen erinnerten an Puppenstuben und die altmodischen Guckkästen hatte man auch schon einmal gesehen. Uns faszinierte jedoch bei vielen Exponaten der enorme Detailreichtum.

Mein Lieblingsstück war ein gemalter Vulkanausbruch im Tagesverlauf – mal war die Hafenszenerie sonnendurchflutet, dann begann es angsam zu dämmern, irgendwann dominierte der Vulkan das Geschehen. Und irgendwann ging die Sonne wieder auf, ein Wolf heulte und das Ganze begann von vorn. Kitschig, ja, aber sehr gekonnt umgesetzt und schön.

Die Ausstellung ist nicht riesig – das gibt die kleine Schirn ja auch gar nicht her. Wie immer fand ich diese Sonderausstellung mit 9 Euro zu teuer, so bringt man die Leute sicher nicht dazu, öfter ins Museum zu gehen. Wir machten mal wieder die Billigheimer und gingen mit einem Rabattcoupon für die Hälfte rein. Knapp anderthalb Stunden hielten wir uns auf und waren damit sicherlich mit die Langsamsten. Es gab aber auch wirklich etwas zu gucken.

Schirn, Diorama, Vesuv

Der Ausbruch des Vesuvs 2 – jetzt ist es schon dunkel

 

Nachbemerkung: Nach der Ausstellung bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt. Und da bemerkten wir plötzlich überall kleine oder größere Dioramen. Besonders viele waren im Schaufenster einer Konditorei zu sehen, wo es diverse Bäckereiszenen oder Miniatur-Kuchentheken zu sehen gab. Jetzt, da die Dinger einen Namen für mich haben, fallen sie mir scheinbar öfter auf.

Fernsehgedanken 1 – zurück in die Kindheit

Schwarzwaldklinik, Ich heirate eine Familie, Timm Thaler

Carlsbau im Glottertal, bekannt durch die Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“, zur Verfügung gestellt von Matze Trier in den Wikipedia Commons

Wie jedes Jahr liefen auch dieses Mal an Weihnachten und zwischen den Jahren „die üblichen Verdächtigen“ im Fernsehen. Pflichtbewusst absolvierte ich gemeinsam mit meiner Schwester und teilweise meinem Schwager das Standardprogramm: Sissi, Aschenbrödel, Der kleine Lord und die Hoppenstedts. Ne, wat schön. Und da wir dieses Jahr so entspannt wie nie zuvor Weihnachten gefeiert haben und fast nichts vorhatten, außerdem bei allen der Akku leer und das Wetter allgemein usselig war, haben wir uns bemüht, den Fernseher leer zu gucken. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Und so sprangen wir zurück in die Kindheit und besuchten wieder einmal die Serien, mit denen wir aufgewachsen sind. Besonders interessant fand ich Timm Thaler: Denn diese Serie habe ich als Neunjährige zusammen mit meiner großen Schwester geguckt und überhaupt nicht richtig verstanden. Der Teufel als geschäftstüchtiger Baron – das erschloss sich mir nicht. Noch spannender als die Handlung fand ich aber die Kinder, genau deren Aussehen: Die hätte man alle direkt von unseren Klassenfotos gepflückt haben können. Immer wieder gab es Parallelen: „Guck mal, die sieht aus wie Sabine!“ oder „So’ne Frisur hattest du damals auch!“

Ähnlich erging es mir mit der bodenständigen Serie „Ich heirate eine Familie“, die ein paar Jahre später gedreht wurde. Der kleinste Junge hatte genau so einen Pottschnitt wie ich, auf den Schreibtischen stand der gleiche Klebstoff wie der, den wir in der Schule hatten (eine orangefarbene Flasche mit blauem Nuppel obendrauf, mit dem man den Kleber gleich verschmieren konnte) und die Kinder waren genau so angezogen wie wir. Küchengeräte, Schultaschen, Fahrräder: alles ganz ähnlich wie zuhause. Allerdings hätten wir uns niemals so aufführen dürfen wie die älteste Tochter – das hätte vielleicht Gezeter gegeben!

Etwas anders erging es mir jedoch mit der Schwarzwaldklinik: Schon früher empfand ich die gesamte Ausstattung größtenteils als Design-Unfall. Die plüschig-rüschigen Gewänder der Damen, das entsetzliche Geschirr und die Wohnungseinrichtungen, die größtenteils Gelsenkirchener Barock entsprachen, darüber haben wir schon als 15-jährige gelacht – und trotzdem begeistert geguckt. Das ist wohl wie mit einem richtigen Unfall: Man will nicht hingucken, kann es aber auch nicht lassen. Und wenn der schöne Udo mit offenem Hemd und glitzerndem Zuhälterkettchen in sein Cabrio sprang, dann war das ja auch wirklich sehenswert – oder etwa nicht?

Ein paar andere Gedanken kamen mir auch noch beim Dauerfernsehen. Die muss ich aber erst noch sortieren und poste sie in ein paar Tagen.