Sneak Preview

Seit einer Weile gehe ich mit einer Freundin – und manchmal auch in einem größeren Grüppchen – mehr oder minder regelmäßig in die Sneak Preview der Frankfurter E-Kinos. Etwas Ähnliches wird natürlich auch anderswo angeboten, aber Tag, Uhrzeit und Erreichbarkeit passen uns hier gut.

Das Wort Sneak Preview wird auf Wikipedia mit „Überraschungspremiere“ übersetzt, was es für mich ganz gut beschreibt. Man geht für kleines Geld ins Kino (bei uns sind es 4 Euro), ohne zu wissen, welchen Film man sich dort anschauen darf. Oder muss, das kommt ganz drauf an. Drumherum gibt es noch ein wenig Gedöns, man kann etwas gewinnen, wird mit Süßigkeiten beworfen und es gibt ein bisschen Gerede. Und hinterher darf man den Film bewerten – das gefällt mir besonders gut. Das System ist allerdings äußerst schlicht, es gibt gut, mittel und schlecht.

Nun fragt man sich natürlich, warum voll erwachsene Menschen wie meine Freunde und ich sich das antun – schließlich ist die Wahrscheinlichkeit, etwas wirklich Furchtbares zu erwischen, genauso hoch wie die, etwas wirklich Gutes zu bekommen. Und wir könnten es uns natürlich leisten, ganz gezielt ins Kino zu gehen und das zu gucken, was wir gucken wollen. Genau das aber ist die Krux.

Die Erweiterung des Horizonts stellt das Weltbild manchmal auf den Kopf

Zum einen haben wir alle einen recht unterschiedlichen Geschmack: Ich stehe ja so gar nicht auf diese typischen „Frauenfilme“, in denen viel hysterisch gelacht und geweint wird. Filme „mit viel Bumm“ kann ich schon mal gucken, wenn es außer dem Actiongetöse noch irgendeine nachvollziehbare Handlung gibt. Horrorfilme finde ich meistens richtig blöd, begeistern kann ich mich aber für kleine, künstlerische Filme mit schönen Dialogen, wo von rechts oben noch irgendwo ein Vogel piept. Christine hingegen liebt die Frauenfilme, ihr Freund Uwe aus naheliegendem Anlass nicht, und Maike mit ai guckt tatsächlich mal gerne einen Horrorfilm. Und viel Bumm. Aber keine Frauenfilme. Die Sneak Preview vereint uns alle, denn wir werden nicht gefragt.

Außerdem hat das bewusste Auswählen von Filmen den Nachteil, dass man nur auswählen kann, was man auch kennt. Auf viele Perlen abseits des Mainstreams werde ich gar nicht aufmerksam, ich bin immer wieder erstaunt, was es alles so gibt. Und so genoss ich den halbdokumentarischen Film über die Beach Boys in vollen Zügen, denn dass der gedreht wurde, hatte ich nicht mitbekommen. Und den Science Fiction-Film Ex Machina hätte ich mir freiwillig nie angeguckt, zu fern ist mir dieses Thema. Und doch war das wohl einer der klügsten Filme, die ich je gesehen habe.

Natürlich erwischt man auch Filme aus der Rubrik „Schauerlich und Quark“, aber auch das hat durchaus seinen Reiz. Der Film „When animals dream“ verfolgt mich noch heute und lässt mich grinsen und die vielen belanglosen Komödien haben mir zumindest nicht geschadet. So auch nicht der Film „Bad Moms“, bei dem ich innerlich und äußerlich lautstark stöhnte, als er losfuhr, bei dem ich mich dann aber wider Erwarten recht gut amüsierte und ein „mittel“ an der Bewertungsbox vergab. Ich habe mich einfach darauf eingelassen – es half ja ohnehin nichts.

Die Sneak Preview erweitert also meinen Horizont, sie lässt mich Filme ansehen, die ich ansonsten nicht mit der visuellen Zange anfassen würde. Ob man das unbedingt braucht, weiß ich nicht, aber es gibt bestimmt schlechtere Methoden der Bewusstseinserweiterung.

Und was für eine echte Perle wir uns gestern ansehen durften, verrate ich euch morgen.

Markt im Hof

Heute haben die ewige Antje und ich etwas Neues ausprobiert: In der Frankfurter Wallstraße gibt es an jedem Samstag den „Markt im Hof“. Hier gibt es einiges an kulinarischen Köstlichkeiten zu probieren. Unter anderem gibt es einen richtig guten, liebevoll eingeschenkten Kaffee – damit kann man mich ja immer glücklich machen.

Kaffe, Cappuccino

Ich hatte die Muster „Tulpe“ und „vielblättriges Gewächs“, denn ich musste mir einen Zweiten holen. Dafür habe ich auf diese riesigen Butterstullen verzichtet, die viele Leute um uns herum verzehrten. Die waren mit Pastrami belegt – was das genau ist, musste ich erst mal googlen. So nach Sicht hätte ich es für eine Art Roastbeef gehalten, es ist aber geräuchertes Rindfleisch. Außerdem gab es verschiedene exotische Gerichte, z. B. vietnamesisch und koreanisch, sehr schönes Gebäck, handverlesene Pflaumen und lecker aussehende Soßen. Und auch der obligatorische „Food-Truck“, früher genannt „Grillstand“, fehlte nicht.

Für zuhause habe ich mir ein schönes, schweres Körnerbrot mitgenommen. Zugegeben, das war mit 5,70 Euro nicht billig, sieht aber unglaublich gut aus. Und zum Abschluss gab es noch ein bisschen Äppler aus dem Apfelweinkontor. Zwar haben wir keinen Apfelwein mitgenommen, viele der besonderen Sorten in dem kleinen Laden klangen aber sehr gut. Probiert haben wir einen sortenreinen Boskopp-Äppler. Lecker war er, aber einen zweistelligen Betrag würde ich für eine Flasche wohl nicht ausgeben.

Es war schön, bei heiter bis wolkigem Sommerwetter in dem kleinen Innenhof zu sitzen und Einiges zu probieren. Für einen entspannten Samstagvormittag genau das Richtige.

 

Nachtrag: Die Rechtschreibprüfung wollte „Pastrami“ gerade in „Kastrati“ ändern. Ich weiß nicht, ob es das besser gemacht hätte …

Schauerseminar in der Buchhandlung Schutt

Buchhandlung Schutt, BornheimDieses Wochenende habe ich mich mal wieder fortgebildet: Es gab ein zweitägiges Seminar über „Schauerliteratur“. Natürlich wollte ich die nicht nur lesen, sondern auch schreiben, und so hatte ich mich schon vor Wochen bei der VHS zu diesem Kurs angemeldet.

Und ja, was soll ich sagen? Der Kurs bei Sonja und Petra hat mir unglaublich viel Spaß gemacht – es war spannend, einmal richtig böse sein zu dürfen. Mitgenommen habe ich einen ganzen Haufen Ideen und Inspiration, davon werdet ihr demnächst vielleicht etwas mitbekommen. Denn einige der Kleinigkeiten, die im Kurs entstanden, sind nach etwas Überarbeitung durchaus „blogreif“. Anderes existiert bislang nur in meinem Kopf – und will da raus.

im Innenhof

Besonders erwähnen möchte ich außerdem noch die tolle Location: Der Kurs stand statt im „Lager“ der Buchhandlung Schutt in Bornheim, ein unglaublicher Ort, der an sich schon jede Menge Ideen birgt. Bücher, Bücher überall, außerdem jede Menge Krims und Krams. Was für ein Unterschied zu den üblichen VHS-Klassenzimmern, die zwar ihren Zweck wunderbar erfüllen, aber nicht ein Zehntel so viel Interessantes bieten wie dieser urige Seminarraum. Da konnte ich über wackelnde Tische und eine Heizung im Wochenendmodus glatt hinwegsehen.

Und an einem Ergebnis dieses Kurses möchte ich euch gerne heute schon teilhaben lassen: Wir wurden gleich am Anfang gebeten, uns eine „Gruselidentität“ zu überlegen und zu beschreiben, wer wir denn so sein könnten, wären wir schauerlich veranlagt. Und das bin ich:

Ich bin die Harmlose, Mütterliche, die macht, dass du dich wohlfühlst und ihr vertraust, während sie darüber nachdenkt, wo sie dich am schwersten treffen kann. Ich bin die, die weiß, wo deine weichen Stellen sind, denn davon erzählst du mir, während ich dir einen Tee koche und Kekse auf den Tisch stelle. Das, was du mir anvertraust, verwende ich für meine dunklen Machenschaften. Du bist das Licht, das mir den Weg durch das schwärzeste Dunkel ebnet. Mein Name ist Lunafee.

Hach, die Böse zu sein, macht Spaß 🙂

Flucht aus dem ParaPark

In dieser Woche verbrachte ich mit Freunden einen vergnüglichen Abend im ParaPark in Frankfurt. ParaPark oder auch Escape-Events – wie soll man das beschreiben, ohne allzu viel zu spoilern? Ich versuche es mal und bleibe schwammig …

Bei diesem Spiel geht es darum, aus einem geschlossenen Raum zu entkommen. Natürlich ist der Raum nicht wirklich geschlossen, wenn man möchte, kann man einfach gehen – aber das ist ja nicht der Sinn der Sache. Und im Eifer des Gefechts vergisst man das auch schnell und werkelt herum, als ginge es um Leben und Tod.

Es gibt eine Story, mehr oder minder krude, und jede Menge Spielmaterial. Gespielt – oder sollte ich sagen „gekämpft“? –  wird in Teams von zwei bis sechs Personen, die miteinander arbeiten. Wir waren zu fünft, was eine gute Zahl war: Jeder hatte immer etwas zu tun, konnte mitspielen, aktiv sein. Und jeder konnte sich gemäß seinen Stärken einbringen: Es mussten Schlösser geöffnet und Tresore geknackt werden. Rätsel wurden gelöst, ominöse Gegenstände betrachtet und jedes Teil der Spielumgebung angefasst, umgedreht und betastet. Und doch fanden wir immer wieder etwas Neues.

Spannend war das, denn die Zeit lief gnadenlos ab. Eine Stunde hat man Zeit, wobei die letzten zehn Minuten die längsten sein können. Große Kraft braucht man nicht, aber ein bisschen Grips, jede Menge Kreativität und Spaß am Experimentieren. Wir hatten eine tolle, sehr intensive Zeit und schafften es zu unserer aller Freude, rechtzeitig aus dem Raum zu entkommen. Knapp war es, aber wie heißt es so schön? „Ein gutes Pferd springt kurz!“

 

Stoffel-Zeit

Jeden Sommer ist es soweit: Irgendwann beginnt die vierwöchige Stoffel-Zeit, also das Festival „Stalburg offen Luft“ des Stalburg-Theaters. Diese Veranstaltung findet mitten in der Stadt im Günthersburg-Park statt und ist für die Besucher im Grunde gratis – wenn man einmal von den roten Spendeneimern absieht, die von netten Helfern regelmäßig herumgereicht werden.

In wunderbar entspannter Atmosphäre gibt es täglich zwei bis drei Veranstaltungen, angefangen von der Kinderbelustigung über Konzerte bis hin zu Kabarett und Lesungen. Man platziert sich für diesen Zweck auf den bereitgestellten Bierbänken oder lagert auf einer mitgebrachten Picknickdecke. Getränke und Essen dürfen mitgebracht werden, es gibt jedoch auch eine preiswerte Gastronomie. Das Angebot an Speisen ist nicht groß, aber ausreichend – mir hat gestern meine Bratwurst im Brötchen und später die Käse-Laugenstange ganz prima geschmeckt, und so verführerische Dinge wie Bio-Eis, saure Gurken oder Muffins hätte es auch noch gegeben. Es muss also niemand hungern oder dursten beim preiswerten Kulturgenuss.

Das Besondere am Stoffel ist für mich übrigens wirklich die angenehme Sommerstimmung, die mich jedes Mal überkommt, wenn ich auf den Bänken Platz nehme und meinen sauer gespritzten Apfelwein schlürfe. Das Publikum ist so bunt gemischt und die Laune allgemein so positiv, dass es fast gar nicht mehr darauf ankommt, wie gut das angebotene Programm ist. Man kommt ins Gespräch, mal mit den Tischnachbarn, dann mit dem Brezel-Mann, und hört keine unzufriedene Stimme.

Stoffel 2015

Ich mag das Stoffel einfach. Deshalb hoffe ich auch, dass es das Festival in dieser Form noch recht lange geben wird. Und das trotz einiger Anwohner, die sich aus mir in diesem Fall wirklich unerklärlichen Gründen – die Veranstaltung geht jeweils nur bis 9 Uhr abends – mal wieder gestört fühlen. Und auch trotz der Leute, die sich weigern, etwas in die kleinen roten Eimer zu werfen oder die ihren mitgebrachten Müll in den Park schmeißen. So etwas passiert leider immer wieder, was schade ist und den Veranstaltern unnötig Mühe macht. Nötig wäre es nicht – es gibt reichlich Mülleimer, und was man mitgebracht hat, könnte man doch eigentlich auch wieder einpacken und mit heimnehmen. Aber vielleicht denke ich da mal wieder zu pragmatisch.

Die Geheimwaffe gegen Hitze: Ostfriesentee

„Ist das Tee da in der Kanne?“, fragte vor Jahren mein Vermieter, mit dem ich mich gerade über die Balkonabtrennung unterhielt. „Ja“, sagte ich wahrheitsgemäß und nickte wenig später auch zu der Frage, ob es tatsächlich heißer Tee sei. Ich trinke meinen geliebten Ostfriesentee zwar auch kalt, aber heiß ist er mir deutlich lieber – auch im Sommer. Denn die Weisheit: „Was gegen Kälte hilft, hilft auch gegen Wärme“ trifft darauf ganz besonders zu.

Ostfriesentee ist etwas Feines: Gemischt aus diversen kräftigen (Assam-)Teesorten, schmeckt er kräftig und hat je nach Ziehzeit eine unterschiedliche Wirkung: Lässt man ihn nur kurz ziehen, hat er durch das enthaltene Koffein (früher sagte man auch Teein) eine anregende Wirkung. Lässt man ihn länger ziehen, löst sich die enthaltene Gerbsäure, der Tee wird etwas bitterer, bekommt dafür aber eine beruhigende Wirkung auf Magen und Gemüt.

Ostfriesentee

Mein Abendtee in doppelwandiger Kanne. Der Teebecher stammt von der Inseltöpferei auf Juist

Vor einigen Jahren dachte ich mal, ich müsste mit Tee experimentieren: Ich kaufte Ceylon- und Darjeeling-Tees, obwohl ich es hätte besser wissen müssen: Denn diese milderen Sorten sind einfach nichts für meine Zunge, da schmeckt mir Kamillentee spannender. Nach kurzer Lernphase kam ich zu meinem Ostfriesentee zurück. Manchmal gehe ich noch mit aromatisierten Sorten fremd: Vanille und Kirsche sind dann meine Favoriten. Auch das ist wahrscheinlich meiner Jugenderfahrung geschuldet: Diese beiden Sorten waren nämlich in den 80er Jahren furchtbar „IN“, als ich mit meiner Freundin Birgit literweise Tee trank und wir dabei erste Frauengespräche führten.

Derzeit gibt es bei mir einen grob geschnittenen „Sonntagstee“ der Firma Onno Behrends. Ich bin nicht auf eine Teemarke festgelegt, kaufe aber immer einen guten Ostfriesentee. In meiner Zeit in München war der gar nicht so leicht zu bekommen: Im normalen Supermarkt gab es lediglich eine „Kräftige Schwarzteemischung“, die zwar trinkbar, aber doch eine Notlösung war. Meine Lieblingssorten, den Thiele Silber, das Bünting Grünpack oder den Sonntagstee von Onno Behrends, gab es mit etwas Glück für einen Fantasiepreis in den Feinkostabteilungen der Kaufhäuser. Dabei ist doch klar, dass Ostfriesentee keine Feinkost ist, sondern ein Grundnahrungsmittel. Ich begann, meinen Tee aus Norddeutschland zu importieren. Inzwischen hilft Amazon mir aus dieser Malaise.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich meinen Tee inzwischen nicht mehr auf die traditionelle Art trinke, sondern etwas barbarischer: vermixt mit einem kleinen Schuss H-Milch, aber ohne Zucker und aus einem soliden Becher. Aufgewachsen bin ich noch mit zierlichen kleinen Tassen und einer gemusterten metallenen Ostfriesenkanne (die ich in meinen Besitz gerettet habe). Mindestens drei Tassen Tee werden getrunken, weniger sollte auch in einem Café nicht in der Kanne sein, in der der Ostfriesentee serviert wird. Die Touristen lieben das: Loser Tee (inzwischen zumeist im Beutel oder Säckchen) in einer Kanne auf einem Stövchen, dazu Kluntjes und Sahne für das Wulkje. Mir ist das zuhause zu viel Gedöns, obwohl ich natürlich alles für eine ostfriesische Teezeremonie zuhause habe – einschließlich Rumkandis für kalte Tage. Die soll es ja auch geben.

Nachtrag: Ich bin übrigens keine Ostfriesin, sondern komme aus dem Ammerland. Das macht nicht viel Unterschied, ich wollte es nur der guten Ordnung halber erwähnt haben.

Besuch im Museumsdorf in Cloppenburg

Wieder einmal bekam ich von meiner Schwester Zeit geschenkt: Mein letztjähriges Weihnachtsgeschenk war unter anderem ein gemeinsamer Besuch im Museumsdorf in Cloppenburg. Da ich geschichtlich interessiert bin, habe ich mich darüber sehr gefreut, auch wenn ich schon öfter da war – oder vielleicht auch weil ich schon öfter da war.

Museumsdorf Cloppenburg

Was gibt es dort: Das Museumsdorf ist nicht weit von meinem Heimatort entfernt, so dass wir es als Kinder auch mit der Schule und den Eltern ab und zu besuchten. In den letzten Jahren wurde es jedoch ständig erweitert, so dass es inzwischen über 50 Gebäude aufweist, die stilecht eingerichtet sind. Die Gebäude wurden nicht nachgebaut, sondern andernorts abgebaut und wieder aufgestellt.

Museumsdorf Cloppenburg

Bockwindmühle

Was ist das Besondere: Die Anlage finde ich sehr reizvoll, auch weil die Gebäude weit auseinander stehen. Was mich als Kind etwas anödete – der insgesamt recht ordentliche Spazierweg, wenn man alles ansehen will – begeistert mich jetzt. Es ist schön, aus der Entfernung eines der alten Gebäude auftauchen zu sehen. Gerade jetzt im Frühsommer ergibt das eine sehr schöne Szenerie aus üppigem Grün und Fachwerk- oder Klinkergebäuden.

Museumsdorf Cloppenburg

Jedes Gebäude ist am Eingang knapp beschrieben: Zweck, früherer Standort, (ungefähres) Erbauungsjahr, Baustil. Auch im Inneren gibt es Erläuterungen, man wird in den „normalen“ Häusern jedoch nicht mit Texten erschlagen. Ansehen und entdecken, lautet das Konzept. Und so taten wir das, was wir schon als Kinder gemacht haben: Überall reingucken, die Alkoven mit den Betten suchen, uns über die schönen Öfen freuen und die Nase rümpfen über den Rauchgeruch in den meisten Häusern.

offene Kochstelle

Für ganz Informationshungrige gibt es jedoch auch theoretische Ausstellungen mit alten Bildern, Fotos, Vorstellung alter Techniken und vielem mehr. Dieses Mal schenkten wir uns diese Räumlichkeiten, das Wetter war einfach zu gut dafür. Ich war jedoch vor Jahren auch schon einmal im dunklen November im Museumsdorf und habe es damals genossen, mich zwischendurch lesend aufzuwärmen.

Ofen

Auch einige wenige Tiere gibt es zu sehen, etwas bunte Bentheimer Schweine, Schafe oder Pferde. Leider kooperierten die Tiere jedoch nicht beim Fotografieren und wandten mir größtenteils den weniger hübschen Hintern zu.

Museumsdorf Cloppenburg

Wachsame Gans

Freundlicher waren da die Bauerngärten, in denen es neben alten Blumenarten auch allerhand Nützliches zu bewundern gab. Einige Pflanzen waren beschriftet, andere wieder nicht, so dass wir hier und da rätselten, was denn da wohl wachsen mochte.

Museumsdorf Cloppenburg

Sonnendurchflutet

Was gibt es noch: Die Gastronomie im Museumsdorf ist mehr als solide: Im Dorfkrug wird man von einigen Kellnern teils auf Platt empfangen, die Atmosphäre ist freundlich-familiär, die Karte nicht umfangreich, aber das Essen gut und günstig. Inzwischen gibt es sogar einen Spielplatz, den habe ich als Kind vermisst.

Badezimmer

Der Eintrittspreis ist mit 7,50 Euro pro Vollzahler nicht zu teuer, legendär günstig ist die Familien-Jahreskarte mit 45 Euro.

Für Rollstuhlfahrer ist das Dorf leider nur bedingt geeignet: Zwar sind Hauptwege und Brücken gut befahrbar, doch die alten Häuser weisen Stufen und Buckel auf. Das liegt leider in der Natur der Sache. Bei Nachbauten sähe die Sache vielleicht anders aus, doch hier sehe ich keinen Weg, wie man das ändern könnte.

Museumsdorf Cloppenburg

Klapperballerina

Park der Gärten

Ganz in der Nähe meiner alten Heimat, in Bad Zwischenahn/Rostrup, liegt der „Park der Gärten“, ein aus der Landesgartenschau 2002 hervorgegangener Park, in dem verschiedene Gartenformen thematisch gegliedert vorgestellt werden. Dieser Park ist für mich immer mal wieder einen Ausflug wert, weil es immer etwas Interessantes zu sehen gibt und die großzügige Anlage geradezu zum Verweilen einlädt.

Was gibt es dort: Vorgestellt werden neben vielen bepflanzten Flächen und Beeten verschiedene Garten, angefangen vom altmodischen bäuerlichen Nutzgarten über verschiedene Blumen- und Kräutergärten bis hin zu Wellness- und Partygärten. Überall verstecken sich Sitzgelegenheiten, die nicht nur zeigen sollen, wie ein solcher Garten genutzt werden könnte, sondern die auch ausdrücklich benutzt werden sollen.

Dieses Jahr war ich zum ersten Mal im Frühsommer dort und konnte somit den großen Rhododendronpark in voller Blüte bewundern. Aber bis in den Herbst hinein hält der Park jede Menge Blühendes bereit. Im Spätsommer gibt es außerdem die „magischen Nächte“, die ein Spektakel aus Blüten, Licht und Musik kombinieren. Auch andere Kulturveranstaltungen werden regelmäßig durchgeführt.

Was ist das Besondere: Grundsätzlich gehe ich gerne in botanische Gärten, gerade zu Zeiten, in denen Vieles blüht und das Wetter zum Aufenthalt draußen einlädt. Und gerade diese „Einladung“ gefällt mir sehr am Park der Gärten: Überall wird man zum Verweilen aufgefordert. „Komm her, nimm Platz“, scheinen die vielen Bänke und Sitzgruppen einem zuzurufen. Der Park der Gärten ist nichts für Hektiker, auch werden hier keine rasanten Attraktionen geboten. Für den, der sich Zeit nimmt, ist das wunderschön.

Es gibt auch keine Verbotsschilder auf den Grünflächen – wer sich dort niederlassen möchte, soll das gerne tun. Picknick und Ausruhen ist ausdrücklich erwünscht. Dass man seinen Müll wieder mitnimmt und die Beete nicht verwüstet, ist selbstverständlich – es wird darauf verzichtet, überall darauf hinzuweisen. Bislang scheint dieses Konzept aufzugehen, die zahlreichen Mülltonnen werden genutzt und der Park ist sehr sauber.

Bitte betreten

Was gibt es noch: Mit 10 Euro pro erwachsenem Vollzahler ist der Parkspaziergang kein Schnäppchen, aber gemessen am Aufwand, der getrieben wird, auch nicht zu teuer. Die Gastronomie ist nicht grandios, aber solide, verhungern oder verdursten muss hier niemand.

Für Rollstuhlfahrer ist der Park recht gut geeignet, es gibt ausreichend breite, barrierefreie Wege, die Gastronomie ist gut zu erreichen und auch Toiletten sind vorhanden.

Antikmarkt an der Konstabler Wache

Frosch auf FlohmarktMeine Neigung zu Flohmärkten aller Art dürfte inzwischen bekannt sein. Ich liebe es, zu bummeln, sonderbare Dinge zu betrachten und anzufassen. Zum Glück kaufe ich meistens nichts – ansonsten wäre meine Wohnung inzwischen wohl schon nicht mehr begehbar. Ich habe nämlich keinerlei Vorbehalte gegen Gebrauchtwaren – ganz im Gegensatz zu meiner Kollegin Nora, die kürzlich fand, dass auf Flohmärkten doch immer alles „vollgekotet“ und ganz schrecklich sei. Nun, jedem sein Himmelreich 🙂Frosch auf Flohmarkt

Am 01. Mai und 03. Oktober eines jeden Jahres gehe ich sehr gerne auf den Antik- und Trödelmarkt an der Konstabler Wache. Hier gibt es „gehobenen Trödel“ sowie einige wenige Neuwaren – zumeist Schmuck, Taschen, Tücher oder irgendwelche exotischen Duftprodukte, die die Stände drumherum mitbeduften. Der Kommentar meiner Begleiterin lautete dazu: „Ich fühle mich wie auf einem indischen Basar.“

Frosch auf FlohmarktGestern war es also mal wieder so weit, und eines vorab: Bis auf etwas Apfelwein und einen Pfannkuchen mit Pflaumenmus habe ich nichts gekauft. Mir fiel jedoch dieses Mal eine fast schon erschreckende Dichte an Fröschen auf, einige besonders schöne Exemplare habe ich euch zur Ansicht mitgebracht.

Wieder einmal war das Wetter deutlich besser als angekündigt, so dass der Markt sehr gut besucht war. Mir gefällt auf diesem Markt, neben den reinen Warenangebot, immer wieder diese freundliche, heitere Grundstimmung: Man kommt schnell ins Schwätzen, mal mit den Händlern, mal mit anderen Trödelliebhabern.

Frosch auf FlohmarktDie angebotenen Waren sind zumeist in gutem Zustand und die Stände machen einen liebevoll hergerichteten, gepflegten Eindruck. Hierin unterscheidet sich dieser Markt deutlich vom samstäglichen Flohmarkt am Mainufer, der ebenfalls Charme hat, aber gegen den Markt auf der Konstabler Wache doch etwas schrabbelig wirkt.

Das Angebot bombardiert einen nicht nur mit Kindheitserinnerungen („Da, guck mal, das hatten wir auch!“), sondern hält auch allerhand Unglaubliches und Absurdes bereit. Mit einer Freundin suche ich immer gerne das „Objekt des Tages“, zu diesem Zweck knipsen wir von Anfang an sonderbare Dinge und schauen hinterher, welches Ding diesen Preis wohl verdient hätte. Ich habe lange nachgedacht, ob ich meinen diesmaligen Favoriten überhaupt hier zeigen sollte – ganz jugendfrei ist das nicht. Aber der ganze Stand war so wundersam und grauslich, dass ich einfach nicht anders kann:

Objekt des Tages

Besuch auf der Apfelweinwelt

Wir waren mal wieder in Sachen Kultur unterwegs. Wir, das sind meine Freundin Antje und ich. Gemeinsam besuchten wir die Messe „Apfelweinwelt“, um die Apfelweine dieser Welt kennenzulernen und uns ganz im Allgemeinen etwas fortzubilden.

Gesellschaftshaus Palmengarten
Die Messe fand im Gesellschaftshaus des Palmengartens statt, also in einer wirklich schönen Location. Es gab sogar zwei Ebenen, die wir beide erkundeten.

Gesellschaftshaus Palmengarten
Auf die Idee gebracht hatte uns ein Coupon, der sich auf dem Journal Frankfurt befand: zwei Messekarten für einen Preis – das schien uns ein gutes Geschäft zu sein. Zumal eine ausführliche Apfelweinverkostung im Preis enthalten war. Wir stürzten uns also hinein ins Vergnügen und wurden schon im Foyer darüber aufgeklärt, dass es mehr Apfelsorten gibt als Boskop und Granny Smith.

Apfelsorten

Dann holten wir uns jeweils ein Glas (gegen fünf Euro Pfand) und wunderten uns über dessen Form: Ein Äpplerglas sieht eigentlich anders aus. Wir lernten aber im Laufe der Messe, dass Apfelwein weltweit ohnehin aus unterschiedlichen Gläsern getrunken wird – mal aus Bechergläsern ähnlich denen im Chemieunterricht, dann wieder aus Porzellanbechern – und gaben uns tolerant.

Gläser mit Apfelwein
Das Angebot erwies sich als vielfältig: Es gab reine Apfelweine und solche mit anderen Fruchtzusätzen, Bio-Produkte und welche mit Zucker, Schaumweine, Perlweine und Proseccos. Vom Geschmack her waren sie mild, süß, herb oder hefig – es sollte also niemand behaupten, dass Apfelwein eine langweilige Sache ist. Und auf vielen Tischen prangten goldene Äpfel: der Pomme d’Or, der anscheinend in einer großen Menge von Kategorien als Auszeichnung vergeben worden war.
Pomme d'Or
Wir nippten uns durch die Gänge, schwatzten hier, probierten dort, fachsimpelten und gaben unsere Urteile ab. Nur selten benutzten wir die grauen Töpfe, in die man Reste aus dem Glas schütten konnte – dafür musste es geschmacklich schon ganz schlimm kommen. Der eine oder andere Extrakt machte mir aber aufgrund seines starken Hefegeschmacks zu schaffen und wurde doch entsorgt. Auch das Produkt des baskischen Anbieters war nicht unbedingt mein Fall, dafür habe ich ihm gerne beim Einschenken aus zwei Metern Höhe zugesehen.

der Baske
Zwischendurch machten wir Pause: zum einen, um auf dem Balkon ein wenig Sonne zu tanken, zum anderen um mal einen Happen zu essen. Wir hatten ein wenig Bedenken, dass wir ohne solide Grundlage den einen oder anderen Stand würden auslassen müssen.

Käseteller Wurstteller
Tatsächlich war das Angebot an Apfelweinen sehr international. Ich habe ja ehrlich gesagt erst in Frankfurt dieses Getränk kennen und schätzen gelernt. Natürlich kannte ich zuvor schon den typischen „Cidre Pomme Jacque“, der in meiner Jugend mal in war und mir scheußlich schmeckte, außerdem tranken wir in Irlandurlaub „Bulmers“ und „Strongbow“. Apfelwein aus dieser Ecke erstaunte mich also nicht.

Cider
Aber Äppler aus Lettland hatte ich noch nie, und welchen aus Hamburg erst recht nicht. Bei dem gefielen mir besonders die Namen. Wir lernten, dass die Ebbe nur halbvergoren ist und daher weniger Alkohol enthält als die Flut.

Ebbe und Flut
Und irgendwann wurde es ernst: Wir wandten und auch den Ständen mit den Obstbränden zu. Besonders gut gefiel mir der Stand mit den vielen kleinen Fläschchen in Dutzenden von Sorten. Ich nippte an Ingwer-Orangen-Brand, außerdem so dies und das, und schloss mit einem Haselnuss-Likör – danach brauchte ich ein sauberes Glas.

Brennerei
Auch Whisky gab es andernorts zu verkosten, zu meiner Verwunderung gab es an diesem Stand nicht einmal einen Alibi-Apfel. Und es gab einen dänischen Stand, an dem es neben Apfelwein auch weibliche und männliche Schnäpse gab. Der weibliche hatte 20% Alkohol und schmeckte mir hervorragend. Und der Männliche? Nun, der hatte 40% Alkohol und war schlichtweg ein geiles Zeug. Wäre der nicht so elend teuer gewesen, hätte ich ein paar Kartons davon geordert.

Dänischer Schnaps

Alles in allem war es eine sehr gelungene Veranstaltung, die uns viel Spaß gemacht hat. Erstaunlicherweise gab es keinen schlimmeren Kater – Apfelwein muss wirklich ganz besonders rein und gesund sein.