Höchst Bluesig

Es gibt ja so Tage, an denen hat man zu nichts Lust. So einer war der letzte Sonntag. Die Woche war lang und stressig gewesen, viel zu wenig Zeit zum Entspannen und einfach mal dumm gucken. Und jetzt Blues, fünf Bands, und das in Höchst – wollten wir da wirklich hin? Musste das sein? Nein, es musste nicht, aber die ewige Antje und ich wollten. Zum einen, weil wir Karten gekauft hatten, zum anderen, weil wir gar nicht erst damit anfangen wollen, aus lauter Faulheit auf der Couch zu bleiben. Noch nicht – dafür sind wir noch viel zu jung. Also rissen wir uns zusammen und enterten pünktlich um 14 Uhr die Höchster Schlossterrasse. Dieses Programm wartete auf uns:

Frankfurt Höchst – was ist das eigentlich nochmal? Dieser komische Stadtteil mit dem grauslichen Bahnhof und den Farbwerken, wegen denen es angeblich manchmal bunt regnet? Diese seltsame kleine Innenstadt, die nicht besonders viel zu bieten hat? Ein bisschen Altstadt, wirklich hübsch, und ein Schloss – und sonst noch was? Oh ja …

In Höchst gibt es Kultur. Seit Jahren besuchen wir regelmäßig das Neue Theater mit seinen vielen guten Kabarettvorstellungen und Konzerten. Bislang unbeachtet ließen wir die Veranstaltungen, die unter dem Namen „Sommernach am Schloss“ zusammengefasst werden – der Sommer ist ja auch nicht unbedingt Theaterzeit. Dieses Mal besuchten wir eine Kabarett-Gesangs-Veranstaltung und es war prima. Und jetzt also „Höchst Bluesig“.

Schloss Höchst unter dramatischem Himmel – was für eine Aussicht von der Terrasse

Als wir eintrafen, ging erste Konzert gerade los und was wir hörten, gefiel uns extrem gut. Noch war wenig los, wir holten Getränke und setzten uns auf einen Premium-Platz, soll heißen, auf eine Bierbank mit Ausblick auf den Main. Insgesamt beglückte man uns an diesem Tag mit fünf Bands, die jeweils eine gute Stunde spielten. Über sechs Stunden Musik für 11 Euro – wenn das mal nicht ein unglaubliches Preis-Leistungs-Verhältnis ist.

Doch trotz des günstigen Preises wollten die Frankfurter nicht so recht anbeißen, die Veranstaltung war leider eher dünn besucht. Besonders die erste und die letzte Gruppe spielten vor ziemlich leeren Bänken, und das hatten sie nicht verdient. Denn die Musik war wirklich toll, es gab nicht eine Band, die uns nicht gefiel. Ich mag ja diese handgemachte Musik, bei der man den Musikern nicht nur anmerkt, dass sie ihre Instrumente beherrschen, sondern auch, dass sie mit Leidenschaft bei der Sache sind.

Die Höchst All Stars – Blues vom Feinsten und an diesem Tag meine Favoriten

Das Allerschönste war für mich aber, natürlich neben der guten Musik, die entspannte, „chillige“ Atmosphäre. Alle waren gut gelaunt, die Kullisse war sehenswert und trotz des dramatischen Wolkenhimmels war es angenehm warm, mit leichtem Wind. Zu Essen und zu Trinken gab es reichlich, ebenfalls zu Preisen, bei denen keiner meckern konnte. Einigermaßen barrierefrei war es auch, es gab sogar ein lustiges Behindertenklo in einer Holzkiste.

Aussicht von der Schlossterrasse

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag und wir waren froh, uns aufgerafft zu haben. Die Auswahl der Bands war sehr gut, das Publikum nett, die ganze Veranstaltung war rund und wirkte liebevoll organisiert. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr und hoffe, dass dann ein paar mehr Besucher kommen. Macht euch auf, liebe Frankfurter, kommt nach Höchst – es lohnt sich!

(Und wen das alles immer noch nicht reizt, der kann ja vielleicht noch an Blumen schnuppern – die gibt es da nämlich auch!)

Rose

Fässer, Flaschen, Gärung und Sekt

Gestern Abend war ich mit Freundin Frauke mal wieder in Sachen „Bildung und Kultur“ unterwegs. Soll heißen, wir hatten über die Frankfurter Stadtevents eine Führung bei der Sektkellerei Henkell mit Kostproben und Häppchen gebucht. Schon die Eingangshalle nebst Kronleuchter beeindruckten mich sehr.

Wir lernten, dass dieses historische Gebäude zwar früher die Produktion und alle anderen Firmenräume beherbergt hatte, es aber nie der Wohnsitz der Familie war. Vielmehr diente es repräsentativen Zwecken – man wollte also beeindrucken. Heute finden in dieser Eingangshalle noch Konzerte und Feste statt, auch kennt man sie aus diversen Werbespots, von denen wir später einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekamen.

Von der Eingangshalle aus ging es sieben Stockwerke nach unten in den Keller. Hier gab es Einiges zu sehen, vor allem aber: Fässer.

Weinfass, Sektkellerei Henkell

Obiges Fass ist nur eines von Vielen, und es ist ein kleines Fass – also ein Fässchen. Weiter hinten kamen welche, die über 200.000 Liter fassen sollten, und auch diese waren nach Aussage unserer Begleiterin klein im Vergleich zu denen, die aktuell in der Produktion benutzt werden. Die Produktion ist inzwischen in ein moderneres Nebengebäude umgezogen, doch noch immer sind die Fässer im alten Keller einsatzbereit, um hin und wieder einen kleinen Schoppen Wein zwischenzulagern. Alles intakt und lebensmittelhygienisch einwandfrei, versicherte man uns, wobei ich zugeben muss, dass ich über diese Frage bis dahin gar nicht nachgedacht hatte.

Gang mit Fässern

Wie bekamen allerhand über die Produktion von Sekt zu hören: Z. B. dass in einem Sekt teilweise 55 verschiedene Weine enthalten sein können, um einen gleichbleibenden Geschmack hinfummeln zu können. Wir hörten von Jahrgangs- und Rebsortensekt, Anbaugebieten und Herstellmethoden. Besonders auf die Unterschiede der Flaschen- und Fassgärung wurden wir immer wieder hingewiesen, außerdem auf die verschiedenen Zuckergehalte der verschiedenen Erzeugnisse.

Modell zur Erläuterung von Flaschengärung

Auch einen kleinen Blick in die Produktin durften wir werfen, hier sahen wir massenweise Flaschen mit melodischem Klirren über Bänder rattern. Dieser Teil war jedoch kurz und weniger interessant, ausßerdem durfte man nicht fotografieren.

Zum Schluss gab es noch einige Sektsorten zu probieren: Wir bekamen einen spanischen Cava, einen Champagner sowie einen Prosecco. Dabei sollten wir jeweils herausfinden, wie viel Zucker dieses Produkt wohl noch hat (darin war ich schlecht) sowie anhand des „Perlenspiels“ beurteilen, ob es sich um eine Flaschen- oder Fassgärung handelt (darin war ich noch schlechter). Ich fand nur heraus, dass mir der verhältnismäßig günstige Prosecco am besten und der teure Champagner am wenigsten schmeckte – auch eine Erkenntnis. Den als „Mitgebsel“ erhaltenen Piccolo mit deutschem Sekt habe ich bislang noch nicht probiert.

Historische Weinkelche

Alles in allem waren es kurzweilige und lehrreiche zwei Stunden, die mit 15 Euro nicht zu teuer bezahlt waren. Ich trinke zwar noch immer lieber Wein als Sekt, aber das Abschlagen eines Flaschenhalses mit einem Schwert würde ich trotzdem gerne mal ausprobieren.

Altes Handwerk – Bonbonkocherei

In Eckernförde verbrachten Kerstin und ich einen wunderschönen Tag. Das Wetter spielte mit, wir bummelten lange am Hafen und der Promenade herum und schlenderten zum Schluss noch ein wenig durch’s Dorf. Eigentlich waren wir, müde von Sonne, Eis und Fischbrötchen, schon wieder unterwegs zum Auto, als wir beinahe über einen Wegweiser fielen. In einem Hof fanden wir die

Wir zögerten nicht lange und enterten den Laden. Hier fand sich eine Art öffentliche Schauküche sowie viele, viele Sorten Bonbons. Und wir hatten Glück: Es wurden gerade grünliche Kräuterbonbons hergestellt, die nach Anis und irgendwie gesund rochen. Wir drückten unsere Nasen neugierig an die Glaswand und sahen zu: kneten, kneten, was einstreuen, wieder kneten, drücken, ausrollen, noch was einstreuen, kneten, kneten, formen, irgendwann dann portionieren und durch eine Rollmaschine fahren lassen. Heraus kamen lange Bänder mit Bonbons, die zum Abkühlen auf den Stahltisch gelegt wurden.

Das Ganze war übrigens Teamwork, die Herren waren zu zweit, was besonders beim durch die Maschine rollen der Bonbons wichtig zu sein schien: Einer kurbelte, der andere fing den Segen auf und erklärte uns nebenbei, was er tat und warum. Und während ich noch grübelte, wie man aus diesen Bonbonbändern nun leckere Lutschbonbons machen wollte, zeigte man uns, dass die abgekühlten Drops mit einer Metallschaufel in eine Art Rüttelsieb gegeben und dort auseinandergerüttelt werden. Die überstehende Zuckermasse wird dabei abgeschüttelt und weggesiebt – aha! Ich fand übrigens, dass die gerüttelten Bonbons einen enormen Lärm machten – das hätte ich so nicht erwartet.

Interessant fand ich auch die verschiedenen Formen, in die die Bonbons gepresst werden können: Es gab viele unterschiedliche Rollen zu sehen.

In Eckernförde sind natürlich besonders die „Sprotten“ beliebt, schließlich ist man an der Ostsee. Aber auch die anderen Formen konnte man im Laden finden. Und dem Laden widmeten wir uns noch sehr ausgiebig: Es gab jede Menge Frucht- und Kräuterbonbons, außerdem Lakritze, Pfefferminze und Karamell. Natürlich braucht man nicht unbedingt handgemachte Bonbons zu drei Euro das Mini-Tütchen, aber ich habe trotzdem welche ausgesucht – als Mitbringsel für meine Lieben in Norddeutschland. Und eine Mischtüte Karamell gab es auch noch, man war schließlich im Urlaub. Kerstin hingegen schlug bei der Lakritze zu – eine Leidenschaft, die mir immer unverständlich bleiben wird.

Pfefferminzsprotten, Fruchtsprotten und Pflaume-Vanille-Blätter

Wieder zuhause, wollte ich mal gucken, ob jemand anderes schon einmal etwas über diese Bonbonkocherei gepostet hat. Ich hatte nämlich so vage im Gedächtnis, dass ich vor vielen Jahren mal etwas über handgemachte Bonbons im Fernsehen gesehen hatte – vielleicht in der Sendung mit der Maus, oder war es Löwenzahn? Den Bericht von damals fand ich nicht, dafür aber einen kleinen Film, der den Produktionsprozess noch einmal zeigt – und das sogar in zwei Farben!

Und der langen Rede kurzer Sinn ist ein ganz einfacher: Wer mal nach Eckernförde kommt, sollte unbedingt mal in der Bonbonkocherei hereingucken. Es gibt etwas zu sehen, und das ganz für umsonst. Und, nebenbei bemerkt: Barrierefrei ist der Laden auch. 🙂

Kugeleien im Hessenpark

Zum ersten Mal besuchte ich am letzten Tag im April den Hessenpark. Es war Kaiserwetter und die ewige Antje und ich hatten etwas Befürchtungen, dass wir im Park von Menschenmassen niedergetrampelt werden würden. Doch zu unserer Überraschung war es bei Weitem nicht so voll wie befürchtet – wir konnten überall gut gucken. Und in dem großen Park verläuft sich die Menge ja auch.

Kirche, Hessenpark, Kugelfoto

Ich hatte wieder die kleine Fotokugel dabei, schließlich wollte ich noch üben. Hier gab es etliche reizvolle Motive und vor allem auch feste Untergründe für meine Kugel. Jeder gerade Zaunpfahl wurde mein Freund. So entstanden zwei verschiedene Ansichten dieses kleinen Kirchleins – mal mit, mal ohne Weg. Und mal mit dem Himmel oben, mal unten.

Auch allerhand Getier gibt es im Hessenpark, man bemüht sich hier um die Erhaltungszucht alter Haustierrassen, was ich sehr gut finde. Allerdings drehten mir die ollen Ziegen gerne ihr Hinterteil zu und die Esel hatten keinen geraden Zaunpfahl. So mussten also die Schafe herhalten …

Das wunderbare Wetter ließ die Wiesen richtig schön strahlen – ein dankbares Motiv für jeden, der gerne fotografiert. Und wenn die Ziegen vor mir weglaufen und beharrlich in die andere Richtung gucken, dann hängt der Himmel halt mal unten.

Schön fand ich am Hessenpark, dass er unterschiedliche „Zonen“ hat: Es gibt Ecken, wo nur ab und zu mal ein Haus steht und man gemütlich zwischen Wiesen oder Weihern herumspaziert, und es gibt ein richtiges Dorf und einen belebten Marktplatz.Das letzte Foto war eines für Faule: Gemütlich bei Kaffee und Rhabarberkuchen sitzend, konnte ich über einen Platz hinweg ein Haus knipsen.

Sneak Preview

Seit einer Weile gehe ich mit einer Freundin – und manchmal auch in einem größeren Grüppchen – mehr oder minder regelmäßig in die Sneak Preview der Frankfurter E-Kinos. Etwas Ähnliches wird natürlich auch anderswo angeboten, aber Tag, Uhrzeit und Erreichbarkeit passen uns hier gut.

Das Wort Sneak Preview wird auf Wikipedia mit „Überraschungspremiere“ übersetzt, was es für mich ganz gut beschreibt. Man geht für kleines Geld ins Kino (bei uns sind es 4 Euro), ohne zu wissen, welchen Film man sich dort anschauen darf. Oder muss, das kommt ganz drauf an. Drumherum gibt es noch ein wenig Gedöns, man kann etwas gewinnen, wird mit Süßigkeiten beworfen und es gibt ein bisschen Gerede. Und hinterher darf man den Film bewerten – das gefällt mir besonders gut. Das System ist allerdings äußerst schlicht, es gibt gut, mittel und schlecht.

Nun fragt man sich natürlich, warum voll erwachsene Menschen wie meine Freunde und ich sich das antun – schließlich ist die Wahrscheinlichkeit, etwas wirklich Furchtbares zu erwischen, genauso hoch wie die, etwas wirklich Gutes zu bekommen. Und wir könnten es uns natürlich leisten, ganz gezielt ins Kino zu gehen und das zu gucken, was wir gucken wollen. Genau das aber ist die Krux.

Die Erweiterung des Horizonts stellt das Weltbild manchmal auf den Kopf

Zum einen haben wir alle einen recht unterschiedlichen Geschmack: Ich stehe ja so gar nicht auf diese typischen „Frauenfilme“, in denen viel hysterisch gelacht und geweint wird. Filme „mit viel Bumm“ kann ich schon mal gucken, wenn es außer dem Actiongetöse noch irgendeine nachvollziehbare Handlung gibt. Horrorfilme finde ich meistens richtig blöd, begeistern kann ich mich aber für kleine, künstlerische Filme mit schönen Dialogen, wo von rechts oben noch irgendwo ein Vogel piept. Christine hingegen liebt die Frauenfilme, ihr Freund Uwe aus naheliegendem Anlass nicht, und Maike mit ai guckt tatsächlich mal gerne einen Horrorfilm. Und viel Bumm. Aber keine Frauenfilme. Die Sneak Preview vereint uns alle, denn wir werden nicht gefragt.

Außerdem hat das bewusste Auswählen von Filmen den Nachteil, dass man nur auswählen kann, was man auch kennt. Auf viele Perlen abseits des Mainstreams werde ich gar nicht aufmerksam, ich bin immer wieder erstaunt, was es alles so gibt. Und so genoss ich den halbdokumentarischen Film über die Beach Boys in vollen Zügen, denn dass der gedreht wurde, hatte ich nicht mitbekommen. Und den Science Fiction-Film Ex Machina hätte ich mir freiwillig nie angeguckt, zu fern ist mir dieses Thema. Und doch war das wohl einer der klügsten Filme, die ich je gesehen habe.

Natürlich erwischt man auch Filme aus der Rubrik „Schauerlich und Quark“, aber auch das hat durchaus seinen Reiz. Der Film „When animals dream“ verfolgt mich noch heute und lässt mich grinsen und die vielen belanglosen Komödien haben mir zumindest nicht geschadet. So auch nicht der Film „Bad Moms“, bei dem ich innerlich und äußerlich lautstark stöhnte, als er losfuhr, bei dem ich mich dann aber wider Erwarten recht gut amüsierte und ein „mittel“ an der Bewertungsbox vergab. Ich habe mich einfach darauf eingelassen – es half ja ohnehin nichts.

Die Sneak Preview erweitert also meinen Horizont, sie lässt mich Filme ansehen, die ich ansonsten nicht mit der visuellen Zange anfassen würde. Ob man das unbedingt braucht, weiß ich nicht, aber es gibt bestimmt schlechtere Methoden der Bewusstseinserweiterung.

Und was für eine echte Perle wir uns gestern ansehen durften, verrate ich euch morgen.

Markt im Hof

Heute haben die ewige Antje und ich etwas Neues ausprobiert: In der Frankfurter Wallstraße gibt es an jedem Samstag den „Markt im Hof“. Hier gibt es einiges an kulinarischen Köstlichkeiten zu probieren. Unter anderem gibt es einen richtig guten, liebevoll eingeschenkten Kaffee – damit kann man mich ja immer glücklich machen.

Kaffe, Cappuccino

Ich hatte die Muster „Tulpe“ und „vielblättriges Gewächs“, denn ich musste mir einen Zweiten holen. Dafür habe ich auf diese riesigen Butterstullen verzichtet, die viele Leute um uns herum verzehrten. Die waren mit Pastrami belegt – was das genau ist, musste ich erst mal googlen. So nach Sicht hätte ich es für eine Art Roastbeef gehalten, es ist aber geräuchertes Rindfleisch. Außerdem gab es verschiedene exotische Gerichte, z. B. vietnamesisch und koreanisch, sehr schönes Gebäck, handverlesene Pflaumen und lecker aussehende Soßen. Und auch der obligatorische „Food-Truck“, früher genannt „Grillstand“, fehlte nicht.

Für zuhause habe ich mir ein schönes, schweres Körnerbrot mitgenommen. Zugegeben, das war mit 5,70 Euro nicht billig, sieht aber unglaublich gut aus. Und zum Abschluss gab es noch ein bisschen Äppler aus dem Apfelweinkontor. Zwar haben wir keinen Apfelwein mitgenommen, viele der besonderen Sorten in dem kleinen Laden klangen aber sehr gut. Probiert haben wir einen sortenreinen Boskopp-Äppler. Lecker war er, aber einen zweistelligen Betrag würde ich für eine Flasche wohl nicht ausgeben.

Es war schön, bei heiter bis wolkigem Sommerwetter in dem kleinen Innenhof zu sitzen und Einiges zu probieren. Für einen entspannten Samstagvormittag genau das Richtige.

 

Nachtrag: Die Rechtschreibprüfung wollte „Pastrami“ gerade in „Kastrati“ ändern. Ich weiß nicht, ob es das besser gemacht hätte …

Schauerseminar in der Buchhandlung Schutt

Buchhandlung Schutt, BornheimDieses Wochenende habe ich mich mal wieder fortgebildet: Es gab ein zweitägiges Seminar über „Schauerliteratur“. Natürlich wollte ich die nicht nur lesen, sondern auch schreiben, und so hatte ich mich schon vor Wochen bei der VHS zu diesem Kurs angemeldet.

Und ja, was soll ich sagen? Der Kurs bei Sonja und Petra hat mir unglaublich viel Spaß gemacht – es war spannend, einmal richtig böse sein zu dürfen. Mitgenommen habe ich einen ganzen Haufen Ideen und Inspiration, davon werdet ihr demnächst vielleicht etwas mitbekommen. Denn einige der Kleinigkeiten, die im Kurs entstanden, sind nach etwas Überarbeitung durchaus „blogreif“. Anderes existiert bislang nur in meinem Kopf – und will da raus.

im Innenhof

Besonders erwähnen möchte ich außerdem noch die tolle Location: Der Kurs stand statt im „Lager“ der Buchhandlung Schutt in Bornheim, ein unglaublicher Ort, der an sich schon jede Menge Ideen birgt. Bücher, Bücher überall, außerdem jede Menge Krims und Krams. Was für ein Unterschied zu den üblichen VHS-Klassenzimmern, die zwar ihren Zweck wunderbar erfüllen, aber nicht ein Zehntel so viel Interessantes bieten wie dieser urige Seminarraum. Da konnte ich über wackelnde Tische und eine Heizung im Wochenendmodus glatt hinwegsehen.

Und an einem Ergebnis dieses Kurses möchte ich euch gerne heute schon teilhaben lassen: Wir wurden gleich am Anfang gebeten, uns eine „Gruselidentität“ zu überlegen und zu beschreiben, wer wir denn so sein könnten, wären wir schauerlich veranlagt. Und das bin ich:

Ich bin die Harmlose, Mütterliche, die macht, dass du dich wohlfühlst und ihr vertraust, während sie darüber nachdenkt, wo sie dich am schwersten treffen kann. Ich bin die, die weiß, wo deine weichen Stellen sind, denn davon erzählst du mir, während ich dir einen Tee koche und Kekse auf den Tisch stelle. Das, was du mir anvertraust, verwende ich für meine dunklen Machenschaften. Du bist das Licht, das mir den Weg durch das schwärzeste Dunkel ebnet. Mein Name ist Lunafee.

Hach, die Böse zu sein, macht Spaß 🙂

Flucht aus dem ParaPark

In dieser Woche verbrachte ich mit Freunden einen vergnüglichen Abend im ParaPark in Frankfurt. ParaPark oder auch Escape-Events – wie soll man das beschreiben, ohne allzu viel zu spoilern? Ich versuche es mal und bleibe schwammig …

Bei diesem Spiel geht es darum, aus einem geschlossenen Raum zu entkommen. Natürlich ist der Raum nicht wirklich geschlossen, wenn man möchte, kann man einfach gehen – aber das ist ja nicht der Sinn der Sache. Und im Eifer des Gefechts vergisst man das auch schnell und werkelt herum, als ginge es um Leben und Tod.

Es gibt eine Story, mehr oder minder krude, und jede Menge Spielmaterial. Gespielt – oder sollte ich sagen „gekämpft“? –  wird in Teams von zwei bis sechs Personen, die miteinander arbeiten. Wir waren zu fünft, was eine gute Zahl war: Jeder hatte immer etwas zu tun, konnte mitspielen, aktiv sein. Und jeder konnte sich gemäß seinen Stärken einbringen: Es mussten Schlösser geöffnet und Tresore geknackt werden. Rätsel wurden gelöst, ominöse Gegenstände betrachtet und jedes Teil der Spielumgebung angefasst, umgedreht und betastet. Und doch fanden wir immer wieder etwas Neues.

Spannend war das, denn die Zeit lief gnadenlos ab. Eine Stunde hat man Zeit, wobei die letzten zehn Minuten die längsten sein können. Große Kraft braucht man nicht, aber ein bisschen Grips, jede Menge Kreativität und Spaß am Experimentieren. Wir hatten eine tolle, sehr intensive Zeit und schafften es zu unserer aller Freude, rechtzeitig aus dem Raum zu entkommen. Knapp war es, aber wie heißt es so schön? „Ein gutes Pferd springt kurz!“

 

Stoffel-Zeit

Jeden Sommer ist es soweit: Irgendwann beginnt die vierwöchige Stoffel-Zeit, also das Festival „Stalburg offen Luft“ des Stalburg-Theaters. Diese Veranstaltung findet mitten in der Stadt im Günthersburg-Park statt und ist für die Besucher im Grunde gratis – wenn man einmal von den roten Spendeneimern absieht, die von netten Helfern regelmäßig herumgereicht werden.

In wunderbar entspannter Atmosphäre gibt es täglich zwei bis drei Veranstaltungen, angefangen von der Kinderbelustigung über Konzerte bis hin zu Kabarett und Lesungen. Man platziert sich für diesen Zweck auf den bereitgestellten Bierbänken oder lagert auf einer mitgebrachten Picknickdecke. Getränke und Essen dürfen mitgebracht werden, es gibt jedoch auch eine preiswerte Gastronomie. Das Angebot an Speisen ist nicht groß, aber ausreichend – mir hat gestern meine Bratwurst im Brötchen und später die Käse-Laugenstange ganz prima geschmeckt, und so verführerische Dinge wie Bio-Eis, saure Gurken oder Muffins hätte es auch noch gegeben. Es muss also niemand hungern oder dursten beim preiswerten Kulturgenuss.

Das Besondere am Stoffel ist für mich übrigens wirklich die angenehme Sommerstimmung, die mich jedes Mal überkommt, wenn ich auf den Bänken Platz nehme und meinen sauer gespritzten Apfelwein schlürfe. Das Publikum ist so bunt gemischt und die Laune allgemein so positiv, dass es fast gar nicht mehr darauf ankommt, wie gut das angebotene Programm ist. Man kommt ins Gespräch, mal mit den Tischnachbarn, dann mit dem Brezel-Mann, und hört keine unzufriedene Stimme.

Stoffel 2015

Ich mag das Stoffel einfach. Deshalb hoffe ich auch, dass es das Festival in dieser Form noch recht lange geben wird. Und das trotz einiger Anwohner, die sich aus mir in diesem Fall wirklich unerklärlichen Gründen – die Veranstaltung geht jeweils nur bis 9 Uhr abends – mal wieder gestört fühlen. Und auch trotz der Leute, die sich weigern, etwas in die kleinen roten Eimer zu werfen oder die ihren mitgebrachten Müll in den Park schmeißen. So etwas passiert leider immer wieder, was schade ist und den Veranstaltern unnötig Mühe macht. Nötig wäre es nicht – es gibt reichlich Mülleimer, und was man mitgebracht hat, könnte man doch eigentlich auch wieder einpacken und mit heimnehmen. Aber vielleicht denke ich da mal wieder zu pragmatisch.

Die Geheimwaffe gegen Hitze: Ostfriesentee

„Ist das Tee da in der Kanne?“, fragte vor Jahren mein Vermieter, mit dem ich mich gerade über die Balkonabtrennung unterhielt. „Ja“, sagte ich wahrheitsgemäß und nickte wenig später auch zu der Frage, ob es tatsächlich heißer Tee sei. Ich trinke meinen geliebten Ostfriesentee zwar auch kalt, aber heiß ist er mir deutlich lieber – auch im Sommer. Denn die Weisheit: „Was gegen Kälte hilft, hilft auch gegen Wärme“ trifft darauf ganz besonders zu.

Ostfriesentee ist etwas Feines: Gemischt aus diversen kräftigen (Assam-)Teesorten, schmeckt er kräftig und hat je nach Ziehzeit eine unterschiedliche Wirkung: Lässt man ihn nur kurz ziehen, hat er durch das enthaltene Koffein (früher sagte man auch Teein) eine anregende Wirkung. Lässt man ihn länger ziehen, löst sich die enthaltene Gerbsäure, der Tee wird etwas bitterer, bekommt dafür aber eine beruhigende Wirkung auf Magen und Gemüt.

Ostfriesentee

Mein Abendtee in doppelwandiger Kanne. Der Teebecher stammt von der Inseltöpferei auf Juist

Vor einigen Jahren dachte ich mal, ich müsste mit Tee experimentieren: Ich kaufte Ceylon- und Darjeeling-Tees, obwohl ich es hätte besser wissen müssen: Denn diese milderen Sorten sind einfach nichts für meine Zunge, da schmeckt mir Kamillentee spannender. Nach kurzer Lernphase kam ich zu meinem Ostfriesentee zurück. Manchmal gehe ich noch mit aromatisierten Sorten fremd: Vanille und Kirsche sind dann meine Favoriten. Auch das ist wahrscheinlich meiner Jugenderfahrung geschuldet: Diese beiden Sorten waren nämlich in den 80er Jahren furchtbar „IN“, als ich mit meiner Freundin Birgit literweise Tee trank und wir dabei erste Frauengespräche führten.

Derzeit gibt es bei mir einen grob geschnittenen „Sonntagstee“ der Firma Onno Behrends. Ich bin nicht auf eine Teemarke festgelegt, kaufe aber immer einen guten Ostfriesentee. In meiner Zeit in München war der gar nicht so leicht zu bekommen: Im normalen Supermarkt gab es lediglich eine „Kräftige Schwarzteemischung“, die zwar trinkbar, aber doch eine Notlösung war. Meine Lieblingssorten, den Thiele Silber, das Bünting Grünpack oder den Sonntagstee von Onno Behrends, gab es mit etwas Glück für einen Fantasiepreis in den Feinkostabteilungen der Kaufhäuser. Dabei ist doch klar, dass Ostfriesentee keine Feinkost ist, sondern ein Grundnahrungsmittel. Ich begann, meinen Tee aus Norddeutschland zu importieren. Inzwischen hilft Amazon mir aus dieser Malaise.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich meinen Tee inzwischen nicht mehr auf die traditionelle Art trinke, sondern etwas barbarischer: vermixt mit einem kleinen Schuss H-Milch, aber ohne Zucker und aus einem soliden Becher. Aufgewachsen bin ich noch mit zierlichen kleinen Tassen und einer gemusterten metallenen Ostfriesenkanne (die ich in meinen Besitz gerettet habe). Mindestens drei Tassen Tee werden getrunken, weniger sollte auch in einem Café nicht in der Kanne sein, in der der Ostfriesentee serviert wird. Die Touristen lieben das: Loser Tee (inzwischen zumeist im Beutel oder Säckchen) in einer Kanne auf einem Stövchen, dazu Kluntjes und Sahne für das Wulkje. Mir ist das zuhause zu viel Gedöns, obwohl ich natürlich alles für eine ostfriesische Teezeremonie zuhause habe – einschließlich Rumkandis für kalte Tage. Die soll es ja auch geben.

Nachtrag: Ich bin übrigens keine Ostfriesin, sondern komme aus dem Ammerland. Das macht nicht viel Unterschied, ich wollte es nur der guten Ordnung halber erwähnt haben.