Mein Lieblingsbuch – Der Seewolf

Der Seewolf, TaschenbuchBeim ARS-Stammtisch sprachen wir über unsere Lieblingsbücher. Gar nicht so einfach, sich da für eines zu entscheiden. Ich schwankte zwischen dem Klassiker „Schachnovelle“, dem kunterbunten Indienroman „Palast der Winde“ und meinem geliebten „Es begann im Regen“, einer kitschigen Liebesschnulze, die ich immer lese, wenn ich krank bin. Doch dann landete ich bei Jack Londons „Der Seewolf“.

Dieses schon 1904 erschienene Buch übt auf mich eine ungeheure Faszination aus. Ich mochte es schon in der Jugendausgabe, die fast bis zur Unkenntlichkeit gekürzt und so auf ein reines Seefahrtsabenteuer reduziert wurde. Als ich dann das erste Mal die Gesamtausgabe las, mit all ihren philosophischen Gedanken, war ich wie erschlagen. Und das liegt nicht nur an der Geschichte, die zwar spannend, aber nicht ungewöhnlich ist, sondern an der Figur des Kapitäns: Wolf Larsen, der Seewolf. Man spürt die Angst, die dieser Kapitän unter seiner Mannschaft verbreitet, auf jeder Seite. Nach jedem Lesen begleiten mich seine Gedanken, so roh und unmenschlich sie auch sein mögen, tagelang. Daneben verblasst der Ich-Erzähler Humphrey, obwohl er um ein Vielfaches gebildeter und menschenfreundlicher ist als der Seewolf. Auch wenn Humphrey am Ende überlebt und der Seewolf an einer Krankheit stirbt, also bei Weitem nicht so unverletzlich ist, wie er erscheinen möchte, ist es doch der böse Charakter, der mich in seinen Bann zieht. Dieses Buch wirkt lange nach und bietet bei jedem Lesen nochmal etwas Neues.

Der Seewolf, DVDAnmerken möchte ich noch, dass es von dieser Geschichte sehr viele Ausgaben und Versionen gibt: Bücher, Hörbücher und Verfilmungen in unterschiedlichster Werkstreue und Qualität. Die für mich interessanteste Verfilmung – wenngleich meilenweit von der Buchvorlage entfernt – ist die aus den 70er Jahren mit dem wunderbaren Raimund Harmstorf als Wolf Larsen. Denn so, genau so stelle ich mir den Seewolf vor. Und das liegt nicht nur an der legendären Kartoffel!

(Dieser Artikel erschien vor einiger Zeit bereits sehr ähnlich auf dem Blog von ARS (Autoren Rhein-Main Szene) – schaut doch mal rein)

Fire and Salt – ein unerwarteter Spaß

Am Mittwoch war also mal wieder Sneak Preview mit Maike. Vor der Vorstellung überlegten wir, was wir wohl zu sehen bekämen. Wie fast immer waren wir uninformiert darüber, was überhaupt in den nächsten Wochen anlaufen würde, so dass wir es einfach auf uns zukommen ließen. Und das war gut so, denn von der Perle, die man uns dann präsentierte, habe ich noch nie zuvor gehört.

Ich habe übrigens vor, hemmungslos zu spoilern und meine Meinung kundzutun – wer den Film also noch sehen möchte, möge sich gut überlegen, ob es nicht besser wäre, hier mit dem Lesen aufzuhören.

Kakteen spielten auch eine kleine Rolle. Bild zur Verfügung gestellt worden von Axel Schwalke / http://www.pixelio.de

Der Vorstellung ging auch dieses Mal nach einigem Vorgeplänkel los und wir guckten neugierig auf die eingeblendete Filmfirma. Unbekannt. Verdächtig erschienen allerdings die ganzen „Filmförderungs-Logos“ – das roch nach Kunst. Und dann die Aufklärung: „Ein Werner Herzog-Film“. Drehbuch und Regie Werner Herzog – aha. Das ist doch ein ganz Bekannter, dachte ich, und war gespannt, was nun kommen würde. „Thriller“, stand auf der Leinwand, und dann „Veronika Ferres“. Nochmal aha.

Um ehrlich zu sein, sehe ich Veronika Ferres recht gerne, wenn sie ein gutes Drehbuch hat, ist sie in meinen Augen eine wirklich gute Schauspielerin. Die Zuschauer sahen das offenbar anders, der Name löste keine Begeisterungsstürme, sondern eher allgemeines Stöhnen aus. Ich stöhnte auch, hinterher, was allerdings weniger an Frau Ferres lag als vielmehr an den unglaublich dümmlichen Texten und Handlungen, die man ihr auferlegt hat. Dagegen konnte sie nicht anspielen – niemand hätte das gekonnt.

Aber fangen wir von vorne an: Die Grundidee des Films fand ich wirklich gut. Eine internationale Delegation von drei Wissenschaftlern reist in ein südamerikanisches Land, um über eine Umweltkatastrophe zu berichten, und wird schon am Flughafen entführt. Das war soweit alles recht schlüssig, auch wenn die Personen einigermaßen blauäugig in ihr Verderben stolperten: Gepäck verschwunden, der abholende Partner war ein ganz anderer als angekündigt, der Tagungsort war plötzlich auch ganz woanders, bitte steigen Sie in diese Maschine – ja, klar, warum nicht. Kann man so machen, sollte man aber nicht. Aber gut, Film ist Film, wir nahmen das so hin. Dann wurde es jedoch langsam, aber sicher, völlig absurd.

Nach einem wilden Kampf in der Flughafenhalle – besonders tat sich Herr Doktor Meier hervor – wurde die Gruppe getrennt und in Autos verfrachtet. Man fuhr mit mehreren Fahrzeugen zu einer Villa. Die beiden Herren der Delegation waren für den Fortgang der Geschichte ganz offensichtlich überflüssig, die hatte man nur gebraucht, um den Anfang des Films ein wenig auszupolstern. Folglich speiste man die beiden Doktoren mit vergifteten Fladen und in der Zeit, die Frau Doktor Sommerfeld benötigte, um unter Protest – „Ich verlange sofort freigelassen zu werden!“ – eine Tasse Tee zu trinken, bekamen ihre Begleiter den Durchfall des Jahrhunderts und verschwanden in den sanitären Anlagen ihres Gefängnisses. Frau Doktor wurde in ein gemütliches Zimmer gesperrt, spähte aus den vergitterten Fenstern, fand sich gut bewacht und machte erst mal ein Selfie – denn ihr Tablet hatte sie immer dabei. Diese Selfie-Leidenschaft der bedauernswerten Geisel sorgte selbst bei den größtenteils jungen Zuschauern immer wieder für Lacher.

Der Thriller nahm seinen Lauf: Frau Doktor unterhielt sich mit einem maskierten Geiselnehmer, offenbar dem Boss der Entführung. Der nahm recht früh die Maske ab und gab sich als Chef der Firma zu erkennen, die die Umweltkatastrophe verursacht hatte – natürlich vor seiner Zeit. Trotzdem wurde der arme Mann, dem man die Seelenqualen im gemarterten Gesicht in jeder Szene ansah, von seinem Gewissen geplagt. Was das mit der Entführung sollte, erschloss sich mir trotzdem nicht, und auch Frau Sommerfeld musste immer wieder nachfragen: „Was wollen Sie von mir?“ Ja, das hätten wir auch gerne gewusst.

Die ersten Zuschauer verließen das Kino, wir nicht. Dafür war die Sache in ihrer Absurdität viel zu lustig. Immer wieder lag man vor Lachen fast lang, es wurde eifrig geschwätzt, auch wenn man seine Nachbarn gar nicht kannte. Einige googleten – worum sollte es da gehen? Wo liefen die da rum? Aha, Bolivien – dann wussten wir das schon mal.

Es passierte so allerhand. Es ging in den quälend hölzernen Dialogen um Gerichtsprozesse gegen Tiere und einen römischen Faltenwurf, Frau Doktor machte auf dem Rücken liegend Gymnastik und ein Rollstuhlfahrer erhob sich, um – martialisch das Maschinengewehr schwenkend – auf seinen eigenen zwei Beinen herumzulaufen. Das hatte alles keinerlei Spannung, war aber lustig.

Irgendwann gingen Entführer und Entführte zusammen auf einen Ausflug, besichtigten einen Friedhof für Lokomotiven, einen Vulkan und einen gigantischen Salzsee – der sollte die Katastrophe darstellen. Giftig und aggressiv, außerdem in seiner Ausdehnung ständig zunehmend. Das war wiederum recht gut ausgedacht, zumal der nahe Vulkan die Gemengelage wohl noch verschärfte. Frau Doktor hatte neben dem ewigen Tablet noch eine Art Opernglas dabei, informierte sich eifrig und trug dabei ein Sonnenhütchen, dass ihr das Aussehen einer Brockenhexe verlieh. Damit hätte Frau Ferres auch bei Harry Potter mitspielen können. Und während endlose Plattitüden ausgetauscht wurden, luden fleißige Helfer Wasserflaschen und Campingmaterial aus.

Salzwüste – so sah das da aus. Bild zur Vefrügung gestellt von qayyaq / http://www.pixelio.de

Der Film lief gnadenlos seinem Höhepunkt entgegen. Frau Doktor wurde in der Wüste ausgesetzt, zusammen mit zwei blinden Kindern, deren Sprache sie nicht sprach. Wo die herkamen, blieb erst mal im Verborgenen, sie standen halt einfach da herum, nachdem die Autos abgefahren waren. Man sah dieser ungewöhnlichen Patchworkfamilie also beim Budenbauen zu, sah, wie ein Kind an einer Zwiebel roch und ein anderes notdürftig gewaschen wurde. Des nachts sang Frau Doktor „Der Mond ist aufgegangen“, zwei Strophen lang, und das Publikum explodierte fast. Am nächsten Tag wurde Ludo gespielt, das scheint das optimale Spiel für blinde Kinder zu sein. Die Jungen haben geschummelt und Frau Doktor würfelte eine Sechs.

Irgendwann schien doch noch ein wenig Spannung in die Sache zu kommen – das Wasser ging zur Neige. Doch dann hörte eines der Kinder ein Auto. „Ich höre nichts!“, sagte Frau Doktor und setzte eine Brille auf. Die trug sie dann, als sie abgeholt wurden und noch ein wenig mit dem Tablet herumspielten: Es wurden Fotos gemacht mit interessanter Perspektive – ein Stoffdino in der Wüste und so. „Diese Fotos werden mich ins Gefängnis begleiten“, hauchte der Geiselnehmer und schenkte Frau Doktor ein Flugticket zum römischen Faltenwurf, und man dachte, dass er und seine Geisel nun endlich mal ein wenig Sex haben würden. Aber auch das blieb uns versagt. Das letzte, was wir sahen, war ein einsamer Rollstuhl in der Salzwüste – Hurz!

Natürlich kann man mir nachsagen, dass mir für diese Art von Film der intellektuelle Zugang fehlt – das ist ganz wahrscheinlich richtig. Trotzdem scheute ich mich nicht, meinen Bewertungszettel in die Abstimmbox mit dem Daumen runter zu stecken. Dort befanden sich etwa 95% der Zettelchen, wenngleich das vielfach diskutiert wurde. Viele Zuschauer fanden, dass der Film das eigentlich nicht verdient hätte, denn so viel hätte man schon lange nicht mehr gelacht. Aber ob es dafür unbedingt einen Thriller braucht? Und in der Produktion haben auch Arte und das ZDF mitgewirkt – ich will ja nicht hoffen, dass die dafür meine Gebühren verwendet haben!

Sneak Preview

Seit einer Weile gehe ich mit einer Freundin – und manchmal auch in einem größeren Grüppchen – mehr oder minder regelmäßig in die Sneak Preview der Frankfurter E-Kinos. Etwas Ähnliches wird natürlich auch anderswo angeboten, aber Tag, Uhrzeit und Erreichbarkeit passen uns hier gut.

Das Wort Sneak Preview wird auf Wikipedia mit „Überraschungspremiere“ übersetzt, was es für mich ganz gut beschreibt. Man geht für kleines Geld ins Kino (bei uns sind es 4 Euro), ohne zu wissen, welchen Film man sich dort anschauen darf. Oder muss, das kommt ganz drauf an. Drumherum gibt es noch ein wenig Gedöns, man kann etwas gewinnen, wird mit Süßigkeiten beworfen und es gibt ein bisschen Gerede. Und hinterher darf man den Film bewerten – das gefällt mir besonders gut. Das System ist allerdings äußerst schlicht, es gibt gut, mittel und schlecht.

Nun fragt man sich natürlich, warum voll erwachsene Menschen wie meine Freunde und ich sich das antun – schließlich ist die Wahrscheinlichkeit, etwas wirklich Furchtbares zu erwischen, genauso hoch wie die, etwas wirklich Gutes zu bekommen. Und wir könnten es uns natürlich leisten, ganz gezielt ins Kino zu gehen und das zu gucken, was wir gucken wollen. Genau das aber ist die Krux.

Die Erweiterung des Horizonts stellt das Weltbild manchmal auf den Kopf

Zum einen haben wir alle einen recht unterschiedlichen Geschmack: Ich stehe ja so gar nicht auf diese typischen „Frauenfilme“, in denen viel hysterisch gelacht und geweint wird. Filme „mit viel Bumm“ kann ich schon mal gucken, wenn es außer dem Actiongetöse noch irgendeine nachvollziehbare Handlung gibt. Horrorfilme finde ich meistens richtig blöd, begeistern kann ich mich aber für kleine, künstlerische Filme mit schönen Dialogen, wo von rechts oben noch irgendwo ein Vogel piept. Christine hingegen liebt die Frauenfilme, ihr Freund Uwe aus naheliegendem Anlass nicht, und Maike mit ai guckt tatsächlich mal gerne einen Horrorfilm. Und viel Bumm. Aber keine Frauenfilme. Die Sneak Preview vereint uns alle, denn wir werden nicht gefragt.

Außerdem hat das bewusste Auswählen von Filmen den Nachteil, dass man nur auswählen kann, was man auch kennt. Auf viele Perlen abseits des Mainstreams werde ich gar nicht aufmerksam, ich bin immer wieder erstaunt, was es alles so gibt. Und so genoss ich den halbdokumentarischen Film über die Beach Boys in vollen Zügen, denn dass der gedreht wurde, hatte ich nicht mitbekommen. Und den Science Fiction-Film Ex Machina hätte ich mir freiwillig nie angeguckt, zu fern ist mir dieses Thema. Und doch war das wohl einer der klügsten Filme, die ich je gesehen habe.

Natürlich erwischt man auch Filme aus der Rubrik „Schauerlich und Quark“, aber auch das hat durchaus seinen Reiz. Der Film „When animals dream“ verfolgt mich noch heute und lässt mich grinsen und die vielen belanglosen Komödien haben mir zumindest nicht geschadet. So auch nicht der Film „Bad Moms“, bei dem ich innerlich und äußerlich lautstark stöhnte, als er losfuhr, bei dem ich mich dann aber wider Erwarten recht gut amüsierte und ein „mittel“ an der Bewertungsbox vergab. Ich habe mich einfach darauf eingelassen – es half ja ohnehin nichts.

Die Sneak Preview erweitert also meinen Horizont, sie lässt mich Filme ansehen, die ich ansonsten nicht mit der visuellen Zange anfassen würde. Ob man das unbedingt braucht, weiß ich nicht, aber es gibt bestimmt schlechtere Methoden der Bewusstseinserweiterung.

Und was für eine echte Perle wir uns gestern ansehen durften, verrate ich euch morgen.

Das Haus am Eaton Place

Lange schon habe ich keine DVD-Empfehlung mehr veröffentlicht, doch nachdem ich viele Tage lang Freude an dieser alten Fernseh-Serie hatte, wird es mal wieder Zeit.

Darum geht es:

Eaton Place KomplettboxDie Serie, die im Original „Upstairs – Downstairs“ heißt, dreht sich um das Leben im Haus der wohlhabenden Familie Bellamy. Die Geschichte beginnt 1903 und erstreckt sich über rund 30 Jahre. Personen kommen und gehen, sowohl oben und unten.

Erzählt wird sowohl das Leben der Herrschaft in dem großen Haus, also der Familie Bellamy, als auch das des Gesindes. In den oberen Räumen leben der bodenständige Abgeordnete Richard Bellamy mit seiner adeligen Frau (die unter ihrem Stand geheiratet hat und deren Vermögen den großzügigen Lebensstil ermöglicht) mit ihren zwei fast erwachsenen Kindern: Der flatterhafte und leichtsinnige Sohn James ist bei der Armee, die Tochter Elisabeth kommt nach dem Besuch einer Schule für höhere Töchter heim und möchte die Welt verändern. In den Kelleräumen und den Bodenkammern hingegen leben und arbeiten die Angestellten: Der konservative, stets würdevolle und überlegt handelnde Butler Hudson, die energische Köchin Mrs. Bridges sowie Dienstmädchen, Küchenhilfen und andere hilfreiche Geister. Die Bereiche sind streng getrennt, die Räume der Herrschaft dürfen vom Gesinde nur betreten werden, wenn die Arbeit es erfordert, und auch dann nicht von jedem. Auch innerhalb der Dienstbotenrunde herrscht eine strenge Hierarchie.

Das ist das Besondere:

Interessant ist zum einen die große historische Genauigkeit der Serie. Leben und Wirken aller Figuren sind genau in die tatsächlichen Geschehnisse eingebettet. So findet sich Tochter Elisabeth in jugendlichem Ungestüm plötzlich mitten in der Suffragetten-Bewegung wieder (und zieht eines der Hausmädchen mit hinein), es werden Könige beerdigt, Kriege durchlebt. Die Titanic sinkt, das Geld wird knapp, die Gesellschaft ändert sich. Und mit all diesen Veränderungen müssen die sehr realistisch gezeichneten Figuren klarkommen. Nicht nur denen „Oben“ gefällt die zunehmende Emanzipation der Hausangestellte nicht immer, auch innerhalb des Gesindes gibt es den einen oder anderen, der lieber die alten, deutlich schlechteren Zustände betonieren möchte.

Die Serie ist so tatsächlich lebendiger Geschichtsunterricht. Erstaunt hat mich, dass die Handlung durchaus so manche nicht jugendfreie Geschichte erzählt. Das wundert mich nicht nur, weil diese kleinen Handlungsstränge extrem fantasievoll sind (das „wer mit wem“ ist deutlich spannender als in vielen anderen Serien), sondern auch, weil es sich um eine Familienserie handelt, die Anfang der 70er Jahre gedreht wurde. Dafür ist die Sache recht freizügig, und es gibt durchaus nicht nur Blümchensex – wenngleich auf explizite Szenen natürlich verzichtet wurde. Als Kind, als ich die Serie mit den Eltern zum ersten Mal sah, habe ich diese Handlungsteile sicher gar nicht verstanden.

Was gibt es noch:

Sollte man mit der Anschaffung der Serie auf DVD liebäugeln, empfehle ich, die Komplettausgabe aus der Reihe „Fernsehjuwelen“ zu wählen. Hier sind alle Folgen vollständig enthalten, also inclusive nicht ausgestrahlter Folgen und in ganzer Länge. Ab und zu hat man dann zwar einen Schnipsel auf Englisch dabei, aber das ist für mich angenehmer als nur die gekürzten deutschen Versionen zu haben.

Amüsant fand ich, dass einige Folgen nur in schwarz-weiß zur Verfügung standen. Dies liegt in einem Technikerstreik begründet, kann man auf dem Bildschirm lesen – anscheinend streikten diejenigen, die für die Farbe zuständig waren. Ich hoffe, sie konnten sich durchsetzen. Mir hat die schwarz-weiße Gestaltung nichts ausgemacht. Eher noch kam mir das vertraut vor, hatten wir doch zuhause in dieser Zeit auch nur einen schwarz-weiß-Fernseher.

Markt im Hof

Heute haben die ewige Antje und ich etwas Neues ausprobiert: In der Frankfurter Wallstraße gibt es an jedem Samstag den „Markt im Hof“. Hier gibt es einiges an kulinarischen Köstlichkeiten zu probieren. Unter anderem gibt es einen richtig guten, liebevoll eingeschenkten Kaffee – damit kann man mich ja immer glücklich machen.

Kaffe, Cappuccino

Ich hatte die Muster „Tulpe“ und „vielblättriges Gewächs“, denn ich musste mir einen Zweiten holen. Dafür habe ich auf diese riesigen Butterstullen verzichtet, die viele Leute um uns herum verzehrten. Die waren mit Pastrami belegt – was das genau ist, musste ich erst mal googlen. So nach Sicht hätte ich es für eine Art Roastbeef gehalten, es ist aber geräuchertes Rindfleisch. Außerdem gab es verschiedene exotische Gerichte, z. B. vietnamesisch und koreanisch, sehr schönes Gebäck, handverlesene Pflaumen und lecker aussehende Soßen. Und auch der obligatorische „Food-Truck“, früher genannt „Grillstand“, fehlte nicht.

Für zuhause habe ich mir ein schönes, schweres Körnerbrot mitgenommen. Zugegeben, das war mit 5,70 Euro nicht billig, sieht aber unglaublich gut aus. Und zum Abschluss gab es noch ein bisschen Äppler aus dem Apfelweinkontor. Zwar haben wir keinen Apfelwein mitgenommen, viele der besonderen Sorten in dem kleinen Laden klangen aber sehr gut. Probiert haben wir einen sortenreinen Boskopp-Äppler. Lecker war er, aber einen zweistelligen Betrag würde ich für eine Flasche wohl nicht ausgeben.

Es war schön, bei heiter bis wolkigem Sommerwetter in dem kleinen Innenhof zu sitzen und Einiges zu probieren. Für einen entspannten Samstagvormittag genau das Richtige.

 

Nachtrag: Die Rechtschreibprüfung wollte „Pastrami“ gerade in „Kastrati“ ändern. Ich weiß nicht, ob es das besser gemacht hätte …

Fünf Zimmer, Küche, Sarg

Mit einigen Freunden treffe ich mich in losen Abständen zu einer unheimlich entspannten Veranstaltung: dem sogenannten „Bildungsfernsehen“. Dies beinhaltet in der Regel einen ausgedehnten Kaffeeklatsch sowie mindestens zwei Filme. Sehr beliebt ist es zum Beispiel, auf der Raumfähre Orion nach Haushaltsgegenständen zu gucken oder in uralten schwarz-weiß-Filmen zu schwelgen. Beides gab es auch dieses Mal, dazu aber auch einen Film aus 2014: Das Werk

Fünf Zimmer, Küche, Sarg

wurde mir von befreundeten zwei Juristen empfohlen, nach außen hin ganz seriöse Leute. Daher folgte ich diesem Filmvorschlag und ich muss gestehen, ich war uneingeschränkt angetan davon. Dabei bin ich eigentlich überhaupt kein Fan von Vampirfilmen. Doch dieses dokumentarisch aufgemachte Filmstück hat mit der romantischen Verklärung vieler anderen Filme dieses Genres überhaupt nichts zu tun, hier wird schonungslos die Realität gezeigt.

Darum geht es: Echte Vampire und ihr Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft – dieses interessante Stück Nachtleben verfolgt ein Kamerateam live und in Farbe. Ob beim Aufwecken, bei WG-Besprechungen, der täglichen Nahrungsbeschaffung oder dem jährlichen Ball – die Kamera ist stets dabei und dokumentiert unter latentem Einsatz des eigenen Lebens die manchmal allzu menschlichen Probleme in dieser ungewöhnlichen Männer-WG. Spannungen im üblichen Rahmen ergeben sich schon allein dadurch, dass die Mitglieder sehr unterschiedlich im Alter sind – Hausarbeit will man dem über 8.000 Jahre alten Petyr nicht mehr zumuten, alle anderen sollen aber bitte zumindest alle paar Jahre mal das blutige Geschirr spülen. Ist doch peinlich sonst, wenn mal Besuch kommt …

Über den Inhalt möchte ich gar nicht mehr so viel schreiben – wer das ganz genau wissen möchte, kann sich den entsprechenden Artikel auf Wikipedia suchen, der wirklich hemmungslos jedes Detail ausplaudert. Auch die offizielle Webseite ist sehr informativ: http://5zimmerkuechesarg.weltkino.de/#home

Das ist das Besondere: Neben der guten Idee gefiel mir vor allem diese ungehemmte Freude am Blödsinn, die der Film ausstrahlt. Natürlich ist das alles Quatsch, aber der ist so nett gemacht, dass ich den Film von vorne bis hinten genießen konnte – selbst als ich zusehen musste, wie das Abendessen verunglückte und auf das Sofa spritzte und nicht in den hungrigen Vampir.

Außerdem predigt der Film erfolgreich die Toleranz: Man lernt, dass man sich mit etwas Mühe mit jedem Wesen befreunden kann – und sei es auch ein Mensch oder gar Schlimmeres. Auch Altersunterschiede lassen sich gut überbrücken – man muss es nur wollen.

Gelernt habe ich durch diese Dokumentation natürlich allerhand: Ich wusste bislang nicht, das Vampire kein Silber vertragen. Und auch darüber, wie schwierig es ist, sich für einen festlichen Anlass so richtig aufzubrezeln, wenn man kein Spiegelbild hat, habe ich bislang noch nie nachgedacht. Mein Horizont wurde mal wieder erweitert, was für ein Glück.

 

Schauerseminar in der Buchhandlung Schutt

Buchhandlung Schutt, BornheimDieses Wochenende habe ich mich mal wieder fortgebildet: Es gab ein zweitägiges Seminar über „Schauerliteratur“. Natürlich wollte ich die nicht nur lesen, sondern auch schreiben, und so hatte ich mich schon vor Wochen bei der VHS zu diesem Kurs angemeldet.

Und ja, was soll ich sagen? Der Kurs bei Sonja und Petra hat mir unglaublich viel Spaß gemacht – es war spannend, einmal richtig böse sein zu dürfen. Mitgenommen habe ich einen ganzen Haufen Ideen und Inspiration, davon werdet ihr demnächst vielleicht etwas mitbekommen. Denn einige der Kleinigkeiten, die im Kurs entstanden, sind nach etwas Überarbeitung durchaus „blogreif“. Anderes existiert bislang nur in meinem Kopf – und will da raus.

im Innenhof

Besonders erwähnen möchte ich außerdem noch die tolle Location: Der Kurs stand statt im „Lager“ der Buchhandlung Schutt in Bornheim, ein unglaublicher Ort, der an sich schon jede Menge Ideen birgt. Bücher, Bücher überall, außerdem jede Menge Krims und Krams. Was für ein Unterschied zu den üblichen VHS-Klassenzimmern, die zwar ihren Zweck wunderbar erfüllen, aber nicht ein Zehntel so viel Interessantes bieten wie dieser urige Seminarraum. Da konnte ich über wackelnde Tische und eine Heizung im Wochenendmodus glatt hinwegsehen.

Und an einem Ergebnis dieses Kurses möchte ich euch gerne heute schon teilhaben lassen: Wir wurden gleich am Anfang gebeten, uns eine „Gruselidentität“ zu überlegen und zu beschreiben, wer wir denn so sein könnten, wären wir schauerlich veranlagt. Und das bin ich:

Ich bin die Harmlose, Mütterliche, die macht, dass du dich wohlfühlst und ihr vertraust, während sie darüber nachdenkt, wo sie dich am schwersten treffen kann. Ich bin die, die weiß, wo deine weichen Stellen sind, denn davon erzählst du mir, während ich dir einen Tee koche und Kekse auf den Tisch stelle. Das, was du mir anvertraust, verwende ich für meine dunklen Machenschaften. Du bist das Licht, das mir den Weg durch das schwärzeste Dunkel ebnet. Mein Name ist Lunafee.

Hach, die Böse zu sein, macht Spaß 🙂

Flucht aus dem ParaPark

In dieser Woche verbrachte ich mit Freunden einen vergnüglichen Abend im ParaPark in Frankfurt. ParaPark oder auch Escape-Events – wie soll man das beschreiben, ohne allzu viel zu spoilern? Ich versuche es mal und bleibe schwammig …

Bei diesem Spiel geht es darum, aus einem geschlossenen Raum zu entkommen. Natürlich ist der Raum nicht wirklich geschlossen, wenn man möchte, kann man einfach gehen – aber das ist ja nicht der Sinn der Sache. Und im Eifer des Gefechts vergisst man das auch schnell und werkelt herum, als ginge es um Leben und Tod.

Es gibt eine Story, mehr oder minder krude, und jede Menge Spielmaterial. Gespielt – oder sollte ich sagen „gekämpft“? –  wird in Teams von zwei bis sechs Personen, die miteinander arbeiten. Wir waren zu fünft, was eine gute Zahl war: Jeder hatte immer etwas zu tun, konnte mitspielen, aktiv sein. Und jeder konnte sich gemäß seinen Stärken einbringen: Es mussten Schlösser geöffnet und Tresore geknackt werden. Rätsel wurden gelöst, ominöse Gegenstände betrachtet und jedes Teil der Spielumgebung angefasst, umgedreht und betastet. Und doch fanden wir immer wieder etwas Neues.

Spannend war das, denn die Zeit lief gnadenlos ab. Eine Stunde hat man Zeit, wobei die letzten zehn Minuten die längsten sein können. Große Kraft braucht man nicht, aber ein bisschen Grips, jede Menge Kreativität und Spaß am Experimentieren. Wir hatten eine tolle, sehr intensive Zeit und schafften es zu unserer aller Freude, rechtzeitig aus dem Raum zu entkommen. Knapp war es, aber wie heißt es so schön? „Ein gutes Pferd springt kurz!“

 

Stoffel-Zeit

Jeden Sommer ist es soweit: Irgendwann beginnt die vierwöchige Stoffel-Zeit, also das Festival „Stalburg offen Luft“ des Stalburg-Theaters. Diese Veranstaltung findet mitten in der Stadt im Günthersburg-Park statt und ist für die Besucher im Grunde gratis – wenn man einmal von den roten Spendeneimern absieht, die von netten Helfern regelmäßig herumgereicht werden.

In wunderbar entspannter Atmosphäre gibt es täglich zwei bis drei Veranstaltungen, angefangen von der Kinderbelustigung über Konzerte bis hin zu Kabarett und Lesungen. Man platziert sich für diesen Zweck auf den bereitgestellten Bierbänken oder lagert auf einer mitgebrachten Picknickdecke. Getränke und Essen dürfen mitgebracht werden, es gibt jedoch auch eine preiswerte Gastronomie. Das Angebot an Speisen ist nicht groß, aber ausreichend – mir hat gestern meine Bratwurst im Brötchen und später die Käse-Laugenstange ganz prima geschmeckt, und so verführerische Dinge wie Bio-Eis, saure Gurken oder Muffins hätte es auch noch gegeben. Es muss also niemand hungern oder dursten beim preiswerten Kulturgenuss.

Das Besondere am Stoffel ist für mich übrigens wirklich die angenehme Sommerstimmung, die mich jedes Mal überkommt, wenn ich auf den Bänken Platz nehme und meinen sauer gespritzten Apfelwein schlürfe. Das Publikum ist so bunt gemischt und die Laune allgemein so positiv, dass es fast gar nicht mehr darauf ankommt, wie gut das angebotene Programm ist. Man kommt ins Gespräch, mal mit den Tischnachbarn, dann mit dem Brezel-Mann, und hört keine unzufriedene Stimme.

Stoffel 2015

Ich mag das Stoffel einfach. Deshalb hoffe ich auch, dass es das Festival in dieser Form noch recht lange geben wird. Und das trotz einiger Anwohner, die sich aus mir in diesem Fall wirklich unerklärlichen Gründen – die Veranstaltung geht jeweils nur bis 9 Uhr abends – mal wieder gestört fühlen. Und auch trotz der Leute, die sich weigern, etwas in die kleinen roten Eimer zu werfen oder die ihren mitgebrachten Müll in den Park schmeißen. So etwas passiert leider immer wieder, was schade ist und den Veranstaltern unnötig Mühe macht. Nötig wäre es nicht – es gibt reichlich Mülleimer, und was man mitgebracht hat, könnte man doch eigentlich auch wieder einpacken und mit heimnehmen. Aber vielleicht denke ich da mal wieder zu pragmatisch.

Die Geheimwaffe gegen Hitze: Ostfriesentee

„Ist das Tee da in der Kanne?“, fragte vor Jahren mein Vermieter, mit dem ich mich gerade über die Balkonabtrennung unterhielt. „Ja“, sagte ich wahrheitsgemäß und nickte wenig später auch zu der Frage, ob es tatsächlich heißer Tee sei. Ich trinke meinen geliebten Ostfriesentee zwar auch kalt, aber heiß ist er mir deutlich lieber – auch im Sommer. Denn die Weisheit: „Was gegen Kälte hilft, hilft auch gegen Wärme“ trifft darauf ganz besonders zu.

Ostfriesentee ist etwas Feines: Gemischt aus diversen kräftigen (Assam-)Teesorten, schmeckt er kräftig und hat je nach Ziehzeit eine unterschiedliche Wirkung: Lässt man ihn nur kurz ziehen, hat er durch das enthaltene Koffein (früher sagte man auch Teein) eine anregende Wirkung. Lässt man ihn länger ziehen, löst sich die enthaltene Gerbsäure, der Tee wird etwas bitterer, bekommt dafür aber eine beruhigende Wirkung auf Magen und Gemüt.

Ostfriesentee

Mein Abendtee in doppelwandiger Kanne. Der Teebecher stammt von der Inseltöpferei auf Juist

Vor einigen Jahren dachte ich mal, ich müsste mit Tee experimentieren: Ich kaufte Ceylon- und Darjeeling-Tees, obwohl ich es hätte besser wissen müssen: Denn diese milderen Sorten sind einfach nichts für meine Zunge, da schmeckt mir Kamillentee spannender. Nach kurzer Lernphase kam ich zu meinem Ostfriesentee zurück. Manchmal gehe ich noch mit aromatisierten Sorten fremd: Vanille und Kirsche sind dann meine Favoriten. Auch das ist wahrscheinlich meiner Jugenderfahrung geschuldet: Diese beiden Sorten waren nämlich in den 80er Jahren furchtbar „IN“, als ich mit meiner Freundin Birgit literweise Tee trank und wir dabei erste Frauengespräche führten.

Derzeit gibt es bei mir einen grob geschnittenen „Sonntagstee“ der Firma Onno Behrends. Ich bin nicht auf eine Teemarke festgelegt, kaufe aber immer einen guten Ostfriesentee. In meiner Zeit in München war der gar nicht so leicht zu bekommen: Im normalen Supermarkt gab es lediglich eine „Kräftige Schwarzteemischung“, die zwar trinkbar, aber doch eine Notlösung war. Meine Lieblingssorten, den Thiele Silber, das Bünting Grünpack oder den Sonntagstee von Onno Behrends, gab es mit etwas Glück für einen Fantasiepreis in den Feinkostabteilungen der Kaufhäuser. Dabei ist doch klar, dass Ostfriesentee keine Feinkost ist, sondern ein Grundnahrungsmittel. Ich begann, meinen Tee aus Norddeutschland zu importieren. Inzwischen hilft Amazon mir aus dieser Malaise.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich meinen Tee inzwischen nicht mehr auf die traditionelle Art trinke, sondern etwas barbarischer: vermixt mit einem kleinen Schuss H-Milch, aber ohne Zucker und aus einem soliden Becher. Aufgewachsen bin ich noch mit zierlichen kleinen Tassen und einer gemusterten metallenen Ostfriesenkanne (die ich in meinen Besitz gerettet habe). Mindestens drei Tassen Tee werden getrunken, weniger sollte auch in einem Café nicht in der Kanne sein, in der der Ostfriesentee serviert wird. Die Touristen lieben das: Loser Tee (inzwischen zumeist im Beutel oder Säckchen) in einer Kanne auf einem Stövchen, dazu Kluntjes und Sahne für das Wulkje. Mir ist das zuhause zu viel Gedöns, obwohl ich natürlich alles für eine ostfriesische Teezeremonie zuhause habe – einschließlich Rumkandis für kalte Tage. Die soll es ja auch geben.

Nachtrag: Ich bin übrigens keine Ostfriesin, sondern komme aus dem Ammerland. Das macht nicht viel Unterschied, ich wollte es nur der guten Ordnung halber erwähnt haben.