Rockin the Blues!

Rockin the Blues, Batschkapp

Gestern war ein besonderer Abend: Die ewige Antje und ich waren auf einem Bluesfestival in der Batschkapp. Drei Musiker nebst Bands und Gast gaben sich die Ehre und ich muss sagen, ich habe schon lange, vielleicht sogar noch nie, ein Konzert mit derart viel „Bumms“ erlebt.

Den Anfang machte Gary Hoey mit Band. Vom ersten Ton an ging es zur Sache – unglaublich, wie drei kleine Musiker eine doch recht große Halle ausfüllen können. Virtuoses Gitarrenspiel, Gesang und eine gesunde Portion Humor machten Spaß und Lust auf mehr.

Der zweite auf der Bühne war der junge Quinn Sullivan, der ganz gewiss ein Ausnahmetalent ist. Er kam poppiger daher als sein Vorgänger, aber nicht weniger kunstfertig.

Quinn Sullivan

Und als dritter kam Eric Gales an die Reihe, ein echter Gitarrenkünstler, der es leider nicht lassen konnte, die werte Gemeinde über sein schweres Leben und so aufzuklären. Doch die Musik war klasse – wieder ganz anders als bei den beiden zuvor.

Als Gast kam Lance Lopez auf die Bühne, der mit der Band von Eric Gales spielte. Das Finale wurde nahtlos, ohne weitere Umbaupause, eingeläutet und ehe man sich versah, waren alle vier Gitarristen gemeinsam auf der Bühne. So viel Rhythmus, so viel Power – man wurde ganz besoffen davon. So bekam das Konzert seinen würdigen Abschluss. Das unten eingebundene YouTube-Video stammt von einem Auftritt aus Dortmund.

Gary Hoey

Abgesehen von der fantastischen Musik gab es natürlich auch sonst noch allerhand zu beobachten: Eine gute Akustik in einer Halle, die sich nicht sofort überheizte – prima. Trotz der Lautstärke hatte man also nicht das Gefühl, dass einem das Trommelfell platzt. Ausreichend Getränkestände und moderate Apfelweinpreise – auch gut. Und ein begeistertes Publikum mit der überwiegenden Haarfarbe Grau. Mir ist bewusst, dass Blueshörer oftmals schon etwas ältere Semester sind, aber hey, Kinnings, ihr verpasst echt was, wenn ihr da nicht hingeht. Solche Musik kriegt man nicht oft geboten.

Fazit: Normalerweise neige ich ja nicht unbedingt zur Euphorie. Doch dieses Konzert war schon etwas ganz Besonderes. Es hat Spaß gemacht und obwohl es recht lange ging und ich irgendwann Plattfüße und Rücken hatte, war es das wert. Und auch wenn um mich herum alle grau waren, fühlte ich mich jung und dynamisch. War das geil!

Diorama in der Schirn

Schirn, Diorama, Pilze

Durch ein kleines Guckloch in der Wand sah man diese Pilze. Magisch, oder?

Auch wenn ich generell mit bildender Kunst nicht besonders viel anfangen kann, gebe ich ihr immer mal wieder eine Chance. Daher war ich heute mit der ewigen Antje mal wieder in der Schirn in Frankfurt, wo noch bis zum 21. Januar die Ausstellung „Diorama“ läuft. Dioramen sind Schaukästen, in denen Szenen oder Welten dargestellt sind. Ein wichtiger Bestandteil sind detailreiche Malereien, die dem Werk Tiefe geben, und auch verschiedene Beleuchtungen helfen, die Illusion zu perfektionieren. Häufig wurden und werden diese Kästen in Museen genutzt, es gibt jedoch auch etliche andere Einsatzmöglichkeiten für die Gemälde und Modelle.

Schirn, Diorama, Vesuv

Der Ausbruch des Vesuvs 1 – Dämmerung

Dieses Mal hat mich die Ausstellung in der Schirn nicht enttäuscht, ich war im Gegenteil sehr angetan davon. Das mag daran liegen, dass diese Kunst einen Nutzen hat, als pragmatisch veranlagtem Menschen kommt mir soetwas sehr entgegen. Natürlich gab es auch dieses Mal einen Raum, in dem sonderbare Dinge ausgestellt waren, die für mich alle Vorraussetzungen für eine Abholung als Sperrmüll erfüllten, doch das ist sicher Geschmacksache.

Diorama, Widder

Der Widder ist mein Sternzeichen. Deshalb wunderte ich mich gar nciht, dass dieses Exponat besonders klug guckte.

Vieles wirkte enorm vertraut: Die Kästen mit den Tieren in nachgestellten Lebensräumen (zu empfehlen auch ein kleiner „How-To-Film“ aus den 50er Jahren, in dem der Bau eines Schaukastens mit Teich, Kranichen und Schuhschnabel gezeigt wurde) kennt man aus Museen, einige Kästen erinnerten an Puppenstuben und die altmodischen Guckkästen hatte man auch schon einmal gesehen. Uns faszinierte jedoch bei vielen Exponaten der enorme Detailreichtum.

Mein Lieblingsstück war ein gemalter Vulkanausbruch im Tagesverlauf – mal war die Hafenszenerie sonnendurchflutet, dann begann es angsam zu dämmern, irgendwann dominierte der Vulkan das Geschehen. Und irgendwann ging die Sonne wieder auf, ein Wolf heulte und das Ganze begann von vorn. Kitschig, ja, aber sehr gekonnt umgesetzt und schön.

Die Ausstellung ist nicht riesig – das gibt die kleine Schirn ja auch gar nicht her. Wie immer fand ich diese Sonderausstellung mit 9 Euro zu teuer, so bringt man die Leute sicher nicht dazu, öfter ins Museum zu gehen. Wir machten mal wieder die Billigheimer und gingen mit einem Rabattcoupon für die Hälfte rein. Knapp anderthalb Stunden hielten wir uns auf und waren damit sicherlich mit die Langsamsten. Es gab aber auch wirklich etwas zu gucken.

Schirn, Diorama, Vesuv

Der Ausbruch des Vesuvs 2 – jetzt ist es schon dunkel

 

Nachbemerkung: Nach der Ausstellung bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt. Und da bemerkten wir plötzlich überall kleine oder größere Dioramen. Besonders viele waren im Schaufenster einer Konditorei zu sehen, wo es diverse Bäckereiszenen oder Miniatur-Kuchentheken zu sehen gab. Jetzt, da die Dinger einen Namen für mich haben, fallen sie mir scheinbar öfter auf.

Die 12 Geschworenen

Im Rahmen meiner Filmguckrunde, die sich in unregelmäßigen Abständen zum „Bildungsfernsehen“ trifft, sehen wir uns ganz unterschiedliche Filme an. Dabei vermeiden wir das Mittelmaß: Die Filme, die wir uns aussuchen, sind entweder richtig gut oder grottenschlecht, oder auch irgendwie speziell. Alles hat seine Berechtigung, und der Kaffeeklatsch, der unabdingbar dazu gehört, rundet die Sache immer sehr schön ab. Kürzlich sahen wir einen meiner Lieblingsfilme:

Die 12 Geschworenen

Die 12 GeschworenenEines vorab: Es gibt von diesem Stoff mehrere Verfilmungen. Wir sahen die Version von 1957, die im Jahr darauf diverse Auszeichnungen gewann, darunter den Oscar für den besten Film, die beste Regie und das beste adaptierte Drehbuch.

Darum geht es:

Ein amerikanischer Mordprozess: angeklagt ist ein junger Mann, der seinen Vater umgebracht haben soll. Der Prozess ist schon fast zuende, die Geschworenen ziehen sich ins Geschworenenzimmer zurück, um über Schuld oder Nichtschuld zu beraten. Es ist Hochsommer, im Raum ist es brüllend warm, die meisten der ausschließlich männlichen Geschworenen möchten nur eines: Schnellstmöglich nach Hause. Also wird ohne große Beratung abgestimmt, schuldig oder nicht schuldig? 11 der Männer sind für schuldig, nur einer stimmt dagegen. Und das nicht, wie er selber einräumt, weil er von der Unschuld des jungen Mannes überzeugt ist, sondern weil er sich die Zeit nehmen möchte, alle vorgelegten Beweise noch einmal ausgiebig zu würdigen. Gleiches verlangt er auch von den anderen Männern, denn seiner Meinung nach ist es fahrlässig, innerhalb weniger Minuten eine Entscheidung zu treffen, die in einem Todesurteil enden würde.

Es entwickelt sich ein spannendes Hin und Her mit vielen Diskussionen, gegenseitigen Anschuldigungen und Frontenbildung. Beweise werden widerlegt oder zumindest angezweifelt, Motive in Frage gestellt. Dabei geht es irgendwann nicht mehr um das Motiv des Angeklagte, sondern auch um das, was die Zeugen oder die Jurymitglieder antreiben könnte.

Das ist das Besondere:

Der Film entwickelt eine starke Dynamik und ist unglaublich spannend. Das ist insofern ungewöhnlich, als das im Grunde nicht viel passiert. Die ganze Handlung findet in dem kleinen Geschworenenzimmer statt, keine Actionszenen, keine Verfolgungen, keinerlei andere Bestandteile, die einen derartigen Film sonst kennzeichnen. Er lebt von der Darstellungskraft der sehr gut ausgewählten Schauspieler und dem hervorragenden Drehbuch.

Allerdings bietet der Film keine einfachen Lösungen an. Schuld oder Unschuld, das wird hier nicht entschieden. Es geht um Vorurteile, Vorverurteilung und Diskriminierung. Und auch darum, dass ein vollstrecktes Todesurteil keine Revision zulässt. Es wird über einen Menschen gesprochen, der es, auch wenn alles gegen ihn spricht, verdient hat, dass man sich Zeit für ihn nimmt.

Was gibt es sonst noch:

Auch dieser Film ist für mich eine spannende Zeitreise. Diese etwas verstaubt wirkenden Herren mit ihren Hüten und Krawatten, die förmliche Art, wie sie miteinander umgehen – das alles wirkt sehr weit weg. Und doch ist es gerade mal 60 Jahre her.

Literaturnobelpreis 2017 – gut gemacht!

Ich muss gestehen, dass ich keine große Freundin der Literaturnobelpreisträger der letzten Jahre bin. Gut, nicht von allen habe ich etwas gelesen. Einige habe ich gelesen und fand sie … merkwürdig. Andere … schaurig. Den Preis für Bob Dylan im letzten Jahr fand ich mutig – immerhin. Und seit vielen Jahren sagte ich immer mal wieder: „Ich würde den Preis Kazuo Ishiguro geben.“ Nun haben sie also auf mich gehört – geht doch. Es wurde wirklich Zeit, dass dieser wunderbare Autor, dieser Zauberer der Sprache und mächtige Prosa-Poet entsprechend gewürdigt wird.

Nun will ich mich aber nicht nur der groupiehaften Schwärmerei hingeben, sondern auch ein Buch von Kazuo Ishiguro vorstellen. Ich glaube, dass ich alle seine Bücher, die auf Deutsch erschienen sind, gelesen habe. Bereits besprochen habe ich vor einer Weile das schöne „Was vom Tage übrig blieb“. Etwas ganz anderes ist die Nummer zwei auf meiner Ishiguro-Favoritenliste, das noch recht neue Buch

Der begrabene Riese

Dieses Buch habe ich mir tatsächlich mal als Hardcover gekauft

Darum geht es: Es ist nicht so einfach, diesen Roman zu beschreiben, ohne allzu viel zu spoilern. Die Handlung ist im 6. Jahrhundert angesiedelt, einem ohnehin schon dunklen Zeitalter, in dem zu allem Überfluss auch noch ein alles verwischender Nebel über den Erinnerungen der Menschen liegt. Aberglaube und Dämonenangst beherrschen die Gedanken der einfachen Leute. Auch Axl und Beatrice, zwei alte Bauern, die sich irgendwann aus ihrem Dorf aufmachen, um den Sohn zu besuchen, unterliegen vielen Ängsten und vor allem Unsicherheit: Wann ging der Sohn fort und warum? Wohnt er wirklich in einem der Nachbardörfer, kennen sie den Weg dorthin? Und haben sie überhaupt einen Sohn gehabt? Sie wissen es nicht genau, die Vergangenheit liegt im Dunklen.

Nicht nur die beiden Alten scheinen viel vergessen zu haben. Auch bei allen anderen Menschen, die sie treffen, liegt vieles im Nebel. Einig sind sie sich nur darüber, dass sie vorsichtig sein müssen, leise – bloß den Drachen nicht wecken.

Auf dem Weg, dessen Ziel sie nicht kennen, entdecken Axl und Beatrice einander neu, ohne sich der Bedeutung dessen, was sie erfahren, wirklich bewusst zu sein. Kennen sie einander wirklich? Lieben sie einander überhaupt? Wer ist Axl, der klapprige Alte, den fremde Menschen so furchtsam ansehen? Bedeckt der Nebel mehr als nur die feuchtkalte Landschaft? Und ist er Fluch oder Segen?

Das ist das Besondere: Eine ganze Weile weiß man nicht, was dieses Buch eigentlich ist: Märchen, Historienschmöker mit Fantasyeinschlag, oder was? Der Nebel des Vergessens liegt über allem, und man begreift, dass er nichts anderes bedeutet als die Verdrängung einer furchtbaren Vergangenheit. Nur durch Vergessen ist es den Menschen möglich, weiterzuleben und einen brüchigen Frieden aufrecht zu erhalten. Furchtbare Dinge sind passiert, sie wurden begraben und niemand möchte sie wirklich wieder ans Licht zerren. Dieses Leben im Nebel und in ständiger Ungewissheit ist zwar nicht schön, aber die Angst vor dem, was zum Vorschein kommt, wenn er sich lichtet, packt auch den Leser irgendwann.

Die Sprache des Romans ist in vielen Teilen den beiden Alten angemessen, viele Wiederholungen bringen schnell einen gewissen Rhythmus. Auf poetische Weise befasst Kazuo Ishiguro sich mit dem Grauen, dem Überleben und der Frage nach den Tätern – sollten sie tatsächlich ganz harmlos aussehende Menschen sein? Aufarbeiten oder besser verdrängen und weiterwandern? Axl und Beatrice wandern – bis es nicht mehr weitergeht. 

Was gibt es noch? Ich fand das Buch nicht ganz einfach zu lesen. Zum einen ist das Thema keine leichte Kost, zum anderen gingen mir die beiden schusseligen, starrköpfigen Alten am Anfang ein wenig auf die Nerven. Trotzdem entwickelte der Roman für mich eine enorme Sogwirkung – ich wollte einfach wissen, was da los ist. Es hat sich gelohnt.

Höchst Bluesig

Es gibt ja so Tage, an denen hat man zu nichts Lust. So einer war der letzte Sonntag. Die Woche war lang und stressig gewesen, viel zu wenig Zeit zum Entspannen und einfach mal dumm gucken. Und jetzt Blues, fünf Bands, und das in Höchst – wollten wir da wirklich hin? Musste das sein? Nein, es musste nicht, aber die ewige Antje und ich wollten. Zum einen, weil wir Karten gekauft hatten, zum anderen, weil wir gar nicht erst damit anfangen wollen, aus lauter Faulheit auf der Couch zu bleiben. Noch nicht – dafür sind wir noch viel zu jung. Also rissen wir uns zusammen und enterten pünktlich um 14 Uhr die Höchster Schlossterrasse. Dieses Programm wartete auf uns:

Frankfurt Höchst – was ist das eigentlich nochmal? Dieser komische Stadtteil mit dem grauslichen Bahnhof und den Farbwerken, wegen denen es angeblich manchmal bunt regnet? Diese seltsame kleine Innenstadt, die nicht besonders viel zu bieten hat? Ein bisschen Altstadt, wirklich hübsch, und ein Schloss – und sonst noch was? Oh ja …

In Höchst gibt es Kultur. Seit Jahren besuchen wir regelmäßig das Neue Theater mit seinen vielen guten Kabarettvorstellungen und Konzerten. Bislang unbeachtet ließen wir die Veranstaltungen, die unter dem Namen „Sommernach am Schloss“ zusammengefasst werden – der Sommer ist ja auch nicht unbedingt Theaterzeit. Dieses Mal besuchten wir eine Kabarett-Gesangs-Veranstaltung und es war prima. Und jetzt also „Höchst Bluesig“.

Schloss Höchst unter dramatischem Himmel – was für eine Aussicht von der Terrasse

Als wir eintrafen, ging erste Konzert gerade los und was wir hörten, gefiel uns extrem gut. Noch war wenig los, wir holten Getränke und setzten uns auf einen Premium-Platz, soll heißen, auf eine Bierbank mit Ausblick auf den Main. Insgesamt beglückte man uns an diesem Tag mit fünf Bands, die jeweils eine gute Stunde spielten. Über sechs Stunden Musik für 11 Euro – wenn das mal nicht ein unglaubliches Preis-Leistungs-Verhältnis ist.

Doch trotz des günstigen Preises wollten die Frankfurter nicht so recht anbeißen, die Veranstaltung war leider eher dünn besucht. Besonders die erste und die letzte Gruppe spielten vor ziemlich leeren Bänken, und das hatten sie nicht verdient. Denn die Musik war wirklich toll, es gab nicht eine Band, die uns nicht gefiel. Ich mag ja diese handgemachte Musik, bei der man den Musikern nicht nur anmerkt, dass sie ihre Instrumente beherrschen, sondern auch, dass sie mit Leidenschaft bei der Sache sind.

Die Höchst All Stars – Blues vom Feinsten und an diesem Tag meine Favoriten

Das Allerschönste war für mich aber, natürlich neben der guten Musik, die entspannte, „chillige“ Atmosphäre. Alle waren gut gelaunt, die Kullisse war sehenswert und trotz des dramatischen Wolkenhimmels war es angenehm warm, mit leichtem Wind. Zu Essen und zu Trinken gab es reichlich, ebenfalls zu Preisen, bei denen keiner meckern konnte. Einigermaßen barrierefrei war es auch, es gab sogar ein lustiges Behindertenklo in einer Holzkiste.

Aussicht von der Schlossterrasse

Alles in allem war es ein wunderschöner Tag und wir waren froh, uns aufgerafft zu haben. Die Auswahl der Bands war sehr gut, das Publikum nett, die ganze Veranstaltung war rund und wirkte liebevoll organisiert. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr und hoffe, dass dann ein paar mehr Besucher kommen. Macht euch auf, liebe Frankfurter, kommt nach Höchst – es lohnt sich!

(Und wen das alles immer noch nicht reizt, der kann ja vielleicht noch an Blumen schnuppern – die gibt es da nämlich auch!)

Rose

Fässer, Flaschen, Gärung und Sekt

Gestern Abend war ich mit Freundin Frauke mal wieder in Sachen „Bildung und Kultur“ unterwegs. Soll heißen, wir hatten über die Frankfurter Stadtevents eine Führung bei der Sektkellerei Henkell mit Kostproben und Häppchen gebucht. Schon die Eingangshalle nebst Kronleuchter beeindruckten mich sehr.

Wir lernten, dass dieses historische Gebäude zwar früher die Produktion und alle anderen Firmenräume beherbergt hatte, es aber nie der Wohnsitz der Familie war. Vielmehr diente es repräsentativen Zwecken – man wollte also beeindrucken. Heute finden in dieser Eingangshalle noch Konzerte und Feste statt, auch kennt man sie aus diversen Werbespots, von denen wir später einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekamen.

Von der Eingangshalle aus ging es sieben Stockwerke nach unten in den Keller. Hier gab es Einiges zu sehen, vor allem aber: Fässer.

Weinfass, Sektkellerei Henkell

Obiges Fass ist nur eines von Vielen, und es ist ein kleines Fass – also ein Fässchen. Weiter hinten kamen welche, die über 200.000 Liter fassen sollten, und auch diese waren nach Aussage unserer Begleiterin klein im Vergleich zu denen, die aktuell in der Produktion benutzt werden. Die Produktion ist inzwischen in ein moderneres Nebengebäude umgezogen, doch noch immer sind die Fässer im alten Keller einsatzbereit, um hin und wieder einen kleinen Schoppen Wein zwischenzulagern. Alles intakt und lebensmittelhygienisch einwandfrei, versicherte man uns, wobei ich zugeben muss, dass ich über diese Frage bis dahin gar nicht nachgedacht hatte.

Gang mit Fässern

Wie bekamen allerhand über die Produktion von Sekt zu hören: Z. B. dass in einem Sekt teilweise 55 verschiedene Weine enthalten sein können, um einen gleichbleibenden Geschmack hinfummeln zu können. Wir hörten von Jahrgangs- und Rebsortensekt, Anbaugebieten und Herstellmethoden. Besonders auf die Unterschiede der Flaschen- und Fassgärung wurden wir immer wieder hingewiesen, außerdem auf die verschiedenen Zuckergehalte der verschiedenen Erzeugnisse.

Modell zur Erläuterung von Flaschengärung

Auch einen kleinen Blick in die Produktin durften wir werfen, hier sahen wir massenweise Flaschen mit melodischem Klirren über Bänder rattern. Dieser Teil war jedoch kurz und weniger interessant, ausßerdem durfte man nicht fotografieren.

Zum Schluss gab es noch einige Sektsorten zu probieren: Wir bekamen einen spanischen Cava, einen Champagner sowie einen Prosecco. Dabei sollten wir jeweils herausfinden, wie viel Zucker dieses Produkt wohl noch hat (darin war ich schlecht) sowie anhand des „Perlenspiels“ beurteilen, ob es sich um eine Flaschen- oder Fassgärung handelt (darin war ich noch schlechter). Ich fand nur heraus, dass mir der verhältnismäßig günstige Prosecco am besten und der teure Champagner am wenigsten schmeckte – auch eine Erkenntnis. Den als „Mitgebsel“ erhaltenen Piccolo mit deutschem Sekt habe ich bislang noch nicht probiert.

Historische Weinkelche

Alles in allem waren es kurzweilige und lehrreiche zwei Stunden, die mit 15 Euro nicht zu teuer bezahlt waren. Ich trinke zwar noch immer lieber Wein als Sekt, aber das Abschlagen eines Flaschenhalses mit einem Schwert würde ich trotzdem gerne mal ausprobieren.

Altes Handwerk – Bonbonkocherei

In Eckernförde verbrachten Kerstin und ich einen wunderschönen Tag. Das Wetter spielte mit, wir bummelten lange am Hafen und der Promenade herum und schlenderten zum Schluss noch ein wenig durch’s Dorf. Eigentlich waren wir, müde von Sonne, Eis und Fischbrötchen, schon wieder unterwegs zum Auto, als wir beinahe über einen Wegweiser fielen. In einem Hof fanden wir die

Wir zögerten nicht lange und enterten den Laden. Hier fand sich eine Art öffentliche Schauküche sowie viele, viele Sorten Bonbons. Und wir hatten Glück: Es wurden gerade grünliche Kräuterbonbons hergestellt, die nach Anis und irgendwie gesund rochen. Wir drückten unsere Nasen neugierig an die Glaswand und sahen zu: kneten, kneten, was einstreuen, wieder kneten, drücken, ausrollen, noch was einstreuen, kneten, kneten, formen, irgendwann dann portionieren und durch eine Rollmaschine fahren lassen. Heraus kamen lange Bänder mit Bonbons, die zum Abkühlen auf den Stahltisch gelegt wurden.

Das Ganze war übrigens Teamwork, die Herren waren zu zweit, was besonders beim durch die Maschine rollen der Bonbons wichtig zu sein schien: Einer kurbelte, der andere fing den Segen auf und erklärte uns nebenbei, was er tat und warum. Und während ich noch grübelte, wie man aus diesen Bonbonbändern nun leckere Lutschbonbons machen wollte, zeigte man uns, dass die abgekühlten Drops mit einer Metallschaufel in eine Art Rüttelsieb gegeben und dort auseinandergerüttelt werden. Die überstehende Zuckermasse wird dabei abgeschüttelt und weggesiebt – aha! Ich fand übrigens, dass die gerüttelten Bonbons einen enormen Lärm machten – das hätte ich so nicht erwartet.

Interessant fand ich auch die verschiedenen Formen, in die die Bonbons gepresst werden können: Es gab viele unterschiedliche Rollen zu sehen.

In Eckernförde sind natürlich besonders die „Sprotten“ beliebt, schließlich ist man an der Ostsee. Aber auch die anderen Formen konnte man im Laden finden. Und dem Laden widmeten wir uns noch sehr ausgiebig: Es gab jede Menge Frucht- und Kräuterbonbons, außerdem Lakritze, Pfefferminze und Karamell. Natürlich braucht man nicht unbedingt handgemachte Bonbons zu drei Euro das Mini-Tütchen, aber ich habe trotzdem welche ausgesucht – als Mitbringsel für meine Lieben in Norddeutschland. Und eine Mischtüte Karamell gab es auch noch, man war schließlich im Urlaub. Kerstin hingegen schlug bei der Lakritze zu – eine Leidenschaft, die mir immer unverständlich bleiben wird.

Pfefferminzsprotten, Fruchtsprotten und Pflaume-Vanille-Blätter

Wieder zuhause, wollte ich mal gucken, ob jemand anderes schon einmal etwas über diese Bonbonkocherei gepostet hat. Ich hatte nämlich so vage im Gedächtnis, dass ich vor vielen Jahren mal etwas über handgemachte Bonbons im Fernsehen gesehen hatte – vielleicht in der Sendung mit der Maus, oder war es Löwenzahn? Den Bericht von damals fand ich nicht, dafür aber einen kleinen Film, der den Produktionsprozess noch einmal zeigt – und das sogar in zwei Farben!

Und der langen Rede kurzer Sinn ist ein ganz einfacher: Wer mal nach Eckernförde kommt, sollte unbedingt mal in der Bonbonkocherei hereingucken. Es gibt etwas zu sehen, und das ganz für umsonst. Und, nebenbei bemerkt: Barrierefrei ist der Laden auch. 🙂

Kugeleien im Hessenpark

Zum ersten Mal besuchte ich am letzten Tag im April den Hessenpark. Es war Kaiserwetter und die ewige Antje und ich hatten etwas Befürchtungen, dass wir im Park von Menschenmassen niedergetrampelt werden würden. Doch zu unserer Überraschung war es bei Weitem nicht so voll wie befürchtet – wir konnten überall gut gucken. Und in dem großen Park verläuft sich die Menge ja auch.

Kirche, Hessenpark, Kugelfoto

Ich hatte wieder die kleine Fotokugel dabei, schließlich wollte ich noch üben. Hier gab es etliche reizvolle Motive und vor allem auch feste Untergründe für meine Kugel. Jeder gerade Zaunpfahl wurde mein Freund. So entstanden zwei verschiedene Ansichten dieses kleinen Kirchleins – mal mit, mal ohne Weg. Und mal mit dem Himmel oben, mal unten.

Auch allerhand Getier gibt es im Hessenpark, man bemüht sich hier um die Erhaltungszucht alter Haustierrassen, was ich sehr gut finde. Allerdings drehten mir die ollen Ziegen gerne ihr Hinterteil zu und die Esel hatten keinen geraden Zaunpfahl. So mussten also die Schafe herhalten …

Das wunderbare Wetter ließ die Wiesen richtig schön strahlen – ein dankbares Motiv für jeden, der gerne fotografiert. Und wenn die Ziegen vor mir weglaufen und beharrlich in die andere Richtung gucken, dann hängt der Himmel halt mal unten.

Schön fand ich am Hessenpark, dass er unterschiedliche „Zonen“ hat: Es gibt Ecken, wo nur ab und zu mal ein Haus steht und man gemütlich zwischen Wiesen oder Weihern herumspaziert, und es gibt ein richtiges Dorf und einen belebten Marktplatz.Das letzte Foto war eines für Faule: Gemütlich bei Kaffee und Rhabarberkuchen sitzend, konnte ich über einen Platz hinweg ein Haus knipsen.

Mein Lieblingsbuch – Der Seewolf

Der Seewolf, TaschenbuchBeim ARS-Stammtisch sprachen wir über unsere Lieblingsbücher. Gar nicht so einfach, sich da für eines zu entscheiden. Ich schwankte zwischen dem Klassiker „Schachnovelle“, dem kunterbunten Indienroman „Palast der Winde“ und meinem geliebten „Es begann im Regen“, einer kitschigen Liebesschnulze, die ich immer lese, wenn ich krank bin. Doch dann landete ich bei Jack Londons „Der Seewolf“.

Dieses schon 1904 erschienene Buch übt auf mich eine ungeheure Faszination aus. Ich mochte es schon in der Jugendausgabe, die fast bis zur Unkenntlichkeit gekürzt und so auf ein reines Seefahrtsabenteuer reduziert wurde. Als ich dann das erste Mal die Gesamtausgabe las, mit all ihren philosophischen Gedanken, war ich wie erschlagen. Und das liegt nicht nur an der Geschichte, die zwar spannend, aber nicht ungewöhnlich ist, sondern an der Figur des Kapitäns: Wolf Larsen, der Seewolf. Man spürt die Angst, die dieser Kapitän unter seiner Mannschaft verbreitet, auf jeder Seite. Nach jedem Lesen begleiten mich seine Gedanken, so roh und unmenschlich sie auch sein mögen, tagelang. Daneben verblasst der Ich-Erzähler Humphrey, obwohl er um ein Vielfaches gebildeter und menschenfreundlicher ist als der Seewolf. Auch wenn Humphrey am Ende überlebt und der Seewolf an einer Krankheit stirbt, also bei Weitem nicht so unverletzlich ist, wie er erscheinen möchte, ist es doch der böse Charakter, der mich in seinen Bann zieht. Dieses Buch wirkt lange nach und bietet bei jedem Lesen nochmal etwas Neues.

Der Seewolf, DVDAnmerken möchte ich noch, dass es von dieser Geschichte sehr viele Ausgaben und Versionen gibt: Bücher, Hörbücher und Verfilmungen in unterschiedlichster Werkstreue und Qualität. Die für mich interessanteste Verfilmung – wenngleich meilenweit von der Buchvorlage entfernt – ist die aus den 70er Jahren mit dem wunderbaren Raimund Harmstorf als Wolf Larsen. Denn so, genau so stelle ich mir den Seewolf vor. Und das liegt nicht nur an der legendären Kartoffel!

(Dieser Artikel erschien vor einiger Zeit bereits sehr ähnlich auf dem Blog von ARS (Autoren Rhein-Main Szene) – schaut doch mal rein)

Fire and Salt – ein unerwarteter Spaß

Am Mittwoch war also mal wieder Sneak Preview mit Maike. Vor der Vorstellung überlegten wir, was wir wohl zu sehen bekämen. Wie fast immer waren wir uninformiert darüber, was überhaupt in den nächsten Wochen anlaufen würde, so dass wir es einfach auf uns zukommen ließen. Und das war gut so, denn von der Perle, die man uns dann präsentierte, habe ich noch nie zuvor gehört.

Ich habe übrigens vor, hemmungslos zu spoilern und meine Meinung kundzutun – wer den Film also noch sehen möchte, möge sich gut überlegen, ob es nicht besser wäre, hier mit dem Lesen aufzuhören.

Kakteen spielten auch eine kleine Rolle. Bild zur Verfügung gestellt worden von Axel Schwalke / http://www.pixelio.de

Der Vorstellung ging auch dieses Mal nach einigem Vorgeplänkel los und wir guckten neugierig auf die eingeblendete Filmfirma. Unbekannt. Verdächtig erschienen allerdings die ganzen „Filmförderungs-Logos“ – das roch nach Kunst. Und dann die Aufklärung: „Ein Werner Herzog-Film“. Drehbuch und Regie Werner Herzog – aha. Das ist doch ein ganz Bekannter, dachte ich, und war gespannt, was nun kommen würde. „Thriller“, stand auf der Leinwand, und dann „Veronika Ferres“. Nochmal aha.

Um ehrlich zu sein, sehe ich Veronika Ferres recht gerne, wenn sie ein gutes Drehbuch hat, ist sie in meinen Augen eine wirklich gute Schauspielerin. Die Zuschauer sahen das offenbar anders, der Name löste keine Begeisterungsstürme, sondern eher allgemeines Stöhnen aus. Ich stöhnte auch, hinterher, was allerdings weniger an Frau Ferres lag als vielmehr an den unglaublich dümmlichen Texten und Handlungen, die man ihr auferlegt hat. Dagegen konnte sie nicht anspielen – niemand hätte das gekonnt.

Aber fangen wir von vorne an: Die Grundidee des Films fand ich wirklich gut. Eine internationale Delegation von drei Wissenschaftlern reist in ein südamerikanisches Land, um über eine Umweltkatastrophe zu berichten, und wird schon am Flughafen entführt. Das war soweit alles recht schlüssig, auch wenn die Personen einigermaßen blauäugig in ihr Verderben stolperten: Gepäck verschwunden, der abholende Partner war ein ganz anderer als angekündigt, der Tagungsort war plötzlich auch ganz woanders, bitte steigen Sie in diese Maschine – ja, klar, warum nicht. Kann man so machen, sollte man aber nicht. Aber gut, Film ist Film, wir nahmen das so hin. Dann wurde es jedoch langsam, aber sicher, völlig absurd.

Nach einem wilden Kampf in der Flughafenhalle – besonders tat sich Herr Doktor Meier hervor – wurde die Gruppe getrennt und in Autos verfrachtet. Man fuhr mit mehreren Fahrzeugen zu einer Villa. Die beiden Herren der Delegation waren für den Fortgang der Geschichte ganz offensichtlich überflüssig, die hatte man nur gebraucht, um den Anfang des Films ein wenig auszupolstern. Folglich speiste man die beiden Doktoren mit vergifteten Fladen und in der Zeit, die Frau Doktor Sommerfeld benötigte, um unter Protest – „Ich verlange sofort freigelassen zu werden!“ – eine Tasse Tee zu trinken, bekamen ihre Begleiter den Durchfall des Jahrhunderts und verschwanden in den sanitären Anlagen ihres Gefängnisses. Frau Doktor wurde in ein gemütliches Zimmer gesperrt, spähte aus den vergitterten Fenstern, fand sich gut bewacht und machte erst mal ein Selfie – denn ihr Tablet hatte sie immer dabei. Diese Selfie-Leidenschaft der bedauernswerten Geisel sorgte selbst bei den größtenteils jungen Zuschauern immer wieder für Lacher.

Der Thriller nahm seinen Lauf: Frau Doktor unterhielt sich mit einem maskierten Geiselnehmer, offenbar dem Boss der Entführung. Der nahm recht früh die Maske ab und gab sich als Chef der Firma zu erkennen, die die Umweltkatastrophe verursacht hatte – natürlich vor seiner Zeit. Trotzdem wurde der arme Mann, dem man die Seelenqualen im gemarterten Gesicht in jeder Szene ansah, von seinem Gewissen geplagt. Was das mit der Entführung sollte, erschloss sich mir trotzdem nicht, und auch Frau Sommerfeld musste immer wieder nachfragen: „Was wollen Sie von mir?“ Ja, das hätten wir auch gerne gewusst.

Die ersten Zuschauer verließen das Kino, wir nicht. Dafür war die Sache in ihrer Absurdität viel zu lustig. Immer wieder lag man vor Lachen fast lang, es wurde eifrig geschwätzt, auch wenn man seine Nachbarn gar nicht kannte. Einige googleten – worum sollte es da gehen? Wo liefen die da rum? Aha, Bolivien – dann wussten wir das schon mal.

Es passierte so allerhand. Es ging in den quälend hölzernen Dialogen um Gerichtsprozesse gegen Tiere und einen römischen Faltenwurf, Frau Doktor machte auf dem Rücken liegend Gymnastik und ein Rollstuhlfahrer erhob sich, um – martialisch das Maschinengewehr schwenkend – auf seinen eigenen zwei Beinen herumzulaufen. Das hatte alles keinerlei Spannung, war aber lustig.

Irgendwann gingen Entführer und Entführte zusammen auf einen Ausflug, besichtigten einen Friedhof für Lokomotiven, einen Vulkan und einen gigantischen Salzsee – der sollte die Katastrophe darstellen. Giftig und aggressiv, außerdem in seiner Ausdehnung ständig zunehmend. Das war wiederum recht gut ausgedacht, zumal der nahe Vulkan die Gemengelage wohl noch verschärfte. Frau Doktor hatte neben dem ewigen Tablet noch eine Art Opernglas dabei, informierte sich eifrig und trug dabei ein Sonnenhütchen, dass ihr das Aussehen einer Brockenhexe verlieh. Damit hätte Frau Ferres auch bei Harry Potter mitspielen können. Und während endlose Plattitüden ausgetauscht wurden, luden fleißige Helfer Wasserflaschen und Campingmaterial aus.

Salzwüste – so sah das da aus. Bild zur Vefrügung gestellt von qayyaq / http://www.pixelio.de

Der Film lief gnadenlos seinem Höhepunkt entgegen. Frau Doktor wurde in der Wüste ausgesetzt, zusammen mit zwei blinden Kindern, deren Sprache sie nicht sprach. Wo die herkamen, blieb erst mal im Verborgenen, sie standen halt einfach da herum, nachdem die Autos abgefahren waren. Man sah dieser ungewöhnlichen Patchworkfamilie also beim Budenbauen zu, sah, wie ein Kind an einer Zwiebel roch und ein anderes notdürftig gewaschen wurde. Des nachts sang Frau Doktor „Der Mond ist aufgegangen“, zwei Strophen lang, und das Publikum explodierte fast. Am nächsten Tag wurde Ludo gespielt, das scheint das optimale Spiel für blinde Kinder zu sein. Die Jungen haben geschummelt und Frau Doktor würfelte eine Sechs.

Irgendwann schien doch noch ein wenig Spannung in die Sache zu kommen – das Wasser ging zur Neige. Doch dann hörte eines der Kinder ein Auto. „Ich höre nichts!“, sagte Frau Doktor und setzte eine Brille auf. Die trug sie dann, als sie abgeholt wurden und noch ein wenig mit dem Tablet herumspielten: Es wurden Fotos gemacht mit interessanter Perspektive – ein Stoffdino in der Wüste und so. „Diese Fotos werden mich ins Gefängnis begleiten“, hauchte der Geiselnehmer und schenkte Frau Doktor ein Flugticket zum römischen Faltenwurf, und man dachte, dass er und seine Geisel nun endlich mal ein wenig Sex haben würden. Aber auch das blieb uns versagt. Das letzte, was wir sahen, war ein einsamer Rollstuhl in der Salzwüste – Hurz!

Natürlich kann man mir nachsagen, dass mir für diese Art von Film der intellektuelle Zugang fehlt – das ist ganz wahrscheinlich richtig. Trotzdem scheute ich mich nicht, meinen Bewertungszettel in die Abstimmbox mit dem Daumen runter zu stecken. Dort befanden sich etwa 95% der Zettelchen, wenngleich das vielfach diskutiert wurde. Viele Zuschauer fanden, dass der Film das eigentlich nicht verdient hätte, denn so viel hätte man schon lange nicht mehr gelacht. Aber ob es dafür unbedingt einen Thriller braucht? Und in der Produktion haben auch Arte und das ZDF mitgewirkt – ich will ja nicht hoffen, dass die dafür meine Gebühren verwendet haben!