11 Flieger und ein Hüpfer

Hier war eine Weile Ruhe. Ich musste ein bisschen bei meiner Schwester sein, dann ein paar Tage den Sommer genießen, endlich wieder schwimmen gehen. Aber wie es so ist: Wenn man viel draußen herumläuft, drängen sich einem ganz automatisch Dinge auf, die man gerne zeigen möchte – also gibt es mal wieder etwas Kleingetier, und in den nächsten Tagen auch noch ein paar andere Bilder. Jetzt aber wird es erst mal bunt:

Die Sonnenblumenbilder entstanden auf der Dachterrasse meiner Freundin Maike. Sie hat sich dort ein kleines blühendes Paradies eingerichtet und achtet darauf, dass alles, was sie mit großer Begeisterung und viel Sachkenntnis einpflanzt, auch insektenfreundlich ist. Hier traf ich auch diesen kleinen grünen Gesellen:

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Auch diese Hummel auf lila Blühkraut habe ich dort geknipst – vor lauter Jagdeifer hätten mir die anderen fast den Kuchen weggegessen. Aber es hat sich gelohnt:

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Und ganz zum Schluss noch etwas, dass ich so gar nicht auf dem Schirm hatte: Nämlich wie hübsch blühende Ackerdisteln sein können. Sie begegneten mir auf diversen Blühstreifen in Oberursel und scheinen aus Sicht der Hummeln wirklich der Hit zu sein – es summte und brummte, dass es eine wahre Freude war. Ich hoffe, dass diese Blühstreifen künftig an noch viel mehr Stellen mitten in der Stadt oder in irgendwelchen Gewerbegebieten zu finden sind – die werten das Gelände für Mensch und Tier deutlich auf.

Ich als Geschenk – was soll das denn?

Mal wieder eine Aufgabe aus dem Schreibworkshop, für mich war es eine echte Herausforderung. Es ging um ein Gedankenspiel: Du schenkst dich jemandem. Wie kann das aussehen? Oooohhhhgottogott, was soll man da bloß schreiben? Erst mal einen Brief …

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Foto von Evie Shaffer von Pexels

Mein lieber Neffe,

anliegend erhältst du meinen Leichnam zur Aufbewahrung und weiteren Verwendung. Ich habe meine sterblichen Überreste nach der Kremierung in die Schweiz schicken und dort zu einem Diamanten pressen lassen. Selbstverständlich wurde die Asche vor der Verarbeitung sorgfältig gesiebt, sodass das fertige Stück lupenrein sein und keinerlei Einschlüsse enthalten sollte. Eine klare Sache also.

Entsprechend meiner Körpermaße dürfte der Diamant ein ziemlicher Brocken geworden sein. Ich habe um einen geradlinigen Schliff mit scharfen Kanten gebeten, das erschien mir passend. Jetzt funkle ich also endlich in dem Maße, wie ich es mir immer gewünscht habe. Bunt im Licht, hell und leuchtend. Gerne wüsste ich, so rein aus Neugier, wie viel Karat aus mir geworden sind, aber das werde ich wohl nicht mehr erfahren. Du kannst den Stein ja mal in die Sonne halten und mir ein paar Lichtsignale nach oben schicken. Nicht, dass ich daran glaube würde, dort auf einer Wolke zu sitzen und mit den Beinen zu baumeln, aber man weiß ja nie.

Einen Hinweis habe ich aber noch für dich: im spießigen Deutschland ist es bislang verboten, die sterblichen Überreste seiner lieben Verwandten als Schmuckstück mit sich herumzutragen. Behalte es also bitte für dich, dass es deine Tante ist, die du als Halsschmuck oder Schlüsselanhänger trägst. Rede also einfach von Modeschmuck, Strass oder Glas. Solltest du mich zu einem Ring verarbeiten lassen, um ihn deiner Freundin oder deinem Freund zu schenken, solltest du ebenfalls besser den Mund halten, denn wer will schon die Schwiegertante mit im Schlafzimmer haben?

Und nun mach es mal gut, mein lieber Neffe. Ich wünsche dir nur das Beste, und vergiss bitte nie: Ich bin immer bei dir, was auch geschieht.

Die Wohngemeinschaft

„Aaaach, ist das heute wieder laaaangweilig hier!“ Aristocat räkelte sich auf dem Sofa und betrachtete ihre langen roten Krallen. „Bringt mir jemand was zu trinken?“ „Du wirst dich schon selber zum Napf bemühen müssen“, zwitscherte Elsa und flatterte mit kleinen, wirbelnden Bewegungen auf die Gardinenstange. „Es sei denn, du bringst Stürmer dazu, dir was zu holen.“ Alle aus der kleinen Gesellschaft blickten den schlanken Windhund an, der neben dem flauschigen Kaninchen Flocke lag und keinerlei Anstalten machte, sich zu erheben. „Ne, lass mal. Ich liege gerade so gut hier. Frag doch mal Blubb.“ Alle lachten, bis auf Blubb, der wie immer Wasser in den Ohren hatte und Witze im Allgemeinen nicht mitbekam. Er neigte auch sonst nicht zur Geschwätzigkeit, sondern zog ruhig und gleichmäßig seine Bahnen im Aquarium. Um ihn aus der Ruhe zu bringen, musste schon etwas richtig Spektakuläres passieren, eine gelangweilte Rassekatze war ihm herzlich egal. Aristocat seufzte.

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Alle Bilder von Pexels

„Als ich noch bei seiner Lordschaft wohnte …“, begann sie und alle außer Blubb stöhnten genervt auf. „Hör auf damit!“, maulte Flocke. „Du bist genauso ein räudiges Tierheimvieh wie wir alle hier!“ „Räude? Habe ich da gerade Räude gehört?“ Stürmer, der seine besten Jahre hinter sich hatte und schlecht hörte, hatte nur ein Wort richtig verstanden und ihm juckte auf der Stelle das Fell. „Jaja, beruhige dich wieder, hier ist niemand räudig!“, kreischte Elsa dem Hund so laut ins Ohr, dass sogar Blubb hellhörig wurde und neugierig durch die Scheibe glotzte. Stürmer ließ sich wieder nieder, wirkte aber nicht ganz beruhigt. Flocke kletterte auf seinen Rücken und kratzte ihm mit ihren kleinen weißen Pfoten beruhigend das struppige Fell. „Ach, ja, das tut gut“, knurrte der Alte und schlief zufrieden ein. Auch die anderen gaben sich der Belanglosigkeit dieses tristen Dienstag Nachmittags hin und hielten ein Schläfchen. Nur Blubb, der fleißige Schwimmer, drehte Runde um Runde in seinem Becken und wachte über seine schlafenden Freunde.

Ungeküsst

„Küss mich, Prinzessin, denn ich bin ein Prinz!“ Wie oft habe ich dieses Märchen schon gehört, wenn es den Kindern vorgelesen wurde. Genauso oft habe ich das den Mädchen der verschiedenen Generationen hier im Haus schon zugerufen. Doch nie wurde ich erhört. Anscheinend küsst man in diesem Land keine Schildkröten mit Migrationshintergrund. Vielleicht bin ich ihnen aber auch einfach zu alt.

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Foto von Radovan Zierik von Pexels

Im Moment bin ich nämlich der Älteste in der Familie. Ich lebe schon seit vielen Jahren fern der Heimat. Ich bin nicht böse darum, ganz und gar nicht. Denn Hans, der Mann, der mich dereinst in diese Gegend brachte, rettete mir das Leben. Er fand mich nach einem Steinschlag, ich war eingeklemmt und verletzt. Er nahm mich mit, pflegte mich gesund und gab mir meinen Namen: Aristotoles. Das war in dem Jahr, als der große Weltenbrand so richtig Fahrt aufnahm. Aber davon wussten wir damals noch nichts.

Hans, ein Geschäftsmann, der viel auf Reisen war, brachte mich heim zu seiner Familie. Dort war es schön, es gab riesige Gärten und eine ganze Menge anderer Tiere. Unzivilisiert zwar, aber hübsch anzusehen. Außerdem lebten dort Hans alte Mutter, seine Frau, ein braver Sohn und drei hübsche Töchter. Sie alle freuten sich darüber, mich kennenzulernen, und nahmen sich meiner freundschaftlich an.

Diese kameradschaftliche Zuneigung blieb auch so, als die Zeiten schlechter wurden. Meine tierischen Kameraden verschwanden nach und nach. Die Pferde wurden abgeholt, Kühe und Schweine verkauft oder gar geschlachtet und gegessen. Nur der Hund und ich blieben, wir waren ja Familienmitglieder. Der Hund allerdings starb kurz vor dem allgemeinen Aufbruch, Hunde machen‘s leider im Allgemeinen nicht besonders lange. Und es war wohl auch gut so, denn er fraß nur Fleisch, und das war eine ganze Weile nur sehr schwer zu bekommen. Für mich hingegen fand sich immer noch irgendwo etwas Grün, sodass die Familie mich die ganze Zeit über vorbildlich versorgte.

In der Zeit des großen Aufbruchs musste meine Familie das schöne Anwesen verlassen. Das Wenige, was ihnen blieb, hatten sie auf einen kleinen Wagen geladen. Auch ich fuhr dort mit, mehr oder weniger bequem verwahrt in einem gepolsterten Eierkorb. Es war eine unruhige Zeit, doch ich fühlte mich sicher und gut aufgehoben. Ich spürte die Trauer und Wut meiner Familie, und auch die Hoffnungslosigkeit der Älteren. Darum bemühte ich mich, Zuversicht zu verbreiten und wandte mich besonders den Kindern zu. So konnte auch ich meinen Beitrag zum Wohl der Familie leisten.

Wir kamen damals zunächst in Dresden unter, bei Verwandten, die nur halb ausgebombt worden waren. Das Kellergeschoss war nahezu intakt und wurde unsere Heimat, bis wir zwei Winter später umzogen in einen kleinen Ort an der See. Hier roch es manchmal fast ein wenig wie in meiner alten Heimat, nach Salz und Meer. Meiner Familie ging es gut hier, die Kinder bekamen wieder Farbe und Hans hatte eine gute Arbeit.

Wir blieben in diesem Haus an der Ostsee. Das Leben wurde ruhiger, stabil und sicher. Die Mädchen gründeten einen eigenen Hausstand und zogen aus, aus dem Jungen wurde ein Familienvater, der das Haus übernahm, so wie es in dieser Familie Brauch ist. Eine neue Generation wuchs heran, wurde erwachsen, zog aus, gründete Familien. Ich war immer dabei, mal im Garten, mal im Haus. Nicht nur die Kinder kümmerten sich um mich, auch die Erwachsenen sprachen viel mit mir, vertrauten mir an, was sie bewegte. Es gibt wenig, was ich nicht mitbekommen habe.

Ich bin also nunmehr seit über 80 Wintern Teil dieser Familie. Manchmal denke ich, wenn sie wüssten, was ich alles über sie weiß, würden sie mich fürchten. Ich erinnere mich daran, wo damals vor dem großen Aufbruch die Familienschätze vergraben wurde, weiß, dass die beiden ältesten Mädchen damals in Dresden mit verbotenen Sachen gehandelt haben und dass der große Junge, der immer so freundlich war, Geheimnisse seiner Nachbarn an die Polizei weitergegeben hat. Als der Mann einer der Familientöchter, der Frauen gewohnheitsmäßig schlug, in unserem Garten auf sie losgehen wollte, war ich es, der ihm in den Weg sprang, sodass er stolperte und es nur noch einen leichten Tritt von ihrem Vater brauchte, um ihm das Genick zu brechen. Ein bedauerlicher Unfall. Niemals würde ich verraten, was wirklich geschah.

Ich beobachtete die ersten Rauch-Versuche fast aller Kinder, begleitete sie durch Liebeskummer und Zukunftsängste und hörte ihnen immer zu, wenn es nottat. Und es war oft nötig – nicht alles in meiner Familie lief glatt. Es gab Zeiten, in denen viel geweint wurde. Etwa in der Phase des Umbruchs, als plötzlich alle ohne Arbeit dastanden und die Ehen der Paare unter der Last der Unsicherheit zu zerbrechen drohten. Oder in der Zeit der Gründung, als meine Leute sich mit einer Gaststätte selbständig gemacht hatten und unter der unerwartet vielen Arbeit fast zu Boden gingen. Immer war ich da und machte ihnen Mut. Es gibt wirklich Tage, an denen ich mich frage, wie die vielen Familien ohne Schildkröte leben.

Ich wurde also immer zutiefst geschätzt in meiner Familie. Etwa 100 Winter bin ich nun alt und ich habe keinen Zweifel, dass ich bei dieser guten Pflege noch weitere 20 durchhalten werde. Irgendwann werde ich mein letztes Salatblatt gefressen haben, doch bis dahin ist noch viel Zeit. Nur, dass ich wohl ungeküsst sterben werde, bedrückt mich ein wenig. Der Prinz in mir möchte auf dem weißen Pferd reiten und die Prinzessin vor dem Drachen retten. Nun ja. Vielleicht im nächsten Leben. Bis dahin unterstütze ich meine Familie weiterhin nach meinen Möglichkeiten.

Ich freue mich auf dich!

„Backen ist Liebe“, so begann einmal der Slogan einer Margarine-Firma. Ich fand und finde den großartig, kann sich doch jeder genau vorstellen, wie es ist, nach Hause zu kommen und den Duft von frisch gebackenem Kuchen in die Nase zu kriegen. Die Küche, wohlig warm durch einen eingeschalteten Backofen, auf dem Tisch ein frischer, gut geratener Napfkuchen und eine Kanne heißer Tee – einladender kann eine Szenerie kaum sein. Ohne Zweifel, Gerüche und Geschmack schaffen Geborgenheit.

Dieses Gefühl lässt sich auch bewusst hervorrufen: Zum Beispiel, wenn man allein und ein bisschen kränklich zuhause abhängt, sich selbst ein wenig bemitleidet und einem plötzlich wieder einfällt, dass es an solchen Tagen zuhause oft Milchsuppe gab – Nudeln in Vanillemilch. Der cremige Geschmack und der vertraute Geruch bewirken, dass man sich gleich ein bisschen besser fühlt, nicht mehr so alleine ist. Oder die Hühnersuppe, die es immer bei Erkältungen gab. Die Variante aus der Tüte ist sicher nicht so lecker wie die der Mutter, taugt aber zur Sinnestäuschung und zum Anregen der positiven Erinnerungen. Zumindest bei mir funktioniert das immer noch.

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So in etwa sehen die Frikadellen meiner Schwester aus. Bild von Pixabay

Mit einem Lächeln denke ich an die Zeit gleich nach meinem Auszug von zuhause zurück: Es hatte mich von Norddeutschland nach München verschlagen. Dementsprechend selten konnte ich meine Eltern besuchen. Die Anfahrt lohnte sich nicht für ein Wochenende und war auch viel zu teuer. Wenn ich dann aber anrief und mein Kommen ankündigte, kam immer die gleiche Frage von meiner Mutter: „Was möchtest du denn dann gerne essen?“ Das war ihre Art, mir zu sagen, dass sie sich auf mich freut und mir etwas Gutes tun möchte. Ich wünschte mir dann immer Dinge, die ich nicht so wie sie kochen konnte und wahrscheinlich auch nie kochen können werde: Ihre unvergleichlich guten, fluffig-würzige Frikadellen, das Hühnerfrikassee mit Spargel in der Soße und Suppe vorweg oder Heringsstipp mit Pellkartoffeln, den ich so, wie sie ihn machte, nie wieder irgendwo gefunden habe. Es gab so viel, was nur meine Mutter so besonders gut kochen konnte. Und wenn ich dann kam, verbrachten wir alle miteinander schöne Stunden in der vertrauten Küche, in der es nach Kindheit roch. Im Radio dudelte NDR 1, Verkehrsmeldungen warnten vor dem Stau auf der A1 Heide Richtung Hamburg, es gab Tee und es wurde viel gelacht. Diese Zeiten sind lange vorbei, aber die guten Erinnerungen daran bleiben und werden immer wieder reaktiviert, wenn ich Zwiebeln anbrate, viel zu heiße Kartoffeln pelle, Ostfriesentee trinke oder irgendwo einen alten Schlager höre.

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Napfkuchen von Pixabay

Inzwischen kann ich selber recht gut Hühnerfrikassee machen, aber die Frikadellen meiner Schwester schmecken um Klassen besser als meine und halten vor allem auch besser zusammen. In ein paar Wochen sind wir alle geimpft, dann werde ich sie endlich wieder besuchen. Wir haben schon darüber gesprochen, was wir dann essen wollen: Vielleicht Milchnudeln. Oder einen traditionellen Eintopf. Vielleicht backe ich auch mal was. Denn Backen ist Liebe.

Knopfexperimente

In der letzten Zeit habe ich nicht nur viel gestrickt, sondern auch eifrig weiter mit dem Knöpfe wickeln herumexperimentiert. Kleine Blusenknöpfe kann ich immer noch nicht, aber ich weiß inzwischen, dass man auch eine ganze Menge „einwickeln“ kann, um den Knöpfen eine interessante Mitte zu geben. Seitdem renne ich durch die Gegend wie ein Trüffelschwein und suche ständig nach kleinen, runden Sachen, die ich verknöpfeln könnte. Das sieht dann so aus:

3 Kronkorken

Zu meinem großen Erstaunen gibt es wunderschöne Kronkorken, die es teilweise sehr günstig bei Ebay zu kaufen gibt. Von den Astra-Kronkorken mit Herz, Anker und Kreuz habe ich insgesamt 100 – da kann ich mich wirklich austoben. Der gelbe Drachen-Kronkorken stammt aus einer Sammlung, die anscheinend aufgelöst wird, und gehört wohl zu irgendwelchen polnischen Getränken. Beim Erwerb dieser Kronkorken lernte ich übrigens nicht nur, wie viele schöne Serien es gibt, sondern auch, was für unglaubliche Preise teilweise für diese kleinen Dinger bezahlt werden. Die echten Sammler haben sich wahrscheinlich über meine Kleinstgebote kaputtgelacht, wenngleich auch diese ein paar Mal zum Erfolg führten. 

2 Münzen

Auch alte Münzen lassen sich prima verwenden, wenn sie nicht zu groß sind. Hier haben wir eine alte griechische Drachme, umwickelt in den Landesfarben, sowie einen österreichischen Schilling, ebenfalls in den Farben der Flagge. Hier hat mir das hübsche Edelweiß besonders gut gefallen. Es warten noch etliche ausgemusterte Geldstücke auf eine Verwendung. Leidr habe ich gar kein 50-Pfennig-Stück mehr in der Restekiste – das Motiv fand ich immer besonders schön.

Alles in allem macht mir das Knöpfeln immer noch viel Spaß. Ich probiere mit Farben, Garnen, Ringen und Motiven herum. Außerdem mit unterschiedlichen Größen: Kleine lasse ich erst mal bleiben, aber einen Plastik-Karnevalsarmreifen habe ich kürzlich silbrig umwickelt und ihm so zu neuem Glanz verholfen. Ich habe nun schon eine kleine Schachtel voll mit verschiedenen Knöpfen, und irgendwann werde ich da irgendwas mit machen. Was auch immer 🙂

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Phönix, Drache und Lindwurm

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Flohmarktfund: ein gläserner Knopf mit Drachen

Ich habe mal wieder gestrickt. Dieses Mal habe ich mich für etwas entschieden, was in weiten Teilen NICHT fernsehtauglich war – man musste recht gut hingucken dabei. Angefangen hat das alles mit einem Flohmarktfund vor einigen Jahren: Damals kaufte ich an einem Stand vier ganz besondere Knöpfe mit Fabelwesen darauf. Ein Einhorn habe ich davon vor einigen Jahren mal als Handtaschenverschluss verarbeitet, aber drei von den kleinen Kunstwerken waren noch da.

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Ein Lindwürmchen, Bild von Pixabay

Als ich dann vor ein paar Monaten mal wieder in die Sonderangebotsfalle tappte, war die Stunde eines dieser Knöpfe gekommen: Ich kaufte einen Haufen Wolle der Sorte Schachenmayr Soft Linen in Schwarz und Orange Mix (70% Viskose, 30% Linen) und suchte nach einem Motiv. Ringel doof, Streifen doof, große Ratlosigkeit. Da stieß ich auf einer Seite mit Tattoomotiven (!) plötzlich auf diverse Phönixe und ähnliches Getier. Derartig auf den Geschmack gekommen, entschied ich mich für ein fabelhaftes Dreigestirn und werkelte los.

Zuerst der Rücken, natürlich. Ein Phönix sollte es hier sein. Ich suchte einen aus, rechnete eine Weile herum und fing an. Es war mühsam. Und so gut kann ich auch gar nicht mehr gucken. Immer wieder verrutsche ich in der Zeile meiner Zählvorlage. Mist.

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Phönix, Bild von Pixabay

Also ribbelte ich die ersten mühsam hingefrickelten Reihen des Musters noch einmal auf und begann neu, dieses Mal mit einer App als Hilfsmittel: Die Wooltasia-App läuft über das Handy und sagt einem genau, was man zu tun hat: drei schwarz, fünf orange, sieben schwarz, drei orange – so kam ich gut klar. Diese App ist wirklich gut und kann deutlich komplexere Projekte bewerkstelligen als mein zwei-Farben-Motiv: In einer entsprechenden Gruppe auf Facebook fand ich gestrickte, gehäkelte und gestickte Motive mit zig Farben. Die meisten waren nicht so mein Fall, ich stehe nicht so auf gestrickte Wandbehänge und so, doch sie waren immer kunstvoll ausgeführt.

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Drache, Bild von Pixabay

Für die Vorderteile wählte ich schmalere Motive und ließ die Tiere einander angucken. Außerdem setzte ich Drache und Lindwurm ziemlich weit nach unten, weil es mir irgendwie merkwürdig vorgekommen wäre, wenn die beiden sich auf meiner voluminösen Brust herumgeringelt hätten. Mit der Kombination bin ich recht zufrieden so.

Weniger glücklich war ich mit den gefühlt eintausend Fäden, die zu vernähen waren – dazu habe ich ja immer so gar keine Lust. Deshalb stockte das Projekt auch für fast zwei Wochen, bis ich mich irgendwann zusammengerissen habe. Gestern Abend habe ich den letzten Ärmel fertig gestrickt, heute nochmal feste genäht, zuletzt den wunderbaren Knopf angebracht – fertig.

Und so sehe ich da drin aus:

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Vor meinem Schlafzimmerspiegel.

Warum ich beim Knipsen immer nach unten gucke, weiß ich auch nicht, aber besser kriege ich das nie hin. Die Jacke fühlt sich super an, ist warm und sehr weich – aber auch sehr schwer. Hier bin ich gespannt, wie sich das Material verhalten wird – eventuell wird aus meiner langen Jacke auch ein Mantel oder gar ein Schlafsack. Wir werden sehen.

Makkaroni mit Mockturtle – in Omas Küche

Wieder mal eine Hausaufgabe, dieses Mal aus dem Kulinarik-Workshop: Es ging um ein Lebensmittel, das für uns untrennbar mit etwas verbunden ist. Einige Schreibkollegen entwickelten hier fantasievolle Geschichten, ich blieb irgendwie in meiner Erinnerung hängen und musste im Nachhinein feststellen, dass ich über dieses Essen tatsächlich schon mal geschrieben habe – wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Das war im Jahr 2013! Nun ja – ich mag es halt einfach gerne 🙂

Makkaroni mit Mockturtle – in Omas Küche

Ich bin hoch im Norden aufgewachsen, genau genommen im Ammerland. Kulinarisch geht es dort deftig zu, Grünkohl mit Pinkel ist wohl das Bekannteste, was dort auf den Speiseplan gehört. Ebenfalls wichtig sind Kartoffeln – wenn es in den 70er Jahren zwei Tage nacheinander keine Kartoffeln zu essen gab, startete der typische Ammerländer einen Protestfeldzug und klagte gar fürchterlich. Nudeln, von uns Kindern schon damals heiß geliebt, galten allgemein als ungesunde Dickmacher und Reis war etwas, von dem man generell nicht leben konnte. Nun ja – die Milliarden von Asiaten hatte man dazu wohl nicht befragt.

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Kartoffeln – Bild von Pixabay

Es gab zuhause also nur selten Nudeln zu essen. Oma war da offener. Bei ihr gab es selbst an hohen Feiertagen schon mal Spiralnudeln zum Gulasch, und weil sie von aufbrausendem Temperament war, wagte es nicht mal mein Vater, dagegen aufzumucken. Und wenn wir Kinder bei Oma waren, was relativ oft der Fall war, gab es sogar Spaghetti oder, noch häufiger, lange Makkaroni. Und zu diesen Makkaroni gab es eine Ammerländer Spezialität, die eher schwierig zu beschreiben ist. „Dat is wat Kleinfleisch in Soße“, so beschrieb es einmal eine Touristin, die den Mut besessen hatte, dieses eigentlich als Suppe gedachte Gericht zu bestellen und nun ratlos vor dem dicken, dunkelbraunen Zeug saß. Ursprünglich ein Seefahrergericht und als Ersatz für Schildkrötensuppe gedacht, gab es diese Suppe in meiner Kindheit oft auf Familienfeiern, dann mit einem dreieckig halbierten Toastbrot. Was genau drin ist, habe ich nie erforscht, und ich will es auch eigentlich gar nicht wissen. Was ich aber weiß ist, dass Makkaroni mit Mockturtle für mich für immer untrennbar mit Omas Küche und viel Spaß verbunden sein wird.

Omas Küche war alt, der Boden bewegte sich ein bisschen, wenn man über das Linoleum lief. Jeder hatte seinen festen Platz – Oma saß vor dem Küchenbuffet, Opa links davon, meine Schwester vor der Spüle und ich auf der kleinen Bank mit dem Kunstlederbezug, der eine karierte Prägung hatte, die ich unzählige Male mit meinen Fingern nachgemalt habe.

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Aus den Wikipedia Commons: Mockturtle_Wilfried Wittkowsky. Irritierenderweise mit Klößen …

In Omas Küche sah es immer mal wieder anders aus als bei uns, wo es immer pingelig sauber war. Wenn sie kochte, arbeitete sie schwungvoll und „mit weiter Streuung“, wie mein Vater zu sagen pflegte. Das bedeutete nichts anderes, als dass von einem geschnittenen Kohl ein nicht unerheblicher Teil auf dem Boden landete, Mehl seinen Weg über Tisch und Schränke fand und sich je nach zubereiteter Speise überall ominöse Fingerabdrücke wiederfanden. Sie trug stets eine Kittelschürze, und die zeigte jedem aufmerksamen Beobachter genau das Menü des Tages.

Bei Oma zu essen war anders als zuhause, denn bei ihr ging es deutlich weniger streng zu, was die Tischmanieren anging. Sie war halt auch nicht dazu verpflichtet, uns zu erziehen – Omas haben eine andere Rolle. Bei ihr durfte man Tee aus der Untertasse trinken und die Makkaroni mit der Soße einschlürfen. Selbst, wenn man versuchte, diese Nudeln ordentlich zu essen, saute man sich unweigerlich ein. Es gibt eigentlich keinen logischen Grund dafür, ausgerechnet diese unpraktischsten aller Nudeln zu kaufen. Es war wohl so, dass Oma selbst Spaß an diesen unförmigen Dingern hatte, und Opa machte stoisch mit und schnitt sich seine Portion in mundgerechte Stückchen. Das tat Oma bei uns übrigens irgendwann auch, aber immer erst, wenn wir schon alles vollgesaut hatten.

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Es hätte durchaus praktischere Alternativen zu den Makkaroni gegeben – Bild von Pixabay

Natürlich ferkelten wir nicht bei jeder Mahlzeit so herum, aber es gab immer wieder übermütige Stunden, in denen wir in Omas Küche Dinge taten, die wir zuhause niemals gedurft hätten. Kirschkernspucken zum Beispiel – eine Beschäftigung, bei dem Omas ausladendes Dekolletee das Ziel darstellte. Oder Kaugummiblasen machen, bei dem beide Großeltern mitmachten und sich dabei ganz fürchterlich an einem Konglomerat aus Hubba Bubba und dritten Zähnen verschluckten. Dabei wurde viel geschimpft, viel gelacht und irgendwann, wenn man erschöpft zur Ruhe kam, wurde der alte Boiler über der Spüle angeschaltet und nochmal Tee gemacht, um wieder zu Kräften zu kommen.

Kirschkernzielspucken habe ich schon lange nicht mehr gemacht und auf Hubba Bubba stehe ich auch nicht mehr so. Meinen Tee trinke ich nun brav aus der Tasse, was auch daran liegt, dass ich gar keine Untertassen mehr benutze. Aber Mockturtle kaufe ich immer noch. Ich esse sie nicht mehr mit Makkaroni, schließlich muss ich meine Kleidung inzwischen selbst waschen. Aber noch immer, wenn ich die Dose öffne und mir der leicht katzenfutterartige Geruch in die Nase steigt, fühlt sich der Boden unter meinen Füßen an wie Linoleum auf einem Holzboden und ich fühle mich sehr zuhause. Und das, obwohl mein Zuhause inzwischen schon seit vielen Jahren nicht mehr das flache, ländliche Ammerland, sondern Frankfurt am Main ist. 

Eierkauf 3 – kein Ei im Haus

Seit ich in meiner aktuellen Wohnung wohne, bin ich in der glücklichen Lage, einen Vorratsschrank zu besitzen. In dem habe ich immer einen gewissen Grundbestand an Lebensmitteln, der es mir ermöglicht, ein paar Tage etwas Vernünftiges zu kochen, auch wenn ich einmal keine Lust hatte, einkaufen zu gehen. So wie an diesem einen Samstag, an dem ich eigentlich zum Wochenmarkt hatte gehen wollen, mich aber aufgrund des fiesen Wetters sowie meiner mir stets anhaftenden Faulheit nicht hatte aufraffen können. Ich spähte in den Kühlschrank – gab es etwas, was ich unbedingt brauchte? Nein, es würde reichen – Käse, Wurst, sogar etwas frisches Gemüse lag noch im Gemüsefach. Das Einzige, was fehlte, waren Eier – ich esse sonntags gerne ein gekochtes Ei zum Frühstück. Aber gut, einen Sonntagmorgen ohne Ei würde ich überleben.

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Ein Gericht aus der früheren Hesse-Wirtschaft am Frankfurter Ostend – ein sog. „Pfännchen“

Ich überbrückte das eierlose Frühstück mit Joghurt und fühlte mich recht gut dabei. Die Entzugserscheinungen setzten erst später ein – genau genommen, als ich überlegte, was ich später kochen könnte.

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Hausmacher-Pfannkuchen

Vor meinem inneren Auge zogen Berge von frischen Pfannkuchen vorbei, hübsch angerichtet mit Preiselbeeren. Aber das musste ich mir aus dem Kopf schlagen. Zur Ablenkung beschloss ich, einen Kuchen zu backen. Ohne Ei war das aber auch keine gute Idee. Ich beschäftigte mich also mit etwas anderem.

Abends gab es Nudeln. Ich beschloss, gleich einen ganzen Haufen zu kochen, denn dann könnte ich den Rest am nächsten Tag mit etwas Gemüse braten und ein Ei drüber klopfen. Leider kam ich auch am Montag nicht zum Einkaufen und musste meine Nudeln ohne Ei wieder aufwärmen. Mir fiel schon etwas zu meinem Nudelrest ein, so ist es ja nicht. Doch alles, was mir einfiel, wäre mit Ei viel schöner gewesen. Überhaupt war es merkwürdig, wie viele Eierspeisen mir im Laufe des Tages in den Kopf gekommen waren, die ich mit meinen Vorräten durchaus hätte kochen können, wenn denn Eier da gewesen wären: Eier in Senfsoße, Omelette mit Champignons, Waffeln mit Blaubeeren, Bauernfrühstück und strammer Max. Die Variationen an Eierspeisen, die meine Gedanken beherrschten, waren außerordentlich vielfältig.

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Mein liebstes Frankfurter Gericht: Eier mit grüner Soße und Bratkartoffeln. Sowas von lecker!

Ich entwickelte in den nächsten Tagen eine regelrechte Eier-Obsession, sodass ich am Mittwoch tatsächlich nach der Arbeit loseilte, um das Ersehnte zu erwerben. Dazu gleich noch einen kleinen Eimer grüne Soße, noch mehr Senf und Mehl für allerlei Gebäck. Ganz gegen meine Gewohnheit kaufte ich gleich zehn Eier – sonst komme ich mit sechs Stück in etwa zwei Wochen lang hin. Aber bevor die wieder knapp wurden, sorgte ich lieber vor.

Ich würde so gern mal wieder …

Eine Aufwärmübung aus dem Schreibworkshop: Was würden wir gerne mal wieder tun, was fehlt uns derzeit? Wie immer habe ich das genommen, was mir als allererstes in den Sinn kam – waren ja auch nur 12 Minuten Zeit! Und das war es:

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Flohmarktsschätze

Ich würde so gerne mal wieder über einen Flohmarkt laufen. Flohmärkte sind das, was mir in Sachen Freizeitgestaltung zu Corona-Zeiten am meisten fehlt. Nicht, dass ich dringend etwas bräuchte, ganz im Gegenteil. Ich habe eher zu viel als zu wenig. Und ich kaufe auch zumeist gar nichts, wenn ich über so einen Markt laufe. Es geht mir mehr ums Gucken und Staunen, manchmal auch Lachen. Oft mache ich Fotos, wenn ich etwas besonders Schönes oder Lustiges sehe, und küre dann anhand dieser Bilder auf meinem Blog das „Objekt des Tages“. Wenn ich nicht allein, sondern mit einer Freundin unterwegs bin, ist es zumeist noch schöner, denn wir machen uns im bunten Gewusel gegenseitig auf Dinge aufmerksam. Natürlich bleiben wir auch mal am Bratwürstchenstand hängen. Unvergessen ist auch der Flohmarktbesuch mit einem Freund, bei dem wir gerade mal eine Reihe Stände schafften, dann ein Bier tranken, oder vielleicht waren es auch zwei oder fünf, und währenddessen von einer Dame und ihren beiden sturzbetrunkenen Begleitern über den Anbau von Tomatenpflanzen aufgeklärt wurden. Als wir den Getränkestand verließen, räumten die letzten Händler gerade ihre Schätze zusammen. Obwohl die Zeit so verblüffend schnell herumging, war es ein schöner, ausgefüllter Tag. Es geht mir nämlich gar nicht so sehr um das Kaufen und Verkaufen auf dem Flohmarkt, wenngleich das natürlich schön ist, sondern mehr um das Drumherum.

Das Drumherum ist es auch, was mir bei der Schnäppchenjagd im Internet fehlt. Wenn man etwas bei ebay kauft oder verkauft, fällt das ja leider flach. Kürzlich habe ich ein paar Dinge dort verkauft und ja, es kam Geld rein und ich hatte einen wirklich netten E-Mailverkehr mit einem Klaus aus Nordrhein-Westfalen. Aber das ist nicht dasselbe. Mit Klaus hatte ich kein Bier, nicht mal eine Brezel, und zusammen gelacht haben wir auch nicht. Ich würde gerne einmal wieder mit fremden Leuten auf einem Flohmarkt lachen. Das fehlt mir.