Kugelexperimente in klein

Wie berichtet, habe ich mir eine kleinere Fotokugel angeschafft. Die 10 cm-Kugel bringt wirklich schöne Ergebnisse, wiegt aber mehr als ein Kilo und ist somit für längere Ausflüge schwer zu tragen. Deshalb habe ich mir eine kleinere Kugel mit nur 6 cm Durchmesser gekauft. Die wiegt nur 400 Gramm und passt in die Jackentasche. Bei unserem Ausflug in den Palmengarten habe ich sie zu ersten Mal ausprobiert.

Ich hatte nicht so viel Gelegenheit, die Kugel auszuprobieren, konnte aber feststellen, dass es mit der kleineren Kugel deutlich schwieriger ist, einen Focus zu finden. Mehr Fotos wurden unscharf. Teilweise schienen die Motive sogar wie in einem wilden Wirbel dargestellt zu sein. Da kann natürlich auch an den Motiven gelegen haben – ein Blütenmeer sieht in der Kugel vielleicht wirklich wie ein Strudel aus.

Einige Fotos entstanden am Schiffchenteich, an den Antje viele Kindheitserinnerungen hatte. Wir haben dieses Mal auf das Schiffchenfahren verzichtet. Aber auch mir ist allerhand zum Thema Tretboot eingefallen – auch wenn es lange her ist, war es doch immer ganz schön. Leider habe ich die Böötchen hier nicht ganz scharf hingekriegt.

Die Lesung

Seit vielen Jahren schon gehe ich gerne auf Lesungen – oft mit meiner Freundin Antje. So auch gestern. Ich verrate jetzt einfach mal nicht, bei wem wir waren, denn ich will nicht, dass man mir üble Nachrede unterstellt. Denn es war … irgendwie … merkwürdig. Sehr, sehr merkwürdig. Ich will versuchen, das mal zu beschreiben.

Die Lesung – ein Bericht

Als wir um viertel vor acht den Lesungsort betreten, ist da noch nicht recht viel los – außer uns sind zwei Leute anwesend, außerdem stehen zwei auf dem „Raucherbalkon“. Aber gut, da kann ja noch was kommen. Wir kaufen uns Getränke, Antje ein Bier, ich ein Glas Wein, und gucken mal auf den Balkon. Antje raucht, ich bemühe mich schon mal um den intelligenten Blick – den werden wir gleich ja brauchen.

Währenddessen füllt sich der Raum auf angenehme Weise: Es ist gut besucht, aber nicht so, dass die Gäste sich zusammenquetschen müssten. Ein junger Mann fummelt schon an zwei Mikrofonen rum, anscheinend geht es gleich los. Zwei Mikros – ach ja, das war ja mit Moderation. Das mag ich meistens gerne, denn dann erfährt man ja noch was über den Autor, und das ist eine gute Sache.

Zwei nach acht – es geht los. Wir klatschen, auch wenn noch keiner was Besonderes geleistet hat, aber das macht man ja so. Schließlich sollen die Künstler sich willkommen fühlen. Der Autor ist ein flotter Mittdreißiger, der Moderator hat ein ähnliches Alter und sieht irgendwie so aus, als hätte er „vergleichende Literaturwissenschaft“ studiert. Der hat bestimmt Ahnung!

Das Event beginnt, langsam, verhalten. Der Moderator formuliert vorsichtig, zögernd und bedächtig, wählt die Worte sorgsam, unterbrochen von vielen „ämmm, ähhh“ und mimisch untermalten Denkpausen. Der Autor spricht flüssiger und sagt tolle Sachen: Wir erfahren etwas über die maximalnarzisstische Erfahrung und nicken einander bedeutungsvoll zu. Oh ja, hier kann man was lernen! Der Autor spricht über das Schreiben im Allgemeinen und schlechthin, über seine Charaktere und was noch so dazugehört. „Es muss sich einander beatmen“, sagt er, und ich denke, aha, Baywatch auf literarisch, immer schön beatmen. Ich finde dieses Interview absurd bis albern, sowohl die Fragen als auch die Antworten, aber das mag an mir liegen – ich tue mich immer schwer, wenn eine Frage fünf Minuten dauert und die Antwort dann länger als „42“ ist. Ich schaue etwas ungeduldig auf die Uhr – schon halb neun, wann liest der denn endlich mal was?

Da, er blättert – es geht los! Das Buch ist eine dicke Schwarte, da muss ja allerhand drinstehen, was man lesen kann. Und so ist es dann auch. Wir hören etwas über die beiden verliebten Liebenden sowie das kostbare Erz der Ängste. Ich schiele zu Antje – ihr Gesichtsausdruck wechselt immer wieder von fassungslos-amüsiert zu glasig-glotzend und zurück. Wahrscheinlich sehe ich genauso aus, nur auch noch in blond.

Zettel, Brief

Es gibt eine Lesepause, wieder mit Gespräch. Der kleine Moderator scheint inzwischen richtig zu leiden, er vergräbt die Hände in den wolligen Locken, windet sich auf dem Stuhl, erklärt dem interessiert lauschenden Autor seinen Roman, ringt um die richtigen Worte. Wir ringen auch, aber nur um Contenance, und wir schreiben Zettelchen – wer hat diese Veranstaltung nochmal ausgesucht? Ich war’s nicht, aber ich war einverstanden. „Der Horror ist auf der Leserseite“, sagt der Autor, und DAS glaube ich ihm gerne. Auch die urbane Degeneriertheit kommt zur Sprache, gut, dass das einmal erwähnt wird, schließlich leben auch wir in der Stadt.

Es wird noch ein Stück gelesen. Sprachlich ist das Werk sicherlich ein feines Stück Arbeit, immer möglichst kompliziert formuliert, bestimmt gibt es dafür irgendwann einen Preis. Ich habe es ja lieber schlicht, das liegt natürlich an mir und ist kein Problem des Autors. Aber diese komischen, verklausulierten Sätze lassen mich zunehmend grinsen: Warum schreibt man denn von einem „weiherverheißenden Geräusch“, wenn man das Quaken von Fröschen meint? Mir ist das schleierhaft, aber da fehlt es mir wahrscheinlich an literarischem Verständnis.

Verstehen konnte ich allerdings die Reaktion des Publikums, das zum großen Teil auf das Gesprächsangebot nach der Lesung verzichtete und eher zügigen Schrittes den Saal räumte. Man muss sowas ja nicht über Gebühr ausdehnen.

 

Nachtrag: In den allermeisten Fällen sind Lesungen eine feine Sache, wir haben schon viele schöne Veranstaltungen genossen. Und diese hier war auch nicht die Allerschrägste, die ich jemals mit Antje besucht habe. Das war vor einigen Jahren die Lesung, bei der man uns unter der Moderation Michel Friedmanns und der dekorativen Anwesenheit eines auf der Bühne eifrig Wasser trinkenden Jürgen Trittins einen ganzen Abend lang was auf Chinesisch erzählte. Da half selbst das zur Schau stellen des Bildungsbürgergesichts nichts mehr.

Coming soon – die 7-Kräuter-Lesung

Heute: Schnittlauch Meike Möhle liest bei der „7-Kräuter-Lesung“ der Autorengruppe ARS am 29. April 2017 eine Geschichte über den Schnittlauch. Das Kraut ist in der Küche vielseitig verwendbar: fein geschnitten in Salaten, Suppen, Eiergerichten oder Majonäse. Schnittlauchbutter auf Brot ist ist unglaublich lecker. Früher nahm man an, dass Schnittlauch der Schlaf störe und das Sehvermögen […]

über Frankfurter Grüne Soße — Autorengruppe ARS

Fundstücke 43 – Füße von der Brille!

Nach längerer Zeit habe ich mal wieder ein Fundstück zu bieten. Ich gestehe, dass dieses zu meiner Lieblingskategorie zählt: zu den Toilettenerlebnissen. Es ist wirklich drollig, was man alles in öffentlichen Toiletten oder Waschräumen sehen oder erleben kann. Besonders die Verhaltensregeln finde ich immer sehr lehrreich. Oftmals frage ich mich, wie es kam, dass man für nötig befand, diesen Hinweis aufzuhängen. Dieses Mal war es ein allgemeines Verbotsschild, das meine Aufmerksamkeit erregte: Nicht rauchen – klar. Nix ins Klo schmeißen, das da nicht reingehört  -auch klar. Aber was ist damit?

Bitte nicht auf die Toilettenbrille stellen

Man könnte überlegen, ob vielleicht pubertierende Jugendliche auf die Brille gestiegen sind, um ins Nachbarkabinchen zu linsen. Aber zum einen würde man dieser Ungehörigkeit durch ein Schild nicht beikommen, zum anderen sieht das Männeken auf dem Bild irgendwie nicht so aus. Es sieht eher so aus, als würde es sich derartig hockend … erleichtern. Nun, diese Erleichterung kann man auch leichter haben, und vor allem auch ohne Angst, die eigenen Hosenbeine zu treffen. Sich auf die Hacken kacken – das braucht man doch wirklich nicht.

Wahrscheinlich ist sowas mal vorgekommen – sonst würden die das Schild ja nicht aufhängen. Vielleicht andere Länder, andere Sitten? Gab es nicht irgendwo diese Klöchen, wo man sich einfach über ein Loch im Boden stellt und versucht, das zu treffen? Probiert habe ich das noch nicht und ich kann ehrlich gesagt auch darauf verzichten – ich habe es lieber gemütlich.

Nachgedanke: Ist schon seltsam, was man manchmal so ins Internet schreibt. Schön, dass wir mal darüber gesprochen haben, und danke für’s Zuhören. 🙂

Rote Beete-Suppe: fremd-vertraut

Rote Beete Suppe, Rezept

Drei Rüben und vier Kartoffeln in Rinderbrühe

Ich habe mal wieder gekocht. Wie fast immer ohne Rezept, einfach aus dem Bauch heraus und mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes (jaaaa, doch, das habe ich, auch wenn böse Zungen was Anderes behaupten!).

Aus einer Laune heraus kaufte ich am Samstag drei rote Beeten. Die gab es früher zuhause oft: Meine Mutter bekam sie in großem Stil von gärtnernden Bekannten vermacht, kochte sie und legte sie süß-sauer ein. Ich mochte dieses Gemüse immer und half auch gerne bei der Zubereitung: Zum einen, weil ich frisch gekochte rote Beete „ohne alles“ gerne esse, zum anderen, weil das Schälen von gekochten roten Beeten wirklich Spaß macht: Wenn man Glück hat, lässt sich die Schale einfach so abstreifen und wenn man doch mit dem Messer helfen muss, ist das sehr schnell gemacht.

Ich wollte eine Suppe kochen. Das habe ich noch nie gemacht und auch noch nie gegessen, aber so schwer konnte das nicht sein. Im Internet guckte ich nach der Kochzeit der Rüben – zwar weiß ich, wie die sich in etwa anfühlen müssen, wenn sie fertig sind, aber alle fünf Minuten mit dem Messer reinpieken war mir dann doch zu lästig. Das kluge Internet meinte, ich solle die doppelte Kochzeit von Kartoffeln einplanen – das erste Mal piekte ich also nach rund einer dreiviertel Stunde in meine Rüben und fand sie noch zu hart. Nach einer guten Stunde goss ich sie ab. Der Geruch war so vertraut, dass ich unwillkürlich an unsere hellbraune Küche zuhause denken musste. Den Topf verwendete ich gleich weiter, um vier sehr dicke Kartoffeln zu kochen – nur rote Beete schien mir zu wenig als Grundlage für meine Suppe.

Erstaunt hat mich wie so oft die unglaubliche Farbe der roten Beeten: Dieses tiefdunkle Burgunderrot, dass sich auch durch das Zufügen von Kartoffeln nicht beirren lässt, ist schon toll. Es macht richtig Spaß, die pürierten Kartoffeln und die Sahne zuzugeben und langsam einzurühren, denn zuerst strudelt es schön bunt und dann kann man die endgültige Farbe bewundern. Allerdings bestand im Internet bezüglich der Färbekraft der Rüben eine gewisse Hysterie, es wurde einem nahegelegt, auf jeden Fall mit Gummihandschuhen zu arbeiten, weil die Farbe sonst niiiiie wieder abgehen würde. Das ist Quatsch, allerdings sollte man mit der Kleidung aufpassen – in einer weißen Bluse hätte ich diese Suppe nicht gekocht.

Wie üblich brutzelte ich auch eine Art Einlage für meine Suppe zusammen – ich mag es nicht, wenn ich nur eine Cremesuppe ohne etwas zum Kauen auf meinem Teller habe. Noch habe ich Zähne 😊

Insgesamt ist meine Suppe wunderbar lecker geworden. Die Zutaten waren:

  • 3 rote Beeten, püriert
  • 4 dicke Kartoffeln, püriert
  • Etwa 1 Liter Rinderbrühe für Faule (aus dem Glas)
  • 250 ml Kochsahne mit 15% Fett

Für die Einlage:

  • 1 dicke Zwiebel
  • 200 g gegrillte Hähnchenbrust (Aufschnitt, musste weg)
  • 1 Glas Pilze

Und natürlich Pfeffer und Salz.

Frohe Ostern, buntes Blütenfest!

Dieses Jahr hatte ich am Karfreitag Geburtstag und war aus diesem Anlass mal wieder mit meiner lieben Freundin Antje unterwegs. Und, was soll ich sagen, das Wetter, wenngleich als eher grauslich für das Osterwochenende prognostiziert, spielte wunderbar mit. Wir nutzten die Sonne und gingen in den Palmengarten – was für ein Frühlingsblütenmeer!

Der Frankfurter Palmengarten liegt mitten in der Stadt im Stadtteil Bockenheim. Es ist nur eine kurze Strecke zu laufen von der Haltestelle Bockenheimer Warte – und der Weg lohnt sich über alle Maßen für diese grüne, bunt-blühende Oase.

Frankfurter Palmengarten

Dieses Mal waren es natürlich die Frühlingsblumen und die blühenden Bäume. die das Bild bestimmten. Zwar waren die Krokusse dieses Jahr sehr früh dran und dementsprechend schon verblüht, doch Tulpen und Vergissmeinnicht waren in ihrem Element. Außerdem natürlich Vieles, was mir vom Namen her gar nicht bekannt ist.

Wie so oft interessierten mich auch die Innenansichten der Blüten – ich finde es manchmal fast hübscher als die Blüte als großes Ganzes. Wobei „groß“ bei Blüten natürlich relativ ist …

Frankfurter Palmengarten, Tulpenblüte

In einem Teil des Parks, der sich wie so vieles in Frankfurt auf Goethe bezog, gab es allerhand blühende Obstbäume zu sehen. Angeblich soll Goethes Frau Mama auf irgendeiner Scholle auf dem Gebiet des Palmengartens Obst geerntet haben. Nun, es wäre auch erstaunlich, wenn der gute Mann ausgerechnet hier nichts zu schaffen gehabt hätte 🙂

Leider habe ich meine Lieblingsbaumblüte in diesem Jahr fast verpasst: Zwar blühten die Magnolien sehr kräftig dieses Jahr, doch in der Hektik des Alltages bin ich irgendwie nicht zum Knipsen gekommen. Diese hartnäckige Mandelentzündung hat natürlich auch nicht unbedingt geholfen. Dieses Exemplar ist leider schon fast „rum“.

Frankfurter Palmengarten, Magnolienblüte

Zum ersten Mal so richtig aufgefallen ist mir ein Gewächs namens „Storchenschnabel“ (zumindest stand das auf dem Schildchen). Die Blüten sind ausgesprochen attraktiv und die Pflanze scheint auch an unwirtlichen Plätzen sehr gut zurecht zu kommen.

Frankfurter Palmengarten,Storchenschnabel

Interessant ist auch immer wieder der Blick aus dem Garten in die Stadt. Mal sieht man den wie einen Bleistift geformten Messeturm, dann wieder den Fernsehturm, den sogenannten „Spargel“.

Frankfurter Palmengarten,Spargel

Noch viele wirklich schöne Fotos entstanden gestern, doch für heute soll es genug sein. In einigen Tagen werde ich noch ein paar Bilder zusammensuchen, denn ich habe mal wieder experimentiert. Jetzt bleibt mir jedoch erst mal nur, euch allen schöne Ostern zu wünschen – mit oder ohne Hasen.

Frohe Ostern

Verloren im Eierlei

Ostern wirft seine Schatten voraus – genau genommen sind wir ja schon mittendrin. Ich feiere dieses Fest nicht, auch habe ich in diesem Jahr nicht vor, Eier zu färben. Und doch wurde mir in dieser Woche irgendwie österlich zumute, als ich durch meinen Supermarkt schlenderte und die ganzen Hasen und Schokoeier dort sah. Ein Tütchen Eier wollte ich mir auch gönnen, dachte ich, auch wenn man Schokolade genauso gut essen kann, wenn sie nicht in Eiform gegossen und glänzend verpackt ist. Ich machte mich also an den Auswahlprozess – und scheiterte. Denn auch irgendeinem sortimentspolitschen Grund schien in meinem Supermarkt der schokoeirige Mittelbau zu fehlen. Das heißt, es gab entweder nur diese ganz billigen Schokoeier, die genauso schmecken, wie sie kosten, oder diese ganz teuren Eier, die zwar lecker sind, für die ich aber doch zu knauserig bin. Ich schlich also um sämtliche Eierangebote herum und kaufte schließlich … nichts.

Das erzählte ich am Gründonnerstag im Büro und erntete nur teilweises Verständnis. Daniel, der Kollege, immer rational, nickte verstehend. Er ist allerdings auch ein ziemlicher Asket in Sachen Schokolade. Heidrun hingegen, bei uns die Chefin von’s Ganze, sah das anders: „Wenn schon Hüftgold, dann richtig!“ Sie redete mir gut zu, ich solle mir doch, wenn ich am Nachmittag noch in die Stadt ginge, ein Tütchen des teuren Naschwerks kaufen. Na gut, wenn sie das quasi anordnet, muss ich das ja machen. Ich fand mich also am späten Nachmittag in der Süßwarenabteilung beim Karstadt ein und war dort völlig überfordert.

SchokoladeDenn diese Abteilung war das wahre Eierparadies. Oder, bei näherer Betrachtung, wohl eher die Eierhölle. Es gab Eier, Eier, Eier – mal als Set, mal einzeln, mal klein und niedlich, dann wieder in Straußeneigröße. Mehrfach wählte ich ein Päckchen aus und legte es ratlos zurück. Immer wieder traf ich dabei auf den gleichen Mann, der genauso verwirrt schien wie ich. Irgendwann grinsten wir uns kumpelhaft an und zuckten die Schultern – wir waren überfordert von all dem Geeier.  Auch die handgechöpfte Chocoladen-Creation mit dem Rechtchreibfehler vermochte mich nicht zu locken, so dass ich beinahe schon aufgab.

Nach einer Weile beschloss ich, auf ein Osterset zu verzichten und näherte mich stattdessen den Pralinenschachteln – da gab es sogar einige im Sonderangebot! Hossa! Ich habe ja seit frühester Kindheit eine tiefe Liebe zu Schnapspralinen und kreiste meine Beute somit deutlich gezielter ein als auf der erfolglosen Eier-Jagd zuvor. Schließlich entschied ich mich für ein Kistchen mit Likörpralinen, dem österlichen Anlass angemessen natürlich mit Eierlikör gefüllt. Wennschon, dennschon, sagte Heidrun, und sie hat Recht. Morgen gibt es Eierlikör, zusammen mit nostalgischen Gedanken an früher, als ich Omas Mon Cherie heimlich unter dem Tisch verzehrte (das war allerdings an Weihnachten und haute mich tatsächlich aus meinen kleinen Socken).

Der arme Mann aus der Ostereierabteilung begegnete mir übrigens an der Kasse nochmal: Er hatte sich für ein riesiges Pralien-Ei entschieden. Auch sowas gab es früher bei Oma und ich musste lächeln – dieses Jahr scheint Ostern was für Retro-Fans zu werden.

Paradiesdrops

Manchmal passieren ganz unvermittelt Dinge, die einen lächeln lassen und die man nicht gleich wieder vergisst. In meinem Leben geschah sowas vor etwa einer Woche:

Wie immer, wenn ich erkältet war, habe ich derzeit einen kräftigen „Resthusten“ – für Menschen, die diese Geräusche nicht gewöhnt sind, klingt es wohl tatsächlich so, als ginge es dem Ende entgegen. Und als ich kürzlich meine Freundin Antje zuhause abholte, klingelte ich und wartete dann unten auf sie. Dabei hustete ich gemütlich vor mich hin. Plötzlich sprach mich ein alter Mann an und überreichte mir mit feierlichem Gesicht ein Eukalyptusbonbon, „für meinen bösen Husten“, wie er sagte. Ich bedankte mich natürlich artig und wiegelte ab, kein Grund zur Sorge, es geht schon wieder. Der Mann lächelte fein und erklärte mir, dass er derzeit an seinem Platz im Paradies arbeiten würde, und er hoffe sich die Fahrkarte durch ein paar Drops erkaufen zu können. Also wenn es nach mir geht hat er sich dort sicher schon lange einen guten Platz verdient, so nett wie er gelächelt hat. Ich denke aber, das Paradies kann gut noch etwas auf ihn warten – denn solche Leute brauchen wir hier.

Immer, wenn ich an den alten Herrn zurückdenke, freue ich mich nun ein bisschen. Und ich bin mal wieder auf den Geschmack gekommen: Eukalyptusbonbons esse ich schon immer gerne und habe jetzt auch ein Tütchen für’s Büro gekauft. Den Husten haben sie noch nicht bezwungen, aber den habe ich ja auch erst vier Wochen lang – das ist ja fast nix 😊

Eigentlich sind sie ja doch ganz nett …

Ja, wirklich, eigentlich sind sie nett, diese kleinen Flieger, die mich am Wochenende so genervt haben. Und hübsch sind sie auch, keine Frage.

Besonders schön finde ich, dass ich für diese Bienen-Fotos gar keinen Aufwand betreiben musste – weder musste ich in den Palmengarten fahren noch mich in irgendwelche verbotenen Schrebergartenanlagen stehlen. Diese gelben Blüten gibt es einfach so bei uns in der Bürostadt, auf dem Weg von meinem Arbeitsplatz zum Bus.

Biene im Anflug

Das letzte kleine Flugobjekt zeigte mir allerdings ganz arrogant das Hinterteil – und das, obwohl ich alles dransetzte, um eine Portaitaufnahme zu machen. Es sollte nicht sein, aber ein schöner Rücken kann ja bekanntlich auch entzücken. Ich glaube übrigens, dass dieses Tierchen keine Biene, sondern eine Pummel-Hummel ist.

Biene

 

Nachtrag: Was mich übrigens auch immer wieder entzückt sind die tollen Fotos, die mein Smartphone macht. Es ist ein Samsung S7, dessen Kamera mich richtig glücklich macht.

Wir müssen reden!

Himmel, gehst du mir auf die Nerven! Bsss, Bssss, Bssss … Tock, Tock, Tock – kannst du das bitte mal lassen? Das geht jetzt seit Stunden so. Jeden Tag kommt jemand von euch und belästigt mich – was soll das? Ja, ich weiß, man hat euch gestört, aber dafür kann ich nichts. Jetzt hör‘ auf damit, ich muss mich konzentrieren. Es ist nicht höflich, jemandem ständig ans Fenster zu klopfen. Schon gar nicht von innen.

Ich muss nachdenken. Ich muss diese Geschichte zum Schnittlauch schreiben, 7-Kräuter-Lesung*, weiß’te Bescheid? Das kann ich nicht, wenn ständig jemand klopft. Ich kann beim Schreiben fernsehen, laute Musik hören oder in einer Kneipe Bier saufen, aber dieses Bssss, Bssss, Bsss, Tock, Tock, Tock macht mich verrückt. Gleich kloppe ich da mit ‘nem Schuh drauf, Ökologie hin oder her. Ich verstehe es auch nicht – ich habe dir alle Ausgänge aufgemacht, und du doofes Tier fliegst trotzdem immer wieder gegen die Scheibe. Tock, Tock – nein, nicht da, zehn Zentimeter weiter links! Links – das andere links! Oh Himmel, du blödes Vieh, du bist da doch auch reingekommen, warum kommst du da nicht wieder raus?

Eigentlich sagt man diesem Himmelsvolk doch eine gewisse Intelligenz nach – ich kann das nicht feststellen. Allerdings nehme ich an, dass irgendwelche Völker beim Abriss unseres Nachbarhauses gestört wurden, denn sonst sind die doch um diese Jahreszeit noch nicht so verwirrt. Komm, kleiner Flieger, raus mit dir, geh‘ Bäume bestäuben. Mach‘ endlich deinen Job und lass‘ mich schreiben.

Es hat keinen Sinn, ich gehe erst mal kochen. Sonst habe ich nicht nur keinen Text, sondern verhungere auch noch – und das wäre doch schade. Ich will Tomatenbohnen machen, nach dem Rezept meiner Mutter. Ich glaube, das Ur-Rezept war von Tante Rita. Ich habe das noch nie gemacht, aber so schwer kann das nicht sein. Zwiebeln, Hackfleisch, geschälte Tomaten, Bohnen, dazu Reis. Zuhause gab es dazu Kartoffeln, es gab immer Kartoffeln, wir waren ja in Norddeutschland. Es kocht sich flott, schmeckt aber sehr „nature“, da fehlt eindeutig Gewürz. Pfeffer und Salz, sonst noch was? Und wie viel davon? Ach, Muttchen, auch wir müssten mal wieder reden. Dabei weiß ich ganz genau, was du mir auf die Frage nach den Mengen antworten würdest, und höre deine Stimme: „Ja, da muss ordentlich was rein. So nach Gefühl.“ Ich würze also fünf Mal nach, dann sagt mein Gefühl, dass es passt. Gut, das wir gesprochen haben.

Tomatenbohnen

Ich nehme mir eine Portion aus dem großen Topf, der Rest wird später eingefroren für schlechte Zeiten. Wie viel will ich denn essen? Ich höre die Stimme meines Vaters: „Meistens nehme ich vierschleifig, aber heute reicht dreischleifig.“ Ein Schleif wird eigentlich „Schleef“ gesprochen und ist eine plattdeutsche Suppenkelle, das Wort „schleifig“ gibt es nicht. Eine dreischleifige Portion Eintopf umfasst drei Kellen, und die reichen mir heute. Danke für den Tipp, Papa.

Ich schlendere ins Wohnzimmer und esse eine Portion pure Nostalgie. Das dumme Tier fliegt immer noch an mein Fenster, inzwischen allerdings in der Küche. Das soll mir recht sein, solange es den neugierigen Rüssel aus dem Topf lässt und nicht den Rest meiner Tomatenbohnen klaut. Hast du gehört, du Vieh? Weg da! Geh‘ Bäume bestäuben, ich will Kirschen!

 

*Nachtrag: Die 7-Kräuter-Lesung findet am 29. April um 19:30 in der Kneipe „Grüne Soße und mehr“ in Oberrad statt.