Komische Gewohnheiten – reflexartig auf Politiker einschlagen

Nicht erst seit Krisenzeiten fällt mir auf, wie unglaublich viele begnadete, fleißige und absolut unfehlbare Politiker wir in Deutschland haben. Leider tummeln diese sich nicht in den Parlamenten, auch nicht in den Rathäusern oder sonstigen Gremien, sondern ausschließlich auf Social Media Kanälen, bevorzugt auf Facebook. Auf Twitter auch, aber da müssen sie sich ja zum Glück kürzer fassen.

Man möge mich jetzt nicht falsch verstehen – oder nur, wenn man das unbedingt will – ich bin auch nicht immer mit allem einverstanden, was in diesem Land passiert, und ich würde dieses oder jenes wahrscheinlich anders entscheiden. So manchem Politiker möchte ich auch manchmal die Ohren langziehen – ja, isso. Und doch möchte ich mit keinem der ewig Gescholteten tauschen, denn ich möchte den Job nicht machen. Und die, die ewig nörgeln, möchten das auch nicht. Dann hätten sie nämlich keine Zeit mehr, im Internet herumzulungern und sich durch eifriges Posten von Statements wie „Das habe ich doch gleich gewusst!!!“ oder „Warum fällt denen das erst jetzt ein?!“ hervorzutun. Gerne wird derartigen Plattitüden dann noch ein Link zu irgendeinem Zeitungsbericht beigefügt, in dem geschrieben steht, dass das Erwähnte gerade jetzt erledigt wurde – viel zu spät natürlich, nach Ansicht von Hotte, Lotte und Elli. Oder zu dilettantisch, weil der beteiligte Politiker nämlich gar nicht die geforderte Qualifikation besitzt und in seinem Leben noch nie was gearbeitet hat – das konnte ja nichts werden. Ja, ne, is klar.

Gerade derzeit in der Krise schießen sie wie Pilze aus dem Boden, die selbst ernannten Manager, die sofort an alles gedacht, alles im Blick und erst recht im Griff gehabt hätten und natürlich niemalsnienicht irgendetwas übersehen hätten. Sie sitzen bequem auf ihren Sofas, ohne jegliche Verantwortung, erst recht nicht für Millionen von Menschen, und wissen es besser. Während der Pudding gelöffelt und der Milchkaffee geschlürft wird, schwadroniert es sich so unglaublich herrlich über die Unzulänglichkeiten anderer Menschen. Und immer finden sich Gleichgesinnte, die es fast noch genauso gut könnten, man diskutiert, wie viele bessere Lösungen es gegeben hätte und suhlt sich in der Gewissheit, den Durchblick zu haben, wo doch andere, hochbezahlte Leute wieder nichts auf die Reihe gekriegt haben.

Wirklich Konstruktives kommt von solchen Leuten übrigens selten. Und fragt man sie, warum sie sich denn nicht einbringen und ihr geballtes Fachwissen in wirklich jedem Gebiet der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, kommt auch nichts. Nun ja, verstehe ich schon – sie wissen ja auch, was sie erwarten würde. Und sie könnten selber nicht mehr mitmachen beim Bashing, beim Klagen, beim Posten der immer gleichen Gifs und beim virtuellen Abklatschen mit den Gleichgesinnten in ihrer Blase. Und das wäre ja langweilig.

Ich muss übrigens noch anmerken, dass ich im Moment eigentlich recht zufrieden bin, was das Spitzenpersonal in unserem Land angeht. Entscheidungen, die derzeit getroffen werden, erscheinen mir fundiert, auch wenn es vielleicht andere Wege gäbe. Ich würde im Moment auch keine Experimente machen wollen und ich bin froh, dass ich so ein unbedeutendes kleines Würstchen bin, dass nur entscheiden muss, ob es morgens für’s Homeoffice einen BH anzieht oder nicht. Im Vergleich zu anderen Ländern haben wir außerdem eine unglaublich bodenständige Regierung, bei deren Auftritten ich mich weder schämen noch an ihrem Verstand zweifeln muss. Das allein wäre zwar nicht genug, entspannt aber ungemein.

Fundstück 70: So einfach ausgedrückt …

Heute morgen war ich auf dem Oberräder Wochenmarkt. Sechs Stände hat es da normalerweise, doch der Bratwurst- und Äpplerstand war heute schon nicht mehr da. Ich habe also alle fünf verbleibenden Stände besucht: Obst und Gemüse, Backwaren, Fleischwaren, Feinkost und Blumen. Der Blumenstand hatte ein neues Schild:

So einfach kann man es also ausdrücken. Es haben sich heute auch alle gut an das Abstandsgebot gehalten, was bei den wenigen Ständen nicht so schwierig ist. Lediglich ein älterer Mann irrlichterte herum und kapierte anscheinend nie, wo er sich für welchen Stand anstellen musste, aber der Knabe ist mir schon öfter aufgefallen – der wartet einfach nicht gerne und stellt sich lieber dumm. Heute wurde er immer wieder eingefangen und ans Ende der Schlange geschickt 🙂

Wahrscheinlich wird es den Blumenstand demnächst erst mal nicht mehr geben. Die Blumengroßmärkte schließen und, wenn man ehrlich ist, sind Blumen auch nicht das Allerwichtigste derzeit. Heute habe ich mir aber noch ein kleines Töpfchen mit Vergissmeinnicht gegönnt, und letzte Woche gab es einen bunten Ranunkelstrauß, der sich sehr schön entwickelt hat. Gestern hatte ich die weiß-grüne Blüte im Beitrag, heute gibt es die orangefarbene:

Kampf dem Lotterleben!

Ranunkel vom Wochenmarkt – man muss es sich schön machen!

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich schreiben sollte – denn ich weiß, dass viele vom Thema „Corona“ inzwischen übersättigt sind und einfach mal was anderes lesen möchten. Aber es gibt etwas, das mich im Moment schwer beschäftigt, und daran möchte ich euch teilhaben lassen: Die Isolation in der Wohnung als Single. Ich arbeite seit dieser Woche im Homeoffice und habe alle Freizeitaktivitäten außer Haus, alle Workshops etc. eingestellt.

Eigentlich trifft diese Abschottung durchaus meine Neigungen. Ich bin eine, die es braucht, immer mal wieder ein paar Tage alleine zu sein. Ich genieße es, an Wochenenden ohne Termine am Freitag meine Tür zu schließen in dem Wissen, dass ich nicht mehr raus muss bis Montag – wenn ich das so möchte. Und kürzlich war ich krank, insgesamt drei Wochen – da gehörte es für mich dazu, im Schlafanzug oder oller Jogginghose mit Labbershirt herumzustapfen und mit meinem Gesamtauftritt den Paketboten zu erschrecken. Auch wenn ich mal einen einzelnen Tag Homeoffice mache, laufe ich so rum – sieht ja keiner.

Genau dieses „sieht ja keiner“ ist aber im Moment die Herausforderung. Ich fürchte ein wenig, dass ich in der Zeit des Zuhausebleibens völlig verkomme – zu einer wunderlichen, körperlich runtergewirtschafteten Trulla mit eckigen Augen vom Fernsehen und ungepflegtem Äußeren. Das geht so nicht!

Was also tun? Nun, zunächst mal braucht es etwas Struktur. Und Kontakte. Wasser und Seife natürlich, aber auch einigermaßen ordentliche Klamotten. Gesunde Ernährung und Bewegung. Und andere Freizeitbeschäftigungen als nur die Glotze. Folgendes habe ich mir vorgenommen:

  • Ich besitze ein Trimmrad, dass in Zeiten, wenn mir mein Knie wehtut, eifrig benutzt wird, zu anderen Zeiten aber zum Kleiderständer degradiert wird. Ich habe mir heroisch beschlossen, mir meine Mahlzeiten künftig zu verdienen und vorher immer ein bisschen zu strampeln. Muss ja nicht lange sein – jeder „Kilometer“ hilft. Schließlich fehlt mir derzeit die Grundbewegung, die ich sonst schon allein dadurch bekomme, dass ich kein Auto besitze und oft zu Fuß unterwegs bin.
  • Keine Schlafanzugstage. Bequem ja, aber so, dass man ohne Bedenken die Tür öffnen kann, sollte es klingeln.
  • Regelmäßige Arbeitszeiten. Die letzte Woche habe ich zwischen halb acht und acht angefangen zu arbeiten, das passt gut. Allerdings muss man auch auf regelmäßige Pausen achten und sich zwischendurch mal vom Stuhl erheben. Im Büro läuft man ja auch mal rum, zum Klo, der Kaffeemaschine oder dem nächsten Meetingraum. Unser Gebäude ist über 100 Meter lang, da kommen schon ein paar Schritte zusammen. Oder man geht zu einem Kollegen rüber, um bei dem auf den Bildschirm zu gucken, steht dann da ein bisschen und beredet was.
  • In der letzten Woche haben einige Kolleginnen und ich angefangen, per Skype gemeinsam Mittagspause zu machen. Jede saß für sich vor der Kamera, wir haben uns angeguckt, gegessen und geschwatzt – gerade so, wie wir es sonst in der Kantine auch tun würden. Das ist gut, lockert es doch den Arbeitstag auf. Mich bringt es außerdem dazu, nicht ganz so sehr wie eine Trümmerlotte aussehen zu wollen und ein bisschen mehr aufzuräumen – schließlich gucken die mir in die Wohnung!
  • Und ja, die Wohnung, das ist auch so ein Thema. Ich bin ja ein furchtbar unordentlicher Mensch – oft starte ich Aufräum-Panikaktionen, wenn Besuch angekündigt ist. Nur … im Moment kommt kein Besuch, und ich bin den ganzen Tag zuhause und mülle vor mich hin. Das muss ich mir für die nächsten Wochen abgewöhnen, denn sonst wird beides ungemütlich: der Arbeitstag und die Freizeit. (Der Kollege, der als Letzter bei uns im Büro war und alle Telefone umgestellt hat, erzählte mir, dass er bei mir etwas aufgeräumt habe. Ich mache das sonst immer vor dem Urlaub und hatte das dieses Mal völlig vergessen – ist ja kein Urlaub. Das war mir schon ein bisschen peinlich. Danke, Sebastian, du Guter!)
  • Noch ein Thema: Arbeitszeit und Freizeit. Ich arbeite derzeit im Wohnzimmer am Esstisch. Das geht gut, ich sitze bequem, habe ausreichend Platz und Licht. Aber zumindest zum Wochenende muss ich den ganzen Arbeitskram wegräumen – sonst guckt mich das das Wochenende über immer an. Gestern habe ich also alles weggepackt und ins Regal verräumt.
  • Und in der Freizeit? Was mache ich da? Mir ist in den letzten Tagen aufgefallen, dass ich keine Lust habe, mich da auch noch an den Esstisch zu setzen und am PC zu werkeln – auch nicht privat. Immer nur fernsehen kommt auch nicht in Frage – das ist toll, wenn man krank ist, aber wenn man gesund ist, wird man davon auf die Dauer rammdösig. Also werde ich wohl mehr lesen, stricken oder Hörbücher hören. Und mal wieder was Größeres schreiben – wie immer bei Entwürfen erst mal im Notizbuch.
  • Und ich will etwas Neues probieren. Ich wollt schon immer mal häkeln lernen, oder ein altes Hobby auffrischen und eine Figur bauen. Ich habe so viel Bastelkram zuhause, damit sollte sich doch die Zeit füllen lassen. Was ich mit dem gebastelten Kram dann später tue, werden wir sehen …
  • Und natürlich will ich mit meinen Lieben in Kontakt bleiben. Wir haben inzwischen so viele Möglichkeiten neben dem Telefon – seien es die kleinen, hingeworfenen Kommentare per Social Media oder WhatsApp oder längere Skype-Sessions mit Kamera. Noch vor wenigen Jahren hätte das alles ganz anders ausgesehen.

Mir ist übrigens klar, dass ich zu denen gehöre, die sehr weich fallen in dieser Krise: Ich habe keinen Beruf, in dem ich mich unmittelbar der Ansteckungsgefahr aussetze, muss mich nicht von Klopapiersüchtigen beschimpfen lassen. Ich muss als Mitarbeiterin in der Lebensmittelindustrie erst mal keine Angst haben um meinen Arbeitsplatz, kann von zuhause arbeiten. Ich habe zwar keinen Garten, aber eine geräumige Wohnung mit komfortabler Ausstattung. Ich muss während der Arbeit keine kleinen Kinder bespaßen und muss mich nicht um alte Eltern ängstigen, die vielleicht zu versorgen wären. Diese paar Wochen Hausarrest, so surreal die Situation auch erst mal ist, sollte gut zu überstehen sein.

Und ihr, die ihr das jetzt gelesen habt: Passt auf euch auf und bleibt zuhause, soweit es geht.

Zweite Siegerin

Gestern wurde er nun also verkündet, der „Ungewöhnlichste Buchtitel des Jahres 2019“. Da die Leipziger Buchmesse aus gegebenem Anlass entfallen musste, wurde der Preis quasi online verliehen – und ich wurde Zweite 🙂 Dazu wurde Folgendes gesagt:

Zum 2. Platz gratulieren wir herzlich der Autorin Meike Möhle, die es mit ihrem Buchtitel „Die Glorifizierung des Bandsalats“ auf den Punkt bringt: Die Schönheit der Dinge liegt im Alltäglichen, man muss nur genauer hinschauen. Und das macht Meike Möhle in ihrem Buch auf kurzweilige, selbstironische und sehr unterhaltsame Weise.

Sieger wurde der wunderbare Torsten Sträter mit seinem Titel „Es ist nie zu spät, um unpünktlich zu sein“. Ein würdiger Sieger, finde ich, auch wenn ich natürlich unglaublich gerne mit solch einer Trophäe über die Messe gestapft wäre! Nun, wenn ich das möchte, muss ich wohl nochmal angreifen. Ich hätte da auch schon eine Idee …

Schwarz-buntes Fünfecktuch

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr war ich krank geschrieben – ausgesprochen misslich. Der einzige Vorteil daran, vom Arzt auf das Sofa geschickt zu werden (eigentlich ins Bett, aber da halte ich es nicht lange aus) liegt darin, dass man mal ausgiebig fernsehen und dabei stricken kann. Da es mich allerdings dieses Mal heftig von den Füßen gerissen hatte, gab es mal wieder etwas ganz Einfaches. Verarbeitet wurde ein Wollbobbel, den ich letztes Jahr auf Norderney gekauft hatte – ein Baumwoll-Poly-Gemisch. Die Lauflänge weiß ich gar nicht, es war keine Banderole darum.

Ich habe ja schon öfter derartige Bobbel verarbeitet, habe aber doch auf meine alten Tage noch was gelernt: Bei diesem Knäuel handelt es sich um eine sogenannte „Tuchwicklung“, die von innen nach außen verarbeitet wird. So sind dann die bunten Streifen zumindest annähernd gleich breit, auch wenn man bei einem Dreiecks- oder Fünfeckstuch immer mehr Maschen hat. Die Wicklung war ganz gut, man konnte von innen heraus bis zum Schluss stricken, ohne dass die Wolle sich verhedderte. Allerdings waren die Übergänge etwas knubbeliger, als ich das von meiner geliebten Wolle von 100 Farbspiele gewohnt bin.

Gestrickt habe ich ein einfaches Fünfecktuch mit Zunahme von 8 Maschen in jeder zweiten Reihe (also 12 Maschen anschlagen, in der ersten Reihe Maschenmarkierer nach der 3., 6. und 9. Masche setzen und dann jeweils an den Reihenenden sowie rechts und links neben dem Maschenmarkierer zunehmen). Das Muster war absolut fernsehtauglich, jeweils sechs Reihen glatt rechts, dann glatt links und als Abschlusskante ein großes Perlmuster. Das geht auch noch mit Kopfweh und Fieber. Und wie immer bei dieser Art von Tuch dachte ich am Anfang, ich bin gleich fertig, und verzweifelte irgendwann fast ob der puren Menge der Maschen. Es waren um die 800 Maschen am Schluss – ich habe sie nicht mehr gezählt. Würden diese Tücher sich nicht so besonders gut tragen lassen, würde ich mir das nicht antun 😉

Das war jetzt das insgesamt vierte Fünfecktuch, dass ich gewerkelt habe – eines in Rot-Gelbtönen, eines aus ulkigen Resten und eines mit etwas komplizierterem Muster in Pastelltönen. Dieses Tuch bleibt bei mir!

Klein-Meikes Leseschätze – Britta und ihre Pferde

Auch diese Reihe besitze ich als Sammelband – zwei Mark hat es mich vor vielen Jahren auf dem Echinger Flohmarkt gekostet. Als Kind hatte ich nur einen der elf Bände zuhause und musste die anderen zehn in der Bücherei oder von einer Freundin ausleihen. Das habe ich oft getan – aber warum, kann ich inzwischen gar nicht mehr so recht nachvollziehen. Denn eigentlich passiert nicht viel und ich war auch wahrlich kein „Pferdemädchen“. Es geht um

Britta und ihre Pferde – von Lisbeth Pahnke 

Der Scutzumschlag war übrigens schon weg, bevor ich das Buch kaufte!

Darum geht es: Das Mädchen Britta wächst in den 60er Jahren in Schweden auf. Ihr Hauptinteresse sind Pferde. Sie geht zur Reitschule, hat aber kein eigenes Pferd. Wenn die Reitschule über die Sommerferien schließt, verfällt sie fast in Depressionen und als ihr Lieblingspferd bei einem Unfall verstirbt, ist sie untröstlich. Daher bekommt sie von ihren Eltern ein eigenes Pony.

Nach Abschluss der Schule geht Britta zunächst für eine Weile aufs Land, wo sie als Stallhilfe arbeitet. Später beginnt sie in einer kleinen, im Aufbau befindlichen Reitschule als Reitlehrerin und denkt auch, dass dieser Beruf das Richtige für ihren weiteren Lebensweg ist. Sie findet einen Freund, der ähnliche Interessen hat, und denkt darüber nach, sich mit ihm mit einem Gestüt selbständig zu machen.

Was ist das Besondere: Als Kind mochte ich die Beschreibung der Reitgemeinschaften und die lustigen kleinen Erlebnisse: die Ausflüge mit Picknick, das gemeinsame Trainieren, das Vorbereiten von Festen oder Wettbewerben. Das alles erschien mir in meiner kleinen Welt schön und bedeutend. Inzwischen wundert mich das ein bisschen, denn wenn man ehrlich ist, passiert elf Bände lang furchtbar wenig. Gut, es geschehen mal kleine Unfälle und es sterben auch zwei Pferde, ein paar Wettbewerbe werden gewonnen und es gibt oft Kakao, aber damit hat es sich auch schon. Ein Satz prägte sich mir beim nochmaligen Lesen dahingehend ein: „Wir hatten einen schönen Ritt durch den Wald und es passierte nichts Besonderes.“ Hmmm, ja. Gut. Vielleicht ist es gerade das, was mich damals so angezogen hat: Eine ruhige kleine Welt mit einer fröhlichen Gemeinschaft, Sommer mit Hitze und Apfelsaft sowie Winter mit Schnee und Kakao.

Eine Szene wie dem Buch entnommen – Schimmel und Schlitten
(Bild von Pixabay)

Was gibt es noch: Als ich die Bücher im letzten Jahr noch einmal las, fiel mir auf, wie grauslich schlecht sie übersetzt und lektoriert sind. Da hat der Verlag sich wirklich überhaupt keine Mühe gegeben. Es sind Fehler darin, die einen wirklich lachen lassen – und das sollte bei Kinderbüchern eigentlich nicht passieren.

  • So heißt Brittas Bruder anfangs Nisse, später Lasse. Zum Glück kommt er selten vor, sonst wäre man verwirrt, denn auch Brittas Freund heißt Lasse.
  • Oft stimmt die Perspektive oder der Bezug nicht – dann spricht plötzlich das Pferd, oder das Pferd macht einen tollen Vorschlag, der natürlich sofort umgesetzt wird.
  • Die Bücher wurden von unterschiedlichen Personen übersetzt. Eine Übersetzerin hat sowohl die schwedischen Kronen und Öre in Mark und Pfennig übersetzt, die andere nicht. Und auch die Namen wurden teilweise übersetzt – es dauerte z. B. eine Weile, bis ich kapiert habe, dass Ingrid und Inger eine Person sind.

Diese Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortsetzen. Natürlich bin ich inzwischen geschult darin, etwas Korrektur zu lesen. Ich erinnere mich aber, dass mir auch als Kind das eine oder andere davon schon aufgefallen ist.

Trotz dieser Mängel habe ich diese Bücher früher ausgesprochen gerne gelesen. Ich denke aber, dass es Zeit wird, mich von dem dicken Buch zu trennen – nochmal brauche ich das wohl nicht.

Schön ausgedrückt – gnadenlose Alterungsbeschreibungen

Diese Kategorie hatten wir schon lange nicht mehr. Dabei liegt der Beitrag schon eine Weile fertig bei mir herum. Nun, vielleicht hatte ich einfach eine gewisse Scheu, sowas zu veröffentlichen. Doch da ich das eine oder andere auch an mir beobachte, bin ich Betroffene und kann somit hemmungslos darüber reden, über das Thema …

Gnadenlose Alterungsbeschreibungen

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt in die Kategorie „Schön ausgedrückt“ einsortieren sollte, denn wirklich schön sind die Ausdrücke, mit denen oft die sichtbaren Alterungsprozesse bei Mann und Frau bezeichnet werden, nicht. Viele sind umgangssprachlich und eher garstig ausgedrückt, aber sehr deskriptiv und daher oft recht lustig. Und das eine oder andere mag auch durchaus in die Kategorie passen, also belasse ich es dabei.

„Was hast du gesagt?“
Bild von Pixabay

Beginnen wir mit dem, was eine zurückweichende Haartracht besonders bei Männern beschreibt: die Geheimratsecken. Das klingt würdevoll und ist sicherlich auch so gemeint, denn Geheimrat (oder Hofrat in Österreich bzw. Ratsherr in der Schweiz) wurden nur kluge ältere Herren. Laut Wikipedia weisen diese Ecken nicht selten auf eine beginnende Glatzenbildung hin, was noch neutral formuliert ist. Auch der Paterkranz bei Männern, denen die Glatze nach Art einer Tonsur entsteht, klingt noch recht freundlich. Spöttischer klingt da schon „dem kommt das Knie durch“ oder „er lässt sich eine Badekappe wachsen“. Und optimistisch klingt „bei dem kommt die Weisheit durch“.

Besonders viele Veränderungen gibt es natürlich im Bereich des Gesichts: die kleinen Lachfalten um die Augen, die ich bei Männern so attraktiv finde, werden als Krähenfüße bezeichnet, was sie meiner Ansicht nach unnötig abwertet. Denn es gibt doch nichts Schlimmeres, als so ein unbewegliches Botox-Gesicht, dem man auch in Kummer oder Freude nicht ansieht, dass darin etwas lebt. Daher bevorzuge ich gerade bei Lachfalten den Ausdruck Lebenslinien, denn das trifft es viel besser.

Weniger hübsch finde ich die tiefhängenden Schlupflider oder diese stark verschwollen wirkenden Augenpartien, die gemeinhin als Tränensäcke bekannt sind. Dass man auch damit international berühmt werden kann, hat uns Kommissar Derrick eindrucksvoll bewiesen.

Rutscht im Alter die Figur ein wenig durcheinander, wird man also ein wenig mehr um die Mitte herum, wird gerne von einer Wampe, einem Bierbauch oder einem Knödelfriedhof gesprochen. Das trifft so allerdings eher Männer, Frauen sind einfach nur dick. Manchmal werden sie um die Mitte dicker und obenrum dünner, das wird dann mit dem unschönen Ausdruck Hängebrüste beschrieben. Und wenn die Haut an den Oberarmen erschlafft, empfiehlt so mancher selbst ernannte Modeberater den Damen (und nur ihnen!), dass sie keine ärmelfreie Kleidung mehr tragen sollen, damit man das „Schwiegermutterwinken“ nicht so sieht. Herren im Feinripp-Unterhemd sind davon anscheinend nicht betroffen.

Meine Lieblingszone bei den unfreundlichen Alterungsbezeichnungen ist jedoch der Hals: Ein früher einmal schlanker, glatter Schwanenhals mutiert im Alter gerne zum Putenhals – eine zoologische Sensation. Und den schönsten, wenngleich garstigsten Ausdruck benutzten meine ansonsten seriösen Eltern und ihre Bekannten für eine Dame, deren Doppel- oder Dreifachkinn im Alter erschlaffte und sich nach unten bewegte: Da fiel tatsächlich der Ausdruck „Bammelfresse“. Und diesen Ausdruck finde ich schon ganz schön unerhört. Das hätte ich als Kind mal zu jemandem sagen sollen!

Klein-Meikes Leseschätze – Susanne Barden

Ich bin schon wieder krankgeschrieben – 2020 scheint ein Seuchenjahr zu werden. Zum Glück habe ich es dieses Mal etwas früher gemerkt, dass in meinem Körper etwas vor sich hin köchelt, sodass die Kraft immerhin für Kinderbücher ausreicht.

Dieses Mal möchte ich eine kleine Reihe empfehlen. Aus den ursprünglich sieben Folgen wurden für die gängigsten deutschen Ausgaben drei dicke Bände gemacht, die meine Schwester irgendwann um 1980 herum bekam. Es gab aber auch die Ausgabe mit sieben Bänden zu kaufen. Ich habe mir die dickeren Bücher viele Jahre später bei Ebay gekauft, damit ich immer mal wieder reingucken kann. Es geht um

Susanne Barden, von Helen Dore Boylston 

Darum geht es: Die zwischen 1936 und 1952 in den USA erschienene Reihe um die junge Susanne Barden beschreibt den Weg einer jungen Frau, die in den 20er Jahren ihr Elternhaus verlässt, um Krankenschwester zu werden. Im ersten der drei Doppelbände geht es um ihre Ausbildungszeit in einem großen Lehrkrankenhaus: Zunächst ist sie Probeschwester, ständig in der Angst etwas falsch zu machen und noch auf der Suche nach Freundinnen, die sich aber schnell finden. Gemeinsam mit Kit und Connie wird sie reguläre Lernschwestern und durchläuft all die verschiedenen Stationen ihrer Ausbildung von der Ambulanz über den Operationssaal bis hin zur Säuglingspflege. Natürlich findet sich auch ein netter junger Assistenzarzt, der sich für sie interessiert.

Im zweiten Doppelband findet Susanne ihre wahre berufliche Bestimmung und wird ambulante Krankenpflegerin. In der New Yorker Henry-Street-Stiftung wird sie ausgebildet, um dann nach allerlei Irrungen und Wirrungen zu ihrem Verlobten aus’s Land zu ziehen und dort als ländliche Fürsorgeschwester zu arbeiten.

Im dritten Band, der die drei letzten Folge der Originalserie enthält, wechselt Susanne die Rollen mehrmals: Sie ist Leiterin einer kleinen Schwesternschule auf dem Land, bekommt dann mehrere Kinder und nimmt quasi einige Jahre Elternzeit und kehrt dann in den normalen Alltag einer Krankenschwester auf Station zurück.

Das ist das Besondere: Obwohl die Bücher in den 20er und 30er Jahren spielen, kamen sie mir niemals altmodisch vor. Natürlich beinhalteten auch sie noch das traditionelle Frauenbild – so gibt es zum Beispiel keine Ärztinnen, sondern nur Krankenschwestern, und die meisten verheirateten Frauen hören schnell auf zu arbeiten. Doch die Figur der Susanne strebt immer nach Unabhängigkeit, danach, sich möglichst umfassend auszubilden und immer mehr zu lernen. Sie will ihre gute Ausbildung auch nicht dadurch „verschenken“, dass sie schnell heiratet und Hausfrau wird. Sie bedauert mehrfach, dass die Fähigkeiten von Frauen so oftmals nicht richtig genutzt werden.

Die Serie ist meines Erachtens sehr realistisch. Weder sind Susanne und ihre Freundinnen Mauerblümchen, noch sind sie, bei aller Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Ausbildung vorantreiben, Streberinnen. Auch zwischen Susanne und ihrem Mann Bill gibt es ab und zu Phasen, in der sie um ihre Beziehung kämpfen müssen. Ihre Kinder sind nicht immer wohlerzogen und ihre Bekannten keine Musterbürger. Ihnen wird nichts geschenkt, doch es ist der Grundtenor der Bücher, dass man lieber anpackt und etwas ändert, anstatt lange zu klagen.

Das gibt es noch:  Über eine Sache habe ich mich schon als Kind immer wieder amüsiert, denn sie kommt bei Kinder- und Jugendbüchern immer mal wieder vor: Die Namen wurden übersetzt. Susanne Barden heißt eigentlich Sue Barton, und ihr Mann heißt ganz bestimmt nicht Wilhelm, sondern William. Warum konnte man das nicht einfach so lassen? Merkwürdig, aber auch nicht wirklich störend.

Die Bände heißen in der zusammengefassten Version:

  • Susanne Barden – Hinaus ins Leben
  • Susanne Barden – Weite Wege
  • Susanne Barden – Reifen und Wirken

Die Masken fallen

Eine ganz kleine Geschichte, die letztes Jahr am Faschingsdienstag entstand und nun ja zeitlich ganz gut passt. Dazu noch ein frommer Wunsch: Mögen alle Suchenden für sich den passenden oliver oder die passende Olivia finden – ganz wie es beliebt!

Die Masken fallen

Bild zur Verfügung gestellt von Pixabay

Sie hatten miteinander gelacht. Sie hatten miteinander getrunken. Sie hatten einander geküsst und sich auf der noch warmen Motorhaube eines großen Mercedes geliebt. Und nun, im Morgengrauen des Aschermittwochs, zeigten sie einander ihr wahres Gesicht.

Olivia, die eigentlich eine aschblonde Kurzhaarfrisur trug, nahm die lange goldblonde Lockenperücke ab und ersetzte die verspiegelte Sonnenbrille durch ihre nüchterne Fielmann-Brille mit dem silberfarbenen Metallgestell. Jetzt konnte sie Enrique endlich richtig sehen. „Ich heiße Erich“, sagte Enrique und nahm die Pferdeschwanzfrisur, den Schnurrbart und die Maske des Zorro verlegen lächelnd ab. Das fahle Licht der aufgehenden Sonne ließ seine Glatze samtig glänzen. „Und ich heiße Oliver“, sagte Olivia und grinste leicht scheu. Erich grinste zurück, und dann lachten sie beide und fanden es richtig. Alles war richtig: der Abend, das Bier, der Mercedes und die kalte Parkbank, auf der sie nun saßen.

Prinzessin sein

Im Schreibworkshop gab es mal wieder eine ganz kleine Übung zum Thema „Ein anderer sein“. Für diese Lockerungs-Übungen ist immer nur ganz wenig Zeit, weshalb ich in der Regel mit der allerersten Idee drauflosschreibe, die mir durch’s Gehirn fährt. So wurde es dieses Mal … „Prinzessin sein“!

Und da es ja auch noch auf Karneval zugeht, passt es sogar in die Jahreszeit 🙂

Prinzessin sein

Krone, Wasserfarben

Bild von Pixabay

Ich bin die Prinzessin auf dem schwarzen Pferd. Die, auf die alle Männer warten – das Gegenstück zum Prinzen auf dem weißen Pferd.

Ich reite durch die Stadt in pummeliger Eleganz. Am Strand oder in einem riesigen Park wäre sicherlich noch eleganter, aber das Ganze nützt ja nichts, wenn mich keiner sieht. Der Palmengarten wäre vielleicht noch eine Alternative, aber da sind Pferde sicher nicht erlaubt und eine Oma mit Rollator möchte ich auch nicht umreiten.

Ich trabe also gemächlich auf dem Römer herum, sehr zur Freude der vielen dort ausgesetzten Japaner, die mich als deutsches Kulturgut erkennen und unzählige Bilder von mir und meinem Rappen machen. Das royale Winken klappt schon ganz gut, nur manchmal, wenn es wackelt, brauche ich diese Hand, um meine Krone festzuhalten. Die Krone ist ein Herrenmodell, schwer und massiv, denn diese lächerlich kleinen Prinzessinnen-Krönchen passen nicht auf meinen großen Kopf mit dem dramatisch herabwallenden Haar. Immerhin ist ordentlich Glitzer dran. Die englische Königin hat mehrere Kronen, habe ich kürzlich in einer Dokumentation gesehen. Das brauche ich nicht, für den Alltag reicht eine Pudelmütze. Heute aber ist Krönchen-Tag.

Ich zweige ab und reite den Main entlang. Vor dem kleinen Bistro, in dem es die tollen Nachtischteller gibt, sitzen jede Menge Leute und bewundern mich. Zurecht natürlich, diese hoheitliche Erscheinung muss mir erst einmal einer nachmachen. Ob es meinem Nimbus wohl abträglich ist, wenn ich absteige und so einen Dessertteller bestelle? Egal – ich in eine Prinzessin. Ich darf das.

Dessertteller im Bistro am Main – verschnabuliert letztes Jahr im Oktober