Fundstücke 48: Alles für den Hund

Odin, Irish WolfEs gibt Leute, die nutzen Facebook ganz sachlich dazu, um andere zu informieren. Und so schrieb da einer in einer Gruppe, dass ein Antrag gestellt worden sei, und zwar auf die Aufstellung einen Hundekottütenautomats mit Abfalleimer irgendwo da, wo Leute mit Hunden gerne herumlaufen.

Der Antrag wurde bearbeitet und bewilligt, allerdings formulierten die offiziellen Antragsbeantworter ein wenig anders: Man wolle einen Hundekotbeutelspender anbringen, einen Abfallbehälter mit Deckel installieren sowie die Leerungsintervalle anpassen.

Puh, ich bin beeindruckt – so schöne Worte allein für den Hund. Damit wäre man beim Galgenraten der King und würde beim Glücksrad reich werden. Und in meinem inneren Radio hörte ich schon die pragmatisch-kurze Bitte von Herrchen an Frauchen, wenn der Hund geschissen hat: „Gib‘ mir mal ’nen Kacksack!“

P.S.: Danke an Christian für diese wohlduftende wohlformulierte Inspiration.

Glatze wär‘ schlimmer

Vor kurzem saß ich mal wieder beim Frisör meines Vertrauens und mopste mich ein wenig. Diese Einwirkzeit der Strähnchenfarbe ist immer ein wenig zäh, denn da ich meine Brille dann nicht aufhabe, kann ich nicht gut in diesen hochinteressanten Magazinen lesen. Gut, ich könnte darin herumblättern und die Überschriften studieren, aber wer genau mit wem oder wem nicht und warum und weshalb, das würde mir dann entgehen. Da liefe ich glatt Gefahr, die falschen Schlüsse zu ziehen! Auch wüsste ich nicht, wer diese entzückenden Kleider alle designt hat und was die must-not-haves dieser Saison so kosten würden, wenn man sich doch zum Kauf entschlösse.  Mir entginge schlicht das ganze Kleingedruckte, und nur Bilder finde ich öde. Also machte ich aus purer Langeweile ein Foto von mir im Spiegel und postete dieses auf Facebook. Die Resonanz war überwältigend …

Gleich drei Bekannte posteten ähnliche Fotos. Scheinbar bin ich nicht die Einzige, der beim Frisör nichts Besseres einfällt. „Es wird halt aufwendiger“, kommentierte meine frühere Sandkastenfreundin Anne, und sie hat recht: Vorbei sind die Zeiten, in denen die lange Mähne ohne besonderes Zutun bei jeder Bewegung wild in der Gegend herumwallte und güldene Kringel bildete.

Kringel bildet meine Frisur noch immer, allerdings hat sich der metallische Glanz verändert: Statt Gold hat sich nun Silber hineingeschmuggelt. Das ist schon Alchemie der besonderen Art: Statt aus Stroh Gold zu machen, wird hier aus Gold Silber oder, wenn man ehrlich ist, eher Alteisen. „Wenn man auf Aschblond mit Grau einfach Aschblond drüber tönt, sieht das ziemlich nach Asche aus“, kommentierte eine der netten Frisörinnen die Malaise irgendwann ungeschönt, weshalb ich mich für die zweifarbigen Strähnchen mit „Highlights“ entschied. Nun habe ich also Aschblond mit Grau, Mittelblond und Gold auf dem Kopf – wahrscheinlich sehe ich irgendwann aus wie ein Meerschweinchen.

Meerschweinchen, Bild zur Verfügung gestellt von nero, http://www.pixelio.de

Worüber ich mich hingegen nicht beklagen kann, ist das früher so oft in der Werbung besungene Volumen – Masse ist vorhanden. Es gab Zeiten, da war das anders – da war mein Köpfchen deutlich weniger behaart. Zwar kringelte es sich damals schon, aber dünn und wenig vorteilhaft. „Schweineschwänze“ nannte meine Schwester diese Frisur einmal – nur gut, dass mich sowas damals noch nicht gestört hat.

Ehrlich gesagt stört mich eine nicht sitzende Frisur auch heute noch nicht. Es wächst halt reichlich fröhliches Kraut auf meinem Kopf, schwer zu bändigen und an feuchten Tagen immer kurz vor der Explosion. Irgendwas ist wohl immer – und mein Wildwuchs ist wohl eher ein Luxusproblem.

Fundstücke 47 – Wetterbericht

Ich dachte, ich sei ihm entronnen – meinem altem norddeutschen Feind, dem Sprühregen. Doch nun sprüht es schon seit Tagen, nur ab und an unterbrochen durch Platschregen, was objektiv betrachtet nicht besser ist. Und doch hatte ich vorhin an der Bushaltestelle das Bedürfnis, meinen Schirm kurz abzulegen und ein Foto zu machen: Denn besser als dieses aufgeweichte Stück Salzgebäck* kann man die Großwetterlage derzeit nicht beschreiben.

Doch wie immer, wenn man genau hinsieht, kann man der desolaten Lage auch etwas Schönes abgewinnen. Ich bin ja immer ein Freund von vollgeregneten Pflanzen und heute gab es für mich nicht nur Blättchen, sondern auch Beeren.

Und wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch Ostfriesentee (hab ich), Pflaumenkuchen (hatte ich), eine Kerze (Check!) und dazu gemütlich Musik hören – dann herbstelt es zwar schon ein bisschen, aber immerhin regnet es nur draußen.

 

*Anmerkung: Das Salzgebäck oben ist so eine Art PomBär – ein aufgeplusterter Chip. Seine Struktur hat er dank des vielen Wassers inzwischen verloren, was als Beweis dafür zu werten ist, dass viel Trinken gegen Falten hilft.

90 Minuten Juli-Wetter

Kürzlich habe ich mal wieder meine liebe Schwester besucht. Die wohnt in tiefster norddeutsche Tiefebene – tiefer geht es nicht. Trotz der wilden Wetterkapriolen machten wir am Sonntag eine kleine Tour durch Butjadingen. Die Sonne schien, es regnete, es windete und war schwül. Etwa die letzten 90 Minuten unseres Ausflugs habe ich geknipst – auch wegen des wilden Wetters. Die Bilder kommen hier in chronologischer Reihenfolge.

Da es im angepeilten Sehestädt regnete wie aus dem Eimer, fuhren wir einfach weiter und landeten in Eckwarderhörne. Als wir ankamen, war es immer noch nass, doch nach einer Portion Pommes im Strandlokal klarte es auf und lud dazu ein, ein Stück auf dem Deich zu laufen. Wenige Minuten später sah die Sache jedoch schon anders aus:

Wir hockten uns trotzdem noch ein Weilchen auf eine Bank, genossen den lauen, feuchten Wind und den Blick quer über den Jadebusen nach Wilhelmshaven, das unter dunklen Wolken lag. Irgendwann wurde es uns dann aber doch zu finster, sodass wir flotten Schrittes zum Auto zurückeilten.

Alle weiteren Fotos entstanden durch das Autofenster, was erstaunlich gut funktionierte. Zum Glück goss es weniger heftig als befürchtet, so dass die Sonne noch eine Chance hatte.

Wir sahen in der Ferne das Kernkraftwerk Unterweser in der Sonne strahlen (ja, ja, fünf Euro ins Kalauerschwein), doch davon machte ich kein Foto. Ich mag die großen Windräder lieber. Viele Leute mögen sie nicht, ich aber finde sie äußerst dekorativ.

Auch die Weite der Landschaft faszinierte mich mal wieder, wenn ich auch zugeben muss, dass ich um nichts in der Welt da wohnen möchte. Ich bin zwar auf dem Land aufgewachsen, aber zwischen Dorf und Nichts ist doch ein Unterschied.

Immerhin kann man sich in dieser Ecke nicht über zu viel Verkehr beschweren. Auf den Straßen ist zumeist reichlich Platz, ein Luxus, den ich, wenn ich noch ein Auto hätte, wohl durchaus zu schätzen wüsste.

Der Ausflug war, trotz des ausgesprochen durchwachsenen Wetters, mal wieder richtig schön. Ich genieße meine norddeutsche Heimat immer noch, auch wenn ich inzwischen überzeugte Frankfurterin bin. Wer weiß, vielleicht haue ich irgendwann meine Rente ja doch im hohen Norden auf den Kopf – muss ja nicht ganz in Butjadingen sein 🙂

weiß-blauer Kuschelschal

Das dritte Projekt aus der geerbten Wolle wäre fast gar nicht zustande gekommen. Denn die beiden Materialien, die ich letztendlich kombiniert habe, waren mir von Anfang an suspekt. Folglich hatten beide schon einen Kurzaufenthalt im Papierkorb hinter sich, bevor sie doch noch eine Chance bekamen.

Zweierlei Material

Das weiße Poly-Fransengarn trägt den schönen Namen Plush und ist von Patons/Coats. Ich hatte nur ein Knäuel davon und es verlangte Nadelstärke 8 – folglich beschloss ich schon bei der ersten Sichtung, dass das zu nichts reichen würde und deshalb entsorgt gehört. Ich legte es in den Papierkorb, holte es allerdings nach einigem Nachdenken wieder heraus – wegschmeißen kann man ja immer noch.

Das blaue Microfaser-Pompongarn hatte ich ebenfalls auf der Abschussliste, doch weil jemand anderes es schön fand, nahm ich die drei Knäuel mit heim und versuchte mein Glück damit. Ich schlug mühsam ein paar Maschen an und strickte ein Teststück. Es sah scheußlich aus – der Rand war buckelig und löchrig. Folglich landete auch dieses Garn zunächst im Abseits.

Als mir jedoch der Gedanke kam, die beiden Außenseiter zu kombinieren, ging die Sache voran: Ich rette das blaue Garn aus der Mülltüte und schlug mit dem hellen Fransengarn einen schönen festen Rand an. 20 Maschen gab es, einfach kraus rechts gestrickt und dann stur geradeaus. Das sah nicht so schlecht aus. Die kleinen Bommeln des Pompomgarns (das ich selber niemals kaufen würde!) suchen sich ihren Platz und die Farben harmonierten sehr schön.

Ich strickte also unbeirrt vor mich hin – immer vier Reihen weiße Fransen und sechs Reihen blaue Bommeln. Auf diese Weise konnte ich beide Materialien gleichmäßig verarbeiten, bis der Schal eine schöne Länge hatte und beide Sorten Garn ziemlich alle waren. Das Endergebnis gefällt mir überraschend gut, so dass ich froh bin, dieser zunächst ungeliebten Erbwolle noch eine Chance gegeben zu haben.

Doch jetzt kommt’s: das große Aaaaaaber …

Ich habe jetzt drei Projekte aus diesem dicken, geerbten Effektgarn gestrickt. Alle drei sind recht schön geworden. Aber irgendwie ist das für mich kein richtiges Stricken: Das Werkeln mit diesen besenstieldicken Nadeln, mit Garn, das jedes Muster im Keim erstickt, ist nicht so richtig mein Ding. Projekte, die in wenigen Stunden abgeschlossen sind, befriedigen mich nicht. Stricken ist für mich ein langsamer Prozess, bei dem ich mich entspanne, nebenher fernsehe, ein Hörbuch höre oder einfach die Gedanken ziehen lasse. Eine Socke aus ganz dünnem Garn dauert viel länger als dieser lange Schal und irgendwie freue ich mich mehr über ihre Fertigstellung als über so ein Blitzprojekt. Das ist sicherlich Geschmacksache, aber die nächsten Projekte müssen wieder mal aus feinerem Garn entstehen – auch wenn noch ganz viel fransige Erbwolle vorhanden ist.

Hier lesen ja einige Strickerinnen mit – wie ist das für euch?

Nachhaltige Handtuchwirtschaft

Eigentlich bin ich ein ziemlich ausgeglichener Mensch. Mein Glas ist immer mindestens halb voll, sowas nennt man wohl Optimismus. Doch ab und zu trübt ein Wermutstropfen mein ansonsten heiteres Ich, und zwar immer dann, wenn ich mein Badezimmer betrete: Denn ich bin mit meiner Handtuchsituation unzufrieden.

Ich bin in meiner Jugend noch mit einer Aussteuerkiste gesegnet worden, ein Umstand, den ich nach wie vor nur halbgut finde. Ja, man musste nicht alles kaufen, als man auszog, man wurde ausgestattet. Mit Besteck, Geschirr und Handtüchern. Noch immer bin ich mit Aussteuerhandtüchern eingedeckt, in dekorativem 80er-Jahre-Pastell, das mir noch nie gefiel. Meine Handtücher sind größtenteils über 30 Jahre alt und sehen auch so aus. Aber sie sind noch gut. Sie erfüllen ihren Zweck: Man kann sich damit abtrocknen. Handtücher müssen keinen Schönheitspreis gewinnen.

Sie sehen grauslich aus. Schön waren sie nie, nun sind sie alt und verwaschen.

Haben will die sicher niemand mehr. Sie einfach wegzuwerfen wäre Verschwendung und nicht nachhaltig. Es gibt auch keinen rationalen Grund dafür. Ja, gut, irgendwann wird auch der beste Stoff mal alt, aber soweit sind sie noch lange nicht. Mein ältestes Handtuch ist älter als ich, es gehörte Paula. P. Möhle ist eingestickt, alt und verblichen, aber noch lesbar. Paula starb 10 Jahre vor meiner Geburt, bislang habe ich ihr großes Saunatuch in Ehren gehalten. Sollte ich das nun ändern, nur aus geschmäcklerischen Befindlichkeiten heraus? Ist das nicht entsetzlich oberflächlich? Doch, das ist es, ganz bestimmt. Ich habe schon die Handtücher von Großtante Martha heimlich weggeschmissen, die bei all ihrer furchterregenden Scheußlichkeit eine ausgezeichnete Qualität hatten. Mit denen hätte man sicher noch meinen Sarg muckelig auspolstern können.

Aber ist es denn unziemlich, Handtücher haben zu wollen, die einem gefallen, bevor man 50 ist? Ich bin 47, bis dahin ist natürlich noch viel Zeit. Ich kann es ruhig angehen lassen mit der Entscheidung. Niemand drängt mich dazu.

Der Zoo nimmt gebrauchte Handtücher, hat man mir erzählt. Für die Affen zum Spielen, und zum Einmummeln von Tierbabys. Das wäre doch schön für meine alten Walkfrottiertücher, da könnte auch Paula nichts dagegen haben. Und auch Tante Hilde nicht, die mir zur Konfirmation das beigefarbene Frotteewunder mit dem aufgedruckten Biedermeierstrauß zukommen ließ. Das wäre doch ein Kompromiss. Und fast nachhaltig. Vernünftiger, als diese völlig intakten Haushaltstextilien einfach in einen Sack zu stopfen und zu entsorgen, auch wenn das schneller ginge und viel praktischer wäre.

Vielleicht sollte ich den Scheiß einfach wegschmeißen. Ich will neue Handtücher!

Fundstücke 46: Kryptisches im Nordwesten

Das heutige Titelbild der Nordwest-Zeitung ließ allerhand Fragen offen:

Titel Nordwest-Zeitung 31.07.2017

Der Kutter „Christine“ hat die Fedderwardersieler Kutterregatta gewonnen – zumindest das konnte man der Titelgeschichte der Nordwest-Zeitung, die im Raum Oldenburg aufgelegt wird, entnehmen. Aber wie so oft in letzter Zeit habe ich mich gefragt, ob nicht doch mal jemand hätte Korrektur lesen können, bevor eine Zeitung in Druck geht. Denn die Zeile oben im Bild gab allen Familienmitgliedern schon beim Frühstück Rätsel auf. Mein armer Schwager zweifelte gar an seiner Sehfähigkeit und buchstabierte lange an den fünf Worten herum. Er war regelrecht erleichtert, als wir diese Headline ebenfalls für sinnlos befanden.

Zusätzlich habe ich mich gefragt, ob in der Welt am letzten Wochenende tatsächlich nichts Wichtigeres passiert ist als die Fedderwardersieler Kutterregatta, doch das ist sicher Ansichtssache. Und so eine Zeitungs-Titelseite muss ja auch nicht immer nur von Katastrophen berichten. Von hier also einen herzlichen Glückwunsch an Söhnke Thaden, dem man in der Zeitung zwar die Ö-Punkte geklaut hat, der seine „Christine“ aber offensichtich gut in Schuss hat. Weiter so!

Komische Gewohnheiten: Ich esse meins, iss du einfach deins!

Es gibt Dinge, die mag man einfach nicht so gerne, ohne dass man genau wüsste, warum. Manchmal traut man sich kaum, das zu sagen, weil man dann angeguckt wird, als wäre man komisch. Oder man erzählt es nur Leuten, die man wirklich gut kennt, weil die einen dann zwar angucken, als wäre man komisch, einen aber trotzdem noch mögen.

Mein Thunfisch – meiner ganz alleine! Finger weg!

Trotz dieser Vorbehalte habe ich kürzlich einer Gruppe von Kollegen und Geschäftspartnern etwas erklärt, weil ein Vorschlag schon zum zweiten Mal kam und ich das nicht wollte. Ich habe mich geoutet und – bekam Zustimmung. Zwar nur von einer aus der Runde, aber diese Zustimmung war vollständig. Ich fühlte mich angenommen und bestätigt. Denn: Ich teile nicht gerne mein Essen mit fremden Leuten.

Diese Aussage soll nun bitte nicht missverstanden werden – ich habe nichts dagegen, mit jemandem den Inhalt meines Kühlschranks zu teilen, wenn sich jeder eine eigene Stulle macht und diese dann aufisst. Was ich aber ganz schrecklich finde, ist diese Teilerei im Restaurant: „Wollen wir uns nicht noch ein Dessert mit vier Löffeln bestellen?“ Nein! Schreck und Graus! Ich esse nicht mit drei anderen aus einem Schüsselchen, ich mag das nicht. Ich will mein eigenes Schüsselchen. Ich esse ein Dessert auf und wenn ich denke, dass ich das nicht schaffe, bestelle ich mir keins.

Gerne genommen wird ja auch gegenseitiges Probieren. Nun habe ich gar nichts dagegen, wenn die ewige Antje gerne mal mein Essen kosten möchte, ordentlich fragt und dann ein Stück aufpiekt. Oder wenn sie mir Gurken rüberschiebt, die sie nicht mag, die ich aber gerne esse. Wir beiden kennen uns, sind vertraut miteinander. Aber ein gegenseitiges auf dem Teller stochern mit Leuten, die man nicht schon ewig kennt, finde ich echt fies.

Wenn ich mir mein Essen aussuche, mache ich das auch immer sehr bewusst, und ich freue mich auf das, was da kommt. Wenn dann der Vorschlag kommt: „Wir können die Pizza ja teilen und jeder kriegt von jeder ein Stück“, dann werde ich bockig. Nein, das da ist meine Pizza, ich will genau diese Sorte heute essen. Ich will nicht ein Stück meiner Lieblingssorte und dann noch ein paar Stücke von irgendeinem Essen, das ich mir nicht ausgesucht hätte. Teile, wer will, ich esse meins. Da spiele ich durchaus mal den Partypupser, der einfach nicht mitmacht. Wahrscheinlich bin ich da wirklich komisch, aber das macht mir nichts aus. Lieber ehrlich merkwürdig als mit zu vielen Leuten im Napf gerührt – diese Erste-Welt-Marotte nehme ich für mich in Anspruch.

Hafertee

Vor einer Weile war ich mal wieder unterwegs ins Schwimmbad – dieses Mal ins Frankfurter Rebstockbad. Das ist eigentlich nichts Besonderes und auch dieser Tag war nicht spektakulär. Es war ein Freitagnachmittag, ich hatte recht früh Feierabend gemacht, das Wetter war schön und ich fühlte mich gut. Flotten Schrittes – so schätzte ich das ein – ging ich die wenigen Meter von der Straßenbahn zum Bad. Vor mir lief eine ältere Dame, die eher schlecht zu Fuß war und zudem noch einen Hackenporsche hinter sich herschleppte. Ich überholte sie beschwingt – so fand ich. Sie rief hinter mir her: „Entschuldigen Sie mal …“ Ich hielt an und wartete auf sie. Vielleicht wollte sie nach dem Weg fragen, oder wissen, wo ich meine schicke Bluse gekauft habe – dachte ich. Sie aber hatte ein anderes Anliegen: Sie wollte mich beraten, wegen meiner schmerzenden Füße. Ich war etwas verdattert, denn meine Füße taten gar nicht weh und auch das olle Knie, das mir manchmal Probleme bereitet, gab sich an diesem Tag ausgesprochen manierlich. Ich fragte also nach: „Wegen meiner Füße?“ „Ja, das merke ich doch. Ihnen tun die Füße weh, das sehe ich an Ihrem Gang!“ Ich sah auf meine großen Füße hinunter, sagte etwas wie „Ach was?“ und wunderte mich. Die Dame aber war nicht zu bremsen: Hafertee solle ich trinken, jeden Tag Hafertee. Der entwässert und entgiftet und macht einen besseren Gang. Ich dachte an das mühsame Gehumpel der Dame, fragte aber nicht, ob sie auch welchen trank. Stattdessen bedankte ich mich artig und ging – flott und beschwingt, wie ich noch immer fand – meiner Wege.

Bild zur Verfügung gestellt von Marc Wolf / http://www.pixelio.de

Natürlich beschäftigte mich das Gespräch noch eine Weile. Am nächsten Tag erzählte ich meinem Kollegen Daniel von dem Vorfall, und ich googelte, was Hafertee so kann: Alles, was die Dame gesagt hatte, stand da zu lesen, und sogar noch mehr. Entgiften, entwässern, Harn treiben – aha. Altes Hausmittel der Volksheilkunde – na gut. Wer möchte, der soll.

Ein paar Tage später war ich in der Apotheke und wie das Schicksal es will, kam ich direkt neben dem Teeregal zu stehen. Da war er, der Hafertee. Es gab große und kleine Päckchen. Ich nahm eines mit 40 Beuteln, schließlich soll man an der Gesundheit nicht sparen. Und ich wollte auch nicht knausern und Daniel was abgeben. So brühten wir uns also am nächsten Tag jeder ein Beutelchen auf, warteten die vorgeschriebenen sechs Minuten ab und probierten. Es schmeckte … wenig. Ein bisschen wie heißes Wasser, nur nicht ganz so kräftig. Aber gut, es ging hier ja nicht um den Geschmack, sondern um die Wirkung. „Merkst du schon was?“ Nö, auch nach einer Stunde oder so merkte ich nichts. Daniel auch nicht. Wir lasen nochmal, was alles so auf der Schachtel stand: Sechs Tassen täglich. Heiliger Bimbam! Ja, wenn ich sechs Tassen heißes Wasser täglich trinke, dann wirkt das in der Tat harntreibend, das will ich wohl glauben.

Bild zur Verfügung gestellt von Eva Kaliwoda / http://www.pixelio.de

Wir blieben dem Hafertee ein paar Tage lang treu – zwei vielleicht, oder auch drei. Gemerkt haben wir immer noch nichts, was daran liegen kann, dass die Dosis zu gering und die Behandlungsdauer insgesamt zu kurz war. Alles in allem fand ich, dass mir der Hafertee bislang nichts geschadet hat, aber wohl auch nichts genützt. Es sind noch ein paar Beutelchen übrig. Die trinke ich noch aus, irgendwann, und gucke, ob sich mein Gang verbessert. Catwalk, ich komme!

 

Nachtrag und Anekdote am Rande: Bei meiner Bildersuche auf Pixelio.de suchte ich natürlich nach dem Keyword „Hafer“. Sofort kamen jede Menge tolle Ähren und Felder. Dank meiner ländlich geprögten Kindheit erkannte ich jedoch: Nichts von dem, was auf Seite 1 in Großaufnahme zu sehen war, war tatsächlich Hafer. Es gab Weizen, Roggen und einiges, was ich in Panoramaaufnahme nicht sicher identifizieren konnte. Da kann man sich ja wirklich leicht blamieren, wenn man nicht ganz genau weiß, was man eigentlich sucht …

500

500, Blume, MakroNachdem WordPress mich vor Kurzem darauf aufmerksam gemacht hat, dass es meine bunte Welt schon vier Jahre gibt, ist das hier jetzt mein 500ster Beitrag. 500 Mal habe ich etwas gepostet, das mir aus irgendeinem Grunde wichtig war, und jeder Beitrag hat zumindest ein paar Leser gefunden. Als ich anfing, hatte ich Sorgen, ob ich es durchhalten würde, das Bloggen, aber eigentlich war es ganz leicht. Und es hat mich in vielerlei Hinsicht erstaunt:

  • Ich trat an, um die Welt mit meinen Geschichten zu retten. Inzwischen blogge ich auch Strickmuster und Rezepte.
  • Anfangs kannte ich jeden Leser persönlich. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall, und das ist gut so.
  • Nie hätte ich gedacht, dass der Beitrag „Komische Gewohnheiten – draußen pinkeln“ sich zu einem derartigen Dauerläufer entwickeln würde, ebenso wie die Kurzgeschichte „Nackte Tatsachen“.
  • An einem Tag im Januar hatte ich über 4600 Seitenaufrufe. Zuerst dachte ich, der Zähler sei kaputt, aber das war er nicht: Es war der Beitrag „Die Miesmacher“, der ein so hohes Interesse hervorrief. Und natürlich das illustrierende Bild mit den Ringelsocken.
  • Immer mal wieder lasse ich mich über Kohlfahrten aus, und jedes Jahr finden diese kleinen Artikel wieder ihre Leser. Die Saison läuft von November bis März.
  • Ich freue mich über 144 Follower und darüber, mit einigen von ihnen ins Gespräch zu kommen. Kommentare sind was Wunderbares, sogar, wenn mal jemand nicht meiner Meinung ist.
  • Gerne lese ich in meinem WordPress-Reader auch die Blogs meiner Blogger-Kollegen. Es macht Spaß, erweitert meinen Horizont und ist unglaublich anregend.

Lange Rede, kurzer Sinn: Meine kleine bunte Welt bereichert mich und mein Leben. Allen Lesern und Kommentatoren herzlichen Dank, ohne Euch wäre es sinnlos. Und nun auf in die nächsten 500!

Nachtrag:

Kaum habe ich diesen Beitrag veröffentlicht, weist WordPress mich auf etwas hin. Danke, du mein treuer Technik-Freund – ich hab’s gemerkt!