Nominiert!

Ach, ihr Lieben, es ist so aufregend! Ich wurde für einen Preis nominiert! Und zwar für einen, von dem ich noch nie zuvor gehört habe. Soeben erreichte mich nämlich das hier:

Liebe Meike,
der Titel deines Buches „Die Glorifizierung des Bandsalats“ hat es auf die Longlist für den „Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres 2019“ geschafft! 😀
Vielleicht möchte deine Fangemeinde sich gerne an der Abstimmung zu diesem Preis beteiligen:
Der Gewinner/Die Gewinnerin wird eine Trophäe sowie einen Überraschungs-Sachpreis erhalten. Die feierliche Auszeichnung soll im Rahmen der Leipziger Buchmesse am 14.03.20 um 17h in Halle 4, Forum Literatur, Stand F100 erfolgen.
Ich drücke die Daumen!
Wer mich also gerne unterstützen oder einfach nur die komischen Buchtitel angucken möchte – bitte, gerne, nur zu 🙂
Und dass ich mich nun den Rest des Tages angemessen wichtig fühlen werde, ist klar, oder?

Die Bücher und ich

Da ich im Moment weniger Zeit im Internet verbringe, habe ich wieder mehr Muße zum Lesen. Und so habe ich mich einer Sache hingegeben, die ich schon jahrelang nicht mehr gemacht habe: Ich habe alte Kinder- und Jugendbücher gelesen. Dem werde ich sicherlich nochmal ein oder mehrere eigene Beiträge widmen. Auf jeden Fall kam mir jedoch eine Schreibworkshops-Aufgabe gerade recht, bei der es sich um Dinge drehte, die irgendwie mit meinem Leben zu tun haben. Ich wählte für diese „Warmschreibe-Übung“ das Thema Lesen.

Die Bücher und ich

Irgendwie war es nie genug: Schon als Kind war ich eine begeisterte Leseratte, fraß mich durch ganze Bücherberge. Ich war zunächst nicht besonders wählerisch, meine Interessen waren wenig speziell. Ob Kinderkrimi, Märchen oder Pferdebuch, ich las sie alle und fieberte mit.

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Ich war einer der fünf Freunde, ging mit Dolly ins Internat, rettete mit Britta ein Pferd und lernte Krankenschwester mit Susanne. Die Bücher erweiterten meinen Horizont.

Alle paar Wochen ging ich Mittwoch nachmittags in unsere kleine Gemeindebücherei. Das waren immer Festtage, denn wenn ich den Stapel an ausgelesenen Büchern zurückgegeben hatte, durfte ich mir so viele Bände aussuchen, wie ich haben wollte. Was für ein ungeheurer Luxus, was für eine große, bunte Welt tat sich mir hier auf!

Wenn ich meinen Leseschatz im Rucksack oder Fahrradkorb nach Hause geschleppt hatte, verschwand ich damit in mein kleines Kinderzimmer, kuschelte mich auf’s Bett und begann zu lesen. Oft etwas ganz Neues, genauso oft aber auch etwas schon Bekanntes, dass mich beim ersten Lesen so begeistert hatte, dass ich es unbedingt nochmal erleben wollte. Die Abenteuer der roten Zora, von Kalle Blomquist oder Grischka mit seinem Bären verloren niemals ihren Reiz, und das haben sie bis heute nicht.

Einige der alten Freunde aus der Bücherei habe ich mir als Erwachsene selber gekauft. Ebay sei Dank muss man ja auch auf Bücher, die heutzutage nicht mehr aufgelegt werden, nur solange verzichten, bis man sie dort findet. Und wenn man sie dann noch einmal liest, diese wunderbaren Schätze, dann ist alles wieder da: die Gemütlichkeit des kleinen Zimmers, die Geborgenheit, die Freude darüber, Zeit zu haben, und diese schönen, bunten Welten , in die ich eintauchen und etwas erleben kann.

Kohlfahrtszeit ist Regenzeit

Es ist ja schon verrückt, dass man solch eine norddeutsche Kulturveranstaltung wie die traditionelle Kohlfahrt immer gerade in der kalten Jahreszeit machen muss. Allerdings hatten wir bislang – und das sind über 30 Jahre – erst selten richtige Regenkohlfahrten. Nun, der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht …

Angekündigt waren ein paar Schauer. Gut, damit kann man leben. Ausgerüstet mit guten Jacken, Schirmen und festem Schuhwerk macht einem echten Kohlfahrer so ein kleiner Schauer nichts aus. Aber was tut man, wenn aus den vereinzelten Schauern ein stundenlanges Gepladder wird? Nun, man macht … das Gleiche wie sonst auch. Laufen, trinken und komische Spiele spielen. Außerdem haben wir in diesem Jahr die Schirmkröte erfunden, eine Mensch- und Materialformation, bei der man sich zusammendrängelt (die Kleinen in die Mitte) und mithilfe der Schirme so viel Schutz wie möglich aufbaut, damit der Schnaps nicht mehr als nötig verwässert.

Geboßelt wurde natürlich auch, das gehört bei uns ja dazu. Das verlief dieses Mal recht unspektakulär, keiner fiel in den Graben, und auch die Kugel war nie zu matschig, weil man sie immer in einer Pfütze waschen konnte. Wir hatten jedoch das Glück, beim Suchen nach der Kugel mit dem Kraber in einem Graben  einen wohl mal vom Winde verwehten Herrenhut zu finden – ein erstaunlich gut erhaltenes Stück, das von Ute in einer klaren Pfütze gewaschen wurde und dann zum „Trocknen“ auf dem Bollerwagen befestigt wurde. Der Hut würde später am Tag noch richtig zu Ehren kommen.

Ich gehe ja immer gerne mit diesen alten Freunden auf Tour, aber an Tagen wie diesen mag ich meine Leute besonders gerne. Denn trotz des fiesen Wetters war die Laune hervorragend. Keiner mopperte herum, keiner gab den Piesepampel oder musste abgeholt werden. Aus irgendeinem verrückten Grund waren wir sogar länger draußen als sonst, gerade so als könnten wir gar nicht genug bekommen von nassen Füßen und kaputten Schirmen. Der eine oder andere der kleinen Helfer gab nämlich unterwegs den Geist auf – meiner auch. Es ist halt manchmal etwas windig in der norddeutschen Tiefebene …

Und ab und an, ganz selten, hörte es sogar mal auf zu regnen. Immer so für einige Minuten, gerade lange genug, dass wir unsere Schirme zugeklappt und im Bollerwagen verstaut haben. Und dann sah meine klatschnasse Heimat richtig schön aus:

Es war also mal wieder richtig gelungen – allen Wassermassen zum Trotz. Unsere Kohlkönigin hatte die Tour liebevoll organisiert und für den erkrankten Kohlkönig übernahm ein Erstzkönig, der sich den ganzen Nachmittag lautstark immer wieder für irgendwas entschuldigte: „Ich bin hier nur die Aushilfe!“ Ein neues Königspaar wurde auch gefunden und dabei – das muss noch gesagt werden – kam der olle Hut nochmal richtig zur Geltung: Das zweite Strickschwein, früher das Zepter des Königs, ging nämlich verloren, sodass nun der nasse Filzhut als Krönungsutensil herhalten musste. Nun ja – empfindlich darf man bei uns nicht sein, wenn man regieren will 🙂

Zu guter Letzt noch einen großen Dank an Sandra und Harry für die Organisation, Michael für die selbstlose Übernahme des Amten und an Günter und Anita, die uns am Futterstand mit heißen Getränken, Brot, Käse und Wurst versorgten. Was wären wir gewesen ohne euch – nichts weiter als ein Trüppchen begossener Pudel!

Eierkauf 2.0

Endlich geschafft – Feierabend! Und das am Freitag. Die Zeit reicht noch für einen Besuch des Wochenmarktes auf dem Platz am Südbahnhof. Ich will mal wieder was Gutes kochen am Wochenende, also nicht nur Milchreis oder Pfannkuchen, sondern was Richtiges. Essen wie bei Muttern, sozusagen.

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Freudig hüpfe ich aus dem Bus und greife an. Mal gucken, was es so gibt – Fisch vielleicht. Zuerst komme ich aber am Eierstand vorbei, da nehme ich sechs Bio-Eier in der Größe L und versenke die Packung in meinem großen Einkaufsrucksack.

Dann zum Fisch. Das sieht ja immer alles so gut aus, wie es da auf dem weißen, kleingehackten Eis liegt. Alaska-Seelachs – den gab es immer zuhause. Oder Heringe – das war früher ein billiges Essen. Diese Zeiten sind lange vorbei und ich bin unentschlossen. Daher nehme ich nur ein Fischbrötchen für’s Abendessen und schlendere weiter. Am Geflügelstand gibt es Suppenhühner – Huhn im Topf wäre auch mal wieder was. Kurz entschlossen kaufe ich eines. Wahnsinn, was dieses magere kleine Ding kostet. Naja, die Zeiten, in denen Omas Freundin Leni von Loy Suppenhühner in Straußengröße vorbeibrachte, sind halt auch vorbei, in der Stadt gibt es sowas nicht. Dafür passt das Hühnchen auch noch locker in den Rucksack, ebenso wie das Bund Suppengrün, die Möhren und die drei Kohlrabi, die ich noch für meine Suppe kaufe. Jetzt noch eines von den schönen, schweren Bio-Broten und mein Wochenend-Einkauf ist erledigt. Mit etwas Nachdrücken geht sogar der Reißverschluss am Rucksack noch zu.

Ich kaufe noch ein Stück Kuchen. Das geht beim besten Willen nicht mehr in die Tasche, das muss in eines der Einkaufsbeutelchen, die ich immer in der Vordertasche des Rucksacks mit mir herumtrage. Es fühlt sich ein bisschen seifig an, wahrscheinlich muss ich es mal waschen. Jetzt aber schnell in die Bahn und nach Hause, Tee kochen, Kuchen essen.

Die Bahn ist pickepacke voll, ich muss meine Taschen auf den Schoß nehmen, damit neben mir jemand sitzen kann. Irgendwas ist am Bein feucht, wahrscheinlich habe ich meinen Rucksack auf dem Markt irgendwo in eine Pfütze gestellt. Guter Dinge schleppe ich meine Einkäufe heim und mache mich daran, auszupacken. Was dabei komisch ist: Der Rucksack hinterlässt auf der Arbeitsplatte so eine komische, seifige Spur. Am Brot ist nix, aber das Suppengemüse ist auch seifig. Als ich die glibberige Tüte mit dem Suppenhuhn herausziehe, hängt daran eine Eierschale – heiliger Bimbam! Da habe ich doch glatt beim Einschlichten meines Einkaufs und dem gewaltsamen Schließen des Reißverschlusses meine Eier ganz vergessen! Vier Bio-Eier der Größe L haben sich aus der zerstörten Packung geschlichen und ihren gesamten Inhalt in den Bodensatz meines Rucksackes erbrochen. Ich ziehe einen triefenden Regenschirm heraus – wenn ich mir den jetzt versehentlich in den Leib ramme, habe ich wohl einen Eierstich. Taschentücher, Kassenbons, Hustenbonbons, aber zum Glück nicht mein Geldbeutel: Der ist in der Jackentasche.. Unten im Sack glibbert ungerührt eine Eiermasse herum, gewürzt mit Papierfetzchen, Sand und allerlei Unrat.

Ich untersuche meine Jacke – na klar, der Rücken ist , vollgeeiert. Wahrscheinlich habe ich auf dem Weg nach Hause eine Schneckenschleimspur hinter mir hergezogen, die einem Zoologen Rätsel aufgeben würde. Was für eine Schweinerei!

Ich berge die beiden verbliebenen Eichen, tüte mein Huhn sauber um und stopfe den Rucksack, die Jacke und das Einkaufsbeutelchen in die Waschmaschine. Der Schirm darf duschen – eieiei. Trotz dieses Ungemachs muss ich lachen – wie kann man nur so schusselig sein. Kuchen und Tee schmecken trotzdem und aus dem Huhn wird am Samstag eine feine Suppe. Und die beiden letzten Eier – die Überlebenden des großen Schussels – werden am Sonntag besonders feierlich gekocht.

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Nachtrag: Sollte sich jemand über den Titel wundern – Eierkauf 2.0: Es gab vor einigen Jahren schon mal einen Eierkauf. Damals blieb aber alles heil …

Alle Jahre wieder …

Die Aufgabe im Schreibworkshop war, über eine besondere Essenseinladung zu schreiben. Und ja, was soll ich sagen – man schreibt ja am liebsten über was Bekanntes 😊 Alle Personen sind jedoch erfunden.

Alle Jahre wieder

Es war mal wieder soweit: Die Majestäten hatten geladen und das Volk war gekommen. Schon im Oktober hatten die hochwohlgeborene Königin Monika die Zweite sowie König Kai-Uwe zum Vierten zur jährlichen Kohlfahrt aufgerufen, anzutreten am 14. Tage des Monats Februar anno 20XX, und zwar pünktlich zum zweiten Glockenschlage an der Kirche zu Niederdingensdorf.

Und so trafen sie sich, in warmer Kleidung und mit festen Schuhen, versammelten sich um den wie immer gut gefüllten Bollerwagen und begrüßten stürmisch jeden Neuankömmling. Als auch Hanno und Silke, traditionell die Letzten, endlich eingetroffen waren, hatten die anderen schon zwei Schnäpse intus und waren bester Laune. Zum Anwärmen noch schnell einmal anstoßen, im Gläschen Korn oder was Buntes, und los ging der Marsch durch die norddeutsche Tiefebene.

Hier machten wir im Jahr 2016 Rast. Ob diese Ecke schon immer so heißt oder ob der Name der sympathischen Figur aus Büttenwader entlehnt ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, Brakelmann aka Jan Fedder hat diese Widmung verdient.

Hanno zog gemeinsam mit Arnd den Wagen. Dabei wurde geplaudert: Beruf, Kinder, Haus, und was machte die neue Gartenhütte? Dahinter Silke, Monika und Ulf, die sich darüber unterhielten, was für ein Gedöns es doch inzwischen war, wenn die Kinder auf das Gymnasium gehen sollten. Das war doch früher alles einfacher, fanden sie, als sie damals zur Schule gingen. Dieses Damals war inzwischen über 30 Jahre her.

Da, eine Ecke! An Ecken wurde pflichtgemäß und traditionell angehalten und einer getrunken. Vielleicht auch zwei, schließlich war es noch früh am Tag, wie Andi erklärte, der einschenkte. Und dann bildeten sie Mannschaften, denn es sollte geboßelt werden. Die Roten sollten gegen die Blauen spielen – erste Kampfansagen flogen über den Feldweg hin und her.

Keiner von ihnen war des Boßelns wirklich mächtig. Sie rollten die schweren Kugeln einfach nach Gutdünken durch die Gegend und machten die mangelnden Fähigkeiten durch viel Geschrei wett. Am Ende einer jeden Runde bekamen die Gewinner einen Schnaps. Die Verlierer natürlich auch, schließlich sollte keiner traurig sein.

Weiter ging es, Strecke schaffen. Schließlich sollte man spätestens um sieben am Lokal sein, um Grünkohl mit Kassler und Pinkel zu essen. Das Königspaar wurde schon etwas nervös, heute waren die Untertanen wirklich langsam unterwegs. Da nützte es auch nichts, dass eine längere gerade Strecke vor ihnen lag, denn für derartige Notsituationen hatte Christoph ihnen schon vor Jahren eine künstliche Ecke gebaut. Die konnte man überall aufstellen und den Eckenschnaps einfordern. Das taten sie ausgiebig.

Ein weiteres Spiel stand an: Teebeutelweitwurf. Dabei tat sich wie immer der lange Simon hervor, denn der Beutel musste mit dem Mund geworfen werden und dabei ist jemand, der zwei Meter vier groß ist, einfach im Vorteil. Ein Sonderschnaps ging jedoch an Hanno, der es fertiggebracht hatte, seinen Beutel über die Schulter nach hinten zu werfen und so seine Mannschaft um den schon sicher geglaubten Sieg brachte.

Grünkohlteller – hier in der Frankfurter Kantinen-Version. Naja – geht so. Besser als nix.

Auch das wenig später durchgeführte Besenwerfen verlor Hannos Team deutlich, was vor allem daran lag, dass Monika den langen Simon, den besten Werfer der Blauen, mit dem Besen ins Gemächt traf. Sie holte ihn durch einen unkoordinierten Rückstoß mit dem Wurfgerät tatsächlich von den Füßen. Simon wurde mit Hilfe von rotem Genever wiederbelebt und die Blauen kurzerhand zum Sieger dieser Runde erklärt.

Es wurde allmählich dunkel, die Gruppe lief endlich etwas schneller. Das war immer so, irgendwann rannte die Gruppe beinahe, gerade so wie Pferde, die den Stall witterten. Schließlich wurde es auch kalt und der Gedanke an warme Suppe lockte. Doch ein Spiel gab es noch, die Gurkenstaffel, die war doch immer so lustig! Im Licht einer Straßenlaterne hoppelten sie also um zwei leere Kornbuddeln, der Bankdirektor fiel dabei über die Zahnärztin in eine Pfütze und Marion platzte während der Übergabe des Gemüses an Bernd die Hose. Was für eine Gaudi!

Weiterlaufen, weiterlaufen – fast konnten sie das Essen schon riechen. Doch dann klingelte Silkes Handy. Es war Hanno. Der war nach der Gurkenstaffel mal kurz im Gebüsch gewesen und dann versehentlich hinter einer falschen Kohlfahrtsgruppe hergelaufen – immer dem Blinklicht am Bollerwagen hinterher. Nun stand er dort, mit 17 Leuten, die er nicht kannte, die ihn aber kameradschaftlich aufgenommen und mit Schnaps versorgt hatten. Man schickte also eine Delegation los, ausgerüstet mit einer Taschenlampe und zwei Flaschen Hochprozentigem, um Freundschaft zu schließen, den Verschollenen auszulösen und heimzuholen. Der Rest der Gruppe trank derweil Reste aus Flaschen und sprach über die ernsten Dinge des Lebens.

Viertel vor sieben trafen sie endlich im Lokal ein: müde, kalt, schmutzig und zufrieden begannen die, die noch essen konnten, mit der Suppe. Die anderen schliefen oder bevölkerten die Sanitäranlagen. Kohl und Nachtisch wurden ebenfalls verputzt, es wurde noch ein wenig geredet und die meisten tranken Wasser. Dann wurde gemäß der geheimen Riten ein neues Kohlkönigspaar gekrönt. Morgen würde den meisten von ihnen schlecht sein und sie würden sich einig sein: Schön war’s, wie immer.

Die Insignien der Macht – hier: die der Kohlkönigin

Spielsalat zum neuen Jahr

Manchmal machen wir im Schreibworkshop eine Übung, die den schönen Namen „Quickie“ trägt. Dabei gibt es ein Thema und extrem wenig Zeit. Meistens kommt dementsprechend nix dabei heraus. Diese komisch kleine 3-Minuten-Sache aber wurde zumindest fertig. Das Thema lautete: Überall ist anders. Und heraus kam der „Fernsehsalat“.

Natürlich gibt es auch einen Grund, warum ich dieses winzige Stück zum Jahresanfang poste: Wir haben an Silvester mal wieder unser Lieblingsspiel gespielt, „Time’s up“ oder zu Deutsch „Sag’s mir“. Das Spielprinzip ist einfach: Es gibt Zweierteams, die miteinander spielen. In der Originalversion geht es entweder um Filme/Serien oder berühmte Persönlichkeiten – von Alexander dem Großen über Albert Schweizer bis hin zu Helene Fischer. In der ersten Runde werden die gesuchten Begriffe beschrieben – mit so vielen Worten, wie es eben braucht, oder bis die Zeit um ist. In der zweiten Runde wird das gleiche Kartenset verwendet, es darf jedoch nur noch ein Wort benutzt sowie einmal geraten werden. Und in der dritten Runde wird pantomimisch beschrieben – was bei Begriffen wie „Der Doktor und das liebe Vieh“ schon mal schwierig werden kann. Auf jeden Fall ist es eine Riesengaudi und wir frönen der Sache schon einige Jahre.

Da lag aber auch genau unser Problem: Der große Spaß führte zu einem gewissen Frust, weil wir die meisten Karten schon mehrmals gespielt haben. Erweiterungssets gibt es nicht. Wir haben also aus der Not eine Tugend gemacht und uns eigene Karten gebastelt – in fünf Kategorien: Film/Serien, Persönlichkeit, Lieder, Buchtitel und Sehenswürdigkeiten/regionale Spezialitäten. In jugendlichem Übermut haben wir dann alle Karten durcheinandergerührt – man kann sie aber noch an den Farben erkennen. Und, was soll ich sagen – diese Variante ist noch viel besser und beschäftigte uns die ganze Nacht.

Auch hier kam es zu eigenartigen Salaten: aus Juliane Werdings pathetischer „Nacht voll Schatten“ wurde sehr umgangssprachlich „Voll der Nachtschatten“, der pantomimisch mit einer Tomate beschrieben wurde. Der Maler Bob Ross fusionierte mit dem Sänger und Moderator Ross Antony und wurde zu Ross Bob. Und ein Mitspieler las die Karte in der Eile falsch, beschrieb lang und breit Begrenzungsmauern und Parkplätze – und keiner kam auf „Die Mädels vom Immenhof“, die ihre vielen Ponys zum Glück nicht in einem Innenhof gehalten haben. Viele dieser lustigen Missverständnisse führten mal wieder zu einem Feuerwerk an Spaß.

Und ja, natürlich hatten wir auch hier den großen …

Fernsehsalat

„Dalli Dalli!“, rief Wim Thoelke, bevor er schon mal den Wagen holen ging. Im Fahrzeug wartete Kojak, einen Lolli rauchend und ungeduldig mit den Füßen zappelnd. „Los komm, Wim, alter Falter, wir müssen los, die Straßen von San Francisco brauchen uns!“ Wim gab Gas, überfuhr Wum und Wendelin – versehentlich natürlich – und zog den Hebel, der das Fliwatüt zum Abheben brachte. So waren sie bald flott unterwegs, Kojak und Wim, auf dem Weg ins Taka-Tuka-Land, wo alles gut war und das fesche Fräulein Rottenmeier schon auf sie wartete.

Verspätet ein gutes neues Jahr wünscht Meike!

Weihnachten mit Theo

Im Schreibworkshop hatten wir eine lustige Aufgabe: Jeder bekam einen Geruch, eine Farbe und einen Charakter zugeteilt. Ich bekam Zimt, Petrolblau und sowie Theo, 35, Arzt.

Nun, Zimt ist ja etwas Weihnachtliches und so kann ich das heute gute gebrauchen …

 

Weihnachten mit Theo

Eigentlich ging Weihnachten ihm auf die Nerven. Überall der süßliche Geruch nach Zimt und Vanille, „Last Christmas“ bis zum Erbrechen und das schon wochenlang in der Vorweihnachtszeit. Wenn es dann richtig ernst wurde, Verwandtenbesuche: mal bei seinen Eltern, dann wieder bei Tate Alma. Und egal, wo man sich aufhielt, hörte man die schrille Stimme von Großtante Dolly: „Ach mein Junge, wie müde du doch aussiehst! Musst du wirklich so viel arbeiten da in dieser schrecklichen Klinik? Kein Wunder, dass du keine Frau findest! Mach‘ dich doch selbständig, Junge, Urologen werden doch so gesucht!“ Und dann ging es weiter, die alten Geschichten wurden erzählt und Vetter Albert zeigte Fotos von Haus, Pferd, Auto und neuer Freundin. Er hatte jedes Jahr ein neues Auto und eine neue Freundin.

Dieses Jahr war jedoch etwas anders: Statt nach Zimt roch es nach säuerlichem Ananas-Punsch und Albert hatte nicht nur ein Foto seiner neuesten Perle dabei, sondern konnte seine Neuerwerbung tatsächlich live und in Farbe zeigen: Eine aparte Rothaarige in einem schmal geschnittenen petrolfarbenen Kleid, die sich als Martina vorstellte, eine angenehme Stimme hatte und ganz bezaubernd lächelte. Albert benahm sich wie ein Gockel, nahm den Mund voll wie immer und gab an wie ein Sack Flöhe, was Martina sichtbar peinlich war. ‚Die jage ich ihm ab‘, dachte Theo, trank sich mit Ananas-Punsch etwas Mut an und brachte sich dann unauffällig in Stellung.

„Hallo, ich bin Theo“, konnte er gerade noch sagen, bevor seine Mutter dazwischen grätschte. „Mein Sohn ist Urologe“, hörte er sie sagen, „er hat über die Entstehung von Blasensteinen promoviert.“ Theo stöhnte innerlich, bemühte sich aber um ein Lächeln. „Ach das“, sagte er, „das ist ja schon ein paar Jahre her. Inzwischen beschäftigen mich andere Themen.“

Tante Dolly kam angesegelt. Sie hielt in der einen Hand ihren Gehstock und in der anderen eine voluminöse Handtasche, die sie Theo nun in die Hand drückte. „Halt mal, mein Junge!“ Sie nahm sich mit der nun freien Hand ein Glas Sekt vom Tisch und Theo kam sich mit der bestickten Tasche in der Hand vor wie ein Trottel. „Gobelinstickerei“, hörte er Albert sagen, der herangekommen war und auf das Katzenmotiv der Tasche wies. „Ja“, antwortete Theo tonlos. Dann versuchte er es noch einmal mit einem Gespräch mit Martina.

„Und?“, fragte er, „magst du Weihnachten?“ Sie nickte, kam aber nicht zum Antworten. Tante Dolly, die sich die Kuchenkrümel mit Sekt aus den falschen Zähnen gegurgelt hatte, war wieder gesprächsbereit. „Lass dich mal anschauen, Junge, ich habe dich ja so lange nicht gesehen! Stattlich bist du geworden, sehr stattlich – besonders von der Seite!“ Sie drehte ihn ein wenig und betrachtete kopfschüttelnd seinen kleinen Bauch, gerade so, als habe der die Ausmaße eines großen Medizinballes. Vetter Albert lachte hämisch, die Schöne an seiner Seite wirkte mitleidig und Theos Mutter sprang ihm zur Seite: „Er bewegt sich halt zu wenig, der arme Junge!“

Der arme Junge gab das Vorhaben auf, seinem Vetter die Frau auszuspannen, stellte die alberne Handtasche ab und bemühte sich um einen geordneten Rückzug. Den Rest des Tages verbrachte er neben dem Ananas-Punsch und den nächsten Tag fast komplett im Bad. Theo hasste Weihnachten!

In der Weihnachtsbäckerei

Seit ein paar Jahren kenne ich einige sehr nette Leute, mit denen ich mich regelmäßig treffe, um zu spielen oder Filme zu gucken – Bildungsfernsehen nennen wir das. Wichtiger Bestandteil unserer Treffen ist der Kaffeeklatsch: Dazu gibt es in der Regel Heißgetränke und Selbstgebackenes. Auch ich habe mich auf meine alten Tage zu einer einigermaßen emsigen Bäckerin entwickelt, und nachdem ich vor einer Weile eine wunderbare Blaubeer-Quarktorte gebacken habe, fühle ich mich auch fast zu allem befähigt. Daher wollte ich, ganz gegen meine Gewohnheit, zum Adventskaffee in der letzten Woche gleich zwei neue Rezepte ausprobieren. Nun ja – gut, dass meine Gäste nicht heikel sind.

Ich wollte eine Amerikanische Zitronentorte backen. Die hat schon meine Mutter immer gemacht und meine Schwester meinte, die sei einfach und gelinge immer. Na, dann kann ja nichts schiefgehen, schließlich bin ich die Queen der Blaubeer-Quarktorte. Und dazu etwas Weihnachtliches, einen norddeutschen Kranzkuchen mit Nüssen und Rosinen. Den kenne ich schon seit meiner Kindheit, zwar nur vom Bäcker, aber was man essen kann, kann man auch backen. Dachte ich zumindest.

Ich kaufte also ein – ordentlich dieses Mal, mit Liste – und machte einen Schlachtplan. Die Zitronentorte verlangt nach zwei Böden, da ich nur eine Form habe, musste ich die nacheinander backen. Das ging auch recht gut – ein Rührteig unten in die Form, Eischnee und Mandeln obendrauf, backen. In der Zwischenzeit bereitete ich schon mal meine Rosinen für den Kranzkuchen vor: In Rum baden, mit Nüssen, Mandeln und Honig mischen. Honig nach Geschmack, stand da – ich nahm viel. Ha, perfekt.

Die Zitronencreme soll zwischen die kalten Böden, die musste also bis zum nächsten Morgen warten. Aber während Boden zwei im Ofen war, konnte ich schon mal den Kranzkuchen angehen.

Ich mixte also genau nach Rezept einen Quark-Ölteig zusammen. Ganz schön ölig, das Zeug. Klebte alles rund um den Knethaken fest. Ich wusch mir die Pfötchen und versuchte, Mixer und Teig voneinander zu trennen. Doch die beiden hingen sehr aneinander, und also ich sie endlich auseinanderbrachte, hing der Teig an meinen Händen. Das sollte man ausrollen – das schien mir schwierig. Doch nicht umsonst habe ich in den letzten zwei Jahren immer „Das große Backen“ geguckt und dabei ein bisschen was gelernt: Ich legte den glitschigen Brocken also zwischen zwei Blätter Backpapier und begann damit, ein Rechteck auszurollen. Das ging recht gut, das Rechteck. Ich konnte auch das obere Backpapier wieder abziehen, als ich fertig war. Schick!

Nun kamen die Honig-Nuss-Rumrosinen zum Einsatz. Schön gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Dann aufrollen. Klingt einfach, war es aber nicht. Es klebte und bappte. Das Backpapier wollte den Teig nicht mehr loslassen. Ich rollte ein bisschen und versuchte, das Papier abzuziehen. Einige Honigrosinen wurden fahnenflüchtig und schwärmten in der Küche aus. Ich kämpfte mit der Rolle, die keine werden wollte. Irgendwann hatte ich eine leidlich runde Wurst, die aber noch immer liebevoll von Backpapier umschlungen wurde. Um sie auszupellen, musste ich sie hochheben – dabei fielen schon wieder Rosinen auf den Boden. Die, die nicht abstürzten, klebten an meinen Armen. Endlich war die Teigwurst aus dem Papier gewickelt – nun musste ich sie nur noch auf das Blech bugsieren. Doch durch den Kampf mit der Teigpython war diese immer länger geworden und passte nicht mehr auf das Blech. Ich legte sie also wieder ab und stauchte sie erst einmal richtig zusammen. Endlich hatte sie eine ofengerechte Form.

Nun sollte man die Teigwurst noch längs einschneiden, damit der Kranzkuchen seine typische Form bekommen sollte. Nun, was soll ich sagen – ging nicht. Die klebrige Teig wollte sich nicht schneiden lassen. Egal – ich ritzte ein wenig und dann ab in den Ofen. Es sollte ja noch Zuckerguss darüber kommen – mit Zuckerguss kann man vieles verdecken. In der Tat sah mein Kranzkuchen nach dem Backen aus wie ein überdimensioniertes Graubrot, doch der am nächsten Morgen großzügig aufgetragene Zuckerguss verschaffte dem unbedarften Betrachter den Eindruck, dass das so sein muss.

Blieb noch die Zitronencreme. Dazu sollte man Wasser, Zucker und Zitronensaft aufkochen, Stärke rein, abkühlen lassen, Sahne rein, fertig. Dumm nur, dass ich so dumm war: Natürlich weiß ich, dass man Stärke eigentlich immer erst mit etwas kaltem Wasser anrührt oder im Schüttelbecher aufschüttelt. Aber in Mutterns altem Backbuch stand das nicht. Da steht vieles nicht, weil man das ja eigentlich weiß. Und so donnerte ich meine Stärke fröhlich singend in die kochende Flüssigkeit und produzierte so einen glibberigen Zitronen-Stärke-Brocken. Kräftig rühren – die Brocken wurden kleiner, sie waren nur noch haselnussgroß. Noch mehr rühren – der Schneebesen qualmte. Brocken in Erdnussgröße. So ging das nicht. Ich hielt also kurzerhand den Pürierstab in meine brockige Zitronencreme. Das Ergebnis wurde so „naja“. Leider hatte ich keine Zeit, neue Zitronen zu kaufen, also musste es so gehen. Ich pürierte noch ein wenig und rührte später auch lange und ausgiebig die Sahne hinein. Die Creme schmeckte, war aber eindeutig nicht ganz cremig. Zum Glück waren die vielen Mandeln auf den Tortenböden – wahrscheinlich würden die Gäste gar nicht merken, worauf sie da herumkauen. Ich baute also meine Torte zusammen und lebte das Prinzip Hoffnung.

Und, was soll ich sagen? Beide Gebäcke wurden gegessen – klaglos. Und ein Gutes hatte dieses Back-Desaster auch noch: Ich habe endlich mal wieder meine Küche gefeudelt. Rosinen in Honig sind nämlich nichts, was man einfach so aufsaugen kann. Und liegenlassen kann man die auch nicht!

Lobrede auf ein Gemüse

Heute habe ich einen ruhigen Sonntag – und zwar ganz ruhig. Da ich gestern Besuch hatte, ist alles noch schön aufgeräumt und ich musste nicht mal kochen. Es hat nämlich noch allerhand Reste im Kühlschrank. Und während ich gerade Diverses davon verzehrte, fiel mir ein, dass dieses eine, besondere Gemüse irgendwie unterschätzt und literarisch viel zu wenig beachtet ist: die Zwiebel.

Es ist doch so: Wenn man eine Zwiebel da hat, ist am Essen schon mal Geschmack. Egal, ob Eintopf, Soße oder Dip – eine Zwiebel ist eine prima Grundlage für alles Mögliche. Brät man eine Zwiebel an, riecht es in der Küche so wunderbar, als hätte man beim Kochen schon wahre Meisterwerke vollbracht. Der Salat bekommt eine leichte Schärfe, der Eintopf wird würziger und sogar gegen Husten und Ohrenschmerzen hilft dieses vegetabile Wunder. Als Kinder ließen wir Zwiebeln wachsen, das war eine Unterrichtseinheit im Sachkundeunterricht. Mein Neffe hat das auch noch gemacht – die Zwiebel ist also auch für pädagogische Zwecke vortrefflichst geeignet.

Trotz all dieser offensichtlichen Vorteile gibt es natürlich Leute, die Zwiebeln aus dem einen oder anderen Grunde ablehnen: Weil man beim Schneiden weinen muss (was tatsächlich lästig sein kann), weil der Geruch gerne hängen bleibt oder weil man glaubt, den Geschmack nicht zu mögen. Nun, das sei jedem unbenommen, interessant sind aber die Fälle von Leuten, die Zwiebeln lieben, solange sie nicht wissen, dass sie da sind. So wie eine meiner liebsten Urlaubsbegleiterinnen, mit der ich vor Jahren unterwegs war. Wir hatten eine Ferienwohnung und da die Küche nicht rollstuhlgerecht war, übernahm ich das Kochen. Kerstin mampfte jeden Abend mit Genuss, sie lobte und hudelte meine einfachen Gerichte. Am letzten Abend jedoch sah sie mich eine Zwiebel schneiden: „Nein, bloß keine Zwiebel – Zwiebeln ess‘ ich nicht.“ Mir blieb nur, ein verblüfftes „Ach was?“ abzusetzen und weiterzuschnippeln. Sie hatte die ganze Woche Zwiebel gegessen und tat es auch an diesem Abend wieder.

Gestern und heute gab es also auch bei mir Zwiebeln – verarbeitet in einigen Dips. Wir essen nämlich bei unseren Spiel- und Filmtreffen immer total vielseitig und gesund, es gibt Gemüsesticks, Laugengebäck, manchmal Würstchen und immer Dips zum Eintunken. Ja, gut, Kuchen und Chips gibt’s auch, aber das läuft nicht unter Essen, sondern unter Knabberkram. Zum Essen gehörte bei mir dieses Mal ein Dip der Marke Eigenkreation, und dieser schmeckte, freundlich ausgedrückt, nach sehr wenig, bevor ich eine Zwiebel hineingab. Danach hatte die Paste tatsächlich Star-Qualitäten. Hier also, um diesem kleinen verzwiebelten Text noch ein wenig Mehrwert mitzugeben, das Rezept, frisch aus der Experimentierküche:

Schafskäse-Dip

  • ein Päckchen Schafskäse pürieren
  • ein Becher Créme fraîche reinmixen
  • eine dicke (rote) Zwiebel schnippeln und reinpürieren
  • ein winziger Rest Quark einrühren, wenn man hat (der musste weg)
  • einen Esslöffel Tomatenmark reinmixen
  • gehackte Walnüsse für den Crunch 😊

Zum Nachmachen empfohlen!