Hektik

Da ist sie wieder, die nervöse Kollegin. Das ganze Zimmer vibriert, wenn die reinrauscht. Immer ist alles ganz wichtig, oder ganz schrecklich, oder beides. Mindestens drei Leute müssen sich um ihr Anliegen kümmern, sonst wird sie schrill. Wobei das nicht ganz stimmt – die ist immer schrill. Weil ja alles so wichtig ist. Oder so eilig. Und schrecklich natürlich, weil schwierig. Wenn sie wieder rausrennt, schnauft selbst der Gummibaum erleichtert auf. Können Gummibäume den Atem anhalten? Ich sage euch, wenn wegen der unsere einzige Pflanze eingeht, dann ist was los. Dann werde ich echt fies. Dann sage ich der nämlich, dass es an ihr liegt, dass immer alles so eilig und schrecklich und total kompliziert ist. Weil sie nämlich nicht planen kann und mit allem viel zu spät anfängt und umständlich ist. Einfach schrecklich. Genau das sage ich der dann. Echt jetzt!

So, und was nehme ich dazu jetzt für ein Bild? Hmmm … mal wieder ein Video. Weg da!

Nachbemerkung: Dieser kleine Text war eine Übung. Er bezieht sich nicht auf eine aktuelle Kollegin von mir – ist aber auch nicht völlig fiktiv.

Schön ausgedrückt – das Geschoss

Ich mag Begriffe mit zwei Bedeutungen. Das Geschoss ist besonders schön – damit kann man so richtig Blödsinn machen.

Geschosse geschossen

Panzer mit Blumen im Rohr

Hier wird nicht geschossen!

Fridolin wohnte im zweiten Geschoss eines großen Mehrfamilienhauses. Er achtete auf Recht und Ordnung, hatte den Eingang des Hauses immer im Blick und notierte akribisch, wer wann das Haus verließ oder betrat. Als vor einigen Jahren sehr zweifelhafte Subjekte an den Mülltonnen herumlungerten und dort ganz offensichtlich noch zweifelhaftere Substanzen an junge Leute verkauften, hatte Fridolin durchgegriffen und wie früher im Schützenverein von seiner ruhigen Hand und dem sicheren Auge profitiert.

„Nichts bringt diese Kriminellen so schnell zum Verschwinden wie ein warnendes Kleinkalibergeschoss in den Allerwertesten“, pflegte er zu sagen und dabei bestimmt zu nicken. Auch, als in der kleinen Gartenparzelle die Hanfpflanzen in die Höhe geschossen waren, brachte ein Geschoss aus dem zweiten Geschoss den Gärtner zum Aufgeben. Und als Gerüchte über eine angebliche Liaison des Hausmeisters mit der jungen Frau aus dem Erdgeschoss ins Kraut geschossen waren, wurde wieder zielgerichtet geschossen: ein Geschoss in seinen, eines in ihren Hintern.

Irgendwann fand man Fridolin tot auf seinem Balkon. Ein Neun-Millimeter-Geschoss hatte seine Stirn getroffen und so der Schießerei aus dem zweiten Geschoss ein Ende bereitet. Denn – bei aller Liebe zu Recht und Ordnung – irgendwann war Fridolin doch über das Ziel hinausgeschossen.

Ein schillerndes Musikerlebnis: Schiller in der Jahrhunderthalle

Elektronische Musik ist nicht immer meine Sache. Anders ist es mit der Musik von Schiller, die ich schon lange als sehr stimmig empfinde und die ich besonders gerne beim Arbeiten höre. Es war allerdings die Idee meines Schwagers, einmal zu einem Schiller-Konzert zu gehen. Und so bekamen wir beide eine Karte zu Weihnachten und am Freitag war es soweit.

Die Frankfurter Jahrhunderthalle war dem Anschein nach gut ausverkauft. Wir hatten einen Sitzplatz im Balkon – mit erstklassiger Sicht 🙂 Der Tourname „Es werde Licht“ wies schon darauf hin: Die Lichteffekte hatten eine große Bedeutung für dieses Konzert. In den ersten Minuten dachte ich, ich werde blind – zum Glück kamen diese grellen weißen Scheinwerfer später nicht mehr zum Einsatz.

Konzert von Schiller in der Jahrhunderthalle

Die zweieinviertel Stunden Musik und Licht konnte man rundum genießen. Neben Instrumentaltitel gab es auch allerei Gesungenes. Besonders beeindruckt hat mich der temperamentvolle Herr an der Percussion – er hatte einen eigenen Helfer, der ihm immer mal wieder einen neuen Trommel- oder Paukenstock in die Hand drückte, wenn das zuvor benutzte Gerät kaputtgegangen oder weggeflogen war. Trotz dieser kleinen Missgeschicke fand ich die Percussion außergewöhnlich gut.

Ebenfalls auffällig fand ich den guten Sound: Vorbei sind die Zeiten, in denen man nach Rock- oder Popkonzerten fast taub war, weil aus den neben der Bühne aufgetürmten schwarzen Boxen ein enormes Getöse auf die Ohren einprügelte. Am Freitag gab es feinsten Dolby-Surround-Sound, man konnte die Töne von einer Ecke des Saales zur anderen verfolgen.

Laser und Kunstnebel

Und ja, das Licht: Früher wurde in den Konzerthallen ja munter geraucht, sodass sich die Lichtstralen in den Rauchschwaden fingen. Zum Glück sind diese Zeiten inzwischen vorbei. Statt dessen wird kräftig genebenlt – und gelasert. Ich könnte mir stundenlang diese Wellentäler und Muster aus Licht angucken. Dafür hatten wir auch wirklich einen sehr guten Platz.

Und aus guter Tradition gibt es auch dieses Mal ein Video zum Reinhören:

Impfung auf Twitterisch

Die Schreibkursübung lautete: zwei Personen im Streit, schreibe einen Dialog. Ich entschied mich einen geschriebenen Dialog zu schreiben. Denn ich lese derzeit ab und zu mal auf Twitter herum – das Medium für die völlig schmerzbefreiten Social Media-Addicts.

Kurz zum Setting: es treffen sich virtuell die „Mutti von dreien“ sowie die „Aufgeklärte Else“, der Einfachheit hier nur Mutti und Else genannt. Und es geht um dieses heiße Thema – das eigentlich gar keines ist:

Bild zur Verfügung gestellt von Tim Reckmann, http://www.pixelio.de

Impfung auf Twitterisch

Mutti: War heute mit K3 beim Ki-Arzt, dreifach-Impfung. Jetzt ist sie soooo müde – mein Herz blutet!

Else: Das sollte dir zeigen, was Impfungen im Körper der Kleinen anrichtet. Warum unterstützt du die Pharmaindustrie?

Mutti: Ich unterstütze niemanden, ich schütze meine Kinder.

Else: Auf dass sie alle Autisten werden. Lass sie die Krankheiten doch durchstehen, das macht stark!

Mutti: Oder tot. Gerade die Masern sind gefährlich.

Else: Das reden sie euch ein. Ich verstehe nicht, dass immer noch so viele Leute so unaufgeklärt sind. Informiert ihr euch denn gar nicht?

Mutti: Das ist doch Blödsinn.

Else: Jaja, lauf nur wie ein Schaf mit der Herde. Dann hat die Regierung wieder gewonnen. Und die Merkel reibt sich die Hände.

Mutti: Was hat denn die Merkel mit der Impfung meiner Tochter zu tun?

Else: Ist dir das immer noch nicht klar? Wieso seid ihr Mainstream-Mütter immer so so naiv?

Mutti: Was sind denn Mainstream-Mütter?

Else: Solche wie du: Fleischfressende, plastiksüchtige Weibe, die ihre Kinder aus Packungen ernähren und denen es egal ist, was den Kleinen unter die Haut gespritzt wird.

Mutti: Spinnst du jetzt? Soll das eine Diskussion sein? Was soll denn das?

Else: Geh‘ einfach sterben!

Mutti: Du mich auch.

Else:

„Der Tweed wurde entfernt, weil er Inhalte enthält, die du nicht sehen willst.“

Noch ne Mutti: Sofort Kontaktabbruch. Solche Leute wollen dich nur zerbrechen. Ich drück dich ganz fest und schicke dir viel Kraft!

Mutti: *Blockgeräusch*

 

Nachbemerkung: Dieser Dialog kann sich mit leichten Änderungen zu fast jedem Thema abspielen. Allerdings sind oft mehrere Teilnehmer dabei, die sich auf die eine oder andere Seite schlagen. Das ist manchmal tatsächlich amüsant, aber ein Feingeist darf man dabei nicht sein.

Die Schönheit der Nacht

Manchmal kommen zwei Dinge zusammen: Noch immer fasziniert mich die Unterwasserkamera in Estland. Man wird sie nicht mehr lange betrachten können, denn das Wasser in dem Überschwemmungsgebiet zieht sich langsam zurück. Das ist schade, ist aber jedes Jahr das Gleiche und muss so sein – die Natur funktioniert eben so. Die liebestollen Kröten haben sich schon weitgehend zurückgezogen und allerhand Kleingetier das Feld überlassen – und die Käfer, Schnecken, Würmer und Molche feiern jede Nacht ausgelassene Partys. Nun, damit würde ich euch eigentlich nicht schon wieder langweilen wollen – wenn ich nicht gerade gelernt hätte, wie man ein Video daraus macht. Natürlich kann ich das noch nicht gut. Ich stopsel halt optimistisch und mit Freude ein wenig herum und es dauert ewig. Aber es macht Spaß, und weil ich immer gerne zeige, was ich gelernt habe, gibt es heute ein Video mit herumschwabbelndem Kleingetier zu kitschiger Musik.

Ich habe mir dafür übrigens eigens einen YouTube-Kanal angelegt, denn diese Videos sind so groß, dass ich mir damit nicht meinen Blog verstopfen möchte. Und die Musik im Video wurde zur Verfügung gestellt von Dag Reinbott / https://www.terrasound.de, das Stück heist „Beautiful Mood“. Danke dafür.

Nachtrag: Kürzlich sah ich ganz früh am Morgen sogar einen Hecht. Es war fast ein wenig absurd: Ich guckte in den Bildschirm, er guckte in die Kamera. Und ich bin mir sicher, der hat mich gesehen, wie ich da in meinem Nachthemd saß – so panisch, wie der abgehauen ist.

 

Nachtrag 2: Und weil es solchen Spaß macht, habe ich noch ein Video gebastelt – dieses Mal mit angestrahltem Gras über dem Wasser.

 

Einst im Mai

Mal wieder ein Schreibkurs-Quickie – und ich versuchte mich an einer Art stümperhafter Poesie. Nun ja – ich bin keine große Poetin. Aber es ist Mai und die Sonne scheint, daher darf es hier heute erscheinen.

Wie einst im Mai

Pfingsten im Grünen in der hellen Maibuxe.
Der Sandkasten wird aufgefüllt.
Reinrennen, Wasser holen.
Die Rutsche ist kleiner geworden.
Pfingstrosen und Maiglöckchen.
Muttertag: mit Flieder zu Oma.
Sandalen, Eiswagen und Zitroneneis.
Kühe auf der Wiese. Reingetreten – uh, das stinkt!
Baden gehen! Nein, noch zu kalt.
In acht Wochen sind Ferien.
Warten auf den Sommer.

Meine Schwester und ich. Das Bild hat leider seine Farbe verloren – mein Kleid war rosa, das meiner Schwester, wenn ich mich richtig erinnere, lila.

Fugen-Symphonie

Auf Wunsch einer einzelnen Dame habe ich hier noch eine Übung aus dem Schreibworkshop: Man zog ein Los, auf dem ein erster Satz stand. Meiner war von Jean-Philippe Toussaint. Der verfasste 1985 den Roman „Das Badezimmer“, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte.

Handy, bunte Farben

Bild „Color Concept“ zur Verfügung gestellt von Stux, http://www.pixabay.com

Fugen-Symphonie

Als ich begann, meine Nachmittage im Badezimmer zu verbringen, hatte ich nicht vor, mich dort einzurichten. Im Gegenteil, ich hatte eine Aufgabe, die ich schnellstmöglich zu erledigen gedachte: Das Nachweißeln der Fugen.

Ich bin nicht besonders pingelig, was mein Wohnambiente angeht, doch diese schwarz-schimmeligen Zwischenräume der Fliesen fand ich fürchterlich. Ich kaufte also ein Schimmelmittel, entfernte damit alles Schwarze und begann dann, mit einem feinen Pinsel und weißer Fugenfarbe die Linien zwischen den Kacheln nachzumalen. Und – was soll ich sagen? Es sah schlimm aus. Ich habe keine ruhige Hand und malte bei wirklich jeder Fuge über den Rand. „Wie eine Schildkröte mit Tatter“, beurteilte mein Sohn meine handwerkliche Performance. Ich fuhr also wieder in den Baumarkt, kaufte was zum Entfernen der übergeklecksten Farbe und Kreppband zum Abkleben.

Nächster Versuch: Haben Sie schon einmal versucht, alle Fliesen in einem Badezimmer abzukleben? Fuge rechts und links, oben und unten. Und jede Fuge grenzt an zwei Fliesen. Bald war mehr Klebeband als Fliese in meinem Bad. Damit konnte ich leben, wohnte ich doch schon seit Jahren allein und nutzte folglich auch als einziger dieses Bad. Aber was ich mache, mache ich halt richtig. Und Zeit hatte ich auch.

Ich klebte also alle 945 Fliesen meines Badezimmers sorgfältig ab. Das Kreppband drückte ich tüchtig fest. Nicht, dass dort Farbe hindurch schlüpfen würde. Zwei Mal musste ich in den Baumarkt und neues Klebeband holen. Beim letzten Mal nahm ich gleich einen ganzen Karton – Schluss mit dem Gerenne.

Und doch musste ich schon zwei Tagen später wieder in den Baumarkt. Ich hatte nämlich vor lauter Verdruss über meine unzulängliche Handwerkerleistung vergessen, den Farbtopf zu verschließen, sodass Farbe und Pinsel zu einem unauflöslichen Brocken zusammengetrocknet waren. Bei diesem Trip in den Baumarkt besorgte ich nicht nur zehn Dosen Farbe und zwölf Pinsel, sondern auch einen Plexiglaswürfel, in den ich den Pinsel mitsamt dem angetrockneten Farbklotz einmontierte. Ich ließ ein Metallplättchen gravieren, dass ich vorne an den Würfel klebte. „Bekenntnis eines Unzulänglichen“ stand darauf und ich schenkte das Kunstwerk meiner Ex-Frau zum Geburtstag.

Dann begann ich endlich wieder zu malern. Und tatsächlich, dieses Mal ging es. Saubere weiße Linien entstanden zwischen den grauen und naturweißen Fliesen. Als ich das Kreppband abzog, war ich unglaublich stolz. Und auch ein wenig ernüchtert. Denn das saubere weiß war sehr nüchtern.

Während ich die Fliesen ein zweites Mal abklebte, überlegte ich mir ein Farbkonzept für die Fugen. Heiter sollte es werden, aber nicht primitiv. Elegant, aber ohne traurig zu wirken. Und um den Spiegel herum mit etwas Glanz.

Die Fugen meines Badezimmers geben mir eine wunderbare Bühne für die Entfaltung meiner Kreativität. Farbharmonien, Zwischenraum-Symphonien und saisonale Konzepte lassen geben mir ständig zu tun.

Mein Wohnzimmer habe ich inzwischen untervermietet, ich brauche es nicht mehr, In die Küche gehe ich selten und im Schlafzimmer lagere ich meine Materialien. Meine Matratze liegt im Bad neben der Dusche. Endlich hat mein Leben einen Sinn bekommen.

Jetzt zu haben: allerhand Alltägliches aus der bunten Welt

Immer wieder wurde ich auf Lesungen gefragt, ob es auch einige meiner Kolumnen als Buch zu kaufen gäbe. Bislang war das nicht der Fall, da ich diese kleinen Texte aber sehr gerne vorlese, gibt es sie jetzt. „Die Glorifizierung des Bandsalats“, dieser komplizierte Titel fiel mir ein, als ich wohl zum hundertsten Mal auf Facebook las, wie toll es doch war, so eine außer Kontrolle geratene Musik-Kassette mit einem Bleistift wieder aufzuwickeln. Ich fand das ja eigentlich nie so toll, weiß aber, dass die Jahre so manches Ungemach rosarot erscheinen lassen. Und so wurde der Bandsalat meine Titelstory.

Im Büchlein findet ihr eine Sammlung aus der Kategorie „Meikes Gedanken zum Tag“, die in Teilen meinen Alltag beschreiben – mit all seiner Ablehnung von Haushaltsarbeit, der Hypochondrie und der philosophisch angehauchten Beobachtungen meines Drumherums. Natürlich wie immer so subjektiv wie möglich.

Kröten in Love

Wieder einmal wurde ich zum Tierbeobachter – faul vom Sofa aus, via Webcam. Ich hatte wieder einmal auf meiner geliebten Webseite Looduskalender gestöbert, eigentlich auf der Suche nach puscheligen Küken. Nun, Küken sind noch keine da, nur ein paar Eier bei den Schwarzstörchen und den Graureihern. Und so guckte ich stattdessen mal in die Fischkamera hinein. Dort sollte man manchmal Hechte sehen können, sagte die Beschreibung. Die Kamera steht in einem Überschwemmungsgebiet, das Wasser dort ist flach und man sieht so eine Art Wiese unter Wasser.

Ich setzte mich also zurecht und wartete auf den nächsten Hecht. Nun, was soll ich sagen – es kam keiner. Trotzdem war es irgendwie beruhigend, diese Ansicht laufen zu haben. Ab und zu zogen winzige Fische vorbei. Ich wollte früher immer ein Aquarium haben und fühlte mich spontan mit den kleinen Schwimmern verbunden. Passt bloß auf euch auf, dachte ich, hier soll es Hechte geben!

Es blieb jedoch vorerst ruhig im Wasser, keine Hechte in Sicht. Stattdessen hörte man allerhand Lärm von außen – es quakte und quakte. Und plötzlich, in den späten Abendstunden, ging es los: Eine dicke Kröte ließ sich behäbig auf den Boden sacken. Woanders drängelte sich eine durch das Unterholz. Irgendwie doof saßen sie da und guckten. Und ich guckte auch – wahrscheinlich genauso doof. Auf die wilde Action, die plötzlich losbrach, war ich also gar nicht vorbereitet: Ohne für mich wahrnehmbare Vorwarnung sprangen die Kröten aufeinander los. Nun gut, dachte ich, Paarungszeit. Aber ehe ich mich versah, kamen von anderswo noch mehr Kröten angehüpft, angeschwommen, angepaddelt – und alle stürzten sich aufeinander. Was für eine Orgie – das sah aus wie American Football. Und ich dachte immer, beruhigt euch doch, Kinnings, so wird das doch nichts. Fast hörte ich es krachen, wenn wieder eines der Tiere dem anderen ins Kreuz sprang, nur um von einem eifersüchtigen Rivalen wieder runtergestumpt zu werden.

Kröten, GIF

Kröten in Action – beim Anklicken wird es größer

Inzwischen – ein paar Tage später – scheint sich die Lage etwas beruhigt zu haben. Immer öfter sieht man Kröten im Zweierpack vorbeischwimmen. Das sieht auch nicht gemütlich aus, aber diese Tiere sind ja nun auch nicht unbedingt als Symbole für Romantik bekannt. Ich bin ja gespannt, ob man über die Kamera auch irgendwann Kaulquappen sieht. Dann hätte sich der wilde Kampf der Kreaturen zumindest gelohnt.

Komische Gewohnheiten – sich vom Fernsehen inspirieren lassen

Cakepops

Ein Fremdbild von Pixabay – das habe nicht ICH gebacken!

Inzwischen kann man ja alles Mögliche im Fernsehen verfolgen – und alles ist Wettkampf: Es wird nicht mehr nur gesportelt und getanzt, sondern auch um die Wette eingekauft, abgenommen, ausgewandert, geliebt und renoviert. Sogar das Entrümpeln des eigenen Dachbodens kann etwas Sportliches bekommen, wenn eine Fernsehkamera dabei ist. Das eine oder andere dieser Formate gucke ich auch mal ganz gerne, wenn auch nicht regelmäßig. Eines aber fasziniert mich über alle Maßen: Wettbacken.

Meine konditorischen Fähigkeiten sind ja außerordentlich begrenzt: Ich kann ganz gut Napfkuchen backen. Und Muffins, wobei das in etwa auf das Gleiche hinausläuft. Meine Mutter und meine Schwester waren schon immer Tortenmeisterinnen, an mir schlich dieses Talent jedoch stillschweigend vorbei. Nachdem ich aber etliche Folgen „Das große Backen“ geguckt hatte, erwachte auch in mir eine Art von mehliger Kreativität und ich beschloss, mal etwas anderes zu machen als die üblichen Rührteigtörtchen. Stattdessen wollte ich Rührteigkringel machen und bunt dekorieren. Mit Zuckerguss und bunten Bröseln, oder mit lila eingefärbter weißer Schokolade. Lebe wild und gefährlich, Meike!

Ich besuchte also einen Online-Shop und suchte nach einer Kringel-Form. Stattdessen fand ich … einen Automaten! Einen, mit dem man dreierlei Gebäck herstellen kann: Kringel, Bällchen und kleine Muffins, und das im Waffeleisenprinzip. Gar nicht teuer – den musste ich haben! Dazu erwarb ich noch eine Spritze, mit der man dekorieren und füllen kann sowie einen Spritzbeutel. Ein Spritzbeutel ist nämlich elementar wichtig zum Backen, das habe ich beim Fernsehen gelernt. Wie konnte ich nur fast 50 Jahre alt werden ohne Spritzbeutel?

Am Sonntag war es nun also soweit, ich weihte das Gerät ein. Für dieses Mal hatte Cakepopsich mich für Bällchen entschieden, wollte ich das Gebäck doch den Kollegen mitbringen und mundgerechte Häppchen schienen mir da sehr praktisch. Außerdem können dies Bällchen grandios dekoriert werden, wenn man denn Zeit, Muße und Geschick dazu hat. Ich hatte allerdings nicht vor, richtige Cakepops zu backen, also Teigwunderwerke auf einem Stiel, denn zum einen finde ich das ein bisschen albern, zum nächsten braucht so einen Stiel kein Mensch und zum dritten schätze ich meine Fähigkeiten durchaus realistisch ein. Und doch hatte ich große Ziele: Dreierlei Sorten wollte ich backen – mit Schoko-, Vanille und Zitronenteig und entsprechender Dekoration.

Ich legte also zeitig los: Rührteig machen – klar, das kann ich. Ich habe ja auch eine Rührmaschine. Im Internet hatte ich mich eingelesen und auch ein Büchlein mit Rezepten und Dekorationsvorschlägen gekauft. Wie sollte man jetzt den Teig in das Gerät füllen, und wie viel davon? Ach ja, klar, wie bei Muffins auch, mit zwei Löffelchen. Überall jedoch fand ich den gleichen wichtigen Hinweis: NOCH SAUBERER funktioniert es mit einem Spritzbeutel! Aha, soso, da war er also wieder, der Spritzbeutel. Ich begann also damit, die erste Ladung Teig in meinen nagelneuen Beutel einzufüllen. Das war aber gar nicht so einfach – ich musste etwas rumfummeln, bis ich begriff, wie ich die Tüte festhalten und die Tülle dabei umknicken musste, damit mir der Teig nicht gleich unten wieder rausplemperte. Auch fand ich es schwierig, den Teig nur in und nicht auch auf den Beutel zu schmieren. Als genug drin war, füllte ich die kleinen Teigmulden im Gerät. Und das ging tatsächlich gut. Hier und da entglitt mir eine kleine Teigwurst, aber das meiste landete da, wo es hinsollte. Deckel zu, warten. Und zwischendurch nochmal den Spritzbeutel füllen.

Himmel, wie sollte das denn nun wieder gehen? Wie füllt man mit klebrigen Händen einen noch klebrigeren, verbappten Spritzbeutel? Ich spielte das alte Kinderspiel „Der Boden ist Lava – du darfst ihn nicht berühren“ in der Version „Der Boden ist Teig – latsch da nicht rein!“ Und ehe ich mich versah, meldete das Backgerät Vollzug und ich durfte die ersten Kügelchen ernten. Die sahen allerdings gut aus. Also Bällchen auf Teller, mit einem Ölpinsel Teigmulden fetten, Spritzbeutel greifen, Teigwurst mit dem Jogginghosenbein auffangen, Mulden füllen, Deckel zu, backen. Und nochmal das Ganze – der Rest Teig sollte auch noch in den Sack. Was für eine Schweinerei.

CakepopsAuf diese Art und Weise ferkelte ich tatsächlich drei Mal 36 Kuchenbällchen zusammen. Hübsch sahen sie aus, aber noch gänzlich nackt und bloß. Also ging es ans Dekorieren. Die Zitronenbällchem verlangten nach Zitronenzuckerguss nebst einer dekorativ aufgeklebten Pistazie. Und weil ich ja schon immer mal was mit Lebensmittelfarbe einfärben wollte, wurde die klebrige Paste mit einem Pülverchen zartgelb angehaucht. Bälle einpinseln, Pistazie ankleben, trocknen lassen – das Wenige, was in meiner Küche noch nicht klebte, tat es danach. Zum Glück – denn dann kam es auf die anschließende Schokoladenschlacht auch nicht mehr an.

Weiße Schokolade schmelzen, rosa anhauchen, Vanillebällchen eintunken, Kokosflocken drüber. Wenn ich den Anleitungen im Internet glauben darf, werden die Küchlein komplett eingetaucht. Wie man sie dann davon abhält, danach minutenlang klebrig vor sich hin zu tröpfeln, erschloss sich mir nicht und ich beschloss, dass meine Cakepops mit halber Glasur auskommen mussten. Dann konnte man sie nämlich hinlegen, was recht praktisch war. Trotzdem war es eine ziemliche Sauerei.

Die braunen Schokoküchlein waren ein wenig trocken geraten – ich hatte meinem Backwunder nämlich nicht geglaubt, dass die Cakepos tatsächlich schon fertig waren, wenn es Vollzug meldete, und sie deshalb zu lange gebacken. Zum Ausgleich füllte ich meine wunderbare Kuchenspritze mit Johannisbeermarmelade und drückte den Bällchen jeweils etwas davon in den Hintern. Dafür brauchte man erstaunlich viel Kraft – das Gebäck war doch recht kompakt geworden. Ein paar Mal übertrieb ich es auch und schoss übers Ziel hinaus. Diese explodierten Bällchen bestimmte ich für den Sofortverzehr, soll heißen, ich fraß sie kurzerhand auf. Dann musste ich mir das Elend auch nicht weiter angucken. Dann noch mit bitterer Schokoladenkuvertüre das Einspritzloch der gefüllten Küchlein wieder zukleben und Brösel aufstreuen – fertig.

So von weitem wirkten meine Stiellosen Cakepops durchaus gelungen, wenngleich auch nicht künstlerisch wertvoll. Sie schmeckten auch gut. Zu einem Backwettbewerb sollte ich mich damit besser nicht anmelden, aber das war auch nie mein Ziel. Die Ostertage werde ich damit verbringen, die Küche zu kärchern und die ganzen übriggebliebenen Backutensilien irgendwo zu verstauen. Ich schätze, ich habe noch für 50 Jahre Lebensmittelfarbe am Lager.

Cakepops

Und ich glaube, beim nächsten Mal mache ich doch lieber Kringel. Die rollen beim Anpinseln zumindest nicht weg.

 

Frage: Was hat euch schon mal derartig inspiriert, dass es von der Glotze aus direkt in euer Leben wanderte?