Schön ausgedrückt – Wir und Sie

Lange ist’s her, doch heute gibt es mal wieder ein paar Gedanken zur Sprache. Wir und Sie – das sind zwei kurze Wörter mit sehr großer Macht.

Wir und Sie

„Wie können wir das zulassen?“, fragt der betroffen dreinblickende Schauspieler, der in einem TV-Spot um Spenden bettelt. „Wir brauchen eine einsatzbereite Bundeswehr“, sagt der bierbäuchige Stammtischler, der selber viel zu alt ist, um sich in eine Uniform zu zwängen und in irgendeinem Land durch die Wüste zu rennen. „Wir können uns einen höheren Mindestlohn nicht leisten“, behauptet der Lobbyist, der selber noch nie mit weniger als dem fünffachen des Mindestlohns auskommen musste. Wir, das schafft Nähe, das macht gleich. Zumindest soll es das.

Das genaue Gegenteil des kumpelhaften „Wir“ ist das Distanz schaffende „Sie“, umgangssprachlich gerne verkürzt auf „se“. „Da hinten ham‘ se eingebrochen“, oder auch „den Müll schmeißen se ja doch immer neben die Tonnen“. „Se“, das sind die Schlimmen, die Unanständigen. Die, mit denen „wir“ auf keinen Fall in einen Topf geworfen werden wollen. „Se“, das sind „die“, also die anderen, die außen vor dem „wir“ stehen.

„Und dann wollen se alle nicht arbeiten“, sagen die, die ganz genau wissen, wie die so ticken, die anderen, die nicht dazugehören. Es ist ein einfaches Spiel, das da gespielt wird von den Aufrechten, von denen mit dem guten Blick und der Menschenkenntnis: Die da draußen, die sind nicht wie wir. Die spielen bei uns nicht mit.

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