Im Wald des Vergessens

Dieser kleine Text entstand ebenfalls im Märchenkurs. Die Aufgabe hieß: Die Hauptfigur hat die Aufgabe, für den kranken Vater magische Nüsse zu holen. Das Problem: Diese Nüsse liegen im Wald des Vergessens. Sobald man ihn betritt, vergisst man, was man da eigentlich wollte – doof. Da muss also der Zufall ein bisschen mithelfen. und die Eule – Eulen sind nämlich auch im Wald des Vergessens klug und zuverlässig.

So sieht mein Wald des Vergessens übrigens aus:

Bild von Pixabay

Im Wald des Vergessens

Ein Gefühl wie Watte im Kopf. Das Mädchen läuft nur noch, weil ihm nichts Besseres einfällt. Überall ist Wald, nur Wald. Hohe Bäume, weicher Boden. Ab und zu strauchelt sie über einen Ast. Die Geräusche sind fremd und machen ihr Angst. Da, ein großes Tier. Wie heißt es? Es will ihr nicht einfallen. Es dreht sich um und läuft vor ihr weg, anscheinend hat es auch Angst.

Ein anderes Tier kommt näher an sie heran. Es ist schwarz-weiß gestreift, wackelt beim Laufen und sieht eigentlich ganz freundlich aus. „Was willst du hier?“, fragt es und guckt sie durch eine Brille fragend an. Seine Stimme erinnert sie an jemanden, den sie vermisst. In ihrer Seele schmerzt es. „Ich weiß es nicht“, sagt sie und weint ein wenig. Der Schwarz-Weiße nickt nur und sieht dabei traurig aus. „Niemand weiß das hier so genau. Nur die Eule, die kennt sich aus, sagt man.“ „Was ist eine Eule?“, fragt das Mädchen und der Schwarz-Weiße zuckt mit den runden Schultern.

„Ich bin die Eule, glaube ich“, sagt da eine Stimme direkt zu den Füßen des Mädchens. Ein kleines rotes Pelztierchen sitzt dort, wedelt mit dem buschigen Schwanz und macht sich mächtig wichtig. „Ich weiß nicht, wer du bist, aber du bist bestimmt keine Eule“, meint der Schwarz-Weiße. „Ist doch egal“, sagt der Rote. „Wollt ihr Nüsse?“ Eifrig buddelt das kleine Tierchen im weichen Boden herum. „Irgendwo müssen welche sein, hab vergessen, wo.“ Es buddelt und buddelt. Das Mädchen und der Schwarz-Weiße sehen ihm dabei zu, weil sie nichts anderes zu tun haben. Endlich schreit der Rote freudig auf: Vor ihm liegt eine Art Nest mit braunen und goldenen Nüssen. „Hier, nehmt euch Nüsse. Aber passt mit denen da auf, die schmecken nicht.“ Verächtlich schiebt der Kleine die goldenen Nüsse zur Seite. „Die sind schön“, sagt das Mädchen. „Du kannst sie haben“, meint der Rote großzügig. „Sind eh nicht meine, glaube ich.“

Bilder von Pixabay

In dem Moment, als das Mädchen die goldenen Kügelchen einsteckt, hört sie über sich ein Rauschen. Sie sieht riesige gelbe Augen, die in der beginnenden Dämmerung leuchten. Angstvoll zuckt sie zusammen. „Hab keine Angst, Mädchen“, sagt der riesige Vogel mit sanfter Stimme. „Ich bin doch nur eine harmlose Eule.“ „Du bist die Eule? Du kennst dich aus, sagen sie hier. Weißt du, wo ich hingehöre?“ Die Eule nickt, schüttelt dann aber den Kopf. „Nein, nicht genau. Ich weiß aber, wo du nicht hingehörst – und das ist dieser Wald hier. Folge mir, wir gehen hier hinaus. Sobald wir auf freiem Feld sind, wird dir alles wieder einfallen.

Das Mädchen verabschiedet sich von dem Schwarz-Weißen mit der dunklen Stimme und von dem kleinen Roten, der schon wieder buddelt. Dann folgt sie der Eule, die vor ihr herfliegt und immer wieder auf sie wartet. Die großen gelben Augen leuchten dem Mädchen den Weg. Und dann endlich, als der Morgen schon dämmert, erreichen die beiden eine große Wiese. „Ich muss heim zu meinem Vater“, sagt das Mädchen. „Er ist krank.“ Die weise Eule nickt zustimmend. „Ja, das musst du. Er wartet auf dich.“

Mit den drei goldenen Nüssen in der Tasche erreicht das Mädchen den kranken Vater. Sie kommt gerade noch rechtzeitig und kann noch viele schöne Jahre mit ihrem Vater erleben.

4 Kommentare zu “Im Wald des Vergessens

    • Das war vorne, als das Mädel losgerannt ist. Ich bin ja erst später eingestiegen.

      Aber keine Sorge, demnächst kommt noch ein ganzes Märchen mit „Es war einmal“. Allerdings fehlt da das „Und wenn sie nicht gestorben sind …“

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