Du kannst einfach nicht widerstehen …

Sooo, diese Aufgabe ist ja einfach. Die Frage lautet, wo kannst du einfach nicht widerstehen. Also du, das bin in diesem Falle ich. Nun ja, Schokolade halt. Zumindest, wenn sie vor mir liegt. Wenn ich dafür aufstehen muss, ist das schon etwas anderes, weil faul bin ich ja auch. Also kann ich doch widerstehen, zumindest manchmal.

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Bild von Pixabay

Und dann sind da noch Notizbücher. Die sind schon wirklich etwas, was mich anmacht. Ich muss mich sehr zusammenreißen, um nicht hunderte davon zu kaufen. Ich habe eh schon mehr, als ich in den nächsten 10 Jahren vollschreiben kann. Apropos vollschreiben – dafür habe ich jede Menge Stifte, vor allem Bleistifte und Füller. Und diverse Tinten natürlich, ist ja klar, denn ohne Tinte kann ein Füller nicht schreiben. Rein aus Nachhaltigkeitsgründen und keinesfalls aus lauter Spieltrieb nutze ich keine Plastikpatronen, sondern Tinte im Gläschen, teils mit Glitzer oder zweifarbigem Shading. Für die nächsten 20 Jahre habe ich wohl genug Vorrat. Ist ja auch wichtig, vielleicht wird Tinte irgendwann mal knapp. Kann ja überall mal Not ausbrechen, Lieferengpässe, Lockdowns, was auch immer. Zumindest bezogen auf Notizbücher, Stifte und Tinte bin ich auf alles vorbereitet.

Jaaaa, und dann ist da noch die Wolle. Dieser besondere Stoff, der wächst – mal am Schaf, mal am Strunk – manchmal aber auch künstlich hergestellt oder irgendwie gemixt wird. Je nachdem, was man hat, kann man sie filzen oder stricken. Gut, ja, oder damit häkeln, wenn man denn häkeln kann. Ich habe in der Grundschule mal einen schiefen Topflappen produziert, weitere Erfolge habe ich in Sachen Häkelarbeiten leider nicht vorzuweisen. Denn ich stricke lieber.

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Stricken hilft mir in unruhigen Zeiten, zur Ruhe zu kommen. Tausend Mal die gleiche Bewegung, das hat etwas sehr Meditatives. Ich kann dabei die Gedanken ziehen lassen, mir Geschichten ausdenken oder fernsehen. Ja, genau, Fernsehen, das geht natürlich auch. Muss ja nicht immer alles intellektuell anspruchsvoll sein. Einen Strumpf zu stricken, ist wenig anspruchsvoll, aber man hat hinterher was Warmes am Fuß – sowas Sinnstiftendes kriegt man mit vielen vermeintlich anspruchsvolleren Tätigkeiten nicht zuwege. Wenig Verständnis habe ich hingegen für denn Trend, Bäume oder Laternenpfähle einzustricken. Urban Knitting nennt sich das, oder auch Guerilla Knitting, so als wäre man ein großer Revoluzzer, wenn man einem Brückenpfeiler einen Nierenwärmer umlegt. Das ist irgendwie in Mode und in meinen Augen die Krönung der Sinnlosigkeit. Pure Materialverschwendung. Und Wolle verschwendet man nicht.

Für mich ist es immer etwas ganz Besonderes, Wolle auszusuchen. Damit meine ich nicht nur das in einen Laden gehen und Material zu kaufen, wenngleich das natürlich immer etwas ganz Wunderbares ist. Nein, es ist auch das Auspacken von bestellter Ware. Oder das Untersuchen eines mir völlig unbekannten Wollvorkommens. Zwei Mal schon erbte ich große Bestände an Wolle, für die jemand anderes keine Verwendung hatte. Zwei ganze Säcke voller wunderbarer Überraschungen! Gut, es war auch ein bisschen Gelerch dabei, aber irgendwas ist ja immer.

Stundenlang könnte ich Wolle sortieren, zueinander passende Häufchen zusammenlegen und überlegen, was daraus wohl werden könnte. Und dann eben dieses Auswählen, dieser finale Moment, wenn aus den Plastikkisten im Gästezimmer etwas herausgeholt wird, um zum nächsten Projekt zu werden. Mal ist es ein Knäuel, dann wieder sind es ganz viele, doch egal wie, es ist immer wieder etwas Feierliches, dieser Umzug der der Wolle aus dem Gästezimmer in die Strickarena, mein Wohnzimmer. Ich freue mich dann auf das Kommende, fasse das Material an, freue mich daran.

Ob so ein Wollknäuel auch Gefühle hat? Ob es die Erhabenheit dieses Augenblicks spürt? Es wäre ihm zu wünschen, schon allein damit es die Metamorphose von einem sachlichen, zum Knäuel gewickelten Faden in ein strukturiertes Geflecht aus ineinander verschlungenen, einander liebenden Maschen richtig genießen kann. Vom simplen Bindfaden zur Socke, das ist ein ungeheurer Aufstieg für so eine profane Faser.

Sogar Reste werden bei mir nicht verstoßen, sondern lange Jahre aufgehoben, immer wieder sortiert und kombiniert, bis eines Tages ein neues Modell daraus entsteht. Reste sind doch das Beste, meine Strickjacke könnte ein Lied davon singen, wenn sie denn singen könnte. Und auch, wenn ich für eine Wollsorte bei mir wirklich keine Zukunft mehr sehe, wird sie nicht etwa entsorgt, sondern zur Adoption freigegeben – Wolle sucht ein Zuhause. Über 20 Jahre dauerte es zuletzt, bis ich mich dazu entschließen konnte, einige große Reste weiterzugeben. Kürzlich erst war es soweit, zwei Taschen Wolle gingen zu einem Sozialprojekt, bei dem ein für Menschen stricken, die es nötig haben. Auf diese Weise wird also auch meine Restwolle noch einmal zu Ruhm und Ehre kommen. Das macht mich wirklich froh.

5 Kommentare zu “Du kannst einfach nicht widerstehen …

  1. Was für dich Wolle ist, ist für mich Papier, mit dem ich Bucheinbände – auch die von Notizbüchern – Schachteln, Schuber oder Mappen beziehen kann. Es gibt so viele Buntpapiere, Marmorapier, Handbedrucktes aus dem fernen Osten, Handgeschöpftes aus Nepal, Thailand, Japan, Mexiko, ……….

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