Neue Filzexperimente

Nachdem ich hier schon ein paar Mal Taschen aus Strickfilz gepostet habe, wird es Zeit für ein paar neue Filzexperimente: Mir ist nämlich in diesem doofen Internet kürzlich das Nadelfilzen untergekommen. Da nimmt man ein paar Klumpen Wolle, piekst mit einer Nadel darin herum, bis sie in Form kommt, bezieht das ganze schön bunt und – fump – hat man eine lebensgroße naturgetreue Schleiereule auf der Schulter sitzen. Oder einen entzückenden Hundewelpen nebst Hütte in Streichholzschachtelgröße. Oder einen fantasievollen Drachen, der einem jedem, der ihn sieht, ein ehrfurchtsvolles „Oooohhhh“ entlockt. Das sollte angeblich ganz einfach sein, sodass ich beschloss, mal wieder mein Können zu erweitern, etwas Neues zu lernen und irgendwelche Männeken zu basteln. Ich machte mich also ans Einkaufen (WOLLE!!!) und überlegte, was ich denn alles wunderbares Filzen wollte. Phönix, ja, klar, inclusive Feuer und Ei, außerdem einmal das ganze Tierleben von Brehm.

Nun sind ja meine handwerklichen Fähigkeiten eher begrenzt, weshalb ich dachte: „Erst mal vorsichtig anfangen“. Ist ja auch ’ne Nadel dabei, soll heißen, man kann sich pieken. Also lieber nichts ganz Kleines. Aber auch nichts ganz Großes – das überfordert mich. Ich beschloss also, ein Mobilé für ein Babyzimmer herzustellen – heitere Unterwasserwelt. Letzten Sonntag ging es frisch ans Werk. Ich stocherte also optimistisch in meiner naturfarbenen Wolle herum und formte einen Fisch, den ich mit filigranem Schuppenwerk überzog:

Nun ja – eine Sardine ist zweifellos eleganter gestaltet. Aber ich wollte ja auch keinen keinen Dosenfisch erschaffen, sondern einen exotischen Schleierschwanz. Denn schon bei diesem ersten Stichelwerk fiel mir auf, dass schöne Gesichter wohl nicht zu meinen Stärken gehören, das Tier musste also mit dem anderen Ende punkten.

Na gut, das geht ja schon mal. Aber das Mobilé soll mindestens sechs Seebewohner haben, außerdem eine stolze Nixe in der Mitte. Also musste der verregnete Feiertag ebenfalls zum Werkeln herhalten. Eine Schildkröte sollte es werden – schließlich besaß ich als Grundschulkind ebenfalls Wasserschildkröten und weiß genau, wie die aussehen. Sie haben innen ein Skelett und obendrauf eine struppige Frisur (die von dem merkwürdigen Blick ablenken soll):

Der Panzer bekam einen schönen grünen Überzug mit einem mosaikartigen Schildpattmuster. Das Tier guckt nicht klug, aber freundlich, und wird sich inmitten eines heiteren Schwarms von Fischen sicherlich gut machen.

Ich bin erst mal ganz zufrieden mit meinen ersten Filzversuchen, auch wenn „naturgetreu“ natürlich was anderes ist. Ich habe mich nicht erstochen (nur zwei Mal fast), man kann die Sachen erkennen und es macht wirklich viel Spaß. Die Kunst kommt vielleicht später noch, und wenn nicht, belasse ich es beim Spaß.

Heute wurde ich allerdings in einer Filzgruppe auf Facebook von einer mir unbekannten Dame darauf hingewiesen, dass man an ein Mobilé nichts hängen dürfe, das nicht wirklich fliegen kann. Denn, so meinte sie, sonst würde man die Kinder unterbewusst zur Unwahrheit erziehen. Ich nahme das zur Kenntnis, beschloss, dass die Gute einen Kleinen an der Zwiebel hat und diskutierte das nicht weiter 😉

Nachtrag: Ich habe den Schildkröterich übrigens „Sascha“ getauft.

7 Kommentare zu “Neue Filzexperimente

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