Schön ausgedrückt – gnadenlose Alterungsbeschreibungen

Diese Kategorie hatten wir schon lange nicht mehr. Dabei liegt der Beitrag schon eine Weile fertig bei mir herum. Nun, vielleicht hatte ich einfach eine gewisse Scheu, sowas zu veröffentlichen. Doch da ich das eine oder andere auch an mir beobachte, bin ich Betroffene und kann somit hemmungslos darüber reden, über das Thema …

Gnadenlose Alterungsbeschreibungen

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt in die Kategorie „Schön ausgedrückt“ einsortieren sollte, denn wirklich schön sind die Ausdrücke, mit denen oft die sichtbaren Alterungsprozesse bei Mann und Frau bezeichnet werden, nicht. Viele sind umgangssprachlich und eher garstig ausgedrückt, aber sehr deskriptiv und daher oft recht lustig. Und das eine oder andere mag auch durchaus in die Kategorie passen, also belasse ich es dabei.

„Was hast du gesagt?“
Bild von Pixabay

Beginnen wir mit dem, was eine zurückweichende Haartracht besonders bei Männern beschreibt: die Geheimratsecken. Das klingt würdevoll und ist sicherlich auch so gemeint, denn Geheimrat (oder Hofrat in Österreich bzw. Ratsherr in der Schweiz) wurden nur kluge ältere Herren. Laut Wikipedia weisen diese Ecken nicht selten auf eine beginnende Glatzenbildung hin, was noch neutral formuliert ist. Auch der Paterkranz bei Männern, denen die Glatze nach Art einer Tonsur entsteht, klingt noch recht freundlich. Spöttischer klingt da schon „dem kommt das Knie durch“ oder „er lässt sich eine Badekappe wachsen“. Und optimistisch klingt „bei dem kommt die Weisheit durch“.

Besonders viele Veränderungen gibt es natürlich im Bereich des Gesichts: die kleinen Lachfalten um die Augen, die ich bei Männern so attraktiv finde, werden als Krähenfüße bezeichnet, was sie meiner Ansicht nach unnötig abwertet. Denn es gibt doch nichts Schlimmeres, als so ein unbewegliches Botox-Gesicht, dem man auch in Kummer oder Freude nicht ansieht, dass darin etwas lebt. Daher bevorzuge ich gerade bei Lachfalten den Ausdruck Lebenslinien, denn das trifft es viel besser.

Weniger hübsch finde ich die tiefhängenden Schlupflider oder diese stark verschwollen wirkenden Augenpartien, die gemeinhin als Tränensäcke bekannt sind. Dass man auch damit international berühmt werden kann, hat uns Kommissar Derrick eindrucksvoll bewiesen.

Rutscht im Alter die Figur ein wenig durcheinander, wird man also ein wenig mehr um die Mitte herum, wird gerne von einer Wampe, einem Bierbauch oder einem Knödelfriedhof gesprochen. Das trifft so allerdings eher Männer, Frauen sind einfach nur dick. Manchmal werden sie um die Mitte dicker und obenrum dünner, das wird dann mit dem unschönen Ausdruck Hängebrüste beschrieben. Und wenn die Haut an den Oberarmen erschlafft, empfiehlt so mancher selbst ernannte Modeberater den Damen (und nur ihnen!), dass sie keine ärmelfreie Kleidung mehr tragen sollen, damit man das „Schwiegermutterwinken“ nicht so sieht. Herren im Feinripp-Unterhemd sind davon anscheinend nicht betroffen.

Meine Lieblingszone bei den unfreundlichen Alterungsbezeichnungen ist jedoch der Hals: Ein früher einmal schlanker, glatter Schwanenhals mutiert im Alter gerne zum Putenhals – eine zoologische Sensation. Und den schönsten, wenngleich garstigsten Ausdruck benutzten meine ansonsten seriösen Eltern und ihre Bekannten für eine Dame, deren Doppel- oder Dreifachkinn im Alter erschlaffte und sich nach unten bewegte: Da fiel tatsächlich der Ausdruck „Bammelfresse“. Und diesen Ausdruck finde ich schon ganz schön unerhört. Das hätte ich als Kind mal zu jemandem sagen sollen!

4 Kommentare zu “Schön ausgedrückt – gnadenlose Alterungsbeschreibungen

  1. Schlitzohrig: Als es in der Münchener Schneckenburgstraße hinter dem Residenztheater noch die „Schneckenburg“ (mein Stammlokal) gab – ich war damals etwas über 50 und bereits grauhhaarig – begrüßte mich der südtiroler Wirt immer mit „Grüß Gott, Herr Doktor!“ Als ich ihn fragte, wieso er darauf käme, dass ich ein Doktor sei, antwortete er: „Das sag‘ ich halt zu jedem Grauhaarigen!“

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