Klein-Meikes Leseschätze – Susanne Barden

Ich bin schon wieder krankgeschrieben – 2020 scheint ein Seuchenjahr zu werden. Zum Glück habe ich es dieses Mal etwas früher gemerkt, dass in meinem Körper etwas vor sich hin köchelt, sodass die Kraft immerhin für Kinderbücher ausreicht.

Dieses Mal möchte ich eine kleine Reihe empfehlen. Aus den ursprünglich sieben Folgen wurden für die gängigsten deutschen Ausgaben drei dicke Bände gemacht, die meine Schwester irgendwann um 1980 herum bekam. Es gab aber auch die Ausgabe mit sieben Bänden zu kaufen. Ich habe mir die dickeren Bücher viele Jahre später bei Ebay gekauft, damit ich immer mal wieder reingucken kann. Es geht um

Susanne Barden, von Helen Dore Boylston 

Darum geht es: Die zwischen 1936 und 1952 in den USA erschienene Reihe um die junge Susanne Barden beschreibt den Weg einer jungen Frau, die in den 20er Jahren ihr Elternhaus verlässt, um Krankenschwester zu werden. Im ersten der drei Doppelbände geht es um ihre Ausbildungszeit in einem großen Lehrkrankenhaus: Zunächst ist sie Probeschwester, ständig in der Angst etwas falsch zu machen und noch auf der Suche nach Freundinnen, die sich aber schnell finden. Gemeinsam mit Kit und Connie wird sie reguläre Lernschwestern und durchläuft all die verschiedenen Stationen ihrer Ausbildung von der Ambulanz über den Operationssaal bis hin zur Säuglingspflege. Natürlich findet sich auch ein netter junger Assistenzarzt, der sich für sie interessiert.

Im zweiten Doppelband findet Susanne ihre wahre berufliche Bestimmung und wird ambulante Krankenpflegerin. In der New Yorker Henry-Street-Stiftung wird sie ausgebildet, um dann nach allerlei Irrungen und Wirrungen zu ihrem Verlobten aus’s Land zu ziehen und dort als ländliche Fürsorgeschwester zu arbeiten.

Im dritten Band, der die drei letzten Folge der Originalserie enthält, wechselt Susanne die Rollen mehrmals: Sie ist Leiterin einer kleinen Schwesternschule auf dem Land, bekommt dann mehrere Kinder und nimmt quasi einige Jahre Elternzeit und kehrt dann in den normalen Alltag einer Krankenschwester auf Station zurück.

Das ist das Besondere: Obwohl die Bücher in den 20er und 30er Jahren spielen, kamen sie mir niemals altmodisch vor. Natürlich beinhalteten auch sie noch das traditionelle Frauenbild – so gibt es zum Beispiel keine Ärztinnen, sondern nur Krankenschwestern, und die meisten verheirateten Frauen hören schnell auf zu arbeiten. Doch die Figur der Susanne strebt immer nach Unabhängigkeit, danach, sich möglichst umfassend auszubilden und immer mehr zu lernen. Sie will ihre gute Ausbildung auch nicht dadurch „verschenken“, dass sie schnell heiratet und Hausfrau wird. Sie bedauert mehrfach, dass die Fähigkeiten von Frauen so oftmals nicht richtig genutzt werden.

Die Serie ist meines Erachtens sehr realistisch. Weder sind Susanne und ihre Freundinnen Mauerblümchen, noch sind sie, bei aller Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Ausbildung vorantreiben, Streberinnen. Auch zwischen Susanne und ihrem Mann Bill gibt es ab und zu Phasen, in der sie um ihre Beziehung kämpfen müssen. Ihre Kinder sind nicht immer wohlerzogen und ihre Bekannten keine Musterbürger. Ihnen wird nichts geschenkt, doch es ist der Grundtenor der Bücher, dass man lieber anpackt und etwas ändert, anstatt lange zu klagen.

Das gibt es noch:  Über eine Sache habe ich mich schon als Kind immer wieder amüsiert, denn sie kommt bei Kinder- und Jugendbüchern immer mal wieder vor: Die Namen wurden übersetzt. Susanne Barden heißt eigentlich Sue Barton, und ihr Mann heißt ganz bestimmt nicht Wilhelm, sondern William. Warum konnte man das nicht einfach so lassen? Merkwürdig, aber auch nicht wirklich störend.

Die Bände heißen in der zusammengefassten Version:

  • Susanne Barden – Hinaus ins Leben
  • Susanne Barden – Weite Wege
  • Susanne Barden – Reifen und Wirken

6 Kommentare zu “Klein-Meikes Leseschätze – Susanne Barden

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