Kindheitserinnerung: Rote Grütze mit Quark

Oftmals, wenn ich bei meiner lieben Schwester war, komme ich mit zum Leben erweckten Kindheitserinnerungen zurück nach Frankfurt. Beim letzten Besuch war es eine Nachspeise, die aus den Tiefen des Gedächtnisses an die Oberfläche kam: ganz einfache Tüten-Rote-Grütze mit Quark. Das war eines der ersten Dinge, die ich als Kind zubereitet habe: einfach ein Tütchen Rote Grütze mit Zucker und Wasser aufkochen, Quark dazu, tüchtig rühren, fertig. Superpink, superfrisch. Ja, den Geschmack wollte ich mal wieder haben.

Meine Schwester und ich diskutierten über die richtigen Mengen: ein Pfund Quark, oder nur ein halbes? Wir wussten es nicht mehr und so probierte meine Schwester es aus und schickte mir Fotos: Nicht pink genug, fand ich, also weniger Quark.

Allerdings strauchelte ich in meinen Bemühungen zunächst an einem schnöden logistischen Problem: Ich konnte nirgends die richtige Tütengrütze finden. Nun ist Rote Grütze ja ein norddeutsches Phänomen, scheinbar ist dieses einfache Pulver hier nicht so gefragt. Ich kaufte ersatzweise eine Fruchtkaltschale, die den Zweck wahrscheinlich irgendwie erfüllt hätte, wenn nicht meine treusorgende Schwester eingesprungen wäre: Tatsächlich fand ich, kaum dass ich von meinem Misserfolg berichtet hatte, ein Tütchen des richtigen Pulvers in der Post. Dazu noch eine kurze Anweisung: Dosenmilch nicht vergessen! An die hatte ich tatsächlich überhaupt nicht mehr gedacht, kaufte aber ein bisschen Kondensmilch, um bloß nichts falsch zu machen.

Und tatsächlich: Ein Päckchen rote Grütze, ein Päckchen Magerquark und ein Schuss Kondensmilch ergeben genau den Geschmack, an den ich mich aus meiner Kindheit erinnert habe. Frisch, süß, quarkig und ungeheuer lecker. Für morgen und übermorgen ist noch was da – so ein Glück!

Die Farbe erscheint mir allerdings immer noch nicht so knallig zu sein wie früher. Das mag daran liegen, dass inzwischen andere Farbstoffe verwendet werden als in den 70er Jahren. Damals waren das ja irgendwelche künstlichen Farbstoffe, inzwischen steht „färbende Lebensmittel“ auf der Verpackung. Vielleicht machen die einfach nicht ganz so knallig pink.

Und dann stand noch ein drolliger Hinweis auf der Tüte – fast schon geeignet für die Kategorie „Fundststücke“:

5 Kommentare zu “Kindheitserinnerung: Rote Grütze mit Quark

  1. Tütengrütze – igitt!
    Was Hermann Claudius im Gedicht beschrieben hat, sah sicher anders aus:
    Rode Grütt

    Rode Grütt! Rode Grütt!
    Kiek mal, wat lütt Hein hüüt itt.
    All´ns rundüm hett he vergeten.
    Rode Grütt, dat is en Eten!
    Rode Grütt!

    In de School de letzte Stünn
    kunn he sick op nix besinn´n,
    un in´t Bookstabeern un Lesen
    is he lang so dumm nich wesen.
    Man he keem bi dat un düt
    jümmer mang de Rode Grütt.
    Rode Grütt!

    „Na, lütt Heini, noch en beten?“
    Mudder het hüüt veel to möten.
    Hans un Hein un Stien un Greet
    eet, as güng dat üm de Wett,
    Rode Grütt!

    Leddig is de grote Grapen.
    Greten ielt, em uttoschrapen.
    Heini man, de lütte Deef,
    höllt mit beide Hann´n den Sleef.
    Wat dor all´ns noch binnen sitt!
    Rode Grütt!

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