Glück im Unglück

Wieder eine Übung aus dem Schreibworkshop: Zum Thema „Glück im Unglück“ mussten wir alle mit einem Storycube würfeln – und ich erwürfelte mir ein Buch. Das ließ mich spontan an das schauerlichste Werk denken, das ich jemals freiwillig gelesen habe.

Glück im Unglück: Das Buch

BuddenbroksIn der Schule hatten sie gelost und Iris hatte ausgesprochenes Pech gehabt: Alle ihre Freundinnen durften Literaturreferate über einigermaßen erträgliche und vor allem dünne Werke machen. Nathan der Weise, Der Fänger im Roggen, Der Seewolf oder Die Schachnovelle. Nur sie, das ewige Pechmariechen, zog das dickste und ödeste Werk der Weltliteratur:  Buddenbrooks. In dieser Schwarte traf wirklich Not auf Elend, Langeweile und Überdruss troffen aus den Zeilen. Sie versuchte verzweifelt, sich auf Seite 398 zu konzentrieren, während der Schulbus langsam über die Dörfer tuckerte.

„Du hast wohl der gleiche Glück gehabt wie ich“, hörte sie eine Stimme gleich neben sich. Eine Stimme, die sie unter tausenden erkannt hätte: Es war die von Lars, dem attraktivsten Jungen der Schule. Er war zwei Jahre älter als sie, besuchte aber ebenfalls noch die elfte Klasse, weil er sich als Schwede sich noch etwas schwer mit der deutschen Schule tat.

Iris nickte schüchtern. Was sollte man zum Offensichtlichen schon groß sagen – freiwillig würde sich ja niemand diesen großbürgerlichen Firlefanz antun.

„Eine schreckliche Buch“, seufzte Lars. „Ich werde nie zum Ende schaffen in diese Leben.“ Und Iris nahm all ihren Mut zusammen und schlug vor, das Referat gemeinsam zu erarbeiten. Sie und der schönste Mann von allen – damit würde man doch selbst den weinerlichen Hanno Buddenbrook ertragen können. Lars nickte überrascht und erfreut. „Gerne!“

Iris spürte ein jubelndes Gefühl in sich. Iris und Lars – wie gut das klang! Sie war fest entschlossen, diese Notgemeinschaft zu einem Dream-Team werden zu lassen.

 

Nachbemerkung: Ich weiß, dass das von mir geschmähte Buch es zu einem Klassiker der Weltliteratur gebracht hat. Doch ich fand es zum Heulen öde. Drei Anläufe habe ich gebraucht, bis ich mich durch die viel zu vielen Seiten durchgeackert hatte. Warum ich mir das angetan habe, weiß ich heute auch nicht mehr.

8 Kommentare zu “Glück im Unglück

  1. Selbstverständlich habe ich es gelesen, – die Wörter, die Seiten, den Sinn nicht verstanden -. Letztes Jahr gab es die Buddenbrooks in einer Bühnenfassung. Doppelt so lang wie ein übliches Stück, aber jetzt hat sich der Inhalt für mich erschlossen.

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  2. Ich habe mich durchgequält, weil ich etwas für meine Bildung tun wollte. Allerdings hatte ich eine Freundin, die die langweiligen Beschreibungen von Thomas Mann liebte.
    Wie geht es denn mit Iris und Lars aus? Schaffen sie das Referat wenigstens gemeinsam? Heute würde man ja etwas aus dem Internet kopieren. 🙂

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