Fundstück 60: Meine Gehgewohnheiten

Kennt ihr das auch, dass euch Dinge, die ihr ganz routiniert erledigt, plötzlich schwer fallen, weil ihr anfangt, darüber nachzudenken? Beim Essen: Nur nicht kleckern – und schon macht es platsch. Oder beim Schreiben – kaum denkt man über den Rhythmus nach, wird er zum Rüttmuss. Mir zumindest geht es oft so, dass ich im Modus „Autopilot“ deutlich besser unterwegs bin als bei vollem Bewusstsein.

Seit einigen Tagen kann ich nun nicht mehr richtig laufen. Das System ist gestört. Schuld daran ist mein Arbeitgeber: Der kümmert sich nämlich stets besorgt und pflichtbewusst darum, dass mir die Gefahren des Alltags nicht entfallen. „Sicherheitsschulungen“ nennt sich das und kommt jedes Jahr auf’s Neue dran. Da lernt man dann, wie man den Schreibtischstuhl richtig einzustellen hat, dass man nicht zu schnell Auto fahren soll (isch abe noch immer kein Auto, muss das aber trotzdem immer machen), dass man nicht auf Stühle klettern soll und dass man bei Gefahr im Verzug sofort seinem Vorgesetzen Bescheid sagen soll. Ich finde ja, dass ich eine herumliegende Bananenschale auch gut selber aufheben könnte, aber ich bitte auch gerne meine Chefin darum. Soweit, so gut.

Jahr für Jahr aber bringt mich die Schulung „sicheres Gehen“ völlig aus dem Konzept. Gut, ich verstehe noch, dass man nicht mit den Händen in den Taschen auf Stöckelschuhen die Treppe herunterrennen soll – das wäre ja wirklich grob fahrlässig. Aber das eigene Gehen zu analysieren nimmt mir die Sicherheit. Denn eigentlich latsche ich da immer einfach so lang – so wie man das halt so macht. Ich denke da ungern drüber nach. Aber gerade das soll ich tun:

GehgewohnheitenDas mit der Ablenkung, das kann schon mal sein. Man schwätzt ja mal, guckt dumm in der Gegend herum oder macht sonst irgendetwas Ablenkendes. Aber diese erste Frage – ich weiß nicht. Hebe ich meine Füße wirklich vom Boden ab? Ich nehme es an, denn wie soll man das denn sonst machen? Es beschleunigt das Vorankommen doch ungemein, wenn man das tut. Natürlich habe ich das Laufen – nur aufgrund dieser Frage – auch mal ohne das Abheben der Füße probiert, aber das ging nicht gut und sah auch komisch aus. Zumindest haben mich die Umstehenden so angesehen, als sähe es komisch aus. Ich habe den Test dann etwas abgemildert und bin geschlurft wie ein Kind in zu großen Gummistiefeln, aber das war auch nichts.

Nachdem ich mir nun also tagelang auf die Füße geguckt habe und dabei vor acht Laternen, drei alte Omas (eine davon mit Rollator) und eine Litfasssäule gelaufen bin, denke ich, ich kann die erste Frage mit „Ja“ bestätigen. Ja, wenn ich einfach so gehe, wie man es eben tut, hebe ich meine Füße vom Boden ab. Auch meine anderen Gehgewohnheiten habe ich hinterfragt, kam hier aber zu keinem Ergebnis. Vielleicht kann man ja bei dieser Frage im nächsten Jahr etwas konketer werden.

6 Kommentare zu “Fundstück 60: Meine Gehgewohnheiten

  1. Und denke dran beim Gehen: immer abwechelnd einen Fuß vor den andern setzen.Tango-, Walzer- ChaChaCha-Schrittfolgen u.ä. während eines normalen Per-Pedes-Fortbewegungsprozesses vermeiden.

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