Die 12 Geschworenen

Im Rahmen meiner Filmguckrunde, die sich in unregelmäßigen Abständen zum „Bildungsfernsehen“ trifft, sehen wir uns ganz unterschiedliche Filme an. Dabei vermeiden wir das Mittelmaß: Die Filme, die wir uns aussuchen, sind entweder richtig gut oder grottenschlecht, oder auch irgendwie speziell. Alles hat seine Berechtigung, und der Kaffeeklatsch, der unabdingbar dazu gehört, rundet die Sache immer sehr schön ab. Kürzlich sahen wir einen meiner Lieblingsfilme:

Die 12 Geschworenen

Die 12 GeschworenenEines vorab: Es gibt von diesem Stoff mehrere Verfilmungen. Wir sahen die Version von 1957, die im Jahr darauf diverse Auszeichnungen gewann, darunter den Oscar für den besten Film, die beste Regie und das beste adaptierte Drehbuch.

Darum geht es:

Ein amerikanischer Mordprozess: angeklagt ist ein junger Mann, der seinen Vater umgebracht haben soll. Der Prozess ist schon fast zuende, die Geschworenen ziehen sich ins Geschworenenzimmer zurück, um über Schuld oder Nichtschuld zu beraten. Es ist Hochsommer, im Raum ist es brüllend warm, die meisten der ausschließlich männlichen Geschworenen möchten nur eines: Schnellstmöglich nach Hause. Also wird ohne große Beratung abgestimmt, schuldig oder nicht schuldig? 11 der Männer sind für schuldig, nur einer stimmt dagegen. Und das nicht, wie er selber einräumt, weil er von der Unschuld des jungen Mannes überzeugt ist, sondern weil er sich die Zeit nehmen möchte, alle vorgelegten Beweise noch einmal ausgiebig zu würdigen. Gleiches verlangt er auch von den anderen Männern, denn seiner Meinung nach ist es fahrlässig, innerhalb weniger Minuten eine Entscheidung zu treffen, die in einem Todesurteil enden würde.

Es entwickelt sich ein spannendes Hin und Her mit vielen Diskussionen, gegenseitigen Anschuldigungen und Frontenbildung. Beweise werden widerlegt oder zumindest angezweifelt, Motive in Frage gestellt. Dabei geht es irgendwann nicht mehr um das Motiv des Angeklagte, sondern auch um das, was die Zeugen oder die Jurymitglieder antreiben könnte.

Das ist das Besondere:

Der Film entwickelt eine starke Dynamik und ist unglaublich spannend. Das ist insofern ungewöhnlich, als das im Grunde nicht viel passiert. Die ganze Handlung findet in dem kleinen Geschworenenzimmer statt, keine Actionszenen, keine Verfolgungen, keinerlei andere Bestandteile, die einen derartigen Film sonst kennzeichnen. Er lebt von der Darstellungskraft der sehr gut ausgewählten Schauspieler und dem hervorragenden Drehbuch.

Allerdings bietet der Film keine einfachen Lösungen an. Schuld oder Unschuld, das wird hier nicht entschieden. Es geht um Vorurteile, Vorverurteilung und Diskriminierung. Und auch darum, dass ein vollstrecktes Todesurteil keine Revision zulässt. Es wird über einen Menschen gesprochen, der es, auch wenn alles gegen ihn spricht, verdient hat, dass man sich Zeit für ihn nimmt.

Was gibt es sonst noch:

Auch dieser Film ist für mich eine spannende Zeitreise. Diese etwas verstaubt wirkenden Herren mit ihren Hüten und Krawatten, die förmliche Art, wie sie miteinander umgehen – das alles wirkt sehr weit weg. Und doch ist es gerade mal 60 Jahre her.

4 Kommentare zu “Die 12 Geschworenen

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