Fundstück: Ganz toller Kaffee!

Da, wo ich arbeite, gibt es manchmal Verkostungen – mal im Haus, mal draußen. Dann kann man etwas Neues probieren oder auch etwas Altes, das man schon immer mal versuchen wollte oder auch nie, was einem dann aber aufgeschwätzt wird. Naja, warum auch nicht, man kann es ja mal versuchen.

Was ich aber nie versuche, sind Kaffees mit süßenden Bestandteilen – irgendwelche Sirupe oder so. Gesüßten Kaffee finde ich ganz fies, da steige ich aus. Trotzdem ging ich nach dem Mittagessen mit Kollegin Sabine zu einem Kaffeeverkostungsstand, in dem mehrere Menschen Nespresso-Kaffee ausschenkten. Zwei waren ganz normale Menschen, die Kaffeemaschinen bedienten. Der dritte aber war ein echter Barista, also ein Kaffeekünstler, der zwar für jeden Kaffee eine halbe Ewigkeit brauchte, aber dafür – aus mehreren Gründen – schön zu beobachten war: Diese Leidenschaft, die Kreativität, dieses sich Hineinversetzen in jeden einzelnen Kunden – was will der, was braucht der, was kann ich da noch alles reinrühren, um das optimale Kaffeeerlebnis zu erzeugen? Hübsch war er auch noch, der Barista, was die Sache noch angenehmer machte.

Wir sahen eine Weile zu. Sabine wollte auch so ein Kunstwerk haben, so ein Gebilde aus Schichten, Schaum, Bröseln und allerlei Geheimnisvollem. Und mit einem Blatt – das war ihr wichtig. Denn jedes Becherchen Kaffee bekam seine Zierde, mal einen Amarettino, dann einen Keks, mal ganz, mal halbiert, je nach künstlerischer Komposition. Für die Scholadenliebhaber wurde der Becher auch schon mal halb mit Nutella ausgeschmiert, ganz liebevoll, da wurde nicht einfach mit einem Kaffeelöffel ein Klecks reingehauen, nein, das wurde dekoriert. Sah auch hübsch aus hinterher, machte mich beim Warten aber etwas närrisch. Ich wollte einen Pott Kaffee, sonst nix.

Irgendwann verließ ich also Sabine, um mich bei einer der anderen Schlangen anzustellen – bei den bodenständigen Maschinenbedienern. Ich orderte einen starken Kaffee mit normaler Milch, ohne süßende Bestandteile und vor allem ohne Blatt. Grinsend füllte mir ein junger Mann genau so etwas ab und traf damit voll meinen Geschmack. Ich kehrte zu Sabine zurück, die es inzwischen schon ziemlich weit in der Schlange der Begehrlichkeiten geschafft hatte, und sah nochmal dem Kaffeespezialisten zu. Irgendwann war ich jedoch erschöpft, setzte ich weiter hinten auf einem Bänkchen in den Schatten und nippte an meinem Kaffee. Irgendwann hörte ich Sabines Stimme eine Bestellung aufgeben: „Ich möchte einen ganz Tollen, bitte. Und ein Blatt.“ Es begannen leise Verhandlungen – ob sie Vanille mag, oder Nuss, oder beides? Dann wurde gewerkelt, und heraus kam eine Komposition aus Vanille-Kaffee mit ganz viel Milchschaum, Haselnusssirup, Krokantkrümeln, Schokolade und Pfefferminzblatt – ich war wirklich beeindruckt. Ohne Zweifel, dieser Becher sah deutlich hübscher aus als mein Pott Kaffee mit H-Milch – aber tauschen hätte ich nicht wollen.

4 Kommentare zu “Fundstück: Ganz toller Kaffee!

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