Die Eilmeldung

eilig, eilt sehr

Bild zur Verfügung gestellt von Stephanie Hofschlaeger / http://www.pixelio.de

Wie viele Menschen lese ich meine Nachrichten inzwischen hauptsächlich am Handy. Gerne schaue ich zum Beispiel während der Straßenbahnfahrt nach Hause mal in Spiegel Online oder die FAZ-App rein und informiere mich darüber, was der Tag so gebracht hat. Auch die Gala-App fand ihren Weg auf mein Handy, genau wie CNN und der Focus. Es gibt also genug zu lesen. Was mich jedoch zunehmend befremdet sind die „Eilmeldungen“, die mir auf das Handy geschickt werden.

Eilmeldungen – was sind das eigentlich? In meinem Verständnis sind das Dinge, die unbedingt ganz schnell gelesen werden sollten. Aber welches Thema verdient es, zur Eilmeldung zu werden? Sind das nur politisch hochwichtige Themen, Unglücksmeldungen oder Nachrichten von großer nationaler oder internationaler Tragweite?

Ich gebe zu, dass ich das immer so verstanden hätte. Eilmeldungen, das sind wichtige Nachrichten, die Wellen schlagen und Reaktionen hervorrufen. Wenn früher eine Eilmeldung auf mein Handy kam, wappnete ich mich und war auf das Schlimmste gefasst, wenn ich sie geöffnet und gelesen habe. Was würde ich dort zum Beispiel erwarten? Passend wäre für mich so etwas wie: Angela Merkel tritt zurück. Oder: Die USA treten der Eurozone bei. Oder: Zug bei Wuppertal entgleist. Oder: die Katze erhält den Literatur-Nobelpreis. Es gibt viele Dinge, die ich mir als Eilmeldung vorstellen kann.

Andere Nachrichten empfinde ich hingegen als unpassend, wenn sie als Eilmeldung daherkommt. Zum Beispiel Todesmeldungen: So ärgerlich der Tod auch für den Verblichenen ist, er hat es nicht mehr eilig und ist auch morgen noch tot. Was soll also diese blinde Hast? Auch Klatsch und Tratsch hat meines Erachtens nichts in den Eilmeldungen zu suchen, und da ist es mir ganz egal, welches prominente Pärchen sich gerade getrennt oder die lang ersehnte Schwangerschaft verkündet hat. Unfallmeldungen aus weit entfernten Ländern brauche ich ebenfalls nicht sofort, denn sie haben mit meinem Leben erst mal nichts zu tun. Das soll nicht heißen, dass mir z. B. in Honduras umgekommene Businsassen egal sind, aber ich kann mich nicht um alles kümmern und nicht jede Information im Eiltempo verarbeiten.

Zu viele Eilmeldungen über zu beliebige Themen entwerten meiner Ansicht nach die wirklich wichtigen Nachrichten. Wir werden ohnehin schon mit Informationen und Neuigkeiten überflutet. Da reicht es mir völlig aus, wenn nur die wirklich wichtigen Dinge als eilig gekennzeichnet werden. Natürlich ist es immer ein wenig Ansichtssache, was nun wichtig ist oder nicht, aber einige Themen kann man ganz gewiss aus diesem Kreis der potentiell eiligen Nachrichten herausnehmen. Und um der Flut Herr zu werden, habe ich alle Eilmeldungen inzwischen deaktiviert – man wird ja sonst ganz dusselig dabeei.

Genauso ist es übrigens mit als „Wichtig!“ gekennzeichneten E-Mails: Findet man heraus, dass ein Kollege grundsätzlich seine Mails mit rotem Ausrufezeichen versendet, ist es ganz normal, dass dessen Nachrichten ungelesen nach unten sacken. Sollte tatsächlich einmal etwas Wichtiges dabei sein, wird es durch das zu häufig verwendete Ausrufezeichen entwertet und nicht mehr beachtet – selber schuld.

2 Kommentare zu “Die Eilmeldung

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