Feste feiern

Mein Frankfurt ist die Stadt der Feste. „Dass hier mal kein Fest ist, gibt es nicht!“, befand meine Freundin Kerstin schon vor einigen Jahren, als wir uns Bowle trinkend am Liebfrauenberg wiederfanden. Und sie hat recht, es gibt fast an jedem Wochenende irgendein Fest. Manchmal auch zwei.

Frankfurt Panorama

Ein aus mehreren Handybildern zusammengebasteltes Panoramabild – Ausbeute meines Freitags-Workshops. Beim Anklicken wird es größer.

Und so gaben die ewige Antje und ich uns auch an diesem Samstag wieder der fröhlichen Feierei hin und genossen den Luxus, mit dem Weinfest in Bockenheim anfangen und dann, als es dort zu anstrengend (weil viel zu voll) wurde, zum Brunnenfest in Sachsenhausen umschwenken zu können. Ich gebe ja zu, dass Alt-Sachsenhausen nicht mein Stadtteil ist – um ehrlich zu sein, könnte man das von mir aus gerne zuschütten, inklusive der Pieselecken und der zahlreichen dort herummarodierenden Junggesellenabschiede. Doch das Brunnenfest war schon wirklich lustig – trotz der Lage, des zwischenzeitlichen Regens und der Schlagermusik. Oder vielleicht auch gerade wegen der Schlagermusik.

Natürlich kommt es ein wenig darauf an, wie man Schlagermusik definiert und auch interpretiert. Gestern Abend erfreute man uns mit einer wilden Mischung aus 70er-Jahre Schlager, 80er-Jahre „Neue Deutsche Welle“-Musik (und diese Leute hätten es sich ja früher verbeten, als Schlager bezeichnet zu werden) und allerhand Partykrachern à la „Viva Colonia“. Das „Medley“, sonst zumeist breiförmige Geißel aller Zuhörer, wurde völlig neu erfunden und auf Helene Fischer und Andrea Berg dankenswerterweise verzichtet. Das war gut, denn ansonsten hätte ich am Ende noch Ireen Sheer gebraucht: „Und heut‘ Abend hab ich Kopfweh …“.

Es gab also Gesang auf und vor der Bühne und ich wunderte mich wieder einmal über meine eigene Textsicherheit. Sogar so ein Geöle wie Bernd Clüvers „Junge mit der Mundharmonika“ fiel mir wieder ein und weckte Erinnerungen, denn mein Vater sang früher immer „Der Junge mit dem Hund von Monika“, was ich als Kind unheimlich lustig fand. Bei „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, im Original von Jürgen Marcus, schmetterte ich fröhlich mit und klatschte an den richtigen Stellen, nur leider nicht an der richtigen Position, was bewirkte, dass ich mein Weinglas erwischte und der kurz zuvor mühsam ergatterte „Eintracht-Riesling“ sich über die tapfere Antje sowie in meinen Ärmel ergoss. Beide, Ärmel und Freundin, sind Kummer gewohnt und trugen es mit Fassung – Opfer müssen gebracht werden.

Interessant fand ich es wie immer, mir die verschiedenen Leute auf so einer Veranstaltung anzusehen. Da waren die eigenartig aussehenden Möchtegern-Rocker, die scheinbar furchtbar wild und gefährlich wirken wollten und doch als erstes losrannten, um ruhig und sachkundig die Bergung eines umgefallenen älteren Herrn durch Sanitäter zu veranlassen. Und da war die große, kräftig gebaute Dame in geblümter Oma-Bluse, die für mich eher nach Sofa-Kartoffel aussah, sich jedoch als echtes Feierbiest erwies und den ganzen Paradiesplatz gesanglich niederschmetterte. Mit den Leuten vom Baguettestand hielt ich überraschend philosophische Gespräche und mit einer Frau im bunten Sommerkleid lachte ich immer wieder über die gleichen Sachen. Sympathische und vielfältige Menschen gibt es halt überall, und in Frankfurt ist die Mischung besonders bunt.

Es war ein wirklich schöner Abend – sogar in Alt-Sachsenhausen.

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