weiß-blauer Kuschelschal

Das dritte Projekt aus der geerbten Wolle wäre fast gar nicht zustande gekommen. Denn die beiden Materialien, die ich letztendlich kombiniert habe, waren mir von Anfang an suspekt. Folglich hatten beide schon einen Kurzaufenthalt im Papierkorb hinter sich, bevor sie doch noch eine Chance bekamen.

Zweierlei Material

Das weiße Poly-Fransengarn trägt den schönen Namen Plush und ist von Patons/Coats. Ich hatte nur ein Knäuel davon und es verlangte Nadelstärke 8 – folglich beschloss ich schon bei der ersten Sichtung, dass das zu nichts reichen würde und deshalb entsorgt gehört. Ich legte es in den Papierkorb, holte es allerdings nach einigem Nachdenken wieder heraus – wegschmeißen kann man ja immer noch.

Das blaue Microfaser-Pompongarn hatte ich ebenfalls auf der Abschussliste, doch weil jemand anderes es schön fand, nahm ich die drei Knäuel mit heim und versuchte mein Glück damit. Ich schlug mühsam ein paar Maschen an und strickte ein Teststück. Es sah scheußlich aus – der Rand war buckelig und löchrig. Folglich landete auch dieses Garn zunächst im Abseits.

Als mir jedoch der Gedanke kam, die beiden Außenseiter zu kombinieren, ging die Sache voran: Ich rette das blaue Garn aus der Mülltüte und schlug mit dem hellen Fransengarn einen schönen festen Rand an. 20 Maschen gab es, einfach kraus rechts gestrickt und dann stur geradeaus. Das sah nicht so schlecht aus. Die kleinen Bommeln des Pompomgarns (das ich selber niemals kaufen würde!) suchen sich ihren Platz und die Farben harmonierten sehr schön.

Ich strickte also unbeirrt vor mich hin – immer vier Reihen weiße Fransen und sechs Reihen blaue Bommeln. Auf diese Weise konnte ich beide Materialien gleichmäßig verarbeiten, bis der Schal eine schöne Länge hatte und beide Sorten Garn ziemlich alle waren. Das Endergebnis gefällt mir überraschend gut, so dass ich froh bin, dieser zunächst ungeliebten Erbwolle noch eine Chance gegeben zu haben.

Doch jetzt kommt’s: das große Aaaaaaber …

Ich habe jetzt drei Projekte aus diesem dicken, geerbten Effektgarn gestrickt. Alle drei sind recht schön geworden. Aber irgendwie ist das für mich kein richtiges Stricken: Das Werkeln mit diesen besenstieldicken Nadeln, mit Garn, das jedes Muster im Keim erstickt, ist nicht so richtig mein Ding. Projekte, die in wenigen Stunden abgeschlossen sind, befriedigen mich nicht. Stricken ist für mich ein langsamer Prozess, bei dem ich mich entspanne, nebenher fernsehe, ein Hörbuch höre oder einfach die Gedanken ziehen lasse. Eine Socke aus ganz dünnem Garn dauert viel länger als dieser lange Schal und irgendwie freue ich mich mehr über ihre Fertigstellung als über so ein Blitzprojekt. Das ist sicherlich Geschmacksache, aber die nächsten Projekte müssen wieder mal aus feinerem Garn entstehen – auch wenn noch ganz viel fransige Erbwolle vorhanden ist.

Hier lesen ja einige Strickerinnen mit – wie ist das für euch?

5 Kommentare zu “weiß-blauer Kuschelschal

    • Danke, Philipp. Mir gefällt er auch, und er wurde verschenkt. Und das ist jetzt auch das Spannende am Wollsack: Dieses sich Einlassen auf fremde, komische Materialien macht, aller Skepsis zum Trotz, doch viel Spaß. Zumal es nix gekostet hat …

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  1. Liebe Meike, auch wenn Dir diese Art der Strickerei nicht zusagt – die Ergebnisse sind toll geworden. Damit hast Du sehr viel Phantasie bewiesen und es wurde nichts unnötig entsorgt. Du hast Dich auf Materialien eingelassen, die Du selber im Laden vermutlich nichtmal angeschaut hättest – nun weisst Du, wie es sich anfühlt, mit besenstieldicken Nadeln zu arbeiten, dass das Bommelgarn einen neutralen Begleiter braucht und dass Handarbeiten auch nach kurzer Zeit schon beendet sein können.

    Ich selber mag es nicht so sehr, wochenlang an etwas „herumzustricken“, sondern möchte mein Werk bald vollständig und möglichst hübsch in den Händen halten. In den letzten Jahren war ich mehr die Sockenstrickerin, die es schaffte, dass die 2. Socke halbfertig im Korb liegenblieb und die sich zwingen musste, nach dem Kauf einer neuen, noch tolleren Wolle die 2. Socke zuende zu stricken. Allerdings bin ich da eisern – erst wird fertiggemacht, bevor es ans neue Werk gehen darf.
    In den letzten Wochen wurde ich durch „FatzeBock“ mit dem Bobbel-Virus infiziert und habe mir im hohen Alter von 55 Jahren nun mein erstes Tuch gestrickt. Nennt sich „Leuchtturm-Tuch“ und ist entsprechend geringelt. Nach 3 Wochen hatte ich die 750 m Bobbel in ein tolles Tuch verwandelt und ich bin begeistert. Noch am Abend der Fertigstellung fiel ich in das dunkle Woll-Loch, auf Socken hatte ich keine Lust, also wurde der Wollschrank inspiziert. Ich erinnerte mich dunkel, dass ich vor etlichen Jahren mal eine Restesammlung schöner Wolle ersteigert hatte, worin sich allerdings auch 3 merkwürdige Knäuel befanden mit nicht gedrehtem Garn, mit denen ich bislang nichts anfangen konnte. Aber nun, da ich wussste, wie ich mit diesem Garn umgehen muss, gabs kein Halten mehr. Zufällig hat das Garn exakt die Stärke und auch das Gewicht der Leuchtturm-Wolle – tja- ich nadelte sofort los und das 2. Tuch ist nun auch schon wieder zu 1/3 gestrickt in einem wunderschönen Dunkelrot-Dunkelblau. So habe ich ähnlich wie Du ein Material gerettet, was ein tolles Ergebnis abgeben wird. Da stören mich dann auch die vermutlich wieder 3 Wochen Strickzeit nicht.

    In diesem Sinne ……… – immer mutig ran an unbekanntes Material ;).

    Wollige Grüße
    Tina

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    • Wow, was für ein langer Kommentar, danke, Tina. Du hast recht, es macht Spaß, sich auf etwwas Neues einzulassen. Und auch das INspizieren des Wollschrankes ist immer ein Fest. Aussuchen, zusammenstellen, Kombinieren – toll.

      Zeigst du uns deine Werke auch mal?

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