Komische Gewohnheiten: Ich esse meins, iss du einfach deins!

Es gibt Dinge, die mag man einfach nicht so gerne, ohne dass man genau wüsste, warum. Manchmal traut man sich kaum, das zu sagen, weil man dann angeguckt wird, als wäre man komisch. Oder man erzählt es nur Leuten, die man wirklich gut kennt, weil die einen dann zwar angucken, als wäre man komisch, einen aber trotzdem noch mögen.

Mein Thunfisch – meiner ganz alleine! Finger weg!

Trotz dieser Vorbehalte habe ich kürzlich einer Gruppe von Kollegen und Geschäftspartnern etwas erklärt, weil ein Vorschlag schon zum zweiten Mal kam und ich das nicht wollte. Ich habe mich geoutet und – bekam Zustimmung. Zwar nur von einer aus der Runde, aber diese Zustimmung war vollständig. Ich fühlte mich angenommen und bestätigt. Denn: Ich teile nicht gerne mein Essen mit fremden Leuten.

Diese Aussage soll nun bitte nicht missverstanden werden – ich habe nichts dagegen, mit jemandem den Inhalt meines Kühlschranks zu teilen, wenn sich jeder eine eigene Stulle macht und diese dann aufisst. Was ich aber ganz schrecklich finde, ist diese Teilerei im Restaurant: „Wollen wir uns nicht noch ein Dessert mit vier Löffeln bestellen?“ Nein! Schreck und Graus! Ich esse nicht mit drei anderen aus einem Schüsselchen, ich mag das nicht. Ich will mein eigenes Schüsselchen. Ich esse ein Dessert auf und wenn ich denke, dass ich das nicht schaffe, bestelle ich mir keins.

Gerne genommen wird ja auch gegenseitiges Probieren. Nun habe ich gar nichts dagegen, wenn die ewige Antje gerne mal mein Essen kosten möchte, ordentlich fragt und dann ein Stück aufpiekt. Oder wenn sie mir Gurken rüberschiebt, die sie nicht mag, die ich aber gerne esse. Wir beiden kennen uns, sind vertraut miteinander. Aber ein gegenseitiges auf dem Teller stochern mit Leuten, die man nicht schon ewig kennt, finde ich echt fies.

Wenn ich mir mein Essen aussuche, mache ich das auch immer sehr bewusst, und ich freue mich auf das, was da kommt. Wenn dann der Vorschlag kommt: „Wir können die Pizza ja teilen und jeder kriegt von jeder ein Stück“, dann werde ich bockig. Nein, das da ist meine Pizza, ich will genau diese Sorte heute essen. Ich will nicht ein Stück meiner Lieblingssorte und dann noch ein paar Stücke von irgendeinem Essen, das ich mir nicht ausgesucht hätte. Teile, wer will, ich esse meins. Da spiele ich durchaus mal den Partypupser, der einfach nicht mitmacht. Wahrscheinlich bin ich da wirklich komisch, aber das macht mir nichts aus. Lieber ehrlich merkwürdig als mit zu vielen Leuten im Napf gerührt – diese Erste-Welt-Marotte nehme ich für mich in Anspruch.

9 Kommentare zu “Komische Gewohnheiten: Ich esse meins, iss du einfach deins!

  1. nun denn, die einzige Person, die mal bei mir probieren darf ist Philippine. Sonst mag ich das auch nicht. Und Pizza teilen – jeder bekommt einen Teil vom Teller des anderen – geht mit ihr dann auch mal, und nur mit ihr.
    Was ich aber außerdem noch übel finde ist folgende Marotte: Sie ißt ihren Teller nicht leer und fragt, ob er den Rest essen möchte. Freudiges JA von ihm, der bereits über den Rand seines leeren Teller stiert, ob für ihn noch was vom Gegenüber abfällt, dann werden die Teller getauscht.

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    • Da fällt mir ein Erlebnis von vor über 20 Jahren ein: Ich war mit zwei Bekannten in einem Restaurant, einer der beiden starrte einer in der Nähe sitzenden Frau auf den Teller. Sie, irgendwann völlig entnervt, fragte: „Junger Mann, wollen Sie meine Reste essen?“ Er, ohne nachzudenken: „Ja, gerne, wenn noch was in der Schüssel ist …“ Ich musste mich damals arg fremdschämen, doch das dumme Gesicht der Frau war unbezahlbar.

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  2. DAS kann ich auch nicht brauchen. Mein Essen ist und bleibt mein Essen. Ganz schlimm finde ich es bei Pommes, viele glauben, es ist doch nicht schlimm, wenn sie einen oder zwei (meist ungefragt) von meinem Teller stibitzen, während sie auf ihr eigenes Essen warten. Ich könnte da zur Furie werden und die mopsenden Hände mit meiner Gabel aufspießen! *grmphhhhfl*
    Am Besten ists, man bestellt nur noch Suppe!

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  3. Aber wenn jemand nett fragt, mag man nicht nein sagen. Das ist ja das Drama. (Wirklich höflich wäre es wohl anders herum. Man wartet, dass der andere fragt, ob man probieren möchte.)

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