Hafertee

Vor einer Weile war ich mal wieder unterwegs ins Schwimmbad – dieses Mal ins Frankfurter Rebstockbad. Das ist eigentlich nichts Besonderes und auch dieser Tag war nicht spektakulär. Es war ein Freitagnachmittag, ich hatte recht früh Feierabend gemacht, das Wetter war schön und ich fühlte mich gut. Flotten Schrittes – so schätzte ich das ein – ging ich die wenigen Meter von der Straßenbahn zum Bad. Vor mir lief eine ältere Dame, die eher schlecht zu Fuß war und zudem noch einen Hackenporsche hinter sich herschleppte. Ich überholte sie beschwingt – so fand ich. Sie rief hinter mir her: „Entschuldigen Sie mal …“ Ich hielt an und wartete auf sie. Vielleicht wollte sie nach dem Weg fragen, oder wissen, wo ich meine schicke Bluse gekauft habe – dachte ich. Sie aber hatte ein anderes Anliegen: Sie wollte mich beraten, wegen meiner schmerzenden Füße. Ich war etwas verdattert, denn meine Füße taten gar nicht weh und auch das olle Knie, das mir manchmal Probleme bereitet, gab sich an diesem Tag ausgesprochen manierlich. Ich fragte also nach: „Wegen meiner Füße?“ „Ja, das merke ich doch. Ihnen tun die Füße weh, das sehe ich an Ihrem Gang!“ Ich sah auf meine großen Füße hinunter, sagte etwas wie „Ach was?“ und wunderte mich. Die Dame aber war nicht zu bremsen: Hafertee solle ich trinken, jeden Tag Hafertee. Der entwässert und entgiftet und macht einen besseren Gang. Ich dachte an das mühsame Gehumpel der Dame, fragte aber nicht, ob sie auch welchen trank. Stattdessen bedankte ich mich artig und ging – flott und beschwingt, wie ich noch immer fand – meiner Wege.

Bild zur Verfügung gestellt von Marc Wolf / http://www.pixelio.de

Natürlich beschäftigte mich das Gespräch noch eine Weile. Am nächsten Tag erzählte ich meinem Kollegen Daniel von dem Vorfall, und ich googelte, was Hafertee so kann: Alles, was die Dame gesagt hatte, stand da zu lesen, und sogar noch mehr. Entgiften, entwässern, Harn treiben – aha. Altes Hausmittel der Volksheilkunde – na gut. Wer möchte, der soll.

Ein paar Tage später war ich in der Apotheke und wie das Schicksal es will, kam ich direkt neben dem Teeregal zu stehen. Da war er, der Hafertee. Es gab große und kleine Päckchen. Ich nahm eines mit 40 Beuteln, schließlich soll man an der Gesundheit nicht sparen. Und ich wollte auch nicht knausern und Daniel was abgeben. So brühten wir uns also am nächsten Tag jeder ein Beutelchen auf, warteten die vorgeschriebenen sechs Minuten ab und probierten. Es schmeckte … wenig. Ein bisschen wie heißes Wasser, nur nicht ganz so kräftig. Aber gut, es ging hier ja nicht um den Geschmack, sondern um die Wirkung. „Merkst du schon was?“ Nö, auch nach einer Stunde oder so merkte ich nichts. Daniel auch nicht. Wir lasen nochmal, was alles so auf der Schachtel stand: Sechs Tassen täglich. Heiliger Bimbam! Ja, wenn ich sechs Tassen heißes Wasser täglich trinke, dann wirkt das in der Tat harntreibend, das will ich wohl glauben.

Bild zur Verfügung gestellt von Eva Kaliwoda / http://www.pixelio.de

Wir blieben dem Hafertee ein paar Tage lang treu – zwei vielleicht, oder auch drei. Gemerkt haben wir immer noch nichts, was daran liegen kann, dass die Dosis zu gering und die Behandlungsdauer insgesamt zu kurz war. Alles in allem fand ich, dass mir der Hafertee bislang nichts geschadet hat, aber wohl auch nichts genützt. Es sind noch ein paar Beutelchen übrig. Die trinke ich noch aus, irgendwann, und gucke, ob sich mein Gang verbessert. Catwalk, ich komme!

 

Nachtrag und Anekdote am Rande: Bei meiner Bildersuche auf Pixelio.de suchte ich natürlich nach dem Keyword „Hafer“. Sofort kamen jede Menge tolle Ähren und Felder. Dank meiner ländlich geprögten Kindheit erkannte ich jedoch: Nichts von dem, was auf Seite 1 in Großaufnahme zu sehen war, war tatsächlich Hafer. Es gab Weizen, Roggen und einiges, was ich in Panoramaaufnahme nicht sicher identifizieren konnte. Da kann man sich ja wirklich leicht blamieren, wenn man nicht ganz genau weiß, was man eigentlich sucht …

9 Kommentare zu “Hafertee

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