Irgendeiner räumt das schon weg

Schild MüllkippeWie schon ab und zu mal erwähnt, bin ich kein ordentlicher Mensch. In meiner Wohnung liegt oft Kram herum und wenn man einen schlechten Tag erwischt, kann man in meinem Flur durchaus über riesenhafte Wollmäuse stolpern. Das ist für mich kein Drama, denn das ist meine Wohnung, die muss nur mir gefallen. Genauso ist es mir egal, wie es in anderer Leut’s Wohnung aussieht.

Was mich jedoch ärgert – und da weiß ich nicht, ob das am zunehmenden Alter liegt oder doch in einer Art tief verwurzelten Ordnungssinn – sind Leute, die außerhalb ihrer eigenen vier Wände alles hinschmeißen, liegen lassen, von anderen wegmachen lassen. Und dabei ist es in Deutschland sogar schon sauberer geworden als früher, zumindest kommt es mir so vor, wenn ich die heutige Realität mit meinen Kindheitserinnerungen vergleiche. Damals lagen überall Zigarettenschachteln und Eisstängel herum, von massenweise Hundehaufen ganz zu schweigen.

Trotzdem kann ich mich über Vieles nur wundern oder auch ärgern: Zum Beispiel über die Stehtische auf irgendwelchen Festchen, die allesamt immer voll sind mit Müll, obwohl es ausreichend Mülleimer gibt, in denen man die Pommespappen oder Kaffeebecher entsorgen könnte. Ein wildes Beispiel war der Sachsenhäuser Weihnachtsmarkt: Gerade hatte die ewige Antje, die sehr ordnungsliebend ist, unseren Tisch entmüllt, kam eine Frau heran, stellte ihren Dreck vor uns ab und schickte sich an, wieder zu gehen. Nach einer Sekunde der Verblüffung griff ich mir das Zeug und die Frau und gab ihr den Unrat mit einigen kernigen Worten wieder mit – ich glaub‘ es hackt. Im Restaurant stelle ich doch meine Schmutzteller auch nicht auf den Tisch vor die Nasen anderer Leute, die da gerade essen. Warum sie den Tisch mit einem Mülleimer verwechselt hatte, konnte mir die Gute auf Nachfrage gar nicht sagen, aber offensichtlich ging sie davon aus, dass irgendwer das schon wegmachen würde. Ich habe sie wohl einigermaßen beeindruckt, ihrem verschreckten Gesichtsausdruck zufolge überlegt sie sich künftig zweimal, ob sie andere Leute zumüllt.

Erstaunlich finde ich, dass es nicht immer nur die viel geschimpften Jugendlichen sind, die ihren Kram unachtsam in der Bahn liegen lassen oder neben der Mülltonne entsorgen. Immer öfter fallen mir auch Menschen in meinem Alter auf, die keine Hemmungen haben, ihren Kram einfach auf Tischen stehen zu lassen oder im Zug in eine Ecke zu drücken. Mich wundert diese extreme Gegenbewegung zum Trend des „Achtsam seins“, das ja furchtbar in ist, genau wie der Ausdruck „Respekt“.  Wahrscheinlich ist es etwas Anderes, ob man von Trends redet oder sie lebt. Oder ob man Achtsamkeit und Respekt für sich einfordert oder gleiches anderen gewährt. Ich frage mich, woher das kommt. Erzogen wurden wir doch wahrscheinlich fast alle anders.

8 Kommentare zu “Irgendeiner räumt das schon weg

  1. Ist ja interessant, dass Du´s früher schmutziger im Kopf hast. Ich denke immer, so was gab´s früher gar nicht (außer in Südeuropa – da habe ich im Urlaub immer so gestaunt, wenn die Einheimischen Eispapier aus dem Fenster geworfen haben). Mich nervt der Müll auf den Straßen auch total. (Ich glaube, es liegt am Alter).

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    • Doch, so wie ich mich erinnere, war es auf den Straßen früher dreckiger: Zigrettenkippen, Eispapier, Kaugummi – und auf dem Schulweg latschte man dauernd in Hundescheiße. Es gab auch viel weniger Mülleimer … Kann aber auch ein subjektives Empfinden sein.

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  2. So eine Situation konnte ich neulich aus einiger Entfernung in einem IKEA-Restaurant beobachten – dort saß ein Paar mittleren Alters an einem Tisch und futterte, was die Speisekarte hergab. Schon das versetzte mich in großes Erstaunen, aber gut – manch einer kann eben große Mengen essen. Ich nahm gerade meinen letzten Bissen zu mir, als das Paar aufbrach – der Tisch blieb voll beladen, unbeindruckt verließen sie den Ort des Gelages, obwohl sie nur wenige Meter von der Geschirrsammelstelle entfernt saßen. Ich denke nicht, dass sie nicht mitbekommen haben, dass man seinen Kram, den man herschleppt, auch wieder wegräumen sollte. Über sowas kann ich echt nur den Kopf schütteln, was später ein IKEA-Mitarbeiter auch heftigst tat, als wir noch beim Kaffee saßen.

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