Suchet, so werdet ihr finden …

Wie schon ab und zu mal erwähnt, bin ich kein besonders ordentlicher Mensch. Man könnte sogar behaupten, ich sei unordentlich – aber nur, wenn man die eigentliche Ordnung in meiner Häufchenwirtschaft nicht durchschaut. Denn eigentlich weiß ich immer ziemlich genau, was in welchem Stapel schlummert, und kann etwas einigermaßen zielgerichtet ans Licht befördert, wenn ich es brauche.

Natürlich gibt es Ausnahmen, wie kürzlich die verschollenen Theaterkarten. Die suchte ich zuerst im Stapel auf dem Tisch, denn da gehören sie hin. Als sie da nicht waren, wühlte ich im Körbchen auf dem Regal. Auch nicht. Folglich suchte ich überall, auch an den absurdesten Stellen. Ich fragte auch meine Freundin Antje, wo man sowas wohl hinlegen könnte – sie meinte, sie würde zuerst in dem Stapel auf dem Tisch suchen. Ach was … hmmm, ja, ich auch. Also nochmal wühlen – nichts. Nochmal überall wühlen – auch nichts. Plan B überlegen – ob man die Karten bei Nachweis der Bezahlung nochmal bekommen könnte? Wahrscheinlich schon, man hätte es zumindest versuchen können. Nach Einschaltung des gesunden Menschenverstandes beschloss ich, nochmal den Tisch-Stapel zu untersuchen – die Dinger MUSSTEN da sein. Und so nahm ich mir Blatt für Blatt nochmal vor, guckte alles von vorne und hinten an, schüttelte Hefte aus. Und ich fand meine Theaterkarten: festgeklebt an der gummierten Kante eines großen Briefumschlages, den mir die SOS-Kinderdörfer geschickt hatten. DIE WAREN SCHULD! Immer, wenn ich den Umschlag hochgenommen hatte, kamen die Karten mit – da muss man erst mal drauf kommen.

Gestern suchte ich wieder, aber andere Dinge. Zum Beispiel die Fernbedienung meines DVD-Players. Die liegt eigentlich immer auf dem Tisch oder auf dem DVD-Gerät. Dieses Mal war sie nicht da. Ich suchte und suchte – und hatte irgendwann keine Lust mehr. Wieder war es der gesunde Menschenverstand, der mir half, indem er mir einflüsterte, dass man dieses Gerät doch sicher auch ohne dieses dumme Ding bedienen können müsste. Und siehe, es ging. Als ich mich niedersetzte, um den Film anzugucken, sag ich auch die Fernbedienung. Sie lag auf dem Tisch, wo sie hingehörte und wo ich ungefähr 12 Mal hingeguckt hatte. Wieso ich die da nicht gesehen hatte, weiß ich auch nicht – ich brauche wohl doch mal eine neue Brille.

Dramatischer war hingegen der Verlust meines Weck-Phones. Ich benutze als Wecker seit vielen Jahren mein altes IPhone. Das ist noch aus der 3er-Serie und kann nichts mehr außer Wecken, aber das macht es besonders gut. Es liegt immer neben meinem Kissen, da kann ich es gut finden und es ausmachen, wenn es morgens brummt. Und nun war es weg – mehrere Tage lang. Neben meinem Kissen gab es nur noch nacktes gelbes Laken – kein uraltes IPhone. Nachdem ich den Verlust realisiert hatte, flüsterte er – mein gesunder Menschenverstand – mir zu, dass gewiss niemand in meine Wohnung eingestiegen war, um dieses IPhone zu stehlen. Zumindest nicht nur dieses IPhone – ohne also den Laptop, den Fernseher oder die nagelneue Joghurtmaschine auch mitzunehmen. Ich war verwirrt – wo legt man denn seinen Wecker hin? Nachdem ich auf dem Boden, unter dem Kissen und unter der Decke gesucht hatte, war ich ratlos. Mein gesunder Menschenverstand schwieg – leider nicht. Er sagte, wenn dieses Weckgerät woanders als in meinem Schlafzimmer sei, sei das bedenklich. Ich befahl ihm, einfach mal die Kappe zu halten, und stellte meine Suchbemühungen ein. Es würde schon wieder auftauchen, irgendwo in meinem Schlafzimmer. Nun, das tat es nicht.

Ich versuchte, meinen kleinen Weckhelfer zu vergessen. Dieses Gerät hatte es nie gegeben. Als mich mein modernes Samsung-Handy am nächsten Morgen aus dem Schlaf plärrte, vermisste ich dieses nie dagewesene Gerät. Bei der Arbeit kam ich nicht zur Ruhe, meine Gedanken kreisten. IPhone, wo bist du? Ich war verwirrt.

Gestern Morgen jedoch meldete er sich wieder, diese lästige, manchmal aber nützliche gesunde Menschenverstand. Er ließ mich noch einmal durchgehen, was vielleicht passiert sein könnte. Und er sagte mir, dass ich doch mein neues Smartphone, das für den täglichen Gebrauch, jede Nacht im Schlafzimmer auflade. Was, wenn ich statt des Samsungs irgendwann das IPhone in die Arbeitstasche geschmissen hätte? Oder beide? Ich durchwühlte sowohl eine Handtasche als auch den Rucksack – nichts. Aus einem Instinkt heraus kramte ich in den Jackentaschen herum, und da war es. Klein, niedlich und leer. Tagelang hatte ich es mit mir herumgetragen – wieso hatte ich das nicht gemerkt? Es ist verdächtig, höchst verdächtig – der Schusselfaktor scheint im Alter tatsächlich mächtig anzusteigen. Ich werde das weiter beobachten – und berichten.

4 Kommentare zu “Suchet, so werdet ihr finden …

  1. Das alte iPhone 3S bei uns zu Hause fristet sein Dasein auch nur noch als Timer und Fernbedienung für den Medien-PC. Unzerstörbar, das Ding. Ich habe extra mal ein Körbchen auf der unteren Ebene des Wohnzimmertischchens installiert, in dem die ganzen Fernbedienungen wohnen sollen, aber dem anderen Menschen in unserem Haushalt scheint diese Logik (aufräumen statt suchen) fremd. Oder vielleicht sind es auch immer nur die Katzen … ^^

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