Aus Mutters Nähkasten

Die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich wie immer bei meiner Schwester in Norddeutschland. Hier schlummern immer noch einige Dinge aus dem Nachlass meiner Mutter, bei denen wir uns nicht so recht sicher sind, was wir damit anfangen sollen. Zum Wegwerfen zu schade, aber gebrauchen kann es so recht auch niemand. Dieses Mal war der Nähkasten Gegenstand unserer Diskussion. Eines vorab: Er passte in meinen Koffer.

Als ich ein Kind war, hatte meine Mutter einen dieser typischen runden Nähkörbe auf drei Beinen. Soweit ich mich erinnere, war er gelb, in etwa so wie dieser hier. Ich habe dieses eher unpraktische Ding immer geliebt, denn in ihm waren so schöne Dinge wie die Knöpfekiste und die Box mit den verschiedenfarbigen Nähseiden. Auch ein Kopierrädchen und Schneiderkreide gab es dort, außerdem allerhand Stoffreste für Flicken. Die Knöpfekiste gibt es noch, ich habe heute schon ein wenig darin herumsortiert – genau wie früher.

Die alte Knöpfekiste – wohl ursprünglich mal ein Schminktäschchen

Irgendwann wollte meine Mutter den Korb im 70er-Jahre-Design nicht mehr herumstehen haben, so dass mein Vater ihm die Beine amputierte und der Korb im Schrank verschwand. Noch später wurde das Körbchen durch eine praktische Kunststoffbox ersetzt – ich bekam nach meinem Auszug die gleiche für meinen Nähkram geschenkt. Und hier kommen wir schon zu meinem Nähkorb-Dilemma: Es ist nicht so, dass ich von diesen Dingen nichts daheim hätte. Nun besitze ich also eine zweite dieser Boxen. Wahrscheinlich werde ich meine Stricknadeln da hineinsortieren.

Auf jeden Fall besitze ich jetzt neben den vielen Knöpfen noch zahlreiche andere Dinge, die mir bislang nicht gefehlt haben: Ich habe jetzt einen Stopfpilz und diese Festhaltedinger von Hosenträgern, ein Trennmesser und jede Menge Häkelnadeln (ich erbte auch schon die meiner Oma – vielleicht sollte ich doch mal anfangen, zu häkeln). Den großen Beutel herausgetrennter Reißverschlüsse habe ich schweren Herzens entsorgt, genauso wie die Stoffflicken.

Ebenfalls weggeworfen habe ich etwa die Hälfte des Stopfgarns – denn ich habe noch nie was gestopft. Wir hatten aber viel Spaß daran, die vielen Kärtchen mit Stopfgarn einmal genau anzugucken, denn das zeigte uns doch deutlich, wie sich die Zeiten geändert haben. Zum einen stand auf einigen der Kärtchen noch der alte Preis drauf: 35 Pfennig für 5 Gramm. Zum anderen wurde auf vielen Kärtchen stolz hervorgehoben, dass es sich bei dem Garn um haltbare Synthetikfasern gehandelt hat – heute in der Handarbeit eher verpönt. Und zum dritten ließ uns das wilde Farbangebot etwas schmunzeln: Neben den typischen gedeckten „Sockenfarben“ gab es jede Menge kunterbunte Garnkärtchen in Türkis oder Knallrot – vielleicht mal gekauft für unsere Kindersocken.

4 Kommentare zu “Aus Mutters Nähkasten

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