Komische Gewohnheiten – eine Serviette unterlegen

Serviette unter dem Essen

Bild zur Verfügung gestellt von manwalk / Manfred Walker / http://www.pixelio.de

Seit einer Weile fällt mir auf (und nicht nur mir, auch meine liebe Freundin Antje beklagte schon dieses Problem), dass in der Gastronomie die korrekte Verwendung einer Serviette nicht mehr bekannt zu sein scheint. Hier aus der von mir geschätzten Wikipedia einmal eine einfache, aber sehr zutreffende Definition der Serviette:

Eine Serviette (veraltet Mundtuch oder Tellertuch) ist ein bis zu 50 cm × 50 cm großes Tuch, das während und nach einer Mahlzeit dazu dient, den Mund abzutupfen.

Es steht da auch ansonsten noch allerhand, das in diesem Zusammenhang nicht wichtig ist, denn alles Wesentliche ist gesagt: Eine Serviette dient dazu, DEN MUND ABZUTUPFEN. Oder auch die Finger, wenn nötig. Sie ist jedoch nicht dazu gedacht, dem Essen eine weiche Unterlage zu sein.

Es greift inzwischen die Unsitte um sich, Servietten unterzulegen. Es begann mit Cocktailgläsern, unter denen die lästigen Dinger ständig klebten. Ich finde einen soliden Bierfilz ja praktischer als diese herumwabernden Mini-Servietten, die am Glas hängen bleiben und sich dann auf den Boden verabschieden. Doch ein netter Kellner erklärte mir mal glaubwürdig, dass Bierdeckel gerade bei Cocktailgläsern keine Alternative seien: Schließlich sei das Cocktailglas aufgrund der Kälte seines Inhalts stets von außen mit Kondenswasser benetzt und ein Bierdeckel würde es nicht trocken genug halten. Nun, das tut eine heruntergefallene Serviette auch nicht, aber ich nahm diese Erklärung als zumindest einigermaßen logisch hin.

Inzwischen bekommt man immer häufiger auch unter seiner Kaffeetasse eine Serviette, mit genau dem gleichen Effekt. Zwar ist die Kaffeetasse nicht fürchterlich kalt von außen (es sei denn, der Kellner hat einen gravierenden Fehler gemacht), trotzdem scheint sie in vielen Cafés wohl dazuzugehören, die Kaffeetassenserviette. Früher gab es zum Auftunken eines eventuellen „Fußbades“ so kleine Blättchen, die im Allgemeinen reichten – anscheinend wird inzwischen mehr geschlappert und die Fußbäder drohen zu Vollbädern zu werden. Anders kann ich mir nicht erklären, warum man inzwischen die sicher viel teureren Servietten benutzt. Aber gut, auch das ist ein Erste-Welt-Problem und stört gewiss nicht jeden.

Was mich aber wirklich und enorm stört, sind die Servietten, die seit kurzer Zeit UNTER dem Essen auftauchen: Unter dem Kirschkuchen, schön durchgeweicht und eng mit Teller und Kuchenboden verbunden, so dass man die pappige Masse aus Kuchen und Serviette erst einmal auseinandersortieren muss, bevor man den Kuchen serviettenfrei genießen kann. Natürlich muss man den Kuchen dazu umkippen, sonst kommt man ja nicht an den lästigen Zellstoff heran. Danach sieht der Teller aus, als hätte man darauf einen Schafbock kastriert, und die Hände kleben von der komplizierten Operation. Man würde sie gerne abwischen, aber man hat ja keine Serviette, denn die lag ja UNTER dem Kirschkuchen und ist der Grund für die ganze Malaise.

Auch andere Speisen werden auf Servietten gebettet: Pommes zum Beispiel. Dann saugen sie den ohnehin schon knapp bemessenen Ketchup auf und lassen sich kaum unfallfrei vom Teller ziehen – hinterher liegen überall Pommes und man wird von den Begleitern mal wieder mitleidig angeguckt. Meike, die olle Grobmotorikerin, wer auch sonst. Ja, ne, ist klar.

Zuletzt war es ein Fischbrötchen, dass mir mit Serviette serviert wurde. Und mit Messer und Gabel, wie auch immer man das essen sollte. Der servierende Kellner hatte bestimmt noch niemals selber versucht, ein Matjesbrötchen AUF EINER SERVIETTE mit einer Gabel anzupieken und dann mit einem Tischmesser zu zerteilen. Ich zuppelte also den leuchtend roten, vor Remoulade tropfenden Lappen hervor und versuchte krampfhaft, die darauf verteilten Zwiebeln vor dem Absturz zu retten. Da ich mich entschied, das Brötchen nicht mit Besteck, sondern ganz ordinär mit der Hand zu essen, musste ich den irritiert wirkenden Kellner um eine neue Serviette bitten. Er brachte mir gleich einen ganzen Stapel – was auch immer er gedacht haben mag, was ich damit vorhabe.

 

Nachtrag: Leider habe ich es versäumt, ein Foto von der Fischbrötchenschlacht zu machen. Glücklicherweise hat sich die Serviettenunsitte bereits bis zu Pixelio herumgesprochen, so dass ich dort mal wieder ein Foto schnorren konnte.

5 Kommentare zu “Komische Gewohnheiten – eine Serviette unterlegen

  1. Zu den komischen Serviettengewohnheiten gehört auch, dass sie von manchen Leuten – meist Männern – mit einem Zipfel am Hals in das Hemd gestopft werden, um das Bekleckern zu verhindern. Schrecklich anzusehen.
    Und dann gibt es noch die Geschichte, die ich innerhalb dieser Empfehlung gepostet habe: https://philipp1112.wordpress.com/2009/08/20/und-nach-dem-bewerbungsgesprach-das-essen-mit-dem-potentiellen-boss/
    Ich kopiere daraus mal „Serviettenteil“:
    „Als ich bei einem innerbetrieblichen Wechsel zum ersten Mal mit meinen zukünftigen Chef gesprochen hatte- also auch eine Art des Vorstellungsgesprächs -, lud er mich in die Betriebskantine ein. Es war in München, es gab Schweinsbraten mit Knödel und sehr viel Soße.
    Es kam,wie es kommen musste – loriotisch: Ein Stück Knödel fiel von der Gabel in die Soße, Soße spritzte. Die Spritzer flogen auf die helle Seidenkrawatte. Dies passierte dem Boss! Der Boss nahm den Vorfall zur Kenntnis, ohne eine Miene zu verziehen, tupfte mit der Serviette in das Wasserglas und bearbeitete dann die Krawatte mit der angefeuchteten Serviette. Ein pragmatischer Ansatz. Ich hoffe, er hätte es ähnlich gesehen, wenn mir das Malheur passiert wäre.“

    Liebe Meike, möglich, dass Du bei diesem Ereignis zur gleichen Zeit im gleichen Raum in der Prinzregentenstraße gesessen hast.

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  2. Die Unterlegservietten ärgern mich noch aus einem anderem Grund: weil ich das klebrige oder fettige Pappmaché nicht zum Zeichnen benutzen kann 😐. Inzwischen frage ich öfter nach der frischen Zweit- oder Drittserviette 😉

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