Herbstlicher Eintopf

Schon immer sind Wochenmärkte für mich eine Falle, aus der ich nur ungeschoren entkomme, wenn ich kein Bargeld dabeihabe. Am letzten Freitag war das nicht der Fall, und da ich nach dem Schwimmen Gelüste auf ein Fischbrötchen hatte, stieg ich am Südbahnhof aus und stürzte mich ins Marktgetümmel. Zu spät bemerkte ich, dass meine gute Fischfrau mit ihrem Wagen gar nicht da war – so ein Pech aber auch. Ich musste also meinen Appetit anderswo befriedigen und fand den Stand mit den leckeren Käsecremes und den Oliven sowie einen mit Geflügelallerlei und Zwiebelkuchen. Soweit, so gut. Aber auch Gemüse musste sein – und zwar mehr, als eine Person an einem Wochenende essen kann. Sowas passiert mir öfter: denn dann guckt der Blumenkohl so freundlich rüber, der Brokkoli auch, und eigentlich ist ja auch Pilzzeit … Beladen wie ein Packesel kam ich also heim.

Ob das alles in diesen einen Topf passt?

Heute hieß es nun also kochen, wenn ich den ganzen Segen nicht wegschmeißen wollte, und da ich ein Suppenkasper bin, wurde aus dem Gemüseallerlei eine herbstliche Gemüsecremesuppe. Meine Küche ist nicht besonders erlesen ausgestattet, aber meine Mutter schenkte mir kurz nach meinem Auszug einen Pürierstab, weil sie meinte, sowas bräuchte man unbedingt. Ich war ja zunächst etwas skeptisch, aber ein paar Mal im Jahr benutze ich ihn tatsächlich. Selber kaufte ich vor Jahren für meine kleine Singleküche einen eimergroßen Suppentopf – das war eine sehr sinnvolle Investition. Kartoffeln, Blumenkohl, Brokkoli und eine dicke rote Zwiebel flogen in trauter Gemeinsamkeit in den Topf und köchelten lustig vor sich hin.

Damit hatte die Schnippelei aber noch kein Ende: Als Suppeneinlage wurden weitere Zwiebeln, ein paar Champignons und ein paar Scheiben Hähnchenkassler gewürfelt und angebraten. Schließlich will ich – Pürierstab hin oder her – auch was zum Kauen haben. So schnippelte ich insgesamt fast eine Stunde lang herum: Genug Zeit für einen Hand-Augen-Koordinations-Tölpel wie mich, mir bei zwei benutzten Händen in drei Finger zu pieken. Zum Glück hatte ich die Juister Brötchensäge dieses Mal beiseitegelassen, sonst wäre ich mit Sicherheit verblutet. So reichte es gerade mal zum hochdramatischen Einferkeln eines Blumenkohlröschens.

rote Zwiebeln, Hähnchenkassler und braune Champignons geben meinen Zähnen ihre Daseinsberechtigung

Als das Gemüse einigermaßen bissfest war, ging es ans Pürieren. Es entstand ein recht fester, hellgrüner Schlampampel, mit dem man wahrscheinlich Babys glücklich hätte machen können – auch, da ich mal wieder sehr sparsam mit dem Salz gewesen war. Zusammen mit dem Kochwasser und 250 Gramm Schnittlauch-Frischkäse sah das Ganze dann zumindest schon mal nach einer Cremesuppe aus, auch wenn sie ein wenig nach Spülwasser schmeckte. Also tüchtig nachsalzen und dann die kräftig gewürzte Einlage versenken – jaaaa, das war besser. Endlich schmeckte mein Süppchen nach dem kräftigen Eintopf, den ich mir gewünscht hatte.

Alles in allem war mein Kochabenteuer heute also mal wieder erfolgreich. Geschmeckt hat es, und satt bin ich auch geworden. Etliche Portionen sind zum Einfrieren übrig und alle Finger sind noch dran. Passt.

Gemüsecremesuppe – keine Fernsehschönheit, aber lecker

Nachbemerkung: Wieder einmal bin ich überrascht, wie viele Worte man über eine ganz triviale Betätigung verlieren kann. Wie viel muss ich wohl erst schreiben, wenn ich mal wirklich was erlebt habe?

11 Kommentare zu “Herbstlicher Eintopf

  1. Kochen ist doch ein Erlebnis – von daher musst Du Dir gar keine Sorgen machen. Du hast erlebt, wie Du ohne größeren Personenschaden eine leckere Suppe zusammenschnippelst und -rührst. Besagtes Brotmesser wohnt in meiner Schublade ganz hinten – ein liebgemeintes Geschenk meiner Mutter vor vielen Jahren. Leider bin ich nicht in der Lage, das Ding unfallfrei zu bedienen und nachdem ich mir 2x vor dem Frühstück den Handballen malträtiert hatte, wurde es in die Schublade verbannt. Wenn mein Mann es benutzt, halte ich mir die Augen zu – ihm passiert aber nix. Mir passiert mit anderen Messern auch nix – nur mit diesem bösen Teil.
    Auf alle Fälle sieht Dein Süppchen sehr lecker aus und war bestimmt im Nachhinein eine Entschädigung für das entgangene Fischbrötchen. Ausserdem kannst Du nun ein paarmal aus dem Vollen schöpfen, wenn Du mal faul sein möchtest – Du hast ja nun einen gewissen Vorrat.
    Angeregt durch Deinen Beitrag werde ich mal einen Blumenkohl auf meine nächste Einkaufsliste schreiben, Champignons hatten wir auch lange nicht ………………:)

    Gefällt 1 Person

  2. Ja, die Sache mit den Wochenmärkten….. kommt uns diese Falle doch durchaus bekannt vor! 🙂 Wir kommen da auch nie schadlos raus! 😀 😀

    Der Eintopf sieht sehr lecker aus und für kalte Tage sind solche Gerichte doch genau das Richtige!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s