Das Haus am Eaton Place

Lange schon habe ich keine DVD-Empfehlung mehr veröffentlicht, doch nachdem ich viele Tage lang Freude an dieser alten Fernseh-Serie hatte, wird es mal wieder Zeit.

Darum geht es:

Eaton Place KomplettboxDie Serie, die im Original „Upstairs – Downstairs“ heißt, dreht sich um das Leben im Haus der wohlhabenden Familie Bellamy. Die Geschichte beginnt 1903 und erstreckt sich über rund 30 Jahre. Personen kommen und gehen, sowohl oben und unten.

Erzählt wird sowohl das Leben der Herrschaft in dem großen Haus, also der Familie Bellamy, als auch das des Gesindes. In den oberen Räumen leben der bodenständige Abgeordnete Richard Bellamy mit seiner adeligen Frau (die unter ihrem Stand geheiratet hat und deren Vermögen den großzügigen Lebensstil ermöglicht) mit ihren zwei fast erwachsenen Kindern: Der flatterhafte und leichtsinnige Sohn James ist bei der Armee, die Tochter Elisabeth kommt nach dem Besuch einer Schule für höhere Töchter heim und möchte die Welt verändern. In den Kelleräumen und den Bodenkammern hingegen leben und arbeiten die Angestellten: Der konservative, stets würdevolle und überlegt handelnde Butler Hudson, die energische Köchin Mrs. Bridges sowie Dienstmädchen, Küchenhilfen und andere hilfreiche Geister. Die Bereiche sind streng getrennt, die Räume der Herrschaft dürfen vom Gesinde nur betreten werden, wenn die Arbeit es erfordert, und auch dann nicht von jedem. Auch innerhalb der Dienstbotenrunde herrscht eine strenge Hierarchie.

Das ist das Besondere:

Interessant ist zum einen die große historische Genauigkeit der Serie. Leben und Wirken aller Figuren sind genau in die tatsächlichen Geschehnisse eingebettet. So findet sich Tochter Elisabeth in jugendlichem Ungestüm plötzlich mitten in der Suffragetten-Bewegung wieder (und zieht eines der Hausmädchen mit hinein), es werden Könige beerdigt, Kriege durchlebt. Die Titanic sinkt, das Geld wird knapp, die Gesellschaft ändert sich. Und mit all diesen Veränderungen müssen die sehr realistisch gezeichneten Figuren klarkommen. Nicht nur denen „Oben“ gefällt die zunehmende Emanzipation der Hausangestellte nicht immer, auch innerhalb des Gesindes gibt es den einen oder anderen, der lieber die alten, deutlich schlechteren Zustände betonieren möchte.

Die Serie ist so tatsächlich lebendiger Geschichtsunterricht. Erstaunt hat mich, dass die Handlung durchaus so manche nicht jugendfreie Geschichte erzählt. Das wundert mich nicht nur, weil diese kleinen Handlungsstränge extrem fantasievoll sind (das „wer mit wem“ ist deutlich spannender als in vielen anderen Serien), sondern auch, weil es sich um eine Familienserie handelt, die Anfang der 70er Jahre gedreht wurde. Dafür ist die Sache recht freizügig, und es gibt durchaus nicht nur Blümchensex – wenngleich auf explizite Szenen natürlich verzichtet wurde. Als Kind, als ich die Serie mit den Eltern zum ersten Mal sah, habe ich diese Handlungsteile sicher gar nicht verstanden.

Was gibt es noch:

Sollte man mit der Anschaffung der Serie auf DVD liebäugeln, empfehle ich, die Komplettausgabe aus der Reihe „Fernsehjuwelen“ zu wählen. Hier sind alle Folgen vollständig enthalten, also inclusive nicht ausgestrahlter Folgen und in ganzer Länge. Ab und zu hat man dann zwar einen Schnipsel auf Englisch dabei, aber das ist für mich angenehmer als nur die gekürzten deutschen Versionen zu haben.

Amüsant fand ich, dass einige Folgen nur in schwarz-weiß zur Verfügung standen. Dies liegt in einem Technikerstreik begründet, kann man auf dem Bildschirm lesen – anscheinend streikten diejenigen, die für die Farbe zuständig waren. Ich hoffe, sie konnten sich durchsetzen. Mir hat die schwarz-weiße Gestaltung nichts ausgemacht. Eher noch kam mir das vertraut vor, hatten wir doch zuhause in dieser Zeit auch nur einen schwarz-weiß-Fernseher.

5 Kommentare zu “Das Haus am Eaton Place

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