Gut zu Fuß

Seit einigen Wochen bin ich wieder recht gut zu Fuß. Am Jahresanfang hatte ich mir eine ziemliche Malaise am Knie eingefangen, nachdem es mich zunächst in der Straßenbahn geschleudert hatte und ich wenig später über eine Stufe polterte, über die ich zuvor bestimmt schon zehn Mal ganz ordentlich drübergestiegen war. Dem zufällig im Weg stehenden Andi ist es zu verdanken, dass ich nicht auch noch lang hinschlug, aber der Schaden war angerichtet. Nichts ab, aber dick wie eine Melone.

Ein Bein hoch und ein mürrischer Blick – ob der Löwe des französischen Künstlers Vassil auch ein Knieproblem hat?

„Bewegen, bewegen, immer bewegen“, sagte der Arzt. Was für ein Spaßvogel, schon mal probiert, eine Melone mit Hilfe des Schienbeins zu bewegen? Ich verschmierte tubenweise Creme und saß mein armes Sofa platt. Und weil ich linksseitig humpelte, tat irgendwann auch das rechte Bein weh. Und die Wade, und der Rücken. Ich war ein Wrack, mit 46 Jahren reif für den Rollator.

Und dann hatte ich Glück: Unser Lift ging kaputt. Zuerst nur sporadisch, dann für lange neun Tage. Da ich im 6. Stock wohne, bedeutet das für mich 96 Stufen, wenn ich irgendwo hinwollte. Als ich die den ersten Tag runter- und wieder hochgelaufen war, musste ich mich danach jammernd ausruhen, so weh tat dieses blöde Knie. Am neunten Tag lief ich schon zwei Mal rauf und runter, weil ich was vergessen hatte – es ging deutlich besser. Wer braucht schon Krankengymnastik, wenn er eine Treppe hat?

Trotzdem war die Sache mit dem Knie eine langwierige, und wenn ich lange gelaufen bin, merke ich es noch immer – und das, obwohl ich seit Monaten auch noch fleißig schwimmen gehe. In dieser Zeit konnte ich endlich nachvollziehen, wie es für meine Mutter gewesen sein muss, die aufgrund einer Hüftbehinderung und später dazukommender Multipler Sklerose auch schon früh sehr schlecht unterwegs war und sehr oft Schmerzen beim Laufen hatte. Gut zu Fuß zu sein ist ein Geschenk, auf das man aufpassen sollte – ich bin wild entschlossen, mich weiterhin mehr zu bewegen als im letzten Jahr. Und das sage ich hier und heute öffentlich – nicht, dass diese guten Gewohnheiten wieder einschlafen!

So soll es irgendwann wieder gehen: Gazelle von Vassil, fotografiert 2015 in einer Ausstellung in Saarlouis

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