Komische Gewohnheiten – in fremden Küchen herumreißen

Schon als ich noch ein Kind war, hat mich eine Gewohnheit zutiefst befremdet: das ungebetene Herumrackeln in anderer Leut’s Küche. Damit meine ich nicht Freunde wie die ewige Antje, die sich gerne jederzeit ohne zu fragen ein Glas aus meinem Küchenschrank nehmen dürfen. Ich meine diese Art von Gästen, die, kaum dass sie die Wohnung betreten haben, in der Küche stehen, um zu helfen oder zumindest im Weg zu sein. Oder die, die nach einem gemütlichen Essen sofort den Tisch abdecken und wie die Wilden anfangen zu spülen, um bloß das letzte bisschen Gemütlichkeit im Seifenschaum zu ersäufen. Ich benutze jetzt mal einen ganz altmodischen Ausdruck: Ich finde, sowas gehört sich nicht!

alter Herd im Museumsdorf Clopppenburg

Meine Eltern hatten solche Freunde: eigentlich nette Leute. Doch zu jeder Einladung kamen sie rund eine Stunde zu früh. Die Frau stürmte mit großem Hallo die Küche (und zwang meine Mutter damit, mit dem Kochen immer früher und früher anzufangen, damit sie bloß möglichst fertig wäre, wenn die Invasion begann) und der Mann musste von meinem Vater bespaßt werden, bevorzugt durch ausgedehnte Gartenbegehungen.

Natürlich ist das nett gemeint. Man will den Gastgebern helfen, will nicht, dass sie am nächsten Tag mit Bergen von Geschirr dahersitzen. Alles gut und schön, und wenn es gewünscht wird und die Küche es hergibt, kann man ja gerne nach dem Essen mal eine Runde spülen – in aller Ruhe und ohne „den Tisch umzukippen“, wie mein Vater das immer nannte. Dieses den Teller wegziehen, sobald jemand die Gabel weglegt, ist einfach unangenehm. Bis vor einer Weile dachte ich auch, dass dieses Verhalten eher in der Generation meiner Eltern vorkommt – bis ich so energische Spüler in MEINER Küche vorfand. Nun muss man dazusagen, dass

  1. meine Küche winzig und für mehrere Personen kaum geeignet ist und
  2. ich eine Spülmaschine besitze.

Es bestand also keine Gefahr, dass ich den ganzen Sonntag würde schuften müssen, um die paar Teller und Pfannen sauber zu bekommen. Trotzdem wurde herumgerissen, als gäbe es kein Morgen. Und ich benutzte den Morgen, um die ganzen Dinge, die irgendwer irgendwohin wegsortiert hatte, wieder aufzuspüren und an ihren angestammten Platz zu stellen. Nicht, dass ich pingelig bin, aber ich weiß einfach gerne, wo die alngen, scharfen Messer liegen – wer weiß, wann man mal eines braucht.

4 Kommentare zu “Komische Gewohnheiten – in fremden Küchen herumreißen

  1. Eine meiner Tanten ist so ein Typ. Meine Mutter nervte das jahrelang. Seitdem meine Schwester und ich bei Familienfeiern in unsrem Haus den Küchendienst übernommen haben, hat sie allerdings Küchenverbot um Schlimmeres zu verhindern 😉

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  2. Ja, die Mütter.. meine hat auch immer gespült – aber ich muß sagen, dass sie – trotz ihrer Demenz zuletzt – die Spüle sauberer hinbekam als ich und das einfach „mit lockeren Händen“ – wie sie es immer nannte. Nicht so steif und grobmotorisch wie ich das war…
    Aber meine Sachen hab ich auch nicht gleich wiedergefunden.
    Gäste, die zu FRÜH kommen, finde ich unglaublich.. das gehört sich einfach nicht…

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