Schön ausgedrückt: Geschlechtliche Inkonsistenzen 2 – Adjektive

Meine tiefschürfenden Gedanken über die geschlechtlichen Inkonsistenzen der deutschen Sprache gehen heute weiter in Richtung der Adjektive. Ich liebe Adjektive oder Wie-Worte, wie sie bei uns in der Grundschule hießen. Bei meinen ersten Notizen zu diesem Thema dachte ich spontan, dass die Frauen dieses Mal bevorzugt werden, drängte sich doch wieder das Weib in meine Gedanken, für das es in männlicher Linie keine Entsprechung gibt. Bei näherer Betrachtung denke ich, dass die Bilanz bestenfalls ausgeglichen ist – und auch das nur, wenn man bei den Frauen eines weglässt.

Köpfe, zwei alte Menschen, Man und Frau, Badekappen

„Die sind doch niedlich, oder?“ – Bild zur Verfügung gestellt von Rudis-Fotoseite.de / http://www.pixelio.de

Fangen wir neutral an – männlich und weiblich. Dies bezeichnet erst mal nur das Geschlecht, man weiß, wenn man das liest, was man in etwa zu erwarten hat. Herr Meier, Frau Schmidt, das hatten wir ja schon.

Hinzu kommt jedoch eine weitere Bedeutung für das Wort männlich, denn es bezeichnet das für einen Mann typische Erscheinungsbild. Beschreibt man jemanden als ausgesprochen männlich vom Aussehen her, ist davon auszugehen, dass der Betreffende kein rundes Babygesicht auf sackartig-weichem Körper hat, sondern ein kantiges Kinn mit angemessenem Bartwuchs und eine sportliche Figur. Wird ein Mann hingegen als „weibisch“ bezeichnet, wirkt er feminin und die Beschreibung ist unfreundlich oder abwertend gemeint.

Bei Frauen spricht man auch von einem weiblichen Aussehen, beschreibender und positiver ist jedoch der Ausdruck „fraulich“. Er nimmt Bezug auf die weichere Körperform, beschreibt ein erwachsenes Gesicht mit weichen Formen. Und ohne Bart, versteht sich.

Männer können auch „mannhaft“ sein. Dann sind sie echte Kerle, trotzen jeder Gefahr, sind mutig und entschlossen. So muss das sein, denkt Frau sich, vergisst jeglichen Gedanken an den sonst immer gewünschten soften Familientypen und verknallt sich in den größten Ritter auf dem dicksten Pferd (den mit der breiten Brust, dem wehenden Haar und dem Schwert in der kräftigen Faust).

Frauhaft hingegen gibt es nicht, aber damenhaft. Ein damenhaftes Benehmen wurde früher deutlich häufiger gewünscht als heute, da benahm frau sich vornehm und kultiviert. Dazu gehörte auch, sich von den Mannhaften möglichst fernzuhalten und nicht zu widersprechen. Harte Zeiten. Heute ist ein damenhaftes Verhalten etwas seltener geworden, kommt aber noch vor und gilt als positiv.

Und dann gibt es noch das schöne Wort „herrschaftlich“. Dies beschreibt etwas Prächtiges, Fürstliches, Würdevolles. In der herrschaftlichen Villa herrscht (Verb, oder auch Tu-Wort!) der Herr, seltener die Dame des Hauses. Herrschen der Herr und die Dame gemeinsam, befielt die (!) Herrschaft über das hochherrschaftliche Anwesen. Dieser Ausdruck ist zum Glück ein wenig veraltet – so richtig logisch ist das alles nicht.

Zu guter Letzt fallen mir noch zwei weitere Adjektive ein, die sich aus den Geschlechtsbezeichnungen herzuleiten scheinen: Herrlich steht für in hohem Maße schön, und dämlich für in ebensolchem Maße blöd. Was soll man dazu noch groß sagen? Nun, höchstens, dass dämlich mit der Dame gar nichts zu tun hat, sondern hierher kommt:

aus dem gelben Duden: aus dem Mitteldeutschen, Niederdeutschen, zu niederdeutsch dämelen = nicht recht bei Sinnen sein.

Und einen Dämel gab es dort auch, im Nieder-/Mittelhochdeutschen. Der war männlich, sagt mein gelber Freund. Der klingt irgendwie nett, der Dämel. Vielleicht sollte ich diesem Wort zu neuer Blüte verhelfen und es öfter mal irgendwo einfließen lassen.

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