Typisch deutsch – Mülltrennung

Mülltrennung, früner Punkt, gelber SackIn dieser Woche hing sie mal wieder im Hausflur, an der Tür und im Lift meines Wohnhauses: Die Aufforderung unseres Hausmeisters, doch bitte den Müll ordentlich zu trennen und dabei besonderes Augenmerk auf den grünen Punkt zu legen, da ansonsten Extrakosten für alle entstehen würden. Und ich, als brave und geübte Mülltrennerin, rollte mit den Augen und dachte mal wieder: ‚Das kann doch nicht so schwer sein!‘ Doch dabei verliert man natürlich diejenigen aus den Augen, die nicht mit dieser typisch deutschen Absurdität aufgewachsen sind.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich im Jahr 2005 mit meiner Freundin Kerstin nach Schweden in den Urlaub fuhr. Wir hatten ein Ferienhäuschen gemietet, über eine Vermietung, die nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Deutschland, Österreich und Holland Häuschen vermietete. Zur besseren Orientierung bekamen wir ein dickes Taschenbuch, in dem allerhand Nützliches zu lesen stand, was man in den unterschiedlichen Ländern gebrauchen können sollte. Für Schweden oder Norwegen erfuhr man zum Beispiel, wie welche Busse gekennzeichnet waren – rot für Innenstadtbusse, gelb für Überlandbusse oder so ähnlich. Und Deutschlandtouristen lernten allerhand über Mülltrennung. Vier Seiten lang wurde beschrieben, welchen Abfall man in welche Tonne, in einen Sack oder einen Container geben solle. Blaue Tonne, grüner Deckel, gelber Sack – klingt einfach, ist es aber nicht.

Es ist im Gegenteil wirklich vertrackt und teilweise undurchschaubar. Denn das Problem ist föderal-regional verwickelt und uneinheitlich geregelt. Bei meiner Schwester ist es zum Beispiel anders als bei uns. Wir haben einen grünen Container am Haus, in dem wir Papier sammeln. Meine Schwester hat eine blaue Tonne dafür. In anderen Bundesländern muss man Papier zu Sammelstellen bringen, mal darf Pappe hinein, mal nicht. In den grünen Behälter (Papier bei uns) schmeißt meine Schwester Bio-Müll, wobei nie so ganz klar ist, was dort hinein darf oder soll. Wir haben für diese Art von Unrat eine braune Tonne. Und eine gelbe Tonne hat meine Schwester nicht, dafür jede Menge Säcke, die kostenfrei abgegeben werden und sich auch wunderbar für andere Dinge zweckentfremden lassen. So tolle Tüten gibt es hier nicht. Dafür ist bei uns der Sperrmüll kostenfrei – bei meiner Schwester kostet er 50 Euro, auch wenn man nur einen einzigen Klappschemel entsorgen will (den schmeißt man dann heimlich in den Wald). Und wie das mit dem Elektromüll ist, habe ich bis heute nicht verstanden – Kleinelektro, Großelektro … Sowas wie kaputte Toaster werfe ich bei uns immer ganz unten in eine schwarze Tonne und lege einen Restmüllsack oben drauf – dann sieht man den Frevel nicht.

Die volle Komplexität des Themas verstand ich, als einmal in einem Schreibforum von einem englischsprachigen Autor, der seiner Romanfigur einen Deutschlandaufenthalt spendieren wollte, die Frage nach einer typisch deutschen Eigenart kam. Ich half mit der Mülltrennung aus und kam zunächst auch gut damit an. Dann aber ging es los: In welchem Bundesland sollte der Romanheld denn Urlaub machen? Gab es dort gelbe Säcke oder Tonnen? Kam der Kompost da in eine grüne Tonne oder in eine braune? Binnen kürzester Zeit diskutierten jede Menge hilfreiche deutsche Müllexperten die Frage der deutschen Mülltrennung auf Englisch in einem Schreibforum – welch herrliches Durcheinander. Es herrschte Uneinigkeit und spätestens, als jemand eine rote Tonne erwähnte, blanke Hysterie. Der Autor bedankte sich irgendwann spürbar erschöpft für unseren Enthusiasmus und erbat sich eine Alternative. Wir versuchten es mit „im Garten nur Kännchen“, das war einfacher.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben bei uns im Haus etliche Leute, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind. Die haben die Mülltrennung also nicht 17 Semester lang studiert. Insofern finde ich es fast verzeihlich, wenn jemand von diesen Leuten etwas falsch entsorgt. Sollte ich aber jemals einen Eingeborenen dabei erwischen, wie er den Kompost in den Papiermüll und das Papier in den grünen Punkt schmeißt, dann … dann … dann mache ich davon ein Foto und poste das auf Facebook – geteilt mit allen! Weltweit!

6 Kommentare zu “Typisch deutsch – Mülltrennung

  1. Warum denke ich da an den Film DER HOFNARR und das Wortspiel:
    „Der Wein mit der Pille ist in dem Becher mit dem Fächer, der Pokal mit dem Portal hat den Wein gut und rein.“ Dann: „Der Fächer mit dem Portal hat den Pokal …“ – „Die Pille mit dem Fächer ist im Becher mit dem Pokal“, schließlich „Der Wein mit der Pille ist im Kelch mit dem Elch. Der Becher mit dem Fächer hat den Wein gut und rein.“
    Wir müssen das Grüne (Bioabfall) in die schwarze Tonne werfen, in die grüne Tonne kommt der Restmüll, während der blaue Deckel für Papier und Pappe gelupft werden muss, und unter dem gelben Deckel der Verpackungsmüll, aber nicht die verpackungspappe verschwinden sollte.
    Und der Wein (oder die leere Weinflasche) kommt nirgends rein, die bringe ich zum Glascontainer auf dem Wertstoffhof, unbehandeltes Holz ist dort Holz, behandeltes Sondermüll. Ich höre auf und trink den Wein, das ist fein, aus dem Becher ohne Fächer.

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  2. Unsere Gelben Säcke sind abgezählt und so dünn, dass sie schon beim Anschauen zerreißen. Trotz Übung im Elternhaus, Kindergarten, Grundschule, Gymnasium, Universität (okay, vermute ich nur, aber Kindergarten und Grundschule stimmt) ist der Nachwuchs nicht in der Lage, richtig zu trennen. Ehemänner und die sehr alte Verwandtschaft auch nicht. Daher nehme ich an, dass das Mülltrennen von irgendwelchen Politkern entwickelt wurde, um die Frauen daheim zu beschäftigen und den Arbeitsmarkt zu entlasten.

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  3. Papier gehört bei uns in die blaue Tonne (die größte übrigens von allen und wenn die wirklich mal voll ist, dann hat der kleine Müllwerker echt Mühe, die bis zum Wagen zu zerren 🙂 ), Biomüll kommt in grüne Tonne (eigentlich zu klein, weil wir einen Garten haben, größer wäre aber erheblich teurer – deshalb Nein), Hausmüll verlässt uns in der schwarzen Tonne und die grünbepunkteten Dinge müssen in zur Zeit hauchdünne, gelbe Beutelchen (muss ich demnächst mal neue besorgen, irgendwie erreicht uns der Zusteller nie damit) . Für Elektrogeräte in Kleinformat gabs hier im Dorf eine zeitlang einen Container, der aber vor einigen Monaten weggenommen wurde, weil angeblich Explosionsgefahr bestand. Nun darf diese Art von Müll wieder in die schwarze Tonne – ist ja auch besser, wenn der Müll auf dem eigenen Grundstück explodiert. Glas müssen wir auch zum Container tragen, war grad heute vormittag meine Aufgabe und zum Glück war er gestern Abend geleert worden, sonst steht man nämlich da mit seinem Geraffel und wirds nicht los.
    In einer großen Wohnanlage stelle ich mir das schwierig vor, dass immer alles klappt, da wird es vermutlich immer Ausrutscher geben. Ich denke aber, dass die Welt nicht untergeht, wenn Papier im Hausmüll landet oder mal eine Dose im normalen Müll. Solange nichts draußen herumfliegt, kann man den Fehler tolerieren. Ich bin sicher, dass oft grad Diejenigen, die ständig meckern, auch nicht immer wissen, wie es richtig ist, im Urlaub z.B. – andere Länder, andere Sitten. Auf Mallorca hängt man den Müll in Säcken an den Zaun bzw. trägt alles zu zentral aufgestellten Containern – bei letzterem würde hier sicher viele auf die Barrikaden gehen.
    Müllvermeidung ist in meinen Augen wichtiger, als eine 100 % Trennung, zumal es Berichte gab, wo am Ende doch wieder alles auf einem Haufen landete und selbst hier an unserem Glascontainer konnte ich beobachten, wie getrenntes Grün-, Braun- und Weißglas beim Leeren der Container zusammengeschüttet wurden – äääääääääääähja – man gut, dass man vorher sorgfältig sortiert hatte .

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  4. Ja, Müllvermeidung ist sicher wichtig. Ich versuche mich an der Plastikvermeidung, was gar nicht so einfach ist – es ist ja wirklich alles nochmal eingepackt und verschweißt. Da nützt mein mitgebrachtes Tragebeutelchen nicht besonders viel 😦

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