Die weibliche Navigationsmethode

Seit vielen Jahren habe ich kein Auto mehr. Und in den Jahren, in denen ich ein Auto hatte, waren das immer mehr oder minder altersschwache Klapperkisten. Ein Montagsmodell war auch mal dabei. Das technisch absolut Tollste, was meine Autos je besaßen, waren elektrische Fensterheber und eine kaputte Wegfahrsperre.

Dementsprechend guckte ich kürzlich ganz dumm, als ein Kollege, bei dem ich mitfahren durfte, plötzlich mit seinem Auto sprach. Ich dachte: „Was brabbelt der denn da herum?“ Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, dass er dem Navigationsgerät gerade langsam und deutlich unsere Zieladresse mitgeteilt hatte. Zuverlässig führte das Gerät uns durch die Stadt, und daran, dass der Kollege zum Schluss einmal das falsche Links wählte, war es nicht schuld.

Auch meine Freundin Antje, mit der ich kürzlich an Saar und Mosel war, hat ein Navigationsgerät. Nicht ganz so toll – es redet nur, hört aber nicht zu – aber doch recht gut. Wir taten zugegebenerweise nicht immer das, was es von uns wollte, denn wir wollten gerne am Fluss entlangfahren, was dem Gerät wohl nicht immer behagte. Doch schlussendlich fügte es sich immer unseren Wünschen. Nur nicht im Fall von Wasserliesch.

Wasserliesch ist keine Metropole. Es ist ein kleiner Ort mit viel Wald und Orchideenpfad, in dem das erste Hotel unseres Kurztrips stand. Es ist so klein, dass wir es auf der Karte nicht finden konnten. Und auch das Navi konnte es nicht finden. Es verschluckte sich und schickte uns einen Weinberg hinauf. Abbiegen und rauf und rum und rauf und rum – die Straßen wurden immer kleiner. Irgendwann standen wir vor einer Art steilem landwirtschaftlichem Wirtschaftsweg, auf dessen Mittelstreifen etwa einen halben Meter hoch Gras wuchs. Und wir entschieden uns, da NICHT hochzufahren. Wir verweigertem dem Navi unsere Gefolgschaft und bogen einfach andersrum ab. Das Gerät war empört: „Wenn möglich, bitte wenden! Bitte wenden!“ Wir wendeten nicht, sondern entschieden uns für eine sehr weibliche Methode der Navigation: Wir haben jemanden gefragt.

Ja, tatsächlich: Es stand ein Mann an der Straße, und den haben wir nach dem Weg gefragt. Er war sichtlich amüsiert, denn unser Gefühl hatte uns nicht getäuscht: Nach Wasserliesch ging es nicht über den Weinberg. Der Hauptstraße sollten wir folgen, immer geradeaus, bis nach Oberbillig, und da erst sollten wir abbiegen. Nicht den Berg herauf, sondern in den Wald hinein. Ab dort war unser Hotel dann auch ausgeschildert. Und unser Navigationsgerät hörte auf, mit uns zu schimpfen, und navigierte noch ein wenig. Wir kamen tatsächlich an.

2 Kommentare zu “Die weibliche Navigationsmethode

  1. Unsere „Liesel“ hat uns auch schonmal auf dem Weg zu einem Waldrestaurant derart tief in den Wald gelotst, dass wir Mühe hatten, von dort wieder weg zu kommen. Wir standen zwar vor einem Restaurant, leider wars nur eins für Rehe und Hirsche – sprich eine Futterstelle für allerlei Getier. Wir nahmen es mit Humor und mittlerweile knurrendem Magen, ausserdem der Befürchtung, dass der reservierte Tisch inzwischen mit Sicherheit vergeben sei – und zuckelten mühsam über den unebenen Weg zurück, bis wir wieder festen Boden unter den Füßen bzw. den Rädern hatten. An einer Abzweigung entdeckten wir dann ein Schild vom gesuchten Restaurant, allerdings hatten es Scherzbolde auf den Kopf und zusätzlich noch mit der Rückseite nach vorn gestellt. Nun denn – als wir endlich ankamen, war unser Tisch noch frei und wir konnten endlich unseren Hunger stillen. D.h. mein Mann konnte es, das von mir gewünschte Gericht war „aus“ und ich musste umdisponieren.
    Seit diesem Erlebnis schaue ich mir die Strecken vorher genau an und wenn es weiter entfernt liegt, ziehe ich mir eine Kopie von Google Maps, denn unser Navi hat die nervige Angewohnheit, dass es nur bei gutem Wetter funktioniert und man bei Regen des Öfteren mal im Blindflug fährt. Ach ja – auf Schilder achte ich beim Fahren demnächst noch mehr als sonst, denn allzuoft wählt „Liesel“ einen anderen Weg, wie unlängst in Hamburg, wo wir ein paar Tage verbringen wollten anlässlich des Hafengeburtstages. Wir wollten auf kürzestem Weg zur Unterkunft, Liesel schickte uns aber einmal quer durch die ganze Stadt, was uns aber letztendlich erfreut hat, weil wir dabei Ecken entdeckt haben, die uns bei vorherigen Besuchen noch nicht untergekommen waren.
    In diesem Sinne – allzeit gute Fahrt mit Euren „Liesels“ und „Uschis“ und wie sie alle heißen. Ich kenne übrigens niemanden, dessen Navi einen männlichen Namen trägt – sollte man mal drüber nachdenken und evtl. einen Namenswechsel anstreben :).

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  2. Ja, wir sind auch mit Gürtel und Hosenträger gereist – soll heißen, wir hatten Navi und Karte. Und natürlich einen Mund zum Fragen. Und unser Navi war männlich. Soweit ich weiß, hat er keinen offiziellen Namen, aber ich nannte ihn Horst.

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