Schön ausgedrückt: aufstuken und jappen

Vor kurzem habe ich mir überlegt, dass ich in diese Kategorie der schönen Ausdrücke auch gerne einige dialektale Begriffe aus meiner Kindheit aufnehmen möchte. Meine Eltern sprachen ja Plattdeutsch und unsere Alltagssprache war mit derartigen Ausdrücken durchzogenes Hochdeutsch. Inzwischen muss ich immer lächeln, wenn sich so etwas bei mir einschleicht und meine Gesprächspartner mich verständnislos angucken, aber man kann halt nicht aus seiner Haut. Und ein paar Mal im Jahr treffe ich alte Freundinnen, die genauso sprechen wie ich – das ist schön.

Ich musste allerdings gleich bei diesem ersten Begriffspaar feststellen, dass es mit der Erklärung dieser Wörter deutlich schwieriger ist, als ich es gewohnt bin. Denn der gelbe Duden, sonst mein Freund in Sachen Begriffsklärung, ist ziemlich ratlos, was Plattdeutsch angeht. Ich habe also auch die Wörterbücher befragt, die Mundartliches anbieten, und wurde fündig, wenn auch nicht so leicht und eindeutig, wie ich mir das erhofft hatte.

Diese beiden Begriffe fielen mir in der netten Runde der alten Freundinnen zu. Es ging – wie bei Frauen häufig – um Mode und um eine wenig vorteilhafte Figur zum Kleider kaufen, denn: „Vorne jappt dat und hinten stukt dat auf!“

jappendes HemdDas Jappen ist noch einfach, direkt übersetzt heißt das so viel wie japsen, mit offenem Mund nach Luft schnappen oder auch gähnen. Das Wort wird verwendet, wenn Hemden, Blusen oder Jacken so stramm sitzen, dass sie spannen und an der Knopfleiste auseinanderklaffen – also nach Luft schnappen. Mein Schwager führt das zur Illustration einmal mit seinem Lieblingshemd vor:

Aufstuken findet zumeist – aber nicht immer – auf der anderen Seite des Körpers statt. Dann sind die Kleidungsstücke zu eng, um über das ausladende Hinterteil zu rutschen, stoßen dort auf und stauchen sich zusammen. Es kann aber auch ein Kragen auf der zu großen Brust aufstuken oder zu enge Hosenbeine auf den Stiefeln. Stuken heißt stauchen, zusammendrücken, in anderen Zusammenhängen aber auch stoßen. Und der Begriff Aufstuken ist eine eigenartige Zusammensetzung aus Hoch- und Plattdeutsch, denn eigentlich müsste es Upstuken heißen. Leider habe ich kein Bild, um das Aufstuken zu illustrieren, denke aber, dass die Vorstellungskraft meiner Leser dafür ausreicht.

2 Kommentare zu “Schön ausgedrückt: aufstuken und jappen

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