Fundstücke 36: Untiefen der Fernsehwelt

Dieses Pfingstwochenende hatte es in sich: Wirklich beschäftigt war ich nur am Samstag, Sonntag und Montag hatte ich frei und habe „gechillt“. Das Wetter lud ja geradezu zum „Extremcouching“ ein. Angeregt von einer Forumsdiskussion in einem Frauenforum, bei der es darum ging, dass eine Foristin nach einer Umstellung ihres Kabel-TV-Anbieters ihre Kanäle nicht mehr finden konnte, guckte ich nach, was in meinem Fernseher wohl so alles drin ist.

Auch bei mir hat es diese Kanalumstellung gegeben und ich erinnerte mich, dass auch ich im letzten Jahr lange herumsuchen musste, bis ich alle Sender, die ich gerne gucke, in augenfreundlicher Qualität wiedergefunden hatte. Als ich alles aufgestöbert hatte, was mir wichtig war, hörte ich mit der Sucherei auf – was interessieren mich diese vielen merkwürdigen Sender, die da noch zu finden sind? Jede Menge Shopping-Sender, dazu noch Bibel-TV und etliche Sportsender – das brauche ich nicht.

Die letzten Tage aber schaltete ich einfach mal durch, rein aus Neugier. Wieder einmal stellte ich fest, dass mich einige Sender schon nach wenigen Minuten ganz dösig machen: Wenn in einem Shopping-Sender eine Viertelstunde über die Vorteile einer Reibe gesprochen wird, fühle ich mich automatisch ganz zerrieben, und dieses ganze Krawallfernsehen bringt mich beinahe dazu, meinen armen Fernseher anzuschreien.

Es gibt aber auch entspannendere Dinge: Auf einem Sender konnte heute einem lockenköpfigen Mann dabei zusehen, wie er ein Bild malte. Ganz leise, wohl um niemanden zu stören, flüsterte der Künstler einem zu, was er dort gerade machte: Erst der Hintergrund, nochmal mit einem trockenen Pinsel drüberbürsten, dann ein Häuschen, einen großen Baum und einen kleinen Baumfreund dazu, das Ganze dekoriert mit ein wenig Schnee. Das alles in sanftem Englisch – nice! Zumindest musste ich mich darüber nicht aufregen.

Noch besser präsentierte sich gestern jedoch der „Offene Kanal“. Dieser Sender ist für mich so ziemlich das Schrägste, was in meinem Fernseher zu finden ist, über den bin ich schon vor der Kanalumstellung ab und zu gestolpert. Von allen Fernsehuntiefen ist dies die tiefste für mich, also quasi der Marianengraben der deutschen Fernsehlandschaft. Oft läuft da irgendwelches religiöse Zeug der verschiedensten Kulör, oder aber jemand, der es nicht so ganz richtig kann, spielt auf der Klampfe und singt dazu etwas Ambitioniertes. Manchmal wird auch arabisch (?) gesprochen, mit Untertiteln, die viel kürzer sind als es die Redezeit der Redenden erwarten ließe. Gestern aber ging für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung: Ich wollte nämlich schon immer gerne ein Aquarium haben. Plötzlich hatte ich eines: mit grauen und roten Fischen, jeder Menge Grünzeug und einer Miesmuschelschale. Das Programm nannte sich „Chillout-TV“ und war mit sanfter Musik unterlegt. Ich ließ es eine Weile laufen, derweil ich an meinem Schal strickte – nee, wat schön. Mal war ein roter Fisch vorne, dann wieder ein grauer oder auch gar keiner. In fischlosen Zeiten machte ich automatisch einen langen Hals und versuchte zu sehen, wo die freundlichen kleinen Gesellen sich versteckt hatten. Das war sehr abregend und ich schlief gut letzte Nacht. Deshalb schaltete ich heute wieder ein, auf der Suche nach meinen neuen schwimmenden Freunden. Leider gab es nur Bibelferse zu lesen – immerhin auf Deutsch. Frohe Pfingsten!

2 Kommentare zu “Fundstücke 36: Untiefen der Fernsehwelt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s