Einbruchdiebstahl

Die diesmalige Aufgabe im Schreibworkshop lautete „Ein rätselhafter Vorgang“. Die beigefügte Inspiration inspirierte mich so gar nicht, so dass ich in mich hineinhörte und etwas Anderes fand.

Einbruchdiebstahl

Katzenplastik, Bild zur Verfügung gestellt von w.r.wagner / http://www.pixelio.de

Schlüter stieß der Knoblauch auf. „Schulligung“, nuschelte er peinlich berührt und die Polizistin neben ihm nickte freundlich-verständnisvoll. Alle sahen immer über sein Gerülpse hinweg, trotzdem ging diese Regung seines Körpers Schlüter auf die Nerven. Dieses ständige Aufstoßen war das letzte Überbleibsel seiner Gallenblasenoperation von vor zwei Jahren. Das, und natürlich das kleine Schraubdöschen mit seinen Gallensteinen, das man ihm als Andenken mitgegeben hatte.

„Was genau ist denn gestohlen worden, können Sie das schon sagen?“ Schlüter sah sich seufzend in dem Chaos um, das der Einbrecher angerichtet hatte. „Ganz genau nicht. Es scheint nichts Besonderes zu fehlen. Aber der Globus ist weg, so ein altes Ding aus den 80er Jahren, mit einer Glühbirne darin. Außerdem ein Bild in Essig und Öl. Nichts Besonderes, ich habe es mal bei einem dieser Strandmaler in Spanien gekauft. Ja, und dann fehlt noch die Katzenplastik, die mir meine Ex-Schwiegermutter zum 50sten Geburtstag geschickt hat – dass die weg ist, finde ich eigentlich ganz gut. Und dann …“ Er zögerte.

„Ja?“, sagte die Polizistin und sah ihn aufmerksam an. „Fehlt noch etwas von Wert? Ich meine – für ein paar Dekogegenstände steigt doch niemand hier ein. Es ist ja schon ein wenig Aufwand, hier herein zu kommen.“ Schlüter seufzte. Ihm fiel nur noch ein Gegenstand ein, der offensichtlich zu fehlen schien. „Die Steine sind weg.“ Die Polizistin merkte auf. „Steine? Sie meinen, Edelsteine?“ Er schüttelte den Kopf, die Sache war ihm unangenehm. „Nein, meine Gallensteine. Acht Stück in so einer Art durchsichtigem Tuppertopf mit blauem Deckel. Ich weiß, dass das blöd klingt, aber sie sind weg.“

Die Polizistin notierte sich das mit einem teils ungläubigen, teils amüsiertem Gesichtsausdruck. „So, Gallensteine also. Na, die wird sich wohl niemand in einen Ring fassen lassen wollen.“ Schlüter zuckte nur die Achseln. Er wusste auch nicht, was jemand mit diesen Dingern anfangen sollte: Sie waren hässlich, eklig und rochen bestimmt nicht gut.

„Was fehlt?“, wollte ein älterer Herr in einem weißen Papieranzug wissen, der zuvor damit beschäftigt gewesen war, Schlüters Wohnzimmer mit einem grauen Pulver einzuschmutzen. „Gallensteine“, antwortete seine Kollegin grinsend. „Eine ganze Kollektion im Tupperdöschen.“ „Oh ha“, meinte der Spurensicherer, „was soll das denn? Kann man damit vielleicht einen Vaterschaftstest machen?“

Schlüter wurde blass.

 

Nachtrag: Ich besitze auch so einen kleinen Topf mit einem grünen Verschluss. Darin ist nur ein Gallenstein. Was ich jemals damit anfangen soll, ist mir nicht klar, aber ich hebe ihn mal auf. Auf das Gesicht meines Erbneffen, der nach meinem Verbleichen dieses Ding finden wird, bin ich gespannt. Auf ein Foto zur Illustration verzichte ich jedoch im allgemeinen Interesse.

 

2 Kommentare zu “Einbruchdiebstahl

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