Trägheit, du mein größter Feind

Tapete

Meine Wohnzimmertapete – manchmal mein liebster Anblick

Sie erwischt mich immer wieder an Wochenenden, gerade an den langen, an denen man so viel schaffen könnte und auch möchte: die Trägheit. Sie verhindert, dass ich mich aufraffe, vernünftige Dinge zu tun, zwingt mich auf’s Sofa, gibt mir mein Strickzeug in die Hand und schaltet den Fernseher ein. „Stricken ist doch auch eine Aktivität“, wird jetzt so mancher sagen und damit auch recht haben. Aber verglichen mit Einkaufen gehen, Wäsche falten oder feudeln ist es eben doch eher ein faules Hobby, ein Sieg der Trägheit über den Fleiß.

Unter der Woche habe ich kein Problem mit der bösen Trägheit, da habe ich nämlich gar keine Zeit dazu. Ich fange früh an zu arbeiten, komme oft recht spät heim und trabe abends auch brav in meine Kurse oder zu sonstigen Aktivitäten. Nur sehr, sehr selten habe ich bislang einmal einen Kursabend aufgrund von „keine Lust“ abgesagt, und das war immer nach langen, harten Arbeitstagen, an denen irgendwas komplett quer gelaufen ist. Zu diesen Gelegenheiten habe ich mich also selbst entschuldigt.

Auch an den Wochenenden bin ich eigentlich recht diszipliniert, was Verabredungen angeht, noch niemals habe ich jemanden angerufen und abgesagt, nur aus dem Grund, weil ich zu faul war, mich aufzuraffen. Aber diese Qualen, bevor man losfährt: Dieses endlose „Oh nein, nun muss ich mir was Ordentliches anziehen und mich waschen, und dann muss ich los!“ oder das „Ich kann nicht, ich bin krank, ganz bestimmt!“ gefolgt von tastenden Berührungen aller Gliedmaßen – sind sie noch dran, und auch nicht gelähmt?

Im Nachhinein ärgere ich mich immer unbändig über dieses Theater, das ich hier ohne jegliches Publikum aufführe – damit verderbe ich mir nur das Wochenende. Und diese Dinge, vor denen ich mich drücken möchte, nur um weiterhin in Jogginghose und altem T-Shirt auf der Couch herumgammeln zu können, sind immer wirklich schön – sonst hätte ich mich ja dazu nicht verabredet. Oder wenn ich gerne schwimmen gehen möchte und eine Stunde brauche, um es vom Sofa zu schaffen – und das, obwohl ich gerne schwimme und es mir hinterher immer viel besser geht.

Diese Trägheit – man könnte sie auch „Sofasucht“ nennen – ist etwas komplett Irrationales, das ich mir gerne abgewöhnen würde. Manchmal erwischt sie mich auch nachts, wenn ich zu faul bin, um ins Bett zu gehen. Natürlich würde ich dort viel bequemer liegen, aber der weite Weg dorthin, noch unterbrochen durch einen kleinen Einkehrschwung ins Badezimmer, erscheint mir unendlich weit. Wenn ich dann endlich gemütlich in den kühlen Laken liege, bin ich erleichtert und genieße mein Bett, manchmal bin ich sogar regelrecht stolz auf mich. Wobei man natürlich „ins Bett gehen“ nicht wirklich als Sieg gegen die Trägheit werten kann. Aber es ist ein Anfang, ein kleiner Schritt von vielen.

Und nun, wo ich diesen Beitrag verfasst habe, finde ich, dass ich heute schon eine ganze Menge geschafft habe. Ich denke, ich nehme mir mein Strickzeug und erhole mich ein wenig. Die fertige Wäsche hänge ich vielleicht morgen auf.

2 Kommentare zu “Trägheit, du mein größter Feind

  1. Wann, wenn nicht am Wochenende, kann / darf man denn faul sein? Deine Woche erscheint zumindest mir schon recht voll und alle Termine werden von Dir abgearbeitet. Vielleicht ist es einfach ein Zeichen Deines Körpers und Deiner Seele, dass einfach mal Pause von alldem angesagt ist? Bei mir ist es der Rücken, der mir sagt, wann ich zu pausieren habe : „Rücken ist Seele“, sagt mein Arzt und ich denke, er hat recht. Im Prinzip sind alle Krankheiten ein Signal, sich zurückzunehmen, zu pausieren. Dazu gehört wohl auch Deine „Sofasucht“, obwohl sie keine Krankheit im eigentlichen Sinne ist. Du schreibst ja oft von all Deinen Unternehmungen an den Wochenenden, von daher glaube ich nicht, dass es Dir schadet, wenn es immer mal wieder komplette Tage auf dem Sofa gibt. Genieß einfach die Zeit mit Dir selber, erfreu Dich an Deinen gestrickten Werken – das nächste Wochenende kommt bestimmt und vielleicht ist dann wieder etwas dabei, womit Du Dich leichter tust.
    In diesem Sinne – ich wünsche Dir eine entspannte Woche …….. und gehe jetzt in den Garten (bis mich mein Rücken mahnt 🙂 )

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