Freikörperkultur

Mit Blick auf meine Urlaubsberichterstattung muss ich mich mal wieder als Spießer outen, denn im Ostseeurlaub fiel mir mal wieder auf, dass ich mich gerne bedeckt halte: Ich bin keine Freundin der Freikörperkultur.

Unser Hotel hatte einen direkten Zugang zur Ostseetherme. Man war gehalten, gleich im Bademantel in die Therme zu schlappen, denn man kam im „textilfreien Bereich“ der Sauna an, wo man im Bademantel noch geduldet wurde, in Jeans und Pulli aber sicherlich unangenehm aufgefallen wäre. Dort im Saunabereich haben mir die Nackten nichts ausgemacht, auch wenn ich selber keine begeisterte Saunagängerin bin. Mir ist es dort zu warm und allein die Idee, sich nackend mit fremden Menschen zusammenzuhocken, allein mit dem Zweck, tüchtig zu schwitzen, finde ich skurril bis unappetitlich. Aber gut, so unterschiedlich sind die Leute, viele Menschen lieben das und das ist für mich völlig in Ordnung.

Merkwürdiger fand ich da den Außenbereich der Ostseethermen-Sauna, der einen Zugang über die Promenade an den Strand und von dort in die Ostsee hatte. Es war einfach komisch, im Frühstücksraum des Hotels gemütlich am Fenster zu sitzen und ein Ei zu abzupellen, derweil der morgendlich-träge Blick auf einem rosa saunierten Opi hängenblieb, der gerade freudig-flitzendüber den Strand rannte, um sich in der Ostsee abzukühlen. Auch die Begegnung beim abendlichen Spaziergang, Schwesterlein und ich in dicker Jacke, Mütze und Schal, das Paar uns gegenüber auf der Promenade mit ohne alles, war schon irgendwie bemerkenswert. Immerhin rannten die beiden nicht.

Überhaupt scheint meine Abneigung gegen die Freikörperkultur weniger mit der Nacktheit an sich zu tun zu haben als vielmehr mit Nacktheit in Bewegung. „Schamgeschlacker im Abendrot“, so beschrieb der wunderbare Pankfurt-Autor Robert Maier kürzlich seine Eindrücke während eines Kanaren-Urlaubs. Damit traf er genau die Bilder in meinem Kopf. Rennende Nacke sind viel schlimmer als friedlich sitzende. Finde ich jedenfalls … aber ich bin ja auch spießig 🙂

Auch die dicke Dame hält sich gerne bedeckt – gerade in Zeiten des langen Schattens

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s