Frühstücksblues

Heute ist einer dieser Sonntage, an denen ich früh aus dem Bett gehüpft bin und um acht Uhr schon ganz viel erledigt hatte – ich liebe das! Und dann gab es Frühstück. Und da fiel mir auf, dass ich vor einigen Tagen einen Fehler gemacht habe. Nichts Schlimmes, und manch einer wird auch sagen, dass ich das genau richtig gemacht habe, aber ich hatte heute Morgen einen Anfall von Reue. Genauer gesagt, von Kaufreue. Und das kam so:

Alle paar Wochen esse ich morgens gerne mal den letzten Brötchendeckel mit Nutella. Also nicht mit irgendeiner Nuss-Nougat-Creme, sondern mit richtigem, echtem Nutella. Mein Verbrauch davon ist nicht groß, ich komme so auf zwei bis drei Gläser im Jahr. Und nun war mal wieder eines leer. Folglich wollte ich ein Neues kaufen, doch es gab im Rewe nur diese unpraktischen Riesengläser, bei denen man mit dem Messer nicht bis nach unten kommt, ohne sich fürchterlich einzuschmieren. So eines wollte ich nicht und ließ mich deshalb – wohl auch aus einer nostalgischen Verklärung heraus – dazu verleiten, einen Becher Nusspli zu kaufen.

Nusspli – das war schon in meiner Kindheit nur die zweitbeste Alternative, die es gab, wenn Mama mal wieder uneinsichtig gewesen war. Es ist süßer als Nutella, was ich nie so schätzte, und der Becher lässt sich mit dem Messer sauber auskratzen. Somit entfiel also die Möglichkeit, das Glas am Schluss mit dem Löffel von den Resten zu befreien und diese Reste natürlich ohne Brot wegzunaschen. Aus meiner Sicht war also auch dieser Becher nicht optimal konstruiert.

Und nun habe ich doch plötzlich Nusspli im Haus, selbst gekauft und selbst verantwortet, und es gab heute eine Brötchenhälfte damit. Es war ganz o.k., so wie es auch früher immer ganz o.k. war. Aber wirklich richtig ist das nicht, ich hätte das nicht kaufen sollen. Ich habe mich verführen lassen, weil es einfach dastand. Und weil ich eigentlich auch kein Markenkäufer bin – bei diesen Verbrauchsartikeln ist es mir normalerweise ziemlich egal, wer das hergestellt hat, solange es seinen Zweck erfüllt. Und seinen Zweck erfüllt Nusspli auch – es ist Nuss-Nougat-Creme und man kann es auf’s Brot schmieren. Aber ach … jetzt habe ich wahrscheinlich bis in den Sommer hinein die falsche Paste hier.

Natürlich weiß ich, dass dieser Beitrag ein Gejammer auf höchstem Niveau ist. Viele Menschen wären froh, wenn sie zumindest irgendeine Nuss-Nougat-Creme hätte, unabhängig von Süßegrad und Becherform. In manchen Ländern mag Nuss-Nougat-Creme sogar gänzlich unbekannt sein und diese Menschen leben auch. Und doch konnte ich mir diese Litanei nicht verkneifen, denn irgendwie fand ich, es muss einmal gesagt werden.

16 Kommentare zu “Frühstücksblues

  1. Ich beneide dich darum, nur ab und zu ein Nutellabrötchen zu essen. Ich selbst darf mir diese Leckerei nicht kaufen – ist es erst einmal daheim, wir das Glas gnadenlos binnen weniger Tage vernichtet ;).
    Und ich bin ganz bei dir – Nuspli war schon immer nur die zweite Wahl.

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  2. Tröste Dich, ich bin dekandenter. Nutella ist out, seitdem ich im Biomarkt die Schokocreme von Vivani entdeckt habe. Und selbst die tut es nur, wenn ich meine Vorräte an Nusscreme von La Vialla, dem Biohof aus Italien, wo wir auch unsere Nudeln kaufen, vernichtet habe. Dagegen ist Nutella Chemie.
    Allerdings mache ich es auch wie Du. Nur mal den letzten Deckel als Abschluss.
    LG Moni

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    • Ach, so selten, wie ich Nutella esse, ist mir das mit Bio oder nicht egal. Da kommt es nur auf den Geschmack an, und da kam bislang noch keine andere Paste mit. Allerdings gibt es hier so einen riesigen Edeka, in dem es unglaublich viele Schokocremes gibt – auch bittere. Da mag was für mich dabei sein …

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  3. Dazu fällt mir ein:
    Liebe Meike, als ich noch dein Kollege war, bin ich ab und zu mit dem Kollegen S. auf Dienstreise inkl. Übernachtung gewesen. Das war immer ganz nett, tagsüber schaffen, abends irgendwo – meist in Kaufbauren – das eine oder andere Weizen genießen.
    Das einzige Problem war die Hotelauswahl. Ich gehe gern in ein Hotel, das morgens einen frischen Obstsalat bietet. S. hatte da eine andere Priorität: Bei ihm richtete sich die Qualität des Hotel auch am Frühstück aus, und ein gutes Hotel war nach seiner Auffassung nur ein Hotel, in dem es NUTELLA zum Frühstück gab. Diese unterschiedlichen Ansprüche waren es, dass wir dann abwechselnd in dem einen oder dem anderen Hotel nächtigten.

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  4. Nach meiner Erfahrung sind es die Männer, die im Urlaub nicht auf die Nuss-Nougat-Creme verzichten können. – Bei uns gab es in meiner Kinderzeit eine Creme aus einem Glas, das man später als Limonadenglas verwenden konnte und wohl auch preiswerter war.

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  5. Als Kind gabs selten mal Nutella, weil ja genügend selbstgekochte Marmelade im Keller stand – seufz. Später mochte ich es ganz gern und war glücklich, als es zur Jahrtausendwende ein 2000 gr Glas gab :). Auch das war irgendwann leer und beherbergt noch immer Sand und Muscheln.
    Wenn Du Dich jetzt so grämst mit der falschen, braunen Schokopaste, dann verschenk sie doch einfach. Oder nimm sie mit ins Büro und stell sie dort in die Teeküche. Du wirst Dich wundern, wie schnell sie weg ist :). Und dann kaufst Du Dir für das nächste Wochenende die einzig für Dich richtige Frühstücksschleckerei – freu Dich drauf.

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