Strand meiner Kindheit

Kürzlich war ich mit meiner lieben Schwester ein paar Tage an der Ostsee. Wir wohnten irgendwo auf der Grenze zwischen Timmendorfer Strand und Scharbeutz. Als ich noch sehr klein war, verbrachten wir unsere Familienurlaube dort ganz in der Nähe, im kleinen Örtchen Haffkrug. Hier erholte ich mich von Mittelohrentzündungen und Husten und ertrank angeblich fast bei dem Versuch, einen Ball aus der Ostsee zu retten*. So recht viele Erinnerungen hatte ich zunächst nicht an den Ort, meine Schwester hingegen, vier Jahre älter als ich, wusste noch deutlich mehr. Wir machten uns also dorthin auf, um nachzusehen, ob wir irgendetwas wiedererkennen würden.

Mit Mama im Strandkorb – damals passten wir zu dritt da rein. (Danke an Lewenstein für die Bildbearbeitung)

Zunächst einmal fiel uns auf, dass der Strand viel schmaler war, als wir beide ihn in Erinnerung hatten. Ob das an der Erderwärmung liegt oder daran, dass wir damals klein waren, konnten wir auf die Schnelle nicht herausfinden. Es schien aber auch recht wenig Leben in diesem kleinen Ort zu sein – deutlich weniger zumindest als in Timmendorf, Niendorf oder Scharbeutz. Was hatte uns früher nur in dieses verschlafene Nest geführt? Wahrscheinlich der günstigere Preis, kombinierten wir, denn Geld war damals zuhause knapp. Und die Zerstreuungen einer belebten Strandpromenade oder reichlich Läden und Lokale haben wir als Kinder nicht vermisst. Wir waren zufrieden mit unserem Vierbettzimmer – für uns Kinder gab es ein Etagenbett – in der Pension Brandt. Ich wusste noch, dass die Unterkunft sehr nah an der Seebrücke gewesen war und meine Schwester glaubte das Haus zu erkennen, obwohl es frisch verklinkert war und gerade neue Fenster bekam. Sie huschte zum Klingelschild und tatsächlich – Brandt stand an der Tür, hurra!

Seebrücke Haffkrug

Auch den alten Spielplatz im Kurpark, von dem ich ein Foto habe, gibt es noch, wenn auch mit nagelneuen Spielgeräten. Mir kam urplötzlich noch die Erinnerung an einen Imbiss, in dem wir immer Erbsensuppe zum Mitnehmen an den Strand gekauft hatten und meine Schwester fand das Haus, vor dem sie sich das Knie aufgeschlagen hatte.

Das Wetter meinte es an diesem Nachmittag in Haffkrug übrigens nicht gut mit uns – es regnete. Genau wie in dem einen merkwürdigen Sommer, den wir dort verbracht hatten: Damals regnete es wohl fast ununterbrochen, was mich nicht störte, weil ich die Masern bekam und im Bett bleiben musste. Meine Schwester hatte trotz des schlechten Wetters einen grandiosen Urlaub, in dem sie jeden Morgen mit unserem Vater loszog, um eine Art Ostseeralley mitzumachen: Jeden Tag waren Aufgaben in einem anderen Küstenort zu lösen. Wahrscheinlich waren die beiden die Einzigen, die tapfer alle Aufgaben erledigten, zumindest gewann meine Schwester einen großen Schinken in einem karierten Stoffbeutel. Den Beutel hatte sie auch auf dieser Reise wieder mit dabei: Er dient ihr seit rund 40 Jahren im Urlaub als Wäschesack.

Untergestellt unter einem Reitdach, konnten wir den dicksten Regenguss einigermaßen trocken überstehen.

*Anmerkung: Es wurde in meiner Familie immer wieder behauptet, dass ich in der Ostsee beinahe ertrunken wäre. In meiner Erinnerung sieht das ganz anders aus: Ich hätte den Ball nämlich fast gehabt, beinahe hätte ich ihn greifen können. Aber dann kam Papa angerannt, in Unterhose und nassem Oberhemd, hat mich von meinem Vorhaben abgehalten und mich völlig grundlos aus dem Wasser geholt. So war das nämlich in echt!

Ein Kommentar zu “Strand meiner Kindheit

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