Hotel meiner Kindheit

Schlosspark Hotel Rastede

Teil eines älteren Flyers, noch unter dem Namen „Hof von Oldenburg“

Kürzlich erfüllte sich einer meiner Kindheitsträume. Das heißt, eigentlich war das gar kein Traum von mir, es war eher etwas, von dem ich gar nicht zu träumen gewagt habe: Ich übernachtete im Rasteder „Schlosspark-Hotel“, auch unter dem Namen „Hof von Oldenburg“ bekannt.

Als ich in Rastede aufwuchs, war „der Hof“ immer das erste Haus am Platze, inzwischen ist es, was Hotels angeht, auch fast das einzige. Mir kam dieses Etablissement als Kind immer unglaublich vornehm vor und ich dachte, ich würde es mir niemals leisten können, dort zu übernachten. Ganz abgesehen davon natürlich, dass ich auch davon ausging, dass ich dort nie übernachten würde müssen. Schließlich nahm ich an, ich würde nie aus Rastede wegziehen – und wer übernachtet denn in einem Hotel, wenn er vor Ort eine Wohnung hat?

Trotzdem war „der Hof“ fester Bestandteil meines gesellschaftlichen Jugendlebens: Hier fanden die verhasstenTanzstunden statt, ebenso die schaurigen Abtanzbälle. Ein paar Jahre später war der Anlass, um aufgedonnert den großen Festsaal zu betreten, deutlich erfreulicher: Hier feierten wir unseren Abiball, nach dem ich zum ersten Mal in meinem Leben auf Strümpfen heimging. Einige weitere Anlässe gab es für mich noch, um im „Hof“ einzukehren – sie waren mal mehr, mal weniger erfreulicherer Natur.

Und jetzt habe ich dort also tatsächlich übernachtet. Anlass war die jährliche Kohlfahrt und die Tatsache, dass eine Freundin mitkam – sonst hätte ich wohl wie immer bei meiner Schwester in der Wesermarsch übernachtet. So aber erschien uns das Hotel praktischer, und neugierig war ich natürlich auch. Ich guckte ins Internet: In einem Bewertungsportal las ich etwas vom altmodischen Ambiente der 70er Jahre. Nun, eigentlich wäre mir das gar nicht so unrecht gewesen, ein Ausflug in die Kindheit war ja beinahe geplant.

meine eigene Hotelrechnung

Allerdings stellte ich schnell fest, dass diese Bewertung wohl von jemandem war, der zu den ewig Unzufriedenen gehört. Denn mein Zimmer war durchaus gemütlich und auch recht modern eingerichtet. Auch der Frühstücksraum war völlig in Ordnung und im angeschlossenen Restaurant aßen wir am Freitagabend sehr gut. Das Hotel meiner Kindheit enttäuschte mich also nicht.

Ich musste allerdings auch feststellen, dass ich mich als Kind sehr getäuscht habe, was das Thema Vornehmheit und Übernachtungspreis anging: Der von mir angenommene Luxustempel war doch eher bodenständig und die 50 Euro pro Nacht und Einzelzimmer waren für mich durchaus zu stemmen. Und eine kleine amüsante Zugabe war der „Sängerball“, der am Samstagabend den großen Saal füllte. Der „Hof“ mit Ball – so muss das sein.

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