Fundstücke 30 – Der Patent-Kaffeebecher

Kürzlich bin ich mal wieder Bahn gefahren – zusammen mit der ewigen Antje. Und während wir da so vor uns hin fuhren, lief eine Dame rum und bot Kaffee an. Wir brauchten keinen, denn wir hatten gut gefrühstückt, und so hörte ich nur müßig zu, wie die eifrige Kaffeeverkäuferin dem Mann mir schräg gegenüber den Kaffeebecher erklärte. In dem sei ein Filter drin, hörte ich noch, doch dann wurde das Lernprogramm leider von meiner schwatzhaften Mitreisenden übertönt. Auch gut – schließlich hatte ich keinen solchen Becher und einen Trockenkurs in Sachen Kaffeetrinken braucht man eigentlich nicht.

Dann aber kam die Rückfahrt, und mit ihr schlug unsere Stunde des Kaffeebechers: Beide waren wir leicht erschöpft von den Strapazen des Wochenendes und es gelüstete uns nach Kaffee. Erwartungsvoll sahen wir unserem Patenbecher entgegen. So sah er aus:

patentierter Kaffeebecher im Profil

Auch dieses Mal gab es eine eifrige Kaffeeverkäuferin mit Bildungsauftrag. Wir lernten, dass dieser besondere Kaffeebecher keinen löslichen Kaffee und auch keinen Filterkaffee enthielt, sondern Kaffeemehl und Wasser – aha! Damit wir die Brösel nicht in den Mund bekämen, sollten wir den Deckel drauflassen und vorne aus dem Schnabel trinken, denn im Deckel sei ein Filter eingebaut, und für Zucker oder Milch gäbe es ein eingelassenes Zulaufventil. Tatsächlich, da war eines – doll! Von oben sah das so aus:

Becher mit Filter von oben (man beachte die Zulaufvorrichtung!)

Wir waren beeindruckt, bedankten uns artig für den Schnellkurs im Patentkaffeetrinken und betrachteten andächtig unsere Becher. Über die Zulaufeinrichtung kippte ich zwei kleine Töpfchen Milch dazu und paddelte sorgsam mit dem Rührstäbchen in dem kleinen Loch herum, Antje füllte sogar noch ein wenig Zucker nach. Und dann probierten wir: Aaaahhhh … ach so? Der Kaffee war … heiß. Sonst nix.

Ich trinke sehr gerne Kaffee, brauche den aber nicht besonders stark. Wenn mir ein Kaffee zu dünn vorkommt, dann ist er dünn – sehr dünn. Und dieser war richtig dünn. Wir versuchten es mit ziehen lassen – half nix. Also tranken wir ihn so, wie er war – dünn und heiß. Warmes Wasser soll ja auch gut für die Verdauung sein, habe ich mal wo gelesen. Und der Patentbecher mit dem Filter zum Brösel zurückhalten tat, was er sollte, die wenigen Brösel blieben dort, wo sie bleiben sollten. Ich muss aber gestehen, dass mir der Kaffee, den es früher in der Bahn gab, also entweder ein einfacher Filterkaffee aus der Thermoskanne oder gar ein simpler Nescafé zum selber umrühren, deutlich besser geschmeckt hat als diese patentierte Plörre. Wobei ich zugeben muss, dass es sich aus dem Schnabel ganz angenehm trinken ließ. Vielleicht können wir ja beim nächsten Mal Nescafé aus dem Schnabelbecher bekommen?

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