Bollerwagen reloaded

Für Hergen (den Bollerwagenterminator) und all die anderen

Nächstes Wochenende ist es soweit: die Kohlfahrt 2016 startet. Ich weiß inzwischen, dass die meisten meiner alten Freunde dabei sein können und auch die ewige Antje aus Frankfurt wagt den Schritt in die norddeutsche Tiefebene, um sich an diesem Kulturgut zu versuchen.

Und in der Tat ist eine Kohl-tour auch Kul-tur. Nicht nur wegen der traditionellen Spiele, mit denen wir uns dort vergnügen, nicht wegen des gutbürgerlichen Essens oder dem ritualisierten Trinken von geistigen Getränken. Sondern auch wegen dem traditionellen Erbe, das wir inzwischen pflegen: unsere ureigenen Riten und Gebräuche. Die alten Geschichten, die wieder und wieder erzählt und aufgerührt werden. Das „Wisst ihr noch“, das manchem inzwischen zu den Ohren rauskommt, aber doch dazugehört wie die Boßelkugeln und das Gläschen am Band.

Da geht es um die Geschichte von dem Bollerwagen, der sich trotz ausgeprägtem Flachland selbstständig machte und in einen Graben rollte. Der war zum Glück zugefroren, sonst hätten wir unsere Habe aus tiefstem Matsch bergen müssen. Die abgebrochene Deichsel war zu reparieren, doch dem Unglücksvogel, der den Wagen dort hineingesteuert hat, wird diese Tatsache Jahr für Jahr wieder auf’s Brot geschmiert. Es geht auch um den verlorenen Kohlfahrer, der in der Dämmerung hinter einem Gebüsch verschwunden war, nach der Verrichtunng des Geschäfts einer falschen Kohlfahrt hinterherrannte und seinen Irrtum erst bei der nächsten Schnapspause bemerkte – weil er nämlich niemanden der Leute kannte, mit denen er dort trinken wollte. Gut, dass es inzwischen Handys gibt: Die erleichtern in so einem Falle die Familienzusammenführung ungemein.

Es geht in den Geschichten auch um Leute aus der Vergangenheit, die uns auf unser Kohlfahrt begegneten, ein paar Mal dabei waren und wieder verschwanden. „Erinnerst du dich an…“, und dann die Frage, wer den oder die nochmal mitgebracht hatte – ein weites Feld. Immerhin gehen wir seit über 25 Jahren miteinander los, da hat sich in unseren Leben viel getan. Menschen kamen und gingen, doch der harte Kern blieb erhalten. Und darüber freue ich mich, weil ich wirklich jeden aus diesem harten Kern furchtbar gut leiden kann.

Ich freue mich auf Samstag!

Kohlfahrt, Besenwerfen

Meike auf Kohlfahrt beim Besenwerfen. Diesen Actionfoto entstand irgendwann Anfang der 90er Jahre

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