Wochenend und schlechte Laune

Es gibt so Tage, die laufen komisch. Irgendwie gegen einen. Und manchmal gibt es ganze Wochenenden, die so laufen: Dieses ist eines davon. Das kann echt nur besser werden!

Schon am Freitag hatte ich bauchseitig ein komisches Gefühl und den Verdacht, dass ich was ausbrüten könnte. Ich therapierte das lästige Bauchsuseln durch Fencheltee und Ignorieren, was mir recht gut durch den Tag half. Ist ja auch klar, gute Mitarbeiter werden am Wochenende krank. Gestern pendelte ich also zwischen Sofa und Badezimmer, saß trübsinnig daher, strickte Strumpf und bemitleidete mich. Das kann ich gut und finde es auch hilfreich. Früh ging ich zu Bett und schlummerte – dieser unerfreuliche Tag hatte also ein Ende.

Heute Morgen war ich entsprechend früh wach, rappelte mich hoch und betastete meinen Bauch. Er war noch dran, ja, und er fühlte sich leer an. Das Frühstück schmeckte wieder, alles gut. Ich beendete den Ringelstrumpf für meinen Neffen und breitete ihn nachdenklich auf meinem Tisch aus – ob der wirklich passt? Ich kenne mich nicht so aus mit Männersocken in Größe 50. Naja, wenn nicht, mache ich ihm ein neues Paar. Dieses hier können die dann ja vielleicht mit Griffen versehen und als Einkaufsbeutel benutzen, oder als Zwiebelsack.

Da dieser Tag besser zu laufen schien als der gestrige, fing ich gleich mit dem zweiten Strumpf an. Ein Blick auf die Waage zeigte mir, dass ich weit mehr als die Hälfte des 100-Gramm-Knäuels verbraucht hatte, ich nahm also gleich das neue, damit ich nicht mittendrin ansetzen muss. Ich suchte den richtigen Anfang – es musste mit einem petrolfarbenen Streifen anfangen. Beherzt legte ich los – wie gut das doch ging! Irgendwann holte ich mir den fertigen Socken vom Tisch, um zu gucken, wie weit das Bündchen noch geht und maß nach. Aber etwas störte mich. Irgendwie sah das neue Bündchen anders aus. Ich holte mir die Banderolen: doch, gleiche Farbe, gleiche Partienummer. Was war da los? Nach einigen Sekunden der Ratlosigkeit ging mir auf, dass die Knäule unterschiedlich gewickelt waren, die Farbfolge lief anders herum. Was für ein Mist!

Muffig reppelte ich den angefangenen Strumpf wieder auf, schimpfte dabei vor mich hin. Wie kann das nur passiere, was ist das für eine lausige Qualität? Mein Verstand sagte mir, dass auch bei diesem Wollhersteller wohl Menschen arbeiten, und einer hat wohl einen Fehler gemacht und etwas falsch herum eingefädelt – kann passieren. Ich suchte mir das andere Ende des Knäuels. Es gab kein Ende. Es gab nur das, was entnervte Stricker „Wollkotze“ nennen: Das innere Ende des Knäuels war nicht ordentlich gewickelt, sondern war ein wirrer, knotiger Haufen, den ich mühsam sortierte, endlich ein Ende fand, das aufwickelte bis zum petrolfarbenen Streifen und neu begann.

Dann passierte das, was immer passiert, wenn ich lange angestrengt irgendwas angeguckt habe: Ich konnte nicht mehr gut sehen. Nein, das liegt nicht am Alter und auch nicht daran, dass ich eine Lesebrille, wenn nicht sogar eine Gleitsichtbrille bräuchte. Nein, das liegt an der Wolle und am Licht, und an der Luft. Oder so. Ich gab auf und ging kochen.

In der Küche checkte ich die Lage und mein Bauchgefühl – was würde so ein Magen in der Rekonvaleszenzzeit wohl mögen? Reste, beschloss ich, Reste sind immer das Beste. Da ich gestern nicht einkaufen war, war auch nichts Anderes da. Ein paar gekochte Kartoffeln fanden sich, ein Rest Frischkäse, Tomaten und ein paar Schinkenwürfelchen mussten auch weg. Das schrie nach Auflauf. Ich werkelte also drauflos. Ob mein Magen schon wieder Zwiebeln mögen würde? Ich beschloss, dass Zwiebeln furchtbar gesund sind, nahm eine und griff zur Juister Brötchensäge. Das hätte ich besser lassen sollen!

Denn für dieses harmlos aussehende Messer bräuchte man eigentlich einen Waffenschein. Oder noch besser, einen Führerschein. Küche und Badezimmer habe ich vollgeblutet, bevor ich endlich ausreichend Pflaster um meinen ramponierten Daumen rumgetütert hatte. Wie gut, dass ich heute Morgen überall frische Handtücher aufgehängt hatte – heiß gewaschen und fast steril. Sonst bekäme ich bestimmt auch noch eine Blutvergiftung!

Der Auflauf war gut – immerhin. Den Rest des Tages werde ich wohl damit verbringen, auf dem Sofa zu sitzen und klagend meinen verpflasterten Daumen in die Luft zu halten. Eigentlich kann dabei nichts passieren. Eigentlich. Denn der Teufel ist ein Eichhörnchen!

Mein Daumen: Die Perspektive täuscht, ganz so kurz ist er nicht geworden.

12 Kommentare zu “Wochenend und schlechte Laune

  1. Normalerweise bringt das WE doch gute Laune. Hast Du da irgendwie etwas verwechselt. Fehlt jetzt nur noch, daß Du am Montag voller Freude ins Büro gehts, dann kommen mir doch so langsam Zweifel an Deiner Wahrnehmungskraft.

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  2. Lass bessere Tage kommen!

    Wußtest Du, dass es zwischen dem Ammerland und dem ehemaligen Herzogtum Braunschweig die reppeln-ribbeln-Grenze gibt. Ich habe Gestricktes oftmals aufribbeln müssen. Zu einer Zeit, in der die Wolle alter Strickjacke, -röcke, Pullover etc für neue Strickereien wieder verwendet wurde. Verdammt lang her.

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  3. Puuuuuuuuuuust – ich hoffe, in der Zwischenzeit ist der Daumen wieder schmerzfrei. So ein Brötchenmesser gibts bei uns auch – allerdings darf es nur noch in der Schublade wohnen, nachdem ich mir damit fast einen Daumen amputiert hatte. Und ja – das Bluten kann ich gut nachvollziehen, hier sah es aus wie in einer Schlachterei.
    Den Wolle-Ärger kenne ich auch – bin ja ein Perfektionist und bei mir sollen beide Socken immer gleich sein. Die letzten beiden Paare sind es nicht, mir war die Suche nach dem richtigen Anfang zu blöd und bis ins Knäuelinnere bin ich nicht vorgedrungen, um Schlimmeres zu verhindern. Vorhin habe ich ein neues Paar angefangen – mit Restwolle für Bündchen, Hacken und Spitze, der Rest wird uni – das sollte dann wohl klappen mit dem Gleichsein :).
    Ich wünsche Dir eine unfallfreie Woche ohne Bauchgrummeln ….

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