Nachtwäsche

Ein lockerer Pausenplausch mit Kollegen brachte mich dazu, über so etwas Alltägliches wie Nachtwäsche nachzudenken. Über Nachtwäsche im Allgemeinen sowie die für Männer und Frauen im Speziellen. Denn ein Kollege hatte während seines Urlaubs netterweise an einer geschäftlichen Telefonkonferenz teilgenommen und es für nicht angemessen erachtet, bei dem Skype-Telefonat die Kamera mitgucken zu lassen – nicht etwa, weil das Homeoffice im Chaos brachgelegen hätte, sondern weil der Urlauber im Schlafanzug dahersaß. Mein Kommentar, dass das vielleicht gar nicht aufgefallen wäre, wurde mit schadenfrohem Gelächter quittiert und nicht als Kompliment betrachtet. Ähem, nun ja – so kann man das sicherlich sehen, aber so war das eigentlich nicht gemeint.

Zum einen weiß ich natürlich nicht, in was der Kollege schläft: Vom eleganten Seidenpyjama mit gehämmerten Silberknöpfen bis hin zum abgetragenen Rippenunterhemd ist da ja alles möglich. Auch hellblauen Frottee mit dunkelblauen Bündchen könnte ich mir vorstellen. Ausschließen würde ich jedoch ein pastellfarbiges Nachtgewand mit Katzenmotiv oder lachenden Äpfeln darauf. Denn einen derartigen Graus gibt es für Männer dem Anschein nach nicht. Sowas ist weiblicher Nachtwäsche vorbehalten.

Ein intimer Blick in meinen Kleiderschrank …

Und das bringt mich zu einer Frage, die mich schon seit Jahren beschäftigt: Warum wird Damennachtwäsche so oft mit solchen Deppenmotiven bedruckt? Es ist wirklich frustrierend: Man braucht einen neuen Schlafanzug, sieht irgendwo ein gefälliges Modell in der richtigen Größe, faltet es auf und sieht: putzige Babykatzen mit Musikinstrumenten in den rosa Pfoten. Oder kleine Hunde mit Nachtmützen auf den rundlichen Köpfchen. Papageien mit Paillettenflügeln. Im besten Fall noch tanzendes Obst, Sonne, Mond und Sterne oder florale Fantasiegebilde. Gerne werden auch Rüschen oder Schleifchen irgendwo angenäht. Natürlich gibt es auch schlichtere Modelle, die sind aber deutlich schwerer zu finden als die verkitschen Dinger. Und ich frage mich wirklich, warum Nachtwäsche für erwachsene Frauen mit einem derartigen Babykram ausgestattet wird.

Passend zum Thema bekam ich in dieser Woche einen Wäschekatalog. Für mich war da nichts drin, ich brauche gerade nichts. Aber zum ersten Mal sah ich mir die Männerseiten genauer an – normalerweise habe ich für sowas ja keine Verwendung. Und ja, doch, ich hatte nicht so unrecht: Etliche der dort angepriesenen Schlafanzüge waren durchaus kameratauglich, zumindest, wenn die Beine mit den Cordpantoffeln unten dran unter dem Tisch bleiben und der Träger so hübsch gekämmt ist wie die lächelnden Herren auf den Bildern. Dann kann man diese Schlafobergewänder durchaus als Sweatshirt interpretieren. Insofern war meine flapsige Pausenbemerkung gar nicht mehr so unhöflich, denn das schäbige Rippenunterhemd traue ich dem Kollegen eigentlich nicht zu.

Man beachte die Frisur, die lässig-entspannte Haltung und den entschlossenen Blick …

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