Tücken der Finanzplanung 1

Das Jahr 2016 hat seinen Einzug gehalten – zwar unspektakulär, aber überaus angenehm. Auf eine Jahresbilanz für 2015 möchte ich dieses Mal verzichten: So viele Leute ziehen Bilanzen, veröffentlichen Jahresrückblicke – da kann die Welt auf meine sicherlich verzichten, und ich erst recht. Lieber schaue ich voraus und gebe mich der Planung für 2016 hin.

Und da fällt mir gleich auf, dass ich dieses Jahr schon einen großen Fehler gemacht habe – einen Kardinalsfehler quasi, nicht oder nur schwer wieder gutzumachen. Ich bin sogar sehenden Auges in diese Malaise gelaufen, indem ich darauf verzichtet habe, am Silvester nochmal in den Rewe zu laufen und Grünkohl zu kaufen.

Grünkohl mit Mettende

Ja, ihr lest richtig, mein Verderbnis wird von Grünkohl verursacht, oder besser gesagt von nicht vorhandenem Grünkohl. Denn der Grünkohl an Neujahr hatte bei uns immer Tradition, wegen der Finanzlage, wie mein Vater zu sagen pflegte. Denn gemäß des nordwestdeutschen Volkswissens (höre ich da irgendwo das Wort „Aberglauben“ flüstern?) gilt es als gesichert, dass derjenige, der an Neujahr Grünkohl verzehrt, im nächsten Jahr ausreichend Geld haben wird. Folglich gab es bei uns zuhause fast jedes Neujahr dieses bodenständige Essen, und wir kamen finanziell immer über die Runden.

Ich erinnere mich an eine Ausnahme von dieser Tradition: In einem Jahr – es mag so um 1988 herum gewesen sein – hatte meine Mutter den traditionellen Grünkohl vorbereitet, schön mit Kassler, Pinkel und Kochwurst. Und dann kränkelte die Familie: Der Vater hatte es am Magen, die Tochter war verkatert. Es gab also statt des fetten Kohlessens eine magenschonende Tütensuppe mit Brötchen. Am gleichen Abend ertappte ich meinen Vater dabei, wie er mit einer Gabel einen Happen eiskalten Kohls aus dem Kochtopf im Kühlschrank fischte, um das Finanzjahr doch noch zu retten. Ich erklärte mich solidarisch und nahm auch einen Bissen. So entkamen wir knapp der Insolvenz.

Ich habe diese Tradition auch in der Fremde fortgesetzt – die kleinen Kohlportionspäckchen der Firma Meica machen es möglich. Nicht wie bei Muttern natürlich, aber durchaus lecker. In diesem Jahr habe ich aber darauf verzichtet, denn ich hatte Silvesterbesuch und ahnte, dass mir diverse Reste bleiben würden. Es ist doch sinnlos, wegen eines bloßen Aberglaubens gutes Essen im Kühlschrank umkommen zu lassen. Und in der Tat hatte ich an Neujahr mehr als reichlich zu futtern übrig: zweierlei Salat, Würstel, zwei Sorten Blätterteigröllchen – die Ernährungslage war gesichert. Da noch mit Grünkohl zu kommen, wäre unvernünftig gewesen und hätte meinem guten Vorsatz, künftig weniger Lebensmittel wegzuschmeißen, deutlich entgegengestanden.

Und doch bleibt ein bisschen Nachdenklichkeit: Was, wenn der Volksglaube Recht hat? Was, wenn ich nun geradewegs der Pleite entgegenschlittere? Derzeit bin ich ganz ruhig, denn einen Joker habe ich noch. Was das ist, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

8 Kommentare zu “Tücken der Finanzplanung 1

  1. Um Deine Nachdenklichkeit zu beruhigen. Du hast an Grünkohl gedacht und allein der Gedanke sollte Deiner evtl. Insolvenz vorbeugen. Außerdem hast Du schon einer evtl. Essensvernichtung entgegengewirkt, da Dein Kühlschrank übervoll war.Also sei guten Mutes und futtere Grünkohl hinterher, bis 6. Jan gilt es noch. (Oder so)

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  2. Genauso geht es gerade deiner Tante Rita, die hat am Neujahrstag auf Sauerkohl zurück gegriffen. Aber ich glaube, wenn man nicht zu lange mit dem Grünkohlverzehr wartet, kann man das Jahr nocht retten!

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