Ein Abend mit Fremden

Gestern war mal wieder so ein Abend, der einen ganz anderen Verlauf nahm, als ich mir so gedacht hätte. Ich war mit der ewigen Antje auf dem Sachsenhäuser Weihnachtsmarkt am Goetheturm. Ich mag diesen kleinen Markt direkt am Rand des Stadtwalds, weil es dort so klein, übersichtlich und irgendwie gemütlich ist. Gut, man macht sich dort immer irgendwie dreckig, in Regenjahren ist man sogar bematscht bis hinauf zum Knie. Aber das weiß man halt und geht nicht im feinsten Zwirn da hin. Dieses Mal war es leidlich trocken, sodass nur die Schuhe bematschten und Hose und Jacke lediglich an den uralten, klebrigen Tischen und Stühlen schmutzig wurden. Alles war also so, wie es sein sollte.

Leuchtkeramik

Leuchtkeramik, das beste meiner vielen schlechten Fotos. Man beachte das Krokodil …

Das Angebot auf diesem kleinen Weihnachtsmarkt ist nicht riesig, aber erlesen: Hier gibt es zum Beispiel herzhafte Kräuterwaffeln, die nicht belegt, sondern behäuft wurden, Schreiber-Heynes Kartoffelwürste oder Suppen aus dem Glas. Zu Trinken natürlich dreierlei Glühwein, heißen Apfelwein, Winterbier oder Mispelchen und allerhand Alkoholfreies, Kaffee und Tee. Und natürlich Schnickschnack, so zum Beispiel Leuchtkugeln aus Keramik, die sich von mir einfach nicht vernünftig fotografieren lassen wollten, hessische Souvenirs und ein wenig Schmuck. Die Öffnungszeiten erwiesen sich zu unserem Glück als flexibel, an einigen Ständen bekam man bis 23 Uhr etwas zu trinken.

Das Beste ist auf diesem Weihnachtsmarkt aber nicht das Angebot, sondern die netten Leute, die man dort immer trifft. Irgendwie ist die Stimmung zu Füßen des Goetheturms so entspannt und gelöst, dass man sofort mit jemandem ins Gespräch kommt – das geht viel leichter als im hektischen Gedränge des großen Weihnachtsmarktes auf dem Römer. Wir hatten uns dieses Mal an einem der leicht bemoost wirkenden Tische niedergelassen, zum Glühwein trinken und Wurst essen. Kurze Zeit später kam ein Paar hinzu, etwas älter als wir und er mit Knie. Er litt, sie frotzelte, wir hatten Spaß. Man verglich die jeweiligen Leiden: Er hatte Knie, Antje auch, ich hatte Rücken, sie hatte Verstand. Die Stimmung schwankte zwischen sachlich und albern, das Gespräch war vielseitig: Mal ging es um Brotschneidemaschinen, dann um die Chancen durch berufliche Veränderungen, dann um Dialekte im Allgemeinen und das Hessische im Speziellen. Es wurde dummgebabbelt, was das Zeug hielt, aus den Fremden wurden Veronika und Jürgen, der Glühwein wurde je nach Geschmack ergänzt durch Bier und Mispelchen. Man muss schließlich auch mal Obst essen. „Fruchtzwerge“ nannte kürzlich jemand diese leckere Mischung aus Mispelfrucht und Calvados, die ich erst in Frankfurt kennen und schätzen gelernt habe.

Zwei kleine, leckere Mispelchen, fotografiert von Antje

Der Abend mit Fremden zog sich unerwartet lange hin: Waren Veronika und Jürgen gegen kurz nach neun schon einmal aufgestanden, setzten sie sich doch noch einmal wieder hin. Als in unserer Ecke langsam die Lichter ausgingen, schlenderten wir gemeinsam los – eigentlich, um heimzugehen. Doch wir blieben am Mispelstand hängen, Jürgen musste auch doch noch so einen „gelochten Ball“ kaufen und es gab immer noch mehr zu erzählen. Lustig war es, und ungemein anregend. Ein bisschen was an Dummheiten machten wir auch noch, aber darauf muss ich jetzt nicht eingehen (hier lesen schließlich Kinder mit!).

Ich liebe diese entspannten Abende mit Freunden und Fremden. Es macht immer viel Spaß, jemanden Neues kennenzulernen und festzustellen, dass man über das Gleiche lachen kann, obwohl man sich gar nicht kennt. Die entspannte, heimelige Atmosphäre auf meinem Lieblingsweihnachtsmarkt macht es einem leicht und ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

Fröhlich-tanzender Reigen der Keramikelemente – später am Abend. Auch das Krokodil schwimmt wieder fröhlich mit.

2 Kommentare zu “Ein Abend mit Fremden

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